Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Die Sanel«* ’J.eueftfn Nachrichten erlche tnen wScheallich sechsmal nachminasS. Der Ävonnemeaisvreis betragi kür den Monai L— Mk. bei ireter Zuktelluna ins Saus, tn Ser (SefdwftafttUe abaebolt 1^0 Sif. Durch die Pott monatlich 2.00 Mk. ausfchltettlich Zuttellunasaebiibr. Berlaa und 'Jiebaftion Scklachrbofttranc 28/80. -rernivrecher 961 und SSL Rüt unverlangt einaeiandie tieiträge kann die Ule« >aftlon eine Berantworiuna oder GewLbr in keinem Falle übernehmen. Rück- iablnna des ^eruaSaeldes ober Ansprüche wegen etwaiger ntchi ordnungsmättiger '.’teferRnn !tt ansoeschlotten. Pomcheckkonio Frankfurt a. Main Nummer 8380
Hessische Abendzeitung
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Nummer 4. Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf.
Mittwoch, 6. Januar 1926
Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf. 16« JaHrgUUg
Houghton Vertritt Amerika in Genf.
Ein HoManöai.
' Rumänien, wir und die Abdankung.
Der Bukarester Hofskandal lenkt wieder einmal die Aufmerksamkeit aus ein Land. tum der Ausgang des Weltkrieges Entwicklungsmög- lichkeiten gab, die alle Erwartungen seiner Staatslenler übertrafen. Man darf vor allem nicht vergessen, daß das Land sich in seiner jetzigen neuen Gestaltung noch in den Kinder- krankheiten befindet. Sein Gebiet ist durch den Friedensschluß ungefähr auf das Doppelte vergrößert, aber der Regierung ist es noch nicht gelungen, diesen Neuzuwachs an Sand und neuen Staatsbürgern fruchtbar und aufbauend in die Gesamistruktur des Staates einzugliedern. Unser Verhältnis zu Rumänien trK, dem Kriege war nicht ungünstig. Als es im Verlaufe des Weltkrieges Take I o n e s c u und Bratianu gelang, mit den reichlich fließenden Ententegeldein die Politik des Landes in das Fahrwasser ihrer Auftraggeber zu lenken, da konnte sich die Kriegserklärung allenfalls auf geschäftspolitische Erwägungen, aber nicht auf eine deutschfeindliche Stimmung im Lande stützen. Wenn der Deutsche im Weltkriege nicht zufällig Bundeshelfer des Ungarn gewesen tväre, hätte die Politik des Landes vielleicht doch eine andere Richtung (ungeschlagen. Aber in dem Besitzer Transylvaniens sah der Rumäne den Erbfeind, dem bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit dieses Kleinod entrissen werden mußte.
Die Erbitterung gegen Deutschland schuf erst tiv Besetzung. Ter eiserne Ring um die Mittelmächte zwang, die rumänische Bevölkerung ans Rationierung zu setzen. Eine Maßnahme, die bei dem eine reichliche Kost liebenden Rumänen begreifliche Empörung auslöste. Der Zusammenbruch der Mittelmächte ergab die völlige Umkehrung der Lage in Rumänien uns den überraschenden Umschwung innerhalb weniger Stunden. Schon sah sich der Traum der Annexionspolitiker am Hose der Königin Maria aus Schaffung eines Großrumäniens er» füllt. Da schob die Pariser Regelung des Frie- densvertrages den hofsnungsseligen Plänen einen harten Riegel vor. Die rumänisch-ungarische Königsidee mußte fallen gelassen, die Annektionsabsichten mußten stark eingeschränkt werden. Eine grenzenlose Erbitterung und Enttäuschung in Bukarest war die Folge. Dieser neue Stimmungsumschwuna legte sich naturgemäß auch besänftigend aus die Empfindungen gegen Deutschland.
Auch die Hohenzollernndynastie war, nachdem man die losen Jugendstreiche des soeben von der Hofbühne abgetretenen Kronprinzen Carol so gut es ging vertuscht hatte, wieder fest in der Volksgunst verankert. Doch der Kronprinz Carol, der in seiner ererbten Hemmungslosigkeit seinen Launen und Gelüsten nachging, verstand es nicht, sich der oft schweren Rolle eines Thronfolgers zu fügen. Auch ein gewisser, merkantiler Geist bestimmte ihn, wie ein Berliner Blatt berichtet, sich in gefährliche Unternehmungen einzulaflen, bei denen ihn fein Schwager, der Prinz Paul von Griechenland, ungeschickt unterstützte. Diese Unternehmungen wurden besonders durch den Umstand gefördert, daß Carol Generalinspekteur des Militärfly-. wesens war. Jndesten, diese Tätigkeit hätte ihm nicht fo sehr geschadet, wenn er nicht obendrein gewagt hätte, eine bratianu feindliche Rolle zu spielen und der Opposition unter der Führung des alles könnenden und alle- mistenden Profestors Jgrga, seines früheren Lehrers, seine sichtbare Shmpathie zu zeigen. Zwei Interviews in ausländischen Zeitungen, in denen er deutlich seine Abneigung gegen das fetzige Regime zum Ausdruck brachte, taten noch das Ihrige, John Bratianu begann den Knaben Carol als höchst lästig zu empfinden.
König Ferdinand fühlt sich älter als er ist, feine Gesundheit ist geschwächt, und ein Staatsmann, wie Herr Bratianu ist, muß jetzt schon an die Thronfolge denken. Der Kronprinz Carol hat dem Lande einen Erben, den dreijah- rigen Prinzen Michail, gestiftet. Dem großen Registeur Bratianu fehlt es an Akteuren nicht: Der minderjährige Prinz ist vorhanden, und der erfahrene Regent fehlt auch nicht. Wie oft sah man nicht einen bedeutenden Re- gist-nr die Hauvtrolle selbst spielen?
Andere Nachrichten besagen sogar, der Kronprinz hätte sich an die Spitze der Unzufriedenen gestellt und bereitete einen Staatsstreich vor Er wollte die Machl mit Hilfe der Armee an sich reißen und Bratianu verhaften lassen Die Regierung war üfier diese, Vorbereitungen genau unterrichtet und kam dem Kronprinzen zuvor. Man fand bei seinen Anhängern Beweise für den geplanten Staats
streich, und auf Grund dieses Belastungsmaterials wurde von dem Kronprinzen die Unterzeichnung der Abdankung erpreßt. Die Bukarester Regierungsstellen schweigen diese Affäre geflissentlich tot, sodaß das Rätselraten über die mystische Kronprinzenaffäre wohl noch eine Weile weiter gehen wird.
Houghton geht nach Genf?
Mit zwei Botschaftern als Begleiter.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 5. Januar.
Wie ein Berichterstatter in Washington erfährt, beabsichtigt Coolidge zum Führer der amerikanischen Abordnung zur Abrüstungsvorkonferenz den Botschafter in London, Houghton, zu ernennen. Wahrscheinlich würden ihm der amerikanische Botschafter in R o m und der amerikanische Gesandte in Bern zugeteilt werden
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(Sin Interessanter Dialog.
Washington, 5. Januar. (Funktelegramm.) Der Reparationsagent Parker Gilbert hatte gestern eine lange Unterredung mit dem Präsidenten Coolidge. Gilbert erklärte, er habe mit dem Präsidenten die Reparationsfrage und europäische Angelegenheiten allgemein erörtert.
Helden am Niederrhein.
Angst und Schrecken. — Hollands Pi-miere.
(Eigene Drahtmeldung.)
Cleve, 5, Januar.
Das Hochwasserelend am Niederrhein, besonders im überschwemmten Kreis Cleve, ist furchtbar. Tie ganze Bevölkerung, selbst der zum grötzten Teil stchrrgelegenen Stadt Cleve, lebt in der stärksten Aufregung. Die Rettung der Bewohner von Warbeyen und Huisberden gelang durch die Heldentat mehrerer E m m e r i ch c r L o t s e n, die mit Nachen über das bewegte Hochwasser fuhren und die Leute in Sicherheit brachten. In beiden Orten ist viel Vieh ertrunken. Tas Wasser fallt feit gestern. Im Emmericher Eiland stürzte das Haus eines Landwirts ein. Die Dämmst rnchgesahr wächst durch den starken Weststurm. An der gefährdetsten Stelle sind etwa !.' 0 0 P e r s o n e n bei Stünungsarbeiten beschäftigt. Heute früh iiberfchritten holländische Pioniere die deutsche Grenze, um dem gefährdeten Gebiet Hilfe zu bringen.
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Die Rhelnhochflut verlauft.
Koblenz, 5. Januar. (Privattelegramm.) Von allen Teilen des Rheines und seiner Nebenflüsse wird ein weiteres Fallen des Wassers gemeldet. Nur bei Rüningen und Kehl ist infolge Regens das Wasser etwas gestiegen.
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Wachsende Flui in Glldhollanb.
Amsterdam, 5. Januar. (Durch Funkspruch.) Infolge des fallenden Hochwassers ist Maastricht befreit. Ter Eisenbahnverkehr ist zum Teil wieder aufgenommen. Aus Süd-Holland kommen aber noch beunruhigende Meldungen. Aus Nimwegen wird ein weiteres Anwachsen der Hochflut berichtet.
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Äref< Mdrs ein 3tfefenftt.
Krefeld, 5. Januar. (Privattelegramm.) Im Kreis M ö r s wird bekanntgegeben: Achtzig Quadratkilometer sind überschwemmt. Tas Wasser ist kilometerlang über die niedrigen Deiche in Ewerael und Emmerich in fruchtbares Gelände, teilweise sogar auf die Straße von Rheinberg nach Manchen eingedrungen, von wo es auf Alpen und Seen geflossen ist. Das Hinterland ist durch Quellwaffer der Rückstau stark m Mitleidenschaft gezogen Zahlreiche Ortfchaf- ten und Gehöfte stehen unter Wasser.
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Seine und Somme stetgen noch.
Paris, 5. Januar. (Eigener Drahtbericht.) Das Hochwasser in Frankreich ist etwas zurück- gegangen. Vom Oberlauf der Seine wird noch steigendes Hochwasser gemeldet. Ebenso steigt die Somme und viele Einwohner von Saint-Valery haben sich in die ersten Swckwerke ihrer Häuser flüchten müssen. Eine Fabrik hat ihren Betrieb eingestellt
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Tragödien In der Wasserwssfte
Lüttich, 5. Januar. (Privatt-Egramm.) Hier schlug bei den Rettungcarheiieu im Hochwasser
gebiet ein mit acht Pers onen besetztes Boot um. Sämtliche Insassen ertranken. In einem Hause fielen drei klein« Kinder den eindringenden Fluten ^zurn Opfer.
(Srtrunfene Harzschachte.
Harzburg, 5. Januar. (Privattelegramm.) Im WilhelmSschacht sind in neunhundert Meter Tiefe alle Pumpen ersoffen. Auch auf dem Ot- rilienfchacht steht die tiefste Sohle unter Wasser. Man hofft, die Belegschaften weiter beschäftigen zu können.
Gchreckensftunden inHollanö
Matrosen als Retter. — Geborstene Dämme.
(Durch F«mksprmh.f
Maastricht, 5. Januar.
Die in aller Eile in die bedrohte Provinz Limburg entsandten Marinetruppen retteten gestern Hunderte von in Lebensgefahr schwebenden' Einwohner der ganz im Wasser stehenden Ortschaft Beugen. Vielfach mußten Bauern mit Gewalt weggebracht werden, weil sie sich nicht von ihrem ertrinkenden Vieh trennen wollten. In den Hauptnotgebieten ist der Zustand trotz des fallenden Hochwassers der Maas noch immer äußerst kritisch. Zwei neue Deichbrüche haben sich bei Appeltern ereignet. Die Ortschaft Alten an der Maas mußte geräumt werden. Ein weiterer Deichbruch bet sich bei Deventer ereignet. Das gesamte linke Dffelufer ist dort überflutet worden.
Ein zerstobener KrkegSspuk.
Nur noch zwei Kontrollstellen.
(Privat-Tclegramm.)
Berlin, 5. Januar.
Einem Zeitnngsdienst zufolge hat der Präsident der Jnteralliicrten Kontrollkommission, General Walch dem General von Pawels mit geteilt, daß mit dem 1. Januar die Kontroll- zweigflcllcn aufgehoben wurden. Lediglich in Königsberg und München bleiben Gruppen von je zwei Offizieren bestehen,
Ein Land ohne Verfassung
Griechenlands unblutige Revolution.
(Eigener Drahtvericht.)
Paris, 5. Januar.
Ein Pariser Blatt meldet aus Athen, daß außer dem Artikel 1, der bestimmt, daß Griechenland eine Republik ist, alle übrigen Artikel der Verfassung ausgehoben worden sind. Die neue Regierung nennt sich „Direktorium des nationalen Wiederaufbaues". Bereits Sonntag Nacht ist die Landesverweisung von acht- zehn oppositionellen Abgeordneten, sowie aller Sowjctruffen aus dem griechischen Staate erfolgt.
Ehe wir eintreten.
Mandate über zwei große Kolonien.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 5. Januar.^
Eine Frage, die Deutschland beim Eintritt in den Völkerbund am meisten interessiert, ist das Problem der Wiederherstellung deutscher Kolonialbetätigung. In den Genfer VüUerbundskreisen hat man keinerlei Einwendungen erhoben, als die deutsche Regierung in ihrem Memorandum betonte, daß daS deutsche Reich als VSlkerbundsmitglied bei der Verteilung von Kolonialmandaten auf gleichberechtigter Grundlage berücksichtigt zn werden wünscht. Es verlautet, daß der Generalsekretär Doumond bei seinem Berliner Aufenthalt Rücksprache halten wird. Bor allen Singen steht zu erwarten, dass Deutschland künftig m der Mandatkommfsion deS Völkerbundes vertreten fein wird, um die deutfchen Ansprüche geltend zu machen. Wenn der Völ- kerbund bereit sein sollte, so wird aus Kolonial- kreifen versichert, das an Deutschland begangene Unrecht wieder gutzumachen, so könne er dies nur in der Form praktisch auswirken lassen, daß er ihm das M an d a i über seine wertvollen und großen Kolonien verleiht. Es handelt sich dabei um Deutsch-Ost- und Deutsch- Südwe st -Afrika, ohne welche von einer Wiederaufnahme der deutschen Kolonialtätigkeit nicht die Rede sein kann. In Kamerun und Togo hat zwar auch sehr viele deutsche Arbeit gesteckt, aber die beiden kleinen Kolonien konnten und dursten nur eine Ergänzung, nicht aber die Glnudlagc des Kolonialdrutschaums sein.
Schrei nach Arbeit.
Organisation der NotstandSarbciten. ] Vorschläge eines Bürgermeisters. — Wo man ansaffeu muh. — Snsammcuschluh, der Bezirke. Auswahl der KrSste. — Fliegend« Rrbeitstrnpvs.
Die rapide Zunahme der Erwerbslosen in diesem harten Winter erfordert in allen Gemeinden umfangreiche Notstandsarbeiten, durch die der Arbeitslosigkeit weit besser gesteuert werden kann als durch Unterstützungen. Einer der besten praktischen Sachkenner auf diesem Gebiet, der Heidelberger Bürgermeister Amberger, hat dargelegt, daß es möglich sei, Notftandsar- beiten in der Weise zu organisieren, daß sie alS automatisch wirkender Regulator des freien Arbeitsmarktes dienen können. Diese Aufgabe können aber nur diejenigen Notstandsarbeiten erfüllen, bei denen es möglich ist, ohne große technische Schwierigkeiten und ohne erheblichen Sachaufwand jederzeit die Zahl der Arbeitskräfte auf ein Minimum zu beschränken und dann wieder aus daS Vielfache dieses Minimums ansteigen zu lassen.
Es handelt sich in erster Linie um K u l t i« vierungsarbeiten, Kanalarbeiten, Straßenarbeiten (Autostraßen) und sonstige große Tiesbauarbeiten. „Solche großzügigen und zu Regulatoren der Arbeits- beschasfung wirklich tauglichen Unternehmungen," so schreibt Amberger, „können nicht von Sieute auf morgen, wenn plötzlich die Arbeits- osenzahl anschwillt, „aufgemacht" werden. Vielmehr müssen sie stetig und auch bei Besserung des freien Arbeitsmarktes weilergeführt werden, in der Weise, daß das organisaionsche Gerippe fietS intatt bleibt, und die „KadreS" bet der Flaute des freien Arbeitsmarktes leicht und reibungslos aufgesüllt werden können. Sie bedürfen daher einer ganz besonderen, ihnen eigenen wirtschaftstechnischen Organisation und einer in sich selbst gesicherten finanziellen Grundlage. Es ist einleuchtend, daß die einzelnen Gemeinden und Arbeitsnachweisbezirke solche Aufgaben nur schwer selbständig und allein erfüllen können. Erforderlich würde es daher sein, Gemeinden und Arbeitsnachweis- bezirke zu Zweckverbänden zusammenzuschließen zur Organisation solcher großen öffentlichen Arbeiten. Die Höhe der finanziellen Beteiligung im gemeinsamen Unternehmen gibt den Maßstab, wie hoch die Zahl der Arbeitergruppen sein kann, die au8 den einzelnen Bezirken bei der gemeinsamen Notstandsarbeit tätig sein können.
Ebenso wichtig wie die Auswahl der Arbeit ist die Auswahl der Arbeiter. Mit dem bunten Haufen Erwerbsloser aus allen möglichen Berufen und Altersklassen ist eine produktive Arbeit nicht zu erzielen. Die Erfahrungen darüber liegen in reichlichem Maße vor. Fassen wir aber die Arbeitsbeschaffung als Dauerproblem, so werden wir sie auch an dieser gefährlichen Klippe nicht scheitern lassen. Wer Anspruch erhebt auf allgemeine Hilfe im Fall der Erwerbslosigkeit, mutz sich auch den Pflichten unterwerfen, die damit zu verbinden sind. Die hier aufsteigende Aufgabe ist eine ähnliche, Wie sie uns im Kriege gestellt wurde. DaS Heer der Werktätigen ist für die Zwecke der Beschäftigung im Notstände, also für die Zeit der Loslöfuug der einzelnen von feinem eigentlichen Berufe, einer genauen und eingehenden Musterung zu unterwerfen und danach in verschiedene Klassen einzuteilen. Entscheidende Faktoren sind dabei: Alter, Beruf, Familten- stand usw. Diese Musterung, vorgenommen unter der Leitung tüchtiger Gewerbeärzte, löst die heterogen« Masse der Erwerbslosen in bestimmte Gruppen auf, deren Gliedern eine gewisse homogene Arbeitsgualitat innewohnt. Einzelne dieser Gruppen — ledige, junge Arbeiter — find „felddienstfähig"; fie kön- nen ohne Schwierigkeiten in entfernten Arbeitsplätzen und Notquartieren untergebrachl werden, ohne datz dabei den einzelnen eine unbillige Härte trifft. Auch die Art der Arbeit, ihre Ueberwachung und Leitung, werden für die einzelnen Gruppen verschieden sein.
Solch gut ausgemusterte Arbeitsgruppen verlieren die Charakterzüge der jetzigen Notstandsarbeiter, können gute und produktive Arbeit leisten und daher auch ordentlich bezahlt werden. Selbstverständlich ist, daß der einzelne Erwerbslose solche Arbeit stets nur im Notstands verrichtet, daß aber dis möglichst schnelle Wiedersinreihung in den Normalberuf erstes und oberstes Ziel bleiben muß. Tie Aufgabe. Notstandsarbeiten zu organisieren, ist nicht einfach und es wird einer langen Entwicklung bedürfen, um sie richtig zu lösen. Aber fie ist von solcher sozialpolitischen Bedeutung, daß keine Anstrengung zu groß sein kann. Mit deutscher Gründlichkeit muß fie an«