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A. 139

Donnerstag, den 16, Juni 1904

13. Jahrgang

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MO««e»e»tSpreiS: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., ^ H«uS gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mk. 1.50.

vAMOrett«se«: Obeohefstsche KM«Me»teit»«- (täglich) und die Girtemsr Geife«hl«ie« (wöchentlich).

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Gießener

A«sertio«SpreiS r Die einspaltige Petitzeile für ganz Okv Hessen, die Kreise Wetzlar unb Marburg 10 Psg ssnft 15 P^. Reklamen die Petitzeile 30 rew. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expeditton: Gießen, Selterslveg 88. Fer«sprecha«schluß Nr. S62.

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für Oberheffen und die Kreise Marburg unb D ^llf^Idtt^i^^T fliT unb Unißcbitti^

Enthält alle amtlicken Bekanntmackunaen der Gra^h. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen

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Der Krieg in Ostasien

Wie es scheint, wird die russische Flotte in den ostasia- â tischen Gewässern jetzt wieder größere Tatkraft entsaften. . stach einem anscheinend wohlüberlegten gemeinsamen Plar pt das Wladiwostokgeschwader seinen Hafen verlassen un!

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. c sucht die Durchfahrt durch die Meerenge von Korea zu er= Tmy? j pingen, während zu gleicher Zeit von den bisher untätig in

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j^ort Arthur eingeschlossenen russischen Schlachtschiffen Versuch gemacht wird, die Blockade zu durchbrechen.

Die kühne

Kreuzfahrt des Wladiwostokgeschwaders

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soll bereits zu Zusammenstößen mit japanischen Kriegsschiffen geführt haben. Aus Tokio wird dazu berichtet:

Drei russische Kriegsschiffe, die mit Sicherheit als zum Wlodiwostokgeschwader gehörig angesehen werden können, wurden östlich der Tschuschimainsel gesichtet. Sie sollen von einem japanischen Geschwader aufgehalten worden sein, und es soll sich ein schweres Gefecht entsponnen haben.

Die Insel Tschuschima liegt im südöstlichsten, engsten Teil her das Japanische mit dem Gelben Meer verbindenden Strasse von Korea. Daß die Japaner hier versuchen wer- bert, dem kühnen Feind den Durchgang nach den Gewässern von Port Arthur zu verlegen, liegt auf der Hand. Es ist deshalb die Nachricht von einer Seeschlacht an dieser Stelle,

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preußischen Kantr akiVruchgesetzes , die da­nach an die Reihe kommen sollte, wurde abgesetzt, nachdem der Staatssekretär des Reichsjustizamts Dr. N ie b- e r d i n g sich bereit erklärt chatte, sie morgen namens des Reichs­kanzlers zu beantworten. Es folgte nun die zweite Bera­tung des Gesetzentwurfes betreffend die Rechtsgarantie für die Bahn von Daressalam nach M r o g o r o , zu dem ein Kompromißantrag der ganzen Rechten, des Zen­trums, der Nationalliberalen und der Freisinnigen Vereini­gung vorlag, die Spurweite der Bahn statt auf.0,75 Meter auf 1 Meter festzusetzen imb dementsprechend das Garantie­kapital zu erhöhen. Die Diskussion eröffnete der Abg. Eugen Richter mit einer nicht übermäßig langen, aber groß angelegten, gegen unsere gesamte Kolonialvolitik ge­richtete Rede: aber der alte parlamentarische Kämpe, aus dessen Vortrag körperliche Mattigkeit -offenbar einen un­günstigen Einfluß ausübte, fand nicht, wie früher, das Ohr des Hauses. Noch weniger hatten seine Worte überzeugende Kraft. Nur der sozialdemokratische Abg. Dr. S ü d e k n m folgte seinen Spuren; die Herren Schrader (fr. Vg.), Graf Arnim (Np.), Dietrich (kons.), Dr. Svahn (Ztr.) und Dr. Sattler (nl.) traten mit dem Kolonial­direktor Dr. Stuebel für die Vorlage in der Fassung des Kompromißantrages ein, der denn auch im namentlicher Abstimmung angenommen wurde. Es waren 232 Abgeord­nete anwesend, eine Tatsache, deren Verkündigung das an- svruchslose Haus mit so großer Genugtuung erfüllte, daß es sich in lebhaften Beifallsrufen erging. Nicht lange aber dauerte es, dann bot der Saal wieder das gewöhnliche Bild, das eigentlich das ungewöhnliche sein sollte; ein Mitglied verschwand nach dem andern, und die Abgeordneten, die iit der zweiten Beratung des Servistarifgesetzes das Wort ergriffen, sprachen vor T00^ Sänken.

cf In einem preußischen Ministerialerlaß zur Waren­hausfrage wird ausgeführt, daß'die in einzelnen Städten ergangenen Polizeiverordnungen, in denen bauvolizciliche Vorschriften für Waren- und Geschästshänser getroffen wer­den, die von der Regierung ausgearbeiteten Normen häu^rg noch verschärfen. Die Minister weisen demgegenüber darauf hin, daß es nicht ihre Absicht gewesen sei, jene Nornwu zur Grundlage von Polizeiverordnungen, zu machen. Die Vor­schriften sollten vielmehr nur für die Behörden die Richt­schnur bilden, nach der die Entwürfe für neu zu errichtende Warenhäuser u. s. w. geprüft und etwa vorhandene Miß­stände beseitigt werden sollten. Es sei nicht ratsam, für Warenhäuser jeglichen Umfangs die gleichen Grundsätze in Gestalt bindender Verordnungsvorschriften zu erlassen. Die Regierungen sind ersucht worden, von dem Erlasse derartiger Verordnungen abzusehen und die Nachgeordneten Behörden entsprechend anzuweisen. Die allgemeinen Bestimmungen sollen demnächst einer Nachprüfung unterzogen werden.

=F In den leitenden Kreisen der sozialdemokratischen Partei will man jetzt die grobe Tonart, die seit dem Dresdener- Parteitage in den Reihen der Revisionisten und Antirevisio­nisten gang und gäbe war, beseitigen. Der Parteivorstand hat eine Kundgebung erlassen, die die Parteiaugehörigen auf­fordert, Streitigkeiten miteinander ohne persönliche Gereizt­heit und Gehässigkeit auszutragen. Die bisherige Kainpfes- weise müsse aufhören.

frankreteb.

+ Wieder eine Kulturkampfblüte aus Frankreich: In Dijon sollte dieser Tage der regierungsfreundlich gesinnte Bischof in der Kathedrale die Kommunion leiten und am Eingang der Kirche von deren Pfarrer empfangen werden- Der Pfarrer weigerte sich jedoch, den Bischof zu empfangen, und dieser mußte am Kircheneingang wieder umkehren und begab sich in sein Palais. Die enttäuschten Eltern mußten mit ihren Kindern wieder umkehren. Vor dem bischöflichen Palais versammelte sich eine große Menschenmenge, die Hoch­rufe auf den Bischof ausbrachte. Es wurde eine Petition unterzeichnet, die die Absetzung des Pfarrers verlangt.

Russland»

+ Eine peinliche Geschichte wird in den russischen Hof- und Regierungskreisen viel erörtert: Die hohe russische Gesell­schaft hat über den amerikanischen Gesandten Mac Cornick und deren Gattin den gesellschaftlichen Boykott verhängt. Der Gesandte wohnte bisher in dem Fürst Leuchtenbergschcn Palais, einem der glänzendsten Paläste Petersburgs. Fürst Leuchtenberg, der mit der kaiserlichen Familie verwandt ist, hat ihm jetzt die Wohnung gekündigt; der Fürst soll sich ge­äußert haben: „Meine Vorfahren würden sich im Grabe um­drehen, wenn sie hörten, daß ich den Vertreter eines R u ß - 5aiid feindlich gesinnten Landes in meinem Hause wohnen lasse." Die Russen machen dem Gesandten insbesondere zum Vorwurf, daß er als der einzige Diplomat den japanischen Gesandten Baron Kurino bei dessen Abreise aus Petersburg auf den Bahnhof begleitete.

Amerika.

d So hartherzig, ja grausam die Praris erschien, die der Milizgeneral Bell gegen die Streikenden in Colorado an- wandte — sie hat jedenfalls Erfolg gehabt. In Colorado herrschen jetzt wieder geordnete Zustände. Die meisten Zechen sind mit nicht der Union angehörenden Arbeitern wieder eröffnet worden. Die ausgeschlossenen llnion-Arbeiter gründen in Neumexiko genossenschaftliche Betriebe auf eigene Rechnung. General Bell erklärte, fein drakonisches Vor­gehen gegen die anarchistischen Einflüsse unter Aushebung des ganzen Verschworenennestes sei das einzig mögliche Mittel einer schnellen Ordnung der verfahrenen Zustände gewesen. Vielleicht hat er Recht.

ive ungleich bisher noch keinerlei Bestätigung vorliegt, keines- I falls von der Hand zu weisen. Daß es dem Geschwader ge- I lang, den Hafen von Wladiwostok ungehindert zu verlassen, * fiiibet nach einer Petersburger Meldung seine Erklärung i ba rin, daß Admiral Togo infolge der Schwächung, die sein £ Geschwader vor Port Arthur in letzter Zeit erlitten, Ber­tz stärkungen von der vor Wladiwostok kreuzenden Flottille des " Admirals Kamimura herangezogen hat. Infolgedessen konnte Kamimura den Ausfall der eine beträchtliche Gefechts- ftarte repräsentierenden russischen Wladiwostokkreuzer nichi hindern.

Seetreffen vor Port Arthur.

Mit diesem Vorstoß der Wladiwostokflotte ging, wie schon . angedeutet, ein gleichzeitiger der in Port Arthur einge- [£)loffenen russischen Schiffe Hand in Hand. Darüber liegt aus Tokio der folgende knappe Bericht vor:

Die Hafeneinfahrt von Port Arthur ist offen. Der Kreuzer „Nowik" fuhr aus dem Hafen heraus und kam ins Gefecht mit den blockierenden Schiffen.

Auch zu Lande scheint es bei Port Arthur jetzt zu größeren Operationen kommen zu sollen. Wenigstens weiß ein Be­richt des Generalleutnants Baron Stackelberg vom 15. b. M. vlvn einem sehr

heftigen Gefecht bei Wafangou

zu berichten, das ziemlich bedeutend gewesen sein muß. Stackelberg meldet:

Heute mittag 12 Uhr wurden wir, 6 Werst siidlich von der Stakian Wafangou, angegriffen. Der Gegner machte energische Versuche, unseren linken Flügel zu verdrängen. Die Angriffe des Gegners wurden zurückgeschlagen. Wir behaupteten unsere Stellung. Das erste Regiment, welches sich auf dem linken Flügel befand, erlitt ernste Verluste. Der Regimentskommandeur Oberst Chwastunow und der Regimentsadjutant wurden getötet. General Gerngroß wurde verwundet.

Es scheint um das detachierte Korps des Barons Stackel- verg, von dem man sich in Petersburg Wunderdinge für den Enffatz von Port Arthur versprach, recht schlecht zu stehen. Enie Schlappe folgt der anderen, und die Gefahr, gänzlich Lbgeschnitten zu werden, wird für den Generalleutnant immer drohender.

(82. Sitzung.)

preussischer Landtag

Hans der Abgeordneten.

^ Berlin, 15. Juni.

Bei der Hundstaashitze, die heute im Sitzungssaale der zweiten Preußischen Kammer herrschte, kann man es den Volksvertretern nicht übelnehmen, wenn sie nicht allzu großen Arbeitseifer zeigten und so bald als möglich ins Freie zu gelangen fußten. Auf der Tagesordnung stand die zweite Beratung des Ausführungsgesetzes an dem -Reichsgesetz betr. bie Bekämpfung gemeingefährlicher Krank­heiten. Es gab eine kurze Debatte, der konservative Abg. v. K ö l i ch e n beantragte Zurückverweisung an die Kommission, und trotz des Widerspruchs des Kultusministers und der Reden der Linken beschlossen Konservative und Zen­trum nach dem Anträge v. Kölschen. Dann vertagte sich das Haus.

J^ab und fern.

=# Eine menschliche Bestie wurde zu Speyer in der Person der 25 Jahre alten Ehefrau des Scherenschleifers Heinrich Siegler wegen Mordes verhaftet. Die unnatürliche Mutter hatte ihr kränkliches dreijähriges Mädchen in einem Bettchen im Schlafzimmer liegen. Das arme Wesen rief in der Nacht bie Mutter mehrmals um Hilfe an. Ueber diese Störung war die Frau so böse, daß sie das Kind aus dem Bettchen riß und dann mit aller Wucht gegen die Wand schlug, daß es lehr schwere Verletzungen davontrug. Dann legte sie das Kind wieder ins Bett und umwickelte seinen Kopf mit einem dicken Kleide, so daß es bald darauf erstickte.

G Hinrichtung. Die furchtbare Bluttat, der am zweiten Reujahrstage der 15jährige Kontorlehrling Jurk von der Firma Gründer u. Ko. in Peitz zum Opfer fiel, hat jetzt ihre Sühne gefunden. Der Raubmörder Hermann Dippel, welcher toegen dieser Tat vom Schwurgericht in Cottbus zum 1 ode verurteilt worden war, ist im Hofe des dortigen Zen- i algefängnisses durch den Scharfrichter Schwietzke aus Bres- au enthauptet worden. Der der Mitschuld angeklagte Bru­der des Raubmörders, Paul Dippel, wurde, da er noch nidjt das 18. Lebensjahr vollendet hatte, feiner Zeit zu der für jugendliche Verbrecher höchsten Strafe von fünfzehn Jahren Gefängnis verurteilt.

□ Unglücklicher Zufall oder Rache? In Ingelfingen bei Riederhall erschoß der Landjäger Braus die Gastwirtin Glock. Wie Braus angibt, ist ihm der Schuß aus Unvorsichtigkeit jeim Vorzeigen von Gewehrgriffen losgegangen. Nach einer mbern Darstellung aber handelt es sich um einen Racheakt )eS Landjägers, dem allerdings nicht die Person, der er galt, zum Opfer gefallen ist. Braus soll früher vergebens um die Hand von Frau Glocks Schwester angehalten haben. Am Polterabend der Schwester soll er nun beim Weggehen, als Frau Glock und der Bräutigam der Schwester im Haus- 'tur standen, einen Schuß abgegeben haben, der dem Bräu­tigam galt, statt seiner aber Frau Glock tötete.

cf Schwerer Unfall auf der Pariser Straßenbahn. In her Avenue Gambetta zu Paris stießen zwei Wagen der elek- irischen Straßenbahn, die in voller Fahrt befindlich waren, zusammen. Zehn Passagiere wurden dabei verletzt, darunter bvci 'chwer.

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jh Die Politik.

‘ ' + Vor einiger Zeit wurde gemeldet, eine Anzahl ober- 1 nhlesischer katholischer Geistlicher habe entgegen dem Rat des i Kardinals Kopp die von ihnen gegen das polnffche Blati I^ornoslonzak" angestrengten Beleidigungsklagen aufrecht er.

halten. Jetzt veröffentlicht der „Gornoslonzak" eine Er- rlärung, in der er die gegen die Geistlichen gerichtete Ver­dächtigung, die die Grundlage jener Beleidigungsklagen war, surucknimmt. Das Blatt hatte f. Zt. behauptet, diejenigen Lberschlesischen Geistlichen, welche in den letzten fünfzehn wahren Pfarrer geworden sind, hätten der preußischen Regie, rung versprochen, das oberschlesische Volk zu germanisieren.

^lmmt das Blatt diese Bezichtigung als unbegründet Antwort der Geistlichen auf diese Abbitte dürfte Sle Zurücknahme der Klage sein. Die Leute vom „Gornoslon- «nr machen sich ins Fäustchen. Die Verleumdungen des ^ârtes gegen die Geistlichen haben im Wahlkampf vollauj

^Lrrkung getan, und wenn sie jetzt auch zurückgenommen 1° âuüert das nichts daran, daß sie ihren Uweck erreicht haben.

F)of und Gesellschaft.

*% Das Kaiserpaar erschien am gestrigen Todes­tage Kaiser Friedrichs III. morgens 8% Uhr vom Neuen Palais kommend im Mausoleum bei der Friedens­kirche. Am Sarkophage des Verewigten verweilten Kaiser und Kaiserin längere Zeit in stummer Andacht und legten einen Kranz aus Marschall Niel-Rosen, Seerosen und Lor­beer nieder. Um 12 Uhr erschien die Kaiserin nochmals im Mausoleum mit der Prinzessin Viktoria Luise, die ebenfalls einen Kranz am Sarkophage ihres Großvaters niederlegte. Vom Kronprinzen, von einer Reihe anderer Fürstlichkeiten, von den Offizierkorps verschiedener Regimenter sowie von Militärvereinen waren prachtvolle Kranzspenden übersandt worden.

(98. Sitzung.)

Oeutleber Reichstag

CB Berlin, 15. Juni.

In der heutigen Sitzung, die ausnahmsweise schon um 2 Uhr begann, wurde zunächst der Nachtragsetat für Togo als eine natürliche Konsequenz des Togoanleihe- gesetzes in erster und zweiter Lesung debattelos angenom­men. Die sozialdemokratische Interpellation wegen des