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Erstes Blatt
Samstag, den 25. Juni 1904
13 Jahrgang
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(Gießener ^ageBsaft)
für Oberhefsen und die Kreise MarbArg und Wetzlar; LSkalMZeiser für Gießm und Umgebung; Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Büraermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen
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Der Krieg in Ostasie...
’ W'.chrenö die mit Spannung erwarteten näheren Nach. Wen über die Vorgänge bei Kaiping noch immer nicht entliessen wollen, kommt jetzt Plötzlich aus Tokio ein Bericht übei ein neues Treffen, das alter viel weiter östlich, bei Ayang. piontnen, nördlich von Fönghwanghtscheng, stattgefundev haben soll.
Das Bureau Reuter meldet über diesen neuen blutigen Zusammenstoß bei Ahangpionmen aus Tokio vom 24. Juni folgendes:
Am Dienstag griff eine 4000 Mann starke aus In- sinterst, Kavallerie und Artillerie bestehende russische Streitmacht Ayangpionmen an, wurde aber zurückgeschlageri und ging bei Sonnenuntergang gegen Schinkailing zu zurück. Die Russen verloren fünf Tote und zwanzig Verwundete; die japanischen Verluste sind noch nicht bekannt. Die russische Berichterstattung über die Kämpfe zwischen toing und Haitscheng bricht bisher gerade da ab, wo fit interessant zu werden verspricht, bei der
Einnahme von Sseniutschen durch die Japaner. General Ssacharow sendet darüber an den Generalstab das folgende vom 22. Juni datierte Telegramm:
Am 21. Juni griff die japanische Vorhut um 8 Uhr morgens unsere Vorposten an, die sechs Werst südlich von Sseniutschen auf beiden Seiten der Eisenbahnlinie standen. Unsere berittenen Feldwachen zogen sich vor dem vor- dringendey Gegner langsam nach Sseniutschen und weiter nach Kaiping zurück. Um die Mittagszeit rückten gegen neun Eskadrons mit einer Batterie und bedeutende In-
; fanterieabteilungen nach Sseniutschen vor. Hierauf wurden nach und nach andere bedeutende feindliche Kolonnen j bemerkt und gegen abend wurde Sseniutschen von einer japanischen Truppenabteilung eingenommen, die aus mehr als einer Division Infanterie, einer Brigade Kavallerie und 32 Geschützen bestand.
Sseniutschen liegt etwa 35 Kilometer südlich von Kai- ’ Ving. Die japanischen Truppen, die es genommen haben,
sind dieselben, die bei Früschou-Telisse gesiegt hatten. Von tf^Mil 3|’eimiffd)en aus könnten sie dann die Pässe, die die Straße - 5 »n om Osten her nach Kaiping überschreiten, von rückwärts ge- * * o H! öffnet haben, so daß die Armee des Generals Oku den von
Kitsewo herankommenden japanischen Truppen die Hand reichen kann.
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General Ssacharow meldet über
die Bewegungen der Japaner
-veiler in einem Telegramm vom 23. Juni:
Nach den Berichten russischer Streifwachen und den Aussagen der Ortsbewohner sind bedeutende Streitkräfte des Gegners, mehr als eine, Division, im Süden vom Tschanpanlin-Paß bei Tschandiadian und Londiadian vereinigt. Vom Tschanpanlin-Paß in der Richtung nack Lantschi waren die Japaner am Morgen des 22. Mär? nicht weiter vorgerückt. Wie russische Streifwachen berich. ten, ist eine bedeutende, aus den drei Waffengattungen bestehende Abteilung aus Ssiujan nach Chansy vorgerückt. Am Morgen des 22. Juni beabsichtigte der Gegner in eine. Stärke von etwa einem Bataillon unter dem Schutze be^ dichten Nebels die Stellung der russischen Vorhut bei Wand- siapudsa zu überrumpeln. Die russischen Infanterie- Patrouillen stellten sein Vorgehen auf dem Wege von Siu- jan nach Haitscheng rechtzeitia fest und die Japaner zogen sich unter den Salven der russischen Vorhutkompagnien,mit einigem Verlust nach Siujan hin zurück. Auf russischer Seite wurde ein Schütze verwundet. — Am Abend des 19. Juni nahmen die Japaner mit einer Abteilung, die etwa ein Bataillon Infanterie mit einer Eskadron Kavallerie stark war, Wafantun auf der großen Straße nach Liautschang ein. Eine ebenso starke Abteilung des Gegners besetzte Tschanlindzi im Tale des Tsaohe etwa 10 Werst nördlich von Fönhgwanghtscheng.
Die Lage in Niutschwang.
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Wie aus Niutschwang gemeldet wird, werden dort östlich vom Liauflusse neue Verschanzungen aufgeworfen. Chinesen müssen ihre Häuser verlassen, welche für russische Trwppen oeriuenbet werden. Es ist eine neue Proklamation erlassen worden, welche die Ausfuhr von Lebensmitteln nordwärts von Niutschwang untersagt. Große Truvpenkörper sollen unter General Kuropatkin acht Teilen von Niutschwang stehen und, tote man annimmt, nach Kaiping zu marschieren.
Ein neuer Angriff auf Port Arthur?
In Tschifu tauchen in letzter Züt immer wieder Gerüchte ms, die von neuen Stürmen auf Port Arthur wissen wollen^ Kud) jetzt wird wieder von dort gemeldet, daß man in der Rad)t vom 23. zum 24. Juni und am darauf folgenden Morgen anhaltendes schweres Geschütsteuer in der Richtung auf Port Arthur vernommen habe. Zis jetzt haben sich aller» »WS die aus Tschifu üb "mittelten SensationslneldMgm veaade nicht durch Äuverlässiakeit ausaezeichnet.^^ ^^- - j
8®»<«me«ttlteil: in Gießen, ab-rh»lt monatlich 50 Pfg., y@ Seut gebracht 60 Pfg., durch die Gast bezogen diertel- jihrkich Mk. 1.66.
HsM-bettOGO»: Ck^tflMK K»«^tta»reit««- (täglich) wb die Metzeies* Mtf—Klaj— (wbchentttch).
&ä6 Blatt erscheint m wie« »ertteero nachmittag».
Z»sertis«öpretö r Die emipairige '4Serugaie rur ganz Q^" Hessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pst wnü 15 Vü- Reklamen die Petit-eile 30 resv. 4<I Pst.
Postzeitungsliste No. 3269.
Redaktto« und Expedition: Gießen, Seltersweg 88. FerustzrechansÄluß Nr. 363.
W«aöhâ«gtge Isgeszâng
Polilik.
; □ Gestern war telegraphisch gemeldet, daß die Stipw lierung des Handelsvertrages zwischen dem Deutschen Reiche und Belgien von den beiderseitigen Unterhändlern unterschrieben worden sei. Heute wird uns offiziös berichtet, daß mch die Handelsvertragsverhandlungen mit der Schweiz und mit Rumänien soweit gediehen feien, daß ein baldiger Zlbschluß der Verträge zu erwarten sei. Auch die Ver- iragsverhandlungen mit Rußland sind, wie unser Berliner EL-Korrespondent meldet, in so gutem Zuge, daß auch hier der Abschluß der Verträge als nicht mehr fern bezeichnet werden muß. Etwas weiter zurück sind allein noch die Verhandlungen mit Oesterreich-Ungarn. Das hat zum guten Teile aber seinen Grund darin, daß zwischen Oesterreich und Ungarn wegen der auseinandergehenden Interessen beider Reichshälften die Verständigung nicht leicht gewesen ist.
o% Zur Verstärkung der Truppen in Südwestafrika sollen hn Juli und August noch einige Truppentransporte hinaus- zehen. , Wie jetzt in parlamentarischen Kreisen verlautet, 'ollen diese Verstärkungen aus vier berittenen Compagnien, lwei Feldbatterien, einer Abteilung Signalisten und einem Lelegraphen-Detachement bestehen. Die Infanterie und Ar- üllerie sollen Ersatztruppenteile bilden und zugleich als Schutzwachen an der Eisenbahn und den Etappenlinien der- vendet werden. — Für die Wachmannschaften sollen jetzt auch nne Reibe von wachsamen Hunden mit hinausgehen. Huf Ersuchen von beteiligter Seite hat der „Deutsche Tier, lchutzverein" für die Schutztruppe und zwar zunächst für die Feldartillerieabteilung eine Anzahl Hunde zur Verfügung zestellt. — Auch einige weitere Pferdetransporte werden sich nod) als notwendig ertveisen. Als brauchbarstes Material werden 5—8jähnige Pferde kleineren Schlages angesehen, die zur Brückenmachung der Infanterie dienen sollen. Es sollen demnächst in den Provinzen Märkte zum Ankauf der be- nötigten Tiere abgehalten werden.
>5* Der langjährige Streit über die Männerklöster im Großherzogtum Baden geht seinem Ende zu. Kultusminister Freiherr von Dusch hat im Landtag die Erklärung abgegeben, daß augenblicklich mit der Freiburger Kurie über die Bedingungen der Zulassung verhandelt werde. Seit dem Bestehen des Großherzogtums waren die Männerklöster verboten, doch war ihre Zulassung nach einem in den 70er Jahren gefaßten Beschluß beider Häuser des Landtags in das Ermessen der Regierung gestellt.
4= Die Frage der Regelung der Wasserverhältnisse in Metz hat im vorigen Jahre durch das Eingreifen des Kaisers eine gewisse politische Bedeutung gewonnen. Wenn damals durch dieses Eingreifen des Reichsoberhauptes die Verhandlungen über die notwendig erscheinenden Verbesserungen in regeren Fluß gekommen sind, so wird doch erst heute aus Metz ge« meldet, daß nunmehr die endgültige Regelrmg der Frage in dem Sinne bevorstehe, daß sich Kriegsministerium, Stadt und Landesausschuß in die Kosten teilen, und daß nicht auf außerhalb des Festungsrayons belegene Quellen, sondern lediglich auf das Grundwasser zurückgegriffen wird.
A In agrarischen Kreisen macht sich in den letzten Tagen ein wachsender Widerstand gegen das Ansiedlungsgesetz geltend. Da die Ansiedlungskommission hierdurch die Befugnis erhalten soll, eine Ansiedlung zu genehmigen, oder zu untersagen, so wird auf dem Grundstücksmarkte der Ostmark naturgemäß die Konkurrenz der polnischen Landbanken gegen die Ansiedlungskommission beseitigt. Das muß entschieden auf die Güterpreise wirken. Während diese vor dem Eingreifen der polnischen Banken nur um 100 pro Hektar in einem Zeitraum von 17 Jahren gewachsen sind, hat sich der Bodenpreis durch die polnische Konkurrenz im letzten Jahre um 14 Mark pro Hektar gegen das Vorfahr vermehrt. Das Erlöschen des Wettbewerbes kann einen Preiszuschlag um den ebengenannten Betrag herbeiführen. Das sind 40 Prozent.
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<f Der Millionenspuk reißt nicht ab. Neuerdings heißt es wieder, daß der Direktor einer inzwischen verkrachten Bank namens Le Père der Mittelsmann der Karthäuser gewesen sei. Der Herr Direktor selbst ist nach dem Erlöschen der Bank flüchtig geworden — wohl deshalb, weil er dem rächenden Arme der Justiz entgehen wollte — tont comme chez Dous. Aber in seiner Wohnung sollen belastende Briefe gefunden worden sein, welche die Durchstechereien mit den Karthäusern deutlich, beweisen. Man wird ja sehen. Der Großprior des Ordens Pater Ney hat gestern telegraphisch eine Vorladung vor die Kommission und freies Geleite zu diesem Zweck erhalten. Die konservative Presse beschwört ihn, seinen Mund zu öffnen, damit das Land endlich von Combes befreit werde, der Christum nochmals ans Kreuz schlagen wolle. Der Staatsanwalt Bulot, der über den seitherigen Gang der Untersuchung Bericht an die Kommission erstattet hat glaubt nicht, daß ein Bestechungsversuch seitens Lagraveâ stattgefunden habe, er glaubt, es handele sich um ein Anerbieten einer politischen Hilfe, welche das Haupt der Regierung mit Unwillen ablehnt. Ein Bestechungsversuch sei mâi erwiesen. Das sagt genug!
(Gießener Ieitn«g>
Baihan-8taaten»
B Die Erinnerung an den ermordeten König Alexander wird neuerdings wieder wachgerufen. Zunächst hat die Königin Natalie durch einen Freund ihres verstorbenen Gatten an den König Peter die Bitte richten lassen, die Leiche ihres Sohnes zur Beisetzung im Kloster Ruschedol neben dem Leichnam seines Vaters freizugeben. Außerdem hat sie ihren Anteil an die Jacht „Draga", die ein Hochzeitsgeschenk der Residenzstadt Belgrad war, an die Geschenkgeberin abgetreten. Tie andere Hälfte ist der Schwester der ermordeten Königin zugesprochen worden. Das Brautkleid der Königin Draga hat ein Panoptikumsbesitzer in England für 75 0Ö0 Mark gekauft, um es in seinem Institut zur Schau zu stellen. Sic transit gloria mundi.
Cürkek
Ä Vom Balkan mehren sich die Nachrichten, daß weit hinten in der Türkei die Völker aufeinnnderfchlagen. In Armenien ist ein förmlicherer innerer Krieg im Gange. Es verlautet sogar, daß England eine Flottendemonstration plane, was indessen von keiner Seite aus bestätigt wird. Dagegen wird auf die Türkei ein sanfter Druck von dem Wiener Kabinett aus ausgeübt, die Reformen durchzuführen und auch die Streitigkeiten mit den Eisenbahngesellschaften zu schlichten. In den Bergen regen sich die Komitatschis wieder, in Saloniki lief das Gerücht von bevorstehenden Bombenatten- taten um und in einer kleinen Garnison haben die Truppen wegen ^olbabâüge gemeutert. Sonst ist nichts Neues am der Türkei zu melden.
Hfrtha.
d Die Schwäche beS Sultans von Marokko gegenüber b'en Zuständen im eigenen Lande offenbart sich jetzt wieder in der Tatsache, daß die zum Schutze von Tanger in Casablanca eingetroffenen Truppen in der ersten Nacht, nachdem ihnen die Waffen wieder zurückgegeben waren, das Maultier eines englischen Gesandtschaftsbeamten stahlen und auf Feldwache rein aus Mutwillen einen vorübergehenden maurischen Bauern anschossen und schwer verwundeten. Inzwischen haben seine Großmacht, der Räuberhauptmann Narsuli geruht, baß Lösegeld seines Monarchen anzunehmen und man hofft, u. E., „man hofft", daß er morgen seine Gefangenen freigeben werde. Wenn er aber jetzt seine Forderung dubliert^
Hmcrika.
^ In Haiti ist eine frcmdenfeindliche Nolksstimmn::^ au^ge- brochen. Als der deutsche und französische Gesandte in einem gemeinsamen Wagen eine Spazierfahrt machten, wurde ein Steinwurf nach ihnen geschleudert, wodurch der französische Gesandte, wenn auch unerheblich, verletz! wurde. Frankreich wird Genugtuung von den schwarzen Republikanern. ver- lange; .
TW und Gesellschaft.
/% Die endgültige Beisetzung der Leiche König Humber ts von Italien fand gestern im Pantheon zu Rom in Gegenwart König Victor Emanuel III., des Ministerpräsidenten Giolitti, der übrigen Minister, der Ritter des Annunziatenordens, der Präsidenten des Senats imb der Deputiertenkammer, der obersten Hofchargen und der Geistlichkeit statt. Der Sarg des Königs wurde aus der provisorischen Gruft aufgehoben und in der dem Grabe Victor Emanuels II. gegenüberliegenden Krypta beigesetzt, wo das definitive Grab hergestellt werden soll. Giolitti nahm als Notar der Krone ein Protokoll über die Ueberführung auf. Bei der Ueberführung, des Sarges erwiesen Kürassiere die militärischen Ehren.
Seer und flotte.
Aenderung im Kommando des oftasiatischen Geschwaders, skontreadmiral v. Holtzendorff vom oftasiatischen Kreuzer- wschwader ist heimberufen worden. Kapitän zur See Cörper üt zu seinem Nachfolger ernannt und geht im Oktober nach Ostasien.
Der Held vom „Iltis", Fregattenkapitän Lans, wurde durch Allerhöchste Kabinettsorder zum Kommandanten von ö. M. S. „Kaiser Wilhelm II." ernannt, unter gleichzeitiger Zuteilung zur Marinestation der Ostsee. Kapitän Lans wurde bekanntlich bei der Beschießung der Forts von Taku durch das feindliche Feuer an Bord seines Schiffes „Iltis" schwer verletzt und wegen seiner tapferen Haltung vom Kaiser in her. oorragenber Weist ausgezeichnet.
preussischer Landtag
(19. Sitzung.)
Herrenhaus.
RK Berlin, 24. Juni.
. Im hohen Hause ging es heute heiter und lebhaft zu. Auf der Tagesordnung stand das Wildschongesetz, für dagerade das Magnatenhaus ein lebhaftes Interesse hat. Die Unterhaltung war daher privatim sehr lebhaft im Fluß, während Graf Mirbach die Resolution, für Raubzeug eine Prämie auszusetzen, begründete. Man wußte kaum zu unter- scheiden, wer sprach. Graf Mirbach faßte diese Störungen übrigens mit Lumor auf: er drehte sich um und bat die