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Freitag, den 24. März 1904

__________________13. Jahrgang,

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«toraemat H>teié : in Sießen, aLgrh.lt monatlich 50 Pfg., ^ H«us gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel- jShrttch Mk. 1.60.

Gmtt-betlMge«: Oberchefftfche KamilieNzeitUAg (täglich) imb die ®ieir*et Goife«bl«se« (wöchentlich).

^s Blatt erscheint a« «Sem Werktagen nachmittags.

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Hessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15

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PsstzeitungSliste No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg «

Fer«sprecha«schl»ß Nr. 362.

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Neueste Nachrichten

(Gießener Tagevkatt)

RnaßyLngige TageszeUung

(Gießener Reifung)

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für OSerheffeu und die Kreise Marburg und Wstzlar; Lokalarrzeiger für Gießen und Umgebung,

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

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Der Krieg in Ostasien.

Zuverlässige Nachrichten über neue kriegerische Ereig- rrft liegen nicht vor. Eine Londoner Meldung von einem blintigen Zusammenstoß zwischen russischen und koreanischen Trrstp-cu ist mit großer Vorsicht aufzunehmen.

Das aus Söul datierte Telegramm schildert dieses erste Treffen zwischen Russen und Koreanern

im folgen her Weise:

Kosaken sind in Kang-Kije, 60 Kilometer nördlich von 4Mcm, eingetroffen. Dort befinden sich zwei Bataillone koreanischer Truppen in Garnison. Die Russen verlangten Dom Kommandanten, die Kaserne den Russen einzuräumen, Ms der Kommandant ablehnte. Hieraus griffen die Ko- saken die Koreaner an; es entstand ein blutiger Kampf, Höbet die Russen 35 Tote hatten. Die Koreaner hatten 17 Tote und 20 Verwundete.

Schon das Zahlenverhältnis der Toten und Verwundeten ist geeignet, recht starke Zweisel an der Richtigkeit dieser Sen- saEonsuachricht zu erwecken. Bei der bekannten schlechten Ausbildung des koreanischen Müitärs ist es nicht gut anzu- nm hnmi, daß die Verluste auf Zeiten der Russen empfind liiijer gewesen seien, als auf Seiten der Koreaner.

Ueber die allgemeine Kriegslage

bringt die russische Telegraphenagentur folgende angeblich axf zuverlässigen Quellen beruhenden Mitteilungen aus Wouischang vom 24. d. Mts., die sich vor allem auch mit den Bewegungen der chinesischen Truppen an der Grenze der Mandschurei besassen:

General Ma hat sein Quartier nach Juntschau verlegt; feine Truppen sind nach Westen von der Hsinmintun-Bahn zurückgegangen. Generalgouverneur Juanschikai weilt in Tientsin, seine Truppen sind nach Paotingfu zurückgekehrt, Ho sie früher gestanden haben. Einem hartnäckig sich be- Hauptenden Gerüchte zufolge beabsichtigen die Japaner, in 'Gatsia (?) nördlich von Schanhaikwan Truppen auszu- Wffen. Zahlreiche japanische Spione befinden sich in Schanhaikwan und längs der Bahn von Niutschwang. Gne Abteilung des Generals Mischtschenko befindet sich toie bisher in Nordkorea, seine Rekognoszierungsabteilung ^or Andschu. In den letzten Tagen fanden keine Zu- .ammenstöße mit Japanern statt

Alls derselben Quelle verlautet weiter: General Line- WÄsch bewillkommnete General Kuropatkin, nachdem er dessen Abkunft im Transbaikalgebiet erfahren, telegraphisch und fügte hinzu: Die Truppen dürsten danach, sich an dem Feind 811 rächen und erwarten mit Ungeduld Ihre Ankunft. Wie an§ ber Südmandschurei und Korea gemeldet wird, ist dort alles still. Die Koreaner beklagen sich über barbarisches Ver- hockieu der Japaner, welche plündern, die Bevölkerung be­dungen, selten bezahlen und alles fortnehmen.

Gegen die von sensationslüsternen Korrespondenten Der= breiteten

Lügenberichte

wendet sich der russische Generalmajor Pflug in einem ener- gitieit Telegramm aus Mukden. Die englische Meldung Ägiden Uebergang der Japaner über den Tatungpaß sowie Me r Gefechte mit Russen und daß den Japanern der Weg zwm Vormarsch zum Motienpaß, wo angeblich eine starke Ab- teÄrmg Russen sei, offenstehe, erklärt er für die reinste Er- fmbung. Zu derselben Kategorie von Nachrichten gehören auch die aus japanischen Quellen geschöpften Meldungen des „Daily Telegraph" über ein am 19. März angeblich bei Port Aüftur stattgehabtes Gefecht und einen Zusammenstoß bei Smg-tsch-hön. Erfunden ist auch die Meldung des „Daily EHronicle", daß die Japaner Tatungkou überschritten haben. Wahrscheinlich gehört zu diesen von Generalmajor Pflug ge= gegelten Lügenberichten auch die Meldung, daß ein russisches Panzerschiff am letzten Freitag bei Port Arthur nach einem mehrstündigen Kampfe gesunken sei.

Der Gouverneur hat übrigens an das Zentral-HitfSt'onutee für die deutschen Ansiedler in Südwestafrika folgendes Tele­gramm gerichtet: „80 000 Mark auf Bezirksämter verteilt, weiterer Bedarf liegt vor." Das Komitee war in der Lage, weitere 20 000 Mark für die Ansiedler und deren Hinter­bliebene telegraphisch zu überweisen. Auf den vom Präsidium und Ausschuß der Deutschen Kolonialgesellschaft erlassenen Aufruf zur Hilseleistung für die notleidenden deutschen An­siedler in Südwestasrika sind aus Mitgliederkreisen bisher 123 245 Mark in bar eingegangen. Der Einlaus weiterer Beträge ist bereits angekündigt; die Sammlungen werden fortgesetzt.

^ Der Staatssekretär des Reichsamts des Innern hat die Bundesregierungen ersucht, durch die Gewerbeaussichts­beamten eingehende Erhebungen über die Gesundheits­gefahren, insbesondere über die Bleivergiftungs- und die Staubgefahr anstellen zu lassen, denen die Arbeiter der keramischen Industrie und der Emaillierwerke ausgesetzt sind. Diese Erhebungen sollen zur Grundlage neuer Verordnungen über den Schutz der in solchen Betrieben beschäftigten Ar­beiter gegen Berufskrankheiten dienen.

0 In der Reichshauptstadt ist gestern der bayerische Justiz­minister v. Miltner eingetroffen. Zweck seiner Reise ist die Teilnahme an Besprechungen über die gegenwärtig schweben­den Fragen aus dem Gebiet der Reichsjustizgesetzgebung. In erster Linie soll er die bayerischen Wünsche für die Entlastung des Reichsgerichts geltend machen.

0 Der Deutsche Handelstag hat gestern in Berlin seine 30. Vollversammlung begonnen.

das Thema Börsengesetz

Es wurde gestern zunächst und R e i ch s st e m p e l -

g e s e tz behandelt. Einstimmig nahm der Handelstag eine vom Ausschuß beantragte Resolution an, in der zu­nächst das Verlangen nach Beseitigung des Börsenregisters und des Terminhandelsverbots wiederholt, dann aber an­erkannt wird, daß die Novelle gegenüber den schweren Miß­ständen, die durch das Börsengesetz und dessen Auslegung entstanden sind, einen Fortschritt zum Besseren bedeutet. Im einzelnen werden dann noch weitere Verbesserungen vorgeschlagen.

<$ Der Leipziger Krankenkassen- und Aerzteftreit hat mit dem Siege der Krankenkassen geendet. Die Kreis­hauptmannschaft hat in einer Verordnung erklärt, die von den Krankenkassen vorgenommene Einführung des D i st r i k t s - arztsystems sei endgültig, da die Verträge nicht rück­gängig gemacht werden könnten. Damit ist der Kampf zu Ungunsten der Aerzte entschieden. Die Erregung unter ihnen ist groß.

. 0 Für die Rickert-Stiftung zur Begründung von Volks­bibliotheken in wenig bemittelten Landgemeinden sind im Fahre 1903, dem ersten Jahre ihres Bestehens, 16 025,20 Mark eingegangen. Die Tätigkeit der Stiftung begann im Juni v. I. Bis Ende 1903 wurden an 96 Bibliotheken 1036 Bände abgegeben. Die Einnahmen aus Zuschüssen und Zinsen betragen 721,65 Mark, die Ausgaben 1375,59 Mark. Der Fehlbetrag wurde aus das Konto der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung übernommen. Dieser Gesell­schaft gehört nämlich die Rickert-Stiftung als besonderer Fonds.

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Die Politik.

X Die Operationen gegen die Herero werden in der Hauptsache er st Mitte April beginnen können. Erft darin wird der Haupttrupp des deutschen Expeditionskorps, der etwa 600 Mann zählt und bei Okahandja steht, beritten gemacht sein und gegen die Onjatiberge Vorgehen. Die dort stechenden Kolonnen v. Glasenapp und v. Estorfs werden bis Zum Eingreifen des Haupttrupps sich darauf beschränken müssen, dem Feinde den Weg über die Grenze zu verlegen. Gouverneur Leutwein hat beim Kolonialamt die schleunige Entsendung von 10 Lokomotiven und etwa 20 Waggons ge= besen, um die Leistungsfähigkeit der Bahn nach Möglichkeit zm erhöhen. Da die Verbindung der verschiedenen Kolonnen untereinander durch Patrouillen kaum herzustellen sein wird, so hat der Gouverneur auch Funken-Telegraphenwagen be- ÜeÄt, die mit den nächsten Transporten abaeben werden. —

Oesterreich-Ungarn»

®* Dem ungarischen Abgeordnetenhause ist eine Ersen­bahnvorlage zugegangen, die für den Bau von Eisenbahnen nnd andere öffentliche Arbeiten die Bewilligung von 320900 000 Kronen fordert. Die Bauten sollen binnen 6 Jahren beendet werden.

frankreich»

4* Das vielerörterte französisch-englische Kolonialabkommen soll jetzt im Entwurf fertig sein und demnächa den Parla­menten beider Länder vorgelegt werden. Ueber den Jnhatt des Abkommens verlautet folgendes: In Neufundland gibt Frankreich alle territorialen Rechte und auch die „French shores" an England ab und erhält dafür eine Geldentschädi­gung für die daselbst befindlichen Hummerfischereinieder­lassungen. Als Entgeld gesteht England Frankreich eine Grenzregulierung im Sokoto-Gebiet zu, durch welche Frank­reich eine leichtere Verbindung zwischen zweien seiner Be­sitzungen in Westafrika erhält. Was Aegypten und Marokko anlangt, so wird die Fassung der hieraufbezüglichen Abmachungen noch einiger Verhand­lungen bedürfen, um etwaige spätere Schwierigkeiten hintanzuhalten. Frankreich verlangt als Ersatz auf die Ver­zichtleistung auf gewisse Rechte in Aegypten, daß England verschiedene Ansprüche fallen läßt, die es in Marokko zu besitzen vorgibt. Betreffs S i a ni s wird mitgeteilt, daß nur zwei Punkte des englisch-ftanzösischen Vertrages von 1896 eine genauere Fassung erhalten sollen. Jnbetreff der Neuen Hebriden wird im Abkommen nichts enthalten sein. Wer bei diesem Abkommen der Dumme ist, läßt sich noch nicht übersehen. Aber man kann wohl tausend gegen eins wetten, daß England es nicht sein wird. Der Verzicht Frankreichs auf Aegypten ist allein schon für England wertvoller als alle von ihm gemachten Zugeständnisse für die Franzosen.

Bof und Gesellschaft.

*** Der Kaiser ist gestern abend an Bord des „König Albert", begleitet vom Panzerkreuzer „Friedrich Karl", vor Neapel eingetroffen und von den Behörden und der Be­völkerung herzlich bewillkommt worden. Zur Begrüßung der beiden Schiffe hatten sämtliche im Hafen liegenden Fahrzeuge ihre Flaggen gehißt. Das italienische Geschwader unter dem Befehl des Admirals Morin gab den donnernden Salut ab. Eine überaus großeVolksmenge belebtdenHafenund die angrenzenden Straßen. Tie deutsche Kolonie war dem Kaiser auf dem Dampfer „Principessa Acasalda" entgegengefahren und als der Kaiser auf der Kommandobrücke erschien, grüßte ihn das „Heil dir im Siegerkranz". Der Kaiser dankte und grüßte wiederholt. Auch „Die Wacht am Rhein" wurde an- geftimmt. Der König von Italien richtete folgendes Tele­gramm an den Kaiser: Im Augenblick, wo du als hochlvill- kommener Gast italienischen Boden berührst, wünsche ich, in­dem ich mich freue, dich bald wiederzusehen, daß einstweilen der erste Gruß dir von mir, deinem ergebenen Freunde und treuen Bundesgenossen zugehe. Victor Emanuel.

Beer und flotte.

Ueber wichtige Versuche mit Torpedobooten wurden in der letzten Sitzung ,i des schleswig-holsteinischen Bezirksvereins Deutscher Ingenieure interessante Einzelheiten mitgeteilt. Die Versuche sind in der Danziger Bucht veranstaltet worden. Es handelte sich um die Ermittelung des Einflusses der Wassertiefe auf die Geschwindigkeit der Torpedoboote. Hierbei ergab sich, daß bei 12 Seemeilen Fahrgeschwindigkeit und darunter ein Einfluß der verschiedenen Wassertiefen nicht zu bemerken war, daß dagegen bei Geschwindigkeiten von 15 bis 21 Seemeilen der Einfluß umso ungünstiger wurde, je geringer die Wassertiefe wurde. Auf dem flachen Wasser von 7 Meter Tiefe war etwa die doppelte Leistung der Maschinen notwendig, um die gleiche Geschwindigkeit wie auf dem tiefen Wasser zu erhalten. Wurde die Geschwindig­keit des Bootes noch weiter gesteigert, so ergab sich die auf­fallende Erscheinung, daß dann der ungünstigste Fall für die Geschwindigkeit des Bootes nicht mehr bei der Wassertiefe von 7 Meter, sondern vielmehr bei 15 bis 25 Meter Wasser­tiefe eintrat und daß dann das ganz flache Wasser viel günstigere Resultate lieferte, als das Wasser von 60 Meter Tiefe. An diese Ergebnisse knüpfte der Referent den Wunsch, daß auch mit großen Schiffen, deren Formen erheblich von denen der Torpedoboote abweichen, ähnliche Versuche vor­genommen werden möchten, um eine vollständige Klärung des Einflusses der Wassertiefe herbeizuführen.

Das Urteil im Oldenburger

JVIini st erb eleidigungs-proze fg wurde gestern nachmittag gesprochen. Der Angeklagte Redak­teur Kruse wurde wegen Beleidigung des Ministers Ruhstrat zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.

Ueber die Verhandlung wird uns von unserem Hx.-Be- richterstatter aus Oldenburg noch folgendes mitgeteilt:

Der „Wahrheitsbeweis" des Angeklagten beruhte in der Hauptsache auf der bereits bekannten Tatsache, daß der Minister früher als Staatsanwalt ein leidenschaftlicher Spieler gewesen sei. Der Staatsanwalt Riesebieter wandte dagegen ein, daß diese Veweisanträge zu der Behauptung, der Minister habe die Ehre des Landes geschändet, doch in keiner Beziehung stehen könnten. Der Gerichtshof lehnt sie denn auch ab, doch bringt der Verteidiger vorher eine ganze Menge pikantes Material gegen Ruhstrat zu Tage. Nach Aussage eines Kellners sei im Eilersschen Restaurant der tollste Spieler der Damalige Oberstaatsanwalt Ruhstrat gewesen, dem er und der Wirt mehrmals Geld geliehen habe. Der Minister schulde ihm sogar noch einen kleinen Betrag. Als Herr Eilers einmal sagte, er könne ihm kein Geld geben, langte Herr Ruhstrat in dessen Tasche, zog den Schlüssel heraus, ging mit Herrn Eilers in dessen Kontor und schloß selbst den Sekretär aus, worin die Geldkasse stand. „Es wurde nicht nur sehr hoch, sondern auch sehr lange gespielt oft bis zum anderen Mittag, wenn schon die anderen Gäste zum Frühschoppen kamen. Ich verdiente oft in einer Nacht weit über 100 Mark, obwohl ich damals noch Lehrling war und erst 15 Jahre alt Eilers war hierüber ungehalten. Er hatte mir verboten, den Herren Geld zu leihen. Einmal kam er hinzu, als Leut­nant Kögel mir Geld zurückgab. Er schlug mich deswegen nachher heftig und sagte: „Du L . . . . junge verdienst ja viel mehr Geld als ich!" Er spuckte mir dabei wiederholt ins. Gesicht."

Das Gericht kam zu seinem obigen Spruche, weil der Ausdruck: er habe die Ehre des Landes geschändet, eine schwere Beleidigung bes Ministers enthalte. Es könne hier nur darauf Bezug genommen werden, was früher festgestellt worden ist Weitere Momente noch heranzuziehen, erschien nicht nötig und zweckentsprechend.