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Kaffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
16. Jahrgang
Freitag, 1. Januar 1926
Nummer 1
Einzelnummer 10 ’BL Sonntags 15 Pf.
Einzelnummer 10 Pf^ Sonntags 15 Pf.
Mussolini tritt an Englands Seite
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»r0±y.um.S.ro,n Sie Aüffe steigen unaufhörlich
Silvesterglück.
Wachsende Hochwassergefahren im In- und Ausland
Die HavK tritt über die Ufer.
II
Wie auch die bedrohlichen Nachrichten in der Beilage dieser Ausgabe erkennen lassen, ist die Hochwassergefahr weder im In- noch im Auslande bisher gebannt. Die Hochwasserkatastrophe in Bayer» ist die schwerste seit 1902. Aus München wird soeben gemeldet, daß alle Alpen- slüsse weiter steigen. Passau ist zur Hälfte überflutet. In Kochel ertranken fünf Personen, die auf einer Brücke dem Hochwasser zuschauten und plötzlich mitsamt der Brücke im Wasser untergingen.
Steigen des Wassers gemeldet. Ebenso ist die Mosel in beängstigender Weise gestiegen. Größere Teile der Stadt Trier bis zum Stadt- inncrn sind vom Wasser überslutet. Das ganze Trier-Becken bildet einen großen See, der den Verkehr nach auswärts fast vollständig unterbindet. Gestern abend ging in der Gegend von Saarburg ein starker Wolkenbruch nieder, der Beurig-Saarburg vollständig unter Wasser setzte. Infolge der von den Bergen abströmendcn Waffermengen sind teilweise die Bahngleife durch die Schlamm- und Erdmaffen überschwemmt, sodaß der Verkehr sehr behindert ist.
Kritische Stunden in Bayern. — Auf der Flucht vor der Ruhr. — Ueberschwemmnngen und Opfer in aller Welt. — Schnee, Regen und Wolkenbruch.
SLner Katastrophe nahe.
Verhängnisvolles Steigen der Ruhr.
Essen, 31. Dezember. (Privattelegramm.) Die Ruhr hat heute Naclst eine ganz ungewöhnlich starke Steigung aufzuweisen. Die Bewohner der gefährdeten Gehöfte haben ihr Vieh in Sicherheit bringen müssen. Die angrcnzcnoen Straßen sind überschwemmt Wenn das Steigen des Wassers so anhält, wird wohl der Hochwasscrstand von 1906 erreicht werden.
Das Schloß vor dem Mund.
Faschismus duldet keinen Widerspruch.
(Eigener Drahtbericht.)
Rom, 31. Dezember.
Ein Blatt wendet sich gegen diejenigen faschistischen Blätter, die gegenüber dem Faschismus eine Opposition für nützlich und notwendig halten. Das Blatt erklärt, keine Revolution habe eine Lposition geduldet. Die Rrvotut-on dulde auch keinerlei Hetzerei und sei notwendigerweise unitarisch, zentralisierend und orthodox. Als Trotzky dem Revisionismus verfiel, sei er in den Kaukasus verbannt worden, und die Oppositionsleute während der französischen Revolution seien unter der Guillotine geendet. Die Opposition habe heute keinerlei Daseinsberechtigung in Italien mehr.
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Schlagen öle Türken los?
London, 31. Dezember. (Durch Funkspruch.) Nach einer Meldung aus Bagdad ist in D i a r - bekir, dreihundertzwanzig Meilen nordwestlich von M o s s u l eine weitere türkische Division eingetroffen. Bon der Moffulgrenze werden beträchtliche türkische Truppenbewegungen gemeldet, die auf einen Konflikt hindeuten.
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Wasser nichts als Wasser.
Flüsse und Kanäle fließen über.
(Eigene Drahtmelbung.)
Amsterdam, 31. Dezember.
Der dritte Teil von Holland steht unter Wasser. Dir Fluten der Grawten und Kanäle schwellen weiter an. Bei Schcveningen kelterte der belgisci-e Dampfer „Henry 2“ mit sechsunddreitzig Mann Besatzung, von der ntc= mans gerettet wurde. — Auch in Frank re ick r.^rön die U » Ick wemmunaen zu. In Paris fMfl ist gesteick wmnd Re Kein-. Antenne &.£ Eiffelturmes gerissen. Die stark beschädigte große Antenne droht ebenfalls zu reißen.
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Quedlinburg unter Wasser.
Quedlinburg, 31. Dezember. (Privattele- gramm.) Laut Pressenotiz ist die B o d e ständig im Wachsen. Der Bahnhofsvorplatz und die Straßen t”r inneren Stadt sind überschwemmt.
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Die neue Rapallofront.
Ehamberlaiu-Muffolini gegen Rußland-Türkri (Eigene Drahtmeldung.)
Rom, 31. Dezenwer.
Ein Blatt schreibt zur Besprechung Cham berlainS mit Mussolinis in Rapallo, daß die Vorgänge im garrzen Orient besonders geprüft unb Beschlüsse gefaßt worden seien. Was den
Kopf hoch... Herz aus!
Wenn die Sisvesterglocke» läuten...
Von
Artur Brause weiter.
Silvesterabend, ick wandere durch die stillen Straßen meiner alten Heunatstadt Ein bedcu- tilngsvolles Jahr liegt hinter ihr. Des fünfte Jahr ihres Freistodttums von — nicht von Gottes Gnaden Durch Gettos Willen, das mag eher angehen Denn je älter man wird, je mehr Ulan der Völker uubegreiflichn>.chselndcs Schicksal, der Menschen Kommen, Gehen, Leiden erfährt, itin so klarer wird eS einem: Was da kommt und was da geht, es kommt von Gott, es geht zu Golt „Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden," das ist die Bitte, die die Verheißung hat. Nie wird einem das so klar, so überzeugend gewiß als in der Stunde,wo ein Jahr geht und das o»dere kommt. Vergäng- lichleitögedanken tauchen auf, heben, weben sich zlfEwigseitsyroanken .Geschieht nicht alles nur einmal und 3um letzten Male? — Scheidet uns nicht der Herbst und die Zeit so out wie der Tod von allem? Trennt uns nicht alles von uns, wenn wrr ans auch nicht von ihm trennen? — Tie Zeit ist nichts, als der Tod mit sanfteren, dünneren Sicheln: jede Minute ist der Herbst der vergangenen und die zweite Welt wird der Frübling einer dritten fein."
Nein, das sind nicht Gedanken, die uns beim Ncbertcitt in ein neues Jahr traurig und schwermütig machen sollen. Fest sollen sie unser Herz machen Tenn nichts brauchen wir in einet Zelt nie dicker so notwendig wie das feste He'; Fest kann akv ein Herz nur werden, tn dem der Ewfgkeftsaedanke wohnt. Schließlich gibt cs wohl nur ein Heilmittel gegen die Sorgen,die uns quälen, die Fragen uild Zweifel, die jeden Morgen mit uns aufstehen, jeden Abend mit uns sich ntederlcqen: den stärkenden, hoch hebenden Ewigkeitsgedanken. Denke daran, was Du bist, tote lange Tu es noch bist — und was Du einmal sein wirst. Dann werden Drr Deine Sorgen klein, Deine täglichen Kämpfe und Leid-n »vcsenslos erscheinen rind untergehen tut weiten tiefen Meere der Ewigkeit. Wir Menschen beklaaen uns oft,meint einmal Goethe, daß der outen Tage so wenig sind u. der schlimmen so viel, und tote mich dünkt, meist mit Unrecht Wenn wir immer ein offenes Herz hätten. das Gute zu gcnießen.das uns Gott für jeder. Tag b weitet, wir würden alsdann auch Kraft genug haben, das Uebel zu traaen, wenn es komdnt Es ist mit bet üblen Laune völlig wie mit der Trägheit, denn es ist eine Art von Trägheit. Unsere Natur hängt sehr dahin, und doch, wenn wir einmal die Kraft haben, uns zu ermannen geht uns eie Arbeit frisch von der Hand, und wir finden in der Tätigkeit wahres Vergnügen '
Weiter schreitet sein Fuß. Die alten Beischläge der Frauengosse schlummern, strecken sieh ge- spentisch, schatlettglejch aus dem fernhin dämmernden Abend. Als träumte die alte Gasse von alten, neraangenen Tagen, als die Menschen noch mit Zovf und Kniehosen durch sie dahin- wandekten ,md in welchen Sänften zart gcpu- berte Frauen schwebend getragen wurden. Ob die Leute damals glücklicher waren? oder stärker und lebensbejahender? Oder ob es immer dasselbe war^ . . immer dasselbe? In der Luft tst es ganz still'. Jeden leisen Ton unv Klang hört man. >0 schwingt und singt und ruft durch den schweigenden Abend Gan; stille und licht zugleich Als wäre das Weihnachtliche noch in der Lust. Am Himmel blühen die ersten Sterne ans. Die tans-ud Auaen Gottes, so hat sie einmal ein frommer Weiser genannt, mit denen er auf seine Welt hiuuntersiehl. Auf wie viel Jam- und Elend müssen sie dann blicken. Und ist es möl.lich. daß sie dann so hell leuchten, so fröhlich blitzen können?
Nie ist die wirtschaftliche Not so groß die ganze Lage so kritisch gewesen wie heute. Die Besorgnisse, Vie einsichtige Männer von vornherein für den vom deutschen Vaterlande gewaltsam losgerisseneii Freistaat hegten, haben sich bewahrheitet Aber freilich, im wetten deutschen Vaterlande ist die wirtschaftliche Laae im verggnaenen Jahre nicht besser gewesen Ein ernstes, schwere- Jahr liegt hinter uns. wir möaen blicken, wohin wtr wollen. In der Stadt wie auf dem Lande .Klagen, nicht als Klagen!' Und leide» nur berechtigte Klagen!
Und das kommende Jahr? ....
Glockentöne sckwtnaen durch die Lust Weich unb schwer zugleich Zuerst hören sie sich an wie dumvkes Krabgeläute, das einem müden leidge- tränften Jabr das letzte Gel-il gibt. Dann werden sie stärker, lebensvoller Ai!? brr offen Marienkirche tont vielstimmiger Gesang Das Jahr geh« still w Ende. Nun sei an,* still, m-ün Herz!" Sei f-st, mein Herz, damit du tet* rüst-., kannst für alles, was dir im künftigen Jahre !>»«
Berlin :rt. De rber.
Die Waiiel« Steueften Nachrichten erscheinen wöchentlich lechSmai nachmittags. Der MonnemeniSpreis betrügt für »en Monat L— Mk. bei freier dnfteUuno mS Haus, tn »er <tieftbäit6fteUe abaeholt L80 Mk. Durch die Pott monatlich 2.00 Mk. ausfchltetzlich ZuttellungSaebübr. Verlag tut» Redaktion: Schlachtdofstrahe 28/80. Sernioredier »ist und 052. Mr unverlangt efngefanbte Beiträge kann die Re- »aktion eine Beran twortirna oder Gewähr tn keinem Salle übernehmen. Rück- ,abluna des Bezugsgeldes oder Anfvriiche wegen etwaiger nicht ordnunasmätziger wferttna >tt ausgefchloffeu. Pottfcheckkonio Sranffurt a. Main Rümmer
Noch immer im Steigen.
Moselstädte unter Wasser. — Wolkenbruch.
(Eigene Drahtmefdung.)
Köln, 31. Dezember.
Der Rhein steigt stündlich noch vier Zentimeter. Auch von Koblenz wird ein weiteres gungskrise" ist den 1% Millionen Arbeitsloser nicht geholfen. Gibt es kein Mittel, die Motore wieder anspringen, die Schlote wieder rauchen zu machen? Ist die Weisheit unserer Wirt- schaftsköpfe zu den Eskimos entflohen, daß sie das Riesenkapital deutscher Intelligenz und Arbeitskraft aus der Straße verkommen lassen?
Für die große sowohl wie für die flehte Politik und nicht zuletzt auch für den Einzelnen heißt Silvester-Erlebnis: Aufschwung, Selbstbesinnung, Zielsetzung, Anspannung aller Energien zur Lösung der Zukunftsaufgaben. Wenn auch nicht Blütenglanz und Maienträume jenseits der Jahreschwelle locken: Das deutsche Volk wird auch diese Prüfung bestehen, wie es schon schwerere bestand. Wenn nur der Einzelne in der Familie wie im Beruf, am Schreibtisch wie am Amboß und Pflug unverzagt sein Tagewerk erfüllt und darüber hinaus sein Brot mit den Darbenden bricht. Wenn nur Mann, Frau und Kind täglich den Geist der Liebe in ihrem Umkreis üben, ihr eigenes Gewissen aber, den Lebenswillen, die Herzensgüte stündlich aufs neue bejahen, tählen und steigern, aus allen Anfechtungen und Trübsalen aber nur immer wieder geläuterter und gewappneter hervorgehen. Dann hat mit dem neuen Jahr auch wahrhaft ein neues Leben für ste und ... das Volksganze begonnen. Dann wird auch das erlösende Lächeln und be- reiende Lachen wieder aus strömenden Herzensliefen aufquellen und der Himmel t n Dir sich öffnen, der allein die Welt zum Paradiese macht. F. R.
Wie die Blätter melden, haben die mettn Site serfttzisge auch ein ständiges Steigen bet Havel verursacht. In der Umgegend von Potsdam unb weiter stromabwärts stehen bereits viele Wiesen unter Wasser. *
Die TUoidau fällt, die Elbe steigt.
Praa. 31. Dezember. (Funkdienst./ Jnfolae des aktyatieuoen Regenweiierö unb der starken Schneeschmelze führen sämtliche böhmischen Flüsse Hochwasser und Eis. Während die Moldau und ihre Zuflüsse bereits wieder zu fallen beginnen, steigen dir Elbe und ihre Zuflüsse weiter.
Der Tod hält Grrrte.
Opfer über Opfer. — Ein Massengrab bet Tiefe. (Durch Funksprnch-
Bubapest, 31. Dezember.
Die Ueberschwemmungsfatastrophe ber bret Körös hat zahlreiche Menschenleben gefordert. Ein Boot mit einem Offizier und vier Pionieren schlug um und die Insassen ertranken. Tas Wasser ist auch in die S a l z b e r g w e r k e von Marosujwar eingedrungen. Neununddreitzig Bergleute sind dabei ums Leben gekommen.
türlisch-russischen Vertrag betreffe, so dürfe er nicht überschätzt werden. Wenn es auch bisher nicht gelungen sei, den Türken eine vorsichtige Ausdrucksweise beizubringen, so betrachte England mit ruhiger Festigkeit die Lage. Die möglichen Folgen ber russisch-türkischen Politik auf dem Balkan seien ins Auge gefaßt worden. Hierbei fei man zu ber Auffassung gekommen, daß Italien von allen Großmächten am meisten geeignet fei, dafür zusorgen, paß keine verwirrende Einmischung dort erfolge. Bezüglich der Kriegsschulden habe Chamberlain eingewilligt in voller Uebereinstimmung mit Italien eine befriedigende Lösung zu finden. Endlich habe Chamberlain für die faschistische Gesetzgebung in der inneren Politik großes Interesse gezeigt.
Ob unverdrossene, qucllsrtsche Jugend heute Nacht über die Silvesterbrücke voll unstillbarer, wenn auch gedämpfterer Lebenslust zu fremden Ufern der Sehnsucht hinübertanzt, ob das Alter über den Büchern der Weisheit die Hände faltet zum stummen Gebet, ob der Einsiedler grübelnd an den Schleiern der Zukunft nestelt oder die Geächteten des Glücks verzweifelt die Hände recken zum sturmzerrissenen Gewölk ... der feurige Wagen des Schicksals rollt achtlos an ihnen vorbei und krachend fällt hinter ihm das Tor des Jahres ins Schloß. Wohl denen, vor die das Meer der Ewigkeit an einem Glückstag einen Schatz der Tiefe ausspülte: Das Wunder der Liebe, den Kristall einer Freundschaft, einer tiefen Erkenntnis, einer großen Lebensfreude oder auch nur die glitzernden Kiesel eines guten Geschäfts. Mehr aber sind ihrer, denen der tödliche Frost einer Enttäuschung die blaue Blume des Glaubens knickte, denen bittres Leid geschah, als Hunger, Sorge, Elend oder gar der Tod selbst an ihre Türen pochte. Und schleppt nicht das ganze deutsche Volk noch immer nach sieben dürren, martervollen Jahren die Last vM Blut und Wunden eines verlorenen Krieges mit sich ins achte Leidensjahr? .Oder welch andere Gründe sind es, die uns trotz des Locarnopflasters unerlöst unter den Zentnerpyramidcn von Dawesziusen, Besatzungsketten, Verstümmelung deutscher Lande, Entreißung ber Kolonien usw. seufzen lassen?
I» ter Habsucht, Profitgier, dem Ehrgeiz
•> ' ■?! .f-'r^ueu; her Ene-kctt Ihn HerrsiMch' ber Europavölker (und nicht bloß dieser) liegt doch letzten Endes dos Geheimnis auch für unsere Verarmung, wirtschaftliche Ohnmacht, Arbeitslosigkeit und sogar für die Regierungskrise beschlossen. Denn müßten nicht die Beweise des guten Erfüllungswillens (diesmal der anderen Seite) zum mindesten die Deutschnationalen sofort ans ihrer verhängnisvollen Isolierung drängen? Und ist es nicht dieser Zündstoff brutaler Gewalt, der die einst in frevelhafter Verblendung gegen die weiße Rasse bewaffnete schwarze Welt jetzt in Flammen aufgehen läßt? Der über Mofsul und dem fernen Afghanistan die Brandfackel des Krieges schwingt? Abrüstung und Weltwirlschaftskonfe- r e n z: Das sind die beiden noch unbezwnnge- nen Pole des Weltfriedens für 1926, nicht minder des Schweißes der Edlen wert als der mit dem Luftschiff zu erobernde. Zwei freilich fast unlösbare Exempel, solange Rußland darin als unbekannte Größe figuriert und selbst bet Krösus Uankee sich beu Abrüstungsibeen zu Lanbe unb einer einheitlich gelenkten Weltwirtschaft versagt. Gleichviel, kein Dach ist zu hoch, zu bem man nicht Befugnis hätte, bte Leitet anzusetzen. Selbst bte ersten Sprossen erklommen zu haben, ist schon Gewinn. Und wenn der Kontinent nicht hilflos an seinen Wirt- schafts- und Finanzgebrechen hinsiechen, vom amerikanischen Riesenhai verschluckt oder vom Russ..ckoloß zertreten werden will, wird er ein» lenken müssen, so oder so. Den deutschen Schachmeistern aber liegt es ob, den Genfer Matadoren die gefährlichen Völkerbundspiele zu durchkreuzen und ihnen den Preis der Freiheit von Rhein und Saar, der deutschen Lüfte, der Auslieferung unserer Kolonien, des Widerrufs der Kriegsschuldlüge und der vollen Gleichberechtigung als Weltmacht bis zum Anschluß Oesserreichs abzuttotzen.
Wie aber steht es mit der Demobilisierung des Geistes innerhalb der Landes- : grenzen? Wird das neue Jahr, das mit Stur- ' mesbrausen und reißenden Hochwafletslulen 1 ins Land stürzt, die schlafenden Parteiriesen 1 aufrütteln, daß sie endlich beim Rettungswerk i mit zupacken, statt um Parteiselle zu kuhhandeln? Oder will man die obersten Instanzen zwingen, den Bankerott des Parlamentarismus zu erflären und mit Hilfe des A u s - t nahmereckts zu regieren, wenn kein ar- 1 beitsfähigcs Kabinett zustande kommt? Sollten ' die Parteien abermals auf den Wiesen der Großen Koalition ihre Rosse tummeln, um am 7. oder 10. Januar nach der Rückkehr des aufgefrischten Kanzlers mit leeren Händen vor den Reichsvräsidenten zu treten, dann dürste auch ' vielleicht der eiferne Hindenburg einmal durchgreifen, um der «abgrundtiefen Verelendung eines Kärrncrvolks, des Einzelnen Wie des Volkes durch praktische Regierungsarbeit Einhalt zu tun. Denn mit ein paar Millionen für Notstandsarbeiten kann man einen ausgebluteten Wirtschaftskvrm-r nicht auf» pumpen und mit Konferenzen, Programmen getan. Mit den Redensarten von der „Reini- und mit anderen Gesundbetereien ist eS nicht