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Nr. 66

Freitag, den 18. März 1904.

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Wd»»«e«e»t-pretS: in Steßen, abgehstt monatlich 50 Pfg., WH H«us gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel- jShrttch Mk. 1.50.

G»W^beNage»: Oberhesstsche Famitteuzeituug (täglich) und die GietzeuOr GOifeublase« (wöchentlich).

Dus Blatt erscheint an alle« Werktagen nachmittag-,

Oie ßsuer

13. Jahrgang

J«sertio«SpreiS: Die einspaltige Petitzeile für ganz 0M Hessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 16 â, Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen, SelterSweg etc Fer»sprecha»schl«st Nr. 368.

Gießen

setzen.

Musste Mchrichleu

(Gießener GugeSkatt)

MnaSstiußige Tageszeitung

(Gießener Wertung)

U und Stirn, *«& und

für Overhefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Gießen

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Gießen.

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steht das Jahr 1904. In

Südwrftafrika

stehen deutsche Truppen im Kampfe gegen die Hereros und ganz besonderes Interesse ruft der

russisch-japanische Krieg

hervor, wird dadurch doch wahrscheinlich durch einen

russisch-englischen Krieg

die Frage der Vorherrschaft in Ostasien zur Aufcol- lung und Entscheidung gebracht. Auch

die Franzosen und Balkarrvölker rüsten, um dem möglicher- HJ^Itkf j^A zu begegnen. Weise entbrennenden Kurzum,

tausenderlei Fragen, auch in der

inneren Politik

ssthen vor der Entscheidung. — Wer an diesen Fragen Interesse nimmt, der lese ein gut unterrichtetes unb durch größere Telegraphen-Bureaus schnell be­dientes Blatt, wie es die

„ Gießener Neueste Nachrichten" ist. — Unsere Zeitung wird unabhängig von der Parteien Streit freimütig zu allen Fragen dec Ocffentlichkeit Stellung nehmen, immec das Wohl aller Staatsbürger im Auge behaltend.

die Immatrikulation von Ausländern und zwar nach Ab­schluß der Immatrikulation von deutschen Studenten.

Ganz besonders streng aber wird man den Aufnahme- gesuchen der studierenden Damen gegenüber verfahren. Einem zuverlässigen Gerücht zufolge werden die preußischen Universitäten in Zukunft für russische Studentinnen voll­ständig gesperrt werden und zwar sowohl aus wissenschaft­lichen Gründen, wie auch aus Gründen der Staatsraison. Die Vorbildung dieser Studentinnen ist durchaus unzureichend, weil in Rußland überhaupt keine geeigneten Schulen zur Ausbildung von Damen bestehen. Außerdem sind die Studentinnenguartiere meist der Herd der revolutionären Umtriebe. Wenn die geplanten Maßnahmen tatsächlich zur Ausführung kommen — und daß dies geschieht, daran ist kein Zweifel — dann hat der Hahnenschrei der russischen Stu­denten auch eine erfreuliche Wirkung gehabt.

Wie unkontrolliert verlautet, wollen die außerpreußischen Universitäten den ausgewiesenen Ruhestörern die Aufnahme versagen, so daß sie wohl, n enn sie nicht nach ihrer Heimat zurückkehren wollen, das Asylrecht der Schweiz in Anspruch nehmen müssen. Das scharfe Vorgehen der Regierung war nach den Provokationen der Studenten nicht bloß berech­tigt, sondern im Interesse unseres Ansehens sogar notwendig. Hoffentlich lassen es sich andere Ausländer zur Lehre dienen.

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PIT Schon jetzt werden Neubestellungen

II Quartal (die Monate April, Mai und Juni) zum Preise von

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(mit Bestellgeld 30 Pfg. mehr) von allen PoftanKalten, LandbrieftLägeru und unseren Agenteu entgegen- genommen.

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Husgewiesen.

CB. Die Urheber der Stubentenbemonftration gegen den Sieichskanzler Grafen Bülow sind nunmehr von ihrem Schick- |a[ ereilt worden. 14 russische Studenten wurden vor das Berliner Polizeipräsidium geladen und es wurde ihnen dort eröffnet, daß sie binnen 8 Tagen das preußische Staatsgebiet : Ji verlassen haben; sollte dies nicht geschehen, dann werden |ie Der Schub an irgend eine Grenze gebracht.

Man wird diese Maßregel nicht ungerecht finden können, Nä^dem sich diese Herren Freiheiten herausgenommen l>aben, ■die selbst deutschen Untertanen nicht zustehen. Die Fassung . ihrer Resolution gegen den Reichskanzler würde ohne Zweifel our Einleitung eines strafrechtlichen Verfahrens wegen Be- icidigung berechtigen. Hiervon ist indes abgesehen worden, peil es den Regierungsbehörden vor allem darauf ankommt, Die ungebetenen Gäste möglichst bald wieder los zu werden. Auch entspricht dieser Abschub der Praxis anderer Staaten.

Gelbst die freie Schweiz und England sind neuerdings in

$ ^iri^ Lie Reihe derjenigen Staaten eingetreten, die eine scharfe ^rcmbenfontrollc ausüben, und die Vereinigten Staaten von il Nordamerika haben bekanntlich seit langem schon die Ein-

Stadt Änderung unter eine scharst Kontrolle^ genommen.^

Die Ausweisung der russischen Studenten wird wahr­st , peinlich auch nicht ganz ohne Folgen bleiben. Wie ver- J A hütet, besteht in Regierungskreisen die Absicht, bei der Zu- ^an die b ' Äsung russischer Studierender die Ausweispapiere über die wissenschaftliche Befähigung genauer unter die Lupe zu neh- M' als dies bisher der Fall war. Es ist eine leider uner- {unliebe, aber doch wahre Tatsache, daß bis in die jüngste oder M Leit hinein Studierende aus Rußland als ordentliche Hörer ße Ü den Universitäten immatrikuliert wurden, obgleich ihre wissenschaftliche Vorbildung nicht den Ansprüchen des Staates

Der Krieg in O stallen.

Dst Russen sollen nach Berichten von Eingeborenen ihre Truppen an der Jalulinie soweit verstärkt haben, daß sie ihre Hauptmacht über den Jatufluß vorschieben konnten. Sie ließen nur kleine Truppenkörper in Antung, Tschiulien- tscheng unb anderen Orten zur Bewachung des« Flusses zurück.

Mit dieser Meldung stimmt eine zweite sinngemäß zu­sammen, nach der von russischer Seite

Korea als kriegführende Macht erklärt worden ist. Aus Söul wird folgendes Telegramm über­mittelt :

Der koreanische Handelsvorstand in Kjöngjöng am Tjunenfluß erhielt eine Mitteilung vom russischen Ge­neral in Wladiwostok, in welcher dieser ihn benachrichtigt, daß, da Korea sich Japan angeschlossen habe, Rußland ersteres als kriegführend ^nsehe. Demgemäß 'werben 2000 Mann koreanischer Truppen, die jetzt in Söul stehen, nächste Woche nach dem Norden gesandt werden. Die Japaner stellten endgültig fest, daß eine große Truppen­macht russischer Feldartillerie am Nordufer des Jalu- flusses Erdwerke aufwerfe.

Weiter wird berichtet, daß eine beträchtliche russische Streitmacht eine wertvolle strategische Stellung in der be­festigten Stadt Aschangan, bis wohin die Japaner in dem chinesisch-japanischen Kriege vorgerückt waren, eingenommen habe.

Explosion eines russischen Torpedojägers.

In Port Arthur scheint alles beim alten zu sein. Me Einfahrt ist frei, wie das nachfolgende Telegramm von einem schweren Unglücksfall der russischen Flotte beweist:

Beim Einfahren in den Hafen von Port Arthur strëß der russische Torpedojäger „Skorh" aus eine Mine, die von ihrem Platze abgetrieben war, und flog in die Luft. Nur vier Leute von der Besatzung wurden gerettet.

Mit Lartnäckiakeit erbält sich das Gerücht, daß ein Teil der russischen Flotte aus Port Arthur entkommen ist und sich mit bim Wladiwostok-Geschwader vereinigt hat ober doch sucht, eine Vereinigung mit ihm herzustellen. Erne Meldung des Reuterschen Bureaus will wissen, daß bei Port L-azarew nördlich von Gensan an der Westküste Koreas sieben russische Kriegsschiffe gesichtet wurden. Es ist aber wahrscheinlich, daß die gesichteten Fahrzeuge das Wladi­wostok-Geschwader selbst sind. Die Zahl könnte auf dieses, das aus vier großen Kreuzern und einigen kleinen Auf- llärungsschiffen besteht, recht wohl zutreffen.

lleibe, wenn das ganze Jesuikengèsetz aufgehoben werde. Allerdings sei es noch ungewiß, ob die ordentlichen Gerichte diese Anschauung der Regierung teilen würden. Das Haus nahm die Erklärung der Regierung mit Dank zur Kenntnis.

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□ Bei der soeben vollzogenen Reichstagsersatzwahl im Wahlkreis S ch r i m m - S ch r o d a wurde der Pole Chla- o o w s k i mit großer Mehrheit gewählt. Chlapowski ist Damit Nachfolger des bisherigen Inhabers des Mandats, des verstorbenen Polen v. Glembocki, geworden. ___

Cngland,

cf Der jüngsten parlamentarischen Niederlage des Londoner Cabinets wollen die britischen Liberalen eine zweite an die Seite stellen: Der Führer der Liberalen im Londoner Unterhause, Campbell Bannerman,. hat Initge* teilt, er werde ein Misstrauensvotum gegen die Regierung im Unter Hause beantragen. In dem Votum soll erklärt werden, daß das Haus das Verhalten der Regierung in­sofern mißbillige, als sie der Krone nicht geraten habe, der Verordnung über die Einführung chinesischer Arbeiter in Transvaal die Zustimmung zu versagen. — Es ist ja noch sehr zweifelhaft, ob das Mißtrauensvotum die Mehrheit im Unterbaute finden wird. Ist das aber der Fall, so scheint damit der Sturz des Ministeriums besiegelt

Balkan-Staaten,

d Das Londoner Kabinet, das auf dem Balkan von jeher politische Brunnenvergiftung getrieben hnt, ist wieder auf einer neuen Intrigue ertappt worden: Die Londoner Regie­rung hat Serbien gegen Oesterreich-Ungarn und Rußland aufzuhetzen versucht, offenbar in der Absicht, die Serben zur Durchkreuzung der russisch-österreichischen Balkanpolitik an­zufeuern. Der frühere serbische Gesandte in London, Mija- towitsch, veröffentlicht einen Artikel, in dem er sagt: Er sei von englischen Regierungskreisen verständigt worden, daß für Serbien die Gefahr bestehe, Oesterreich-Ungarn werde seine B a l k a n p l ä n e mit Zustimmung Rußlands ver- nürktichen; Vorläufig denke Oesterreich noch nicht an eine Okkupation des Sandschak, doch bestehe schon jetzt zwischen Rußland und Oesterreich-Ungarn ein Uebereinkommen, wo­nach Rußland einer etwaigen österreichischen Okkupation des Sandschak zustimnit. Selbstverständlich handelt es sich um eine blanke Erfindung. 9Uißland würde sich ins eigene Fleisch schneiden, wollte es den Oesterreichern helfen, sich auf dem Balkan festzusetzen.

HHen.

G Ein angenehmer Herrscher ist unstreitig der derzeitige Emir Von Afghanistan. Er springt mit Leuten, die ihm lästig sind, noch schlimmer um als sein Nachbar, der Schah-in-Schah von Persien. Jüngst ließ der Emir seinen Bruder Mohamed U m a r K h a n ins Gefängnis werfen, weil dieser einen Stallt- meister des Emir, der ihm ein Pferd aus dem Marstall ver­weigerte, kurzerband hatte köpfen lassen. Umar Khan ist nun aus dem Gefängnis entkommen, und dies erregte den Emir so, daß er seinen Wächter, Mohamed Hussein Khan, mit dem Tode bestrafte. So sind zwei Menschenleben eines Pferdes wegen geopfert worden. Der Emir wird sich wahr­scheinlich schwere Vorwürfe darüber machen, daß er seinen Bruder Umar am Leben ließ, denn dieser soll beabsichtigen, ihm den Thron streitig zu machen. Diese Schonung ist auch in der Tat schwer zu verstehen, denn der Emir ist sonst mit der Beseitigung unerwünschter Leute schnell bei der Hand. Das früher beliebte Jnfetzenichießen eines Verbrechers, der vor eine Geschützmündung gebunden wurde, scheint außer Mode gekommen zu sein. Dagegen wurden aber noch in der letzten Zeit das Lebendigbegraben, das Verbrennen, das Pfählen und das Verdurstenlassen von dem Emir mehrfach angewandt. Daß das afgbanische Volk sich solche Tyrannei von seinen Herrschern gefallen läßt, zeigt am besten, daß es reif ist, von einem zivilisierten Volke, seien es nun Russen oder Engländer, in die Zügel genommen zu werden.

an die deutschen Studierenden entsprach.

. ton nur Legitimationspapiere angenomm

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In Zukunft wer-

nur Legitimationspapiere angenommen, die von der zu- Oudigen deutschen Gesandtschaft bezw. Konsulat visiert und

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wf Grund einer Rückfrage als gleichwertig mit den deutschen Mdungsansprücheu von den betreffenden Behörden bestätigt sind. Dadurch wird eine Maßregel, die schon lange für die Nutung von fremden Studierenden als notwendige Vor- ausletzung gefordert wird, von selber zur Ausführung ge- lansen: nämlich die Einrichtuna besonderer Termine für

Die Politik.

»k« In 8er zweiten sächsischen Kammer beantwortete gestern der Kultusminister V. S e y d e w i tz die von fast sämtlichen Mitgliedern der Kammer unterzeichnete Inter­pellation wegen der Stellungnahme der sächsischen Regie­rung zur Aushebung des § 2 des Jesuitengesetzes. Der Minister erklärte unter lebhaften Bravorufen der Kammer- mitglieder, daß die sächsischen Stimmen im Bundesrate gegen die Aufhebung des § 2 abgegeben worden feien imb daß die Regierung der Anschauung sei: Die Bestimmung in dem § 56 Abs. 2 der sächsischen Verfassungsuc?unde: „Es bürfen weder neue Klöster errichtet, noch Jesuiten oder irgend ein anderer geistlicher Orden jemals im Lande ausgenommen werden", werde durch die Aufhebung des 8 2 nicht berührt. Diese Auffassung habe auch die volle Zustimmung des Königs, der bekanntlich katholisch ist, gefunden. Die Regierung werde unbedingt an der Anschauung festhalten, daß dieser Verfassunasvaraaravb 56 auch dann in Kraft

Kos und Gesellschaft

*% Der Kais er hat während seines Aufenthalts in Vigo den König von Spanien â la suite der deutschen Marine gestellt. Infolgedessen setzten die Schiffe im Kieler Hafen gestern mittag die spanische Flagge und salutierten sie. Der Abschied der beiden Monarchen war überaus herzlich. Sie umarmten und küßten sich wiederholt. Als der „König Albert" sich in Bewegung setzte, löste der spanische Kreuzer „Pelayo" 21 Schuß. Die „Giralda" mit dem König von Spanien an Bord begleitete ihn langsam ein Stück. Hinter der „Giralda" fuhr Friedrich Karl. „König Albert" dampfte zwischen zwei Reihen von Dampfern weiter, ach denen die Insassen dem Kaiser, der umgeben von seinem Gefolge auf Deck stand, enthusiastische Ovationen bereiteten, Nachdem die drei Schiffe am Horizont verschwunden waren, kamen die Dampfer und Barken in den Hafen zurück. Wil weiter aus Vigo berichtet wird, ereignete sich während einer kurzen Spazierfahrt, die die beiden Monarchen an Bort eines spanischen Kanonenbootes durch die Bucht unternahmen, ein aufregender Zwischenfall. Einer der zahlreichen, vom Publikum besetzten Fischdampfer kollidierte infolge eineZ falschen Manövers mit dem Kanonenboot. Das Publikum, vom Schrecken erfaßt, benenn auf das Kanonenboot au