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13 Jahrgang.
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(Oießerrer GageSr«ttt)
Unabhängige Tageszeitung
(Gießener Kettung)
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für Oberhefserr und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lskslanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Grotzb. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen
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Die Kieler J^onarcbenzufammcnhunft.
(Ein politisches Interview.)
Trotzdem mit einer geradezu peinlichen Geflissenheit bei freit Kieler Trinksprüchen jede spezielle politische Anspielung vermieden wurde, wird jetzt die Nachricht in die Presse lan- M daß König Eduard vor allen Dingen den Kaiser für einen Vermittelungsversuch zwischen den kriegführenden Parteien in Ostasien interessieren wolle. Auf Grund genauester Informationen an zuständiger Stelle ver- filhert uns demgegenüber unser Berliner <7S-Mit- »rb e i t e r , daß von einem solchen Versuch erstens keine Rede ist, daß er aber auch vollständig mißlingen würde.
„Auch heute noch," so äußerte sich sein Gewährsmann, „hat r? bei dem sein Bewenden, was Graf Bülow bereits mehrfach im Reichstag ausgesprochen hat. Sie werden sich jedenfalls noch entsinnen, daß Deutschland die Erklärung abgab, es habe an der Mandschurei keinerlei Interesse, als der Krieg nach im weiten Felde stand. Damals hatte offenbar England die Absicht, eine Kollektivnote der Mächte über die Räumung der Mandschurei zustande zu bringen, und diese diplomatische Mion fiel ins Wasser, als Rußlands nächster Nachbar nicht niitmachte. Zum zweiten Mal gab Graf Bülow eine ähnliche Erklärung im Reichstag ab, als die KriegSwirren in Ostasien zum Ausbruch gekommen waren. Nun wird man doch nicht glauben, dcrß inzwischen unsere. Regierung sich zu einem Cchrilt entschlossen haben sann, an dem wir nicht das geringste Interesse haben und der von russischer Seite sehr leicht mißverstanden werden kann. Alle Nachrichten, die über derartige Lele des Königs Eduard auftauchen, sind unglaubwürdig, weil die englische Negierung unmöglich über die ostasiatische Politik Deutschlands unorientiert sein kann. Ihre Unwahrscheinlichkeit ergibt sich aber auch aus dem beiderseitigen unpolitischen Tenor der gewechselten Reden.
Wenn nun neuerdings," so fuhr auf eine weitere Frage ter Gewährsmann unseres Mitarbeiters fort, „die Zustimmung Deutschlands zu dem englisch-französischen Abkommen über Egypten als die Frucht einer innigeren Verbindung mit England und als der Vorbote ganz besonders intimer Beziehungen ausgespielt wird, so kann ich Ihnen mitteilen, baß Deutschland »zuletzt von allen in Betracht kommenden Mächten seine Genehmigung erteilt hat und daß Rußland noch vor Oesterreich und Italien sein Placet gab, ba^u auch noch, ohne irgend welche Bedingungen daran zu knüpfen. Son deutscher Seite aber war schon in der Zeit der Vorverhandlungen, in denen unsere Negierung über den Stand der Linge genau auf dem Laufenden gehalten wurde, geltend »enmcht worden, daß der sog. Khedivialvertrag zwischen England, Frankreich und Egypten auch auf Deutschland aus- zeüehnt werde. Die Verhandlungen darüber wurden weder in London noch in Berlin, sondern in Egypten geführt und fandm am 24. d. Mts. — also vor der Abreise des Königs von England — ihren vertraglichen Abschluß.
Das ist entschieden ein großer Erfolg unserer Regierung imb speziell der Bülowschen Politik, den allerdings nur taer der Verhältnisse im vollen Umfange zu beurteilen wissen. Es handelt sich hierbei nicht allein um den Handelsvertrag mit Egypten, sondern um viel weitergehende Zugeständnisse auf dem Gebiete der Zölle, der Eisenbahntarrfe, des Schillwesens und des Privatrechts. Außerdem ist uns ter freie Verkehr in den egyptischen Häfen und bie Kustew sihiffahrt gestattet, Vorteile, die nicht zu unterschätzen sind, die aber, wie ich betonen muß, mit der Kieler Begegnung nicht das geringste gemein haben. Was die beiden Monarchen und die Diplomatie zusammenführte, ist in den Kieler Toasten genau ausgesprochen. Es sind keine Spezialinteressen, son- bern das ideale Bestreben nach der Erhaltung des Friedens, die sowohl des Kaisers, als auch seines Oheims persönliches Regierungsprinzip ist. Wenn je Monarchenreden die ungeschminkte Wahrheit gesagt haben, so war es bei den Kieler Toasten der Fall."
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Ueber den weiteren Verlauf der Festlichkeiten
wird uns aus Kiel noch gemeldet: Zu ^yren uc» neueren Mitgliedes des Kaiserlichen Jachtklubs, König Eduards, fand in den prächtig dekorierten Räumen des Klubs ein glänzendes Festmahl statt, an dem der König den Platz zwischen Kaiser Wilhelm und dem Kronprinzen inne hatte. Dem Kaiser gegenüber saßen die Prinzen Eitel-Frnedrrch und Heinrich. Die Tafel zierte der prachtvolle von König Eduard dem Klub gestiftete Goldpokal, für den Kaiser Wil- ' Helm in seinem Trinkspruch dem Geber dankte. König Eduard trank auf das Wohl des Kaisers und des Jachtklubs. Er hielt, wie auch beim Festmahl auf der „Hoheuzoüern , , seinen Toast in deutscher Sprache. Nach dem vom Kaiser : msgebrachten Toast wurde Salut geschossen. Später hielten die Majestäten Cercle im Garten. König Eduard hatte ein i längeres Gespräch mit dem Reichskanzler. Eine glanzeuoc ! Illumination, verstärkt durch Beleuchtung aus den Schi M'- Scheinwerfern, und Feuerwerk bildeten den Abschluß der ^festlichen Veranstaltung. Das Gartenfest zu Ehren der ^ britischen Seeleute im Werfterholungsheim verlief glanzend.
Mittwoch, den 29. Juni 1904.
Es hätten sich etwa 1500 deutsche und englische Marinesoldaten sowie zahlreiche Offiziere eingefunden. Eingeleitel wurde das Fest durch ein gemeinsames Essen, bei welchem Kapitän zur See Emsmann die Anwesenden in engl'scher und deutscher Sprache willkommen hieß; er schloß seine Ansprache mit einem Hoch auf König Eduard und Kaiser Wilhelm. Hierauf hielt Prinz Heinrich eine Ansprache in cnß= lischer Sprache, in der er die Bedeutung der englischen Marine hervorhob und auf die zwischen der deu^chen und der englischen Marine bestehenden guten und freundschaftlichen Beziehungen hinwies; der Brin; krachte zum Schlüsse ein Hoch auf die englische Marine aus. An das Festessen schloß sich ein Konzert mit unterhaltenden Aufführungen sowie ein Ball, der die Mannschaften in bester Stimmung bis gegen zwölf Uhr zusammenhielt.
Die Wettfahrt nach Eckernförde begann gestern früh bei trübem Wetter und lebhaftem westlichen Winde. Die sämtlichen großen Schunerkreuzer, die Jacht des Kaisers „Meteor", die der Kaiserin „Iduna", „Jngomar", „Hamburg" u. s. w. gingen durch den Start. Gemeldet hatten 55 Fahrzeuge. „Meteor" ging in ihrer Klasse als erste um 12 Uhr 40 Min. durchs Ziel. 15 Minuten später folgte ihr „Hamburg".
Die gestrige Fahrt König Eduards nach Hamburg verlief programmmäßig. Als der König im Bahnhofsportal sichtbar wurde, präsentierte das Militär und die Musik spielte God save the king. Der König bestieg mit dein Bürgermeister Dr. Hachmann den ersten Wagen, dem ein Zug Husaren vorausritt. Die Wagen fuhren in einem Bogen an der Front der Ehrenkompagnie vorbei durch die Ringstraße nach den Landungsbrücken, wo der Dampfer „Johannes Dalman" zur Hafenrundfahrt bereit lag. Ein zweiter Zug Husaren schloß den glänzenden Zug. Die Landungsbrücken, die Schiffe im Hafen, die Staatsgebäude und viele Privathäuser waren auf das festlichste mit Flaggen geschmückt. Auf dem ganzen Wege bildeten Ta^^nde Skalier, die den König überall mit Hurrarufen begrüßten. Nach der Hafenrundfahrt begab sich der König zur Börse, wo der Präsident der Handelskammer eine Ansprache hielt. Von der Vörie aus begab sich der König mit Gefolge zum Rathaus wo der Senat ihm zu Ehren ein Frühstück veranstaltet hatte. Nachmittags kehrte der König nach Kiel zurück.
Der Krieg in Ostasien.
Noch immer bleibt uns die russische offizielle Berichter- stattung eine Aufklärung über die letzten kriegerischen Ereignisse vor Port Arthur schuldig. Ein Telegramm des Statthalters Alexejew berichtet nur von einem nächtlichen Kampf zwischen russischen und japanischen Torpedobooten, der d"m Auslaufen des russischen Geschwaders am Mittag ' es 23. Juni voranging. In diesem nächtlichen Scharmützel mürben auf russischer Seite ein Kapitän und ein Leutnant ücht verwundet. Vom Auslaufen des Geschwaders an, das 11 japanischen Schlachtschiffen und 22 Torpedobooten entgegenging, fehlt jede Nachricht.
Um so ausführlicher aber verbreitet sich der japanische Kommodore über
das Seegefecht vor Port Arthur.
Sein Bericht liegt jetzt im Wortlaut vor und entrollt ein anschauliches Bild von den kriegerischen Vorgängen. Togo nielbet:
Am 23. Juni griff meine kombinierte Flotte den Feind vor Port Arthur an. Am frühen Morgen war mir von einem Patrouillenschiff Vermittelst drahtloser Telegraphie gemeldet worden, daß die Linienschiffe „Pereswjet", „Pul- tawa" und „Sebastovol" mit den Kreuzern „Bajan", „Pal- lada", „Diana", „Nowik" und „Askold" aus dem Hafeneingang herauskämen. Den Schiffen fuhren verschiedene Dampfer zum Heben der Minen voraus. Nach bereits früher bestimmten Anordnungen gegen einen etwaigen Versuch des Feindes, den Hafen zu verlassen, eilte ich unserem Rendez- oousplatze zu und sandte mittlerweile die 4. und 14. Zer- störerflottille zur Beobachtung der Bewegungen des Feindes. Gegen 11 Uhr vormittags schlossen sich die „Zarewitsch", „Retwisan" und „Pobjeda" den mit der Entfernung der Minen beschäftigten Danipfern an, die in dem Minengebiet zu kreuzen begannen und eine Fahrstraße zu machen versuchten, während wir sie belästigten.
Ein russisches Schiff in Brand geschossen.
Gegen 3 Uhr nachmittags griffen meine .4. und 14. Flottille 7 Torpedobootszerstörer des Feindes, die die Säuberung des Minengcbietes decken sollten, an und schlugen sie. Eines der russischen Schiffe, das in Brand geriet, floh in den Hafen Die „Nowik" kam heraus, um die Flottillen zu decken und schloß sich der Hauptflotte an. Nachdem mit Hilfe der Dampfer eine Fahrstraße freigemacht worden faar, dampfte die „Nowik" in die offene See hinaus. Unser drittes Geschwader, welches mit deni Feind Fühlung behielt, lockte diesen nach Süden und zwar in südöstlicher Richtung. Unser erstes Geschwader hielt sich südlich der Guganmsel der- borgen und wartete dort, :m$bem es feine sämtlichen Zer- [törer konzentriert hatte, aus den Feind. Um 6 Uhr 16 Minuten abends sichtete unser erstes. Gef^wader den Femd acht Meilen nordwestlich der Guganmsel. Die „Zarewitsch hatte die Führung, während die „Nowik" mit den Zerstörern
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Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg SS, ^ernsprechanschlvst Nr. 368.
rechts von ihr fuhr. Tie Flotte dampfte nach ^üden. ’lm 7 Uhr 30 Minuten waren wir 14 Kilometer vom Feinde entfernt. Der Feind änderte seinen Kurs etwas nach Steuerbord unb wir folgten ihm, indem wir versuchten, die feindliche Avantgarde anziilocken.
Acht japanische Attacken.
Um 6 Uhr abends änderte der Feind seinen Kurs nach Norden. Um 9 Uhr 30 Minuten abends, als wir 5 Meilen vom Hafen entfernt waren, machte die 14. Flottille den ersten Angriff auf die feindliche Nachhut. Die 5. Flottille folgte. Der Feind geriet in Unordnung und vermochte nicht, den Hafen zu erreichen. Infolgedessen ging er auf der Reede um 10 Uhr 30 Minuten abends vor Anker. Wir griffen ihn dort achtmal vor Sonnenaufgang an.
Nttssisches Linienschiff gesunken.
Um 10 Uhr 30 Minuten nachts fuhr unsere 16. Flottille mit voller Geschwindigkeit von Shosen Point heran und schoß zwei Torpedos in die Seiten emes Linienschiffes, das der „Pereswjet" ähnlich sah. Das Schiff sank sofort. Wir konnten bis zum Morgen keine anderen Resillmte sehen. Dann bemerkten wir, daß ein Linienschiff fehlte und daß zwei Schiffe von der Sebastopol- und Dianaklasse unfähig waren, ihre Maschinen zu gebrauchen. Am Freitag, 24., ging die Flotte des Feindes in den Hafen zurück. Einige der Schiffe fuhren unter eigenem Darnpf, andere wurden geschleppt. Das letzte Schiff gelangte um 4 Uhr in den Hafen.
Gegenüber diesen bestimmten Angaben des javanischen Admirals schwindet jeder Zweifel daran, daß die Russen vor Port Arthur schwere Verluste erlitten haben. Es ist unbegreiflich, daß der rusche Generalstab es immer noch für angebracht hält, die ? m in Unklarheit über dieses neue Unglück zu lassen. Dadurch wird die Sache nicht aus der Welt geschafft und die Aufregung nicht gemildert, sondern verschärft. In Petersburg soll eine sehr trübe Stimmung cherrschen.
Daran vermögen auch die günstigeren Berichte vom Laudkriegsschauplatz nichts zu ändern, die über eine Reihe von für die Russin glücklich verlaufenen Vorpostengefechten zu erzäblen wissen. Was hilft es, daß die Japaner an ein- zel'nen Stollen zicrückweichen müssen und hier und da einige L-ute einbüßen? Im großen und ganzen setzen sie ihren Vormarsch, wenn auch langsam, so doch zielbewußt fort, und, wie verlautet, müssen jetzt die Russen vor ihnen wieder aus der ganzen Linie zurückgehen.
Ein sechsstündiges Gefecht hat bei Föngschuiling, 29 Meilen nordwestlich von Siujau staltgefunden. Die japanische Takuschan-Armee blieb darin fiegi 'ch und besetzte den Ort. Die Russen waren stark: 3 Bataillone Infanterie, 2 Regimenter Kavallerie und 15 Ges 'tze. Sie flohen in Unordnung in der Richtung auf Tomucheng. Der Verlust k - Japaner wird auf 100 Mann geschätzt. Man sieht aus diesem Vorstoß der Japaner, daß sie unverrückt auf Haitscheng und Liautschang losgehen, und darf in kürzester Frist entscheidende Schlachten erwarten. M rschall Oyama und Generalmajor Kodama werden sich am 6. Juli nach der Mandschurei begeben.
FKe Politik.
6L Mit den Verstärkungen, die am 8. Juki in Swa? osi - tu u n d eintreffen, wird Generalleutnant V. Trotha für den Feldzug gegen die Herero nicht weniger als 275 Offiziere, 7073 Unteroffiziere und Mannschaften und 60 Aerzte zur Verfügung haben. Dazu treten im Laufe des August und Anfang September noch 1600 Mann, die der General gleich nach seiner Ankunft in der Kolonie sich telegraphisch aus- Ocbungen hat und die wahrscheinlich für die Expedition gegen die Ovambo verwandt werden sollen. Die am 8. Juli in Swakopmund eintreffenden Truppen bestehen zu einem Teile c§ Eisenbahntruppen und sichren auch Bahnbaumaterial mit sich, um eine Bahnverbindung zwischen Karibib und Outjo zu bauen, die für die Expedition gegen die Ovambo notwendig ist. Ueber die Entsendccng der letzten 1600 Mann Verlautet in Kolonialkreisen, am 10. Juli werde der Dampfer „Kroccprinz" 500 Mann und 600 Pferde von Hamburg nach Swakopmund befördern. Ferner sollen am 23. Juli mit dem Dampfern „Gertrud Woermann" und „Montevideo" weitere 500 Mann und 800 Pferde nach dem Schutzgebiet gebracht werden. Die letzten 600 Mann sollen am 6. und 30. August abgehen
□ Die leidige Geschichte der Beziehungen zwischen dem - Oberhofmeister der Kaiserin, Frhrn. v. Mirbach, und der Pommernbank wird nun auch das Parlament beschäftigen. Von freisinniger Seite ist im Abgeordnetenhause eine Interpellation eingebracht worden, in der die Regierung gefragt wird, was sie dazu zu sagen habe, daß Frhr. V. Mirbach die preußischen Oberpräsidenten mittels Rundschreibens veranlaßt hat, durch die ihnen Nachgeordneten Behörden Sammlungen zu veranstalten, deren Erträge dem Kaiservaar am Tage seiner silbernen Hochzeit für evangelisch-kirchliche Zwecke, insbesondere für die Mosaikverzierung der Kaisir- Wilhelm-Gedächtniskircke, übergeben werden sollen. Selbstverständlich ist diese Interpellation nur eingebracht, um den Abgeordneten Gelegenheit zu geben, auch auf die Angelegenheit Mirbach—Pommernbank einzugehen und die Regierung