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Mittwoch, den 13. April i^U4
13. Jahrgang
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W»»«e«<«t-Pre1-: in Gießen, abgeh-lt monatlich 50 Pfg.,
M ^tud gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel
jährlich Mk. 1.50.
WiMObetlage« : Oberheffische Familie«zeitn«g (täglich) unb die Gteßener Tsifenblase« (wöchentlich).
r-a« Matt erscheint an alle« Werktagen nachmittags.
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(Gießener GageStatt)
MnaSHLnKige Tageszettung
für Oberhefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen bei Grohh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
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Bekanntmachung.
Set c.: Abhaltung landwirtschaftlicher Vorträge.
Demnächst finden folgende Vorträge statt und zwar:
1. Samstag den 16. Arpil 1904, nachmittags
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3 Uhr zu Grünberg in der Wirtschaft „Englischer Hos" über „Rationelle Jungviehzucht; Referent: Herr Landwirtschaftslehrer Schwarz von Alsfeld.
Sonntag den 17. April 1904, nachmittags
3 Uhr zu Steinbach in dem Gasthaus „Zum
Einhorn" über „Züchtungsgrundsätze"; Referent:
Herr Landwirtschaftslehrer Schwarz von Alsfeld.
Sonntag den 17. April 1904 nachmittags 3
Uhr zu Steinoerg in der Wirtschaft „Zur WihelmShöhe" über „Aufzucht von Milchvieh"; Referent: Herr Oekonomierat Leithiger von Alsfeld.
ßw den vorgenannten Vorträgen werden die Mitglieder )»S Vereins und sonstige Interessenten hiermit eingeladen.
Tse Großh. Herren Bürgermeister der Voctragsorte nnb der umliegenden Orte werden um gefl. ortsübliche Be- M.nntgö be gebeten.
Gießen, den 9. April 1904. Der Direktor
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- bl Bezirkszuchtvereins Gießen für Volgelsb-rger V'eh.
Dr. Kranzvühler, Gcoßh. Kcelsamtmann.
Der Bund der Handwerker.
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W. Anfang dieser Woche ist in Berlin der Ausschuß des LMimLeÄ der Handwerker zusammengetreten, der sich nach dem 8Wer des Bundes der Landwirte organisiert hat und auch cS)M> wie dieser seine Forderungen vertritt. Trotzdem aber btLsteht zwischen beiden Organisationen ein wesentlicher Unter- f'M insofern, als der Landwirtestand den ganzen Berufs- l^ ohne Unterschied der Produktionsverhältnisse und des ! Zetrieüsumfanges umfaßt, während die Handwerkerschaft die ! H*ertsmäj3ine Tättgkeit gegen die Bedrohung durch die Mtsämftliche Uebermacht des Kapitals und den technischen ^ and wirtschaftlichen Vorsprung der Maschinenarbeit sichern ^ 3, M Der Bund der Landwirte beansprucht von dem Staate ^„ )«en L chutz der Rentabilität und die Sicherung der Waren- während das Handwerk naturgemäß gegen die Grund- ^: t oageii unserer modernen Entwickelung, die Gewerbesreiheit, Dr râmekturen beansprucht. Es sann ja allerdings auch nicht 2 -. i k'klcussiiet werden, daß die Gewerbefreiheit in doppelter Hin- ^1$ I vM te Handwerk zwischen Hammer und Amboß gebracht «^1 Ml Der freie Wettbewerb begünstigte die maschinelle Be- ws/'Äs.veife und schuf andererseits die sogenannte Pfusch- immerenz, den Handwerksbetrieb durch halbfertige oder ^1^ ganz ungelernte sogenannte „Meister". Das Handel Mkergesetz, das die ersten Korrekturen zur Gewerbefreiheit -^.Bracht hat, ist feinem Wesen und seiner Tendenz nach die 1 Forderung der organisierten Selbsthilfe In den AMoerkerkammern wurden Jnformationszentralen ge- ^ We-n, und in der Regelung des Lehrlings- und Gesellen- iMienss sollte für das Handwerk die Grundlage geschaffen um die Heranbildung der neuen Meistergeneration S; H Qualität und Quantität zu regeln. Die Konditoren sich das neue Gesetz sehr gut zu Nutzen gemacht, indem V^icsiuc ganz Deutschland einen Verband schufen, der die 8ahl K^rniii^ Lehrlinge für jedes Jahr festsetzt umVfom ^iiMiuttert. Außerdem werden Konditorgehilfen, die einmal ^5@Wr Backerei gearbeitet haben, von keinem Meister mehr ^-siWsllellt. Es ist Zuzugeben, daß die Konditoren — gewisser- als höhere Klasse der Bäcker — hier leichter operieren '' M immerhin enthalt dieses Vorgehen einen Wegweiser für ^I beste Art der Interessenvertretung des Handwerks indem » r/u^ Hauff den Ausbau des Handwerkergesetzes hindeutet '8Z5?âM tatsächlich bewegen sich auch die Forderungen des Bundes K 8 ÄA Handwerker in dieser Richtung. Er verlangt die Schaffung Gewerberegisters, in das nur geprüfte Meister ein- " 1 5 '»tirttgen werden können, ferner Verbesserung und Vermeh- Z^M der Fachschulen, Verbesserung des Submissionswesens, Befähigungsnachweis ohne individuelle Beschränkung der ^z^.dmzenten in der Erwerbstätigkeit und Verbot der Zucht- und Gefängnisarbeit.
Wenn von verschiedenen Seiten die Forderung des Be- 2,^kiüingsnachweises als ein Rückfall in alte Verhältnisse be= wird, so beruht diese Anschauung auf einer Ver- c/^^fliiimng des Zweckes dieser Forderung, der sofort deutlich ^ZM durch den Punkt 1: die Errichtung des Gewerbe- MAiskeÄ Hier soll dem Publikum und vielleicht auch den P^rWütanstalten eine Gelegenheit zur Orientierung über die ft ^yCliliodje Tüchtigkeit und die Vertrauenswürdigkett des Hand- s^Me!rs gegeben werden. Mit allen diesen Forderungen kann zöllig einverstanden sein, verfehlt aber wäre die ^eMWng eines eigenen Handwerksministeriums, wie es der der Gewerbetreibenden fordert. Nur dadurch, daß £ E -Handels- und Gewerbeministerium als Zentralinstanz f Me verschiedenen Erwerbszweige fungiert, ist es in der ft M^v ^ ^em Gegensatz zwischen Handwerk und Fabrik den A^WWen Ausgleich zu schaffen.
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Der Krieg in Ostasien.
Die beiden feindlichen Parteien haben schwer unter der Ungunst der Witterung zu leiden. Schneestürme und Ueber- schwemmungen wüteten heftig in der ganzen Mandschurei, machten die Straßen unpassierbar und zerstörten die Feldtelegraphen.
Die Lage in Port Arthur.
Eine Depesche aus Port Arthur vom 11. April bestätigt, daß in der Osternacht allgemein ein neuer Angriff der Japaner erwartet und daher energische Schutzmaßregeln getroffen wurden. Vizeadmiral Makarow, welcher allnächtlich die getroffenen Vorsichtsmaßregeln persönlich überwachte, verbrachte die Osternacht auf einem Wachtboot. In der Osternacht wurde der Gottesdienst in der Kirche bei verbannten Fenstern Zelebriert; nur dieser Umstand mit der rings um die Kirche wie in der ganzen Stadt herrschenden Dunkelheit erinnerte an die Möglichkeit eines feindlichen Angriffs. Der Ostersonntag verlief ganz ruhig in Festtagsstimmung und bei gutem Wetter. Die Truppen verlebten das Fest auf ihren Positionen in gehobener Stimmung. Heute kehrte das russische Geschwader, aus allen großen Schlachtschiffen und Torpedobooten bestehend, das Zu einer Kreuztour weit in See gegangen war, in den Hafen zurück.
Die Japaner und das Rote Kreuz.
Die aus russischen Quellen herrührende Anklage, daß die japanischen Truppen bei Tschöngdschu das Privilegium der Noten Kreuzflagge mißbrauchten, indem sie Zuflucht in einem zu einem Hospital eingerichteten Hause gesucht hätten, wird in Tokio in Abrede gestellt, und erklärt, daß diese Erfindung beabsichtige, die Japaner in den Augen der Welt zu verun- glirnpfen. Eine amtliche Nachforschung nach diesem Gerücht ergab, daß die Japaner eine Verbandstation hinter ihrer Feuerlinie eingerichtet- hatten und dieselbe nur benutzten, uns die Verwundeten zu pflegen.
Die Politik.
□ Eine neue Monarchenbegegnung wird aus Abbazzia angekündigt. Man erwartet dort am 25. April die Ankunft Kaiser Wilhelms zum Besuche des dort weilenden Königs Oskar von Schweden sowie des am 18. eintreffenden Königs von Rumänien. Kaiser Wilhelm wird an Bord der „Hohenzollern" wohnen. Weiter erwartet man, daß auch Kaiser Franz Josef in Abbazzia ein- treffen und Kaiser Wilhelm dort begrüßen werde.
^ Der Führer der Hauptabteilung des südwestafrikanischen Expeditionskorps, Oberst Dürr, ist erkrankt und wird Ende dieses Monats in der Heimat zurückerwartet.
■& Zur Erzielung von Ersparnissen in den Militärwerk- stättcn in Spandau war vor kurzem in Erwägung gezogen worden, mehrere hundert Arbeiter, die bei leichter Beschäftigung tätig sind, durch Arbeiterinnen zu ersetzen. Obwohl die Berechnung ergab, daß durch diese Aenderung tatsächliche Ersparnisse erzielt werden würden, nahm die Militärverwaltung jetzt aus sozialpolitischen Gründen davon Abstand.
G Die Preußische Negierung beabsichtigt bekanntlich die Einführung von Taxämtern für städtischen Grundbesitz nach dem Muster der in Bayern und Hessen bereits bestehenden Taxämter. In Frage kommen hierbei zunächst die Städte mit mindestens 30 000 Einwohnern. Der Einrichtung liegt der Gedanke zugrunde, daß der Magistrat jeder Stadt die Aufsichtsbehörde des Taxamts bildet, daß eine Anzahl von Bausachverständigen (Bau-, Maurer- und Zimmermeister) zu Taxatoren ernannt werden, und daß diese nach bestimmten Vorschriften Tax-Bücher zu führen haben, deren Revision den bausachverständigen Magistratsmitgliedern (Stadtbauräten) obliegt. Von den Taratoren soll die Hinterlegung einer Sicherheitssumme gefordert werden. Die entstehenden Revisionskosten sollen durch die erhobenen Taxgebühren gedeckt werden.
8cbwetr.
^ Im Berner Nationalrat hat der schweizerische Bundesrat mitgeteilt, daß sich Hoffnung zeige, bezüglich einiger Fünfte des Arbcitcrschutzcs zu einer internationalen Verständigung zu gelangen. Der Bundesrat hoffe, eine internationale Konferenz vielleicht schon für den M a i d. I s. zustande zu bringen, auf welcher eine Einigung über gewisse Punkte möglich sein werde. Eine solche Einigung dürfte nicht nur im Interesse einer allgemeinen Besserung der Lage der Arbeiter, sondern auch im Interesse der Arbeitgeber der einzelnen Staaten liegen
Italien.
□ Immer erbaulichere Dinge kommen bei der parlamentarischen Untersuchung des Nasi-Skandals ans Tageslicht. Neuerdings ist in der Neapeler Museumsverwaltung ein Defizit von einer halben Million entdeckt worden. Wo das Geld geblieben ist, wird am besten Herr Nasi bekunden können. Aus dem Museum sind ferner wertvolle antike Funde verschwunden: man fand sie wieder in der famosen Villa des Un-
J«sertio«SpreiS: Die einspaltige PetttzeUr für ganz OhtzG heffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 16 Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3269.
Redaktion und Expeditton: Gießen, Seltersweg M Fer«sprecha«schluß Nr. 368. richten
(Gießener Zeitung)
ter r ichksm inisters in Trapani. Nasi lvehrt sich gegen die Enthüllungen auf besondere Weise: Ein Hauptgegner Nasis, der Rechtsanwalt Montalto, wurde von einer Kreatur des früheren Ministers auf offener Straße überfallen und durch Stockhiebe verletzt! Diese Knüttellogik wird den Minister vor der verdienten Strafe nicht ren^
Spante«..
cT In Madrid wurde gestern ein Attentat gegen den Ministerpräsidenten Manra verübt. Maura wurde, als er das Generalratsgebäude verließ, von einem Dolchstich verwundet, frankreich.
c? Die Republik hat wieder eine Sensation:' Oberst Marchand, der „Held von Faschoda", hat sein Abschiedsgesuch eingereicht! Und zwar, weil er nicht nach dem ostasiatischen Kriegsschauplatz gehen durfte! Der „Figaro" erzählt, daß der russische Militärattache und der russische Botschafter in Paris sich eifrig, aber vergeblich bemüht hätten, Marchand die Erlaubnis auszuwirken, in dem Hauptquartier der Russen in der Mandschurei den militärischen Operationen zu folgen. , Der Kriegsminister habe die Erlaubnis unter dem Hinweis darauf verweigert, daß bereits eine französische Kommission nach dem ostasiatischen Kriegsschauplatz abgegangen sei. Man sieht Zwar nicht recht ein, warum nicht auch noch Marchand nach Ostasien hätte gehen sollen. Ebensowenig aber sieht man ein, wie Marchand wegen dieser
bloßen Ablehnung seines Wunsches gleich den Dienst tieren konnte! Merkwürdige Disziplin!
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Hof und Gesellschaft.
* Der Kaiser begab sich gestern in Malta an
Land
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und sah den Uebungen an Feldgeschützen und den nastischen Uebungen der Matrosen zu. Der Kaiser nahm dann die neuen Docks und den Wellenbrecher in Augenschein und frühstückte im Landhause des Admirals Sir C. E. Dom- vile. Abends um 10 Uhr ging die „Hohenzollern" nach Syrakus zu mehrtägigem Aufenthalte in See. Heute (Mittwoch) früh trifft der Kaiser dort ein. Die Syrakusaner haben einen glänzenden Empfang vorbereitet. Auch wollen sie ihm zu Ehren im griechischen Theater ein Monsterkonzert aufführen lassen. Vom Aufenthalt in Malta ist noch zu bemerken, daß der Kaiser nach dem Frühstück beim Admiral Domville den Erzbischof von Malta empfing. Später unternahm der Kaiser einen Ausflug nach Citta Vecchia und dem Palace of Verdala. Nachdem er sodann an Bord der „Hohenzollern" zurück^ekehrt war, begab er sich abends nochmals an Land 311 einem großen Diner bei dem Gouverneur, 311 dem außer dem Gefolge des Monarchen und dem deutschen Konsul die Spitzen der Militär- und Zivilbehörden, der Erzbischof und andere hervorragende Persönlichkeiten geladen waren. Die zwanzig Schiffe des englischen Geschwaders hatten glänzend illuminiert. Das Flaggschiff zeigte eine riesige Kaiserkrone. Am Landungsplätze war eine Ehrenwache von Matrosen mit Musik aufgestellt.
Heer und flotte.
Die frühere Kreuzerfregatte „Elisabeth" ist für 80 000 Mark an eine Stettiner Firma verkauft und dieser Tage von einem Schlepper nach Stettin bugsiert worden, wo das einst so stolze, hochgetakelte Schiff abgebrochen wird, um an» feinen starken eichenen Rippen Eisenbahnschwellen zu schlagen. Die 1868 auf der Danziger Werft erbaute Fregatte war ein Muster ihrer Gattung und erregte damals allgemeine Aufmerksamkeit. „Elisabeth" nahm'1869,an der Einweihung des Suezkanals teil und wurde 1872 gegen Kolumbien, 1873 gegen die spanischen Insurgenten und 1878 gegen Nikaragua verwendet. 1884 proklamierte der Kommandant der „Elisabeth" die deutsche Schutzherrschaft in Angra Pe- guena und hißte in demselben Jahre in Matupi die deutsche Flagge. Im folgenden Jahre sicherte „Elisabeth" mit vier arideren Kriegsschiffen die deutsche Herrschaft in Ostafrika. Nach fast zwanzigjähriger Dienstzeit wurde die Fregatte 1887 als stationäres Maschinenschulschiff umgebaut und hat diesem Zwecke über 16 Jahre gedient. Da das Fahrzeug für maritime Zwecke nicht mehr brauchbar war, erfolgte fetzt der Verkauf.
Hus den Parlamenten.
* Dem Preußischen Abgeordnetenhaus sind gestern die wasserwirtschaftlichen Vorlagen zugegangen. Es sind fünf Vorlagen, von denen sich vier mit Lorflutfragen beschäftigen, während die fünfte sich auf Schifffahrtsanlagen bezieht. Es werden an einmaligen Ausgaben gefordert:
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Zur Verbesserung der Vorflut in der unteren Oder bis zu..... Zur Verbesserrmg der Vorflut- und Schiffohrtsverhältnisse in der unteren Havel bis zu........ Zum Ausbau der Spree bis zu . .
Zusammen also bis zu . . .
41865 000 Mark.
9 835 000
9 119 200
60 820 000 Mark.