Nr. 25. Zweites Blatt.
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6in neues elektrisches Wunder.
Aus London kommt die Nachricht, daß Edison, der große elektrische Wundermann, die Reihe feiner epochemachenden Erfindungen um eine neue Sensation vermehrt hat: Er will demnächst mit einem Apparat an die Oeffentlichkeit treten, der den Benützern des Telephons ermöglichen soll, sich gegenseitig während des Gesprächs zu sehen.
So wunderbar die Sache dem Laien klingt, so wenig überrascht sie — wenigstens in der Theorie — den Fachmann. Auch das Telephon in seiner jetzigen Gestalt wäre wohl noch, kurz bevor es in die Erscheinung trat, von den meisten als ein Fabeldiug aus einem Verneschen phantastischen Roman angesehen worden. Und jetzt gehört es zu den alltäglichsten
Gebrauchsgegenständen der Theorie findet ba
die jedem Kinde vertraut sind. In was für den Schall möglich war.
für das Licht durchaus bic gleiche Anwendung. Die Air
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I und man wird gut tun, sich vorläufig der mit Siegesgewiß- , Ijcit angekündigten Edisonschen Erfindung gegenüber kühl ' abwartend zu verhalten.
Ungläubig braucht man aber deshalb nicht zu sein. Sind / doch in letzter Zeit auf dem Gebiete des elektrischen Fern- ' sehens von den verschiedensten Seiten praktische Versuche : gemacht worden, die teilweise recht schätzenswerte Resultate ! ergaben. Der Neapolitaner Adriano Otisco z. B. ist dabei, wie es ohnehin nahe liegt, von den lichtelektrischen Eigenschaften des Elements Selenium ausgegangen, die bekanntlich , mich zur Erzielung einer drahtlosen Telephonie versuchsweise ; verwertet worden sind. Nisco hat sich einen sinnreichen Appa- ; rat erdacht. Ein Netz metallischer Drähte ist in eine Schicht von Gummilack ober einen anderen isolierenden Stoff eingebettet. Bevor diese Masse hart geworden ist, wird durch die Mitte jeder Masche die Spitze eines Kupferdrahtes gesteckt und dann das Ganze mit einer Feile geglättet. Auf die so zubereitete Fläche wird eine feine Schicht Selen gebracht und dann letztere soweit erhitzt, daß sie die zur Erwerbung fier lichtelektrischen Eigenschaften nötige kristallinische Form an-
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nimmt. Die spitzen in der Mitte der Maschen sind die Enden ebensovicler Drähte, die in einer Hartgummitrommel enden. Ein Metallmesser ruht auf der Oberfläche des Zylinders. Wenn dies Messer um die Trommel mit einer Geschwindigkeit von 600 Umdrehungen in der Minute gedreht wird, so kommt es nacheinander in Berührung mit allen Drahtenden des Zylinders, und zwar in einer Sekunde mit jedem einmal. Dadurch entsteht ein dauernder Strom. Einer der Pole endet im seien, der andere durch ein Telephon in dem Messer. Wenn biefes sich dreht, so ist der Strom geschlossen, tritt in die Selenplatte ein, geht durch alle Drähte hindurch und gelangt zuni anderen Pol, nachdem er das Telephon durchflossen hat. Es gibt ebensoviele Ströme wie Maschen. Da sich der elektrische Widerstand des Selen in jeder Masche mit der größeren oder geringeren Stärke des auftreffenben Lichtwechsels ändert, so wird auch die Stärke
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des elektrischen Stroms entsprechend Telephon wird also Töne erzeugen, auftreffenbett Lichts entsprechend ist. Lichtstärke sind zunächst in hörbare
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formt, die im Empfangsapparat wieder in Lichtänderungen umzuwandeln wären. An der Empfangsstation wird ein anderes Telephon in gleiche Schwingungen versetzt und überträgt diese auf einen Stromunterbrecher, der bei jedem Durchgang des Stroms einen Funken Hervorrust. Der Ver- laut der Funkenbildung muß völlig den Erregungen des Telephons durch das Licht an der Sendstation entsprechen.
Dies Experiment gibt demnach allerdings eine Möglichkeit zur Uebertragung von Lichtunterschieden. Nisco ha! aber noch nicht verraten, ob er auf Grund dieser Versuche dazu gekommen ist, auch ganze Bilder gleichzeitig auf große Entfernungen dem Auge vorzuführen, wie es Edison verspricht. Es ist leicht möglich, daß der findige Amerikaner seine Behauptung tatsächlich wahr macht und seine Konkurrenten um eine Nasenlänge schlägt. Ebenso leicht möglich ober ist es, daß nach dem uralten Erfahrungssatz, der sich noch bei jeder großen Neuumwälzung auf dem Gebiet menschlicher Ersindungstätigkeit bewahrheitet hat, der elektrische Fernseher von mehreren Forschern gleichzeitig und nach verschiedenen Systemen der Menschheit als Angebinde der ntobernen Technik überreicht wird.
Nerven- und Seelenarztes aus den normalen Weg zurückfuhren kann.
So mancher Leser dieser Zeilen wird sich auf ferne eigene Jugendzeit erinnern, als ei^noch die Schule schwänzte, vielleicht aus Angst vor einer Strafe, oder weil er ein Ballspiel bet Schule vorzog. Erfuhren es dann die Eltern, so besam man die angemessene Strafe und man hatte auf einige Zeit Dom Schulschwänzen genug. Diesem, man könnte sagen, normalen Schulschwänzen gegenüber steht das pathologische, das krankhafte Schulschwänzen, und das Davonlaufen der Kinder, vorzugsweise männlichen Geichlechtes. Abgesehen von den hysterisch oder epileptisch veranlagten Knaben gibt es lolche, die gar feine mmeren Merkmale einer Krankheit an sich tragen, obwohl ihr Seelenleben getrübt ist. irroßbem besuchen sie die Schule ganz regelmäßig, kommen ihren Pflichten nach, bis sie auf einmal infolge irgend einer Verstimmung oder Mißstimmung vom Wandertriebe — Droinomanie lautet der wissenschaftliche Name — gepackt werden. Sie müssen fort, und keine Gewalt kann sie mehr zurückhalten. Sie irren tagelang umher, werden sehr oft in halbverhungertem Zustande aufgefunden und in das Elternhaus zurückgebracht, und dann versprechen sie, nie wehr davonzulaufen. Toch sie sind nicht imstande, ihr Versprechen zu halten — sie laufen wieder davon, wenn sie der Wandertrieb packt. An Wandertrieb erkrankte Kinder zu prügeln, wäre nicht nur zwecklos, sondern auch gefähr- M), da hierdurch die Erkrankung nur gefördert würde. Durch die Schläge wird vielleicht eine neuerliche Verstim- mung hervorgerufen, und das Kind läuft abermals davon. Was hier nottut ist: auf die Seele des Kindes zu wirken. Seine Stimmung soll gleichmäßig sein, mit einem Worte kindlich bleiben. Auch bei nicht allzu großer Anstrengung dürfte es den Eltern und Erziehern gelingen, die Momente zu entdecken, die das Entstehen von trüben Gedanken im kindlichen Geniüte verschulden. Sie zu beseitigen, wird dann nicht mehr schwer fallen.
Eine zweite Erkrankung der kindlichen Seele sind die Zwangsvorstellungen. So^gibt es Kinder, die glauben, beim Lernen eine gewisse Stellung einnehmen zu müssen, um Erfolg zu haben. Andere leiden an „Erinnerungs- zwang"; es schwebt ihnen immer vor, daß ihnen einmal etwas unangenehmes zustotzen werde, und dergleichen mehr. Das behindert sie in der Lernfähigkeit. Diese sonst ganz gesunden Kinder müssen auch individuell behandelt werden. Wenn man sie an ein selbständiges Denken zu gewöhnen und im allgemeinen ihren Mut zu heben trachtet, so kann der Erfolg nicht ausbleiben.
Ein eigenartiges Gebiet der Geheimnisse der Kindesseele bilden die von den Nervenärzten unter „Triks" zusammengestellten Erscheinungen. Darunter versteht man die mit den verschiedenen Körperteilen vollführten blitzartigen Zuckungen, wie das Blinzeln, das Mnndspitzen, Beißen in die Lippen, Schulterzuckungen unb Drehbewegungen mit dem Kopse. Diese Eigenschaften der Kinder, die man gewöhnlich nur als Unarten betrachtet, sind in Wahrheit krankhafte Erscheinungen. Interessant ist oft die Entstehung des Blinzelns. Gelangt zum Beispiel in das Auge eines Kindes ein Fremdkörper, so blinzelt das Kind instinktiv so lebhaft, daß der Fremdkörper dadurch entfernt wird, das Blinzeln aber gewöhnt sich das Kind nicht mehr ab. So verhält es sich auch mit den Zuckungen anderer Körperteile. Ein schlecht sitzender Kragen hat fdjon sehr oft den Trik, mit dem Kopse immerfort Drehbewegungen zu machen, hervorgerufen.
Der preußische Kultusminister Dr. Studt sprach seine Glück- wünsche in einem herzlichen Telegramm aus. Im Auftrage des Königs von Württemberg überbrachte der Kultusminister Dr. V. Weizsäcker dem Jubilar das Großkreuz des Friedrichs, ordens.
£°. Die erste Doktorin der Königsberger Universität. Zum erstenmal wurde in der Königsberger Albertina eine Dame zum Doktor promoviert. Es ist ein 1857 geborenes Frl. Pancritius. In ihrer Dissertation behandelte sie die Kriegsgeschichte. U. a. verteidigte sic gegen ihre Opponenten die These, daß die Schlacht bei Eannä am rechten Ufer des Aufidus geschlagen worden sei. Als ältestes Mitglied der Fakultät beglückwünschte Geheimrat Professor Dr. Schade Frl. Pancritius. „seine fleißigste Zuhörerin", die auch in dieser prächtig geschriebenen Dissertation einen Fleiß bekundet habe, „wie er wohl auch anderen zu wünschen wäre". (Allgemeine Heiterkeit im männlichen Auditorium.) Endlich hielt als Vertreter der philosophischen Fakultät Herr Pro- fessor Dr. Rühl die offizielle Ansprache an die Doktorandin. Es sei zu wünschen, daß die erste Doktorandin nicht die letzte sei, vielmehr eine lange Reihe eröffne, und als glückliche Vor- bedeutung sei es zu begrüßen, daß das Thema nicht irgend- wie im praktischen Gebiete, sondern in einem reinthcore- retilwen liege.
BM. Mit der Tnbcrknlose-Thcorie Professor Behrings beschäftigte sich der erste österreichische Molkereitag, der in Wien tagt. Behring ist bekanntlich der Ansicht, daß die Tuberkeln aus der Kuhmilch in den Darm der menschlichen Säuglinge übergeführt werden und durch die weiche Darm- schleimhaut sich im Körper verbreiten. Er empfiehlt Keim- freimachung der Milch durch Formalien. Die Mehrzahl der lledner verhielt sich der Behringschen Theorie gegenüber kühl abwartend, wie dies auch der Standpunkt mehrerer bedeutender deutscher Spezialisten ist. Ohne eine sorgfältige Erprobung des Behringschen Grundsatzes könne man zur Frage des Zusatzes von Formalien zu der für menschlichen Genuß bestimmten Milch noch keine Stellung nehnien.
Das Kind mit der lebhaften Phantasie
wie oft
drücken manche Eltern ihre Freude darüber aus, daß ihre Kinder mit dieser Eigenschaft ausgestattet sind, allein sie täten gut daran, auf diese Phantasie ein klein wenig acht zu geben. Denn es könne sehr leicht vorkommen, daß diese Phantasie zu einer pathologischen Träumerei wird: das Kind verliert dann den Zusammenhang mit dem wirklichen Leben und bildet sich etwa ein, ein Dornröschen zu sein, und zwar in einem Alter, wo eine lebhafte Verkittung mit den außernatürlichen Dingen entschieden krankhaft ist. Träumerische Kinder verfallen sehr oft in Melancholie und kehren nur selten wieder in das normale Leben zurück. Es ist daher eindringlich anzuraten, den sogenannten „aufgeweckten" Kindern nicht allzu phantastische Märchen zu erzählen, sondern ihren träumerischen Hang durch Handarbeiten und andere praktische Betätigungen auszurotten.
Ueberhaupt ruft nicht so sehr die Ueberbürdung in der Schule, als gerade das vorschulpflichtige Alter das nervöse Kind hervor. In diesem Alter ist doppelte Vorsicht und Wachsamkeit geboten.
Geheimnisse der Kindesseeie.
Man nennt mit Stolz die jetzige Zeit die „goldene Zeit des Kindes". Me Tagesblätter sind voll von spaltenlangcn Berichten über Konntteesitzungen, die sich mit dem leiblichen unb geistigen Wohle unserer lieben Kleinen befassen, das verfeinerte, vertiefte Eingehen auf die Denk- und Anschauungsweise hat sogar schon zu einer eigenen Kunstrichtung für das Kindesalter geführt. Und doch, wie weit sind wir noch von einem wirklichen Verständnis der Kindesseele entfernt. Das müssen sich Eltern unb Erzieher täglich mit oft recht schmerzlicher Resignation eingestehen. Gibt es doch eben noch genug Fälle, in denen im knwlichen Gemüt krankhafte Regungen sich betätigen, von denen der Laie kein "'-rständnis besitzt und die nur die Land des erfahrenen
Kunst und Riffen schaft.
FD. Zum 90. Geburtstag des Geheimrats Prof. Gbunré Zeller waren gestern Abordnungen der Universitäten Berlin. Tübingen, Heidelberg, Bern, sowie von der Berliner Akademie in Stuttgart erschienen, um dem Senior der deutschen Philosophen den Ausdruck ihrer Verehrung darzubringen. Die Universität Bonn übersandte eine Adresse. Tie Universität Marburg sandte eine tabula gratnlatoria, Rostock ein Glückwunschtelegramm. Der Kaiser übersandte dem greifen Gelehrten sein Bildnis mit eigenhändiger Unterschrift und einem Handschreiben, in dem er die Verdienste des Jubilars um die deutsche Wisfenschaft hervorhebt und zugleich betont, wie nabe jener dem Kaikervaa-r ^riedrick aeitonden babe
Vermischtes.
0 [2er letzte schweizerische Postillon vom St. Gotthards Michel Danioth in Luzern, wurde vom Bundesrat nach 53jahriger treuer Dienstzeit in den Ruhestand versetzt. Ei war der letzte, der von den einst so beliebten, von Flnelen bis Camerlata allbekaimten Postkondukteuren übrig geblieben ist. Mehr als dreißig Jahre lang begleitete er die viel besungene Post, und so nianches besonderes Geschehnis hat ihn in den unwirschen Gebirgsregionen bis zum Hospiz hinauf zum Zeugen gehabt. Me Gotthardbahn hat den roman- tischen Teil seines Lebens, den feiner Fahrten über die alte Hochgebirgsheerstraße, zum Abschluß gebracht.
A (Die „Sektierer". s Einen eigenartigen Einwand gegen die Gründung einer landwirtschaftlichen BerufsgenossenschafI teilen russische Blätter mit. Der Gouvenicur versagte feine Genehmigung zu dem Statut, weil die SOiitglieber „Sektierer" seien, was ganz klar aus folgendem Paragrapher hervorgehe: „Jeder, der in die Genossenschaft als Mitgliek eintritt, muß folgendes unverbrüchlich beobachten: er muff sich ehrlich und nüchtern aufführen, fleißig arbeiten, wedei böse noch zanksüchtig sein, feine Schimpfworte gebrauchen den Kanieraden sowie Fernstehenden höflich entgegenfoul men, bie Bejahrten ehren, fremdes Eigentum achten, feine Karten ober andere schlechte Spiele spielen, ohne zureichenden Gnind keinen Arbeitstag verfehlen ober sonst seine Arbeitspflicht versäumen und — stets freundlich und frohgemut sein." Solche „Sektierer" sind allerdings furchtbar gefährlich! Sie könnten den russischen Volkscharakter sonderbar beeinflussen.
A [Gin Standbild aus BnttcrZ Etwas ganz eigenartiges wird der Staat Iowa zur Weltausstellung^ in St. Lonis liefern, nämlich eine aus Butter verfertigte Statue von John Stewart, welcher der Begründer deS Milchereiwesens in jenem Staate gewesen ist. Dieses Standbild wird während der Dauer der Ausstellung in einem Glasgehäuse aufbewahrt, in welchem die Butter durch gekühlte Lust bestaudig auf niederer 7..... r gehalten wird.
c? [Ser Sclstmord des Dichters.j Ueber einen merkwürdigen Selbstmord wird aus Paris berichtet: Martel Hüllet war ein junger Dichter vom Montparnasse, dem es sehr schlecht ging. Da er in die tiefste Armut versunken war, nahm er das freundliche Anerbieten des Bildhauers Charles Jolly, ihm Gastfreundschaft zu gewähren, an. Wer beschreibt aber die Anfregung des Bildhauers, als er Montag Abend nach Hause kam und sein Atelier in eine Art Kapelle verwandelt fand. Die Wände waren schwarz drapiert, symmetrisch ausgestellte Kerzen strahlten ein düsteres Licht aus und in den Armen einer fteineren Venus lag bie Leiche des jungen Dichters. Er hatte sich mit einem Strick aufgehängt, den er um den Hals der Göttin geschlungen hatte.
G [Sie letzte Enkelin Andreas Hofers,} des Tiroler Nationalbelden, ist im Alter von 62 Jahren in Wien verstorben. Sie hieß Adele v. Hofer und war bie jüngste Tochter Don Hofers Sohn Franz. Adele v. Hofer war völlig mittellos, so daß nicht einmal Geld für bie Krankcnkosi-cn und bie Beerdigung vorhanden war.