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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 26. Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf.

Sonntag, 31. Zannar 1926

Einzelnummer 10 Pf.. Sonntags 15 Pf. 16. Jahrgang

Aus der Flucht vor der Inflation.

Richt müde werden!

Unser Weg ist vorgezeichnet.

Noch einmal ist der Kelch der Reichstagsauf- lösung oder... die Schrecknis der Diktatur an uns vorübergegangen. Luthers Husarenstück, böse Zungen nannten es denSprung in den Landwehrkanal", der ihm leicht das Genick hätte brechen können, zwang die überrumpelten Parteien zum Handeln: Man zog den Ertrin­kenden am Vertrauensvotum wieder ans feste Land. Und aus dem Beifallsgemurmel aller Parteitzrade zu dieser Notlösung wie aus der grundsätzlichen Zustimmung sogar der Reichs­tags-Antipoden zu dem freilich weitmaschigen und farblosen Kompromißprogramm läßt sich deutlich das resignierte Geständnis ablesen: Wir totff en auch nicht weiter. Tatsächlich decken sich denn auch selbst die Richtlinien der Extre­men, von einigen Seitensprüngen wie Für­stenabfindung oder Äölkerbundein- tritt abgesehen, mit denen der neuen Kapi­täne, sodaß der Regierungszeppelin fürs erste flotte Fahrt machen könnte, wenn man in der Kommandogondel die frische Brise zu nutzen und den bekannten Sturmzonen auszuweichen oder sie in kühnem Selbstvertrauen zu durch­stoßen versteht. Die Arbeitslofenbataillone wachsen der zweiten Million entgegen, jeder zehnte Deutsche ist heute ohne Erwerb und da ein Keil den andern treibt, dürste sich die Absatz-, Teuerungs- und Wirtschaftskrise in den nächsten beiden Monaten bis zum Einsetzen der Land- und Bauarbeit noch verschärfen. Und wenn heute täglich sechzehntausend Pfändungen, ungezählte Konkurse stattfin­den, so dürsten diese Schreckenszahlen den ver­antwortlichen Volksvätern ebenso zu denken geben wie die Riesendemonstrationen der ver­elendeten Massen und die blutigen Großstadtkra- valle, bei denen sich die Parteikampfhähne mit Knüppeln, Messern und Revolvern zu Leibe gehen. Welche Stärkungsmittel hat das Kabi­nett in Bereitschaft, um ein weiteres Hinabglei- ten breitester Volksschichten unter ein menschen­würdiges Maß abzudämmen? Wo sind die großen sittlichen, nationalen Ziele, für die sich verhetzte, zerrissene, ungezügelte Geister in brü­derlichem Wettstreit einsetzen könnten?

Morgen Nacht wird von KölnerDomdie Petrusglocke und von allen Stadttürmen wird die Freiheitskunde über Strom und Tal ballen, daß der Deutsche wieder Herr auf seinem Grund und Boden ist, und der Freudenrausch wird die Herzen noch jäher zu einander treiben, wie es das bitterste Leid schon tat. Und unsere Pulse fliegen mit denen der Brüder am Rhein in gleichem Takt. Dann aber grollt die bittere Er- kentniS wieder auf, daß noch Millionen und nicht bloß an Rhein und Saar den fremden Be­drückern ausgeliefert sind auf Gnade und Un­gnade. Zwar: Chamberlain hat auch den starren Sinn der Pariser Generäle und eine Lanze für Deutschland gebrochen. Aber auch bei den sechzigtausend Söldnern für das Rhein­land werden wir uns nicht bescheiden, sondern unbeugsam auf der uns schriftlich zuaefagten .Friedensstärke* (45 000) beharren. An der Rheinfront steht heute noch wie vor taufend Jahren das ganze deutsche Volk ohne Partei- und Klassenunterschied. Hier liegen die Saat­keime für das kostbare Gut eines tat- und opfer- frohen Volkswillens, denn jedem Kinde leuchtet es ein, daß man Deutschland außer Locarno- kreuz und Dawestribut nicht auch noch aus Jahrzehnte hinaus die schwere Besatzungsfron mit Militär--, Luftfahrtkontrolle ufto. aufpak- ken darf, wenn wenn man die aus den Fugen gerissene Welt wieder einrenken will.

Wir haben unsere Abrüstung?- und Zah­lungseide in alter deutscher Gründlichkeit ernst genommen. Wir werden aber auch in Gens, wohin man es zur Abrüstung plötzlich nun gar- nicht mehr so eilig hat, aus u n fe r e Wundmale und den Militärpopanz der anderen weisen. Denn nicht nur Rußland, sondern ganz Europa rings um unser eingekeiltes Ländchen und die fernsten Wellrivalen halten und riisten gigan­tische Kräfte zu Lande, Wasser und in den Lüf­ten. Wie will man diesen Widersinn mit den Schwüren in Versailles und... dem .Geist von Locarno« vereinbaren? Wird der deutsche Friedensherold nun endlich den falschen Pro­pheten die heuchlerische Maske abreißen? Der Brigant von Rom. Mussolini, Hai freilich noch kürzlich nach Paris hinübergerufen: .Gebt den Wünschen der Deutschen nach, und ihr habt das militärische Deutschland wieder«. Der Fron- vogt von Tirol entblößt damit nur sein zit­terndes Gebein weil ihm vor feiner Gottähnlich­keit doch zuweilen bange wird. Denn wenn seine Macht auch im Innern fester gefügt f ch e i n t als je, weil niemand vor dem Faschistennirst zu mucken wagt, in den Volkstiesen gärt und schäumt es verhängnisvoll. Und auch wir haben zu den. Ketzergerichten und Folterqualen unserer Brüder lange geschwiegen, um es mit

demJtaliano" nicht zu verderben. Jetzt aber, wo die Schwarzhemden und tutti-srutti-Männer selbst gegen unsere gerechte moralische Entrüstung Front machen, wollen wir den Kulturflandal, daß man Deutschen, schlimmer als den Senegal­negern, die Muttersprache, Religion, Schule und Recht verbietet, hinausschreien in alle Welt. Tie Schmerzensruie werden auch den Ungläu­bigsten ins Herz schneiden, Mussolini aber selbst wird aufhorchen und... vielleicht einlenken, beim auch er ist nicht so allmächtig, daß er nicht aus Gunst und Beistand der Außenwelt trotz aller glücklichen Schuldengefchäfte angewiesen wäre.

F. R.

* * *

Der VS kerbund host flky Rot

Paris, 30. Januar. (Eigener Drahtbericht.) Der Außensekretär Philippe B e r t h e l o t hatte gestern eine Unterredung mit dem Generalsekre­tär des Völkerbundes, Sir Eric Drummond über den Zeitpunkt des Zusammentritts des Vor­bereitenden Ausschusses der Abrüstungskonferenz

Gew oder das Leden.

Finanzminister Donmer als Steueradvokat.

(Eigene Drahtweldung.)

Paris, 30. Januar.

Bei der Finanzdebatte in der Kammer trat der Abg. Vincent Auriol für die außeroroent- liche Abgabe vom Kapital usw. ein. Man fei soweit gekommen, daß entschlossenes Handeln notwendig sei, aber man müsse sich davor hüten, von dem Sparkapital zuviel zu verlangen. Aeußerste Sparsamkeit in öffentlichen Ausgaben sei am Platze. Finanzminister Toumor führte aus: Man befinde sich nicht mehr in der Lage, eine Steuerreform durchzuführen. Auch könne man jetzt die Ungerechtigkeiten der indiretten Steuern nicht beseitigen, da man eben früher die progressive direkte Steuer nicht eingeführt habe. Jetzt fei man gezwungen, nach Quellen mit so­fort greifbarem Ertrage zu suchen. Im vergan­genen Jahre habe man siebzehn Milliarden In­flation bewilligt; das gehe nicht so weiter, da der Frank jetzt nur IM Centimes wert sei. Wenn man die öffentliche Schuld nicht amor­tisiere, dann sei überhaupt nichts zu machen. Die erhöhte Umsatzsteuer sei vom Kabinett ernst­lich geprüft und vorgeschlagen worden, damit sofort Einnahmen geschaffen werden, um die Schließung der Kassen oder aber eine neue drohende Inflation zu vermeiden.

Doumers verzweifelte RlanSver.

Paris, 30. Januar. (Privat - Telegramm.) Finanzminister Doumer erklärte zum Schluß: Es ist möglich, eine Steuer auf die Produk­tion und auf den Großhandel einzufüh­ren. Das bedeutet für diejenigen, die die Ab­schaffung der Umsatzsteuer verlangen, die Möglichkeit, sie nach einigen Monaten abzuschaf­fen dadurch, daß man sie in eine neue Steuer verwandelt, bei der man die Reibungen vermeidet, die zwischen dem Fiskus einerseits und dem Einzelhandel andererseits sich ergeben.

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Der Brotkorb wird hoher grhüngt.

Paris, 30. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) Wie angekündigt wird, soll der Brotpreis in der kommenden Woche wiederum erhöht werden, und zwar von 1,75 auf 1,80 Frcs. für das Kilo.

Ein undankbarer Voften.

England stellt den Saarpräsidenten.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 30. Januar.

Ein diplomatischer Korrespondent meldet, daß der nächste Oberkommiffar des Saargebietes ein Engländer sein werde Dieser Entschluß Hobe einigermaßen überrascht, da man mit der Ernennung eines Neutralen gerechnet hatte. Man könne bezweifeln, ob die Uebernahme die­ses Postens wünschenswert sei, da mit dieser Stellung nichts als Undank und endlose inter­nationale Mißverständnisse verbunden seien.

Grft Brot bann Locarno.

Chamberlain als Gewissen Europas.

(Eigener Drahtvc-tcht.)

London, 30. Januar.

In einem Leitartikel zur Pariser Zusammen kunft zwischen Chamberlain und Briand heißt es: Die Freundschaft zwischen Großbritannien und Frankreich hat in erster Linie ein konstruk- tives und fortschrittliches und nicht ein miß ironisches defensives Ziel. Seit Locarno hat die Politik zu der Frankreich erheblich beitrug,

einen gleichmäßig konstruktiven Charakter. Woh! ist der in Locarno vorgezeichnete Weg nicht ganz glatt. Haben sich doch schon einige Hindernisse gezeigt, so die lange Finanzkrise in Frankreich und die Wirtschaftskrise in Deutschland. Die Verschärfung der politischen Leidenschaften durch diese Ursachen ist geeignet, in beiden Ländern die größeren Fragen, um die es geht, zu ver­dunkeln. Wenn auch die Formen der Einigkeit sich bisher nur undeutlich erkennen ließen, so besteht jetzt endgüttig ein europäisches Gewissen.

4

König Georg vor dem JSariament

London, 30. Januar. (Privattelegramm.) In einer Kabinettssitzung wurde gestern der endgültige Entwurf der Thronrede zu der am Dienstag stattsindenden Eröffnung des Parlamentes durchberaten und gutgeheißen.

Filsch ans Werk.

Aller Augen warten auf Reinhold. (Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 30. Januar.

Am übernächsten Mittwoch wird der neue Reichsfinanzminister Dr. R c i n h o l d mit einer großen Etatsrede die Debatte über die Finanz­politik eröffnen. Der neue Reichshaushalt wird sich in sehr wichtigen Punkten von der bisheri­gen Reichsfinanzgebarung unterscheiden. Die Demokraten haben nämlich den Ehrgeiz, große Reformen einzuführen, um damit ihr politisches Ansehen zu stärken. In der Reichsfinanzpolitik dürften sich jedoch Dr. Reinhold sehr viel grö­ßere Schwierigkeiten entgegenstellen als in Sach­sen; denn 'm Jahre 1926 erfordert der D a - wcsplan immerhin weit größere Zahlungen als im Etatsjahr 1925. Auf wirtschaftlichem Gebiet hat der Reichskanzler die produktive Erwerbslosenfürsorge in den Vorder­grund gestellt, die am besten durch Wiederbe­lebung der öffentlichen Arbeiten und der Ver­gebung größerer Staatsaufträge ausgestaltet werden kann. Sehr viel wird davon abhängen, über welche Mittel die Reichsfinanzen verfügen werden, und inwieweit die Reichsbank zur Mitwirkung herangezogen werden kann.

Gelöste FüestenrStsel.

Ein geheimnisvolles Parteikompromitz. (Privat-Telegramm.)

/ Berlin, 30. Januar.

Zu eiifem gestern zwischen den Parteien ver­einbarten Kompromiß über die Fürstenabfin­dung bemerkt das Volksparteiblatt, daß der Wortlaut des Antrages erst am kommenden Dienstag im Rechtsausschuß des Reichstages eingebracht werden soll. Vorläufig werde der Antrag unterstützt von der Volkspartei, dem Zen- trum, den Demokraten, der Bayerischen Volks­partei und der Wirtschaftlichen Vereinigung.

ein vernichtendes Urteil

Englands Arbeiterführer unter sich.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 30. Januar.

In einem öffentlichen Brief des Führers der Eisenbahner, Thomas, greift dieser den Führer ner Bergleute, Cook, in schärfster Form an. Die Sympathie mit der schweren Lage der Bergleute wurde noch durch die Erwägung gesteigert, daß sie unglücklicherweise einen Mann zum Führer besitzen, der noch nicht einmal die elementaren Kenntnisse eines Führers hat. Cook würde der Sache der Arbeiter am besten dienen, wenn er sich >n absehbarer Zeit zur Ruhe fetzte.

Kabalen am Könlgshos.

Prinz Stirbey und Kronprinz Carol. (Eigener Drahtbericht.»

Paris, 30. Januar.

Im Budapester Bericht eines amerikanischen Blattes heißt es: Prinz Stirbey sei ein inti­mer Freund Bratianus und lebten Endes dafür verantwortlich, daß KronprinzCarol auf den Thron von Rumänien verzichtet habe (siegner des gegenwättigen Regimes, die unter Führung des Abg P h i l i p e s c u stehen, ver­suchten seit langem den Prinzen Stirbey zu be­seitigen. der nach ihrer Ansicht seine politischen Orders von B r a t i a n u erhalten und in dessem Sinne die K ö n i gi n Marie beeinflusse Man hört sogar von einem Zusammenstoß des Kron­prinzen Caro, mit dem Prinzen Stirbey vor sei­ner Abreise nach London und bchanptet. Prinz Carol habe damals König Ferdinand erklärt, er werde nicht eher nach Rumänien zurückkehren, bevor Prinz Stirbey den rumänischen K ö - ni« sho,f für immer verlassen habe.

Wiesbaden weint...

Als der Franzmann ab- und der Tommy einzog. Das ganze Leid einer geknechteten, ans dem Mntterbode« losgerissene« Volksseele auillt i« den folgende» Klage« einer emofindsamen Frauennatur auf, deren Schmerz doch a«ch naser Schmerz sei« sollte.

Alle Zeitungen sind voll von uns, teils beklagt, teils angestaunt, wie so oft fdron, stehen wir mal wieder im Mittelpunkt des Interesses, und wie so ost schon, ist doch Wohl kaum Je­mand im unbesetzten Gebiet, der unsere Lage richtig versteht, der sich auch nur annähernd ein Bild davon machen kann, was es für den auf­rechten Deutfchen nun schon seit Jahren heißt, in Wiesbaden zu Hause zu sein. Es hat neulich mal jemand über das Massacre in Damaskus mit mir gesprochen und war ehrlich erstaunt, als ich ihm sagte: .Genau so wäre es uns gegangen, wenn wir uns »gemuckst« hätten, wenn wir nicht so mit Lammesgeduld alles ertrügen, was uns in all den Jahren geboten ist.--Lammesge­

duld, Galgenhumor und eine gewisse Fertig­keit, uns zu »häuten« oder wie der neuzeitliche Ausdruck heißt, uns .umzustellen", das ist's, was man hier lernen konnte, besser gesagt »ler­nen mußte", und dann das Schweigen, alles sang- und klanglos in sich hineinzuschluk- ken.--Und wie oft haben wir uns bloß um­

gestellt, uns in alles gefügt, was die Entente über uns verhängte, auch in die Völkerschau, die sich im Lause der Zeit hier als unsere Herren aufspielte und die man sonst wohl bei Hagenbeck oder im Zirkus zu sehen bekam, aber nie voch als Mitmenschen, ja sogar alS Vorgesetzte", als mächtigere Zeitgenossen be­trachtet hatte, von denen ein Augenwink ge­nügte, um einen ehrlichen Deutschen ins Unglück zu bringen. Neben schicken Französlein, die auf den Straßen mit der Reitpeitsche in der Hand flanierten, erfreuten

schlitzäugige Ananiten, tiefschwarze Neger unser Auge, wildblickende, kriegerisch kostümierte S p a h i s haben uns umgerannt, respektive um» geritten, wenn wir schüchtern an die Häuser ge­drückt aus dem Trottoir gingen. Sie meinten es nicht einmal sehr böse, sie waren nur unge­schickt, denn bei ihnen zu Hause gab es keine Trottoire da ritt man blindlings alles in Grund und Boden, was einem in den Weg kam. . . . Und dann die edle Zunft der Separatisten, eine engere Auswahl von mit »grün-weiß-roten* Armbinden geschmückten Räubern und Bandi­ten, die uns mit französischem Segen .regier­ten", und uns zuvorkommend beim harmlosesten Zusammentreffen die geladene Pistole unter die Rase hielten. Zeiten haben wir erlebt, wo das arme deutsche Geld hler verhöhnt und verpönt war, wo nur der das Recht hatte, seine beschei­denen Lebensbedürfnisse zusammenzukausen, der Regiefranken flattern ließ. Eingesperrt sind wir gewesen, durften das besetzte Gebiet nur mit französischer Erlaubnis, mit tausend Stem­peln und Unterschriften, verlassen. Frankreich regierte, französische Aufschriften waren überall, französischer Unterricht in besonderen Gratts- Zirkeln, französische Zeitungen, während die deutschen verboten wurden, französische Befehle, Ordonnanzen, Schikanen, wer wagte es, sich da­gegen aufzulehnen l Stumm, dumpf, nur mit heimlich geballten Fäusten fügten wir un8, weil wir uns eben fügen mußten, weil das infame fremde Volk ja unsere Herren waren, die unser Eigentum beschlagnahmten und uns ausweisen durften Es ist gut, sich und andern, auch seinen Freunden im unbesetzten Gebiet, dies alle? noch einmal ins Gedächtnis zurückzurufen, damit man es nicht vergißt. Tempi passattl Der Frank ist Pleite, der Franzose hat hier

in Wiesbaden ausregiert, wir stellen uns abermals um. eine andere Flagge weht über uns, jetzt sind die Engländer am Ru­der! Sie kommen heimlich, über Nacht, gewisser­maßen unsichtbar rücken sie ein. Jedenfalls, um uns die Empsangsieierlichkeit aus Zartgefühl ,u ersparen. Mit vielen Zeremonien ist die (ent- tchuldigen Sie) verfluchte Trikolore von unserem deutschen Schloß heruntergeholt worden Es war dies ein anregender, ja fast aufregender Tag für die Bevölkerung, jeder sammelte bei diesem Anlaß noch einmal allen Haß zusammen, der sich ?m Laufe der Jahre anqebäuft hatte, ungeniert »ui erzählte man gegenseitig seine Erlebnisse mit der französischen Soldateska. Unwillkür- sich kamen die Engländer dabei ja nun gut fort, als ihre Farben am Flaggenmast hochgingen und die Hochlandstruppe das »God save the !ing" anstimmte, ja. in rührendem Mißverste­hen entblößten alle Männer ihr Haupt und 'ummten leise zu den wohlbekannten Klängen. Man konnte Tränen in die Augen bekommen, wenn man dies miterlebte, und dazu den wun­dervollen abgerundeten Haß gegen die bisheri«