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GUOttSbeilage«: Oberhefsische Famttte«zeitu«g (täglich) und die Gietzeuer Seifenblasen (wöchentlich).
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Mittwoch, den 17. Februar i*u4.
Gießener
___________________13. Jahrgang.
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Postzeitungsliste No. 3269.
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Neueste Nachrichten
(chießerrer Uagevtatt) Nnavhaneige Tageszeitung tchietzener Weitung)
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für Oberhefsm und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
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Die „Gefahr“ des flafcbenbierhandels.
CB. Der Plan, den Flaschenbierhandel in Preußen unter behördliche Kontrolle zu stellen und von einer Konzessions- Pflicht abhängig zu machen, hat, wie vorauszusehen war, in Interessentenkreisen sehr lebhafte Erörterungen hervorgerufen. Er ist offenbar, wenn es auch nicht ausdrücklich ausgesprochen wird, Lie erste Frucht der alkoholfeindlichen Bewegung, die durch das Volk geht. Ob der Flaschenbierhandel tatsächlich dieWirkung gehabt hat oder haben wird, den Alkoholgenuß im Volke zu steigern, läßt sich in statistischen Ziffern kaum feststellen. Die größere Wahrscheinlichkeit spricht allerdings dafür, daß die bequeme Erreichbarkeit des Biergenusses diese „flüssige Nahrung" auch dem Tische des kleinen Mannes zuführt und daß Frau und Kinder weit eher einem Trunke zusprechen werden, wenn das Bier aus der häuslichen Vorratskammer herausgeholt werden kann, als wenn zur Deckung des jedesmaligen Bedarfs ein Gang über die Straße notwendig ist. Allein, wenn man auf diese Weise dem Alkoholgenuß beikommen will, dann kann dies nur im Zusammenhang mit anderen Maßregeln geschehen. Dann müßte vor allen Dingen der Detailverkauf von Branntwein für die kleineren kaufmännischen Geschäfte verboten werden, und unter Umständen müßte auch vielleicht der Sonntagsverkehr in den Restaurationen einer anderen Regelung unterworfen werden, denn es ist nun einmal nicht zu verkennen, daß das Bier dem deutschen Volke ein unentbehr- Uches Genußmittel geworden ist und daß man dm Besuch der Gastwirtschaften steigert, wenn man im häuslichen Kreise den Genuß des Alkohols einschränkt.
Es mag ja allerdings richtig sein, was bei den Erhebungen tm rhnmsch-westfälischen Grubenrevier festgestellt wurde, daß die Schuldenwirtschaft durch den Detailverkauf von Bier gesteigert worden ist. Gegen eine unordentliche Wirtschaftsführung gibt es indes keinerlei staatliche Zwangsmittel und diese rächt sich mit der Zeit an den schuldigen Elementen je nach dem Grade des Verschuldens, so daß auch andere sich daran ein Exempel nehmen können. Jedenfalls ist die Verschuldungsstatistik der ungeeignetste Rechtfertigungsgrund gegen etwaige Beschränkungspläne, weil hierdurch der Staat das Recht beanspruchen würde, in die Selbstbestimmung seiner Burger einzugreifen.
Dagegen kommt ein anderes Moment ernstlich in Frage, ob es richtig ist, daß man den Gastwirtschaften, deren Bewegungsfreiheit durch die Konzessionspflicht beschränkt ist, in dem freien Flaschenbierhandel einen Konkurrenten an die Seite stellt. Die Gastwirtsverbände haben schon seit langem eine Bewegung dagegen in Szene gesetzt. Würde der Staat deren Standpunkt anerkennen, dann wäre die rechtliche Stellung der Gastwirtschaften mit einem Schlage verändert. Sie wären dann privilegierte Unternehmungen, wie etwa die Apotheken. , Das ist aber nicht der Zweck der KonzessionsPflicht. Mit der Prüfung der Bedürfnisfrage und der persönlichen Qualifikation sollen lediglich die sittlichen Gefahren einer wilden Konkurrenz unter den Gastwirtschaften beseitigt werden. Dementsprechend sind auch die Preise der Waren nicht der Kontrolle des Staates unterworfen, wie etwa bei den Apotheken. Eine Beschränkung des Flaschenbierhandels und des freihändigen Verkaufs würde überdies vollständig wirkungslos bleiben, weil nichts im Wege stände, einen beliebig großen Vorrat durch Entnahme aus den Gastwirtschaften aufzusammeln.
Auf den Flaschenbierhandel läßt sich vielleicht im gewissen Sinne ein Wort von Friedrich Bodenstedt anwenden:
„Denn es gleicht der Wein dem Regen, Der im Schmutze selbst zu Schmutz wird. Doch auf gutem Acker Segen
Bringt und jedermann zu Nutz' wird."
Es wird schließlich alles von der Veranlagung des Publi- kums abhängen. Häusliche Naturen werden in der leichten Erreichbarkeit eines billigen Biergenusses die Anregung zu einem intensiven Familienleben erblicken, während die zum Lrunk disponierten Elemente in der Häuslichkeit ihrer Leidenschaft fröhnen werden, während dies sonst in den öffentlicher Lokalen geschehen würde. Aus allen diesen Gründen scheint uns ein behördliches Vorgehen gegen den Flaschenbierhandel wenig empfehlenswert.
Sonderbarerweise enthält die Meldung nichts über die Verluste der Herero. Daß die Herero das Feld geräumt haben, scheint aus der Notiz über das Begräbnis der deutschen Toten hervorzugehen. Wären die Herero nicht abgezogen, so hätte an die Beerdigung der Gefallenen einstweilen kaum gedacht werden können.
Die Kompagnie Fischel bildete seit der Landung des Expeditionskorps in Swakopmund die Vorhut dieses von Major v. Glasenapp geführten Korps. Sie war dem Korps nach Windhuk vorausgeeilt, um von dort zu Fuß und nur mit dem notwendigsten Gepäck versehen, den Vormarsch nach dem von den Herero belagerten Gobabis im Osten der Kolonie anzutreten, wohin Oberleutnant v. Winckler mit einem Teil der bereits früher eingetroffenen Ablösungstruppen bereits unterwegs war. Seeis, wo der Zusammenstoß statt fand, ist etwa 60 Kilometer von Windhuk entfernt, die Entfernung bis Gobabis beträgt etwa 200 Kilometer. Hoffentlich kommen bald nähere Nachrichten über den Zusammenstoß.
Inzwischen sind auch die ersten ausführlichen Nachrichten von einem Augenzeugen des Ausbruchs des Aufstandes hier eingetroffen. Der irrtümlich totgesagte Redakteur der „Köln. Ztg.", Prosper Müllendorff, der zu einer Otientierungsreife nach Südwestafrika entsandt war, hat aus Outjo ein vom 3. Februar datiertes Telegramm nach der Heimat entsandt, in dem er seine Erlebnisse schildert. Für weitere Kreise ist aus einen Darlegungen interessant, daß die Herero nicht überall mordeten, sondern an vielen Orten sich auf den Viehdiebstahl beschränkten und hier und da allenfalls noch die Ansiedler mißhandelten. Müllendorff berichtet von mehreren erfolgreichen Gefechten der 120 Mann zählenden Besatzung von Outjo gegen die Herero. Weiter erzählt er, daß sechs Farmer auf der Farm Khanas des Farmers Krenz, die sich mit Familien und Vieh gerettet hatten, mit Hilse dreier Reiter von der Schutztruppe sich sehr erfolgreich verteidigten. Das gestohlene Vieh wurde eingebracht und mehrere Diebe wurden erschossen. Die Hottentotten im Norden seien ruhig, trotz der vorherigen Alarmnachrichten, ebenso die O v a m b o , deren Erhebung man sehr gefürchtet hatte. Die Ovancho sind mit den Herero wegen eines Wagendiebstahls gerade in einem kleinen Zwist. Als Opfer des Aufstandes nennt Müllendorff die Farmer Peter, Schwarz und Hoy und den Frachtenfahrer Lehr aus Outjo.
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Gin neuer Kampf mit den berero.
Unser südafrikanisches Expeditionskorps oder wenigstens ein Teil von ihm hatte, wie zu erwarten war, wenige Tage nach seiner Landung bereits einen blutigen Zusammenstoß mit den aufrührerischen Herero. Es wird darüber aus Swakopmund gemeldet:
Die auf dem Marsche von Windhuk nach Gobabis be- findliche Kompagnie Fischel stieß am Sonntag zwischen Seeis und Windhuk auf eine Anzahl Herero. Es kam ku einem Gewehrkamps, bei dem auf deutscher Seite die Seesoldaten Mahnke, L u t t e r m ü l l e r nnd Schneider getötet, der Seesoldat Henze nm linken Oberarm und der Hand schwer und der Gefreite Arndt leicht verwundet wurde. Die Toten wurden an der sogenannten „Schwarzen Klippe" begraben.
Der Krieg in Ostasien.
Wie es den Anschein hat, wird man noch auf Tage hinaus keine sicheren Nachrichten von den Vorgängen auf dem Kriegsschauplatz erhalten können. Die beiden Gegner suchen in aller Sülle ihre Positionen zu verstärken und hüllen ihre Schritte, so weit wie möglich, in den Schleier des Geheimnisses. Ein großer entscheidender Schlag ist erst zu erwarten, wenn der Vornzarsch der Japaner den Jalufluß erreicht haben wird.
Die Russen suchen diesem Vordringen, wie wir bereits berichtet haben, soweit es in ihren Kräften steht, energisch entgegenzuarbeiten.
Ein russisches befestigtes Lager am Jalu soll nach einer Londoner Meldung an der mandschurischen Seite des Flusses angelegt und mit 37 000 Mann Truppen besetzt worden sein. Wenn sich diese Nachricht bewahrheiten sollte, so würde der Vormarsch der Japaner allerdings aus längere Zeit am Jalu aufgehalten werden können und Zeit gewonnen werden, die russischen Verstärkungen, die auf der sibirischen Bahn unterwegs sind, heranzubringen, ehe die Japaner Port Arthur vom Jalu her angreifen können. Die Russen setzen ihr nwglichstes daran, diesen ihren Hauptstützpunkt im Osten nicht in diie Gewalt des Feindes^fallen zu lassen. Ein Petersburger Ministerrat hatte das Ergebnis, daß mit Ausnahme der ersten Gardedivision alle Garderegimenter mobilisiert und große Abteilungen dieser Elitetruppe nach Osten dirigiert wurden. Die Großfürsten Cyrill und Boris begeben sich in den nächsten Tageiz nach dem Kriegsschauplätze. Die beiden genannten Großfürsten sind Kusins des Zaren, Söhne des Großfürsten Wladimir Alerandro- witsch, des jüngeren Bruders des Zaren Alexander III. Großfürst Cyrill ist Chef des 52. Infanterie-Regiments Wilna und gehört als älterer Offizier auf dem Kreuzer „Admiral Nachimow" der russischen Kriegsmarine an; Großfürst Boris ist Chef des 45. Infanterie-Regiments Asow und Leutnant im Garde-Husaren-Regiment.
Die Operationen zur See.
Auch zur See sind die Russen nicht müßig. Wie es heißt, soll es einigen ihrer in Port Arthur eingeschlossenen Krerrzer gelungen ein, die Wachsamkeit der Japaner zu täuschen und zu entkommen. Wenn sie sich mit dem Wladiwostok-Geschwader die Hand reichen können, dessen Vernichtung durch die Japaner sich, wie vorauszusehen mar, nicht bestätigt hat, so könnten den Japanern ernste Schwierigkeiten erwachsen. Ueber die Bewegungien der beiderseiügen Geschwader herrscht naturgemäß noch größeres Dunkel, als über die der Landheere. Das einzige, was sicher feststeht, ist, daß die Wladiwostoker Kreuzer sich in gefahrdrohender Nähe der iaoa=
nischeu Küste befinden und ein japanisches Handelsschiff in den Grund gebohrt haben. Das hat in Japan eine furchtbare Entrüstung hervorgerufen, die sich offiziell zu der Formel konzentriert hat: Krieg bis aufs Messer! Die Japaner haben beschlossen, alle ihnen in die Hände fallenden russischen Schiffe ohne Rücksicht ans das Datum ihres Abganges weg- zunehmen. Fünf in Sasebo beschlagnahmte Kauffahrteifahrer, welche man in einigen Tagen freigeben wollte, wurden nun dem Prisengericht überwiesen. Auf diese erbitterte Stimmung der Japaner ist es auch wohl zurückzuführen, daß der französische Kreuzer „Pascal" mit den lieb erlebenden der russischen Kreuzer „Warjag" und „Korejetz", die in der Seeschlacht bei Tschemulpo so heldenmütig kämpften, erst gestern den Hafen verlassen durften. An Bord des „Pascal" befinden sich ferner der russische Gesandte Pawlow mit seiner Familie, sowie zahlreiche russische Flüchtlinge, die nach Tschifu gebracht werden. Auch aus Wladiwostok flüchten die russischen Zivilisten in hellen Haufen. Der große Transportdampfer der Hanüburg-Amerika-Linie „Batavia" hat dort mehr als tausend Flüchtlinge an Bord genommen und wird dieselben in Moji oder Tsingtau landen.
Die Japaner haben jetzt eine bemerkenswerte Verstärk kung ihrer Seestreitkräste durch die Ankunft der beiden neuen Kreuzer „Nishin" und „Kasuga" in Jokostlka erhalten. Die Russen dagegen haben vorläufig keine Aussicht, irgend welche Nachschübe an Kriegsschiffen zu erhalten..
Schwimmende russische Kohlenstationen.
Den großen Schwierigkeiten, die den russischen Flotten- Verstärkungen, die von der Heimat her in Bewegung gesetzt worden sind, durch die strengen Vorschriften über die Kohlenversorgung in neutralen Häfen erwachsen, denkt nach einer Londoner Meldung die Petersburger Admiralität auf eine eigenartige Weise erfolgreich begegnen zu können. In Dover ist ein großes russisches mit Dampfkohle vollbeladenes Frachtschiff angekommen. Dieses wartet das Eintreffen der russischen, nach Ostasien abgeganpenen Ostseeflotte ab, die auf hohem Meere Kohlen fassen wird, was ihr völkerrechtlich nicht verwehrt werden kann. Ein gleiches Vorgehen soll auf dem ganzen Wege nach Ostasien geplant sein. Wenn diese schwimmenden Kohlenstationen nicht vom Feinde gekapert werden, so würde ja allerdings die Frage, wie man trotz der mangelhaften Kohlenergänzung in neutralen Häfen doch die Distanz von 14 000 Seemeilen zwischen Kronstadt und Port Arthur durchmessen könne, von den Russen glänzend gelöst sein. Es ist aber kaum anzunehmen, daß die Japaner so lässig in der Kontrolle der See sein sollten. Der Wunsch, recht bald aus der Klemme des Kohlenmangels befreit zu werden, scheint der Vater folgender, etwas abenteuerlich klingender Meldung des in Wladiwostok erscheinenden russischen Blattes „Der ferne Osten" zu sein. Danach soll ein Bauer aus dem Dorfe Schkotowa, nicht weit von Wladiwostok, auf ein reiches Kohlenlager gestoßen sein. „Proben der Kohle", heißt es weiter, „wurden dem Laboratorium zugestellt, und ihre Untersuchung ergab ein glänzendes Resultat, die Kohle erwies sich besser, als alle sonst im Ussurigebiet vorkommende. Das Lager befindet sich sechs Werst von der Bahn, und eine Aktien- gesellschnft hat eine Kommission dorthin abgesandt. Der Grundbesitzer soll einmalig 10 000 Rubel und 50 Kopeken pro Tonne ausgebeuteter Kohle erhalten." Zu wünschen wäre es den Russen, daß sich diese Meldung bewahrheitet.
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□ In der Budgetkommission des Reichstags gab der preußische Kriegsminister v. Einem gestern die Erklärung ab, daß dem Kaiser demnächst ein aus den Systemen Eberhardt und Krupp kombiniertes Rvhrrücklaufgeschütz mit Schutzschilden vorgeführt werden soll, dessen Einführung in der deutschen Armee geplant ist. Das neue Geschütz ist leichter als das französische Feldgeschütz.
€> Sehr interessante Nachrichten über den Zweck und die Erfolge der Mission des bayerfichen Frhrn. V. Hertling in Rom werden jetzt aus der Siebenhügelstadt verbreitet. Aus vattkanischen Kreisen verlautet, Hertlings Mission sei von einem vollen Erfolg gekrönt. Ihr Zweck sei zunächst gewesen, die katholische Mission in Ostasien wie in Palästina ausdrücklich dem traditionellen französischen Protektorat zu entziehen. Dieser Zweck sei erreicht. In dieser Form trifft die vatikanische Meldung nicht zu. Deutschland will nur den Schutz über die im Auslande lebenden 5!atholiken und katholischen Niederlassungen deutscher Zunge selbst ausüben. Außer dieser formellen Anerkenmmg der deutschen Schutzrechte über die deutschen Katholiken im Orient hat die Mission des Frhrn. v. Hertling noch den Zweck, in Rom wegen der Enrennung eines deritschen Kurienkardinals zu sondieren. Eine solche Ernennung soll schon im nächsten Konsistorium zu erwarten sein. Auf welchen der deutschen Kirchenfürsten die Wahl fallen wird, das ist natürlich noch Geheimnis; doch verlauret, der neue deutsche Kardinal werde ein Bayer sein. Meldungen, in denen Prinz Max von Sachsen eine Rolle spielt, werden in unterrichteten Kreisen als unzutreffend bezeichnet.
D In Eschwege-Schmalkalden, dem durch die Verurteilung des freisinnigen Abg. Seyboth zu entehren-