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Kr. 122

Freitag, den 27. Mai 1904.

13, Jahrgang,

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Blatt erscheint an a»en Werttagen nachmittags, 1 Aernfprechanschluß Nr. 362.

Neueste Nachrichten

(Gießener Gageökrtt)

Unabhängige Tageszeitung

(Gießener Ieitnng)

^ bei dm eben.

für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachunqen der Grotzh. Bürqermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen,

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5 Innerhalb der nationalliberalen Partei ist eine heftige Meinungsverschiedenheit über die Frage, ob Simultan- oder Konfessionsschule die zweckmäßigere sei, ausgebrochen, veran- pßt durch den Beschluß der preußischen Abgeordnetenhaus- fraftion, worin für Preußen die Konfessionsschule als herr­schende Norm anerkannt wird. Darin sieht ein großer Teil der Partei eine Verletzung der liberalen Grundsätze und es ivird mit großer Dringlichkeit hervorgehoben, daß eine freie Weltanschauung nur dann zu erreichen sei, wenn die An­hänger verschiedener Konfessionen schon in ihrer Jugendzeit durch die Schule miteinander in Verbindung gebracht werden Ulw dadurch im Geiste der Duldsamkeit aufwachsen.

Daß eine tolerante Verkehrsform zwischen den einzelnen Konfessionen tatsächlich einen nicht zu unterschätzenden sozialen Wert hat, tuird man kaum bezweifeln können. Ob aber die Simultanschule wirklich eine Garantie für die Entwickelung eines toleranten Geistes bietet, ist denn doch außerordentlich zweifelhaft. In dieser Frage entscheidet der persönliche Ein­fluß der Lehrer oder der Schulleiter ost einzig und allein über den Frieden innerhalb der einzelnen Schulanstalten. Auch in einer Simultanschule kann jemand in konfessionellem liebe reifer selbst in den nichtreligiösen Unterichtsdisziplinen Gelegenheit zur Entfesselung des konfessionellen Gegensatzes fiiibtn, während eine im humanen Geiste geleitete Konfession's-

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schule unter Umständen beni sozialen und konfessionellen Frie­den unschätzbare Dienste leisten kann. Auch auf dem Schul- gebiete gibt es eben keine absoluten Werte und es wird dem­gemäß für den Staat aus Gründcil der Staatsraison fast un­möglich sein, sich unter allen Umständen auf ein bestimmtes System zu verpflichten. Die zwangsweise erfolgende Einrich­tung der Konfessionsschule ist ebenso falsch wie die zwangs­weise erfolgende Einrichtung der Simultanschule.

Es darf eben nie vergessen werden, daß die Schule von Hauis eine Gemeinde anstalt ist. Demgemäß sollte es auch den Gemeinden wahlfrei überlassen werden, welches System sie bevorzugen wollen. Vor allen Dingen aber muß auch da, wo die Simultanschule bereits besteht, den Konfessio­nen das Recht zugebilligt werden, allerdings aus eigenen ümsftei^, konfessionelle Schulen zu errichten, weil erfahrungs­gemäß die Abwehr solcher Bestrebungen geradezu elementare Stürme über die einzelnen Gemeinden hervorruft und,dem sozialen Frieden außerordentlich gefährlich ist. Wo sonach eine neue Schulverfafsung angestrebt wird, wäre es am zweck­dien lichsten, Wenn jede Einseitigkeit vermieden würde und den Gemeinden der unbeschränkte Einfluß über die Wahl des Schulsystems zufiele.

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Wesentlich anderer Ansicht über die obige Frage als der Verfasser des vorstehenden Aufsatzes ist der V o r st a n d b-e s preußischen Landeslehrervereins, der ge­legentlich der Deutschen Lehrerversammlung zu Königs­berg i. Pr. dazu Stellung nahm. Er beschloß in nichtöffent- icher Sitzung, gegenüber dem Schulkompromiß sein Bedauern Uber die Außerachtlassung aller Schulinteressen in einer Reso- : Inti on an die Unterrichtskommission des Abgeordnetenhauses i out-zusprechen. In dieser Resolution erklärt der Vorstand, t er bekämpfe alle Bestrebungen, welche darauf Hinzielen, ledig- > lich konfessionelle Einflüsse mächtig werden zu lassen.

Im Anschluß hieran seien die wichtigsten Beschlüsse der deutschen Lehrerversammlung aufgeführt. Sie betreffen astens die Univ er si tät sbildung derVolks- jch u l l e h r e r, für die folgende Leitsätze aufgestellt und an- gmommen wurden: 1. Die Universität, als Zentralstelle wissenschaftlicher Arbeit, ist die geeignetste, durch keine andere kinrrchtung zu ersetzende Stätte für Volksschullehrerbildung ^ur die Zukunft erstreben wir daher Hochschulbildung für ole Lehrer. 3. Für die Jetztzeit dagegen fordern wir, daß Mm Volksschullehrer auf Grund seines Abgangszeugnisses Im Seminar die Berechtigung zum Universitätsstudium er­eilt werde. Der zweite Punkt ist die S ch u l a u f s i ch t s -

e, bei der die Versammlung ihre Wünsche in folgender Solution niederlegte: 1. Im Interesse der Schule ist die HchmanNische Schulaufsicht einzuführen. 2. Die Volksschulen unmittelbar den Kreisschulinspektoren zu unterstellen; die wkalaufsicht ist zu beseitigen. 3.. Die Kreisschulinspektion im edenamte ist aufzuheben. Zu ständigen Kreisschulinspek- oren find Schulmänner, die sich im Volksschuldienst bewährt

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Der Derero-Hufstand.

r neues größeres Gefecht mit den Herero, viel- leicht das entscheidende, scheint bevorzustehen. Gouverneur Leutwern meldet aus Windhuk:

Die Hauptabteilung wird Anfang Juni marsch­bereit sein. Die Nordabteilung Z ü l o w habe am 23. von Outjo den Weitermarsch angetreten. Kolonne Estorfs steht bei Okamatangara, die H a u p t m a s s e d e s F e i n - des anscheinend bei Waterberg.

. Führer der Hauptabteilung ist, nach der Heimreise Dürrs.

der Gouverneur selbst. Er scheint zu Anfang Juni ein konzentrisches Vorgehen gegen die Herero,

die offenbar bei Waterberg gegenwärtig von den deutschen Kolonnen e i n g e k r e i st werden, zu planen, und es ist leichi möglich, daß Generalleutnant v. Trotha die H a u p t a r b e i! getan findet, wenn er am Kriegsschauplatz eintrifft. Dori wird er etwa um den 12. Juni erwartet, falls er pünktlich am 7. Juni in Swakopmund eintrifft. Immerhin wird auch er noch eine recht ausgiebige Aufgabe vorfinden, da nach der Niederzwingung des Hereroaufstandes noch mit den wieder aufsässig gewordene BondelzwartS energisch wird abgerechnet werden müssen, und da auch die schleunige

Unterwerfung der Ovambo

unbedingt erforderlich ist, die von der deutschen Herrschaft noch ganz unabhängig sind Neuerdings werden Stimmen laut, man solle den Ovambofeldzug mit Rücksicht auf die Malaria- und Schwarzwasserfiebergesahr im Ovambogebiet vertagen. Indessen ist diese Gefahr nicht so groß, und dann findet sich auch säum so bald wieder eine so günstige Gelegenheit wü jetzt, wo wir eine starke Truppenmacht in der Kolonie haben, um dort ein für allemal reinen Tisch zu machen.

In weiteren Kreisen wird es mit Befriedigung begrüßt werden, leß General V. Trotha für die Operationen in der Ko­lonie die

ausgiebige Verwendung von Kriegshnndcn

Plant. Bekanntlich hat schon der jüngst abgegangene Trans­port drei Kriegshunde mitgenommen. Jetzt veröffentlicht Leutnant v. Damm, 2. Feldregiment für Südwestafrika, Truppenübungsplatz Münster bei Hannover, einen Aufruf an alle Besitzer guter Wachhunde, durch unentgeltliche Ab­gabe an die Truppe ihr Interesse für unsere braven Südwest- afrikaner zu betätigen. Rasse u. s. W. kommt nicht in Be­tracht. Die Hunde sollen von mittlerer Größe, kräftig und ge­sund, von mittlerein Lebensatter, glatt- oder stockhaarig sein. Deutsch? Schäferhunde — feine Collies - - und Spitze, die letzteren geschoren, würden am geeignetsten sein, aber auch jeder beliebige Fixköter, sofern er nur sehr wachsam ist.

Die Grausamkeit der Herero.

Die soeben hier eingetroffene Deutschwestafrikanische Zei­tung wendet sich gegen diejenigen, die den Charakter der Herero aus Kosten der deutschen Ansiedler und Händler in allzu günstigem Lichte darstellen. Das Blatt führt aus, es sei bekannt, wie die Grausamkeit der Herero sich in den Kämpfen mit den Namagua offenbart habe. Ein Herero be­richtete über seine Teilnahme an Nicodemus' Zug gegen Hendrik Witbooi:

„Aus dem Rückwege fanden wir noch einige Hottentotten im Felde, die von uns nichts wußten; die machten wir natürlich tot. Bei einem habe ich mitgeholfen. Wir schnitten ihm erst die Ohren ab und sagten ihm: „Du sollst keine Damaraochsen mehr brüllen hören." Dann f ân i11cn Wir ihmdieNaseab und sagten: „Du sollst auch keine Damaraochsen mehr riechen." Dann stachen wir ihm die Augen aus und sagten: „Du sollst auch keine Damaraochsen mehr sehen." Dann s ch n i t- tenwirihmdieLiPpenab und sagten: „Du sollst auch keine Damaraochsen mehr essen." Dann schnitten wir ihm die Kehle a b."

Das war die Praxis der Herero gegenüber den Hotten­totten. Wie viel grausamer war sie noch gegen die ihnen noch verhaßteren Weißen! Wie die Herero diese beurteilen, darüber macht das Swakopmunder Blatt einige interessante fPbittei hingen. Es schreibt:

„Man braucht nur die Bezeichnung zu betrachten, die du Herero für die Weißen haben: o v i r u m b u , d.h. g e l b e Dinger, oder ovatua, dasselbe Wort, das auch für Sklaven angewandt wird. Weiß ist den Herero die ge­tünchte Wand, die Farbe des Europäers ist ihnen fahl, gelb: ruludu. Er will, wie der Kenner der Hererosprache weiß, damit onsbriicfen, daß e r d i e s e g e l b e n W e s e n n i ch l a l - M e n s ch e n s ch ä tz t.

Die Syrer o betrachten die Weißen also von vornherein fruTdxrus nicht als höher stehende Wesen, denen mit Respekt oAn Furcht zu begegnen sei, und es ist deshalb nicht erforder­lich, tuender Gründe .311 suchen, weshalb sie, nvmi sie sich eir inak erhaben, der natürlichen ©roHlomfcti üjr^ LborofirrS Mâ b** Reifem »eoenickrer brr Zögst Unfern Leie».

Der Kriegs in Ostasien.

Der Stillstand in den japanischen Landoperationen hat letzt sein Ende gefunden. Die japanischen Heeressäulen rücken von allen Seiten gleichmäßig vor. Ueber die

Operationen auf der Liantnng-Halbinsel

liegt folgender Bericht aus Tschifu vom 26. d. Mts. vor:

Eine Dschunke, die Dalny am 23. d. M. verlassen hat, berichtet, die japanische Armee hätte Sanshilipu, die zweite Eisenbahnstation/ von Port Arthur erreicht, wobei die Russen dem Vorrücken hartnäckig Widerstand leisteten. Am 22. d. M. soll bei Sanshilipu eine Schlacht stattgefun­den haben, deren Resultat noch unbekannt ist. Bei Talien- wan seien die Russen bereit, die Stadt beim Anrücken der

Japaner zu zerstören. Nach den besten zur Verfügung stehenden Nachrichten seien die bei Kintschau gelandeten Japaner an der Eisenbahn entlang im Vorrücken begrif­fen, während diejenigen, die in Pitzewo gelandet seien, an der Ostküste der Halbinsel entlang auf Dalny vorrücken. In der letzten Nacht wütete im Golf von Petschili ein hef­tiger Sturm.

Die Japaner fahren auch fort, Port Arthur zu beschießen. Nach dem Breicht eines Franzosen wurde am 24. Mai die Festung von acht japanischen Schiffen eine ganze Stunde lang unter heftiges Feuer genommen.

Die Lage bei Fönghwanghtscheng, wo die Armee General Kurokis ihren Vormarsch von neuem langsam angetretn hat, ist bisher nicht wesentlich verändert. Bei Fönghwanghtscheng selbst stehen 40 000 Japaner, bei Pyamyn 4 Linienregimenter mit 50 Geschützen. Von hier aus schiebt Kuroki allmählich seine Vortruppen nach Ssinjan vor. Bei Sihutschindse. kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Kosaken und japanischer Infanterie, wobei drei russische Offiziere und 30 Kosaken verwundet und getötet wurden. Ueber die Verluste der Japaner liegt keine Nach­richt vor, doch werden sie sehr gering sein, da sie den Russen einen Hinterhalt gelegt hatten. Die japanischen Vortruppen schieben sich auch in der Richtung auf Suanmiau am Unter­lauf des Tajangho vor und besetzten den Liaolinpaß.

Die Gefährdung der Schiffahrt durch Seemiu.cn beschäftigt die leitenden Marinekreise fast sämtlicher See­mächte. Besonders in Washington ist man eifrig dabei, Er­hebungen über diesen wichtigen Punkt in die Wege zu leiten. Die amerikanischen Marineattachees haben diesbezügliche Weisung erhalten. Das Petersburger Auswärtige Amt ver­hält sich in dieser Frage sehr entgegenkommend. Man meint, nach Beendigung des Krieges würde Rußland sich einem etwa von Amerika oder England ausgehenden Vorschläge, die Frage der schwimmenden Minen zu beraten, gewiß an- schließen. Vielleicht wird sie dann dem Haager Tribunal unterbreitet werden. Mit Recht wird darauf hingewiesen, daß das Segen von Seeminen überall ba völkerrechtlich un­tersagt werden müsse, wo direkte Gefahr vorhanden, daß diese Minen in das offene Meer oder aus dem den Krieg­führenden gehörigen Gebiete hinaus in neutrales Wasser ge­trieben und so wie gegenwärtig bei Port Arthur zu einer internationalen Gefahr werden könnten. Uebrigens haben die Russen ihre Minenlegung auch wohl reichlich zu weit bemessen. Wenn beispielsweise der japanische Kreuzer „Hat- suse" 10 Seemeilen vor Port Arthur, das sind rund zwanzig Kilometer, auf zwei Minen geraten ist und ebenso ein an­derer Panzer, so ist der durch Minen gefährdete Rayon von den Russen sehr weit ausgedehnt. Geschieht das aber, so haben sie dafür zu sorgen, daß die Minen so gut befestigt sind, daß sie sich nicht losreißen können und so im freien Meere die Schiffahrt bedrohen. Dasselbe gilt in erhöhtem Maße von den Japanern, die vor Port Arthur nachts sogenannte Streu­minen auslegten, die an sich schon leichter von der Meeres­strömung fortgetrieben werden.

Kostspielige Truppentransporte.

Die Nachricht, daß der Baikalsee jetzt eisfrei ist, wird von der russischen Heeresverwaltung mit erleichtertem Aufâtmen begrüßt werden. Wenn man in den Listen der russischen Ver­waltung, wo die Ausgaben der letzten Monate verzeichnet stehen, alle Posten anstreichen und summieren würde, die mit­telbar oder unmittelbar durch das Vorhandensein des Baikal­sees entstanden sind, so würde ein recht nettes Sümmchen herarrskommen. Im ersten Monat des Krieges wurde der gefrorene See mit Schlitten befahren, und vom 29. Januar bis zum 25. Februar passierten ihn 60 000 Mann in 30" Troikas, die von 3000 Pferden gezogen wurden. Für die Ueberfahrt über die 44 Kilometer breite Eisdecke zahlte die russische Regierung 4,25 Mark für jeden Offizier mit seinem Gepäck und 1,60 Mark für jeden Soldaten. Werden nun die Transportkosten für Munition und Lebensmittel hinzu­geschlagen, die auf etwa 2 Pfennig für das Kilogramm zu be­rechnen sind, so kann man schon eine annähernde Vorstellung Don den Ausgaben gewinnen, die den Russen durch dies der, wünschte Wasserbecken verursacht worden sind. Es bestand allerdings von anfang an der Plan, die Sibirische Bahn von Den Launen dieses Gewässers unabhängig zu machen, aber die Umgehung des Baikalsees erwies sich als so außerordentlich schwierig, zeitraubend und kostspielig, daß man, um die Voll­endung des ganzen Werks nicht aufzuhalten, vorläufig auf die Umgehungsbahn verzichtete und sich damit begnügte, den Lransport über den See mittels Fähren zu bewerkstelligen. Wahrscheinlich wird in Rußland keine der vielen Versäumnisse, üe man sich in den Kriegsvorbereitungen hat zu schulden kom­men lassen, jetzt so bitter bereut wie die Aufschiebung der Bai- ulbahn. Allerdings wird die Umgehungsbahn gerade auch ncht billig zu stehen kommen. Sie wird etwa 110 Millionen Nark kosten bei einer Länge von nur 244 Werst.

Die Politik.

^ Heute si

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?andesversicherungsanstalten statt. Hauptthema der Ko-,ereuz R die Frage einer Verschmelzung der Krankenderstchernua