A. 144
Mittwoch, den 22. Juni 1904.
13. Jahrgang
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; ^>M«Me»e«t»»reiS: in Gießen, abg^ett monatlich 50 Pfg., ^ HouS gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen irterNl- jihrktch 9tt 1.60.
^stSbett»^ : ObeeheffNcke K»»â»z»1t«<g (Wit) und die «Hefte*«* •etfe*H*N* (wöchentlich).
3M Statt erscheint m ele* akrtteet* »«churitt«--.
A«feHsti»«SpreiS r Die einspalnge VenneUe für a«nz Cb- 1* hesien, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Via >>nü 15 ^m.
Nekl«men die Veluzeile 30 reiu. 4:> ^.
WWB Postzeitungsliste No. 3269.
\ Nttzâo» und Expedition : Gießen, Seltersweg M
Aernsprechintschlust Nr. 868.
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Aeuelle Machrichte«
(Gießener Uageötatt)
N«aöhâ«8ige Tageszeitnttg
(Gießener Zeitung)
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für OLkrheffm und die Kreise Marburg und Wstzlar; LökalKAZMer für Gèeßm und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmackunaen bet Giro^h. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen
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Bekanntmachung.
Sete.: Den Ausbruch der Schweineseuche (Schweinepest).
Mit Rücksicht darauf, daß zur Zeit in einzelnen Urteil des Kreises Friedberg die Schweineseuche (Schweinepest) herrscht, bringen wir wiederholt zur Kenntnis der Interessenten, daß der Austrieb von Schweinen aus dem
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a.; . Mise Friedberg auf die Märkte im Kreise Gießen ver- _____Boten ist.
Gießen, den 20. Juni 1904.
Gießen, den 20. Juni 1904.
Phart, in Gangtok,' ist das stehende Hauptlazarett einger^tek, und in Lebong ist man mit dem Bau eines neuen Lazaretts für 750 Betten beschäftigt. Der Verwundetentrans- p o r t ist eine der Hauptschwicrigkeiten des kleinen Feldzuges. Bei Gangtok hört aller Wagen- und Karrentransport auf, und von dort aus ist man für den Nachschub von Lebensmitteln und Material für die Expedition und die Rückbeförderung von Verwundeten lediglich auf Maultiere und Träger angewiesen.
Die Führer der Expedition, General Macdonald, der Kommandierende, und Oberst Aounghusband, der diplomatische Vertreter der Regierung in Kalkutta, sind übrigens nicht nur mit kriegerischen Dingen beschäftigt, sondern nützen ihre Zeit auch aus, gute Beziehungen mit den Nachbarhäupt- lingen anzuknüpfen. In Phari weilt in diesen Tagen wieder der Häuptling von Bhutan zum Besuche, und während der General zu dessen Erbauung allerlei artilleristische Vorstellungen veranstaltete und ihm u. a. die Leistungsfähigkeit der M a x i m g e s ch ü tz e anschaulich machte, hatte Oberst Younghusband vertrauliche Politische Unterhaltungen mit ihm.
Uebrigens wird den Engländern die Niederwerfung der Tibetaner keineswegs leicht gemacht werden. Offenbar gibt es neuerdings Leute in Tibet, die mehr von europäischer Kriegführung wissen, als die Tibeter im Anfangsstadium der Kämpfe mit den Engländern bewiesen hatten. Anfänglich bemerkte die britische Expedition mit Erstaunen, daß die Tibetaner, die ihr den Weg verlegten, mit Ausdauer Tierschreie nachahmten. Das war ein Beschwörungszauber der abergläubischen Tibetaner, die durch die Mittel die feindlichen Truppen zerstreuen und vernichten zu können glaubten. Sie haben indeß die Wirkungslosigkeit dieses Mittels bald eingesehen, und russische Sendlinge dürften ihnen gezeigt haben, wie man einem europäischen Feinde begegnet. Während sie anfangs namentlich in Befest igungsfachen eine fast kindliche Einfalt an den Tag legten, entsprachen manche ihrer neueren Leistungen allen Regeln der Neuzeit. Die Laufgräben oder gedeckten Wege, die neuerdings in einigen Fällen eingerichtet wurden, werden von den Briten selbst als ganz achtbare Leistungen mit Schießscharten, Traversen und sonstigen ganz modernen Schutzvorrichtungen bezeichnet, so daß man auf harte Kämpfe gefaßt ist, sobald es gilt, mit verstärkten Kräften Tibets Krieger aus ihren Stellungen hinauszuwerfen.
wird aus einer Reihe parallel nach Süden laufenden, von acht größeren, sich in die Koreabucht ergießenden Flüssen durchschnittenen Bergketten gebildet, übler die sich von Siujan bis zur Westküste unterhalb Kaipings hinüber quer die Siung-yo-Kette legt, erhebt sich bis zu 4000 bis 4500 Fuß und läßt nur wenige Straßen durch seine Kluften und Schluchten hindurch. Sie alle münden bei Siujan, ebenso wie die nach Tatschitschao und Haitscheng führenden Straßen. Auf ihnen rückten von dem Tage, wo General Stackelberg seine Ankunft in Wafangou meldete, die Kolonnen der zehnten Division vor, besetzten das wichtige Paijangkau und die Straße nach Siunoetschoen (25 Klm. südlich von Kaiping an der Eisenbahn). Daß General Kuropatkin und seine Kosaken von diesen Bewegungen nichts wußten, erklärt sich ’,ur Genüge aus den zwischen beiden Heeren liegenden Bergketten, deren Zugänge bereits eine Woche früher in den Händen der japanischen Avantgarde sich befanden. Siujan selbst wurde gleichzeitig von .Kurokis äußerstem linken Flügel besetzt, so daß der bei Takuschan gelandete Teil der Truppen Nodzus für den Vorstoß gegen die Eisenbahnstrecke Siu- noetschoen-Kaiping-Tatschitschao völlig frei wurde. Hier, wenige Kilometer südöstlich von Kaiping, erlitten Stackelbergs Reserven am 11. Juni jene Niederlage, die Niu- tschwang in Ausregung versetzte, und nach kaum erfolgter Räumung zur schleunigen Wiederbesetzung Tatschitschaos führte.
Während sich so im Norden der LiautunghaMnsel eine Entscheidungsschlacht vorbereitet, ist es im Süden zu mehrfachen kleineren Affären gekommen.
Scharmützel bei Port Arthur.
Ein Telegramm des Generals Shilinski an den Kriegsminister vom 19. d. Mts. meldet darüber:
Nachrichten aus Port Arthur zufolge begannen am 14. d. Mts. drei japanische Bataillone von Ssiandbindao über die Berge nach Luinatan vorzurücken. Zwei russische Freiwilligen-Abteilungen und eine Kompagnie der Grenzwache hielten den Vormarsch des Gegners auf. Feindliche Torpedoboote beschossen die Semaphorstation. Als der „Novik" und russische Torpedoboote herankamen und das Feuer eröffneten, zogen sich die feindlichen Schiffe eilig zurück. Nach der Kanonade begannen die Kolonnen des Gegners sich zu entfernen und es blieben nur schwache Vorpostenketten zurück. Am 13. Juni vertrieben die russischen Freiwilligen die Japaner aus ihren Stellungen östlich von den erwähnten Bergen. Auf russischer Seite wurden ein Oberleutnant und ein Schütze getötet sowie ein Oberleutnant verwundet, der später starb; außerdem wurden 4 Schützen verwundet-
z Aenderungen im japanischen Oberkommando.
Die Marschälle Yamagata, Oyama und General Kodama wurden vom Mikado in Audienz empfangen. Marschall Oyama wurde zum Vizekönig und Höchstkommandierenden in der Mandschurei ernannt und General Kodama zum Chef seines Stabes. Marschall Damagata bleibt als Chef des Stabes in Tokio und Generalmajor Nagadza wird an Kodamas Stelle zweiter Chef des Stabes.
Ein amerikanischer Kriegskorrespondent als Spion erschossen.
Die „Newyork World" hat ein Telegramm ohne Unterschrift mit der Mitteilung erhalten, daß Oberst Emerson, einer ihrer Kriegskorrespondenten in Ostasien, von sich zu- rückziehenden Russen erschossen worden sei, weil sie ihn fälschlich für einen Spion hielten.
Das russische Wladiwostokgeschwader,
ist den Verfolgungen der japanischen Flotte unter Kamimurq tatsächlich glücklich entgangen. Wie Admiral Skrydlow dem Kaiser unter dem Datum des 20. Juni meldet, ist die Kreuzer- abteilung, ohne Verlust an Mannschaften und ohne Beschädigungen erlitten zu haben, nach Wladiwostok zurückgekehrt.
Grobherzogliches Kreieamt Gießen
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hls® BekaNntwachung.
Keir.: Milzbrand zu Garbenteich.
^g^g^- Nachdem bei Johannes Jung2 zu Garben- ^H.S^pg i ^eich vorschriftsmäßige Desinfektion der Stallung, in S^J?cp^ dem eine an Milzbrand gefallene Kuh gestanden hat, fr3 3q 8o”:i klsolgt ist, wird die über sein Gehöft verhängte Sperre hiermit aufgehoben.
S v: Gießen, den 14. Juni 1904.
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«rotzherzoglichrs Kreisamt Gießt n
I. $.: Hechler.
Der Krieg in Ostasien.
' Das Hauptinteresse konzentriert sich zur Zeit auf bas Gebirgsdreieck Wafangou-Karping-Siusan, wo die zurück- Reuben Divisionen Stackelbergs mit den von Siujan herauf- gelommenen Truppen Nodzus und den ersten von Kuropat- 6n zm Hilse gesandten Korps in blutigem Kampfe über den
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ÄusKang des russischen Gegenvorstoßes zum Entsatz Port Arthlurs entscheiden werden.
Das Ringen um Kaiping,
wohin Stackelberg zurückgehen mußte, hat nach japanischen Berichten bereits mit Vorpostenkämpfen eingesetzt. AuS
: Tokio wird gemeldet:
Eine von der japanischen Hauptmacht bei Takuschan am 18. d. Mts. abgesandte Infanterie- und Kavalleriepatrouillemeldet, daß sie mit Streitkräften der Russen bei L Chipanking, 36 Meilen westlich von Siujan und an andern Orten zusammengestoßen sei. Mehrere Scharmützel hätten stattgefunden, bei denen 50 Russen getötet und 3 gefangen genommen wurden. Eine große Menge von Waffen seit erbeutet worden. Die japanischen Verluste beliefen sich amf 6 Mann.
Der Vormarsch der Japaner
^tewegt sich, wie aus russischer Quelle verlautet, von Siujan | aus auf drei Wegen, die nach Haitscheng, der Station Ta- Hitschao und nach Kaiping führen. Auf dem erstgenannten I $ege ist eine kleine Abteilung der Vorhut nach Wansiapudsa Vorgerückt. Auf dem zweiten Wege halten Truppen der Vorhut Len Paß zwischen Nandsiabei und Pantschialju besetzt, auf rem dritten südlichen Wege sind andere Truppen bis zu den [Dörfern Chiuniak und Tamiarlogou vorgegangen. Die Vorhut hat ferner den Tschapailinpaß eingenommen, während die Hauptstreitkräfte, gegen fünf Regimenter Infanterie mit Kavallerie und Gebirgsartillerie, zwischen dem Kianzgour- Htz und Chansa staffelförmige Aufstellung genommen haben, tzu den letzten Tagen haben russische Vorpostenabteilungen ins diesen Wegen den Vormarsch des Gegners aufgehalten, dabei gegen 10 Mann getötet und verwundet und ein ver- sundeter Offizier mit drei verwundeten Kosaken gefangen Mommen wurden. Am 17. Juni wurde festgestellt, daß sich tei Seludschan nur japanische Streifwachen befanden, die nach einem Kugelwechsel sich rasch nach Fönghwanghtscheng ruriickzogen. Auf russischer Seite wurden zwei Mann verwundet. Saimadsi ist seit dem 10. d. Mts. von den Ja- Pmern geräumt; ein Teil der Besatzung ging nach Föngh- Hanghtscheng.
Weiter wird über
die strategischen Maßnahmen der Gegner
lach aus London gemeldet:
Sturoti warf die zweite Division und die Garden über Siujan gegen Kaiping Nodzu, rückt auf Tatscksitsao vor. Die fünfte, achte und elfte Division rücken unter Oku von Wafangou herauf, die zwölfte Division stößt in Eilmärschen mach Mukden. Kuroki hat sein Hauptquartier nach Siujan verlegt und leitet Persönlich die Operationen. Kuropat- > Ein konzentriert seine Hauptmacht auf Kaiping.
Ohne Zweifel drängt die strategische Situation zu einacm entscheidenden Schlag.
Der Schauplatz des bevorstehenden Kampfes
Pird, wie oben bereits angedeutet, das Dreieck Wafangou- Kaiiping-Siujan sein. Zum Verständnis der Operationen biene das nachstehende Situationsbild, das uns unser >^-MiL- arboeiter übermittelt: Das in Betracht kommende Gelände
Gngliscber Vormarsch auf Lhassa.
Am 25. Juni wird, wie der Staatssekretär für Indien Brodrick auf eine Anfrage im britischen Unterhause erklärte, die englische Tibetexpedition nach Lhassa vorrücken, wenn die Tibetaner nicht innerhalb dieser Frist einen bevollmächtigten Unterhändler mit dem chinesischen Amban nach Gyangtse senden. Das heißt mit anderen Worten: Der Vormarsch auf Lhassa ist fest beschlossene Sache. Wenn der Dalai Lama auch einen Unterhändler noch rechtzeitig nach Gyântse schickt, die Engländer werden erklären, „er sei der Rechte nicht", und vorrücken.
Alle Vorbereitungen für den Vormarsch sind bereits getroffen. General Macdonald, der den Oberbefehl über die ganze Expedition führt, wird am 24. Juni in Gyangtse eintreffen. Die Truppen, die er zur Verstärkung der dort schon stehenden 700 bis 800 Kämpfer herangeführt hat, sammeln sich bei der Veste Phari. Phari liegt 120 Kilometer südlich von Gvanatse. Weitere ^ Kilometer südlich von
Die Politik.
A Zu einer Krise im bayerischen Ministerium hat die von der Reichsratskammer beschlossene Ablehnung des Grundwertabgabengesetzes geführt. Der Finanzminister v. Riedel hat sein Abschiedsgesuch eingereicht. Daß es vom Prinzregenten im gegenwärtigen Moment genehmigt werden sollte, ist nicht anzunehmen. Der Finanzminister sah in der Ablehnung des Gesetzes ein Mißtrauensvotum gegen seine gesamte Steuerpolitik, und in der Tat hatte der Beschluß der Reichsratskammer diese Tendenz. Uebrigens hat der vereinigte erste und dritte Ausschuß der bayerischen Kammer der Reichsräte einstimmig auch das Wahlgesetz und den Antrag des Grafen Moy betreffend das Wahlrecht der Geistlichen abgelehnt.
^ Nach der bereits im April im preußischen Eisenbahnministerium mit süddeutschen Vertretern beratenen Aenderung der Betriebsordnung soll vom 1. Januar nächsten Jahres die höchste Schnelligkeitsgrenze für Schnellzüge, die jetzt 100 Kilometer pro Stunde beträgt, in Fortfall kommen. Auf den Nebenbahnen soll sie statt 40 50 Kilometer betragen. Die Zustimmung des Bundesrats zu dieser Aenderung ist gesichert.
*
o°o Gegen das Eingreifen der Aufsichtsbehörden in den Leipziger Aerztestreik hat sich eine in Dresden abgehaltene Versammlung der Vertreter von 143 sächsischen Ortskrankenkassen ausgesprochen. Man beschloß, geeignete Schutzmaßnahmen zur vollen Aufrechterhaltung der Selbstverwaltting der Kassen anzustreben. — Der Beschluß ist unverständlich. Die Selbstverwaltting der Kassen ist durch Gesetz gesichert, und die Fälle, wo die Aufsichtsbehörde sich einzumischen hat, sind genau umschrieben. Die Einmischung der Behörde erfolgt auch nur, wenn die Selbstverwaltung der Kasse sich nachweislich ihrer Aufgabe nicht gewachsen zeigt. Gegen das Gesetz wird die Dresdener Versammlung ttotz aller Beschlüsse nichts ausrichten.
Frankreich*
A Wenn man den Gegnern des Herrn Combes glauben will, ist der Sturz des Kabinetts unmittelbar bevorstehend. Ob sie Recht behalten, ob nicht, niemand kann es wissen. In Frankreich ist auf politischem Gebiet noch viel mehr der Zufall maßgebend als anderswo. Die Ursache des Sturzes Combes' sehen seine Widersacher in dem Ergebnis der Untersuchungen der Kommission zur Prüfung der K a r t h ä u s e r- Millionen-Affäre. Zwar hat die Kommission nicht das Mindeste ermittelt, was auf Combes ein schlechtes Licht wirft. Wohl aber hat der Mann, der den Bestechungsver- such bei Edgar Combes, dem Sohn des Premiers, gemacht hat,