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Nr. 41. Donnerstag, den 18. Februar 1804.

WH»«e«e*tSpreiS: in Gießen, abgehslt monatlich 60 Pfg., te^ H«us gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mk. 1.50.

«VEtt-bettagen: Oberhefstsche FamitteNzeUnug (täglich) und die Gietzeuer Ssifeublase« (wöchentlich).

Das Blatt erscheint an alle« Werktagen nachmittags.

-----13^Jahrgang.

J»sertio»SpreiSr Die einspaltige Petitzeile für ganz d*T

Hessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. fon£ 16

Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88

FerNsprechauschlust Nr. SSL.

Meuche Machrichlen

(Hieße««» Uagevlattt MaSHLugige Tageszeitung (Hießener Zeitung)

für Merheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalameiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Br'^tt^sMiXisxaa^^^

Unsere Afrikaner an der Arbeit.

Erfreuliche Nachrichten bringt das amtliche Kubel aus Dercksch-Südwestafrika: Die deutsche Hilfsexpedition hat be­reits bemerkenswerte Erfolge zu verzeichnen. Gouverneur Leutwein meldet dem Kolonialamt unter dem 16.

Februar: ,

Die unter dem Befehl des Oberleutnants v. Winck­ler stehende Abteilung hat auf dein Marsch nach G o b a - bis am 11. Februar die Herero-Werft A u s i s überfallen und zahlreiches Vieh erbeutet. Der Feind hatte mehrere Tote. Diesseits verwundet Unteroffizier Bredow, Reiter Liebe.

Die Kolonne Winckler, die nicht zu der eigentlichen Hilfsexpedition gehört, sondern aus dem schon vor der Aus­reise die Expedition abgegangenen Ablösungstransport für denHabicht besteht, war, wie schon gemeldet, bereits vor dem Eintreffen der Kompagnie Fischel, die Vorhut des Marineexpeditionskorps, nach Gobabis abgegangen. Gobabis ist nach einer inzwischen eingegangenen weiteren Meldung Leutweins augenblicklich außer Gefahr: Die Belagerer sind plötzlich abgezogen, offenbar auf die Kunde von dem An- r liefen der Kolonne Winckler hin.

Das Telegramm Leutweins vom 16. enthält weiter einiges über das schon gemeldete

Gefechr bei Sens, in das die Kompagnie F i s ch,e W^rwickelt war. Danach wurde der Angriff der Herero auf oie im Marsch befindliche Kompagnie mit den schon erwähnten Verlusten auf deutsHer Seite- drei Tote, zwei Verwundete zurückgeschlagen.

Von der 7

Rettung einiger Deutschen, die man schon ermordet glaubte, berichtet ein der- Damara- und Namaqua-Handel-gesellscha aus Swakopmund zuge­gangenes . Telegramm. Danach sind die Ansiedler Brock und Frau, sowie Wardesky glücklich in Swakopmund eingetroffen, nachdem sie drei Wochen in Out jo eingeschlossen waren.

Die Ankunft des

zweiten deutschen Truppentransports in der Kolonie ist binnen kurzem zu erwarten. Der Dampfer , Lucie Woermann" mit dem Transport an Bord ist am Dienstag in Las Palmas eingetroffen. Er hatte wegen schlechten Wetters eine Verspätung von drei Tagen. Das schlechte Wetter war auch daran schuld, daß der an Bord be­findliche Oberleutnant Marschner, bisher beim Magde- burgischen Pionierbataillon Nr. 4, den Arm gebrochen hat und daß mehrere kleine Verletzungen vorgekommen sind. Sonst ist an Bord alles wohl.

Aus dem dem Hererogebiet benachbarten Ovamboland berichtet die soeben âgetroffeneDeutsch-Südwestafrik. Zeitung", daß zur Aufsuchung der von den Ovambos Weg- zeführten Tochter des ermordeten Farmers Paasch sich elf Buren von Grootfontein aufgemacht hatten und als Händler und Jäger nach den Ovambowerswn gezogen waren, fei denen sie die Weggeführte vermuteten. Sie haben sie auch richtig dort gefunden und mit znrückgebracht. Paasch soll etwa 6000 Mark besessen haben, die die Ovambos geraubt hatten und setzt wohl gegen die ihnen gebrachten Handels­waren eingetauscht haben dürften. Falls sich dieser Verdacht bestätigt, wird eine B <estrafung der Ovambo unver­meidlich sein. Allerdings kann sie leicht zu neuen Unruhen führen, die bei der Zahl und Wildheit der Ovambo recht unerfreulich wären, sobald sie gleichzeitig mit dem Herero- mfstande ausbrächen. Es wird sich deshalb empfehlen, mit her Bestrafung der Ovambo zu warten, bis der H^reroauf- stand völlig niedergeschlagen ist.

Der Krieg in Ostasien.

Wie vorauszusehen war, muß sich auch heute die Bericht­erstattung über die Vorgänge auf dem Kriegsschauplatz auf unkontrollierbare Gerüchte stützen. Allerdings scheint diesen eine gewisse Glaubwürdigkeit nicht abzusprechen zu sein, da sie sich in den Rahmen dessen, was man bisher von den Absichten der Kriegführenden weiß, sinngemäß einfügen.

Die wichtigste Nachricht ist die, daß

ein neues Seetreffc« bei Port Arthur stattgefunden haben soll. Die japanische Torpedoflotte, so wird dem Reuterschen Bureau aus Tokio gemeldet, hat am 14. d. Mts. die russische Flotte bei Port Arthur wiederum angegriffen. Dabei soll ein russisches Schiff schwer beschädigt worden sein. Es ist möglich, daß die russischen Schiffe, um die es sich hierbei handelt, dieselben sind, deren Entkommen aus dem Hafen gestern gemeldet wurde. Es ist aber auch mcht ausgeschlossen, daß die Japaner den eisernen Ring, den sie mit ihren Schiffen um die Hafenmündung von Port Arthur bilden, in Hinsicht auf dieses unliebsame Faktum wieder enger geschlossen haben und dabei mit der russischen

Hauptflotte in Kollision geraten sind. Sei dem, wie ihm wolle, jedenfalls wird durch die ständigen Meldungen von erneutem Auftauchen japanischer Schiffe vor Port Arthur bewiesen, daß die anfänglich von russischer Seite verbreitete und jetzt wiederholte Darstellung, als ob das japanische Ge­schwader sich mit einem Verluste von drei Schiffen nach Tschemulpo zurückgezogen habe, auf recht schwachen Füßen steht.

Der Verteidigungszustand von Port Arthur.

Der Kommandant von Port Arthur, General Stößel, hat eine Proklamation an die Einwohner erlassen, in der er sie zur Ruhe und Zuversicht mahnt. Wie aus guter Quelle verlautet, war die Bevölkerung nämlich in die größte Un­ruhe verletzt worden, da ruchbar wurde, daß große Verun­treuungen an Kriegsmaterial begangen seien. Proviant und Kohlen seien nur zur Hälfte vorhanden und die Ver­teidigung daher äußerst gefährdet. Von russischer militäri­scher Seite werden diese Veruntreuungen entschieden be­stritten. Es wird vielmehr darauf hingewiesen, daß Port Arthur ausreichend verproviantiert sei und sich in einem vor­züglichen Verteidigungszustande sowohl von der See- als auch von der Landseite aus befinde. Immer wieder wird in russischen Blättern behauptet, daß die Japaner sich bei Lan­dungsversuchen auf der Halbinsel Liaotung blutige Köpfe geholt hätten. Sie seien auf die mächtigen Sperrforts ge­stoßen, die sich von Port Arthur in langer Linie herum- ziehen. Die Russen hätten, gewitzigt durch die leichte Erobe­rung Port Arthurs im chinesischen Kriege von der Landseite her, diese schwache Seite Port Arthurs im Laufe der Jahre in eine fast uneinnehmbare Position umaeschaffen.

Die Wladiwostok-Flotte umgekehrt.

Die Russen haben es allerdings auch nötig, sich auf die Festtgkert, der Walle von Port Arthur verlassen zu können, denn ihre einzige Hoffnung auf Entsatz von der See her scheint endgültig geschwunden zu sein. Die eifrige Jagd, bi? japanische Torpedobootzerstörer auf das russische Wladi­wostok-Geschwader machten, soll dieses zu schleuniger Um­kehr in seinen Heimathafen gezwungen haben. Damit ist noch gar nicht einmal gesagt, daß sie sicher dort eintreffen. e^^b^ner werden alles daran setzen, sie aufzufinden und unschädlich zu machen. Aber selbst wenn sie glücklich wieder nach Wladiwostok zurückkehren, ihre Mission ist für immer BZ gescheitert anzusehen, denn hinaus aus dem Hafm zu nnem neuen Entsatzversuch von Port Arthur werden sie nicht kommen. Die Japaner scheinen nach russischen Berichten ernstlich daran zu denken, auch Wladiwostok von der See und vom Lande her zu blockieren. Wenigstens konzentrieren sie starke Truppenmassen nördlich des Jaluflusses, um bem zu begegnen, daß die Japaner die strategische Verbindung zwischen Wladiwostok und Port Arthur längs des Jalu- flustes abschneiden. Man erwartet in dieser Gegend den ersten Zusammenstoß zwischen den Landheeren. Und zwar soll dieser nicht mehr lange auf sich warten lassen können, da die Japaner die Strecke von Gensan aus in zehn Tagen zurucklegen können. Eine Woche aber ist bereits seit ihren Ersten großen Landungen verflossen. Flüchtlinge erklären, datz Wladiwostok nicht darauf vorbereitet sei, einem Angriffe Widerstand zu leisten. Es seien dort weder Torpedos noch Minen vorhanden und zehn Torpedoboote vom Eise ein­geschlossen.

Korea unter japanischer Herrschaft.

^ vollkommen die Japaner sich Herren von Korea fühlen, geht aus einer Meldung aus Söul hervor, wonach dort heute mit Bewilligung des Kaisers von Korea ein Vetter des Mikado eintrifft, um die Mitregentschaft, angeblich nur für die Dauer des Krieges, zu übernehmen. Das koreanische Militär deserttert massenhaft und macht die Dörfer der Um­gegend durch Plünderungen unsicher. Die fünf koreanischen Postschiffe dienen Japan als KohlÄischiffe. Der einzige koreanische KreuzerYangniu" erwies sich für Kriegszwecke alâ unbrauchbar; er dient den Japanern für den Truppen­transport.Diese fanden große, von den Russen aufgestapelte Kohlenvorräte in Tschemulpo. Die japanischen Garnisonen in Süusi Tschemulpo und anderen koreanischen Städten er­hielten die von den desertierten koreanischen Soldaten zurück- gelassenen Einrichtungsstücke, außerdem Geld und Geschenke vom Söuler Hofe. Die koreanischen Posten und Telegraphen werden von koreanischen Beamten unter Überwachung japa­nischer Genieoffiziere bedient. Der Kaiser von Korea,' der seinen russenfreundlichen Minister Aiyongik hat verhaften lassen müssen, macht gute Miene zum bösen Spiel. Er machte ^den japanischen Truppen reiche Geschenke an Wein und Tabak und hat befohlen, ihnen jede Erleichterung zu ge­währen.

Opfer der chinesischen Volkswut.

Die in der bekannten amerikanischen Note ausgedrückte Befürchtung, daß das chinesische Volk sich durch die kriege­rischen Verwickelungeii zwischen Rußland und Japan zu Unruhen aufstacheln lassen könnte, hat sich inzwischen in einer chinesischen Provinz bereits in traurigster Weise bestätigt. In Chensi brach ein Aufruhr aus, dem als erste Opfer der Staatsanwalt und der Zolldirektor zum Opfer fielen.

Eine Depesche desStandard" aus Tientsin bestätigt die große Gefahr für die allgemeine Lage, die durch China droht. Außer Su ist eine Reihe anderer für die Neutralität ein- tretender Beamten abaesetzt worden, und jeder , neue japa-«

«mim Bimw .Mm|

nische Erfolg läßt eine Explosion befürchten, die sich ohne Unterschied gegen alle Fremden richten dürfte. Die Japaner haben bereits die Verbreitung ihrer Siege durch Flugblätter in Petschili einstellen müssen, da die hierdurch hervorgerufene Erregung der Chinesen die Besorgnis eines Neutralität^ bruches hervorrief.

Ein anderer Fall furchtbarer Ausschreitungen politischer Volksleidenschaft, _ die durch den Krieg angefacht ist, wird aus Rußland selbst gemeldet. Als in Baku die dort wohnen­den Armenier auf dem Hauptplatze für den Sieg der russi­schen Waffen Gebete abhielten, wurde plötzlich eine Bombe in die Menge geschleudert, wobei drei Menschen getötet und 'uele verwundet wurden. Die Verbre^- sind verhaftet.

Die Politik.

A Offiziöse römische Mitteilungen wissen zu berichten, die Verhandlungen über den deutsch-italienischen Handelsvertrag schritten in einer Weise fort, daß die Hoffnung auf eine demnächstige günstige Lösung gerechtfertigt er­scheine. Es wird dann freilich immer noch abzuwarten sein, was die deutsche Volksvertretung zu dem Vertragsentwurf zu sagen haben wird.

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Zu einem großen Kriege zwischen Krankenkassen und Aerzten scheint sich der Leipziger Kasse nkonflikt auswachsen zu wollen. Die von der sächsischen Regierung ein­geleiteten Verhandlungen zur Herstellung des Friedens zwischen den Aerzten und den Ortskrankenkassen in Leipzig sind endgültig gescheitert. Sämtliche Kassenärzte stellen am Ende dieses Vierteljahres ihre Tätigkeit ein. Es kommen 132 000 Kassenmitglieder in Betracht. Das endliche Er­gebnis des Kampfes kann nur dasselbe sein wie bei den Kon­flikten in Mühlhausen und Köln: Am Ende muß die Regie­rung von Gesetzes wegen einschreiten, und da die Aerzte offenbar sich solidarisch erklären, wird die Kasse wohl am Ende die Forderungen der Aerzte bewilligen müssen.

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^ Die Einführung des Befähigungsnachweises für das Baugewerbe ist, wie in parlamentarischen Kreisen bestimmt versichert wird, mit Sicherheit zu erwarten. Dahingehende Anträge liegen bekanntlich dem Reichstage vor, auch der preu­ßische Landtag wird sich mit derselben Materie zu beschäftigen haben. Von der preußischen Regierung sind die Handwerks­kammern in der Sache befragt worden. Die Antworten sollen durchweg so ausgefallen sein, daß die Einführung des Be- fähigungsnachweifes dringend gewünscht wird. Die Ein­bringung einer entsprechenden Regierungsvorlage steht denn auch, wie unser Berliner ^.-Mitarbeiter aus guter Quelle hört, binnen kurzem bevor; indes wird sie zunächst im preu­ßischen Landtage eingebracht werden. Die reichsgesetz­liche Regelung der Frage soll später ang,estrebt werden, wenn man in Preußen mit diesem Befähigungsnachweise Er­fahrungen gesammelt hat.

# Die evangelischen Arbeitervereine Sachsens petitionieren bei der sächsischen Regierung um die Einführung des Pro- portionalwahlsyftems, um dem nationalgesinnten Teile der Wähler der 3. Abteilung eine eigene Vertretung zu ermög­lichen und sie nicht rettungslos von der Sozialdemokratte er­drücken zu lassen, wie bei der letzten Reichstagswahl, bei der 445 000 sozialdemokratische Stimmen 22 Mandate eroberten, während den 306 000 ordnungsparteilichen Stimmen nur ein einziges Mandat zufiel.

Balhan-Staaten»

0 Trotz der Versicherung der beiden Ententemächte, sie seien entschlossen, jeden neuen Aufruhr auf dem Balkan zu unterdrücken, sieht man in der Donaumonarchie selbst höchst pessimistisch in die Zukunft. Namentlich in Wiener Börsen­kreisen rechnet man mit ziemlicher Bestimmtheit auf neue Wirren am Balkan und auf einen bulgarisch-türkischen Krieg. An der Wiener Börse dauerte der starke KNrsrückgang fort. Das Schwergewicht der politischen Besorgnisse bildet der Ausbruch der Aufstandsbewegung in Albanien. Ganz un­begründet scheint diese Besorgnis nicht, ist es doch Tatsache, daß im Gebiete von Djakova Kämpfe zwischen den Albanesen und türkischen Truppen stattfinden. Sch-emsi Pasck)a erlitt in einem mehrstündigen Gefecht eine schwere Niederlage. Bei Tjakovitza, dicht bei Djakova, leisteten albanische Anmuten der eine Viehzählung vornehmenden Stenerkommission be- wafsireten Widerstand. Aus Rtttrowitza eingetroffeues Mi­litär feuerte auf die Aufständischen. 18 Arnauten und 4 Soldaten wurden erschossen. Schuksie-Pascha ist mit einer Truppenverstärkung von Hess üb nach Djakovitza abgegangen. Im Vilajet Saloniki finden täglich Kämpfe mit bulgarischen Banden statt, und die Beziehungen zwischen der Türkei und Bulgarien werden täglich gespannter. Grund genug, um die Lage auf dem Balkan mit Besorgnis zu betrachten. Zwei­felsohne wird es Rußland und Oesterreich gelingen, große Verwickelungen hintanzuhalten. Aber schon die kleineren Verwickelungen werden genügen, um Europa in steter Unruhe vegen der Möglichkeit eines Balkankrieges zu erhalten.