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WA»«Me»e«t-pret-: in Gießen, abgehslt monatlich 50 Pfg., MM gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mk. 1.60.

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Das Blatt erscheint an alle« Werktagen nachmittags.

Nr. 59.

Donnerstag, den 10. März Wü4.___

Gießener

__________________13. Jahrgang.

J«sertio«spreis r Die einspaltige PetitzoUe.für ganz c>^ hefsen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. fou^

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Postzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg W Fernsprecha«schl«ß Nr. 362.

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für Oberhefsm und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Grvhh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

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Der Krieg in 0 Nalien. -

Irgendwelche zuverlässige Meldungen über neue Ereig­nisse zu Lande oder zur See liegen nicht vor. Dagegen wird aus Tokio von einem Schritt des russischen Gesandten in Peking bei der chinesischen Regierung berichtet, der deutlich darauf hinweist, daß Rußland nicht gesonnen ist, die Schein­neutralität Chinas zu respektieren, falls ihm die Chinesen Unbequemlichkeiten bereiten.

Der Gesandte beschwerte sich über die stetigen Beun­ruhigungen iinb Verheerungen der mandschurischen Bahn durch die Chunchusenbanden und drohte, wenn diese kein Ende nehmen, würde

die chinesische Neutralität

don Rußland als ungiltig angesehen werden. Rußland be­trachtet die Gegend zwischen der großen Mauer und dem Liaoflusse bei Hsinmintun, chinesisches Gebiet, als völlig unter seinem Einfluß stehend und bezieht trotz chinesischen Ein­spruchs von dort Lebensmittel, Vieh, Getreide und Furage. Es hat innerhalb der Grenzen der Gegend zwei Militärposten, den einen nördlich, den andern östlich von Hsinmintun, auf­gestellt; streift sie mit kleinen Kavallerieabteilungen, die sich in den Dörfern einquartieren, bis fast an die große Mauer ab und verbietet China, irgendwo innerhalb ihrer Grenzen Truppen ailfzustellen. Nichtsdestoweniger macht es China für alle etwa vorkommenden Ruhestörungen haftbar. Die japanische Negierung rechnet schon fest mit dem Faktum der Neutralitätsverletzung und droht mit Repressalien. Wenn Rußland darauf bestehe, in neutrale Bezirke einzufallen, müsse Japan sich der Rechte bedienen, die es sich vorbehalten habe, und ähnliche Schritte tun. Das würde ihm aber größeren Vorteil bringen, als Rußland aus dem Einfall in chinesisches Gebiet erwachsen könnten. Die Unfähigkeit der chinesischen Negierung, eine wirksame Verteidigung ihres Gebietes zu behaupten, wird in Tokio als eine Tatsache betrachtet, die miste Erwägung erheischt und die möglicherweise die Rich­tung zu einem bestimmteren Einverständnis zwischen China und Japan anzeigen könnte.

Japan selbst ist den Mächten gegenüber bestrebt, jeden Vor Wurf der Neutralitätsverletzung und Bruchs des Völker­rechts von sich abzuwälzen.

Die Antwort Japans auf die russische Beschwcrdenote

gibt zu, daß die japanischen Truppen vor der Kriegserklärung in Korea gelandet seien, schiebt die Schuld daran aber dem russischen Vorrücken in der Mandschurei in die Schuhe. Die Behauptung, die Beförderung von Telegrammen an die Kom­mandanten der russischen Kreuzer von Tschemulpo hinter­listig verhindert zu haben, weist sie energisch zurück. Die Japaner senden jetzt auch, um zu zeigen, daß sie die korea­nische Regierung noch immer als zu vollem Recht bestehend betrachten, den Marquis Ito in außerordentlicher Mission an den Hof von Söul. Er wird dem Kaiser von Korea ein eigenhändiges Schreiben des Kaisers von Japan überbringen. Ueber den Zweck seiner Mission ist außer den höchsten amt­lichen Kreisen niemand etwas bekannt. Der Marquis wird be­gleitet sein von dem Vizepräsidenten des Geheimen Rats Gra­fen Tsuzuko, dem Generalmajor Usagawa und dem Kontre- admiral Sakkamoto.

Gerüchte von einem neuen Seegefecht

laufen in Tokio um, doch entbehren sie bis jetzt jeder amt­lichen Bestätigung. Die Meldung, wie sie bisher vorliegt, lautet:

Das russische Wladiwostok-Geschwader befindet sich aus i See und soll ein Gefecht gehabt haben mit der japanischen

Flotte, dessen Ergebnis jedoch noch nicht bekannt ist.

Sehr wahrscheinlich klingt die Nachricht nichts ebenso- lvenig wie eine andere, die davon spricht, daß von einer japanischen Landungskolonne in der Nähe der Possjetbai lOOO Mann erfroren sein sollen.

Daß die russischen Küstenbatterien in Wladiwostok das Üeuer der Japaner nicht erwiderten, erfährt jetzt von anderer Seite eine eigentümliche Aufklärung. Sie konnten ganz einfach nicht, weil ihre Geschosse auf die Entfernung von Kilometern die Japaner nicht erreichen, konnten. Die Mehrzahl der russischen Küstengeschütze in Wladiwostok stammt aus den Jahren 1861 bis 1865. Bereits im vorigen Jahre, als die Situation in Ostasien immer drohender wurde, forderten die russischen Blätter den Kriegsminister auf, die bereiteten Geschützmodelle in Wladiwostok durch moderne zu ersetzen. Es scheint, daß dieser Aufforderung nicht nachge­kommen worden ist.

Revolution in Schweden ?

rs Stockholm, 8. März.

„Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es toiH P Tiefen von einem deutschen Sozialdemokraten geprägten Hymnus auf seine Partei will die schwedische Sozial- öejn o E r a t i e zur Wirklichkeit werden lassen. Aus politischer Huben, aus Gegnerschaft gegen den neuen Wahlrechts- mttDurt soll ein allgemeiner Streik der Arbeiter Eer Berufe inszeniert werden. Mehr als das: auch daß

Militär soll zum Streik veranlaßt werden! Daß im Regierung mindestens diesen Versuch, Meuterei ins Heer zu tragen, mit den schärfsten Gegenmaßregeln beantworten würde und beantworten müßte, scheinen die Drahtzieher dieser Bewegung nicht sehen zu wollen.

Der Anstoß zu diesem — von besonneneren Sozialisten übrigens energisch bekämpften — Vorgehen wurde in einer Versammlung der sozialistischen Arbeitervereine in Malmö gegeben. Sie haben eine Resolution gefaßt, in der es heißte

Die schwedischen Arbeiter müssen sich rüsten zu einer neuen Kraftäußerung in Form einer Arbeitsein­stellung, die sich über das ganze Land er­streckt, ferner müssen sie unter den Dienstpflich­tigen und dem Militär eine kräftige Agita­tion betreiben, sodaß die Arbeiterklasse beim Militär den Rückhalt findet, der durch die Um- stände bedingt wird.

Ist schon diese Resolution geeignet, die Regierung und alle nichtsozialdemokratischen Volkskreise zu beunruhigen und zu Abwehrmaßregeln zu veranlassen, so erhält die Resolution noch eine besondere Bedeutung, wenn man die Umstände erfährt, wie sie zu stande gekommen ist. Eine sehr starke Minderheit in der Malmöer Versammlung verlangte nämlich, daß in der Resolution nicht nur mit dem Generalstreil schlechthin, sondern mit einem Generalstreik gedroht werden solle, der weder auf das Leben noch auf das Eigentum Rücksicht nehme und der auch auf andere Gebiete hinübergreife als diejenigen des ngentlichen Arbeitsmarktes. Der erste Teil dieser Forderung besagt klipp und klar, daß man eine Revolution eim leiten möchte, der zweite besagt, daß man auch die Beteili- ning der wichtigen Verkehrsinstitute, Post, Eisenbahn und Lelegraphie, der Straßenbahnen usw. an dem allgemeinen Muöftanb zuwege bringen wollte, um so alle staatlichen Funktionen lahmzulegen.

Die Mehrheit war trotz der Staatsgefährlichkeit der von ihr beschlossenen Resolution doch besonnen genug, diese noch e^trabaganteren Forderungen abzulehnen. Die Tatsache eßer, daß eine starke Minderheit überhaupt für solche For- derungen sich ins Zeug legen konnte, wird hier in amtlichen und privaten Kreisen mit Kommentaren versehen, die darauf schließen lassen, daß eine staatliche Gegenwehr gegen die sozialdemokratischen Pläne erfolgen soll, ehe sie noch ver­wirklicht werden können. Es wäre im Interesse des sozialen wie des politischen Friedens in Schweden dringend zn wünschen, daß bet den übrigen sozialdemokratischen Ver­bänden des Landes die besonnenen Elemente die Oberhanè behalten und dafür sorgten, daß diese Verbände die Mal- knöer Revolutionsresolution in den Papierkorb würfen. Denn sonst wäre ein Bürgerkrieg, bei dem die Sozial­demokraten doch die Zeche zahlen müßten, so gut wie sicher.

Die Politik.

# Die bevorstehende Mittelweerfahrt des Kaisers gibt ver­schiedenen Blättern, insbesondere der ausländischen Presse, Veranlassung zu allerhand Meldungen über Begegnungen des Kaisers mit anderen Staatsoberhäuptern. So wird be­richtet, während der Mittelmeerreise werde Kaiser Wilhelin eine Begegnung mit dem Könige von Italien haben, und das „Journal des D^bats" stellt, wie schon gemeldet, eine Begegnung zwischen dem Kaiser und dem Präsidenten L o u b e t in Aussicht. Dazu schreibt uns unser Berliner CB.-. Mitarbeiter: darüber, ob diese Begegnungen stattfinden werden ober nicht, kann heute noch nichts Bestimmtes gesagt werden. Soviel steht fest, daß unser Kaiser diese Begegnungen nicht sucht. Zesigen die anderen in Frage kommenden Staatsoberhäupter das Verlangen nach einer solchen Be­gegnung, so wird selbstverständlich Kaiser Wilhelm nicht Nein sagen. Ganz in der Luft schwebt aber eine weitere Meldung, die davon zu berichten weiß, Kaiser Wilhelm werde auf der Rückkehr von seiner Mittelmeerfahrt in Brüssel den jüngsten Besuch des Königs Leopold von Belgien erwidern. Davon steht nichts in den Reiseplänen des Kaisers. Diese Meldung dürfte ebenso wie die andere, die auch einen Besuch des Kaisers Franz Josef in Brüssel in Aussicht stellt, ein bel­gisch-offiziöser Schachzug sein, um die gegen den König wegen des schwebenden Erbschaftsprozesses aufgebrachte öffentlich« Meinurig zu beschwichtigen.

□ Die Aufhebung des § 2 des Jesuitengefetzes ist Tatsacht geworden. Amtlich wird gemeldet: Der Bundesrat hat in seiner Sitzung am Dienstag dem vom Reichstage beschlossenen Gesetzentwürfe betr. die Aufhebung des § 2 des Gesetzes über den Orden der Gesellschaft Jesu vom 4. Juli 1872 zugestimmt. Dieser Bundesratsbeschluß be beutet zwar nicht die völlige Aufhebung des Jesuitengesetzes, diese war auch vom Reichstag bisher nicht beschlossen worden. Der jetzt aufgehobene 8 2 des Gesetzes untersagte den Jesuiten die Begründung von Ordensniederlassungen in Deutschland.

*

nW Die Vorarbeiten für den angekündigten Gesetzentwurf Mr. die Eutlnstuna des Reichsaerichts sind nunmehr beendet.

Doch sollen vor der endgültigen Feststellung des Entwurfs noch Besprechungen mit den Vertretern der parlamentarischen Par­teien stattfinden.

1" In mehreren Blättern war davon die Rede, der'preußische Minister des Innern Frhr. b. Hammerstein habe aus Gesund- heitsrücksichten seinen Abschied eingereicht. Wie unser Ber- liner ^.-Mitarbeiter uns auf Grund von Erkundigungen an zuständiger Stelle meldet, ist diese Blättermeldung un-

© Im Reichstage hat der Kriegsminister v. Einem neulich darauf hingewiesen, daß nach den Kriegsartikeln auch in Deutschland jeder Soldat den Marschallstab im Tornister trage. Von sozialdemokratischer Seite war bestritten worden, daß seit Menschengedanken ein einfacher Soldat es zu den höheren Stellen in der preußischen ober deutschen Armee gebracht habe. Der Abg. Gradnauer erklärte sogar, der letzte Fall dieser Art datiere aus dem 16. Jahrhundert. Abgesehen davon, daß schon der alte Derfflinger und viele andere her­vorragende Offiziere, die aus dem Stande der Gemeinen hervorgegangen sind, «Legen diese Behauptung als Kron­zeugen angeführt werden können, hätte Herr v. Einem beut sozialdemokratischen Redner auch einen noch nicht gar lange zurückliegenden Fall vorweisen können, der den Minister überdies persönlich sehr nahe angeht. Herr v. Einem hätte nämlich auf seinen eigenen Schwiegervater verweisen können, den erst als Offizier geadelten General v. Rothmaler. Dieser war ursprünglich ein Zögling des Militärwaisen­hauses, diente dann als F ü s i l i e r in der Potsdamer Unter­offizierschule, brachte es fernerhin zum Offizier und holte sich 1870/71 als Kommandeur der brandenburgischen 11. Jn- fanteriebrigade das eiserne Kreuz erster Klasse. Da er keinen Sohn hatte, so ging der Name dieses hervorragenden Offi­ziers auf den Mann seiner einzigen Tochter, Herrn V. Einem, genannt v. Rothmaler, den jetzigen preußischen Kriegsminister, über.

=4= Einen Erbfolgeverzicht des Zaren auf das Großherzog­tum Oldenburg veröffentlicht die russische Gesetzsammlung. Um die Schwierigkeiten in der Thronfolge für den Fall des Erlöschens des Mannesstammes des Herzogs Peter von Oldenburg aus dem Wege zu räumen, tritt der Zar für sich und sein Haus alle seine angestammten Erbrechte an den gegenwärtigen Repräsentanten der herzoglichen Linie Schles- wig-Holstein-Sonderburg-Glückstadt, Herzog Friedrich Ferdinand, ober an die sonstigen Nachkommen des 1885 verschiedenen Herzogs Friedrich von Schleswig-Holstein- Sonderburg-Glücksburg ab.

Klien.

£ Im Hinterlande von Aden scheinen die Engländer neue Verwickelungen mit den eingeborenen Araberstämmen zu haben. Gestern kam die lakonische Meldung, der Gehilfe des britischen Gouverneurs, Kapitän Warinford, sei von einem Araber erschossen worden. Jetzt, ehe noch Näheres über die Veranlassung zu diesem Morde bekannt ist, kommt aus Aden die Meldung, dort herrsche große Erregung. Einen) Araberhäuptling war die Erlaubnis erteilt worden, die Stadt mit einem Gefolge von 100 Mann zu besuchen; statt dessen brachte er 250 mit Flinten Bewaffnete mit sich. Ser britische Beamte sah sich zu nachdrücklichen Vorstellungen genötigt, weil sich der sehr störrische Häuptling weigerte, seine Begleitmannschaft zu verringern ober abzuziehen. Da sich das Gefolge sehr unbändig benahm und in aufrührerischer Weise den Frieden in der Stadt bedrohte, ließ der Resident die Bombay-Infanterie und Artillerie aufmarschieren, die Siim Vorgehen bereit waren. Er schickte darauf dem Häupt­ling ein Ultimatum mit der Aufforderung, um 5 Uhr nach* mAags sich zu entfernen, worin der Häuptling sich zornig fügte. Beweist schon das Auftreten des Scheichs in der Stadt, wie feindselig die Stimmung der Bevölkerung gegen die Engländer ist, so wird die Behandlung, die dem Scherch widerfuhr, ihn zu blutigem Racheakt unbedingt veranlassen.

Ftof und Gesellschaft.

Die Trauerfeier für den Grafen W a I d e r . fee hatte in der Gannsonkirche zu Hannover eine gläw zende Versammlung zusammengeführt. Der Kronprinz als Vertreter des Kaisers traf fast gleichzeitig mit der Grafm Waldersee an der Kirche ein, bot ihr den Arm und führte sie zu ihrem Platze. Alsdann langten die Prinzen Heinrich und Albrecht von Preußen und Herzog Ernst Günther von Schleswig an. Konsisiorialrat Rocholl hielt die Trauerrede. Als der Sarg auf den Wagen gehoben wurde, präsentierten die in der Trauerparade stehenden Truppen, ein Regimen! Infanterie, vier Eskadrons und drei berittene Batterien, unter den Klängeri des Chopinschen Trauermarsches und vow Waterlooplatz erscholl der Ehrensalut von 36 Schüssen. Auj dem Bahnhof wurde der Sarg in den schwarz ausgeschlagenen Waggon gehoben, um nach Neverstorf übergeführt zu