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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Der Klbonnemcntßpttla betr'ifitVü

H*6SE ^b^'Si'eneobgebolf Uw Mk. Durch dir Poft monatlich 2.00 ausichliekiich daftellungsoebühr. Berta« und Redaktion Tchiachtvokstraft^ 28/30 7»nw"cher 00. und »52. Mr unnerlan«. ring.iandt. »eTfrZ«ann Me «e-- 'aktion dine Berantworruna oder (Seroahr in keinem fsglle übernehmen Rück- o&er«"».* menen etwaiaer nicht ordnunqSmSftiger iekerNnn ist anSaekchloften. r-oftiche<kkon«o Sbtenffnrf a. Main Nummer 83S0

Hessische Abendzeitung

delleaovfiL. euimäriiae Gelcküttz.

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19. Einzelnummer 1» Pf, Sonntags 15 Ps.

Sonnabend, 23. Januar 1926

Einzelnummer 10 Ps, SonnlagS 15 Pf

16. Jahrgang

Der Nevolutionöherd in öer Marine.

Sefangnis für Sechtfäver

®ncnf» In ber SeldNemme.

Paris, 22. Januar. (Eigener Drahtbericht.i inisterpräsldent Brrand hat oeftern verschiede-1

links suchen. Im elfteren Fall ist entschlossener Widerstand aller kapitalistisch interessierten Kreise zu erwarten, im zweite empörte Aus- regung unter den Massen, deren Konsum bi­ms Unerträgliche belastet werden müßte.

öoraöfefe öer Ankunft.

Frankreich« jüngste Partei.

(Eigene Drahttneldung.»

Pari«, 22. Januar.

Gestern wurde in einer öffentlichen Versamm­lung eine neue Partei, dieReue Rechts, gegründet Es handelt sich um eine Jugendbe- wequng, die im Innern eine Politik der Autorität betreiben will. Auf nußenpolitt- chem Geblet sagt sie sich los vom Chauvinismus der bestehenden Rechtsparteien und will den europätschen Solidaritätsgedanken fördern.

DleWurzeldestlebklS

Schon wieder Krisenlust in Pari«.

Bon Dr. Paul Rohrbach.

Zwischen der Situation in Deutschland und in Frankreich gibt eS gewisse Aehnlichkeiten. Vor allem steht in Frankreich eine beherrschen, de Frage im Vordergrund, die der Währung. An diesem breiten Graben muß jede Partei, die sich bereit erklärt, zu regieren, auch zeigen, wie sie springen will. Allerdings wollen die meisten Leute in Frankreich von einem wirklichen Sprung noch nicht viel wissen, sondern drücken sich mit allerhand sprunghaften Gebärden und Anläufen am Grabenrand hin und her. Um die Lage richtig zu erfassen, muß man sich die Par» teiverhältnisse in der französischen Kammer ver­gegenwärtigen. Bis zum 11. Mai 1924 regierte derNationale Block", dieKriegs- und Siegs­partei* unter Führung Po 1 ncariS, für die jedes finanzielle Problem sich in die kurze For­mel auflöste:Der Boche wird alles bezahlen!* Bei den Maiwahlen 1924 wurde der Poincaris- muS gestürzt und dasKartell der Linken* er- hielt die Regierungsmehrheit. DieS Kartell war gegründet worden zum Zweck der Wahl, um die gefahrdrohende Herrschaft der chauvinistischen Rechten zu beseitigen, aber eS besaß kein ein­heitliches positives Programm außer der all­gemeinen Einsicht, daß sich die Gewaltpolitik ge- gen Deutschland nach dem Sys'-m Poincares und die uferlose Finanzwirtschaft nicht länger aufrecht erhalten ließen.

München, 22 Januar. (Eigener Drahtbe­richt.) Aus Innsbruck wird gemeldet, daß der Goldschmied Josef Staber-Briren als Porsitzender des Turnvereins vor Gericht gela­den wurde, da er kürzlich Fecht-Säbel nicht angemeldet hatte Staber war der Meinung, der Sekretär des Vereins hätte die Säbel nngemel« «niniftprhrÄfih.^ "LI bet Gr wurde nunmehr zu zweieinhalb Mona-

Mrmsterprastdent Brrand hat gestern verschiede-> ten Haft mit Bewährungsfrist verurteilt.

neu Abgeordneten erklärt, daß er Wert darauf lege, sofort verfügbare Mittel für das Schauamt zu finden. Er sehe hierzu die Ueberumsaq. steuer als geeignet an, er sei aber bereit, auch einen anderenBorfchlagin Erwägung zu ziehen. Er werde bei der Beratung in der Sam­mer die Vertrauensfrage nicht stellen, da eS sich nur um eine fiskalische Frage handele.

Unschuldig im Werfer.

Ein Freispruch in Südtirol.

(Brivat-Telegramm.)

München, 22. Januar.

Au« Innsbruck wird gemeldet, daß in Trient die Berufung-Verhandlung gegen den in Bozen zu elf Monaten zwanzig Tagen Kerker ufro. ver­urteilten verantwortlichen Schriftleiter Peter FiichSbrugger, ftattfand. Der Gerichtshof gab jedoch der Berufungsbegründung, daß die Ange­legenheit alS politisches Verbrechen unter die Amnestie falle, Folge und sprach Fuchsbrugger rei. Das Blatt hatte bis beute fein Erscheinen wegen der Verurteilung ernstellen müssen.

Sima muß man fein.

Ministeralter einst und jetzt.

Srflber neun, beute ,wölf Minister. Die Mi- mster werden jünger. Der Benjamin des Re» biueils. Marx her Senior. Zwei Sechsen. Die beidenWertbestÄndigeu": Gehler und Branns. Laü Dreirauzler-Sabinett.

Unter Miuifter» stellte man sich im Frieden sehr würdige und sehr betagte Herren vor, die eigentlich das Leben schon hinter sich hatten und ausgesprochene Maschinen im Dienste des (Staa­tes waren, die die Staarsaufgaben auf Grund ihrer .Lebenserfahrung* sozusagen automatisch bewältigen. Das letzte Fricdenskabinett von »914 bestand nur aus sieben Persönlichkeiten (mit Kriegs- und Eisenbahnminister aus neun). Die Zahl der Reichsministcrien beträgt gegenwärtig zwölf, weil das Innenministerium in vier Arbeitsgebiete aufgeteitt ist und auch noch das Ministerium für die besetzten Gebiete für Ver­kehr und Reichswehr hinzugetreten sind. Dem Lebensalter nach zählte das frühere Neun-Män- ncr-Kcibinett 54 3 Jahre. Das bedeutet ein Durchschnittsalter für den cinzelnen Minister von 60,3 Jahren Von den erwähnten Persön­lichkeiten überschritten dieses Durchschnittsalter ihrer Regierung nicht weniger als fünf. Der jüngste Mann war der Staatssekretär v. Jagow mit 51 Jahren, und der älteste der Staatssekretär K r ä t k e mit 69 Jahren. Der Kanzler V.B e t h m a n n - H o l l w e g selbst War damals 58 Jahre alt. Dem Alter nach stand er int Kabinett an siebenter Stelle, war also der driktjüngste Minister.

Der Kanzler des gegenwärtigen Reichskabi- stetig, Lr. L uther, ist heute noch elf Jahre jün­ger als Aethmann-Hollweg, und wird in dem neuen Kabinett an Jugend nur noch durch den Reichssinanzminister Dr. Reinhold übertrof­fen. Dieser ist der Benjamin des Kabi­netts mit einem Alter von 38 Jahren, wäh­rend Luther als zweitjüngster in ziemlich weitem Ab stände mit 47 Jahren folgt. Der Reichsaußen- miniftcr Dr. Stresemann steht der Jugend nach an dritter Stelle mit 48 Jahren. Sein Par­teifreund, der neue Wirtschaftsmiwster Dr. Curt in ?, zählt 49 Jahre. Der Berkebrsnlini- ster K r o h n e ist 50 Jahre alt Die beiden De­mokraten Dr. G e ß l e r und Dr. K ü l z stehen im 51. Lebensjahre. Die drei ältesten Männer des Kabinetts sind Brauns mit 58, S t i n g l mit 62 und Dr. M a r r mit 63 Jahren. Letzterer ist also der Aelteste des Kabinetts. Sämtliche Mitglieder zusammen haben ein Alter

von 517 Jahren Das durchschnittliche Minister- alter in dies in Kabinett ist also 51,7 Jahre. Un­ter diesem Durchschnittsalter bleiben nicht weni- ger als sieben Kabinettsmitglieder zurück. Die gegenwärtigen zehn Minister sind zusammen über fünfundzwanzig Jahre jünger als die erwähnten neun Friedensminister.

Schon das erste Kabinett Luther-Stresemann wurde scherzhaft das .Reichskabinett S. O. 16* genannt, weil seine beiden führenden Männer in demselben Postbezirk in der Reichshauptstadt S. C. 16 geboren sind, Stresemann in der An- nenstraße, Luther am Michaelkirchplatz. Dagegen sind sämtltche andere Mitglieder des neuen RetchskabinettS Nichtberliner. Der neue und bisherige sächsiche Finanzminister Dr. Reinhold kommt aus der ZeitungZbrancke und ist Eigentümer deö Leipziger TaaeblattS. seine Gattin, Caroline Merck, ist eine Rach- kommin des bekannten Goethofr undeS Johann Heinrich Merck und entstammt der bekannten Aormftäbtcr Familie Merck, die dort die Hof­apotheke und große pharmazeutische Fabriken be- sitzt Zwar nickt ZeitttngS-, aber Bückerverleger tft der Schwager des neuen Reichssinanzmini- lteT?Zu "Wolff in Leipzig Er ist Inhaber de» bekannten gleichnamigen Leipziger Berlages und hat ,'bensiills eine geborene Merck auS Darmstadt geheiratet Sachse ist auch der neue Innenminister Dr. Wilhelm Külz.

Dopen des Reichskabinettz ist Der ReichS- Keßler geblieben, der seit dem Oktober 1919. das heißt seit Über sechs Jahren, ununterbrochen in der Reichsregierung sitzt und seine Absicht, sich in sein Buen retlre. das stille Landttädtchen Lindenberg im Allgäu, wo er einen Bauernhof besitzt, zurück,uzi hen. aufgegeben bat. Der Näckstält-ste ist der Reicks- arbeitsminister Brauns. .Heinrich der Wert- beständige*. tote man ihn scherzhaft nennt weil er seit dem Juni 1920 ununterbrochen an der Spitze des Reicksarbeitsministeriums steht Er tft im Reickskobinett der ruhende Pol in der Muckt der Erscheinunaen. der auf polit. Gbi-te wenn auch hinter den KnliNen, einslußreicker iss, 'ls Außenstehende ahnen. Dagegen ist der schon dem ersten Kabinett Lutber rnaehörende Reicks- nostmnnster Stingl ebenso wie sein Kollege vom Verkehr, Dr. K r o b n e. im Reickskabinett "-elttiich wenig hervorgetreten.

Man könnte die neue Reichsregierung auch

Russen gegen Chinesen.

Gespannte Lage in der Mandschurei.

(Durch Fnnksvrnch.t

Tokio, 22. Januar.

Ein Telegramm besagt, daß Tschangtsolin die Verhaftung des Sowjetdirektors der ost-chinesi­schen Eisenbahn Jwanoff angeordnet habe. Ein Telegramm aus Clwrbin besagt, daß chinesische Truppen sich in Charbin konzentrieren. 2er Sowjetbotschafter in Tokio soll erklärt haben, daß die russische Regierung entschlossen sei, ihre Forderungen durch Machtmittel zu nnterstiitzen.

Pier Genera e pesen i'entj

London, 22. Januar. Ein Blatt berichtet aus Tiensin Fengjuhsiang nehme jetzt die politischen Konferenzen wieder auf. Es verlautet, daß L i t s ch i n g l i n von Schanghai auf T i e n t - s in vor rücke, um sich mit Tschangtsolin zu verbinden. Wupeifu und Suntschuanfang seien geneigt, sich dieser Kombination gegen den von Feng vertretenen bolschewistischen Ein­fluß mitallen Kräften anzuschließen.

; Aw die Matrosen murrten

. Zusammenbruch vor dem ReichstagSausschuh.

(Durch Funlspruch)

Berlin, 22. Januar.

Der Untersuchungsausschuß des Reichstages, der die Ursachen deS Zusammenbruches von 1918 erforschen soll, beschäftigte sich heute mit den Unruhen in der Marine, die den ersten An- stoß zur Revolution von 1918 gegeben haben. Abg. Dittmann (Soz.) stellte zunächst in fei­nem Referent auS den Akten fest, daß feit Kriegsausbruch bis Ende 1917 in der Marine folgende Strafen verhängt wurden: ISO Jahre Gefängnis, 181 Jahre Zuchthaus und zehn Todesurteile, von denen zwei vollstreckt worden sind. Als U r f a ch e n der Erbitterung der Mannschaften bezeichnete er den großen Un­terschied zwischen der Beköstigung der Mannschaften und der der Offiziere aus den Schiffen im Kohlrübenwinter 191617. Die Mannschaft fei davon überzeugt gewesen, daß die für sie bestimmten Lebensmittel zum großen Teil in die Offiziersmessen gewandert feien, wo die Offiziere trotz der Not der Zeit große Schlemmereien und Festgelage abgehalten hüt, ten. Als dann auf mehreren Schissen die Mann- schäften demoustrattv dem Dienst sernblieben, habe man als die Ursache dieser Insubordina­tion Verhetzung durch die U. S. P. angegeben. Tatsächlich sei damals bei den Mannschaften die Sehnsucht nach einem Verständigungsfrieden und die Hoffnung auf die internationale sozialdemokratifche Konferenz in Stockholm sehr groß gewesen. seien auch Unterschriften für einen Verständigungsfrieden gesammelt worden. Keineswegs sei dabei aber an eine Sabotage der Landesverteidigung ge­dacht worden. Die Führer der U. S. P. hätten von diesen Listen gar keine Kenntnis gehabt. Beurlaubte Matrosen hätten ihnen lediglich Be­schwerden über Verpflegung ufto. vorgebracht.

Die Opfer der Verschwörung

Dittmann übet den Kriegsverratsprozeß. (Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 22. Januar.

Im Reichstagsausschutz fuhr «bg. Ditt- wenn in seinem Bericht fort: Wahrend der Flottenchef 1917 den Dienststreik auf Unter, ernftljnmg, Abspannung der Mannschaften zu­rückführte, hätten erst die beiden KriegSgerrchts- räte aus der Sache eine Verschwörung gemach. Bei der Untersuchung wäre ein unerhörter Druck ausgeübt und auch mit gefälschten Pro­tokollen gearbeitet worden. Die kriegsgcrichtS- räte Dr. Do bring und Dr. Losch hätten mit einem Heer von Lockspitzeln förmlich eine Menfchenjagd organisiert. Auf Spitzelaussagen fet bann die Anklage wegen Kriegsverrat gegen die Matrofen Reicks Pitz nnd andere zustandegekonnnen. In einem Rechtsgutachten habe Admiralitätsrat Dr. Felisch sofort eaUärt, daß die Vorbedingungen des Krie-^verrats nicht gegeben seien. Admiral von Sckeer habe diese rechtticken Bedenken gegen die Todesur­teile ausdrücklich anerkannt, aber dennoch die Todesurteile bestätigt, um ein Exemvke ttt statu Seren. Am 5. September seien Reickspitz und Köbris, beide Teilnehmer am Skagerack, auf dem Schießplatz Wahn bei Köln erschaffen narben. Dittmann bezeichnet diele Erschieß',no alS einen militärischen Willkürakt an« politi­schen Motiven, als einen HTt des Terrors gegen die Friedensresolution deS Reichstages und gegen die tt. S. P. Letztere habe lediglich einen 5erftnntogungsfriti>en herbeiführen wollen.

3n Bezug aus Deutschland kam, nicht ohne Mühe, die Reihe der bekannten Einigungen zu­stande: London, Locarno. Bei der Finanzreform aber ist keine mittlere Linie zwischen den beiden Hauptgruppen des Kartells der Linken, den Radikalen* und denSozialisten* zu finden. Die bürgerliche, oder besser gesagt die bourgeoise Denkweise Hegt dem Franzosen so tief im Blut, namentlich wenn es sich um Dinge wie Zins, Rente, EinkommenSsestsetzung, Be­steuerung ufto. handelt, daß nicht einmal un­ter den hundert Sozialisten, die eS in der Kam- wer gibt, jeder einzelne als ernstlicher Vertreter eines im deutschen Sinne sozialdemokratischen Programms angesehen werden kann. Die äußerste bürgerliche Linke, nach französischer Be­nennung dieSozial-Radikalen*, würde die Ka­pitalabgabe mitmachen, kaum aber die Friedens­politik In Marokko und Syrien und keinesfalls den freiwilligen teilweisen Abbau des Milita- riSmus. Dieser hat feine begeisterten Anhän­ger bi, in die eigentliche sozialistische oder so­zialdemokratische Partei hinein. Paul Boncour, der auch dorthin gehört, wollte ja mit der fran­zösischen Besatzungsarmeean den Rheinhrück :t stehen bleiben*, so lange, bis einewirkliche* Sicherheit für Frankreich geschaffen fei!

Da die Frage der sozialisttschen Führung für Finanzreform und allgemeine militärisch-poli- tische Umstellung einstweilen erledigt ist, so han­delt es sich für die französischen Sozialisten jetzt darum, ob und unter welchen Bedingungen sie sich an einer bürgerlichen Regierung beteiligen sollen. Die Mehrheit auf dem sozia­listischen Parteitag hat ihre Weigerung erklärt, in ein Kabinett bürgerlicher Färbung ernzutre- ten. aber sie will jede Regierung unterstütze», die in irgend einer Form die große KavitalS- abgabe aus dem sozialistischen Finanzreform- Programm aufnimmt. Die Minderheit ist außer­dem sogar für aktive Teilnahme an einer Re­gierung, von der diese Bedingung erfüllt wird und die außerdem die Sozialversicherung refor­miert, die Militärdienstpflicht verkürzt und den Fr,eben in Marokko und Syri-n baldigst ab. schließt. Bei der gegentoäitigen Finanzreform- Vorlage des Kabinetts Briand ist das Haupt- pück, die dem deutschen Vorbild entlehnte Um- 1 a tz st e u e r. in der Kommission bereits atge» lehnt. Briand will es anscheinend aus den Kampf in der Kammer ankommen lassen, dem dann aber noch der viel schwierigere im Senat folgen müßte. Die bürgerliche Linke hat sich nun zu entscheiden, wie sie es weiterhin mit dem Kartell, das heißt der grundsätzlichen Einheits­front der Wahlen vom Mol 1924. halten will. Ohne eine Entscheidung für oder wider ist die Situation nicht voranzubringen. Entweder muß die bürgerlicke Linke den Plan des jetzigen Fi- nanzministerS D o u m e r auch im Plenaum ablehnen, die Regierung stürzen, die Kapitalsabgabe akzeptieren u. mit Hilfe der so- , zialistischen Stimmen durchbringen, oder sie muß dar Kartell ftindigen in der Finanzfrage das Kapital schonen (wie das gemacht werden soll, ist allerdings ein Rätselt und, um eine Meh-heit zu bekommen, Anschluß nach rechts statt nach '

England unterstützt unsere Besatzungswünsche.

(Eigene Drobtmewuna.i

London, 22. Januar.

Ein Blatt schreibt: ES sei hohe Zeit gewesen, daß die deutschen Leschwerden über die Nicht­erfüllung der in Loearno verfprochenen Be- sayungSverminderung jetzt in Dow- mngstreet und am Quai d'Orsay beachtetet wer­den. Wenn tatsächlich die Gesamttruppenzahl tn den noch besetzten Gebieten vermehrt worden sei, fei der deutsche Protest berechtigt. Eine Schwierigkeit fei, daß Briand nicht genügend stark fei, umdenfranzösischenGeneral, stab gegenüber die in Locarno gegebenen Zu­sicherungen durchzusetzen.

Der Berichterstatter hält e8 für möglich, daß Briand vielleicht dem deutschen Ersuchen ent- gegenkommen könnte, in dem er zwar nicht drei- ßlgtausend, aber zehntausend Mann framöfiMlc Truppen aus der 2. und 3. Zone zuruckzieht.

Das verhaßte Deutsch.

Ein neuer Schlag in der Tschechoslowakei.

(Eigene Drahtm.-ldung,

Prag, 22. Januar.

Wie verlautet, soll in den nächsten Tagen bi- Durchführungsverordnung zum Sprachengesetz herausgegeben werden. Damit soll eine weitere Zurücksetzung der deutschen Sprache in der Tschechoftowakej erzielt werden. Die Ver­ordnung wird besonders von den Nationaldemo­kraten gefordert, weil der bisher von den Be­hörden geübte Zwang zur TschechifieNtng deut­scher Aufschrifttafeln im deutschen Ge­biet als gesetzwidrig aufgehobm worben ist. Im deutschen Gebiet sollen Demonstrationen mit Entfernung der erzwungenen tschechischen Anf- fdjriftstafeln am Sonntag stattfinden.