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es Berlin, 29. April.
. (73. Sitzung.)
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Der Krieg in Ostasien.
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die Weine demnächst zu unter-
Weinbauer nicht ruhen lassen. Sie beabsichtigen, Elsaß-Lothringens im ReichA tage dem sachverständigen Urteil der Volksvertreter werfen.
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Das Märchen von der Vermittelung.
Jetzt wendet sich auch die russische Regierung gegen Gerückte von einer bevorstehenden Vermittelungsaktion
englischen Regierung. Sie weist darauf hin, daß Rußlanè alles getan habe, um einen Krieg zu vermeiden. Jetzt werde ne die Einmischung einer dritten Macht absolut nicht zu- lassen,./- ' ... .
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Hus den Parlamenten.
* Die jüngst veranstaltete Rhein weinpro lle im preußischen Äbgeordnetenhause und die dort noch bevor- üehende Probe der Moselweine hat die elsaß-lothringischen
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in Tschemulpo erzählen. Hieran reihte sich ein Empfang der Offiziere und Mannschaften im Volkshause, der sich zum späten Abend hinzog. Alle wurden noch beschenkt.
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Nr. 101
Erstes Blatt
Samstag, den 30. April 1904.
13. Jahrgang
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Gie ßener
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Postzeitungsliste No. 3269.
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Fer«sprecha«schluß Nr. 362.
Neueste Nachrichten
(Gießener Uagevratt)
Hlnabstängige Tageszeitung
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für Overhefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung,
ffitifhnft alle amtlicken Bekanntmackunaen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen
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Gebt Leutwein ? ȣx
Einer merkwürdigen Unsicherheit der Entschließungen vagegnet man gegenwärtig in den leitenden kolonialen Kreisen. Noch vor wenigen Stunden hieß es, das Gesuch das Gouverneurs Leutwein um Entbindung von der militärischen Oberleitung wäre genehmigt und an seiner Stelle Generalleutnant v. Trotha nach der Kolonie als Oberbefehls- Haber geschickt worden. Jetzt heißt es wieder anders llautwein bleibt und von der Entsendung von Trothas ober das ebenfalls genannten, aus den Cbinawirren bekanllrell Generalleutnanrs v. Gayl sei keine Rede mehr.
Ob das die letzte und die am Ende zutreffende Lesart bleiben wird, sei dahingestellt. Alles wird von der Entscheidung des Kaisers abhängen, dem der Reichskanzler am Donnerstag in Karlsruhe Vortrag über die Lage in S.d- trestafrika hielt. Die Verschiedenheit der halbamtlic. en Meldungen über den Kommandowechsel läßt sich wobt so erklären, daß der Generalstab durch das Militärkabinett b im Kaiser auf Genehmigung des Rücktritts Leutweins unbC.’.t* sendung eines der beiden genannten Generäle drang, während das Kolonialamt angesichts der Bewährung Leutweins als Truppenführer und angesichts der Kolonialfremd' hLit der beiden Generäle für Leutweins Bleiben eintrat. Diese Forderung dürfte auch der dem Kolonialamt nor gesetzte Reichskanzler zu der seinigen gemacht uno beim Kaiser verfochten haben. Wie die Entscheidung des Kaisers omsfallen wird, der bisher persönlich für die Entsendung ei nes Generals war, das läßt sich natürlich nicht voraus- sagen-
Sicher ist einstweilen nur eins, nämlich die Entsendung von Verstärkungen.
Wi? groß diese sein werden, läßt sich noch nicht sagen. Man spricht in kolonialen Kreisen davon, der Kaiser wolle weitere 2000 Mann nach der Kolonie entsenden. Die Kolonialverwaltung dagegen will die Höhe der Ver- stürkungen von den Forderungen des Gouverneurs abhängig machen. Immerhin besteht auch im Kolonialamt Neigung zu einer ausgiebigen Vermehrung des Expeditionskorps; man weist darauf hin, daß es notwendig sein werde, nach ber Niederwerfung der Herero auch die Ovanibofrage aufzu- roUen, um in der Kolonie endlich für alle Zukunft dm Neger, onfftänben ein Ende zu machen. Jedenfalls wird,^wie der Iteichsschatzsekretär gestern in der Budgetkommission des Reichstages mitleilte, der Volksvertretung demnächst ein nunter, der
dritte Nachtragsetat für Südwestafrika zugehen. Ueber seine Höhe konnte der Schatzsekretär natürlich noch nichts mitteilen, da diese ja von der eingangs erwähnten kaiserlichen Entschließung abhängt.
Für den Fall, daß Leutwein die militärische Oberleitung behält, erwartet man in kolonialen Kreisen einen größeren Schlag gegen die Herero erst im Mai. Dann hat Leutwein ben Fesselballon und die Funkentelegraphie-Abteilung zur Verfügung, außerdem ist das Expeditionskorps bis dahin durch die unterwegs befindlichen Nachschübe ergänzt, jo daß eine größere Operation auch ohne die in Quarantäne liegende Kolonne Glasenapp möglich wird. Vielleicht kommt es auch gor nicht mehr dazu. Wie der jetzt in Hamburg eingetroffene Oberst Dürr einem dortigen Journalisten erklärte, würden noch seiner Ansicht die Herero wegen Munitionsmangels bald gezwungen sein, um Frieden zu bitten. Ein Uebertritt der Herero über die englische Grenze sei bei ihrer Anhänglichkeit an ihr Land und Vieh nicht zu befürchten; die Engländer würden dies auch wegen der Ninderpestgefahr nicht dulden.
Dem Reichstage ist ein Telegramm einer Versammlung von Ansiedlern aus Swakopmund, Karibib, Okahandja, Outjo und Windhuk zugegangen, in dem er gebeten wird, bei der dritten Lesung be§ Ergänzungsetats die Entschädigungsvorlage der Reichsregierung ohne Einschränkung anzunehmen oder die dritte Lesung bis zu dem Ende Mai bevorstehenden Eintreffen einer Abordnung von Ansied- lârn zu vertagen.
Immer wieder kommen Berichte von neuen Kämpfen im Jalu, die allerdings im Moment nicht auf ihre Richtigkeit zu kontrollieren sind. Die Russen sollen jetzt nach zweitägigem Kampf eine Niederlage erlitten und die Japaner den $luß überschritten haben.
Bei den letzten Kämpfen, die amtlich beglaubigt sind, Mt
eine japanische Flottenabteilung am Jalu
Lästig mitgewirkt. Der Kommandant berichtet darüber:
Als die Schiffe am 25. d. M. den Jalu hinaufsuhren^ er- 51fnete feindliche Artillerie von dem Aongampho gegenüber [negenben Flußufer Feuer auf die Schiffe, aber ohne irgend- rüelchen Erfolg; ebenso erschien russische Kavallerie, die sich über zurückzog, als unsere Abteilung auf sie schoß. Am 2:6. April feuerten ungefähr 100 Mann russischer Kavallerie ruf unsere Dampfbarkassen. Unser Torpedoboot erwiderte
das Feuer und die Russen gingen unter Zurücklassung zahlreicher Verwundeter hinter einen Hügel zurück. Wir hatten keine Verluste. .
Auch über die
Vernichtung des Transportdampfers „Kinschin Maru" liegt jetzt ein ausführlicher amtlicher Bericht vor, aus dem aoch einzelne interessante Einzelheiten nachzutragen sind. Die Japaner hielten das russische Geschwader für ein japanisches and gaben das Signal „Führen euch Kohlen zu". Russischer- seits erfolgte das Antwortsignal: „Sofort Halt machen". Als das Kommando des Transportdampfers seinen Irrtum erkannte, stürzte es zu den Schaluppen und Dampfbarkassen lind versuchte, auf ihnen zu entkommen, doch die russischen Dampfkutter nahmen alle gefangen. Leute der Besatzung wurden anfänglich an Bord nicht bemerkt, dann aber in einer verschlossenen Kasüt^ 6 Jnfanterieoffiziere entdeckt, welche ohne Widerstand auf den Kreuzer „Rurik" übergeführl wurden. Weiter fanden die Russen 130 Infanteristen, die sich weigerten, sich zu ergeben. Der Admiral, welcher etwa 8 Kabellängen entfernt war, sandte den Russen den Befehl zu, den Transportdampfer zu verlassen. Japanische Infanteristen feuerten und verwundeten einen Matrosen und d n Steuermann. Hierauf wurde der Transportdampfer durch eine mechanische Mine und einige Schüsse in den Grund gebohrt. Die Japaner stellten das Feuer nicht ein und machten auch keine Rettungsversuche, obwohl sie über eine Schaluppe verfügten. Sie schossen weiter, bis die Fluten über das. Schiff zusammenschlugen.
, Das Wladiwostokgeschwader ist am 27. d. Mts. gluckl'ch wieder in seinen Heimatshafen zurückgekehrt. Zu einem Treffen mit japanischen Kriegsschiffen ist es nicht gekommen, doch wurde zweifellos von solchen auf die russischen Kreuzer Jagd gemacht. Diese fingen mit ihren drahtlosen Telegraphieapparaten unverständliche Worte und Ziffern auf, welcke, wie fick später herausstellte, zwischen japanischen Schiffen gewechselt waren.
Die Helden von Tschemulpo, die Ueberlebenden der in den Grund gebohrten russischen Kreuzer „Warjag" und „Korejetz", sind in Petersburg an e- kommen und im Triumph zum Winterpalais gezogen, wo sie fürstlich bewirtet wurden. Jeder Soldat durfte fein Ge- deck mitnehmen. Der Zar ließ sich von ihnen die Vorgänge
Die Politik. ,
^ Ne zur Herstellung des Gleichgewichts im Reichs- e t a t von der Regierung vorgeschlagene Zuschußanlcihe von 59% Millionen Mark wurde von der Budgetkommission des Reichstags bis auf 5% Millionen Mark gestrichen. _„x
A: Für den Volksschullehrcrmangel in Deutschland ist kaum etwas so bezeichnend, wie folgende aus Sachsen-Alten bürg berichtete Geschichte: In Windischleuba war im verflossenen Jahr ein Kaufmann als Volksschul. tehrer tätig! Er hat jetzt die Lehrerstelle mlfgebeu müssen, da es ihm zu Ostern nicht gelungen war, durch eine Prüfung am Landesseminar die Qualifikation zum Lehrer zu erwerben. Und jetzt ist als Nachfolger des Kaufmanns ein Dragoner-Unteroffizier als Schulverweser bè. rufen worden. Das erinnert an die Zeiten des „allen Fritz", der bekanntlich auch Unteroffiziere zu Lehrern machte. Aber was damals ein Notbehelf und immerhin besser war als nichts, das ist der heutigen beutfdien Bundesstaaten unwür. big. Dieser Zustand wird sich auch nicht eher bessern, ehe nichl die Lehrergehälter erhöht werden.
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£1 Die zweite sächsische Kammer hat die von der Dresdener Regierung vorgeschlagene Aenderung des sächsischen Wahlrechts abgelehnt und statt dessen sich mit den De- Putationsvorschlägen einberftanben erklärt, die in der Hauptsache auf Einführung des Plural-Wahlsystems hinausgehen. Staatsminister von Metzsch gab die Bereitwilligkeit der Regierung zu erkennen, auf Grund der in der Debatte gemachten Vorschläge einen ne'uen Gesetzentwurf demnächst dem Landtage vorzulegen.
=4= Eine Erhöhung und Erweiterung der Warenhaussteuer steht in Preußen in Sicht! Zunächst handelt es sich ja nur um einen Kommissionsbeschluß, ganz zweifellos aber wird das Plenum des Abgeordnetenhauses sich diesen Beschluß zu eigen machen. Die Abgeordnetenhaus-Kommission für Handel und Gewerbe beriet dieser Tage über den vom Zentrmm, den Konservativen und Freikonservativen gemeinsam eingebrachten Antrag auf Abänderung des Waren- Haussteuergesetzes. Mit 12 aeaen 3 Stimmen wurde die
Untergrenze der Besteuerung statt wie bisher auf 400 üüU Mark auf 200 000 Mark festgesetzt. Die Warenhaus- st e u e r soll also schon bei einem Umfaß b o n 200 0 0 0 Mark erhoben werden. Ferner wurde eine Erhöhung der Steuer beschlossen, die nicht mehr wie bisher bis zu 2 Prozent, sondern bis zu 5 Prozent steigen soll, je nach der Verschiedenheit der von den Warenhäusern geführten Waren. Gehören diese letzteren nur zu zwei Warengruppen des Gesetzes, so soll die Steuer bis zu 3 Prozent steigen; erstreckt sich der Handelsbetrieb des Warenhauses auf nicht mehr als aus ' drei Warengruppen, so soll die Steuer bis zu 4 Prozent steigen; werden noch mehr Arten von Waren vertrieben, so soll die Steuer 5 Prozent des Umsatzes erreichen können. — Von den Regierungsvertretern und den liberalen Parteien wurden diese Vorschläge bekämpft. Von den Freunden der Erhöhung wurde in der Debatte u. a. erklärt, wenn sich das Oberverwaltungsgericht aber auf den Standpunkt stellen würde, das Gesetz in der neuen Form sei rechtsungültig, weil es der Gewerbefreiheit widerspreche, so würde eine Aenderung der Reichsgesetzgebung vorgenommen werden müssen. Schließlich wurde auch noch ein Antrag auf Aufhebung des § 5 des bisherigen Gesetzes angenommen. *|
0 Die polnischen Sozialdemokraten in Rußland zeichnen sich nach wie vor durch recht unüberlegte Streiche aus. Wie aus Warschau gemeldet wird, verbreitet das Zentralkomitee der polnisch-sozialdemokratischen Partei Rußlands Hundertausende von Proklamationen im ganzen Lande, in denen es auffordert, zur Maifeier Versammlungen und Massenausflüge zu veranstalten, rote Fahnen auszuhängen und sonstige Kundgebungen gegen die Regierung ins Werk zu setzen. Die Gendarmerie und Polizei sind daraufhin natürlich verstärkt worden. Noch mehr: Die Verhängung des Belagerungszustandes über Warschau, Lodz und andere Großstädte steht wegen der geplanten Maifeier bevor. In Russisch-Polen fanden auch bereits Massenverhaftungen von Sozialisten statt. Daß die Sozialisten sich mit solchen Kundgebungen ins eigene Fleisch schneiden, scheinen sie sich nicht klar machen zu wollen.
i Bei der heute fortgesetzten ersten Beratung der B ö r s e n - Gesetznovelle ergriff zuerst der Graf Reventlow von der wirtschaftlichen Vereinigung das Wort, der einen der Diskussion bisher fremden Ton anschlug. Er erging sich mit beißender Ironie in den heftigsten Angriffen gegen die Zörsenkreise und die Regierung, warf jenen vor, ihnen seien Treu und Glauben Fremdworte, dieser, sie habe durch ihre stonnivenz gegenüber den Zeitgeschäften das Recht gebeugt, eine Aeußerung, für die der Präsident Graf B a l l e st r e m 'hm einen Ordnungsruf erteilte. Sachlich erklärte er sich sm icharfe Strafbestimmungen gegen Mißbräuche, im übriger müsse man, um diese zu beseitigen, das Börsengeseh nicht revidieren, sondern nur so, wie es ist, durch- führen. Der preußische Handelsminister Möller trai ihm scharf entgegen und verwahrte wie die Re- zierung auch die Börsenkreise gegen seine Angriffe. Nack ihm sprach als zweiter Redner der Konservativen Gras 2 ch w e r i n - L ö V i tz , der nicht grundsätzlich gegen eine Revision des Börsengesetzes ist, der sich aber mit den in der Rovelle vorgeschlagenen Aenderungen nicht befreunden kann und jedenfalls eine Reform ohne Einführung strenger Straf- Bestimmungen ablehnt. Nachdem Geheimrat Wendelstadl )en Standpunkt der Regierung dahin präzisiert hatte, daß mr die unentbehrlichen und erlaubten Zeitgeschäfte auf eine nMnfechtbare Grundlage zu stellen, begründete Abg. Bern- kein nochmals die im wesentlichen wohlwollende Haltung )er Sozialdemokratie dem Entwürfe gegenüber. In der weiteren Debatte traten neue Gesichtspunkte kaum mehr jervor. Abg. Bur läge verteidigte seine Behauptung' gegenüber gewissen Angriffen. Die Abg. G a m p von der lleichspartei, Mommsen von der Freisinnigen Vereinn» fung ergänzten die Ausführungen ihrer Fraktionsgenossen ). Kardorff und Dowe.
(63. Sitzung.)
preussischer Landtag
Haus der Abgeordneten.
M Berlin, 29. April.
Von den wasserwirtschaftlichen Vorlagen stand heute die erste, der Gesetzentwurf betr. die Verbesserung der Vorflut in der unteren Oder, Havel und Spree zur ersten Lesung. Von Bedeutung in der Debatte, die sich ziemlich schleppend