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Nr. 34.
WG»»<e«e«tSpreiS: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., VS HruS gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mk. 1.50.
G^tiSbeilage«: Oberhesfifche Famitte«zeitu«g (täglich) und die Gießener Seifenblase* (wöchentlich).
Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
(Gießener GagevlÄtt)
Mittwoch, den rO. Februar ivo4.
N«aöHL«gige Tageszeitung
13 Jahrgang
J«sertto«spreiö: Die einspaltige Pttitzeile füt ganz CM
Hessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. s^ 16
Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3269.
Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88
Fernsprechanschlust Nr. 362.
(Gießener Zeitung)
für Oberheffe« und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
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Das 6a streckt auf unseren Dock schulen.
CB. Die in Berlin lebenden russischen Studenten haben dieser Tage in einer Zuschrift an ein Berliner Blatt gegen das Urteil protestiert, das der Staatssekretär des Aeußeren, Freiherr v. Richthofen, über ihre geistigen unb sittlichen Qualitäten, namentlich der Studentinnen gefällt hat. Es ist zweifellos das gute Recht dieser russischell Gäste, für ihre Ebre öffentlich einzutreten. In ihrem Ton dürfen sie aber vor allen Dingen nicht vergessen, daß sie immerhin hier eine weitgehende, nach der Ansicht.weiter Kreise sogar zu weit- gehende Gastfreundschaft genießen. Deutschland hat von jeder den Standpunkt werteten, daß unsere Wissenschaft nicht bloß ein nationales, sondern ein allgemeines Kulturgut sei mid demgemäß unsere Hochschulen in der liberalsten Weise auch dem Auslande zugänglich gemacht. Mehr und mehr aber bricht sich die Ueberzeugung Bahn, daß sich mit dieser Praxis aus Gründen eines berechtigten nationalen Egoismus und aus Gründen der Gerechtigkeit gebrochen werden sollte.
Die Wissenschaft ist heute in einem ganz hervorragenden Maße in den Dienst des praktischen Erwerbslebens gestellt worden. Ganze Disziplinen haben keinen anderen Zweck, als die Jünger der Wissenschaft mit dem besten Rüstzeug für den wirtschaftlichen Wettbewerb auszustattcit. Wenn wir nun, genarl wie in der Zeit, als die Wissenschaft nur einen vorwiegend idealen' Zweck hatte, den Fremden die Tore unserer Hochschulen öffnen, dann ziehen wir uns selber die Konkurrenten groß, die uns später auf bem Weltmarkt begegnen. ^ ist jedenfalls eine Forderung der elementarsten Gerechtigkeit, wenn wir den Ausländern Gebührensätze in Anrechnung bringen, die unserer Aufwendung für ihre wissenschaftliche Ausbildung entsprechen. Es wäre geradezu ein Widersinn, wenn wir auf unsere Kosten unsere Konkurrenten förmlich züchten wollten. In einer süddeutschen technischen Hochschule ist es sogar vorgekommen, daß deutsche Studierende von den Laboratorien wegen Mangels an Raum abgewiesen werden mußten, weil die Plätze von Russen und Schweizern besetzt worden waren. Es ergibt sich hieraus eine zweite Forderung, daß die fremden Studierenden nur insoweit Aufnahme finden können, daß sie nicht unseren eigenen Landsleuten im Wege stehen. Die grundsätzlichen Forderungen sind also folgende: 1. Verdoppelung der Jmmatrikulations- gebühren, 2. Verdoppelung der Kollegiengelder und 3. Festsetzung der Jmmatrikulationstevmine nach Abschluß der Immatrikulationen für deutsche Hörer.
Zu diesen grundsätzlichen Forderungen muß dann noch eine weitere hinzutreten und zwar diejenige der Gegenseitigkeit. Angehörige solcher Staaten, die unseren Studierenden die Gastfreundschaft verweigern, die hier gewährt wird, müssen entsprechend differenziert werden. Rußland beispielsweise gewährt nur den Ausländern im beschränkten Maße die Aufnahme und verweigert die Anerkennung der im Ausland erworbenen Qualifikationen. Wer in Rußland studieren will, muß vorher noch die dort landesüblichen Prüfungen ablegen. In Deutschland geht man aber in der Liberalität sogar soweit, daß russische Studierende hier Aufnahme finden, die in der eigenen Heimat vom Hochschulstudium ausgeschlossen wären. Die russischen Schulbehörden gewähren nur in einem beschränkten Maße die Aufnahme an die Hochschulen und knüpfen sie an die Bedingung eines besonderen Konkurrenzexamens. Diejenigen Elemente, die das Examen nicht bestehen, überschwemmen das Ausland und so ist es denn tatsächlich richtig, was Staatssekretär Freiherr v. Richthofen sagte, daß die russischen Studenten an deutschen Hochschulen vielfach, die Auswahl nach unten darstellen. Unter solchen Umständen wäre für die Herren Russen doch wohl eine bescheidenere Sprache am Platze gewesen.
Die Eröffnung der feind seligkeiten.
Die Optimisten haben unrecht behalten, die glaubten, der Abbruch der diplomatischen Beziehungen Japans mit Rußland bedeute noch nicht den Krieg. Denn in der Tat hat der Krieg gestern begonnen. Vor der Festung von Port Arthur haben die Japaner die russische Flotte mit Er- folg angegriffen. Statthalter Alexejew schildert in einem Telegramm an den Zaren den Verlauf dieses ersten kriege- rische Angriffs wörtlich wie folgt:
„11 ^efähr um Mitternacht des 8. auf den 9. Februar machten japanische Torpedoboote einen plötzlichen M i n c u a n g r i f f auf das Geschwader, welches auf der äußeren Rhede der Festung Port Arthur
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lag, wobei die P u „Zesarewits ch"
verschiffe „R e t w i s a n" und uno der Kreuzer „P a l l a d a"
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beschädigt wurden.
Zungen wird fcstgestellt.
Majestät."
Außerdem verlautet — Korm —, daß die Japaner Ichiffe weggenommen haben.
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^'T Charakter der Beschädi- Einzelheiten folgen für Eure
bisher freilich in unverbürgter bereits einige russische Handels-
Die militärische Situation.
Die erste Schlappe der Russen zur See scheint das au
bestätigen, was deutsche Sachkenner von vornherein voraus- gesagt haben. Japan ist den Russen zur See im Augenblick bedeutend überlegen. Die Zahl der Kriegs- schiffe ist zwar auf beiden Seiten annähernd gleich, die Tonnenzahl ist aber auf japanischer Seite großer. Vor allem jedoch ist das Schiffsmaterial gleichartiger und moder- ner Ernern etwaigen Nachschub von russischen Seestreit- kraften suchen die Japaner bereits vorsorglich ein Paroli zu biegen. Wie aus Santiago gemeldet wird, hat Japan eine Reihe neuer moderner Schlachtschiffe von Chile er- toorben: das Panzerschiff „Capitan Prat", 1890 erbaut mit 6900 Tonnen, 15 Knoten Geschwindigkeit und 12 Geschütze: ben Kreuzer „Chacabuco" mit 4500 Tonnen und 23 Kno- ten; den Torpedoaviso „Almirante Condell" mit 750 Ton- neu und 21 Knoten. Die SHiffe werden mit Proviant und Munition kriegsbereit abfahren. So sieht es zur See für die Russen recht trübe aus. Aber auch auf dem Lande sind die Verhältnisse lange nicht so günstig für sie, wie es nach ben beständigen Meldungen von neuen Truppentransporten iweinen könnte. Rußland braucht zuviel Menschenmaterial ^notwendigen Sicherung seiner überaus empfindlichen Ruckzugslinie. Nach genauen Schätzungen kann Rußland mir mit höchstens 120 000 Mann auf dem entscheidenden erscheinen, während Japan biefen mindestens 200 000 Mann entgegenstellen kann.
Die Wahrnehmung der deutschen Interessen liegt, da es sich in der Hauptsache um einen Seekrieg han= Eft b°r allem in ber Hand unserer Marineverwaltung. Diele hat sich ein großes Verdienst dadurch erworben daß pe seit einer Reihe von JaMi einen Atarineattachee in -okio unterhält. Ten jetzige Mariiieattachee Korvettenkapitän Tummler hat eine Reihe von Inspektionsreisen gemacht. Er gilt als ein ungemein scharfer Beobachter ' dasselbe gilt von dem neuen Marineattachee in Petersburg Hintze, der ja lange Zeit in Ostasien gewesen ist. Sodann nt letzt auch Kapitän zur See Freiherr v. Schimmelniann als Kommandant des großen Kreu^erä „Hertha" in Ost- asien, der jahrelang Marineattachee in Petersburg war Daß in unserem von dem Vizeadmiral v. Prittwitz und ^Mron befehligten hochmodernen Kreuzergeschwader sich mhlreiche Offiziere befinden, die schon wiederholentlich in Ostasien auf den Kriegsschiffen Dienst getan haben, braucht wohl nicht hervorgehoben zu werden.
Was enthielt die russische Antwortnote?
Die russische Regierung hält es für nötig, nochmals in einem langatmigen Sommunigué ihre gänzliche Unschuld an dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen darzulegen lieber den springenden Punkt, daß ihre letzte Note die bekannten japanischen Wünsche sehr höflich, darum aber nicht weniger bestimmt erneut zurückgewiesen hat, gleitet sie mit einem glatten Phrasenstrom geschickt hinweg. Ter langen Rede kurzer Sinn ist der: Wir hatten keinen Grund, bezüglich der Mandschurei in irgend welche Verhandlungen mit Japan einzutreten und in Korea illte es so bleiben wie wir es von vornherein gewünscht itten. Da die 'japanische Regierung den Inhalt der 1 ote bereits seit einigen Lagen kannte, ehe sie ihr offiziell vergeben werden sollte, so ist es wohl kein großes Verbrechen, wie die russische Erklärung es darstellen will, daß sie vom nutzlosen Hin- und Herreden zu Taten überging.
Der Krieg und das Völkerrecht.
Die Eröffnung der Feindseligkeiten seitens der Japaner ohne vorangegangene offizielle Kriegserklärung bedeutet nicht etwa eine Verletzung des Völkerrechtes. Der Kriegszustand beginnt meist mit der förmlichen Kriegserklärung, doch ist eine solche nicht unbedingt erforderlich, wenn auch in den meisten Kriegen des 19. Jahrhunderts eine ausdrückliche Kriegserklärung stattgefunden hat. Eine solche Erklärung wird aber auc' ersetzt durch den Beginn der Feindseligkeiten auf beiden eiten. Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen hebi die Unverletzlichkeit der Gesandten nicht auf, der eigene Gesandte wird zwar abberufen, dem Gesandten des Gegners werden die Pässe zugestellt, die Heimreise der Gesandten steht aber, wenn sie nicht mit ungebührlicher Verzögerung erfolgt, bis zur Grenze des Empfangsstaates unter dem Schutze des Völkerrechts. Den Konsuln wird meist (aber nicht notwendigerweise) das Exequatur entzogen und die Vertretung der Interessen der Staatsangehörigen dem Vertreter einer befreundeten Macht übertragen. Den Staatsangehörigen des Gegners kann der Eintritt in das Staatsgebiet versagt und die auf dem Staatsgebiet weilenden Angehörigen des Gegners können, soweit nicht besondere Vereinbarungen int Wege stehen, im Lande zurückgehalten oder aber ausgewiesen werden. Während Frankreich 1870 die auf französischem Gebiete weilenden Deutschen (etwa 100 000, davon 40 000 in Paris) ausgewiesen hat, ist eine Ausweisung der gegnerischen Staatsangehörigen während des türkisch-russischen Krieges (1877), sowie während des chinesisch-japanischen (1894) und des spanisch-amerikanischen Krieges (1898) nicht erfolat.
Interessante Neutralitätsfrageu.
Die „Nowoje Wremja" meldet aus Port Arthur: „Infolge der den Mächten notifizierten und von diesen gebilligten strengen Neutralität Koreas in dem ruisisch-java-
Nischen Konflikte wird angenommen, daß Japan, welches die Neutralität ohne Anlaß verletzt hat, seine 12 Geschütze und Infanterie-Kompagnien aus Söul werde zurückziehen müssen." Es scheint also, als ob der Korrespondent des russischen Blattes her Ansicht ist, als ob die Mächte eine gewisse Garantie für die Neutralität Koreas übernehmen würden. Das ist indeß keineswegs der Fall, die vor etwa 14 Tagen bekannt gegebene Neutralität ist lediglich von den Mächten zur Kenntnis genommen worden — auch von Frankreich, das überhaupt bezüglich seiner eventuellen Bundeshilfe für Rußland große Zurückhaltung bewahrt. Auf eine Anfrage verschiedener Abgeordneten erklärte am Montag der Ministerpräsident, daß er das Parlament stets von etwaigen Maßnahmen unterrichten will. Einstweilen stehen also die beiden Kriegsparteien allein da, ohne Aussichten auf eine weitere Hilfe, als diejenige des großen Aliierten, dessen Gunst für die russischen Waffen von dem Zaren in einem feierlichen Gottesdienst erfleht wurde.
Die Japaner in Korea gelandet.
Aus Söul wird das Eintreffen japanischer Pioniere gemeldet; unter den Bewohnern daselbst herrscht in Erwartung des Eintreffens japanischer Truppen Unruhe; es liegen Nachrichten vor über die Landung einer größeren Abteilung japanischer Truppen in Masampho.
Dort nahmen russische Handelsschiffe, die „Schilka" und die „Mandschuria" und ein anderes von den Russen gechartertes Fahrzeug, Kohlenvorräte für Port Arthur an Bortu Die Japaner fanden keinen Widerstand, und die weggenommenen Schiffe sind jetzt von japanischen Wachen besetzt Aus Tschifu wird telegraphiert: 60 japanische Transportdampfer landen an der koreanischen Küste Truppen. Mehrere kleinere russische Dampfer sollen von japanischen Kriegsschiffen weggenommen worden sein; wahrscheinlich handelt es sich um angebliche Walfischfänger, die Spionage trieben.
Die Politik.
^ Wie uns gemeldet wird, wird Kardinal Fischer in Köln, der zur Teilnahme an den Herrenhaussitzungen nach Berlin ab gereift ist, am 14. d. M. vom Kaiser in Audienz empfangen werden.
>5« Aus Südwe st-Afrika laufen jetzt die Nachrichten nur spärlich ein. Die einzig wichtige Meldung ist, daß der Feind die Umgegend von Omaruru verlassen hat und daß die Operationen gegen die Gobalis wieder ausgenommen wurden. Gouverneur Leutwein ist nach Swakopmund ab- gereist.
Ueber die Stärke der Kompagnie Franke fehlen die Angaben. Man darf annehmen, daß sie in den befreiten Stationen und Karibik so viel Mannschaften der Schutztruppe, wie nur entbehrlich waren, herangezogen hat. Ihre Etatstärke beträgt nur 80 Mann; da aber auch Reservisten und Landwehrleute in den Verlustlisten aufgeführt sind, so ist die Vermutung gerechtfertigt, daß sie verstärkt wurde.
0 Die sozialdemokratischen Mitglieder des Reichstags haben einen neuen Parlamentsrckord geschaffen. Nach der Statistik eines Parlamentsstenographen haben sie die längsten Reden gehalten, denn vom 4. Dezember bis 24. Januar haben in dem Stenogramm die Parteien folgenden Raum beansprucht: die Deutschkonservativen 85 Spalten, die Polen 35, das Zentrum 133, die Nationalliberalen 133, freisinnige Volkspartei 102, freisinnige Vereinigung 52, süddeutsche Volkspartei 21, Antisemiten 62, Sozialdemokraten hingegen 331 Spalten.
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4= Wie französische Minister vor dem Parlament miteinander verkehren, zeigt ein kleines Zwischenspiel, das sich vor kurzem in der Deputiertenkammer abspielte. Der Ministerpräsident Combes erzählte unter schallender Heiterkeit des Hauses einige Anekdoten aus dem Landarbeiterstreik in Südfrankreich, unter anderni auch wie die junge Geistlichkeit die Burscheln lehrte, die Vespevglocken im Tafkte zu schwingen, so daß Männlein und Weiblein sich im Reigen drehten. Zur Abwechslung schilderte er dann einen ernsten Vorfall, wie ein Großunternehmer namens Dresser einen Arbeiter namens Vernhes mit einem Revolver bedrohte, weil dieser ihn an schnellem Fahren hindern wollte. „Das schnelle Tempo," so fuhr Combes fort, „reizte die Streikenden ; einer von ihnen sprang aus den Wagen. Die Gendarmen mußten entschreiten und Herrn Dresser (den Arbeitsherrn) befreien. Herr Vernhes (der streikende) wurde verhaftet. Ich wundere mich, Herr Justizminister, daß Dresser nicht mitverhaftet worden ist." (Jusüzminister Vall6 erhebt sprachlos vor Erstaunen beide Arme gen Himmel. Schallende Heiterkeit und Lärm unter den Deputierten.) — Ribot: „Wozu sind denn eigentlich die Ministerräte da? — Ich habe Ihnen schon einmal gesagt, daß es im Lande keine Regierung mehr gibt. Sie liefern mir auf's neue den Beweis dafür." (Beifall.) — Cornkes: „Ribots Zwischenbemerkung war überflüssig. Beim Ministerrat heut morgen hatte ich diese Informationen noch nicht. Ich wollte übrigens hillzu fügen, daß der Verhaftete Vernbes