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Nr. 6.

Sechzehnter Jahrgang.

Kasseler Neueste Nachrichten

1. Beilage

Freitag, 8. Januar 1926.

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rergreiS wurde auf seinen eigenen Wunsch nach

Aus alles WeL

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Roman von Sans Schulze.

rar!?£ ^0/isf, welch' leicktsinnig ich mit dem Feuer aesnielt. welch- n m-saeheii^mu^re V ,9m auf Manner-^me schwere Schuld ich auf mich geladen Habel

eine

Fräulein de l'Orme?

Hitzen ansgehen mutzte

(Schluß folgt.)

»Ich habe eine Dam« mit tut Klinik g'bracht!' ar hi» 9(nf*nnrt fR-ivtA <T\aw*a s.:~

ein sauberes Trio.

Vor einem Berliner Gericht begann ein Mordprozeß gegen die Eheleute Schelenz und die Freundin der Ehesrau Schelenz, Frau Steffens. Die Angeklagten werden beschuldigt, im Juni 1923 ein von der Frau Schelenz neu­geborenes Kind in einer Wanne kalten Wassers ertränkt und die Leiche im Ofen verbrannt zu haben. Die Angeklagten geben den Tatbestand

Das neue Nom.

Die Enttäuschungen des Heiligen Jahres.

»Und was will sie jetzt von mit?"

.Sie kommt, um Ihre Verzeihung ju erbitten Sie ist so tief getroffen, daß ich ein zweites Dra­ma befürchte, wenn Sie sie in dieser Stunde ab- weisen!*

Daisy hm an das Fenster gettcten und sah in die Nacht hinaus

Tief unten schob die Spree ihre trüben Fluten träge vorbei

Der Wid-rschem der Uferloternen zitterte über den düsteren Wassern und spannte eine glitzernde Lichterbrücke.

Unwillkürlich fchanderre Daisy zusammen.

Kein Weg, kein Wille waren mehr in ihr deut­lich und nur ein dumpfes Verlangen webte in ibr, das Dunkel ringsum zu zerreißen, wie man einen Schleier zerreißt, der ein unbekanntes rät» elhaftes Bild verbirgt.

Dann wandte sie sich plötzlich jäh inS Zimmer zurück.

»Ich lasse die Dame bitten. Herr Doktor!'

»Gnädige Frau''

Gan; leise und zaghaft klangen die Worte durch die schwchende Stille des kleinen Raumes.

nend bewußtlos auf. Die Frau wurde, als eS sich herausstellte, daß ihre Bewußtlosigkeit nur vorgetSuscht war, unter dem Verdacht des Gat­tenmordes verhaftet.

Massenmord mit Dynamit. In Avesta ht Schweden sprengte ein Arbeiter sich und seine Familie, bestehend aus Frau und vier Kindern, durch Dynamit in die Luft, das er in di« Betten gelegt hatte. Der Giebel deS Hauses flog durch die Explosion auseinander und sämtliche Fami­lienmitglieder wurden auf den Hof hinausge- schleudert. Die Frau und ein Kind sind tot, während die anderen mit dem Leben davonge­kommen sind. Am wenigsten verletzt wurde der Mann selbst, der versuchte, sich nach der Tat zu erhängen, woran er aber verhindert wurde.

* Der ewige Wanderer. Ein 83jähriger Wanderbursche, der von Beruf Schmied ist, kam dieser Tage nach Ohlau in Schlesien. AuSfra-

Haberr Sie schon den wundervollen Romanfilm®er Mann der fich verkauft" in den Chaffalla- Lichtspielen gesehen? Sie finde« darin die handelnde« Personen unseres gegen­wärtig erscheinenden Romans in vortrefflicher Darstellung. Diele Tausende strömten während der letzte« Tage in das Lichtspielhaus der Wilhelmstraße. Im Anschluß an den Romanfilm zeigt Ihnen der große Detriebsfilm der Kasseler ReuestenRachrichten wie eine moderneTageszcitung entsteht.

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-Herr Dr. Hardt' fuhr sie bann ruhiger fort und ihre Stimme war auf einmal wieoer still, wie verwandelt, »hat mir gesagt, warum Achim aus dem Leben gehen wollte. Dazu durfte d) nicht schweigen, denn ich allein weiß alles um ihn. An jenem Abend, als der Mord geschah, hatte Herr Brown einen Bries von Achim er­halten, der die Rückgabe des verhängnisvollen Vertrages forderte. Dann kam Achim selbst, doch in einem schweren Zusammenstoß erfuhr er nur eine schrosse, höhnische Abweisung. Ich land im Musik,immer und hörte iedes Wort, wie Achim um sein- Freiheit kämpfte, wie er litt unter der Schwach eines netten Geldangebotes, das ihm abermals ein Vermögen in den Schoß geworfen hätte. In jener Stünde ist mir zum ersten Male die Erkenntnis ausgedämmert, wie

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Hindenburg, der eines Nachts in Gegenwart seines sechsjährigen Töchterchens seine Frau und deren Geliebten, den Fleischer Jagusch, im Bett mit einer Axt erschlug.

Die Verhandlung ergab, daß der Angeklagte die Frau, mH der er bereits acht Jahre verhei- ratet war, sehr geliebt hat. Sie betrug ihn je­doch mit ihrem Schlafburschen, dem Fleischer Jagusch, und als er die beiden zur Rede stellte, erwies sich Jagusch auch noch als der Stärkere und verprügelte den Ehemann, der darauf au8 dem Hause ging und bei Verwandten Unter­kunft suchte. Merkwürdigerweise versagte ihm die Polizei ihre Hilfe bei der Heraussetzung des edlen Schlafburschen, und so reifte in dem An­geklagten der Plan, die Beiden bei nächster Ge- legonheit zu erschlagen. Er suchte sie in seiner Wohnung auf, traf dort aber nur sein Töchter- dien, mit dem er sich schlafen legte. Mitten in der Nacht erschienen die beiden und der Flei­scher prügelte erneut auf den Ehemann ein und begab sich dann in das nekman gelegene Schlaf­zimmer. Der Angeklagte holte nach einiger Zeit die geschliffene Art aus der Küche und schlug den beiden den Schädel ein. Mit dem weinenden Kind auf dem Arm, das die ganz- grauenhafte Tat mit angesehen hatte, begab sich Bernert dar- auf zur Polizei.

Die Tat hatte keinen anderen Zeugen aI8 nur kleine Mädchen. Doch wurde dem Angeklag- icn von allen Seiten bestätigt, daß er ein anstän- biger unb ruhiger Charakter gewesen sei, worauf m3 Gericht auf eine Gesamtstrafe von vier Jah­ren Gefängnis erkannte und nach Verbüßung von einem Iubr Bewäbrimasfrist bewilligte.

»Was wünschen Sie von mir?' fragte sie bann mit Anstrengung

THt einem ratlosen Blick sah Marion zu Dr. Hardt hinüber der wie zum Schutz hinter Daisys Scssel getreten war

»Ich wmme. weil mich mein Gewissen zu Ihnen treibt'* sagte sie endlich.Ich weiß ja getan, wie ich an Ihnen und Achim gefehlt habe!*

, Wie ein greller Blitz schlug plötzlich eine sinn­lose Angst in sie ein. '

»Lebt Achim noch?' Daisy nickte.

Er lebt noch, aber niemand weiß, wie er die nächsten Stunden überstehen wird!'

Ein ungeheures Schuldgefühl strömte über Marion herab, der Sturm ihres überreizten Empfindens erfaßte sie wie in einem Wirbel, in dem sie widerstandslos versank.

Achim darf nicht sterben,' stieß sie leiden- schaftlich heraus,ehe Sie ihm nicht verziehen haben!'

Sie hielt sekundenlang Inne und preßte die Hand auf das wildpochende Herz.

L!ebe-gefch!chten, Schulden und Selbstmord

In einer Schonung deS Grünewalds bet Berlin wurde die schon stark verweste Leiche eines etwa 40jährigen Mannes aufgefunden. Eine Schußverletzung der linken Schläfe ließ auf Selbstmord schließen. Der Tote wurde nach dem LeicheschauhauS geschafft, wo sich ergab, daß es sich um die Leiche eines der in Berlin

bekannten Blumenhändler Brüder Rothe (Blu- men-Rothe) handelt, und zwar um Kurt Rothe, der unter geheimnisvollen Umständen vor etwa drei Wochen verschwand. Man sagte allgemein, daß er sich nach Amerika begeben habe. Angeb­lich sollte es sich bei diesem Schritt um den Ab- chlutz einer Liebesgeschichte handeln. Man sagt, daß Kurt Rothe, der bis vor kurzem in glück­lichen Familienverhältniffen lebte, eine starke Neigung zu einer früher bei ihm beschäftigten Blumenbinderin gefaßt habe, mit der er nun nach Amerika geflohen sei. Zuverlässige Infor­mationen besagen zedoch, daß Kurt Rothe den Selbstmord au» geschäftlichen Gründen began­gen habe. Der Verstorbene hinterläßt beträcht­liche Schulden, die seine Frau zu decken sucht.

Ein totblaff-s süßeS Gesicht sah zu Daisy auf. ein Gesicht, von dem sie hn ersten Augenblick mit einer käst ickunerzbaften Klarheit begriff, welch'

festnehmen.

* Die Ueberführung Tutankhamens. Der Sarkophag Tutankhamens ist von Luksor nach Kairo gebracht worden. Er befindet sich dort im Museum. Acht Mann waren erforderlich, um den Sarkophag zu tragen. Der Wert des Sat- kaphages und seinj Inhalt wird auf 40 000 Pfund Sterling geschätzt.

Von einem gefällten Baum erschlagen. Im Elmsteiner Wald wurde die neunzehn Jahre alte Elise Fuchs, die ihren dort arbeitenden Brüdern daS Essen bringen wollte, von einem allenden Baum getroffen und so schwer verletzt, daß sie nach kurzer Zeit starb.

Brandstifter aus Leidenschaft. In Brook­lyn, einem Teil von Groß-Newvork, wurde ein Mann bei einer Brandstiftung ertappt. Bei sei­ner Vernehmung gab er zu, bereits elf Brände aus Sensationslust angelegt zu haben. In den letzten Wochen wurden in Newyork 48 Brand­stifter verhaftet.

* Der Mörder feiner Kinder. Der Verwal­ter der Exerzierhalle eines Fteiwilligen-Regi- ments in einem Dorf in Wales (England) er- schoß seine drei Töchter im Alter von acht, vier und zwei Jahren und stellte sich der Polizei.

* Eine blutige Liebestragödie. Der Angestellte Paul Schröder aus Wittenberge er- choß in Blankenese bei Hamburg seine Braut und jagte sich bann eine Kugel in den Kopf. Beide sind tot.

* Unter schwerem Verdacht. In Zschakwitz (Sachsen) wurde der 36jährige Schuhmachermei- ter Schwarz durch Gas vergiftet tot aufgefun. den. Neben ihm sand man feine Frau anschei-

Trotzdem war feine Beurteilung der Sachlage aber noch immer sehr ernst geblieben und er hatte Daisy die Fernhaltung jeder, auch der ge­ringsten Aufregung als die vornehn.ste Pflicht ihres freiwilligen Pflegerinnendienstes auf das Nachdrücklichste elngescharft.

stolz, mit napoleonischer Miene, und fährt den Kunden, der nicht gleich weiß, was er will, recht unsanft an. Ich bezahlte irrtümlicherweise an der falschen Kasse:Schlimm genug, daß Sie so etwas machen,' fauchte mich der Geschäftsführer an, und die Kassiererin wirft achselzuckend das Geld auf den Tisch. Tie Leute rächen sich für die Entäuschungen des heiligen Jahres. Uedrigens konnte man bei dem bisherigen Weihnachtsfeste recht deutlich erkennen, daß die alten Sitten in Rom immer nicht von den not- bischen Gebräuchen verdrängt werden. Nie zu­vor sah man soviele Weihnachtsbäume an der Spanischen Treppe verkaufen. Sie sind nicht so schön gewachsen wie bei uns, meist etwas kohl, aber geschmückt machen sie sowohl in den Ge­schäften wie in den Familien einen festlichen Eindruck. Auch ihr Schmuck stammt vorwiegend aus Deutschland wie Lametta, Silbergäustchen und sogar Schnee. Neuerdings hat sich auch die Sitte der Bescherung unter dem Stunt am Weih- nachtsabend eingeführt. Früher pflegte -man die Kinder am 6. Januar, dem Feste der Befana, durch, Geschenke zu erfreuen. Am Weihnachts­abend hingegen stellte man die Krippe, oft mit Hunderten von Figürchen, auf. Das geschieht heute eigentlich nur noch in den Kirchen, zrrmal die alte aus Neapel kommende Volkskunst voll­ständig in Verfall geraten ist. Während die

an sich zu. Der Ehemann Schelenz hat das Kind ertränkt, die Steffens hat es verbrannt. Di Mitangeklagte Ehefrau Schelenz behauptet, da ihr Mann derjenige war, der den Mord wollte, und sie zwang, einzuwilligen. Während der Mord im Schlafzimmer ausgeführt wurde, fa­ßen die drei Kinder des Ehepaares Schelenz in der Küche und freuten sich auf das Baby, das sie pflegen wollten, weil Mutter und Vater ar­beiten gehen mußten. Entdeckt wurde die Tat durch die Unvorsichtigkeit der Steffens, die einer Freundin davon erzählte. So ging sehr bald das Gerücht um, der Ehemann Stessens hörte davon, und, da er seine Frau loswerden wollte, erstattete er Anzeige.

Die ganze Ernte verbrannt. Auf einem Gut in Panzerin im Kreise Schtevelbetn (Pom­mern) brach Feuer aus. DaS große Wirt­schaftsgebäude brannte vollständig nieder. Die ganze Ernte und viel Ackergerät sind vernichtet. Auch der Stall wurde ein Raub der Flammen. 12 Kühe und ein Bulle sind verbrannt, ebenso sämtliche Schweine.

* Mord auf dem Friedhof. Der Kaufmann Castanjen wurde in Bremen auf dem Mten HerdentorS-Friedhof durch einen Schuß in den Rücken getötet. Passanten beobachteten ein Handgemenge zwischen dem Kaufmann und dem 'Mürber, konnten jedoch den Täter nicht

feiner Heimat Ottmachau gebracht, wo er für seinen Lebensabend im Gemeindehause Unter­kunft finden wird.

Opfer deS Meeres. In der vergange­nen Nacht ist ein auf der Reife nach Kopenha­gen befindlicher unbekannter Dampfer bei der Insel Langeland mit der ganzen Besatzung un-

Dr Hardt legte begütigend seine Hand auf den Arm dc^leidenschiftlich Erregten.

Srien Sie noch einmal ganz der gute und gerechte Mensch, als den ich Sie kenne. Fräulein de l'Orme kam heute abend zu mir Sie hatte Wohl vom Untersuchungsrichter gehört, was ich für sie getan habe, und wollte mir danken.

Wir haben lange miteinander gesprochen und als sie dann ans meinem Munde die letzte Wen­dung in AchimS Schicksal erfuhr, brach ste zu- famnrn

Und sie gestand mir, daß sie eS gewesen ist, die Herrn Brown seinerzeit zu Achim geschickt, von der dies ganze Unglück seinen Ausgang ge­nommen hat!'

nordischen Gebräuche die Oberhand gewinnen, folgt ihnen nicht die nordische Seele. Der Römer übernimmt von ihnen nur die Außenseite, den Baum, die Geschenke und die Lichter, nicht aber ihre innere Bedeutung. Kein Weihnachtslied er. tont unter Ben Tannenzweigen, kein andächtiger Gedanke richtet sich in eine überirdische Sphäre. Mit einem Worte: dem Römer fehlt außerhalb der Kirche jeder Sinn für Mystik. Das macht sich auch in der Att, wie er seine Feste feiert, be­merkbar. Anstelle der inneren Feierlichkeit tritt bei ihm die äußere Geste. Was haben nun die Abertausenden von Pilgern, die während des heiligen Jahres Rom und den heiligen Vater besuchten, mitgenommen? Natürlich den Segen Pius XI., innere Zufriedenheit und den Frie­den ihres Herzens. Darüber dürften bei nie- manden Zweifel bestehen. Aber die Römer ver­langen mehr. Ihre Presse behauptet, sie wären von der Größe der ewigen Stadt erschüttert wor­den und würden nun zu Hause davon künden. Auch das stimmt. Aber nur soweit, als es sich auf die Größe der Vergangenheit bezieht. Das moderne Rom ist heute

eine Großstadt wie jede andere.

Sie unterscheidet sich von anderm höchstens durch ihre Engigkeit und ihren Lärm Ich fürchte

gern gegenüber erklärte der WandergreiS, daß er feit über sechzig Jahren keinen festen Wohn- itz gehabt hätte. Der Himmel sei ihm stets die chönste Schlafzimmerdecke gewesen. Der Wan-

tergegangen. In der Nacht waren Notsignale gehört und am Morgen sah man Wrackstücke auf dem Wasser treiben.

Vierzehn deutsche Schiffe im EIS einge­schloffen. Der Verein bremischer Reeder hat an die deutsche Botschaft in Moskau einen telegra­phischen Hilferuf zur Rettung der bei Narwa im Eise eingeschlossenen deutschen Schiffe ge­sandt. Im ganzen sind vierzehn deutsche Schiffe eingeschlossen, die zum Teil keinen ausreichenden Proviant haben. Wenn die russische Regierung nicht bald Hilfe entsendet, droht den vom Eise immer mehr nach Osten fortgetriebenen Schiffen ernste Gefahr. Die esihnische Regierung hat eine Hilfsaktion bekanntlich abgelehnt.

Aus der Tiefe.

Eine furchtbare FamMentragödie.

Die Tragödie einer Ehe gelangte in einem Totschlageprozetz vor dem Schwurgericht in G l e i w i tz zur Erörterung. Auf der Anklage- bank saß der Grubenarbeiter Robert Bernert aus

In tödlicyer Einförmigkeit schlichen die Stun- din dahin

Draußen auf dem Korridor klang zuweilen ein Schritt, ein halblauter Ruf, ein Kranken­wagen wurde vorsichtig vorbeigeschoben.

Da- rbgeblendere Licht der Bettlampe legte einen matten Tämmerglanz über das kleine. Weiße Gemach, der die Umrisse der Gegenstände ins Ungewisse zu dehnen schien.

Der Verwunsete jchlummerte, das Gesicht von phantastisiven Schatten überzittert

Das scharfe Röcheln seines Atems hatte sich allmählich in einen sterbenden Hauch gewandelt, der sich in fange a, leisen Stoßen aus dem halb­geöffneten Munde stahl.

In grenzenlosem Mitleid sah Daisy auf daS qualvolle Leiden des Geliebten und ein sehn- jüchtig->s Verlangen stieg heiß in ihr aus, diese trockenen, lechzenden Lippen noch ein letztes Mal init einem Küsse zu berühren.

Ganz zart und heimlich.

Und st- fühlte ihr Herz in diesem Augenblick wie eine brennend' Wunde.---

Dann saß sie lange in sich zusammenaesunken und überLi immer wieder den Abschiedsbrief Achims an Dr Hardt, bis ihr die aussteigenden Tränen die Annen rcröunfelteu.

Ich kann nicht »eiter leben, weil ich die Vorstell'tt g nicht ertrage, daß mich Daisy ver­achtet. Goli ist mein Zeuge, daß jeder Gedan­ke an den schmählichen Pakt mit ihrem Gatten in mir tot war, noch ehe ich sie leimen lernte.

Das aber werde ich ihr nie beweisen können, wenn sie nicht selber fühlt, daß ich die Wahr- bett spreche Ich habe niemand aus der Welt so tief geliebt wie sie und es ist die Tragik inet« nes verfehlten Lebens, daß ich an dieser Liebe sterben muß!'---

. In ratloser Verzweiflung barg die einsam Sinnende ihr Gesicht in beide Hände, ein laut» loses Schluchzen schüttelte sie, als wag- sich der tieftte Zaiilimer ihres Herzens nicht zum Lichte herauf.

Der wundervolle Junttnorgen ihrer ersten Be­gegnung mit Achim stand auf einmal wieder vor ihrer Seele.

Und groß und zwingend rang sich in ihr die Neberzeugung empor daß man auf Liebe nicht l'ichter verzichten kann als auf das Leben.--

Da ging die Tür des kleinen Vorzimmers. Eine gestärkte Haube raschelte.

Die Obcrschw-ster der Klinik trat ein

-Herr Dr. Hardt wünscht die gnädige Frau noch einmal zu sprechen!'

Daisy erhob sich und begrüßte den Freund mit einem stillen Händedruck

,.W!e geht es Achim?'

Die 9lutung steht feit einigen Stunden! Der Geheimrat war bei der Abendvisite nicht mehr ganz fj hoffnungslos!'

Dr. Hardt führte Daifh zu einem Sessel und nötigte sie zum Sitzen

Liebe gnädige Frau.' sagte er herzlich, 'Sic müssen heute noch einmal ganz stark und "tapfer fein. Es sieht Ihnen eine letzte Prüfung bevor' (Str Besuch!'

In angstvoller Spannung hob Daisy den Kopf.

Ich begehe Sie nicht. Herr Doktor!'

war di- Antwon.Eine Dame, die eie heute al end unbedingt noch einmal zu sprechen ver­langt. Es ist Fräulein de l'Orme''

Eine glutrote Flamme schoß Daisy in die Schläfen.

Bon Curt Bauer.

So Iteb Me eelbenea Serge? I Lause Gesichter, mu T ufeirS1-1 Käufer. / Die Rache des Rom. mia. I (lotiftbautne am Tiber. Die Autodölle i» len römische« Gaffe«. I Das Eiadeitsfiaual.

Rom, Anfang Januar.

Die Festtagsstimmung in Rom war diesmal nicht gerade fröhlich. Papst Pius XL hatte am 24. Dezember die heilige Pforte der Peterskirchi, deren Lefsnung voriges Jahr am diese Zett so vielen goldene Berge Verhieß, geschloffen. Ja, voriges <Mhr! Damals glänzte die ewige Stadt von frohen, erwartungsvollen Gesichtern. Neue Hotels taten sich auf, neue Geschaftsläden, und wer irgend ein Zimmer übrig hatte, glaubte sich mit dessen Vermietung für das Jahr geborgen. Sch-en es doch, als wolle die ganze Welt ihr Geld nach Rom bringen. Die einzigen Leidtra­genden waren die Bürger, die beklommen die Preise steigen sahen. Jetzt ist das Heilige Iah: zu Ende aber die Preise sind nicht heruntergegan- gen, im Gegenteil sie sind noch gestiegen. All we Fremden, die vorher nach Rom kamen, um billig leben zu können, leben jetzt zuhause bil­liger. Sie kommen überhartttt nicht mehr nach Rom. In den Hotels und Pensionen ist es still geworden. Hinter den Ladentischen stehen die Verkäufer mit langen Gesichtern. Jeder ist wie ein kleiner Mussolini,

sehr, die meisten Pilger werden, abgesehen von ihren religiösen Zielen, durch das moderne Rom im Genüsse des alten sehr gestört worden fein. Sie werden außerhalb deS Vatikan und des Palatin mehr von dem Getose der AutoS als von der Größe Roms gemerkt haben. Ist eS doch den Römern selbst, deren Gehörsnerven Im all­gemeinen nickt überemfindlich sind, zu viel ge­worden. Daher wurde kürzlich eine Kommission eingesetzt, die die Aufgabe batte, festzustellen, welche Art von Autosignalen bte geringste Schäd­lichkeit auf da» Nervensystem der Bewohner auszuwirken totfianbe waren. Ich weiß zwar nicht, ob eS solche Tone überhaupt gibt, wenn sie einer Autohupe entbringen sollen. Aber jedenfalls wurden ste gefunden, und vom 1. Ja­nuar 1926 muß jeder Chauffeur solch ein Ein- 6 e i 15 f i g n a I vom Capitol holen. Sollte jemand von ihnen noch irgend einen anderen Ton wagen, so wird et mit Strafe belegt. Wer wie ich lange in einer der belebtesten Straßen RomS gewohnt hat, wird mir ohne weiteres verpflichten, wenn ich behause, diese Einrichtung ist für die moderne Stadt Rom eine der besten Errungenschaften deS Heiligen JahreS.