Kasseler Neueste Nachrichten
Sechzehnter Jahrgang.
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Dich
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sieben Fortsetzungen draus machen.
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Ruhe vor dem überhaupt nicht, keineswegs: ich der will einen
lux^ der statt Dü«
Lleberschwemmle Sehöfte.
Das Hochwasser in Norddeutschland.
herein!"
Seitdem habe ich Gesprochen wurde er loren ist die Mühe dem Marl geschenkt.
Prolog, aber ver-
Der TRoin steigt, die Saar fällt.
Ans Frankfurt am Main berichtet der Hochwasserdienst des Magistrats ein weiteres langsames Steigen des Mains. D-er Pegelstand betrug gestern 4,25 Meter. In der Stunde wird ein Steigen des Flusses um zwei Zentimeter beobachtet, und man rechnet noch mit einer Ge- samterhöhnng des Wasserstandes um 50 Zentimeter. Im eigentlichen Frankfurter Stadtbezirk sind die Mainfluten bisher noch nicht über die Ufer getreten, Wohl aber sind einige Frankfurter Vororte, die an der starkes Hochwasser führenden Nidda gelegen sind, wie Frankfurt- Hausen und Frankfurt-Braunbeim. teilweise seenartig unter Wasser gesetzt. Das Hochwasser der Saar ist im Abnehmen begriffen. In Dudweiler stehen mehrere Häuser unter Wasser. Saarlouis ist immer noch von seinem Bahnhof, der außerhalb der Stadt liegt, abgeschnitten. In Payern hat sich die Hochwassergefahr für die Donau und ihre nördlichen Zuflüsse wesentlich verschärft. Auch Wörnitz, Altmühl, Nab und Regen führen starkes Hochwasser. Der Neckar fuhrt Hochwasser und bat weite Strecken überschwemmt. Die Gefahr nimmt infolge des fort- aesetzten Tauwetters wesentlich zu.
KreiS der Tage —
Blühe froh im Lebenswind, daß er Dich Reise trage!
Daß Du srnchtbeladen stehst, gern bereit mitznteilent
Wenn auch Glück und Sonne scheu wie Traum vorübereilen'
hc.ften ihn auf: aber nichts kann ihn und seine wackeren Tiere davon abhalten, immer weiter nach Norden vorzudringen bis ans Ziel Wenn der kurze Tag vorüber ist und die langen Schatten über Vie Schneefläche rasch zur Dunkelheit aufwachsen. schlägt er sein Lager auf, bereitet das Mahl für sich und seine Hunde, und mit dem ersten Frührot gehl die Reise weiter. Tie Hunde sind für die große Aufgabe besonders trainiert und erweisen sich als getreue, unermüdliche Gefährten. Zwischen Waterways und Aklawik ist die durchschnittliche Entfernung der einen Station von der anderen etwa 250 Kilometer, eine lange Strecke völliger Einsamkeit, in der es feine menschlichen Wesen gibt und der Tod in vielen Fällen lauert.
Bisweilen kommt der Schlitten so langsam vorwätts, daß man das Lager der vorigen Nacht noch sehen, kann, wenn man bereits das neue Lager aufschlagen muß. und manchmal kommt der Zug nur einige Meter vorwärts statt Kilometer. Aber Postmann und Hunde kämpfen sich durch, immer vorwärts, immer nordwärts, bis endlich die Lichter der nächsten Station sie freundlich grüßen. Die zweite und letzte Winterpost nich dem Polarkreis verläßt Edmonton am 26. Januar.
SS regnet und taut.
Der Höhepunkt der Hochwassergefahr.
Im bayrischen Hochgebirge taut der Schnee lavide, in den bayerischen Wintersportgebieten regnet es unaufhörlich, selbst auf der Zugspitze herrschen nur noch ganz wenige Kältegrade und für Skier und Rodelschlitten ist in Deutschland im Augenblick nirgends mehr ein Betättgungs- eld. Nur das Engadin und die anderen hochgelegenen schweizerischen Sportplätze halten den Westwinden noch stand. Di« Hochwassergefahr die infolge der Schneeschmelze m ganz Mittel-!
Wurzle fest 'm Muttergrund Deiner heimatlichen Erde.
Daß der fremden Wolken Gran nicht Dein Blühn bekümmern werde!
Torge nicht. Du Menschenkind, Du Atom im Kreis der Tage —
Daß der letzte Glockenschlag noch dereinst Dein Lächeln trage!"
Hochwasser kn Frankreich und Sngkanv Schiffe im Sturm.
Aus ganz Frankreich werden heftige Stürme gemeldet. In Paris regnet es seit Montag fast ununterbrochen. Die Städte in der Provinz und besonders im Kiistengebiet sind durch Hochwasser schwer mitgenommen worden. Aus Cherbourg wird gemeldet, daß die äußeren Stadtviertel überschwemmt sind. Auch die Vororte von Brest mußten zum Teil von der Bevölkerung geräumt werden. Der Hafenkomman- dcmt von Rochefort emvfing Notsignale des italienischen Dampfers „Basaldo". Ein französischer Dampfer, der am 23. Dezember aus Lorient auslief, wird vermißt. Man befürchtet, daß der Dampfer im Sturm am 24. Dezember unterpe- gangen ist. Ein Stadtviettel in Valence steht unter Wasser. Auch in England hält das stürmische und regnerische Wetter an. Die Flüsse steigen weiter, große Gebiete sind überschwemmt. In ganz England herrschen geradezu sommerliche Temperctturen. Nack den Berichten der meteorologischen (Stationen wird das ungewöhnliche Wetter noch anhalten. — An der Küste von Cornwal wurden Notsignale des Dampfers „Coronado" aufgenommen. Auf Rückfragen gab das Schiff keine Antwott.
In der neuen Stunden Zahl, die den Weg zur Erde fanden!
Um den goldnen Gürtel trägt unsre Glocke ihr Geleite —
Worte, eh-rn eingeprägt — lenckten in die nächt'ge Weite...
Worte, die von ew'ger Hand nnserm Wanderweg gegeben
Trägt der neuen Glocke Klang nun mit froher Kratt ins Leben:
.Sorge nickt. Du Menschenkind. Du Atom im
2. Beilage.
Freitag, 1. Januar
Äm ewiger? Schnee.
Mit der Reujahrspost nach dem Polarkreis.
Mn die Neujabrszeit trifft der erste her beiden Winterpostzüge, die von dem kanadischen Ort Edmonton nach dem Polarmeer ausgehen, im Polarkreis ein und bringt den Siedlern in die- s-.n Wüsten von Eis und Schnee Kunde von der Außenwelt und frohe Renjahrsgrüße. Die Postsachen werden am 1 Dezember in Edmonton aufgegeben und gehen zunächst mit der Bahn bis Waterways, der Endstation der Alberta-Eisenbahn. Von dort wird die Post in Hundeschlitten befördert und hat von Waterways bis ncch Aklavik, dos 75 Kilometer vom Polarmeer entfernt liegt, gegen 5000 Kilometer zurückzulegen.
Es ist eine harte Arbeit, diese Winterpost nach dem Polarkreis zu bringen. Für die Schlit- tcnsührer verläuft ein Tag wie der andere, sodaß jeder Tag feine besonderen Schwierigkeiten und Gefahren bringt. Heulende Schneestürme, riesige Eisbarrieren, tiefe Schneeverwehungen
Wer, obwohl in einer bescheidenen, aber dock nützlichen und ehrenvollen Stellung, mit seinen Vorstellungen nur immer in den höheren, ' liriösen Lebensbereichen berumschweist, flieht das Glück, statt es zu erreichen, und Sonnenschein und Frohsinn, verbreitet er
fhrfeit und Melanckolie
Es ist eine ganz verkehrte Voistellung, anzunehmen, daß man an allen Tafeln des Lebens schlemmen müß'e. um glücklich zu fein. Phantasie ist eine göttliche Gabe des Geistes, und der schaffende Künstler, den sie geküßt, ist ein strahlender König auch in einer Dachkammer. Wer seine Phantasie aber nur gebraucht, um aussichtslose Wunschgedanken zu wecken, unerfüllbare Hoffnungen zu nähi-u. wer an Schönheiten, Ge- niisse und Annehmlichkeiten der Eide nur mit dem Verlangen denken kann, sie zu besitzen, der kommt nie zu dem inneren Gleichmaß, daß eine Vorbcding'. ng wahren Glückes ist.
Wie einfach unb bedürfnislos haben die Menschen früherer Zeiten gelebt, und wieviel Vifriebener waren sie als die heuttae, vorn Ge- nußtaumel erfaßte Menschheit! „Genießen macht cew.em!"
Es ist freilich nicht leicht,- das glücksuckende H'.rz zu rügeln und es aus der Atmospäre überreizter Wünsch? zurückzurufen in die Demut ihm gezogener Schranken Aber klug ist. wer nur danach verlangt, was ihm in seinem Lebenskreise auch wirklich erreichbar ist.
In bescheidener Pflichttreue ruhig und ziel- bewußt bandeln, die Dinge nickt danach bemessen, welch- Ke.ckisse sie uns versprechen, sondern ob sie uns helfen, unsere Aufgabe im Dienste des K.inzc.i zu erfüllen — feder einzelne Mensch ist ein Stück dieses Weltganzen — daS ist wahre Lebensweisheit! Nur wer seinen Beruf darin erblickt, andere glücklich zu macken, findet selbst das wahre Glück W. L.
später kam ein Mann zu mir, der aussah wie das lebende Bild „Der Steckbrief und gab sich als der fünfte Beisitzer dieses ersprießlichen Vereins zu erkennen. Der verehrlichen Frau Schriftführerin sei der Prolog im Hals stecken geblieben, sie sei bettlägerig, und daher müsse e r den Prolog sprechen. Er gedenke als Petrus zu kommen, mit einem bronzierten Ofenring als Heiligenschein, und seine Gattin werde ihm als Jnsignie den Hausschlüssel für die Dauer dieses Prologs leihen.
Jetzt fing der Prolog allmählich an, mir Freude zu bereiten. Ich streute meinem Pegasus Pfeffer unter den Schwanz, und siehe, es ging:
Als Petrus, wo allsonst im Himmel hupst, Wo teils die Sonne, teils das Mondkalb prangt.
Nach der letzten Schneeschmelze führen Bäche und Flüsse im Regierungsbezirk Stade große Wassermengen zu Tal. Besonders katastrophal wirft sich das Hochwasser in Bremerförde aus. Die Oberoste hat die Ostenniederung überflutet. Seit 1888 hat man dort eine derart hohe Ueherschwemmung nicht erlebt. Die Gehöfte in Siegersdorf und Wilkens am Fresenburger Kanal sind vollständig von Wasser umgeben. Die Bewohner mußten ihre Häuser verlassen, da das Wasser Fensterhöhe erreichte.
europa herrscht, ist auch heute noch groß. Immerhin hat es den Anschein, als ob der Wasser- stand wenigstens in Südwestdeutschland seinen Höhepunkt bereits erreicht hat. So hat, wie aus Offenburg gemeldet wird, das Hochwasser der Kinzig in der vergangenen Nacht erheblich nachgelassen Aus den überschwemmten Wiesen und Feldern verläuft sich das Wasser langsam.
Neujahrsgedanken.
Die Sehnsucht noch Glück.
Wenn Die Reujahrsglocken erschallen, dann emsaltet unsere Seele ihre Wunschkraft, erfüllt das kommende Jahr mit d?n schweifenden Hoffnungen unseres Herzens, und in dem Verlangen, das duntte Tor der Zukunft auszuriegeln, geben wir uns lächelnd und gern dem Aberglauben alter Volksbräuche hin
Die unstfllbare Sehnsucht des Menschen nach Glück ist nie so stark, wie an der Schwelle, die Vom alten znm neuen Jahre führt.
Sehnsucht nach Glück! Und wie verkehrt fangen es die meisten Me.ischen an, um zu ihrem Glück zu kommen! Sie begehen den Fehle», ihr Inneres mit Wunschgedanken zu überreizen, die dock unerfüllbar sind Statt zu innerem Glücke zu gelangen, verfallen sie in Selstguälerei; ihre Seele wi:d schaff, mürrisch und schwermütig, sie geben alles verloren, weil ihnen nicht alles in Erfüllung ging.
habe ihn Film
habe plötzlich das Gedächtnis verloren, und deshalb habe s ie sich bereitfinden lassen, auf allgemeinen Wunsch ihres Mannes den Prolog zu „freieren*. Nun, das gönnte ich meinem Prolog! Aber die Dichtung stimmte nun nickt mehr ganz, denn eigentlich sei sie doch kein Englein klein, und der Reim „herabgefliegt* sei auch zu ernst für eine so heitere Feier, und ob ich das zu andern nicht die große Güte zu haben so fteundlich zu sein ihr entgegenzukommen so reizend sein wollen eventuell würde gehabt zu haben gewesen zu sein?
Und weil mir ihr Lächeln sämtliche Innenteile im Leibe herumgedreht, habe ich ihr die Güte entgegengekommt zugewesen, und habe den Prolog umgedichtet. Jetzt begann er: Als Engel groß, wo sonst im Himmel hockt, Wo sich der Firstem hin und her verneigt Und der Komet den Schweif sich ringlich lockt. Komm heute ich zu Euch herabgesteigt.
Natürlich war die alte Mumie ganz begeistert und konnte sich nicht genug wundern, wie ich die tiefsten Gedanken nur so aus dem Aermel schüttle, und sie sagte, sie kommt als Neujahrsengel im Dirndlkoftüm und den Refrain jodelt sie. Ich dachte mir: „Was liegt mir dran? Koche mit Lust, wasche mit Unschi " hielt meine prologische Tätigkeit für beendet. Aber das war ein Irrtum. Sondern zwei Tage
Der Ichte Gwckenfchray.
Reujahrsgedanken von Clara Steckhan, Kassel.
Zw?lfmal l-allt de: (8locke Scklag und dann schweigt die liebe Kunde —
Die uns durck das alte Jahr treu geleitet Tag und Stunde
Einer neuen Glocke Form hat der zwölfte Schlag zerbrachen.
Und der Schwester hat er laut ihren Wiegengruß gesprochen!
Coldgehämmert steht sie nun frei der Fesseln in dem Leben
Wird nns neuer Stunden Glück, neuer Stunden
Wehmut geben
Wird mit unsrer Herzen Schlag sich Vereinen stillerweife,
Und die zage Seele dann ‘ragen in die lichten Kreise
Noch erflana ihr stolzer Mund nickt zu unsrem Grbrnganne,
Und wir kennen nickt ihr Lted — und wir warten still unb bange
Dessen, was sie künden wird, losgelöst von Form und Banden —
Zer Höhepunkt der Hochwassergefahr
Nachlassen der Flnt in Südwestdeutschland / Saar und Kinzig fallen / Die Donau steigt weiter / Anwerter in Frankreich.
Sachliche Urteilt
Es ist ein wahres und verdient-bekanntes Wort vom Uhl und der Nachtigall. Wenn einer zu mir sagt: „Urteile dock mal objektiv ft. so weiß ich nie etwas zu sagen. Ich habe das bestimmte Gefühl, daß meine Objektivität auch subjektiv ist. Und eigentlich lohnte es sich ja nicht, mit jemanden oder sich selbst zu reden, wenn man nicht persönliche Aeußerung erwartete. Wenn ich zu Camilla sage: „Dein Freund gefällt mir. ich versiebe, wie eine Frau von Geschmack sich in ihn verlieben konnte*, so ist das objektiv, durch persönliche Nuance ge- mildert. Wenn ich tu ihr sagte: „Dein Freund gefällt mir, und ich habe mick für morgen Nachmittag mit ihm zum Tee verabredet" so wäre das unverzeihlich subjektiv. Aber ick sage es ja nicht. G. E.
Die Hochwassergefahr in den großen deutschen Sttomgebieten ist noch im Steigen begriffen. Das Hochwasser des Rheins wies bereits Mittwoch mittag einen Pegelstand von 8,10 Meter auf und steigt stündlich weiter, besonders in Köln-Mühlheim hat sich die Lage sehr verschlimmert. Dort drangen die Wasser, da der Damm nicht genug Widerstand leisten konnte, in die Sttaßen ein. Ein großes Wasserfeld breitet sich immer weiter aus. In den Uferstraßen Kölns und Mühlheims wird der Verkehr und die Verproviantierung der Anwohner durch Kähne ausrechter halten. Tas niederrheinische Dorf auf der rechten Rheinseite Kölns mutzte von den Bewohnern geräumt werden. In geradezu besorgniserregender Weise schießen die Wasser zu Tal. Das Hochwasser in Köln steht kaum noch ein Meter unter dem Pegelstand der lieber» schwemmungskatastrohe von 1920. Da jetzt erst die Schneeschmelze in den Bergen einsetzt, ist zu befürchten, daß das Hochwasser nicht nur diese Höhe erreicht, sondern noch darüber hinausgehen dürste. Die Bonner SiebengebirgSbahn hat ihren Dienst einftetten müssen. In Andernach brang das Wasser durch das alte Rheintor, das ganze Rheingelände vom Bollwerk bis zum alten Kran bildet eine ununterbrochene gelbe Wasserfläche, aus der nur die Kronen der Bäume hervorragen. Der Fährverkehr aus dem Rhein ist vollkommen eingestellt. Im M o s e l t a l har sich die Lage weiter außerordentlich verschlimmert. Im Trierer Bezirk stürzten die ganze Nacht große Wassermassen in schweren Güssen zur Erde, was ein weiteres Anwachsen der -ÜD2o» fei zur Folge hat. Auf verschiedenen Strecken an der Mosel hat die Staatsbahn den Betrieb einstellen müssen, da die Gleise vom Hochwasser vollkommen überflutet sind. — Sämtliche Flüsse des Thüringer Waldes führen starkes Hochwasser und haben zum Teil erheblich« Ueberfchwem- tnungen verursacht. Wintersport ist im ganzen Thüringer Wald nicht mehr möglich.
Die Flut in den Rdeinftädten.
Neuwied, 31. Dezember. (Eig. Drahtbericht.) Die Stadt steht zur Hälfte unter Wasser. In den am Rhein gelegenen Straßen steht das Wasser teilweise bis zur Mitte der Parterrewohnungen und droht weiter zu steigen. Zahlreiche Familien wurden ausguartiert und in Notwohnungen untergebracht. Die Bewohner der oberen Stockwerke sind von der Mitwelt völlig abgeschlossen. Es mußten ihnen Nahruilgsmittel mit Kähnen zugeführt werden. In Bendorf und Kngers stehen zwei Fabriken vollständig im Wasser. Mehrere Häuser mußten geräumt »erben. Die Straßenbahnverbindung Vallendur— Ehrenbreitstein ist unterbrochen. In Irlich und Fahr stehen die Häuser bis zur Hohe der Par terrewohnungen im Wasser. Auf dem anderen Rbeinnfer in Andernach stehen die Hotels an der Rheinstont unb die dahinter gelegenen Häuser bis zum ersten Stock im Wasser.
Indische Sauberer.
Verblüffende Leistungen eines Fakirs.
Der französische Konsul in Benares in Indien berichtet über die verblüffenden Leistungen des Fakirs Gowinda Swami. Der Konsul schreibt: Der Fakir Gowinda Swami nahm einen Stock, den ich auf Ceylon erstanden habe, und begann, die Augen fest auf den Boden gerichtet, magische Beschwörungen vorzunehmen. Alsdann erhob er sich, die Hand aus dem Knopf meines Stockes ruhen laffenb, mit den Füßen ziemlich hoch über den Boden, die Beine nach orientalischer Weise gekreuzt, in einer Haltung wie die Statuetten des Buddha. Länger als 20 Minuten bemühte ich mich, dahinter zu kommen, wie es möglich sei, die Gesetze der Schwerkraft aufzuheben, allein eS gelang mir nicht.
Bon einer der eisernen Querstangen der Terrasse hing eine Harmonika an einer Schnur herab, die an dem tastenlosen Ende des Instrumentes befestigt war, ungefähr zwei Fuß über dem Boden frei in der Luft. Ich bat den Faftr, sie zum Spielen zu bringen. Er nahm die Schnur zwischen Daumen unb Zeigefinger unb nach wenigen Minuten begann der Blasebalg sich zu bewegen und es erflangen Töne. „Könnte ich nicht eine Melodie zu hören bekommen?" fragte ich. „Ich werde es," lautete die Antwort, „dem Geist eines alten Musikus der Pagode sagen." Nach einer ziemlich langen Panse ertönte das Instrument von neuem: Nun waren herrliche Akkorde zu hören und dann setzte eine der Volksweisen von der malaischen Küste ein. Während der ganzen Zeit verhielt Gowinda Swami sich vollkommen unbeweglich, lediglich durch die Schnur mit der Harmonika verbunden.
Der Fakir entnahm nun einer Tasche sehr feinen Sand, streute etwas davon auf den Fußboden. Dann ersuchte er mich, ihm gegenüber an einem Tischchen Platz zu nehmen und mir Papier und Bleistift geben zu lassen; sich selber bat er ein Stückchen Holz aus. Ich reichte ihm einen Federhalter und legte ihn behutsam auf den Sand. „Hör' zu," sagte er, „ich werde setzt die Geister anrufen. Sobald du den Federhalter sich sennecht erheben und so den Boden berühren stehst, zeichne auf deinem Papier, was dir beliebt, und du wirst es tm Sande wiederholt finden." Hierauf hielt er die Hände horizontal von sich und begann die geheimen Beschwörungsformeln zu murmeln. Nack einigen Mi- nuten erhob sich langsam der Federhalter. Ich fuhr mit meinem Bleistift über das Papier. Sogleich begann der Federhalter alle Beweaun- gen des Bleistifts nachznahmen und hinter Gowindas Rücken entwickelten sich im Sande all die krausen Verschlingungen, die ich aufs Papier gezeichnet hatte.
Komm heute ich zu Euch herabgefliegt.
Dann kamen noch vier Zeilen, und dann war der Prolog aus.
Der erste Fürstand klingelte mich an; der Prolog sei ausgezeichnet, aber er sei ein bischen lang, unb er wisse nicht, ob ein so kleines Kind eine so umfangreiche Dichtung auswendig lernen könne. Und ich riet ihm, man könne ja die Worte weglassen und nur die Kommas sprechen, und das schien ihm einzuleuchten.
Drei Tage später erschien bei mir eine Vo- gelsckencke, die sich als die Gattin des zweiten Schriftführers entpuppte. Nämlich das Kind, wo meinen herrlichen Prolog sprechen sollte,
Darlehen dichtet.
Die Geschichte eines Neujahrsprologs.
Von
Karl Ettlingen
Ich lag nichts Böses ahnend, auf meinem Divan unb überlegte mir gerade, wie ich meinen Verleger zu Neujahr ärgern könnte, da kam mein Freund Wart herein und behauptete: „Karlchen, du kannst doch so schöne Gedichte machen, daß die Gäule davon scheu werden, — also ich habe einen Auftrag für dich! Der Unterhaltungsverein „Mi könnts gern Ham" veranstaltet eine pompöse Neujahrsfeier, und da soll das zehnjährige Töchterchen von dem ersten Fürstand einen Prolog berunterraffeln. Kurz soll er fein, schön soll er fein, und kein Honorar kriegst du auch nicht!"
Also auf so einen ehrenvollen Auftrag hatte ich schon lange gewartet und deshalb begann ich sofort mit beiden Fäusten die Lever zu schlagen. Ich malte mir aus: das zehnjährige Unglückskind kommt als Neujahrsengel, in einem einigermaßen weißen Hemmet, mit zwei Gänseflügeln am Schulterblatt, und de-ment- sprecheud verfaßte ich einen Prolog. Er begann: Als Englein klein, wo sonst im Himmel weilt. Wo sich die Wolke hin unb her verbiegt
' Unb mancher Sternschnupp durch den Aether
Und wo der Tierkreis auf und nieder lupft. Komm gestern ich zu Euch herabgegangt.
Der fünfte Beisitzer bedankte sich taufenbmal. Drei Tage darauf trugen zwei Männer einen Lehnstuhl in mein Zimmer. In dem Lehnstuhl saß die Urgroßmutter von dem Vereins- kassierer, die hatte einen Zettel In der Hand, daraus stand: „Ich werde den Prolog sprechen, bitte, dichten Sie ihn um." Und sie wollte ihn im Babvkostum vortragen.
Da läutete ich meiner Hauswirtin und sprach: „Sie erinnern sich doch an das Beil, das unter dem Herd liegt? Bitte, bringen Sie es