Einzelbild herunterladen
 

3 tn^

LLS^Z

Nr. 16.

Mittwoch, den k0. Januar iuu4.

: & *W3 y- ^ H

st

o 'S 3

"an L: -h

2 3 ö ?7>3

sK

2^'5 8

0 3 ^

g £2

O D 2 0 9

's? SM

n ' • ra ft

2 ^ ^(ys ,5f a®S' S3§«?!? Ztt^Z»-

»5»

ZA

es

250* P £ 9

Z-^'sSÄ

Z n 3

Wbo<«eme«LsprriS: in Gießen, abgehstt monatlich 50 Pfg., kl'S HauS gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mk. 1.50.

GrattSbeNage«: Oberhesfifche FamiNenzeitung (täglich) und bte Gießener Seifenblasen (wöchentlich).

Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Gie ßener

__t3 Jangang.

Z«sertio»SpreiS: Die einspaltige Petitzeile für ganz Ober- Hessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 16 Pfg.

Reklam en die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 83 ^erMsvrecha«fchluß Nr. .362.

Neueste Dachrichlen

(Gießener Tageblatt)

Unabhängige Tageszeitung

(Giekener Weitung)

für Oberhefseu und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gietzen und Umgebung Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Klas die Reichsboten von sich erzählen.

„Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über", dürfte man wohl mit Recht als Devise über die kurzen Lebens­abrisse setzen, die das amtliche Reichstagshandbuch in seinem biographischen Teil über unsere Reichsboten bringt. Sind doch die Notizen alle auf Grund eigener Angaben der Be­treffenden gemacht, und gerade ihre knappe Form bürgt ; dafür, daß das in ihnen enthalten ist, worin der Geschilderte I seinen größten Stolz zu setzen sich berechtigt glaubt. Denn sver wird wohl Unangenehmes über sich selbst aus der Schule plaudern?!

Eine eigenartige Erscheinung ist es da, daß bei meh- ceren der Herren das, was sie im Reichstag von Partei wegen mit Geringschätzung behandeln, von ihnen persönlich als ein großes Verdienst angesehen wird. So rühmt der in Lennep- Mettman gewählte Sozialdemokrat Meist von sich: „Diente 1878/81 im 6. rheinischen Infanterie-Regiment Nr. 68, nach Zwei Jahren Abgang wegen guter Führung, drittes Jahr Abgang mit Qualifikation zum Unteroffizier". Kurz und bündig nennt sich der in Pforzheim-Durlach gewählte sozialdemokratische Redakteur Eichhorn: „Landwehrmann". Daß der Abg. v. Vollmar als früherer Offizier sich auf seine im 70er Kriege erworbenen ehrenvollen Wunden etwas zu gute tut, nimmt weniger Wunder als diese beiden obigen Notizen. Vollmar schreibt: „Nahm am Feldzug 1870/71 gegen Frankreich als oberer Militärbeamter des Reichsheeres (Feldeisenbahn) teil, wurde bei Blois schwer verwundet und Ganzinvalide". Tie kriegerischen Leistungen bilden über­haupt den Gegenstand, bei dem die meisten Abgeordneten, soweit es der Naum gestattet, am redseligsten werden. So berichtet der Zentrumsabgeordnete Aigner, gewählt für Kel­heim, über den Feldzug gegen Frankreich: „Erhielt Belobi­gung von S. M. dem König Ludwig II." Der freisinnige Abg. Barbeck, gewählt für Erlangen-Fürth, teilt mit: „Bei Sedan schwer verwundet." Der Zentrumsabgeordnete Bau­mann zählt aus: „Machte mit Erstürmung Weißenburgs, Schlachten von Wörth und Sedan, Belagerung von Paris", ebenso erzählt der Zentrumsabgeordnete Klose, Vertreter für Leobschütz: „Machte zehn Schlachten und Gefechte (Be­lagerung von Metz) mit", ©er Präsident des Abgeordneten­hauses, Jordan v. Kröcher, schreibt: „Machte beim 1. Garde- Dragoner-Regiment den Krieg von 1870/71 mit (Attacke bei Mars la Tour, hier und bei Sedan verwundet)." Der konservative Abgeordnete v. Niepenhausen, Vertreter für Rügen-Franzburg, erzählt: „Trat zum deutsch-französischen Feldzuge aus der Selekta (des Kadettenkorps) in die Armee, wurde bei der Einnahme von Orleans (11. Oktober 1870) verwundet (Schuß durch den linken Fuß)." Der in Geb- weiler gewählte Elfässer Stadtpfarrer Röllinger hat 1870 im französischen Heere gekämpft, wie aus seiner Angabe er­sichtlich: „Diente als Freiwilliger zur Zeit des deutsch-fran­zösischen Krieges; zum Sous-Leutnant ernannt am 21. Ja­nuar 1871." Der frühere französische Offizier Baron de ! Schmid, Vertreter für Forbach, erzählt mit Stolz von sich: ' „Am 21. Mai 1902 wurde mir der Charakter als Königlicher Rittmeister verliehen." Der Rittmeister a. D. v. Böhlen- dorff-Kölpin, konservativer Vertreter für Usedom-Wollin, hebt hervor seine „Teilnahme an der französischen Expedition in Tunesien im 13. französischen Marsch-Regiment" im Jahre 1881.

Die sozialdemokratischen Abgeordneten weisen mit beson- derm Nachdruck auf ihre Strafen hin. So wurde Bebel „infolge seiner politischen Tätigkeit vielfach in politische Pro­zesse verwickelt und verurteilt wegen Vorbereitung zum Hoch­verrat, Majestätsbeleidigung, Bismarckbeleidigung, ungesetz­licher Verbindung u. s. w., im ganzen verbüßte er 57 Monate Festungs- und Gefängnishaft". In Bausch und Bogen re­gistriert der sozialdemokratische Vertreter für Braunschweig, Blos: „Oesters Preßprozesse". Der gothaische Abgeordnete Bock nennt sich „bestraft viermal". Der Sozialdemokrat Frohme, Vertreter für Altona, „hatte etwa 15 politische Pro. zesse zu bestehen und zog sich in denselben Verurteilungen zu, die zusammen etwa vier Jahre Gefängnis betragen". Der sozialdemokratische Vertreter für Frankfurt a. M., Litho­graph Schmidt, „wurde wegen Preßvergehen mit vielen Geld­strafen, sowie mit einer Woche und drei Monaten Gefängnis bestraft". Der sozialdemokratische Vertreter für Naumburg- Weißenfels, Thiele, hat „wegen zahlreicher Preßprozesse 26% Monate Gefängnks verbüßt".

Zum Schluß feien noch einige charakteristische Bemer­kungen „vermischten" Inhalts angeführt. Ein tüchtiger Ge­schäftsmann muß keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um seine Ware zu loben — nach diesem beherzigenswerten Grund­satz verfährt der Zentrumsabgeordnete Baumann, wenn er hervorhebt: „Betreibt seit 1884 einen über ganz Deutschland verbreiteten Weinhandel mit reinen Naturweinen". Eine geschickte Verbeugung gegen etwaige antisemitische Angriffe bedeutet die kurze Bemerkung hinter dem Namen des Sozial­demokraten Hermann Goldstein: „Dissident, bis 1876 evan­gelisch". Dumit wird allen etwaigen spitzen Bemerkungen, die sich über die Abstammung Goldsteins den Gegnern auf- drängen sollten, in Praktischer Fürsorge von vornherein die Spitze abgebrochen. Daß ein preußischer Oberst als Grund seines Ausscheidens aus dem Heere seine Aufstellung als Reichstaaskandidat anaibL ist ^" -^irinfum. dns der Ver-

freier von Labiau-Wehlau, Oberst v. Massow, von sich er­zählt. Die Wähler des Polen v. Polczynski werden Hossent- lich noch andere Qualifikationen an ihm zu rühmen wissen, die ihn bei ihnen populär gemacht haben, als die, denen er selbst diese Wirkung zuschreibt mit der stolzen Bemerkung: „Klavier- und Liedert'ompositionen mit polnischem Text, die sich einer Popularität ersreuen". Die Herren Dauerredner die bd§ Entsetzen des Hauses und der Tribünen bilden aber sollten sich ein Beispiel an der lakonischen Kürze nehmen, mit der ein zweiter Pole, der in Gröben gewählte Abg. v My- nelski, seinen ganzen Lebenslaus abtut: „In Berlin geboren- katholisch".

Das Wahlrecht der Geistlichkeit.

-5fr München, 19. Januar.

Der neuliche Antrag des Reichsrats Grafen Moy auf künftige Vcbinbemng oder doch Beschränkung der Wählbar­keit in die Münchener Abgeordnetenkammer für die.Geistlich­keit sämtlicher Konzessionen hat in ganz Bayern die lebhaf­teste Erregung entfesselt. In einem Teil der Zentrums- Presse kennt die Erbitterung gegen Moy keine Grenzen. Das „Regensburger Morgenblatt" richtete an den Grafen Moy die Frage, was er sagen würde, wenn das Zentrum „zur Verhütung vollständiger politischer Versimpelung" die Aus­hebung der hochgeborenen Neichsratskammer einbrächte. Wie vorauszilsehen war, hatte diese Anfrage die prompte Köln fiskation des Blattes zur Folge. Ein zweites Regensburger- Blatt, das den Artikel übernommen hatte, teilte das Schicksal seiner Kollegin. Die gemäßigte klerikale Presse gesteht allerdings unumwunden zu, daß die große Zahl von Geist­lichen in der bayerischen Kammer kein Jdealzristand ist. Aber sie seien für viele ländliche Wahlkreise die volkstümlichen Ver­treter der Intelligenz. In Zentrumskreisen werde schon lange das Bediirfnis erörtert, in Zrckunft mehr gebildete Laien in bie'Kammer zu entsenden. Leider werde dieses Ziel durch die einmännigen Wahlkreise sehr erschwert.

Die liberale Presse begrünt dagegen, wie zu erwarten war, im großen und ganzen den Antrag des Grafen mit Genug­tuung. Sie hat sich bereits auf die ganz katholischen Länder Spanien, Belgien und Luxemburg berufen, in denen der Wählbarkeit der Geistlichen in die parlamentarischen Körper­schaften gewisse Schranken gezogen sind.

Heute bringen denn auch die Morgenblätter ausführlich die Begründung des Antrags. Diese betont, daß von vielen Laieir wie von Geistlichen die Ansicht geteilt werde, daß die Beteiligung des geistlichen Standes am öffentlichen Leben )mvereinbar sei mit den hoben, ibealen Aufgaben dieses Be- rufeë. Die Aufgaben der Seelsorge würden schwer geschä­digt, menn die Geistlichen statt aufzugehen in der Seelsorge und in charitativen Bestrebungen, sich auf ein Gebiet be­geben, wo die Leidenschaften der Parteien sie häufig in Wider­spruch setzen müssen zu den Lehren des Friedens und der Nächstenliebe. Die Sache der Religion würde auch aus dem Anträge nur Nutzen ziehen, und deshalb sollten alle Mit­glieder des hohen Geistlichenstandes sich bem Anträge an- schließen. Die Geistlichen nähmen bezüglich der Ableistung ihrer Militärpflicht und in vielen anderen Dingen des öffent­lichen und privaten Lebens schon jetzt eine Ausnahmestellung ein. Ihre politische Tätigkeit sei in vielen anderen Staaten teils ausgeschlossen, teils beschränkt. Wie der Offizier, der Streiter des Königs, sollte auch der Geistliche, der Streiter Gottes und der Kirche, dem politischen Kampfplatz fernblei­ben. Wenn auch die Volksvertretung manche tüchtige Arbeits­kraft verlieren würde, so brächte doch das Ausscheiden der Geistlichen aus dem politischen Leben große Vorteile für die Wiederkehr des religiösen Friedens, der durch die Verqiiicfimg von Religion und Politik immer häufiger gestört wird. Die Begründung schließt: Möge das Schicksal des Antrages sein, welches es wolle, es mußte ausgesprochen werden, was viele tiefreligiöse Männer und viele geistliche Herren längst em­pfunden und gewünscht haben.

Daß der Antrag, so wie er vorliegt, irgendwie praktische Folgen haben könnte, verspricht sich natürlich die einsichtige liberale Presse nicht. Es gibt sogar unter ihr einige Organe, die in der Ausschließung der Geistlichen eine nicht zu recht­fertigende Beschränkung des Rechtes jeden Staatsbürgers er­blicken. Aber auch sie sehen in dem Antrag ein Syniutom, )as die beteiligten Kreise zum Nachdenken veranlassen sollte.

Deutscher Reichstag.

(14. Sitzung.)

Cß. Berlin, 19. Januar.

Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung standen zu­nächst die gestern vom Reichskanzler eingereichten Vorlagen, welche die durch den

Herero-Aufstand im südweftafrikanischcn Schutzgebiet notwendig gewordenen Forderungen enthält. Die Tribünen waren stark besetzt. Offenbar erwartete man im Publikum neue Mitteilungen über den Gang der Er­eignisse, vielleicht auch scharfe Reden seitens der Gegner der Kolonialpolitik. Diese Erwartungen wurden nicht er­füllt. Der Direktor der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts, Dr. Stübel, welcher die , Vorlagen begründete, konstatierte von vornherein, daß ausführliche Nachrichten in- folae der gestörten Verbindungen nicht einaetroffen feien;

doch sei nicht anzunehmen, daß der Aufstand schon nieder­geworfen sei. Telegraphisch sei um sofortige Hilfe gebeten und mitgeteilt worden, daß Windhuk schwer bedroht sei. Die Hereros fühlten sich durch die zunehmende Besiedelung in ihrer Bewegungsfreiheit und durch das Verbot des Schulden­machens in ihrer wirtschaftlichen Selbständigkeit beschränkt. Dies sowie vielleicht noch falsche Nachrichten über deutsche Niederlagen im Süden mögen wohl zusammengewirkt haben, um den Aufstand so allgemein werden zu lassen. Die Kolo- nial-Verwaltung treffe keine Schuld. Aehnliche Aufstände seien ja auch in den Kolonien anderer Staaten schon oft genug vorgekommen. Die jetzt notwendige Verstärkung der Schutztruppe sei nur als eine vorübergehende gedacht.

Abg. Spahn (Zentrum) wies darauf hin, daß An­zeichen dieser Aufruhrbewegung schon im November wahrzu­nehmen gewesen seien und daß mehrere Blätter schon im April und Mai von ausfallenden Bewegungen berichteten. Doch sei dem, wie ihm wolle, jetzt müsse geholfen werden.

Die Politik.

d" Es steht außer Zweifel, daß der Hereroaufstanv zu­sammen mit dem der Hottentotten unsere südwestafrikanische Kolonie vor eine Krisis stellt, wie sie sie noch nicht durch- gcmad)t hat. Indessen ist zu hoffen, daß dank des prompten Eingreifens des Reichs der Aufstand bald niedergeworfen sein wird. Ueber die Maßnahmen der Reichsregierung ist noch zu berichten: Außer dem Lloyddampfer „Darmstadt", der leider erst am Freitag in See gehen kann, hat das Aus­wärtige Amt noch von der Woermann-Linie den Dampfer „A d 0 l p h W 0 e r m a n n" zum Transport von Entsatz­truppen noch Swakopmund gechartert. Der Dampfer wird Ende dieses ^lonats seine Reise antreten. Ueber die Char­terung zweier weiterer Dampfer der gleichen Linie schweben noch Unterhandlungen. Die beiden Kreuzer, die nach Süd­afrika in See gehen, sind der „Prinz Heinrich" und die „Medusa". Kaiser Wilhelm hat den Prinzen Heinrich beauf­tragt, in seinem Namen den nach Südwestafrika abgehenden Mannschaften Lebewohl zu sagen und sie des kaiserlichen Gedenkens zu versichern. So schmerzlich die Vorgänge in Südafrika auch sind, so fehlt es doch auch bei dieser Gelegen­heit an Lichtblicken nicht. So meldete sich beim Appell zur Mobilmachung der II. Matrosen-Division auf das Kommando: „Freiwillige vor!" die ganze Di­vision, 1000 Mann! Nicht einer blieb zurück! Freilich, angesichts solcher Bravheit unserer blauen Jungen ist es doppelt schmerzlich, wenn es wahr sein soll, daß die Waffen ihrer Feinde von der deutschen Negierung in Winb- huk selbst geliefert sein sollen. Ein Kenner südafrikanischer Verhältnisse schreibt: „Leider sind die Eingeborenen mit Waf­fen und Munition gut versorgt, und zwar durch das Gouver­nement selbst, deren Haupteinnahme in dein Vetfauf von Gewehren, Pulver und Blei bestaub, ein Verfahren, welches sich jetzt bitter rächen wird!"

A Die Neichsregierung hält unverändert an der Absicht fest, ben gesetzgebenden Körperschaften des Reiches einen Gesetzentwurf zum Schutz der Bauforderungen vorzulegen. Indes ist es nicht wahrscheinlich, daß eine Einbringung der Vorlage noch in der laufenden Session des Reichstages mög­lich wird. Von der neuerdings empfohlenen Verweisung der Materie an die Landesgesetzgebung will die Regie­rung nichts wissen.

c? Der Hauptvorstand des Kaufmännischen Verbandes für weibliche Angestellte in Berlin hat an den Reichstag das Ersuchen gerichtet, den Gesetzentwurf, betr. die Kaufmanns- gerichtc, nach folgenden Richtungen aözuändern: das Wahl­recht für die Beisitzer auch den Frauen zuzugestehen, die Er­richtung von Kaufmannsgerichten von der Größe ber Stadt unabhängig zu machen, auch die Streitigkeiten aus der Kon­kurrenzklausel den Kaufmannsgerichten zu überweisen und vertragliche Vereinbarungen, wonach Streitigkeiten aus dem kaufmännischen Anstellungsverhältnis einem privaten Schiedsgericht unterbreitet werden sollen, für nichtig zu er­klären. Von diesen Forderungen hat die erste nicht die ge­ringste Aussicht auf Annahme, und die anderen dürften auch wenig Gegenliebe finden.

^ Der preußische Etat für 1904 beziffert die Gesamt­einnahmen des Staates auf 2 800 805 050 Mark, die ordent­lichen Ausgaben auf 2 626 260 668 Mark, die außerordent­lichen Ausgaben auf 174 544 382 Mark; die Summe der Ausgaben entspricht also der der Einnahmen.

A Die dem Landtage Zugegangene Novelle, betreffend Erhöhung der Nichtergehälter, hängt mit dem zweiten Gesetz­entwurf zusammen, wonach die aufsichtführenden Richter an einer Reihe größerer Amtsgerichte den Titel „Amtsgerichts­direktoren" führen und den ersten Beamten einiger besonders bedeutender landgerichtlicher Staatsanwaltschaften eine pensionsfähige Gehaltszulage von je 900 Mark gewährt werden soll. Diese Stellen sollen, was das Diensteinkommen angeht, denen der Oberregierungsräte bei den Regierungen gleichgestellt werden.

^ Wie aus Essen gemeldet wird, beabsichtigt die preußische Unterrichtsverwaltung, in dem dortigen Jndustriebezirk, in welchen die Polen sehr stark vertreten sind, die polnischen Kii.bcr auf der Unterstufe in eigenen polnischen Klassen zu-