Nr. 120
Mittwoch, den 25. Mai 1904
13 Jahrgang.
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Das Matt erscheint an aSen Werktagen nachmittags. "'
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Postzeitungsliste No. 3269.
Redaktion und Expedition: (Sieben, Seltersweg 83. Aer«sprecha«schw.ü Nr. 363.
Neueste NacHrichte
(Gießeiter UageStatt)
Nnuöstängige Tsgeszettung
(Gießener Iertnng)
für OSZrhefsm und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lskalanzeiger für Steten und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großb. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen
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BekKnntWKchMKK-
Die Kreisstraße von Grsßen-L-ndri« Lis zur La«desL.krnze gege« HSrusheim wird vom 27. Mai ab wegen vorzunehmender Neuchaussierungen und Walz, arbeiten bis auf weiteres für den Fuhrwcrksvcrkehr gesperrt.
Gießen, den 25. Mai 1904.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Kranzbühler.
Bekanntmachung.
Betr.: Die Einteilung der Fleischbeschaubezirke.
Nachdem eine weitere Anzahl Fleischbeschauer- Aspiranten die gesetzlich vorgeschriebene Prüfung bestanden hat, sind die Fleischbeschaubezirke des Kreises wie
folgt eingeteilt worden:
Ord.-
Bezirk.
Nr.
1. Allendorf a. d. Lahn
2. Allendorf a d. Lda. mit Climbach
3. AltenBuseck
4. Annerod
5. Bellersheim mit Obbornhofen
6. Bersrod, Reinhardshain mit Winnerod
7. Beuern
8. Eberstadt mit Ober-Hörgern
■9. Ettingshausen, Queckborn mit Münster
i-o.
ii.
12.
13.
14.
Garbenteich mit Hausen
Wohnort des
S te l lv ertr eters. Klein-Linden.
Allendorf a. d. Lda.
Alten-Buseck.
Annerod.
Hungen.
Beuern.
DerSrod.
Hobheim.
G:ü"berg. Garbenteich.
Swakopmund zur Verfügung gehalten werden, für den „von unseren leitenden politischen Kreisen für nicht unwahrscheinlich gehaltenen Fall, datz die Lage in O st a s i e n eine Verstärkung der dortigen Besatzungsbrigade notig macht." Die Weiterführung dieser Truppen nach China und das Kommando über sie und die Besatzungsbrigade ^’ite tem, so wurde weiter gemeldet, General v. Trotha übernehmen, während Oberst Leutwein den Oberbefehl in Südwestafrika behalte Tatsache iit, wie unser Berliner ^-Mitarbeiter uns schreibt, datz Gerüchte dieser Art in Marinekreisen im Umlauf waren. Men so Tatsache ist aber, datz diese Gerüchte völlig unzutreffend sind.
Schließlich sei noch erwähnt, daß neuerdings zur sud- westafrikanisch ell Schutztrlwpe aus der preußischen milder würtkembergischen Armee 71 Offiziere und 18 Militärärzte übergekreten sind. Von den Osstzieren gehörten — neben einem General — bisher 2 dem Generalstab am 34 der Infanterie 19 der Kavallerie, 10 der Fewa' lterie, 2 den Pionieren und je einer der Futzartillerie, dern Train, dem Zeug- und dem Feuerwerksoffizierkorps. Dazu kommen aus dem sächsischen Heere je ein Major, ein Hauptmann, em Oberleutnant und ein Leutnant.
* *
Kund, der durch einen einstimmigen Beschluß seines Organs, des Bundesrats, wieder aufgelöst werden könne.
Wenn anch von Hause aus nicht anzunehmen ist, daß jemals ein solcher Beschluß zustande kommt, so ist doch immerhin der Fall theoretisch denkbar, daß der Bundesrat in einem bestimmten Zeitpunkt das Reich auflöst, um dann auf einer neuen Grundlage eine Neugründung vorzunehmen. Durch eine geschäftsmäßige Transaktion könnte also Reichstag, Wahlrecht, Verfassung und Gesetzgebung ausgehoben werden. Aber indem man nur diese Möglichkeit erwähnt, wird auch schon die Unrichtigkeit dieser Lehre gekennzeichnet, denn Reichstag, Wahlrecht und Gesetzgebung sind Güter des deutschen Volks, die doch nicht durch einen reinen Federstrich aus der Welt geschafft werden können. Das Volk ist eben auch ein Teil des Deutschen Reiches, und das Volk nimmt an seiner Verwaltung tätig Anteil. Ohne die Zustimmung des Reichstags könnte der Bundesrat überhaupt das Reich nicht aufheben. Der Fürstenbund enthielt lediglich die Willenserklärung, aus der Staatenvielheit eine organische Einheit zu schaffen, das Deutsche Reich. Dieses ist kein Staatenbund, d. h. eine Kette von lose aneinandergegliederten Staaten, sondern ein Bundesstaat mit organischem Leben und auf einer konstitutionellen Grundlage ruhend.
Hat denn nun Herr v. Jagemann die ganze Zeit über geträumt, daß er nicht einmal das Wesen des Deutschen Reiches erfaßt und begriffen hat? Die Willenserklärung der Fürsten war als Voraussetzung zur Schaffung der die Einheitsidee verwirklichenden Verfassung notwendig, aber geschaffen wurde das Deutsche Reich nur und einzig nur allein durch den Willen des Volkes, das schon seit den Freiheits- friegen von der Sehnsucht nach dem deutschen Einheitsstaat erfüllt war. Hat er auch nie davon gehört, daß ans blutiger Wahlschlacht durch die brüderlich im Kriege vereinten deutschen Stämme das neue Deutschland mit wuchtigen Hammerschlägen geschmiedet und das Kaisertum und her Kaiser von dem Volke erkürt wurden? Und nun soll das alles im leeren Raum stehen, ein beschriebenes Blatt Papier, nicht mehr wert als ein fauler Wechsel?
Die formalrechtliche Auffassung des Herrn v. Jagemann wird einen lebhaften Widerspruch der Rechtslehrer und einen entrüsteten Protest im Volke wachrufen. Das wird dem Urheber dieser seltsamen Begriffsdefinition am besten zeigen, daß das Reich und seine Verfassung doch etwas mehr sind, als ein Blättchen Papier, das ein einmütiger Beschluß des Bundesrats in alle Winde verwehen kann. Es ist das köstlichste Gut der deutschen Stämme, an dem nicht gerüttelt werden darf— nicht einmal in der Theorie, wie das der ehemalige ^ifdje Gesandte versucht hat. ,
Ein Fall plötzlich auskrecheuden Tropenkollers hätte beinahe ein paar braven deutschen Kriegern in Deutsch-Südwest, afrika das Leben gekostet. Auf der Fahrt von Windhuk nach Karibik bestieg am 21. Mai der italienische Bahnarbeiter Simon Antonio den Waggon, in dem der bei Owikokorero zweimal verwundete Oberleutnant Herrmann mit noch einigen Rekonvaleszenten sich befand, um nach der Heimat zurückzukehren. Ein Kilometer vor Karibik gab der plötzlich irrsinnig gewordene Antonio ohne Veranlassung nietete Revolverschüsse auf die übrigen Insassen des Waggons ab, sprang dann, während bot Fahrt aus dem Waggon und verschwand in dem nahen Busch. Oberleutnant Herrmann erhielt eine leichte Verwundung am rechten Unterschenkel, der Seesoldat Kiseling von der vierten Compagnie einen Schutz in den Rücken, ein eingeborener ~ " in den Kopf. Antonio konnte bisher
Geilshausen mit Odenhausen und NüddingS- hausen Kesselbach.
Gießen Gießen.
Großen-Buseck Großen-Buseck.
Groken-Linden _ Großen-Linden.
Grünberg. Watzenborn. Hattenrod. Heuchelheim Grüningcn. Hungen. Londorf.
Allendorf a. d.Lahn. Großen-Linden.
Lich.
Großen-Linden. Lich.
Saasen Ruttershausen. Londorf.
Staufenberg. Langsdorf Reiskirchen. Reiskirchen. Annerod.
1-5. Grünberg, Beltershain, Göbelnrod, Lauter, Stockhausen, Weickartshain
1*6.
17.
18.
19.
2 0.
21.
Grünlngen, Dorf-Gill
HatUnrod mit Harbach
Heuchelheim
Holcheim
Hungen, Inheiden und Utphe
Kesselbach
22. Klein-Linden
23 Lang-GönS
24. Langsdorf, Birklar und Bettenhausen
2:5. Leihgestern
2 6. Lich
27. Lindenftruth
28 Lollar
29. Londorf mit Allertshausen
30. Mainzlar mit Daubringen
31. Muschenheim mit Arnsburg
3*2. Oppenrod und Burkhardsfelden
33. Reiskirchen
34. Rödgen mit Trohe
35. RöthgeS, Wittingen, Nieder-Bessingew roth, Ober-Bessingen
i, Nonnen-
36. Ruttershausen
36 a. Saasen
37. Staufenberg
38. Steinbach mit Albach 1
39. Steinberg
40. Steinheim, Rodheim, Langd, Rabe t-hausen und Trais-Horloff
41. Tr> is a. d. Lda.
42. Watzenborn
43. Wettershain, Lumda, Stangenrod (
44. Wieseck
Der Fleischbescharrer
Bremser einen Schutz nicht gefatzt werden, das Lazarett Karibik weise gut.
Das Befinden der Verletzten, die in gebracht wurden, ist eufreulicher-
Ettingshausen. Lollar.
Lindenstruth. Lollar.
Steinbach. Watzenborn.
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Hungen.
Treis a. d. Lda. Steinberg.
Geilshausen. Wieseck.
Der Fleischbescharrer hat seinen Amtssitz jeweils in dem zuerst angeführten Orte.
Gießen, den 18. Mai 1904.
GcoßherZogliches Kceisamt Gießen.
I. V.: Hechler.
BeLKNNtmachNKg.
Die als Schiedsmänner bezw. Schiedsmannsstellvertreter wieder gewählten:
1. Ludwig Euler,
2. Ludwig Schneider VI.
3. Wilhelm Müller,
4. Christian Rau
für den Bezirk Oberhausen, für den Bezirk Salzböden,
find in Gemäßheit des § 5 der Schiedsmannsordnung durch Verweisung auf den bereits nach ihrer ersten Wahl geleisteten Eid von dem Königlichen Amtsgericht in Fronhausen wieder verpflichtet worden.
Wetzlar, den 20. Mai 1904.
Der Landrat:
J. V.: Rotberg, Negierungs-Assessor.
Das Deutsche Rei.?; ,auf Kündigung'.
Der ehemalige badische Gesandte in Berlin, Herr v. Jagemann, der sich nach seiner Abberufung als Rechtsprofessor in Heidelberg habilitiert hat, ist mit einer höchst bedenklichen Auslegung über den staatsrechtlichen Charakter des Reichs hervorgetreten. Er sieht darin lediglich einen Fürsten -
Gegen die Herero
sind größere Schläge in den letzten Sagen nicht geführt worden. Die neueste Meldung des Gouverneurs Leutwein aim Windhuk besagt:
Die Kolonne E st o r f f ist am 21. von O t j o s o n d n auf Okamatangara vorgerückt. Dabei ist von Oberleutnant B ö t t l i n eine Hererowerft ü ber- r a s ch t und ihr Vieh und ein Teil der Waffen abgenom- men worden.
Da den Herero nur ein Teil der Waffen ab genommen worden ist, scheinen die Bewohner der Hererosiedlung nicht 'amtlich in die Hände der beutfete Truppen gefallen zu sein Einige von ihnen sind offenbar entwischt.
In einer anderen Meldung stellt Oberst Leritwein fest, daß er am 9. April bei Onganjira und am 13 bei Ovrumbo nicht gegen denselben Feind gefochten hat. Im ersten Gefechte hat er den Oberhäuptling Samuel M a h a r e r o geschlagm. An bessern Verfolgung wurde er durch die Streitkräfte des Häuptlings Kaja t a, die in seiner linken Flanke standen, gehindert, sie mußten zunächst am 13. angegriffen werden.
Gegenüber verschiedenen Blättermeldungen wird neuerdings nochmals offiziös versichert, seitens des deutschen Gouvernements seien an die Herero überhaupt nur 7 G g - wehre Aèodell 71 und 578 Patronen verkauft worden. Die Waffen der Herero stammen mit Ausnahme dieser sieben Gewehre aus England und sind von Engländern und Portugiesen in die Kolonie eingeführt worden.
Verschiedene Blätter wußten davon zu berichten: Da die Vorgänge in Südwestafrika es erwünscht erscheinen ließen, rüste das Flaggschiff der amerkianischen Kreuzer- division, die „Vineta", sich zu einer Reise nach den westafrikanischen Gewässern. Diese Meldung ist, wie unser Berliner ä'S-Mitarbeiter uns aus zuverlässiger Quelle meldet, unzutreffend. Me „Vineta" bleibt in den amerkanischen Gewässern und auch kein anderes deutsches Kriegsschiff wird nach der Kolonie in See gehen.
Man batte die Entsendung der „Vineta", mit der zugleich die des in Ostasien stationierten „Bussard" nach Ost- afrika parallejl gehen sollte, in Verbindung mit einer seltsamen Nachricht gebracht. Aus Marinekreisen hatte norm lich ein Berichterstatter gemeldet: Die für Südwestafrika bestimmten Truppen, deren Zahl noch erheblich verstärkt werden werde, sollten nicht in erster Linie der Niederwerfung des Herero-Aufstandes dienen, sondern in der Näbe von
Der Krieg in Oftafien.
Nach dem Stillstand der Operationen auf der Linie Fönghwanghtscheng—Liautschang steht Port Arthur wieder einmal unbestritten im Vordergrund des Interesses. Wie es heißt, soll die Garnison mit japanischen Truppen ein Gefecht gehabt haben. Aus Petersburg wird über dieses
angebliche Gefecht bei Port Arthur folgendes gemeldet:
Ein Telegramm, welches der russische Konsul in Tschifu tm den Minister des 21engeren richtete, meldet, daß in Tschifu angekommene Chinesen erklärten, daß die Truppen des Generals Stößel ein schweres Gefecht mit den Japanern gehabt hätten. Die Japaner sollen hierbei Verluste von 1500 Mann gehabt haben, während die Russen 300 Tote und Verwundete verloren. Ein Generalstabs- offizier erklärt hierzu, eine Bestätigung dieser Vteldung sei nicht eingegangen, aber die Nachricht sei nicht unwahrscheinlich.
Unwahrscheinlich schon deshalb nicht, weil, wie öfter betont, die Japaner alles daran setzen werden, Port Arthur in ihre Hand zu bekommen, da das nationale Verlangt dahin geht, sich dieses Platzes zu bemächtigen.
Ein weiteres Telegramm aus Petersburg bezieht sich wahrscheinlich auf dieselbe Affäre. Danach rückte Genenal Fock mit acht Bataillonen und zwei Batterien von Port Arthur nach Norden und stieß zwischen Wafandjan und Pulantien auf eine weit stärkere Abteilung Japaner mit 24 Geschützen. Es entspann sich ein scharfes Gefecht, wonach die Russen in ihre Position nach Kintschau zurückkehrten; General Fock hatte 150 Mann an Toten imb Verwundeten verloren, darunter neun Offiziere. Die Japaner erlitten große Verluste.
Japanischer Verlust zur See.
Während der häufigen gewaltsamen Rekognoszierungen der japanischen Flotte vor Port Arhur wurde der iapanische Torpedobootzerstörer „Akutsuki" von einer feindlichen Granate getroffen, und 25 Manu an Bord wurden getötet, darunter ein Offizier.
Auch die Russen haben ein nenes Schiffsunglück zu verzeichnen gehabt. Satz noch nickt vollständig fertiggefteUte Panzersckiff „Orel" begann infolge mangelhaften Materials zu sinken nnd konnte nur mit größter Mühe über Wasser gehalten werden.
Die allgnneine Kriegslage
hat sich — so schreibt uns unser ^-Mitarbeiter — im Augenblick anscheinend beben Liib zugunsten der Russen geändert. Man muss sich darauf beschränken, „anscheinend" zu sognn