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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 22. Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf.

Mittwoch, 27. Januar 1926

Einzelnummer 10 Pf.. Sonntags 15 Pf. 16. Jahrgang

Heuie Programm...

Rußland und Edina begraben das Kriegsbeil in der Mandschurei.

Mach End. o Herr!

Wird Luther einen Weg aus dem Elend finden?

Berlin, 26. Januar.

Die heutige politische Aussprache im Reichs­tag verspricht diesmal besonders interessant zu werden, da das neue Kabinett Luther einer starken Opposition von links und rechts gegen­übersteht. Man kann feststellen, daß die parla­mentarischen Anseinaizdersetzun» gen bereits ihren Schatten vorausgeworfen ha­ben, denn die Kämpfe im Untersuchungsaus­schuß des Reichstages über die M ar i ne meu­ter e i und die bedeutsamen öffentlichen Reden verschiedener politscher Persönlichkeiten bilden tatsächlich den Auftakt zu der Reichstags­debatte, die aller Voraussicht nach sehr scharfe Formen annehmen wird. Am Sonntag hat Reichswehrminister Dr. G e ß l e r vor dem de­mokratischen Parteiausschuß gesprochen, wo er eine plötzliche Wendung zu sei­nen Gunsten herbeigeführt hat. Allgemein besteht in den parlamentarischen Kreisen der Eindruck, daß die politsche Position Dr. G e ß - lerS in der demokratischen Partei eine erheb­liche Festigung erfahren hat. Der Fall Geß- ler, dessen Aufrollung man angekündigt hatte, wird demnach ohne weiteres im Sande ver- laufen.

Ein sehr bedeutsames Symptom für die Zu­spitzung der Gegensätze zwischen dem neuen Ka­binett Luther und den Deutschnationalen ist dar­in zu erblicken, daß der deutschnationale An­trag, den Eintritt in den Völkerbund bis zur Erfüllung einer Reibe vmnischer Forderun­gen auszusetzen, von der Regierung' rundweg abgelehnt werden wird. Die Versuche, in der Außenpolitik eine Verständigung mit den Deutschnationalen herbeizuführen, können als völlig gescheitert angesehen werden. Außenminister Dr. S1 r e s e m a n n wird da­her die Ausgabe haben, sich bei der ' eoorstehen- den Debatte mit der deutschnationalen Reichs­tagsfraktion auseinanderzusetzen, die entschlos. sen ist, die Außenpolitik der Regierung einer scharfen Kritik zu unterziehen. Die Linke wird von der Regierung eine eindeutige Erklärung über den Eintritt in den Völkerbuno verlangen und darauf bestehen, unter keinen Umständen eine Verzögerung des deutschen Zulaffungsge- suches zuzulassen. Wie weiter verlautet, ist der neue Reichsfinanzminister Dr. Reinhold ent­schlossen, die Reichsfinanzpolitik einer gründ­lichen Revision zu unterziehen, und im Hin­blick auf die Bedürfnisse der Wirtschaft eine Vereinfachung und Erleichterung des ganzen Steuerverfahrens durchzufüh­ren. Dr. Reinbold hat bereits mit den führen­den Wirtschaftskreisen Fühlung genommen und es heißt, er werde sich bei der Aufstellung sei­nes Programms sehr eng an die Forderungen der Äirtschaftsverbände anlehnen, die bekanntlich erst vor kurzer Zeit sehr energisch verlangt haben, die öffentlichen Staatsausgaben in möglichst großem Umfange herabzuseden, um durch entsprechende Sparmaßnahmen Steuerer­leichterungen für die deutsche Wirtschaft zu schaffen. Man darf daher gespannt sein, ob sich die Absichten deS Finanzministers bereits aus der Formulierung des Regierungspro­gramms erkennen lasten.

Unsere Finanz- und Wirtschaftsnöte sind im­mer noch katastrophal und der gestern gemeldete AuSfuhr-Ueberschuß dürfte bedauerlicherweise nicht einmal ein Zeichen der Besserung sein, son­dern er ist eher eine Folge der drückenden Ar- mut Deutschlands, das jetzt nicht mehr in der Lage ist, auf dem ausländischen Markt als Käu­fer aufzutreten. Denn die Besserung der deut­schen Handelsbilanz beruht nicht auf der Stei­gerung des Exportes, sondern nur an der Ab­nahme ver Einsubr fremder Erzeugnisse nach Deutschland Der Erport soll sogar weiter zurückgegangen sein. Für das Gesamtjahr 1925 gestaltet sich die Handelsbilanz insofern recht ungünstig, als der Ueberschuß der Einfuhr fremder Waren nach Deutschland gegenüber der Ausfuhr deutscher Waren ach dem Auslände sich auf rund 4,3 Milliarden Mark gestellt hat. 9JHt anderen Worten: Tas deutsche Volk bat 4,3 Mil­liarden Goldmark mehr an das Ausland gezahlt als es im Güteraustausch für seine eigenen Erzeugnisse eingenommen hat. Dieses erschreckende Mißverhältnis ist hauptsächlich da­durch entstanden, daß im vergangenen Jahre sehr viele ausländische Automobile in Deutschland angekauft worden sind, und daß namentlich die amerikanische Automo­blind u st r i e bei uns einen ziemlich hoben Absatz fand. Auch an schlechten amerika-

nischenFilmen kommt noch so außerordent­lich viel nach Deutschland herein, daß man sich nicht wundern darf, wenn Deutschland unter sol­chen Umständen eine günstige Handelsbilanz a.uf- zuweisen hat. Aus dem Wege der Betriebs sttllegungen wird jedoch die deutsche In­dustrie schwerlich konkurrenzfähig aus dem Aus­landsmarkt austreten können und es sei daher in diesem Zusammenhang daraus verwiesen, daß Die mangelhafte Produktivität der deutschen Wirtschaft, ferner die ungenügende Entwicklung des allgemeinen Preisabbau­es an diesem unglücklichen Zustand die Haupt­schuld tragen dürsten. Wenn Deutschland in die Lage versetzt werden will, auf den auslän­dischen Märkten als Verkäufer aufzutreten, so muß es seine Erzeugnisse verbilligen und die Herstellung entsprechend steigern, um die Ange­bote der andern zu übertrefsen. Alle diese Mo­mente hängen so eng mit dem Wohl und Wehe der gesamten Nationen zusammen, daß es drin­gend notwendig erscheint, sie endlich einmal zur Erörterung zu stellen, damit der Zustand der dauernden Krise und der Verschärfung der Ar­beitslosigkeit überwunden werden kann.

Luther wirbt um Vertrauen.

Das Geheimnis der heutigen Erklärung. lEigener Informationsdienst.)

Berlin, 26. Januar.

Im Reichstag ist die Regierungserklärung des Reichskanzlers Dr. Luther auf heute nach­mittag 2 Uhr angesetzt worden. Die Sitzung wird alsdann auf Beschluß veS AeltestenratS auf Mittwoch vertagt werden. Die politische Debatte soll nur zwei Tage dauern, sodaß am Donnerstag Abend Abstimmungen über die vorliegenden Mißtrauensanträye bet Kommunisten und Völkischen und über die Bil­ligungsformel stattfinden können. Die Redezeit für jede Fraktion beträgt nur eine halbe Stun­de. Am Sonnabend, Montag und Dienstag fin­den keine Plenarsitzungen statt. Die heutige Erklärung wird voraussichtlich etwa zwan­zig Minuten dauern. In der inneren Politik wird der Kanzler sich für verstärkten Ar­beiterschutz und einen notwendigen Aus­bau der ArbeitSlofenfürsorge aus- sprechen. Die sozialpolitische Richtung des neuen Kabinetts wird es der Sozialdemokratie ohne weiteres ermöglichen, ihr Billigungsvotum aus- zusprechen. Außenpolitisch wird die Erklärung auf die Notwendigkeit einer zufriedenstellenden Regelung der Besatzungsfrage Hinweisen.

Unter der Zwingherrsckmft.

Dr. Simons gegen die Sck/ande von Südtirol. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 26. Januar.

Bei einem Vortrag über das Recht der Min­derheiten unterzog Steichsgerichtspräfident Dr. Simons die Südtiroler Frage einer streng wissenschaftlichen Untersuchung. Italien habe bei der Uebernahme Südtirols in feier­licher Form eine liberale Behandlung der neuen deutschen Untertanen zugesichert. Auch der Völkerbund habe eine allgemeine Re­solution gleichen Inhalts gefaßt. Tatsächlich fei denn auch bis zum Herbst 1923 loyal diese libe­rale Polittk in Südtirol innegehalten worden. Erst im Oktober 1923 habe durch die Erlasse des Präfetten von Trient die neue Jtalieniflerungs- politik eingesetzt. Unzweifelhast fei in der Miß­achtung feierlicher Verfprechungen durch Italien auch völkerrechtlich eine außerordentlich schwere Verletzung geltenden Rechts gegeben.

33otf«hoher Bosdari als -»euge.

Berlin, 26. Januar. (Privattelegramm.) Laut Pressenotiz ist der italienische Botschafter, Graf Bosd ari, gestern früh nach Italien ab« gereist. Ob die Annahme, daß Gras Bosdari mit Mussolini auch über die Vorgänge in Süd­tirol sprechen wolle, richtig ist, konnte das Ber­liner Blatt nicht in Erfahrung bringen.

Ein Feind derGrünen".

General Walch gegen Polizeiverstärkungen.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 26. Januar.

Der Kontroll-Bericht der durch General Walch in Berlin übermittelt wurde, erklärt sich zunächst mit einigen Verpflichtungen befriedigt,

während andere zu wünschen übrig ließen. Be­züglich der Polizei habe Deutschland die Absicht, eine neue Erörterung über Stärke und Vertei- limg herbeizuführen, um eine Erweiterung des Polizeikontingents um fünftausend Mann zu erreichen, die zur Verstärkung an den Brücken­köpfen bestimmt seien. Das laufe darauf hin­aus, Deckungstruppen an gewissen strategisch wichtigen Punkten zu konzentrieren.

Verrauschte KriegsgewMer.

Rußland verträgt sich wieder mit China.

(Durch Fum'spruch.)

Moskau, 26. Januar.

Halbamtlich wird gemeldet, daß am 24. Ja­nuar vom sowjetrussischen Generalkonsul in Mukden und dem chinesischen Autzenkommiffar folgendes Abkommen unterzeichnet wurde: Der Direktor der Ostchinabahn, Iwanow, sowie alle von den mandschurischen Behörden anläß­lich des Konfliktes wegen der Ostchinabahn Verhafteten, werden freigelaffen. Der normale Eisenbahnverkehr wird wieder hergestellt. Mi­litär und Schutztruppentransporte erfolgen nur auf Grund der bisherigen Bestimmungen. Die Frage des Schadenersatzes wird den Gegenstand eines weiteren Beschlusses bilden. Inzwischen ist die Freilassung Iwanows erfolgt und mit der Freilassung der übrigen Verhafteten begon­nen worden. Somit kann eine friedliche Lösung des Konfliktes als gesick)ert angesehen werden.

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Der Klügere gldl nach...

London, 26. Januar. (Privattelegramm.) Die vorläufige Beilegung des russisch-chinesi­schen Konslikces ist, Wie die Blätter berichten zum Teil durch das Nachgeben Rußlands in der Finanzfrage herbeigeführt worden. Rußland hat von sofottigen Barzahlungen für die chine­sische Benutzung der Bahn Abstand genommen, roofüi es sich aber für die Zukunft eine strengere Kontrolle über die Bahn gesichert hat.

Verschmähte Liebe.

Moskaus Fiasko im Reich der Mitte. (Eigener Drahtbettcht.,

London, 26 Januar.

Ein Pekinger Korrespondent meldet: Die chinesische öffentliche Meinung ist sehr erregt über den Zwischenfall mit Rußland. In Peking und anderen Städten werden antibolsche- wistische Kundgebungen organisiert. Das Blatt schreibt: Die bolschewistische Propa­ganda in China hat sich seit einiger Zeit indi­rekt gegen die Bolschewisten selbst ge­wandt und tut dies jetzt ganz offen. In der Entwickelung der Dinge in China ist ein sehr wichtiger Wendepunkt erreicht worden.

Sbn Saud als König Arabiens?

London, 26. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) Ein Blatt meldet aus K a i r o: Blättermeldun- gen aus W o d e i d a besagen, daß Ibn Saud einen neuen Krieg vorbereite, der ihn im Falle eines Erfolges zum Beherrscher der gan­zen arabischen Halbinsel machen würde. Anlaß ist die Besetzung des Gebietes von Assir durch den Jman Aahya. Ibn Sand soll Emir von Assir in dessen Unternehmungen unterstützen.

Mehr kann Italien nicht.

Graf Volpis Schuldenplaidoyer.

(Eigener Drahtdertcht.)

London, 26. Januar.

Der italienische Finanzminifter Graf Volpq erklärte bei einem Bankett, das Budget Italiens werde unter allen Umständen balanziert bleiben. Italien sehe in seinen Kttegsschulden Ehren­schulden und es sei bis zur äußersten Grenze seiner Zahlungsfähigkeit bereit, sie zu regeln. Das Endergebnis könne sich nicht anders dar- ftellen als eine Anerkennung der tatsächlichen La­ge beider Länder, gefördert durch die bestehende traditionelle Freundschaft untereinander.

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»eilte ein Abkommen zu erwarten

London, 26. Januar. (Eigener Trahtbericht.) Wie Reuter erfährt, sind bei den Besprechungen zwischen Churchill und dem Grasen Volpy gute Fortschritte erzielt worden. Heute hofft man zu einer Einigung über den Entwrf eines Abkom­mens über die Schuldentilgung zu gelangen.

Kameraden an Bord.

Admiral Trotha nimmt die Marine in Schutz.

Nachdem im Weltkriegsausschutz flefter« Reichs« roeSrmieifter Gehler 'christlich eine Mitschuld des Kapitäns Ca » ariS an der Flucht des Liebknechtmörders Bogel zurückgcmiese« batte, da Uanaris damals in Liiddentschland mar. wandte sich Admiral Trotha gegen die An­klage». die »o« Dittman» erhoben würbe«. Der Vorsitzende im Untersuchungsausschuß für den Weltkrieg gab gestern Kenntnis von fol­gendem Schreiben, das von Vizeadmiral von Trotha eingegangen ist: .Nachdem der Herr Reichswehrminister sich entschlossen hat, die zum Ausschuß entsandteil Komissare vorläufig nicht mehr zu entsenden, bin ich nicht ;n der Lage, in der Sitzung des Ausschusses heute nachmittag zu erscheinen. Ich leg aber großes Gewicht dar­auf, über die in Frage stehenden Vorgänge Aus­kunft zu geben. Die sofortige Verneh­mung des Vizeadmirals von Trotha wird be­schlossen. Der Vorsitzende teilt mit, daß u. a. auch Admiral von Capelle um seine Verneh­mung gebeten habe. Hierauf gibt Abg. Graf v. der Schulen bürg (Dntl.) folgende Erklä­rung ab: Es sind besonders von den Zuhörern beispiellose Schmähungen gegen das Offizier­korps der alten Wehrmacht gerichtet worden. Ich erkläre daher für die alte Wehrmacht und fiir mich selbst, daß ich diese Verleumdungen mit allem Nachdruck zurückweise. Die alte Wehr­macht hat in hingebender todesmutiger Treue bis zu ihrer letzten Kraft vier lange, schwere Jahre dem Ansturm der Feinde standgehalten und die Grenzen des Vaterlandes geschützt.* Darauf wird

Vizeadmiral von Trotha vereidigt.

Er wendet sich gegen die Darlegungen des Abg. D i t 1 ma n n, daß Mannschaften auch in drin­genden Fällen keinen Urlaub bekamen, während z. B. ein Offizier schon anläßlich einer Niederkunft feiner Frau beurlaubt wurde. Der betreffende Offizier habe feinen Wohnsitz in Wilhelmshaven gehabt. Andererseits sei der Bedarf an Mannschaften ungeheuer groß gewe­sen. Bei einem großen Kreuzer oder bei einem Linienschiff, auf dem jeder Mann im Jahre zehn Tage Urlaub haben sollte, fielen außerdem durch Krankheit, Kurse ufw. sicher hunoert Mann aus, zusammen weit mehr als die Ge- fechtsbesatzung eines schweren Turmes. So schmerzlich es war, so konnte man selbst manche berechtigten Wünsche nach Urlaub nicht allen er« füllen. Jeder Vorgesetzte, soweit ich sie als Mensch kennen gelernt habe, hat fein bestes getan, um den berechtigten Wünschen gerecht zu werden. Ich kann ferner bezeugen, daß 9lbmi- ral Scheer bei verschiedenen Gelegenheiten auf das ernsteste daraus hingewiesen hat, daß gerade in Kriegszeiten die Strafanwendung auf das sorgfältigste und unter Berücksichtigung aller Verhältnisse und auch des Druckes, unter dem die Mannschaften standen, in Ruhe und ohne Uebertreibung zu handhaben wäre. Abg. Ebert hat im Hauptausschuß erklärt, daß aus der Ma­rine verhältnismäßig wenig Beschwerden vor­lägen. (Hört, hört, rechts). Abg. Noske war längere Zeit an Bord von S. M. S.von der Tann" und hat dort das Leben der Offiziere und Mannschaften kennen gelernt. Auch er hat nachher

keine Beschwerden vorgebracht.

Bei dem ©etfoe, das für die Verpflegung nutz­bar gemacht werden konnte, bestand zwischen Offizieren und Mannschaften anfangs ein Un­terschied von 1,15 M, der sich aber nach und nach auf fünfundzwanzig Pfennige verminderte. (Hört, hört rechts). Die Verpflegungssätze tour» den im weiteren Verlaufe des Krieges wesent­lich erhöht. An Brot bekam die Mannschaft weit über das doppelte dessen, was bet Bürger in den Großstädten erhielt. Ebenso war es beim Fett. Im Kriege wurden die Menagekom­missionen eingeführt, die bald von den Verpfle. gungsfragen zur Behandluna von politischen Fragen übergingen. Aber wenn eine Truppe ihrer vaterländischen Pflicht genügen soll, so muß sie eingestellt fein auf den einzigen großen Gedanken: Hier geht es für das Vaterland!

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England ins Herz.

Warum die Flotte angreifen fnttit.

Admiral v Throta besprach dann die Vor­kommnisse von 1917. KöbeS einer der erschossenen Mattosen. hat in der betreffenbai Versammlung gesagt: .Die Heizerwache hat uns eigentlich einen schlechten Streich gespielt, denn in vierzehn Tagen oder drei Wochen wollten wir zu einem großen, Schlage ausholen.' Diese Rede wurde uns bereits am selben Tage, als sie gehalten war, von allen Seiten bekannt gegeben, sodaß an ihr kein Zweifel ist. Schon das allein ist der Aufruhr. (Unruhe links.) Ein Matrose