Gießen.
1904.
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Ucbcrraschung.
„Kerl ich habe Dir doch gesagt Du solltest meine alten Liebesbriefe sämtlich verbrennen, und jetzt hast Du sie eingebunden in Deinem Kasten liegen?"
„Ach, entschuldigen Herr Leut- nant, meine Köchin wünschte sich schon immer einen Liebesbriefsteller und da wollt' ich Ihre Briefe gleich dazu benützen I"
In einem Bureau ist unter zwei Kollegen ein Wortwechsel aus- gebrochen, in welchem der eine derselben entschieden im Nachteile ist, da er stottert und deshalb nur schwer replizieren kann. Da-
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Sonntagsjäger: „ . . Wie ich heute bei der Frühpicsche an eine Blöße komme, seh' ich Plötzlich in den Brombeeren auf 150 Schritt' einen Kapital-Sechserbock. Ich hinter einen Saum springen, auffahren, schießen und daliegen war ein'sl"
Förster: „Haben S' Jhna weh 'tan, Herr Doktor?!"
Strandbo$beii.
„Wie gefällt Dir eigentlich die Komtesse besser, im Bade- oder im Promenadcnkvstüm?"
„Im Badekostüm — wenn sie untergetancht ist!"
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Nr. 12.
Wöchentliche Anlage für die Abonnenten der „Gießener Neuesten Nachrichten"
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S°hn, Rektor.
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Gießen.
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Der falsche freund.
Ein falscher Freund ist Deinem Schatten gleich: Wenns sonnig ist, so wird Dirs nicht gelingen, Alls Deiner Nähe ihn hinwegzubringen; Wirds aber trüb, verschwindet er sogleich.
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Gut aufbewabrt.
„Es ist unverantwortlich, ivie kannst Du nur Deine Bücher aufs Leihhaus bringen?"
„Aber bedenk doch, Papa, die teuren Werke, wenn einmal Feuer bei mir ausbräche, wo ich keinen Nagel versichert habe. Dort sind sie wenigstens sicher!"
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gab. Da bereits un Jahre 186:-; ea- öamalige oamscye <yaus Ein Mannesstamme ausgestorben ist, so hat rechtlich nach dem Lmitimiüätsprinzip das Augustenburger Haus einen Än- struch auf die Rückgabe der beiden Grafschaften. In dem olnrburgischen ^taatsgrundgesetz vom Jahre 1848 aber ist b.j immN daß das gesamte Staatsgebiet unteilbar sei. Der Mchksbeistand des Hauses Augustenburg jedoch nimmt an, M; diese Bestimmung nur fürs die jetzige regierende Familie gelle, daß aber die Rechtswirkung des Cessionsvertrags vom 31.)re 1676 im Falle ihres Erlöschens dadurch nicht auf- Wdben werde. Wir würden also vor der Frage stehen, ob . nidt das Großherzogtum Oldenburg wieder in seine einzelnen
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Tile zerfallen solle.
Andern der Herzog Ernst Günther
Niedlich auf eine Entschädigung hinweist, bekundet er aller- Afa, daß es ihm nicht um dieses Ziel zu tun ist, aber innner- n I A ergeben sich aus dem Legitimitätsprinzip die sonderbarsten
\^p^^ Wrwickelungen, deren Reihe in der vorangegangenen Auf-
Dlung noch nicht abgeschlossen ist. Denn wenn wirklich das
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Mus Glücksburg den oldenburgischen Thron besteigen sollte, Mn würde es als nächsten Agnaten wieder das dänische Wligshaus mitbringen. Die Sachlage ist also folgende: ■ Dadurch, daß die russischen Erben aus der Nachfolge aus- i Heiden, wird die Thronanwartschaft eines dänischen Prinzen irrt Hilfe eines deutschen Fürstenhauses dem oldenburgischen Throne näher gebracht.
Schon bei den sächsischen Fürstentümern und auch bei fr Erledigung de: welfischen Herzogtums Braunschweig hat sich gezeigt, daß das Legitimitätsprinzip, d. h. die Vergebung fr Fürstenkronen nach dem Prinzip eines unveräußerlichen IZmülieneigentums, die pei.tlichsten Widersprüche zu dem Äeichseinhâgedanken ergebn kann. Es wäre deshalb am mmschenswertesten, wenn die deutschen Fürsten einer reichs- gchtzlichen Regelung der Thronfolge in der Weise Anstimmen notiert, daß nur reichsdeutsche Familien einen erledigten Zhron besteigen können, damit nicht Ausländer,und ausge- stwchene Feinde Deutschlands nach dentân Füntenkronen I greifen.
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6 m Qnglüchstag in Deutfcb-Südweftafriha.
_ Eine Trauerkunde kommt aus dem Aufstandsgebiet in W.VKafrika: Ein allzu kühner Ritt des Majors V. Gla- sön app hat für uns den Verlust von sieben Offizieren und Miaizchu Mann zur Folge gehabt. Außerdem sind drei
^Nachdruck verboten.)
Koshaftes Wißverstandni
Zu viel verlangt.
durch nur noch mehr aufgebracht, läßt er fick zu Beleidigungen hin'- reißen uno stößt endlich mit der größten Anstrengung hervor: „Sie —
„Das werden Sie zurücknehme ______, _______r
„Bbbbewahre — ich bin fffffroh, daß ichs ddddraußen hab! die Antwort des schlagfertigen Stotterers.
Sie — Sie — Schschschschnfskopf! n!" braust der Beleidigte auf.
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Leutnant Schäfer, Oberleutnant zur See Herrmann (S. M. S. „Habicht"), Gefreiter der Landwehr Wilhelm S ch m i b t, geb. 14. 8. 1868 zu Gollendorf (Osterburg), Gefreiter der Landwehr Johann Senne, geb. 22. 1. 1870 zu Friedrichsfeld (Hofgeismar).
Leider scheint Major v. Glasenapp an diesem schweren Schlage nicht ohne Schuld. Angesichts der Tatsache, daß das ganze Land von Hererotrupps durchzogen wird, daß sie logar die größeren deutschen MilitÄrabteilungen dauernd umsWMmen, scheint es allzu unvorsichtig, daß Major v. Glasenapp sich mit seinem Stabe unter so geringer Bedeckung vor dem Gros seiner Kolonne so weit vorauswagte. Indessen kann man selbstverständlich von hier aus ein sicheres Urteil hierüber sich nicht bilden. Vielleicht war das Vorausreiten Glasenapps aus taktischen Gründen geboten. Der Major selbst wird ja wohl bald nähere Aufschliisse über den Hergang geben.
Je größer die Opfer sind, die uns die Rebellion des scküvarzen Gesindels kostet, um so energischer wird hoffentlich auch die Züchtigung sein, die unsere Regierung den Herero an teil werben läßt. Für diese Völker ist nur eins am Vlatze. völlige Entrechtung. Auf Gnade unb Ungnade müssen sie bim Willen des Gouverneurs unterworfen sein. Nur dann wird es gelingen, die Kolonie für Deutschlmrd nutzbar zu machen.
*
Wie verlautet, werden in der nächsten Zeit folgende Truppentransporte auf Dampfern der Woermann- Linie von Hamburg nach Deutsch-Südwestafrika abgehen: Am 25. März 400 Mann auf dem „Feldmarschall", am 30. März der „Markgraf" mit 50p Pferden und der „Entre- rios" mit 100 Mann und 400 Pferden; am 7. April endlich bie „Lucie Woermann" mit 400 Mann.
Der Krieg in Ostasien.
Das Schicksal des Wladiwostoker Geschwaders beschädig! die englischen Korrespondenten lebhaft weiter. Es soll sich auf hoher See befinden, mit der Abstzjht, nach Rußland zurückzukehren.
Falls diese von mehreren Seiten zu gleicher Zeit auftauchende Meldung auf Wahrheit beruht, so ist es höchst wahrscheinlich, daß das Wladiwostok-Geschwader
die nordöstliche Durchfahrt
durch das nördliche Eismeer versuchen wird. Wenigstens
Jahrgang
-iouSpreiS: Die einspaltige Petitzeile für ganz CIW die Kreise Wetzlar und Marburg 10Pfg. sonst Ib Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Poftzeimngsliste No. 3269.
on und Expedition: Gießen, Seltersweg M Ferusprechaitfchlirß Nr. 362.
idjlen
ebener Zeitung)
c GreHm und Umgebung.
Behörden von Oberhessen.
folgende Petersburger Telegramm mit Sicher- f hin:
Wladiwostok-Geschwader hat sich am Dienstag rwendung von Dynamit eine Fahrrinne durch das Hafens geschaffen. Man nimmt an, daß das Genach der Insel Sachalin gegangen ist. Bei der mg Wladiwostoks durch die Japaner befand sich schwader im inneren Hafen.
fahrt durch das Eismeer bedeutet nicht nur einen wfuefj. für das Wladiwostok-Geschwader, sondern als ein Experiment an sau fassen, das größere Ziele at. Der Geschwaderchef soll erkunden, ob die
große russische Hilfsflotte
Lege durch das Eismeer den Kriegsschauplatz er- ln. Darauf weist wlgendes Telegramm aus n:
! behauptet sich das Gerücht, daß die Kreuzer des ostok-Geschwaders sich schon seit längerem auf der rt nach Rußland befänden. Das Problem der egänaung unterwegs soll gelöst worden sein. Das Geschwader werde dann die große russische Flotte, m Sommer nach Ostasien abgehen soll, wieder i.
2$ doch schon seit langem, daß die große russische nach dem Kriegsschauplatz von der Heimat aus t werden soll, auf dem Wege durch das nördliche r Ziel erreichen will. Ob dies allerdings möglich , muß abgewartet werden. In amerikanischen oird das Projekt eifrig diskutiert. Der Polar- eary bejaht, General Greely, auch ein bekannter )er, verneint die Durchführbarkeit.
die Landoperationen liegen sehr widerspruchsvolle 1 vor: Während ein Londoner Privattelegramm u von einer
Schlacht am Jaluflussc
l weiß, in der die Russen 1800 Japaner zu Gefan- acht habe)!, wollen andere Berichterstatter wissen, samten russischen Streitkräfte, mit Ausnahnie von n, über den Jalu zurückgezogen worden sind. Die itrouillieren zwischen bem Jalu und Phjöngjang. rssen sind bei Kiuliencheng zufammengezogen Zwischen dem letzteren Orte und Antung befindet nie von Posten von je fünf Kosaken in einer Ent- n 500 Jards von einander. Der russische General ko meldet, daß sich in Phjöngjang japanische Jn- üit einigen Geschützen befindet. Bei Andschu ram e^ 'zü einem unblutigen Dorpostengefecht.
Die Politik.
A Einige Blätter regen sich darüber auf, daß „als V^t- ireter des Generalstabes her bayerischen Armee" der bayerische Major v. Stetten den Operationen des japanischen Heeres in dessen Hauptquartier beiwohnen wird. Man geht dabei von der Voraussetzung aus, daß Major v. Stetten nicht als Vertreter der deutschen, sondern der bayerischen Armee nach Ostasien gehe. Das sei bedauerlich, denn dem Auslande gegenüber sollte das deutsche Heer immer als ein einheitlicher Haufe erscheinen. Diese ganze Aufregung ist gegenstandslos. Die japanische Heeresverwaltung hatte s. Zt. der deutschen Heeresleitung die Teilnahme von vier Offizieren in ihrem Hauptquartier zugestanden. Zwei preußische Offiziere, Oberstleutnant Förster und Hauptmann Hoffmann, befinden sich bereits auf der Reise nach Japan. Als weiterer militärischer Beobachter wurde der Militär- attachee bei der deutschen Gesandtschaft in Tokio, Major von Etzel, bestimmt, der sich bereits beim Hauptquartier der japanischen Operationsarmee befürdet. Als vierter deutscher Offizier wurde Herr v. Stetten ausgewählt. Preußen hat selbst bei der bayerischen Heeresverwaltung die Entsendung eines bayerischen als des vierten deutschen Offiziers angeregt, um so dem zweitgrößten deutschen Heereskontingent ebenfalls einen Einblick in die Operationen in Ostasien zu ermöglichen. Was also als partikularistische Maßregel ausgelegt wurde, ist im Gegenteil ein Beweis des ausgezeichneten Verhältnisses zwischen Bayern und dem Reiche.
□ Auch die Reichstagsersaßwahl in Zschopau-Marienberg, wo bei der Hauptwahl der Sozialdemokrat Rosenow gewählt wurde, hat kein endgültiges Ergebnis gehabt: Es kommt zur Stichwahl zwischen P i n k a u (Sozd., 10 156 Stimmen) und Zimmer m ann (Reformparten 5986 Stimmen). Schanz (kons.) erhielt 431*6 Stimmen. Der Wahlkreis ist be- kaiintlich derselbe, in dem ursprünglich Göhre als sozialdemokratischer Kandidat ausgestellt war.
^ Der bekannte Begründer und Leiter des „Deutschen Vereins abstinenter Eisenbahner", Eisenbahndirektor de Terra, dessen Versetzung nach Stolp s. Zt. Aufsehen erregte, scheidet zum 1. April aus dem Dienst, um sich ganz seinen gemeinnützigen Bestrebungen zu widmen.