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Kasseler Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Stammet 9. Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf.

Dienstag, 12. Zannar 1926

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. 16» Jahrgang

Jaden Mischen Budapest and München?

Aus tiefer Not.

Auch Oesterreich fordert Kolonien.

Der frühere österreichische Gesandte Dr. Friedr. Wiesner kritisiert in einem Wiener Blatte scharf die bisherige Hilfsaktion des Völ­kerbundes für das zerstückelte und lebensunfähi­ge Oesterreich und kommt dann zu folg. Schlüs­sen: Kurz zusammengefaßt, liegen nach dem letz­ten Gutachten des Völkerbundes die zwei Hauptübel unserer Wirtschaft in der Arbeits- los i g k e i t und in der Schwierigkeit un­serer Ausfuhr, Nebel, deren rasche Besefti- gung der Völkerbund von den Studienergeb- niflen seines Wirtschaftskomitees erhofft hat. Diese Hoffnung hat sich in den inzwischen ver­flossenen fast vier Monaten als trügerisch er­wiesen. Betrug die Menge der Arbeitslosen in Oesterreich im August-1925 die Zahl von 112 000, so hat sie inzwischen zweihunderttausend stark überschritten und vergrößert sich von Tag zu Tag. Und was die Frage der Verbesserung unserer Handelsbilanz anbelangt, so zeigt diese Wohl eine leise Aufwärtsbewegung, die aber an­gesichts der Verminderung der Ausfuhr nach Polen kaum ahalten wird. Jedenfalls hat das Wirtschaftskomitee deS Völkerbundes bisher die Medizin zur Kur dieser beiden Uebel unserer Wirtschaft leicht gefunden und auch nichts an- dereS produziert, al» einen sehr schönen, aber durchaus wirkungslosen Appell an die Nachfol­gestaaten, in ihrer Wirtschaftspolitik auf das er- höbre Exportbedürfnis Oesterreichs Rücksicht zu nehmen. Mit diesem Appell ist daS ökonomische Komitee den Wegen gefolgt, die von den Völker- bundexperten angedeutet worden sind, nur hat eS, wie ihm wohl selbst bewußt sein dürfte, ein durchaus untaugliches Mittel zur Er­reichung deS vorgesteckten Zieles gewählt. Denn daß derart zarte Ratschläge ohne entsprechend kräftige Nachhilfe auf wirtschaftlichem Gebiete (insbesondere auf den Anleihemärkten) nicht hinreichen, um die Handelspolitik der Nachfolge­staaten in die gewünschten Bahnen zu lenken, weiß man seit langem. Und daß der Völker­bund infolge seiner politischen Konstruktion der­zeit nicht in der Lage ist, seine bessere Einsicht mit entsprechend drastischen Mitteln durchzu­setzen, ist wohl auch ein öffentliches Geheimnis.

Und da wirst sich die Frage auf, ob denn dem Völkerbund nicht doch noch andere Mit­tel zur Verfügung stünden,, um zu einer Her­abminderung der Arbeitslosigkeit und zu einer Erhöhung des Exportes Oesterreichs zu gelan­gen, Mittel, die von der Gnade und Einsicht der Nachfolgestaaten unabhängig wären. Wir denken dabei nicht an eine privilegierte Aus- wandernngsaktion aus Oesterreich, gegen die ge­wichtige volkswirtschaftliche Gründe sprechen, und der auch kaum zu überwindende partei­politische Hindernisse entgegenstünden. Auch eine vorübergehende Sai'rnwanderung ist kein Heilmittel, das radikal helfen könnte. Wenn dagegen der Völkerbund in seine reiche Tasche von Kolonialmandaten greifen und Oesterreich ein kleines Mandat zuweisen würde, wäre die Arbeitslosen- und Exportfrage ziemlich rasch zu lösen. Die Fähigkeit Oesterreichs und feiner tüchtigen, anpassungsfähigen Bevölke­rung, eine bescheidene afrikanische Kolo­nie zu administrieren, aus dem Stock abgebau­ter, noch voll arbeitsfähiger Beamten (wir ha­ben deren 76000!) und Techniker das Verwal- tungspersonal beizustellen, wird Wohl nicht be­stritten werden. Die in die Kolonie abwandern- de Bevölkerung wäre für das Vaterland nicht verloren, sondern daran gebunden. Und der Industrie wäre ein neues Absatzgebiet eröffnet, in das allerlei Produkte abfließen könnten.

Vermag der Völkerbund, oder richttger, ver­mögen die Hauptnutznießer der sogenannten Ko- lonialmandate die Entsagung aufzubringen, ein Stück afrikanischen Bodens einem Besiegten zur Besiedelung und Nutznießung zuzuweisen? Wenn man diese Frage dem Völkerbunde vor- legen wollte, würde man rasch sehen, ob es ihm mit unserer Sanierung ernst ist. Militärische und polttische Bedenken könnten gegen ein sol­ches Mandat an Oesterreich, das territorial ja klein wäre, gor nicht ins Feld geführt werden. Auch für die große Zahl unserer verelende­ten Intelligenz hätte der Völkerbund, wenn er wollte, Verwendung. In seinen mit reichern Persoal dotierten Bureaus, Komitees und Kommissionen wirtschaftlicher, finanzieller, technischer, wissenschaftlicher und künstlerischer Richtung ist meines Wissens kein Oesterreicher verwendet, obwohl wir Hunderte von Leuten baben, die nach sachlicher, gesellschaftlicher und sprachlicher Qualifikation allen Ansprüchen ge­

nügen Würden. Sollte man nicht auch in dieser Richtung eimol in Genf anklopfen?

*

Englands Rheinflotte auf der Heimkehr.

Köln, 11. Januar. (Privattelegramm.) Die englische Rheinflottille hat gestern Köln ver­lassen Sie fährt über Straßburg durch die französischen Kanäle nach Le Havre und von dort über den Kanal nach England zurück.

Faschisten in Ungarn?

Englische Sensationen über Ludendorff-Hitler.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 11. Januar.

Ein Blatt erklärt sich in der Lage ,chie in­nere Geschichte" deS ungarischen Komplotts, zu enthüllen, das auf der Ausrufung einer faschisti­schen Monarchie in Ungarn mit Erzherzog Albrecht als König abgezielt habe. Die An­hänger des jugendlichen Erzherzogs Otto seien in die Versäfwörung nicht verwickelt. DaS Blatt erfährt, der Staatsanwalt haibe die Verhaftung des Kabinettschefs, des Regenten Horthy, seines Schwiegersohns Zolkafaq und des Deputierten Julius Gömbös, des Führers der nationalistischen Partei, ferner des Leut­nants Pronay und des Bischofs Zadraveez be­antragt. Ferner habe er die Aufhebung der Immunität der Deputierten Dr. Eckhardt (des Präsidenten der erwachenden Maygaren) und Ulains verlangt. Main soll von einem französischen Geheimpolizisten nach Budapest zurückgebracht worden sein. Im Jahre 1923 habe er (Main) mit Genera! Ludendorfs und Hitler in München einen Vertrag unter­zeichnet, in dem versprochen worden sei, den bayerischen Rationalisten Lebensrnittel zu sen­den, wofür zehntausend Bayern den ungarischen Faschisten bei einem Aufstande, der zugleich mit einem solchen in Bayern stattfinden sollte, zu Hilfe kommen sollten. Die Umgebung des un­garischen Regenten sei tief in die Faschisten-An- gelegenheit verwickelt gewesen.

Ein neuer Mllllonentrick.

Lissabon im Fälscherskandal.

(Durch Funksprnchf

Amsterdam, 11. Januar.

Ein Blatt meldet, daß die im Haag verhaf­teten beiden Falschmünzer Agenten der Angola- Bank in Lissabon feien, die auf gefälschte Doku­mente hin bei der Londoner Firma Watcrlow and Sons im angeblichen Auftrage der portugie­sischen Regierung die Herstellungvon portugiest- chen Banknoten im ungefähren Werte von fünf­undzwanzig Millionen holländischer Gulden be­stellten. Wie ein Blatt vernimmt, sind an der Bettugsaffäre verschiedene hochstehende Persön­lichkeiten in Portugal beteiligt. (S. a. 2. Seite.)

Ein 13reö«ger in der Wüste. Sozialistenkongretz g-gen Regiernngsmitarbeit.

(Eigene Drahtme!dung.,

Paris, 11. Januar.

Auf dem Sozialistenkongretz trat der Führer der Eisenbahnergewerkschast Eidegarey für die Beteiligung an der Regierung ein. Dem Kartell sei die Räumung der Ruhr zu verdanken und die Wiederaufnahme der Beziehungen mit Sowjetrußland. Abg. Lebas griff Herriot und Painlevö heftig an, daß sie sich vor dem reaktio­nären Senat gebeugt hätten. Es habe keinen Zweck, die Partei durch eine enttäuschende Unterstützungspolitik weiterhin zu kompromittie­ren. Paul Boncour, der am stärksten für eine Beteiligung der Partei an der Re­gierung eintritt, erNärte, die bisherige Unter« tützungspolitik habe nur Enttäuschungen ge­bracht, weil die Sozialisten sich nicht an der Re­gierung beteiligt hätten. Die Unterstützungs- Politik sei jedenfalls für den jetzigen Augenblick erledigt. Paul Boncour beschwor die Par­tei, nicht die Mehrheit der LinkSgruppen zu strengen. Abg. Sizaire stellte den Antrag, eine Kommission zu beauftragen, festzustellen, wie der Allgemeine Arbeiterverband darüber denke. Der Antrag soll geprüft werden.

oe Monzie über Frankreichs Zukunft.

Paris, 11. Januar. (Eigener Drahtbericht.) In Castelnaudary sagte gestern auf einem Par­teitag Minister deMonzieu.a.: Die Abkom- men von Locarno werden dazu beitragen, daß die Schuld en frage mit den Bereinigten Staaten leichter geregelt werden könne, ohne oder mit Beteiligung der Sozialisten werde das

Kabinett Briand sich bemühen, die Fi­nanzlage Frankreichs in dem Gedanken sozialer und demokratischer Fortschritte zu regeln.

*

Die Negierung-freunde Überstimmt.

Paris, 11. Januar. (Privattekegramm.) Der Mandatsausschuß des sozialistischen Parteikon- gresses hat Folgendes festgestellt: ES haben sich 1769 Stimmen der Parteitage gegen die Beteiligung, also für den Standpunkt der extre­men Richtung, und 1306Stimmenfürden revisionistischen Standpuntt, also für die Rich­tung Renandel, ausgesprochen.

Fürsten als Rentner.

Loebe für Reichsgesetz oder Bolksentscheid. (Privat-Telegramm.)

Franffurt, 11. Januar.

In einer von Republikanern einberufenen Versammlung führte Reichstagspräsident Loe­be zur Fürstenabfindung ans, der Antrag auf reichsgesetzliche Regelung sei daS Minde­ste, waS jetzt zu geschehen habe; sonst müsse durch Volksentscheid eine Regelung dahin ge­troffen werden: 1. Das gesamte Vermögen der ehemaligen regierenden Häuser geht in das Eigentum deS Staates über. 2. Die noch lebenden Fürsten, die ausreichendes Vermögen nicht besitzen, erhalten für ihren Lebensun­terhalt eilte durch Gesetz festzusetzende Ren­te. Außer Loebe sprachen Thormann (Ztr.) und Krüger-Jena (Dem.) (S. a. 2. S.)

3a oder nein.

Ein letzter Aufruf zur großen Ko«litton.

(Eigener JnsonnationSdienK.)

Berlin, 11. Januar.

In der Frage der Regierungsneubildung ist am Sonnabend durch den Entschluß des Reichs­präsidenten von Hindenburg, vor der Beauf­tragung einer bestimmten Persönlichkeit erst die bevorstehenden Fraktionsbefchlüffe abzuwarten, eine Überraschende Wendung eingetreten. Für heute hat bet Reichspräsident die Führer des äentrumS und der Demokraten Fehrenbach und och, zu sich gebeten, inn sie zu ersuchen, alsbald eine endgültige Klärung der Frage der Großen Koalition zu veranlassen, da er eine weitere Hin­auszögerung der Regierungsbildung nicht für tragbar hätt. Das Zentrum hat sich nunmehr wiederum auf die große Koalition festgelegt. Wenn heute die Führer des Zentrums und der Demokraten in der Lage fein werden, dem Reichspräsidenten positive Anhaltspuntte zu geben, so würde damit wahrscheinlich die Be- traung des Zentrumsführers Dr. Marx mit der Kabinettsbildung in den Bereich der Erwägun­gen gestellt werden, zumal die Initiative vom Zentrum ausgegangen war. Selbstverständlich kommt eine Betrauung Dr. Luthers auch jetzt noch in Frage, wenn die Versuche mit der Gro­ßen Koalition nicht zum Resultat führen sollten. Wir glauben zu wissen, daß die beiden Mittel- Parteien bis spätestens Dienstag oder Mittwoch dem Reichspräsidenten einen endgültigen Be­scheid geben müssen, bamit nicht noch mehr Zeit mit nutzlosen Versuchen verschwendet werden wird. Die Entscheidung über bie Regierungs­frage kann demnach nicht vor Mittwoch in Frage kommen, da die Reichstagsfrattionen erst am Dienstag ihre Beratungen abhatten werden.

6ln Blutbad im Sage.

Schauergeschichten aus Mexiko.

(Durch Funffvruch.)

Meriko, n. Januar.

Zwanzig bewaffnete und vermummte Räuber überfielen einen Personenzug zwischen Guadala­jara und Mexiko. Sie ermordeten die Mehrzahl der Reisenden und der Begleitmannschaft, die sie mit Messern niederstachen. Von der militärifchen Begleitmannschaft wurden alle bis auf sieben ge­tötet. Die letzten find schwer verwundet. Der Zug wurde mit den Opfern der Räuber in Brand gesteckt. Die Räuber standen unter dem Befehl eines früheren Obersten. Sie entkamen auf der Lokomotive mit 300 000 Pesos. Die Telegraphen drähte wurden durchschnitten. Die Verfolgung ist eingeleitet.

*

Zwanzig Tote um einen (General.

Mexiko, 11. Januar. (Durch Funkspruch.) Bisher sind aus den Trümmern des überfallenen Eisenbahnruges zwanzig mit Brandwunden be­deckte Leichen geborgen worden. Kein Wagen des Zuges ist von den Flammen verschont ge­blieben. Die Banditen sollen das Verbrechen begangen haben, weil sie in dem Zuge den Ge­neral Ferreira vermuteten. Die Lokomotive, die die Banditen zur Flucht benutzten, wurde weiter entfernt entgleist aufgefunden.

Das Glückslos.

Wer vertritt Deutschland beim Völkerbund? Obne den «neranicklichea Parteibaber über ben Drang zur Genfer .^nUerkrivve nen anftübten an wollen, läßt unter Mitarbeiter die Partei» kanbibaten für ben Bölkerbnnb anfmatfdiieren, indem er zugleich sehr nMerhaltsam das Ber­liner Gesellschastsleben streift.

Täglich tauchen neue Namen aus. Die meist­genannten Kandidaten sind wohl H o e tz s ch (Nil.), Kühl mann und Lehwald (Dpt.), Spieker (Ztr.), Bernstorfs (Dem.), Landsberg und Rauscher (SPD.). Ei- gentlid) müßig, irgend einen der Genannten als Favorit-Kandidaten zu bezeichnen. Denn gerade diese Ernennung hängt mehr als alle anderen wichtigen Personalveränderungen von der Um- bildung des Reichskabinetts ab. Sicher ist nur, daß der jetzige, natürlich inoffi­zielle Vertreter Deutschlands beim Völkerbund Generalkonsul Aschmann in Genf keine Aussicht hat, das dem Völkerbund angehö­rige Deutschland dort zu vertreten, da er mit zu den jüngsten diplomatischen Beamten gehört. Daß von den Deutschnationajen der Abg. H o e tz s ch in erster Linie als Vertreter Deutsch-- lands in Genf genannt Wird, liegt an seiner Kenntnis der auswärtigen Politik und seiner gesellschaftlichen Gewandtheit, der mit seiner Gattin seit vielen Jahren ein großes Haus in der Reichshauptstadt macht.

Favoriten der Volkspartei für den Genfer Posten sind der Staatssekretär a. D. von K ü h l m a n n und Exzellenz Setoalb. Letz­terer, Junggeselle und einer der bestaussehenden Männer der Berliner Gesellschaft, hat eine be­sonders reiche Ausländserfahrung durch seine frühere Tätigkeit als Reichskommissar bei verschiedenen Weltausstellungen und die zahl­reichen Missionen gesammelt, die ihn gelegent­lich des Ucbergangs eines Teils von Oberschlc- sien an Polen nach Gens geführt haben. Das angenehme Schicksal des guten Aussehens, das in der diplomatischen Welt auch heute noch von Bedeutung ist, teilt mit ihm Exzellenz von K ü h l m a n n, der Minister des schönen Acu- ßeren, wie man ihn nedenb nannte, als er 1917 bis 1919 an der Spitze des Auswärtigen Amtes stand. Auch er ist unverheiratet, da seine erste Gattin, eine geborene von Stumm, 1917 in Konstantinopel starb, während er von seiner zweiten Gemahlin, dem einzigen Kind des Koh» lenkönigs Friedländer-Fuld, seit einiger Zeit ge­schieden ist. Herr von Kühlmann hat bekanntlich eine der schnellsten Karrieren des alten Regimes gemacht: dreiundvierzigjährig wurde er 1916 Botschafter in Konstantinopel.

Auch der Demokrat Graf Bernstorff zählte erst sechsundvierzig Jahre, als er 1908 an die Spitze der deutschen Botschaft in Washington trat. Durch seine Gattin, eine Deutschamerika- nerin geborene Luckemeyer, verfügt er trotz der großen Verluste, die er vor einem Jahre als der Gründer und Mitglied des Aufstchtsrates der vor einiger Zeit liquidierten Hamburger Handelsbank erlitten hat, immer noch über ein beträchtliches Privatvermögen. Nickt aus der Beamtenkarriere stammt der erst sünsunddrci- ßigjährige Ministerialdirektor z. D. Spiecker, der als Pressechef des Reichskanzlers Marx und später als Organisator oder, wie man es in Ame­rika nennt, Einpeitscher seiner Kandidatur als Reichspräsident bekannt geworden ist. Er war zuletzt Chefredakteur des Berliner Zen- trmnsdlatts. Außerordentlich geschickt, beweg­lich und betriebsam hat er als Reickspreffeches einen weit stärkeren politischen Einfluß ausgeübt als irgend einer seiner Vorgänger. Abg. Landsberg und der Gesandte Rauscher (SPD.) sind längere Zeit als Vertreter Deutsch­lands im Ausland tätig gewesen. Herr Lands» berg, der zuerst Volksbeauftragter, dann Reichs­justizminister gewesen war, stand von Ende 1919 bis zur Besetzung dck Ruhrgebiets an der Spitze der deutschen Gesandtschaft in Brüssel, während Herr Rauscher 1919 und 1920 Reichs Pressechef, im Juni 1920 deutscher Gesandter in Tiflis, im Mai 1922 Missionschef In War­nst a u wurde. Daß der Parteihader und Schacher um den Genfer Posten keinen guten Start im Völkerbund bedeutet, liegt aus der Hand. Vielleicht macht man ihm dadurch ein Ende, daß man eine parteipolitische nicht ge­bundene Persönlichkeit nach Genf schickt.

Diel Lärm, um nichts.

Stresemmm in der Genfer Parteifehde.

Berlin, 11. Januar.

Im auswärtigen Ausschuß brachte die wegen der Genfer Stellenbesetzung angegriffenen Par­teien, Sozialdemokraten und Zentrum, einen Antrag durch, der entgegen der sonstigen Ge­pflogenheit das Ausschuß-Ergebnis der Oessent- lichkcit zugängig machen wollte. Außenminister