Nr. 42.
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WH»««e«e»tSpretS: in Gießen, abgchslt monatlich 50 Pfg., Vt Hous gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mk. 1.50.
Gratisbeilage« : Oberhesfische Familienzeitnng (täglich) und die Gietze«er Gaifeublase« (wöchentlich).
Das Blatt erscheint an alle« Werktagen nachmittags.
Meuche Machrichten
(Gießener faj«BWt)
NnaShângige Tageszeitung
(Gießener Aeiinng)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
BekanntMachung.
Betr.: Das Behüten der Mesen.
Wir sehen uns veranlaßt, die nachstehenden Bestimmungen der Wiesenpolizeiordnuug für den Kreis Gießen erneut zur Kenntnis der Bttüligten zu bringen:
Artikel 11. Insoweit es sich nicht um abgesondert gelegene Wiesen handelt (Art. 64 des Feldstrafgesetzes), dürfen ohne besondere Genehmigung seitens des Kreisamtes weder von den Eigentümern selbst, noch mit deren Zustimmung von Anderen behütet werden:
*, Königreich Sachsen.
2.
a) einspurige Wiesen:
1. mit Schafen vom 1. April bis 1 Oktober,
2. mit Rindvieh vom 1 April bis 1, August;
1.
2.
b) sonstige Wiesen:
mit Schafen vom 1. April bis 1. Oktober, mit Rindvieh vom 15. März bis 15 September
Grund- oder Talwiesen, die mit Bewässerungsanlagen versehen sind, dürfen bei nasser Witterung überhaupt nicht behütet werden. Im übrigen ist beim Behüten von Wiesen besonders daraus zu achten, daß die W idetiere nicht durch Zertreten vorhandener Be- und E'-twässerungsgräben Schaden verursachen; erforderlichenfalls sind sie durch einfache transportable Umzäunungen von den Grabenböschungen fernzuhalten.
Artikel 12. Die Schafweide bat f auf fremden Wiesen nur vom 15. Oktober bis 22. Februar oder so lange harter Frost dauert, aus geübt werden.
Artikel 13. Weideberechtigungen auf Wiesen mit anderem als Schafvieh dürfen nur im Herbst, und zwar vom 1. bis 15. Oktober, ausgeübt werden.
Schweine und Gänse sind von der Weide auf Wiesen ganz auSgellchlosstn.
Artikel 14. Auf Wiesendistrikten, insoweit sie künstliche WäfferungSanlagen haben, darf keine Weideberechtigung aus- geübt werden.
Artikel 15. Die in Artikel 12, 13 und 14 angegebenen Verbote gelten sowohl für eigentliche Weideservituten, als auch für Weidegemeinschaften und sonstige Berechtigungen.
Was das Beweiden von anderen Grundstücken als Wiesen anlangt, so verweisen wir auf die Bestimmungen der Artikel 2—5 des Gesetzes, den Umfang u. s. w. der Weideberechtigungen betr., vom 7. Mai 1849 (in der Fassung der Bekanntmachung vom 30. September 1899, Reg.-Bl. S. 754).
Gießen, den 13. Februar 1904.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Dr. K r a n z b ü h l e c.
Betr.:
Gießen, den 13. Februar 1904. Wie oben.
Lnatl. kann lebet pkl l^ nebenbei ocrb. ^*1^ an Arno Bitter, Jena«
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
HohmarNstr. t.
25^5 5 rt 2$
an die Grogh Bürgermeistereien des Kreises.
Indem wir Sie auf vorstehende Bekanntmachung Hinweisen, beauftragen wir Sie, auf genaue Befolgung der oben totebergegebenen Bestimmungen Hinzuwicken und insbesondere das Feldschutzpecsonal, sowie die Schäfer dementsprechend anzuweisen.
Wir machen Sie ferner darauf aufmerksam, daß bei außergewöhnlichec Witterung, sowie unter besonders gearteten wirtschaftlichen Verhältnissen eine Verschiebung der in Art. 11 bis 13 festgesetzten Termine durch uns erfolgen kann. Dahin gehende Anträge wären eintretendenfalls seitens des Wiesenvorstandes rechtzeitig bei uns zu stellen.
I. V.: Dr. Kranzb üh l er.
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Selbsthilfe und Slohnungssürsorge.
(Von unserem parlamentarischen Mitarbeiter.)
Demsdorf einen Bericht über die von dem Reich unterstützten Baugenossenschaften ab, in dem unverkennbar der Keim zu einer systematischen Reichswohnungsfürsorge enthalten ist. Im ganen haben 35 Organisationen die Unterstützung aus den sozialen Versicherungskassen erhalten. Tie größte davon ist der im Jahre 1890 gegründete Beamtenwohnungsverein zu Berlin, der vor kurzem in Deutsch-Wilmersdorf unter dem Beisein des Ministers des Inneren eine Anzahl Wohnungen eröffnet hat. Er zählt im ganzen nahezu 9000 Mitglieder und hat ein gezeichnetes Geschäftskapital von über 2% Millionen Mark, bon denen etwa 57 Prozent eingezahlt sind. Mit diesem Gelde sind im ganzem 21 Häuser errichtet worden, die einschließlich des Bodenwertes ein Kapital in Höhe des gesamten Geschäftskapitals repräsentieren. Die Berliner gemeinnützige Bodengesellschaft mit der daran angeschlossenen Alexandrastiftuna, die bereits aus dem Sabre 1848 stammt,
Freitag, den 19. Februar 1004
Gießener
Hat sogar einen Häuserbesitz mit einem ^atastermert von über 6 Millionen Mark. Der gegenwärtige tatsächliche Wert ist noch bedeutend höher.
Um nun die Wirkungen dieser Baugenossenschaften zu prüfen, unterzieht man am besten die Leistungen des Berliner Beamtenwohnungsvereins einer Kritik. Es wurde bereits oben ausgeführt, daß dieser im Besitz von 21 Häusern ist, die insgesamt 7 Verkaufsläden, eine Schankwirtschaft, eine Kleinkinderschule und 245 Wohnungen enthalten. Von diesen Wohnungen weisen 11 nur ein Zimmer auf, 83 zwei Zimmer, 8 zwei Zimmer unb eine Kammer, 55 drei Zimmer, 56 drei Zimmer und Kammer, 28 vier Zimmer unb Kammer und 4 mit fünf Zimmer und Kammer. Zu jeder Wohnung gehören die zum Familienleben erforderlichen Nebenräume, selbst die emzimmerigen Wohnungen haben einen Baderaum; die größeren sogar eine Badestube. Ebenso haben schon die zweizimmerigen Wohnungen einen Balkon bezw. eine Loggia. Die Preise betragen für eine Einzimmerwohnung 166 bis 220 Mark, für die Zweizimmer- wohmmgen 250 bis 500 Mark, für die Dreizimmerwohnungen 400 bis 540 Mark, für die Vierzimmerwohnungen 680 bis 840 Mark und für die Fünfzimmerwohnungen 720 bis 980 Mark. Sämtliche Häuser sind besser ausgestattet, als die gleichwertigen Privathäuser, und trotzdem stellt sich der Mietpreis um etwa 15 Prozent billiger als in diesen. Auch in der Alerandrastiftung bleibt der Mietpreis um 25 Prozent hinter dem Preise von Privathäusern zurück.
Es ist also unverkennbar, daß ein Hand-in-Hand-gehen der organisierten Selbsthilfe mit der öffentlichen Fürsorge tatsächlich die Wohnungsnot und vor allen Dingen die Ausbeutung des Publikums zu durchkreuzen vermag.
Der Krieg in Ostasien.
Alles deutet darauf hin, daß die europäischen Leser sich noch tagelang, weiter in Geduld werden fassen müssen, ehe zuverlässige Nachrichten über die Bewegungen der beiden Gegner hierher gelangen. Soweit man bisher übersetzen kann, scheint sich der Schwerpunkt der Operationen immer mehr nach dem oberen Lauf des Jalu zu verlegen.
Heißt es doch bereits, daß die Russen die koreanische Grenze überschritten haben. Allerdings wird es sich hier kaum um mehr als eine bewaffnete Rekognoszierung handeln können, denn die Russen werden einen aggressiven Vorstoß in das schwierige und ihnen wenig vertraute koreanische Bergland bei ihren schwachen Streitkräften nicht wagen.
Der zweite Torpedoangrifs auf Port Arthur
hat tatsächlich stattgefunden und wird in einem amtlichen Telegramm des japanischen Admirals Togo folgendermaßen geschildert:
Am frühen Morgen des 14. Februar machten die beiden Torpedojäger „Asagiri" und „Hayatori" einen neuen Angriff auf die am Eingänge des Hafens von Port Arthur liegenden russischen Kinegsschiffe. Durch einen schweren Schneesturm waren die Torpedojäger auseinander gekommen und griffen einzeln an. Der „Aiagiri" um 3 Uhr früh. Sein Torpedoschuß vernichtete einen ruffischen Aviso. Der „Hayatori" griff um 5 Uhr zwei russische Schiffe an, welche dicht am Eingänge des Hafens lagen. Sein Torpedo traf eines dieser Schiffe, wodurch eine Explosion entstand. Beide Torpedojäger kehrten unversehrt zurück.
Das japanische Marinedepartement glaubt genügenden Grund zu der Annahme zu haben, daß das vom „Hayatori" getroffene russische Schiff der Kreuzer „B o j a r i n" gewesen ist. Wie groß der Schaden gewesen ist, den er davongetragen, bariiber fehlen bisher genaue Nachrichten. Das vom „Asagiri" zerftörte Schiff war ein mit der Rekognoszierung beauftragtes Torpedoboot.
Der künftige Landkrieg
wird sich, dies kann nicht häufig genug betont werden, an der Jalulinie und auf der Halbinsel Liaotung abspielen. Nachfolgend eine kurze Uebersicht über die voraussichtlichen Operationen. Sm Osten von Korea dient Gensan als Stützpunkt für eine japanische Armee, die nach Nordwesten gegen den oberen Lauf des Jalu vorgeht. Die Japaner kennen die Gegend genau vom Jahre 1894 her, wo sie ebenfalls in Gensan gelandet sind. Eine hier zusammengezogene Armee kann als Flankenschutz gegen Nordosten für eine andere bienen, die an der Jalumündung ausgeschifft wird, um einen Gegner aufzusuchen, welcher Mukden und die Bahn^nach Port Arthur decken will. Es wurde gemeldet, daß £ong= wangtschöng, das etwa 80 Kilometer nordwestlich der ^alu= mündung liegt, von den Russen stark besetzt und durchs Feldbefestigungen gesichert werde. Damit wäre die Straße gesperrt, welche nach Mulden geht und auf welcher 1834 ein Teil der Armee des Marschalls Aamagata vorgmg. DXe Provinz Liaotung ist von zahlreichen Gebirgszügen durchquert, die von Westsüdwest nach Ostnordost streichen. Tiefe Mulden, in denen die Flüsse laufen, denen die Wege teilweise folgen, trennen die parallelgeb enden Ketten vonemand^-..
Jahrgang
J«sertto«SpreiS: Die einspaltige Petitzeile für ganz OHG Hessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. s^st 15
Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3269.
Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88
Fer«sprecha«schlust Nr. 362.
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So folgen sich hier starke Stellungen gegen einen Vormarsch von Korea nach der südlichen Mandschurei. Die Herrschaft zur See, welche die Japaner besitzen, ermöglicht ^hnen aber mich, an der Westküste der Halbinsel, auf deren Spitze Port Arthur liegt, zu landen unb etwa von der Gegend von Nintschwang aus gegen die Bahn von Mukden vorzugehen. Die Transportflotte und später die Etappeulinie über See nüßte gegen einen Angriff des russischen Geschwaders durch üc Schlachtflotte gesichert werden, die damit allerdillgs gesunden wäre. _________
Das russische Hauptquartier.
Von den russischen Maßnahmen ist die Nachricht, daß Admiral Alexejew sich mit seinem Stabe nach Charbin be- geben hat, überaus wichtig. Er befindet sich damit in dem Mittelpunkt der russischen Streitkräfte. Von Nordwesten kommt die Sibirische Bahn, von Osten die Linie von Wla- Nwostok und voll Süden die Strecke von Niutschwang. Die Stadt ist der Sitz der russischen Verwaltung für die Man- fschurei und hat neuerdings einen großen Aufschwung gekommen. Von dort kann das Oberkoinmando am besten Die Operationen leiten und die eintreffenden Verstärkungen dorthin senden, wo sie nötig sind. Im allgmeinen lassen sich vier Gruppen der russischen Streitkräfte unterscheiden. In Port Arthur und Umgebung steht eine etwa 15 000 Mann starke Gruppe, dahinter das dritte sibirische Armeekorps in dem Raum Niutschwang-Takuschau-Föngwang- tschöng-Mukden, nördlich hinter ihm das zweite Korps im Bezirk Chirin und im Osten von Wladiwostok nach Süden das erste Korps. Die Nachricht, daß vom letztem ein Detachement nach Kapsau in Nordkorea entsandt ist, bedarf der Bestätigung. Das Geschwader in Port Arthur ist mit Ausbesserungen beschäftigt. Von der Kreuzerdivision in Wladiwostok, die in den japanisck)<?n Gewässern erschienen war, fehlen noch immer sichere neue Nachrichten.
Verletzung der Neutralität Chinas?
Ein bisher allerdings unkontrollierbares Telegramm, das über Petersburg hierher gelangt ist, verbreitet die aufsehenerregende Meldung, daß die Japaner in Tschingwan- fao, in bedrohlicher Nähe des von den Russen besetzter: starken Platzes Niutschwang, gelandet seien. Tschingwangtao ist ein neutraler Hafen und, wenn sich die Nachricht bewahrheiten sollte, würde sie für die Störung des Weltfriedens von unberechenbarer Tragweite sein. Jedoch ist es gut, sich vorläufig darüber nicht allzusehr zu beunruhigen. Auch diese Meldung kann das Fabrikat einer Lügenfabrik sein. Schickten doch, wie ein deutsches politisches Witzblatt sich ausdrückt, amerikanische und englische Zeitungen ganze Scharen von „Erfindern", alias K^riegskorresponderrten nach dem Osten. Da ist es leicht möglich, daß ein solch findiger Herr den sonst schon vorliegenden beunruhigenden Berichten noch eine besondere Dosis nervenaufregendeil Gewürzes beimischen wollte. Der Befehlshaber des Pacific-Geschwaders der Vereinigten Staaten Admiral Evans berichtete neulich dem Flottendepartement, daß in Niutschwang ungeordnete Verhältnisse herrschen, und machte von Nachrichten Meldung, wonach die Russen dort britische und amerikanische Handelsschiffe aufhalten. Es verlmitet, falls das amerikanische Konsulat in Niutschwang in Gefahr geraten sollte, so würden Seesoldaten vom Kanonenboot „Helena" gelandet werden, ungeachtet des Wunsches der Regierung, weder Rußland noch Japan zu verletzen.
In Petersburg kommt man allmählich zu der Einsicht, daß man mit den Japanern recht harte Sträuße zu bestehen haben wird. Ein Regierungskomnluniqu6 spricht offen aus, daß man große Geduld haben müsse, ehe es so weit sein würde, daß die japanische Herausforderung gerächt se^l würde. Man vertraue aber fest auf den Mut und die Tüchtigkeit der russischen Soldaten.
Kaiser Wilhelm hat den Kaiser van Rußland und die Kaiserin von Japan davon in Kenntnis gesetzt, daß die deutschen La z a r e t t e in Tsingtau und AokohamQ für Kriegsverwundete zur Verfügung stehen.
Die Politik.
G> Ungarische Blätter wissen zu berichten, die deutsche Regierung trage sich unter dem Drucke der Rechten mit dem Gedanken, in naher Zeit die bestehenden Handelsverträge zu kü n d i g e n. Diese Meldung, die zweifelsohne auch von vielen deutschen Blättern gläubig nachgedruckt werden wird, ist, wie unser Berliner ^.-Mitarbeiter meldet, von Anfang bis zu Ende ein müßiges Hirngespinst.
W In zwölfter Stunde hat die sächsische Regierung erfreulicherweise noch einmal den Versuch gemacht, den drohenden Leipziger Krankenkassen- und Aerzte-Streit gütlich beizn- legen. Nachdem die Einigungsverhandlungen bereits endgültig gescheitert schienen, hat die Regierung die Vertreter beider Parteien zu einer nochmaligen Verhandlung einbe- mfen, die am Mittwoch Abend unter dem Vorsitz des königlichen Kreishauptmanns stattfand und das Ergebnis hatte, daß beide Parteien nochmals zu den Regierungsanträgen Stellung nehmen werden. Sowohl der Kassenvorstand wie die Aerzteschaft beriefen bereits für Donnerstaa Abend neue