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Er zeigte Hersfeld eine Besprechung in der angesehensten Kunst-Zeitschrift der Residenz. Der Künstler war jedoch jetzt nicht in der Stimmung, die Notiz zu lesen.
„Ja, ja! Wollen Sie mir nicht den Gefallen tun, und von dem Kaufe zurücktreten?" drang er in ihu. „Ich will Sie gern dadurch dafür entschädigen, daß ich Ihnen gestatte, irgend eins von meinen anderen Bildern sich auszu- suche»:."
Das Anerbieten einer Bestechung schien den Herrn verletzt zu haben, denn in strengem Tone entgegnete er:
„Herr Hersfeld, wir haben uns erboten, den Preis 311 Zahlen, den Sie verlangt haben, und Sie haben ihn auch angenommen."
Hersfeld sah ein, daß es zwecklos wäre, mit dem Manne weiter zu verhandeln, und er verabschiedete sich.
Beim nächsten Zeitungshändler kaufte er sich die Wochenschrift, die man ihm gezeigt hatte, und mitten auf der belebten Straße blieb er stehen und las eine zwei ©eiten lange Be- sprechung seines Gemäldes, die sich in Lobeserhebungen garnicht genug tun konnte. 'Ein Satz allein daraus mußte genügen, ihm Tausende von Mark das Jahr einzubringen:
„Wenn Herr Hersfeld im Stande ist irgend ein Antlitz so täuschend lebenswahr darzustellen wie dieses hier — man kann fast sehen, wie die Wandungen der Nasenlöcher beim Atmen sich weiten — dann dürfte er wohl nach ein ober zwei Jahren unter unseren Portraitisten an allererster Stelle stehen."
„DaS muß mir Bestellungen einbringen", meinte Hersfeld, als er die Zeitung zusammenfaltete, „was für ein Glück habe ich doch gemacht!"
Aber die Freude über seinen Erfolg vermochte doch den Schmerz über den Verlust des geliebten Bildes nicht zu betäuben.
Wiederum wandte er seine Schritte nach der Ausstellung. Im Begriff einzutreten, sah er, wie ein Wagen davonfuhr. Unwillkürlich warf er einen Blick in den Wagen und voll freudigen Schrecks fuhr er zurück. Denn in dem Wagen saß die Dame, die ihn gerettet und ihn zum Manne gemacht hatte. Es war dasselbe schöne Gesicht, das er dargestellt hatte, nur zeigte es einen nachdenklicheren Ausdruck und einen traurigeren Zug. Sie hatte ihn nicht gesehen.
Hersfeld sprang sofort in eine Droschke und hieß den Kutscher, dem Wagen nachfahren. Die Droschke fuhr aber so langsam, daß der Wagen, der in verschiedene Nebenstraßen einbog, bald seinen Blicken entschwunden war.
Tags darauf ging Hersfeld wieder nach der Ausstellung, ohne indessein seiner schönen Unbekannten zu begegnen. Suchend promenierte er im Park, als plötzlich ein großer Herr von schöner Gestalt im Alter von ungefähr 30 Jahren auf ihn zutrat und ihm die Hand reichte.
„Hersfeld!"
„Berka!" antwortete der Künstler überrascht. „Wo kommst du denn her? Ich hatte schon alle Hoffnung aufgegeben, dich je wieder zu sehen."
„Und fdn 1 monatelang frage ich mich, wo du wohl stecken mägst," e.ckgegnete Berka. „Dein Bild hat mich auf deine Fährte gebracht, und ich bin hierher gekommen, um mich nach deiner Adresse zu erkundigen. Du kannst dir gar nicht denken, alter Junge, wie sehr ich mich freue, dich wieder zu sehen. Ich mache dir übrigens mein Kompliment zu deinem schönen Bilde. Es gehört ja geradezu zum guten Ton, über dem Gemälde in ein Entzücken zu geraten und seinen genialen Schöpfer mit allerlei romantischen Abenteuern in Verbindung zu bringen. Sag' mal, wo hast du beim dein Modell hergenommen, du Glückspilz?" In seiner ganzen Art zu sprechen, lag ein gewisses spöttisches Wesen. „Hier können wir aber nicht stehen bleiben", fuhr er schnell fort, bevor Hers seid antworten konnte. „Ich will dir waS sagen, komm' doch heut' Nachmitag um drei Uhr zu mir zu Kisch, da wollen wir uns einmal wieder so recht ausplaudern. Ich möchte dir auch gern meine Frau vorstellen. Sie wird bir als Künstler schon gefallen."
Hersseld nahm voller Freude die Einladung an, und nad)bem sich die Herren ihre gegenseitigen Adressen mitgeteilt hatten, verabschiedete»: sie sich auf baldiges Wiedersehen.
Mit herzlicher Liebenswürdigkeit wurde Hersfeld nach- mitings von seinem Freunde empfangen und in einen sehr elegant allLgestatteten Salon geführt. Kaum hatte er ihn betreten, als er erschreckt zurückwich, denn er stand feiner geheimnisvollen Liebe gegenüber.
T>rr<3 sie ir^nx Ihr- Oeftciyf jumnnhte, erinnerse es fljn nodg beutn^ei; ßl# je sein bopüh-mtes Gemälde es vermocht hättie, an ihre erste Begegnung aus der Reichstagsbrücke.
„Hersfeld", sagte Beirka, indem er auf die Dame zeigte, die sich erhoben hatte, „ich sollte meinen, du mußt diese Dame schon mal gesehen haben."
Hersfeld machte der Dame eine Verbeugung und antwortete: „Ich hatte wohl schon das Vergnügen, die gnädige Frau zu sehen, aber noch nicht die Ehre, ihr vorgestellt zu werden."
„Dann erlaubst du wohl, daß ich Euch miteinander bekannt mache," entgegnete Berka, „Fräulein Edith Göhren, die Schwester meiner Frau. Meine Frau wird gleich her- unterkommen."
* * *
sm« Welt war sich darüber einig, daß die Heirat des Herrn Hersfeld — des berühmten Porträtmalers — und Fräulein Edith Göhren nur der Schluß eines romantischen Erlebnisses sein konnte.
Wenn viele Alltagssorgen uns bedrücken, Jst's bald mit unsrer Zuversicht vorbei: Ein großer Schwarm von kleinen Stachelmücken Macht auch den besten Vollblutrenner scheu.
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Boshaft. Alte Köchin: „Gestern abend war ich mit meinem Soldaten spazieren!" — Junges Dienstmädchen: „So, ist denn jetzt eine Landwehrübung?"
Wenn's ginge. „So, du bist so eifersüchtig, dein Schatz könnte einmal eine andere küssen?" — Freundin: „Ja, am liebsten ließe ich mir seinen Mund gesetzlich schützen."
Verwickelte Geschichte. „Was halten Sie davon, mir wurde kürzlich geraten, recht oft Bäder zu nehmen und zwar abwechselnd teils kalte, teils warme?" — „Hm, für kalte Bäder kann ich mich allenfalls noch erwärmen, Dampfbäder dagegen lassen mich vollständig kalt!"
Ihre Auffassung.
Die Großmutter hat noch niemals ein Automobil gesehen, denn sie ist schon seit Jahren aus ihrem abgelegenen Dörfchen nicht heraus- gekommen und in dieses hat sich noch keines der modernsten Fahrzeuge verirrt. Da kommt 'eines Tages ihr jüngster Enkel, der Fränzel, in die Stube gestürzt und schreit: „Großmutta, Grohmutta, 's kummt a Automobile!" Großmutter trippelt, so schnell es ihre sechsundsiebzig Jahre gestatten, hinaus auf die Dorfstraße und schaut das tutende und fauchende Ungetüm mit aufgerissenen Augen an. Da, gerade vor dem Wirtshaus, versagt dem Führer die Steuerung, und das Gefährt saust mit dumpfem Prall an die Mauer, daß die beiden Insassen kopfüber herausfliegen. „Herr Jeses, Herr Jeses," schreit die Großmutter und schlägt vor Entsetzen die Hände überm Kopfe zusammen, „nee aber, nee aber, daß sie aber ooch das Ding nich andersch zum Halten bringen können!"
Fatal. „Der Maier war doch ein so passionierter Sonntagsreiter?" — „Allerdings, aber jetzt nicht mehr, seit er damals seiner jetzigen Frau vom Gaul direkt in die Arme geflogen ist."
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Imponierend. „Nun, wie sind Sie denn mit Ihrem neuen Hausarzte zufrieden?" — „Sie, das ist Ihnen ein tüchtiger Mann, der verordnet uns gerade das Gegenteil von dem, was sein Vorgänger verordnete!"
Was sie denkt. Lehrerin: „Was wissen Sie von Alexander dem Großen?" — Backfisch: „Er ging beständig auf Eroberungen aus!"
Schön gesagt. Tourist (der am Rhein in einem Restaurant ein Glas Bowle trinkt, in welcher er ein Haar findet): „Kellner, wenn Sie schon Rheinwasser als Bowle servieren, dgyn fische»» Sie wenigstens vorher die Haare von der Loreley heraus!"
Die Bankkatastrophe. Sie: „Hier, auf biefet 9 ant $aBen tote uns zum erstenmal Liebe geschoren." — E r: „Ja, ich kann mich noch gut auf die Bankkatastrophe besinnen."
Nr 84. (Samstag, ben 16 Skprik __________ 1901:
â^cdr Wkn2 Tägliche Unterhaltungs-Beilage
Kießener Weueste Wachrichten. *
•w< m£ Vertag bar •folget VtrUiJtahtart, vor» Wilh. Keltische DuchldrÄckerti (^i. 17U); tw^w*»e^«k&.• KIM* ÄUte
Gewiffensqualen. s
Kriminal-Roman von Robert Buchanan.
(18. Fortsetzung.)
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Meine so eingehende Prüfung mochte ihr wohl ausgefallen sein, denn sie sah mich mit ihren dunkeln Augen zornig an.
„Ist der Mann Ihr Gatte?" fragte ich sie.
„Nein," antwortete sie kurz und drehte sich dabei um, als wünschte sie alles weitere Frage»: zu vermeiden. Sie setzte sich auf einen Htuhl, der neben dem Herde stand, und stützte anscheinend gleichgültig den Kopf mit ihren Armen; ich konnte indessen wahrnehmen, wie sie von Zeit zu Zeit merkwürdige Blicke auf den Verwundeten warf. Dieser seinerseits sprach und bewegte sich zwar nicht, aber mit den Augen suchte sie, und ich merkte, daß er wieder zum Bewußtsein gekommen war.
Ich hatte mich inzwischen an die Arbeit gemacht, zog die Kugelir heraus und verband die Wunden. Es war das eine recht schmerzliche Operation, die jedoch mein Patient, ohne mit der Wimper zu zucken, aushielt. Nur einmal versuchte er es, meine Hände von sich abzuwehren, und rief dabei aus: „Können Sie mich denn nicht in Gottes Namen ruhig sterben lassen?" Als er jedoch erkennen mochte, daß es meine feste Absicht war, ihn am Reben zu erhalten, fügte er sich mürrisch und unterbrach mid) nicht mehr. Auch das Mädchen störte uns in keiner Weise. Andreas half mir auch diesmal getreulich. Als alles getan war, und ich mich zum Gehen anschickte, sah ich nochmals auf das Mädchen. Sie saß immer noch in derselben Haltung am Feuer und zeigte noch immer eine trotzige Gleichgültigkeit.
„Er ist schwer verletzt," sagte ich zu ihr, „mit ein klein wenig Mühe und Geduld werden Sie ihn aber schon durchbringen."
Ich beobachtete dabei ihr Gesicht, und es entsetzte mich geradezu, zu sehen, daß sich ihre bisherige Gleichgültigkeit in eine ärgerliche Enttäuschung verwandelte.
„Haben Sie jemanden hier, der ihn pflegen könnte?" fragte ich.
Sie stand auf und mit einer heftigen Bewegung des Kopfes ihr Haar hintenüberwerfend, trat sie mir ein paar Schritte entgegen und antwortete schroff: „Das werde ich selbst besorgen."
Ihr Gesicht nahm bei ben Horten einen so widerwärtigen Ausdruck an, daß mir Bedenken kamen, den Mann ihrer alleinigen Obhut zu überlassen. Da sich dies jedoch nicht umgehen ließ, gab ich ihr genaue Anweisungen, was sie zu tun und 3ii lassen hätte, und mit dem Versprechen, den Kranken recht bald wieder besuchen zu wollen, sagte ich ihr Gute Nacht.
„Gute Nacht," antwortete sie mir, immer noch in unfreundlichen: Tone.
Ich zögerte und sprach sie noch einmal an. „Ich vergaß ganz, Sie zu fragen, wie er zu der Wunde gefommen ist. Ich meine nicht die Schußwunde, fonbern die andere. Sie muß ihm mit einem scharfen Jnstrunrent beigebracht worden sein."
„Ganz bestimmt," antwortete sie bloß.
„Vielleicht mit einem Messer?"
„Möglich. Er hat nur das bekommen, was er ver
(Nachdruck verboten.))
dient. Er schlägt und zankt sich ja wie ein wildes Tier mit jedem herum."
Ich sah auf den Mann, der sich im Bette aufgerichtet hatte und das Mädchen mit einem fast flehenden Blick ansah, als wolle er sie bitten, nicht 31t sprechen. Kein Erbarmen zeigten jedoch ihre Augen, als sie seinen Blick erwiderte. War er ein wildes Tier, so schien sie wenigstens einer verwandten Art anzugehören; es lag etwas Katzenartiges in ihrer Natur.
Ich verließ das Zimmer, stieg in meinen Wage,: und fuhr durch die finstere Nacht nach Hanse zu.
„Nun, Andreas, was war denn das für eine merkwürdige Dirne?" fragte ich, als wir den einsamen Weg entlang fuhren.
Andreas lachte. „Nun, die Schwester von dem Halluilken war's, und trenn sie auch ein hübsches Frauenzirnmer ist so ist sie doch ein ebenso großer Galgenstrick wie ihr Bruder."
„Die beiden scheinen einander nicht sehr zu lieben? Es kam mir vor, als tue es ihr fast leid, daß ihr Bruder noch lebend zurückkehre."
Andreas antwortete hierauf mit der merkwürdigen Gegenfrage: „Glaubt Euer Gnade»: das auch? Ja, ja, die grauen sind mitunter sehr wunderlich."
„Wohne»r sie allein?"
„Ja, Herr, ganz allein."
„Sie scheinen sehr arm zu sein."
Das sind sie jetzt, aber früher ging es ihnen gut, und das Mädchen hat auch eine gute Schulbildung genossen. Als sich aber Rory bem Trunke ergab, hat er sein und ihr Ver- mögen durchgebracht. Ich habe mir erzählen lassen, daß sie schon Zeiten hatte»:, wo sie bem Verhungern nal^ waren."
„Das arme Mädchen. Ich werde ihretwegeir mit Fräulein Craig sprechen und sehen, ob sie ihr helfen kann."
„Euer Gnaden," bat Andreas ängstlich, „es wäre besser, wenn Sie das nicht täten."
„Warun: nicht?"
„Das ist so eine Sache. Als im Porigen Wmter mefer Lump Rory im Gefängnis saß, ist Miß Ellen — Gott lohn' es ihr! — selbst mit Essen und Geld hier heruntergekommen. Aber Kathlee»: nahn: das Esse»: und das Geld und warf es auf die Straße: „Geben Sie es denen, die es von Jhnm habe»: wollen", sagte sie zu Rtiß Ellen und jagte sie mit einem wilden Fluche aus dem Hause."
„Und warum tat sie das?"
„Nun, Euer Gnaden, sie ist halt ebenso sonderbar wie »hr Bruder. Vielleicht tat sie es, weil Miß Ellen reich und sie arm ist, aber das steht fest: in ganz Mylrea gibt eS feine Menschenseele, die so etwas der Miß angetan habe»: wurde.
8.
Ich saß am anderen Morgen gerade beim Frühstück, als mein Kutscher mir durch meine Wirtin sagen liest er modjte mich gern sprechen. Als er, den Hut in der Hand haltend, zu mir eintrat, sah ich gleich, daß ihn etwas mächtm erregt habe»: mußte, denn sein sonst so ^^^^h^^^^ und lachendes Gesicht zeigte ganz ernste Züge.