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Nr. 64.

Mittwoch, den 16. März 1904.

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Jahrgang.

DW»WMeme»t-pretS: in Sießen, abgehrlt monatlich 50 Pfg., KSß H«us gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mk. 1.50.

WWM-betla-e«: Oberheffische Famitteuzeitung (täglich) mrd die Gtetzereer eetfenBIafe* (wöchentlich).

D«S Blatt erscheint an alle« Werktagen nachmittags.

J«sertio«KpreiS, Die einspaltige PettheUr für ganz £&0 Hessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg, s^ft <6

Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expeditton: Gießen, Seltersweg SL-

Z?erNsprech««schlust Nr. 362.

Neueste Nachrichten

tchießen-r Hageölatt)

NnaHHäuAge Tageszeitung

(Oiekener Zeitung)

für Ob erh essen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lâlanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

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?. Sachsen.

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Der Krieg in Ostalien.

Nach russischen Meldungen ist jetzt auf dem Meere d^ kort Arthur und in der Umgegend der Festung alles ruhig. Lom Kriegsschauplätze zu Lande liegen in Petersburg keine Nachrichten vor. Offenbar beschränkt man sich dort auf bloße ßrFunbigungen.

Der erste. Teil der Meldung straft englische Berichte Lügen, die mit Hartnäckigkeit behaupten, daß die Russen Port Arthur geräumt hätten. Man konnte auch nicht gut annehmen, daß sie ihre im Hafen befindliche Flotte im Stiche fassen würden, selbst wenn sie davon überzeugt gewesen wären, daß Port Arthur auf die Dauer nicht zu halten sei. Diese Furcht aber sann ihnen infolge der letzten Beschießung kaum gesammelt sein, denn

bic Wirkung des Bombardements

wirb von einem zuverlässigen Berichterstatter als äußerst geringfügig bezeichnet. Nach eingehender Besichtigung der ^mijthunb'te, auf die sich das Feuer der Japaner vereinigte, melket er nach Petersburg:

Einige Gebäude sind unwesentlich beschädigt. Die Be­schädigungen des großen Hafenbeckens und der ankernden Schiffe sind ebenfalls geringfügig, obwohl vier Feuer I fingen, während fast alle Granaten platzten.

. Wie erinnerlich, sprach auch der amtliche Bericht des Manischen Admirals Togo nicht von sonderlichen Beschädi- gu.lqen der Festungswerke.

Der Hafeneingang ist von den Russen selbst künstlich ver­engert worden, um der japanischen Flotte die Möglichkeit zu nehmen, die Einfahrt zu forcieren.

Admiral Makarows Pläne

gehen dahin, die japanischen Schiffe zu verleiten, sich in den wirksamen Feuerbereich der Forts zu wagen, ehe sie diese niedergekämpft haben. Er rechnet darauf, daß sie sicki durch Angriffe von feiten der russischen Kreuzer dazu bringen lassen werden, diese blindlings zu verfolgen. Eine andere Deutung läßt das folgende Telegramm, das von zwei Seiten übermittelt wird, kaum zu.

Die vier DampferCharbin", Hailar",Ninguta" undSungari" sind an geeigneter Stelle an der Oeffnung . des Hafens versenkt worden, so daß nur ein schmaler Hafeneingang offen bleibt. Admiral Makorow hat be­fohlen, daß die russische Flotte mit Darnpf auf außerhalb des Hafens vor Anker gehe, da sie keine Rücksicht auf den , Kohlenverbrauch zu nehmen brauche. Dagegen heißt es fein dem Befehl des Admirals, es solle mit der Munition für schwere Geschütze vorsichtig und nicht verschwenderisch umgegan.gen werden.

Das Rote Kreuz.

Das Anerbieten des deutschen und französischen Roten Kreuzes, sich aktiv an der Hilfeleistung auf dem Kriegs- ^uplatz zu beseitigen, ist vom Zaren mit Dank abgefeimt rwbeii. Wie aus einem Briefe des Ministers des Innern an den Präsidenten der Hauptverkvaltung des Roten Kreuzes ersichtlich ist, ließ der Kaiser erklären, er werde vielleicht bei der Entwickelung der kriegerischen Operationen von bem freundlichen Anerbieten noch Gebrauch machen, vorläufig seien aber nur deutsche und französische Spenden zum besten russischen Roten Kreuzes dankbar entgegenzunehmen.

Die Großfürstin Olga, jüngste, Schwester des Zaren, wird laich dem Kriegsschauplatz abreisen, um die Oberleitung des Roten Kreuzes zu übernehmen.

Rttssifche Kriegsanleihe.

wärttgen Herero-Aufstandes den Heldentod gestorben sind. Das, Gedenkblatt soll gleichzeitig mit der amtlichen Todes­anzeige an die betreffenden Familien versandt werden. Wie übrigens amtlich mitgeteilt wird, sind vom deutschen Gou- bernement an die Herero seit dem Bestehen der amtlichen Waffenverkaufsstellen d. h. seit 1. Januar 1888 nur insgesamt sieben Gewehre verkauft worden.

A Prinz Ludwig von Bayern empfing am Dienstag nach­mittag in München den preußischen Gesandten Grafen Pour- talds, der ihm ein Handschreiben Kaiser Wilhelms überreichte. Wie verlautet, betrifft das Schreiben die Gründung des unter dem Protektorat des Prinzen stehenden Museums für Meisterwerke der Naturwissenschaften und Technik.

^ Eine völlige Umgestaltung soll die Organisation der preusnsch-licssischen Eiscnbahnvcrwaltnng erfahren. Wie aus guter. Quelle verlautet, sind sämtliche Eisenbahn- Direktionspräsidenten für Mitte April zur Beratung der Neuorganisation nach Berlin eingeladen worden. Ueber das Wesen der Neuorganisation wird gemel­det: Während die Eisenbahnverwaltung im letzten Jahr­zehnt sich auf der Paralleltätigkeit der Eisenbahndirektionen und -Inspektionen gründete, sollen fortan alle Inspektionen wegfallen und der ganze Betrieb und die Unterhaltung der Bahnen vom Sitz der 21 Direktionen aus geleitet werden. Ueber diese 21 Direkttonen sollen zur Entlastung des Ministers einige Generaldirektionen gestellt wer­den. Die Neuorganisatton, über die man Näheres wohl bald hören wird, soll bereits mit dem Jahre 1905 in Kraft treten.

Italien»

Nun haben auch die Italiener ihren Peters. In der römischen Deputiertenkammer ist eben über einen Kolonial­skandal verhandelt worden, der selbst die Arenberggeschichte in den Schatten stellt. Der Deputierte Chiesi beschwerte sich darüber, daß die italienische Negierung in Aden einen Marineoffizier zum Generalkonsul ernannt habe, der be­schuldigt sei, er habe in Benadir einen Somali durch Stock- schläge töten und 30 Gefangene, ohne ihnen den Prozeß zu machen, h,i n r i ch t e n lassen. Der Minister des Auswärtigen, Tittoni, bestätigt, daß solche Anklagen gegen den Generalkonsul erhoben seien, und erklärte, er werde bem Gericht überwiesen werden.

Russland»

^.Kaum ist die Spionageaffäre des Obersten Grimm erledigt, da taucht ein neuer Fall von Landesverrat im russi­schen Generalstab auf. Wieder ist es der Generalstab des Mrtttärbezirks Warschau, in dem die Sache spielt. Der dem Warschauer Generalstabe angehörige Kapitän L e o n - tjew ist überführt worden, einem westlichen Grenzstaate (Deutschland ?) das Verzeichnis der in diesem Staate den Spionagedienst versehenden Agenten des russischen General- stabs verraten zu haben. Durch ein Versehen des Postamtes wurde die für den Kapitän Leontjew bestimmte Geld­sendung dem gleichnamigen O b e r st e n Leontjew in War­schau eingehändigt. Dadurch wurde die Spionage entdeckt. Ein Gerücht will wissen, Kapitän Leontjew sei bereits ver­urteilt und erschossen.

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(58. Sitzung.)

Deut i wes' Kekbstag.

. Berlin, 15. März.

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Die russische Regierung hat sich die Mittel gesichert, den Vrieg energisch dilrchzuführen. Wie in Petersburger Börseii- krcheir zuverlässig verlautet, hat sich eine internationale Manzgruppe der russischen Regierung gegenüber anheischig acht, eine Milliarde Francs für Kriegszwecke unter der Miigung zu verschaffen, daß die Rückzahlung nach dem Kriege in Form einer fonfolibierten Anleihe erfolge. Diese mleihe wird aber nur im Falle der Erschöpfung der für wi Krieg vorhandenen Mittel ausgenommen werden, was Jift nach langer Zeit eintreten kann.

Von russischen Kriegsvorbereitungen in einem anderen uilé des Riesenreiches will derDaily Expreß" erfahren Wen Danach sammeln die Russen eine starke Armee in Liirtejtaii. _ General Jwanoff soll als Generalgouverneur .M Turkestan den Befehl erhalten haben, in Zentralasien nit möglichster, Beschleunigung zwei Armeekorps mobil zu .nodjen. Ein drittes Armeekorps wird angeblich im Kaukasus gemacht, um nach Turkestan befördert zu werden. Die Nldurch im Kaukasus entstehenden Lücken in der Besatzung S durch Truppen aus den Militärdistrikten Wolga und gefüllt werden.

Die Politik.

^ Kaiser Wilhelm hat neuerdings ein Gedenkblatt entworfen, das. für die Hinterbliebenen derjenigen Schutz­truppenangehörigen bestimmt ist, welche während des gegen-

. ^ Ern höchst heikler Konflikt zwischen Uruguay und Ita­lien ist durch die Aufständischen in Uruguay herbeigeführt worden. Einige aufständische Banden in Ürugrray überfielen in der Provinz Alessandria den italienischen Wegbaumeister Rezzia und ermordeten ihn unter furchtbaren Martern. In Florida überfielen sie einen Italiener Gianni, vergewal­tigten dessen Frau und Töchter und ermordeten schließlich die ganze Familie. In Lospregos wurde einem Italiener die Zunge ausgeschnitten. Die italienische Regie­rung hat das KriegsschiffUmbria" nach Montevideo ent-

sandt.

* *

F)of und Gesellschaft.

_ Zum Empfang unseres Kaisers in Vigo hat sich König Alfons von Spanien nach dort begeben. Die Vor­bereitungen zum Empfange der Souveräne werben in Vigo mit Eifer betrieben. Der DampferKönig Albert" mit Kaiser Wilhelm an Bord, wird vor der Ankunft des könig­lichen Zuges dort eintreffen. Infanterie und Kavallerie ist bereits angekommen, um auf dem Wege, den die Monarch^ nehmen, Spalier zu bilden. In dem Hafen werden etwa 100 bunt beflaggte Fischerboote in doppelter Reihe Aufstellung

nehmen. Die KriegsschiffePelayo",Audaz",Urania" undVasco" sind zu einem Geschwader zusammengestellt und werden die üblichen Ehrungen erweisen. In Gib­raltar wird der Kaiser am 18. d. Mts. erwartet. Der Gou­verneur hat die Bevölkerung ausgefordert, dem Kaiser, der so eng mit dem Könige Edrmrd verbunden sei, einen herz­lichen Willkommen entgegenzubringen und ihm einen be­geisterten Empfang zu bereiten. Wie aus Rom gemeldet wird, gedenkt sich König Viktor Emanuel zur Begegnung mit Kaiser Wilhelm auf dessen Mittelmeerfahrt Ende dieses Monats an Bord seiner JachtTrinacria" einschiffen.

Lange hat die Freude, den Reichstag voll besetzt zu sehen, nicht gedauert, in der heutigen Sitzung wiesen die Bänke der Abgeordneten schon wieder weit klaffende Lücken auf. Viele, so da gestern gekommen waren, um das Odium erneuter Feststellung der Beschlußunfähigkeit von dem Hause abzu­wenden, kehrten alsbald wieder zu den heimischen Penaten zuriick. Sie konnten es getrost tun, da Abstimmungen von bedeutenderem Gewicht beim Militäretat nicht mehr zu er­warten waren.

Von den im Plenum eingebrachten Resolutionen waren noch zwei übrig, und diese wurden in den ersten Stunden der Sitzung erledigt. Den Reigen der Reden eröffnete der kon­servative Abg. Rogalla von Bieberstein, der mit dem schweren Geschütz von Ziffern den Antrag verteidigte, den Reichs- kan.zler zur Erhöhung der Remonteankaufspreise aufzu- focdern. Ihm sekundierten seine Parteigenossen v. Treuen- lels und Graf Kanitz, welche beide das Malheur hatten, den Abg. Gothein von der freisinnigen Vereinigung zu reizen; jener, indem er in scharfer, vom Präsidenten als zu scharf gerügter Form, gegen Dr. Pachnicke polemisierte, dieser, in­dem er für eine Erhöhung der Viehzölle plädierte. Herr Gothein war darüber so ergrimmt, daß er ganz seinen in der Regel larmoyanten Ton vergaß und ordentlich frisch ins Zeug ging. Herrn v. Treuenfels warf er Mangel an Rück­sicht vor, da er den Angriff gegen Dr. Pachnicke gerichtet habe, während dieser durch schwere Krankheit dem Hause fern ge­halten werde, und den Grafen Kanitz ersuchte er mit seinen Freunden, nicht bei jeder Gelegenheit immer wieder über die Kündigung der Handelsverträge und die Zollpolitik zu sprechen, da sonst einmal der Linken die Geduld reißen und sie antworten könnte. Diese Drohung verfehlte offenbar ihre Wirkung nicht, es folgten nur noch ganz gedrängte Reden, in denen sich u. a. Dr. Dahlem namens des Zentrums gegen und Dr. Wallau namens der Nationalliberalen für die Resolution erklärten. Bei der Abstimmung waren die Gegner m der Mehrzahl, und so fiel der Antrag. Hingegen Würbe eine freisinnige Resolution, die seminaristisch gebildeten Lehrer an allen militärischen Schulen mit denen der Kadetten- anstatten gleichzustellen, nach kurzer Debatte einstimmig an- genommen. Ebenso fand der für weitere Kreise bedeutuugs- volle Antrag der Budgetkommission einmütige Zustimmung, bedürftigen Eltern, die einen schwer erkrankten Sohn bei der Truppe besuchen wollen, die Reisekosten ganz oder teil­weise zu vergüten. So kam die Etatsberatung verhältnis- wäsiig schnell ein erkleckliches Stück vorwärts bis beim Kapitel Technisches Institut der Artillerie der konservative Abgeordnete Pauli-Potsdam den bei dieser Gelegenheit scheinbar unvermeidlich gewordenen Redekampf mit dem sozialdemokratischen Abgeordneten Zubeil wegen der Be­amten- und Arbeiterverhältnisse in den Spandauer Werk­stätten begann.

preussischer Landtag.

Haus der Abgeordneten.

(42. Sitzung.) RK. Berlin, 15. März.

Das Berliner Polizeipräsidium saß heute, wenn das Bild erlaubt ist, im hohen Hause an der Prinz Albrechtstraße auf dem Moqmerstuhl. Eine Reihe Redner brachte eine noch größere Reihe Wünsche im Interesse der Beamten der Ber­liner Polizewerwaltung, im Interesse des Berliner Publi- rums, im Interesse des Verkehrs u. s. W. u. s. w. vor. Auch eine Anzahl rein lokaler Berliner Angelegenheiten, mit denen der Polizeipräsident irgendwie zu tun hat, wurden vor­gebracht, Dinge, um die sich außerhalb Berlins keine Menschenseele und in Berlin selbst nur wenige Menschen flimmern. Etwas interessanter wurde die Debatte bei dem KapitelPolizeiverwaltung in ben Provinzen". Der Pole v. Dziembowski schalt auf die ostdeutschen Polizeibehörden, deren Amtsführung ihm nicht gefällt. Minister v. Hammer- stein wies die Angriffe des polnischen Redners zurück. Nicht besser ging es einem andern Polen, dem Abg. Stychel, dem der Minister gründlich heimleuchtete, als der Redner die Beamtenschaft in ungerechtfertigter Weise angegriffen hatte. Ein paar Redner sprachen noch zum Titel Landgendarmerie, dann vertagte sich das Haus auf den Abend.

Pa rlam en tshämp fe in Bayern.

d* Münchs 15. März.

Das Tagesgespräch ist hier offener Konflikt zwischen der Bentrumsfraftion der Münchener Abgeordneten­kammer und dem Kriegsminister Frhru. v. Asch. Der Zentrumsabgeordnete Dr. Pichler hatte bekanntlich s. Zt. dem Kriegsminister den Brief eines Einjährigen an Pichler übergeben, der Beschwerden über die dienstliche Behandlung des Briefschreibers enthielt. Der Kriegsminister ließ die Sache untersuchen, und als sich herausstellte, daß der Brief­schreiber gelogen hatte und ein Drückeberger war, wurde er selbstverständlich bestraft.

Abg. Pichler brachte die Angelegenheit, wie schon er­wähnt, kürzlich in der Kammer der Abgeordneten zur Sprache und beschuldigte den Minister des Vertrauensbruchs. Herr v. Asch hatte erwidert, er werde den Abg. Dr. Mckler weaen