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Nr. 47.

__Donnerstag, den 25. Februar 1804.

WH»»«e«eNtSpreiS: in Gießen, abgeholt monatlich 60 Pfg., W- H«us gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mk. 1.50.

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Gießener

13. Jahrgang.

JnsertisASpreiS r Die einspaltige Petitzeile für ganz YW Hessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. f^ 15 «1^ Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen, Selters weg 86, Fernsprechanschluß Nr. 362.

Aeaeste Machrichlen

(chießerrer HÄgeSratt) MaVYLaMe Tageszeitung (Gießenee Zeitung)

für Oöerhefsm und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gietzen und Umgebung. Snttiâlt alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Vizeadmiral Makarow, ist zum Oberbefehlshaber der Flotte des Stillen Ozeans ernannt worden; an seine Stelle tritt der älteste Flaggmann Biriliofst Die Abreise Kuropatkins nach dem fernen Osten erfolgt erst am 9. oder 11. März.

* * *

Der Krieg in Ostasien.

Im Vordergrund des Interesses steht heute weiter der Inhalt der russischen Note, in der Japan des Völkerrechts­bruches beschuldigt wird. Sie liegt jetzt im Wortlaut vor. Die russische Regierung legt darin das Schwergewicht auf

die Besetzung des neutralen Korea durch Japan, die noch vor der Eröffnung der Feindseligkeiten erfolgt sei. Dem Kaiser von Kor^a sei durch den japanischen Gesandten in Söul erklärt, Korea befände sich nunmehr unter japa­nischer Verwaltung, und ihm angekündigt, daß, wenn er sich nicht fügen sollte, japanische Truppen seinen Palast be­setzen würden.

Weiter beklagen sich die Russen darüber, daß die Japaner den russischen Gesandten aus Söul vertrieben haben. Ein zweiter wichtiger $umt ist die

Ueberrumpelung der russischen Kreuzer vor Tschemulpo, die den Japanern nur durch ein völkerrechtswidriges häß­liches Manöver geglückt sei.

Mit einer Abteilung ihres Geschwaders — so lautet dieser Teil der russischen Antlagenote — machten die Ja­paner am 8. Februar, d. h. drei Tage vor der Kriegs- erklärung, auf zwei russische Kriegsschiffe einen Angriff, die sich im neutralen Hafen Tschemulpo befanden und deren Kommandanten von dem Abbruch der Beziehungen mit Japan nicht unterrichtet waren, da die Japaner bös­willig die Uebermittelung russischer Telegramme durch das dänische Kabel verhinderten und die Leitung des korea­nischen Regierungstelegraphen unterbrachen.

Wir ^avea bei Beginn des Krieges darauf hingewiesen, daß die Besetzung des neutralen Korea durch Japan aller­dings völkerrechtswidrig war; doch werden die Japaner wahrscheinlich zu ihrer Entschuldigung die unbedingte Not­wendigkeit dieses Schrittes anführen. Was den zweiten Punkt anbelangt, so wird man, um sich ein endgültiges Urteil zu bildM, erst eine japanische Gegenerklärung abwarten müssen. Es hat überhaupt für den Zuschauer sehr wenig Zweck, sich mit der recht knifflichen Frage des Völkerrechts­bruchs zu befassen. Viel wichtiger ist es, die praktischen Fol­gerungen aus dem gegenwärtigen Stand der Angelegenheit zu ziehen. Das Facit ist, daß

der Weltkrieg vor der Tür

steht, wenn die Russen ihre Anschauungen in die Tat um­setzen. Sie stellen den Neutralitätsbruch der Japaner gegen Korea doch sicherlich aus keinem anderen Grunde den Mächten vor Augen, als dem, sich von vornherein für ein eventuelles Vorgehen in China die passende Entschuldigung zu schaffen. „Was Japan in Korea recht ist, kann uns in China nur billig sein." England wird allerdings in dieser Frage, das kann nicht oft genug betont werdien, anderer Ansicht sein und Ruß­land, sobald es Miene macht, in China einzurücken, ein energisches „Bands off!" zurufen. Dafür bürgen seine fieberhaften Rüstungen. Spricht man doch in Londoner ein­geweihten Kreisen davon, daß die Regierung in den nächsten Tagen dem Parlament einen gewaltigen Nachtragskredit vor­legen wird. Ebenso sollen in Frankreich 10 Millionen ge­fordert werden. Uebrigens ist der erste glimmende Funken, der in das russisch-chinesische Pulverfaß zu fallen drohte, noch zur rechten Zeit ausgelöscht worden. Aus Tientsin wird gemeldet:

Der Protest Rußlands gegen ein Vorrücken der kaiser­lich chinesischen Truppen in das Gebiet des Liao-Flusses hat anscheinend bereits seine Wirkung getan, da die chine­sischen Truppen nur mit der Bahn bis Lantschau, halb­wegs zwischen Tientsin und Schanhaikwan, fahren, statt bis in das Gebiet des Liao-Flusses.

Damit wäre die erste Gefahr beseitigt, aber wie lange wird es dauern, und Rußland hat einen neuen Grund, seine vitalen Interessen in China kriegerisch wahrzunehmen. Dann aber wird, wie gesagt, England ins Spiel mit hineingezogen, und einer nach dem anderen der Neutralen müßte den Tanz mitmachen. Hoffentlich gelingt es der Diplomatie noch in letzter Stunde, die Gekabr au beseitigen.

Fremde Prinzen im russischen Heere.

Neben mehreren russischen Großfürsten, die in aller- nächster Zeit zum Hauptquartier nach Charbm abgehen sollen, werden auch fremde Fürstensöhne in den russischen Rechen kämpfen. Arsen Karageorgiewitsch, der Bruder des Serben­königs. ist zum Kommandeur des russischen ersten trans­baikalischen Kosaken-Regiments ernannt worden. Don ^atme von Bourbon, der älteste Sohn des spanischen Thronpraten- denten Don Carlos, wird ebenfalls dem Zaren seinen

zur Verfügung stellen. Er wurde in Rom vor seiner W reise nach Petersburg vom Papste empfangen. Der Prinz wird eine Audienz beim Zaren haben und dann als Leutnant im Grodnoschen Leibhusaren-Reginât mit General $uro= Patkin nach dem Kriegsschauplatz abreisen. In den höheren russischen Komandostellen ist eine wichtige Aenderung em- aetretcn: Der Kommandant und Gouverneur von Kronstadt.

Schwere Niederlage der Japaner.

Nachträglich kommt eine Meldung von russischer Seite, die über eine

schwere Niederlage der Japaner vor Port Arthur berichtet. Das Telegramm lautet:

Ein erneuter Angriff der japanischen Flotte ist abge­schlagen worden. Vier japanische Panzerschiffe und zwei ja­panische Transportschiffe sind zum Sinken gebracht. Beson­ders das Panzerschlachtschiff „Netwisan" hat sich mit Ruhm bedeckt.

j^eue Gefechte im Fiererogebiet.

Eine amtliche Mitteilung des Gouverneurs unserer süd­westafrikanischen Kolonie weiß von zwei neuen erfolg- reichenGefechtenimHererogebietzu berichten. Die Meldung lautet:

Eine Abteilung unter Oberleutnant Schultze er­beutete am 8. Februar in einem Gefecht südlich Tsumanas 300 Stück Großvieh und 400 Stück Kleinvieh. Der Feind hatte 10 Tote, diesseits kein V e r l u st. — Am 2. Februar haben Ovambos des Kapitäns Nechale den Polizei­posten Amatoni angegriffen, wurden aber mit einem Verlust von sechzig Toten abgeschlagen. Der Posten wurde später eingezogen. Die Ovambos des Kapitäns Kambonds sind bis jetzt friedlich. Major v. E st 0 r f f hat die Verbindung mit Outjo hergestellt.

Von großer Tragweite für die Dauer des Aufstandes in der Kolonie und auch für die Schwierigkeiten, die zu über- loinben fern werden, ist die in dieser Meldung des Gouver­neurs enthaltene Mitteilung, daß nun auch ein Teil der O v a m b 0 sich empört und Angriffe auf das Leben und Eigentum Deutscher unternommen haben. Die Teilnahme der kriegerischen und von der deutschen Regierung noch völlig unabhängigen Ovambo an dem Hereroaufstand war von Ken­nern des Landes immer als eine schwere Gefahr bezeichnet worden. Da wir jetzt eine verhältnismäßig starke Truppen­macht in der Kolonie haben, ist diese Gefahr nicht mehr so groß. Vielleicht ist eine Beteiligung der Ovambo am Auf­stande sogar in gewisser Beziehung willkommen zu heißen. Insofern nämlich, als das den Anstoß zu der längst not­wendigen

Unterwerfung der Ovambo geben würde, um die wir doch nicht herum kommen, und die um so wirksamer sein wird, je eher sie erfolgt. Für Kenner der Kolonie steht es schon heute fest: Wollen wir aus Deutsch- Südwestafrika wirklich etwas machen, so reicht die Entwaff­nung der Herero nach ihrer Niederwerfung nicht aus, viel­mehr ist es nötig, daß Deutschland ungesäumt auch mit den Ovanrbo sich auseinandersetze und sie entwaffne. Das muß geschehen, damit Derllschland sich nach Niederwerfung der Herero nicht noch weiteren unliebsamen Ueberraschungen für die Zukunft aussetzt, und auch deshalb, weil das Ovambo- gebiet wirtschaftlich nutzbar gemacht werden muß.

So urteilen Kenner der Verhältnisse, und zwar solche, die mit den Regierungskreisen in Fühlung stehen. Unser Ber­liner ^.-Mitarbeiter glaubt uns denn auch mit gutem Grunde versichern zu können, daß beim Kolonialamt die Aus­dehnung der kriegerischen Aktionen auf die Ovambo — spä­testens nach der Niederwerfung des Hereroaufstandes — beschlossene Sache ist.

In einer weiteren Depesche legt Gouverneur Leutwein die gegenwärtige 51riegslage

und den Operationsplan der deutschen Truppen dar. Die Kriegslage ist demnach folgende: Die Ostabteilung unter Major v. G l a s e n a p p marschiert über G 0 b a bsi s gegen den Häuptling Tjetjo und sperrt die Grenze. Die Hauptabteilung sammelt sich bei Qkah an dj a und beschränkt sich bis zum Eintreffen der Verstärkung auf kleine Vorstöße gegen den anscheinend bei Otjosongatt und Waterberg in abwartender Stellung befindlichen Feind. Die We st abteil ung unter Major v. E st 0 r f f geht auf Outjo vor und entwaffnet den Omaruru-Stamm. Vom Süden des Schutzgebietes her ist eine Konrpagnie und eine Gebirgsbatterie in Anmarsch. Zum Schutz des Südens blei­ben eine Kompagnie und zwei Geschütze dort zurück.

Sehr erfreulich sind zwei Nachrichten, die von amtlicher Seite verbreitet werden. Sie betreffen

staatliche und private Hilfsaktionen

für die durch den Aufstand geschädigten Ansiedler., Was,die staatlichen Hilfsaktionen für diese Leute betrifft, so beabsich­tigt die Regierung die Einbringung eines Ergänzungsetats für 1904, in dem zunächst zwei Millionen zur Entschädi- oerlusbe gefordert werden sollen. Der Gesamtschaden wird auf sechs Millionen geschätzt: sobald er festgestellt ist, sollen weitere Forderungen von der Regierung erhoben werden. — Die private Hilfsaktion soll sich darin äußern, daß die Landesvereine vom Roten Kreuz und die mit ihnen verbündeten Vereine ihre Tätigkeit nicht nur aus die Truvven beschränken, sondern sie auch den Zivilpersonen

im Schutzgebiete nach Möglichkeit zuwenden werden. Beides wird von den Ansiedlern wie in der Heimat dankbar empfunden werden.

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Auch der zweite Truppentransport, der am 30. Januar auf dem Dampfer „Adolph Wörmann" von Hamburg ab­gegangen war, ist gestern in Swakopmund einge- tröffe n.

Die Politik.

4= Die dem Reichstage soeben zugegangene Börsengesetz- novclle hält im großen und ganzen die Grundbestimmungen des Börfengesetzes vom 22. Juni 1896 aufrecht. Insbeson­dere bleiben das B ö r s e n r e g i st e r, für das jedoch d-ie Eintragungskosten bedeutend herabgesetzt werden, und das Verbot des Termin Handels in Anteilen von Berg­werks- und Fabrikunternehmungen, sowie in Getreide bestehen. Ja, das Terminhandelsverbot wird noch durch die ausdrückliche Feststellung verschärft, daß die Erfüllung der Verbindlichkeil aus einem unerlaubten Börsentermingeschäft verweigert werden kann. Andererseits schränkt die Novelle in einigen Punkten das Gesetz von 1896 ein. So soll der Negistereinwand fortan auch denjenigen versagt sein, welche zur Zeit des Geschäftsabschlusses als Kaufleute in das Han­delsregister eingetragen waren oder damals oder früher be­rufsmäßig Börsen- oder Bankiergeschäfte betrieben oder eine Börse nicht bloß vorübergehend besucht haben. Ferner soll die Erfüllung von Verbindlichkeiten aus Börsentermin­geschäften nicht mehr nach unbegrenzter Zeit, sondern nur dann verweigert werden dürfen, wenn der Schuldner binnen sechs Monaten dem Gläubiger gegenüber diese Wei­gerung erklärt hat. Me Bestimmungen, welche die Novelle hinsichtlich der Zahlungen, Anerkenntnisse, Weigenmgsfrist, Sicherheitsleistungen u. s. w. bezüglich des R e g i st e r ein- wandes enthält, sollen auch gegenüber dem Differenz- einwande gelten. Bemerkenswert ist auch, daß nach' dem neuen § 69 für solche Börsenterminspieler, welche zur Zeit der Eingehung des Geschäfts in ein Börsenregister für den betreffenden Geschäftszweig eingetragen waren, der Einwand aus § 764 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (Spiel und Wette) nicht mehr erhoben werden kann.

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^ Im Auftrage der deutschen Regierung hat das Lon­doner Kabinet jetzt der kanadischen Regierung das Ersuchen Deutschlands unterbreitet, einen Vertreter zu ernennen, der mit , einem deutschen und einem britischen Kommissar eine Revision des gegenwärtigen deutsch-kanadischen Kampstarifs erörtern soll. Kanadas Stellungnahme dazu ist noch nicht bekannt. Wahrscheinlich wird es die Angelegenheit dem Kolonialamt in London überweisen. Daß Deutschland, ob­wohl der ganze Zollkrieg von Kanada angezettelt war und obwohl Kanada von dem Zollkrieg mehr Nachteil hatte als wir, doch den ersten Schritt zur Anbahnung normaler Be­ziehungen getan hat, wird sich vielleicht einem Gegner wie den Kanadiern gegenüber, die Europens Höflichkeit nicht kennen, als ein Mißgriff herausstellen.

^ Selbst am Hochaltar schweigt der polnische Deutschenhaß nicht. Der katholische Geistliche in Kosten (Provinz Posen) oersuchte in ^^r dortigen katholischen Pfarrkirche eine Predigt in deutscher Sprache zu halten. Kaum hatte er zu sprechen begonnen, als die in großer Zahl erschienene Gemeinde ge­räuschvoll sich von ihren Plätzen erhob und lärmend die Kirche verließ. Infolgedessen erklärte der Geistliche, er habe einer „andächtigen" Gemeinde niitzuteilen, daß er wegen des entstandenen Lärms seine Predigt abbrechen müsse. Und beseligt zogen die Helden von dannen. Der Krug geht so lange zu Wasser, bis er bricht. Vielleicht bewahrheitet sich die Wahrheit dieses Sprichworts an den polnischen Fanatikern, che sie sich's versehen.

G In der zweiten sächsischen Kammer lehnte der Minister v. Metzsch die Antwort auf die Frage ab, wie es mit den Handelsverträgen stehe. Er lehntre es auch ab, auf eine Kündigung der Handelsverträge bei der Reichsregierung hin­zuwirken. Der Minister versprach aber, ein Gesetz über den Kontraktbruch ländlicher Arbeiter in Erwägung zu ziehen. Dabei werde man auch suchen, Gesindevermittler, die kontrakt­brüchig gewordenes Gesinde vermieten, und Arbeitgeber, die solches Gesinde beschäftigen, unter Strafe zu stellen.

Hfri&a.

dËP Das englische Expeditionskorps im Somalilande leidet unter der Masse der Ueberläufer aus dem Heere des Mullah. Dieser scheint, um Lebensmittel zu sparen, alle Anhänger, die für den Gebrauch im Felde minderwertig sind, von sich abzustoßen; die Leute hängen sich dann wie Kletten an die englischen Truppen an. Sie leben von den Abfällen des Lagers, und man fürchtet mit Recht, daß sie alle mög­lichen Krankheiten auf die englischen Militärposten an der Marschstraße übertragen. Es scheint, daß man es auf­gegeben hat, den Mullah in dem diesjährigen Feldzuge zu fangen. Dieser treibt sich mit seinen Leuten irgendwo in der Wüste umher, wo ihm weder Abessynier noch Engländer folgen können. Die abessynischen wie die britischen Truppen sind deshalb nach ihren Standquartieren zurückgezogen worden.