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Nr. 7 Zweites Blatt.

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Samstag, den 9, Januar 1904 __

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Postzeitungsliste Ro. 9868.

ItAtihten und ^rprdition : Gießen Neu««»«- 88. flrcy^Trt^m^^ 18«, MSB.

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St Otttheffe» und die streife Msrbmg und Wetzlar; Lotalameiser für Sieben Md !,>!,!»«» G»Wt «le «mGchi» Bekaaatmachusze» der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden m OderheF«

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Die 3u, WW Kch- chenstaminhâ - 0,20 ^tm,. ^ft ist nochm' «ingzhâiisei . um 3 Uhr.

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1904. iufed.

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e im Rathaus- [

Das geb Jagd- 0 Hektar Feld, n der Strecke stets gelegen.

904.

Jäger oder französisch Spione.

HF Karlsruhe, .7. Januar.

Die badische öffentliche Meinung beschäftigt sich lebhaft mit dem merkwürdigen Faktum, daß das.ganze Jagdgebiet südlich der Murg sich in der Hand französischer oder elsäs­sischer Pächter befindet. Die einheimischen Jagdliebhaber können gegen diesen Wettbewerb nicht aufkommen, weil sie es den glänzenden Geboten der Ausländer nicht gleichtun können. Den Gemeinden ist natürlich eine derartige Er­giebigkeit ihrer Jagdgründe nußerordentlich erwünscht und sie erteilen ohne Wahl und Qual denjenigen den Zuschlag, der am besten zahlt. Da für Baden nicht wie in den Reichs­landen das Verbot besteht, daß Ausländer hier die Jagd ausüben können, so ist gegen bi^e Ueberschwemmung des deutschen Reichsgebietes mit französischen Nimroden nichts zu machen. Hinter den Pächtern aber steht das ungeheure Heer Don eingeladenen Gästen, die ebenso bereitwillig wie die Jagdpächter die hohen Ausgaben tragen —? ein Jagd­paß kostet für einen Reichsausländer in Baden pro Jahr 50 Mark.

Die heimische Bevölkerung ist nun in neuerer Zeit über dieses Jagdinteresse der Franzosen stutzig geworden, und zwar vornehmlich aus zwei Gründen: 1. Weil.die franzö­sischen Jagdliebhaber unter allen Umständen, und zwar manchmal zu fabelhaften Preisen die Gebiete südlich der Murg in ihre Hände zu bringen suchen und 2. weil das badische Unterland nördlich der Murg, obgleich.es teilweise bessere Jagdgebiete aufweist, gar nicht von den Franzosen begehrt wird. Es ist deshalb das Gerücht entstanden, daß die Erpachtung der Jagden in Südbaden lediglich einen gutorganisierten Spionagedienst der französischen Armee verschleiern solle. Die vielen Jagdgäfte, die allerdings die harmlosesten Legitimationen aufweisen, seien waidmännisch kostümierte französische Offiziere, die,, im Arme das Ge­wehr, auf die bequemste Weise die Landesaufnahme im Schwarzwald betreiben könnten. Sie können bis jm die Befestigungswerke von Straßburg heran, unter dem Scheine des Jagdsports Dinge treiben, die sich dem Auge der Öffentlichkeit entziehen. Man nimmt hier aber an, daß hauptsächlich die Befestigungen am Oberrbein das Interesse der französischen Armee erregen imb betrachtet es als be­deutungsvoll, daß die französische Presse im Gegensatz zu der schweizerischen diese Anlagen scheinbar nicht der gering­sten Aufmerksamkeit würdigt. Bei einem künftigen Feld­zuge könnte eine genaue Kenntnis des Schwarzwaldes mit seinen vielfachen Pässen und schmalen Waldwegen für die französische Armee von höchstem Werte sein, weil sich von hieraus das Heer in die Rheinebene ergießen kann und

tufei.

Bekanntmachung.

Betr.: Feldbeceinigung in dec Gemarkung Gießen, rechts der Lahn.

Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis der Beteiligten.

Gießen, den 8. Januar 1903.

Gcoßherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum.

Bekanntmachung.

Betr.: Wie oben.

In dec Zeit vom 7. Januar 1904 bis einschließlich 20. Januar 1904 liegen in dec Gcoßh. Bürgermeisterei zu Heuchelheim bei Gießen die Arbeiten des 3. Abschnittes von den Fluren 34 bis 39 obiger Feldbereinigung, nämlich:

1. 6 Zuteitungskacten,

2. 3 Bände Gütecgeschosse,

3. 2 Bände Zuteilungsverzeichnis,

4. 1 Heft Zusammenstellung der Gütecgeschosse,

5. 1 Heft Verzeichnis dec Dcainagekosten,

6. das Pcotokollbuch,

7. das Obstbaumverzeichnis zur Einsicht dec Beteiligten offen.

Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen findet statt:

Donnerstag, den 21. Januar 1904, vormittags von 11 bis 12 Uhr, in der Grotzh Bürgermeisterei Heuchelheim bei Gießen, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen einlade, daß die Nicht^rscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind. Einwendungen sind schriftlich abzufassen, zu begründen und auf Papier in Aktengröße (mindestens V2 Bogen) einzureichen.

Friedberg, den 31. Dezember 1903.

Der Großherzogliche Feldbeceinigungskommissäc gez.: Spamer, Kreisamtmann.

bei dem Mangel an Befestigung swcrken im Schwarzwald schwer am Vormarsch zu hemmen ist

Bei den entstehenden Gerüchten mögen ja vielfach die ausgefallenen Konkurrenten der französischen Jagdinhaber die Rolle der treibenden Kräfte spielen; immerhin aber ist diese merkwürdige Erscheinung der höchsten Aufmerksam- feit wert und wir möchten wünschen, daß von feiten ber Behörden die dunklen Gestalten der französischen Jagdgäste unter geheime Observation gestellt werden. Sollte sich aber ein Verdachtsmerkmal ergeben, so müßten mit einem Schlage alle Pachtverträge ohne Ausnahme ausgelöst werden, denn Dann kann es nicht mehr zroeifelhaft sein, daß hier nicht der Zufall eine Rolle spielt, sondern daß wir einem schlau msgetiftelten System der organisierten Spionage gegen» überstehen.

— Mas will werden ?

,Noch immer keine Entscheidung i n Ost - 1 si e n! Jmer wieder wird von russischer und etwas weniger bestimmt auch von japanischer Seite versichert, der Friede werde erhalten bleiben, und ebenso entschieden wird von mglischer Seite behauptet, alle diese Friedensversicherungen eien leere Worte, und der Krieg stehe unabwendbar vor der Düre! Auch läßt sich nicht leugnen, daß ein gewichtiges Moment für die Richtigkeit der englischen Beurteilung der Lage spricht: Die Börse ist bekanntlich das empfindlichste ^nd fast stets ein zuverlässiges politisches Barometer, und um wird aus Tokio berichtet, daß an der dortigen Börse urplötzlich ein

gewaltiger Kurssturz

üngetreten sei, so gewaltig, daß er nur auf die bestimmte Ueberzeugung der japanischen Börsenwelt von der Unab­wendbarkeit des Kneges zurückzuführen ist. Man weiß wirklich nicht, ob man annehmen soll, daß die japanische Bankwelt sich über die Situation täusche. Das ist kaum wahrscheinlich. Indessen wird nach wie vor in deutschen amtlichen Kreisen versichert, daß eine friedliche Lösung der Spannung mit Sicherheit 311 erwarten sei. Soll man unsere Diplomaten für urteilsunfähiger halten als japanische Börsianer? Wir meinen, einstweilen liegt kein Anlaß da­zu vor.

Irgendwie zuverlässige Meldungen tatsächlichen Inhalts liegen nicht vor. Sicher scheint nur das eine, daß die

russische Antwort an Japan

bereits fest gestellt ist. Was sie enthält, weiß natür­lich niemand; alles, was darüber in englischen Blätter steht, ist lediglich vage Vermutung. Ebensowenig weiß man

Bekanntmachung.

Mit Bezugnahme auf die Bestimmungen in § 25 dec Wehcordnung werden alle im Jahre 1884 geborenen Militärpflichtigen, sowie diejenigen, welches diese Alter bereits überschritten, aber sich zur Musterung noch nicht gestellt haben, oder bei der Musterung in 1903 zurück- gestellt worden sind, und entweder in Gießen ihren ge­setzlichen Wohnort haben, oder als Studenten, Gymna­siasten und Zöglinge anderer Lehranstalten, oder als Haus- und Wirtschaftsbeamte, Handlungsgehilfen, Lehr­linge, Handwerksgesellen, Dienstboten, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Eigenschaft sich dahier aufhalten, hier­mit aufgefordert, sick behufs Eintragung ihrer Namen in die Rekrutierungsstammrolle in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar d. Js. bei dec Bürgermeisterei dahier im Zimmer Nr. 13 zu melden, und dabei, wenn sie dahier nicht geboren sind, ihren Geburtsschein, welcher von dem betreffen­den Standesamt zu erwirken ist, und, wenn sie bereits bei einer früheren Musterung konkurriert haben, ihren Losungsschein vorzulegen.

Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß diejenigen, welche die Anmeldungen unterlassen, sich zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mark oder mit Hast bis zu 3 Tagen belegt, von der Teilnahme an der Losung ausgeschlossen, und ihrer etwaigen Ansprüche auf Zurückstellung 2c. für verlustig erklärt werden. Bezüglich der zur Zeit der Meldefrist abwesenden Militärpflichtigen sind deren Eltern, Vor­münder, Lehr-, Brot- oder Fabrikheccen zu dieser An- Meldung verpflichtet. Ferner wird bemerkt, daß Ge­suche um Zurückstellung von Militärpflichtigen auf Grund des § 32, pos. 2 Lit. a, b, c, d, 6, t und g der Wehrordnung rechtzeitig bei dec Bürgermeisterei dahier vorzubringen sind; Verspätete Gesuche können keine Berücksichtigung finden.

Gießen, am 2. Januar 1904.

Großherzogl Bürgermeisterei Gießen.

J. V.: Curs chmann.

:rgenö etwas Bestimmtes darüber, ob die russische Antwort )er japanischen Regierung schon überreicht ist. Die verschie­denen Mitteilungen der britischen Presse darüber, die sämt­lich ohne Unterlage sind, wiederzugeben, wäre völlig zwecklos.

Sicher scheint nur das eine: Der Zar möchte Frieden halten, so lange es geht; jedenfalls aber will er dafür sorgen, daß nicht Rußland, sondern Japan den Krieg beginnt. Uebrigens soll auch König Eduard auf den Zaren ein» gewirkt haben, die Sache friedlich zu schlichten.

Die Kriegsrüstungcu.

Selbstverständlich bereitet sich auch Rußland auf affe Eventualitäten vor. Tag und Nacht treffen russische Truppen in Wladiwostock ein. — Aus Malta wird gemeldet: Fünf russische Torpedoboote dampften Montag an der Insel vor­bei nach Osten zu. Nach einer Depesche aus Gibraltar passierte ein russisches Kriegsschiff und ein Torpedoboot Mon­tag die Meeregge mit Kurs nach Westen. Zweck dieser Schiffs­bewegungen soll sein, im Falle eines Kriegs die von Japan in England gekauften neuein Kriegsschiffe unterwegs zu! vernichten. Japan kauft in England große Kohlenvorräte.

Schließlich noch einige zu einer optimistischen Beurteilung der Lage allerdings nicht sonderlich ermutigende Meldungen: Das deutsche ostasiatische Geschwader wird gegenwärtig in den chinesischen Gewässern konzentriert, Italien hat drei weitere Panzer nach Ostasien gesandt, und die Union hat bereits Offiziere, welche die Flotten und die Heere Rußlands­und Japans im Kriegsfälle begleiten sollen, ernannt Was will werden?

■ Gin Gbe-Labyrintb.

□ London, 8. Januar.

Das alte Witzblattthema von den verwickelten Familien: Verhältnissen ist schon in tausenden von Histörchm in der mannigfachsten Schattierungen variiert worden und Gemein­gut jedes kultivierten Europäers. Trotz dieser VorUmntnisse die man bei ihm voraussitzen m ujj, wird es dem ebnemrbiger Herrn Polizeirichter nicht leicht gewesen sein, sich in dem verwickelten Ehe-Labyrinth zurechtzufinden, dessen Mittel­punkt Frau Redhead bildet, die sich vor him wegen Doppelehe zu verantworten hatte.

Der Ursprung des verworrenen Klüngels lag in einer Ehescheidungskchge, die im Jahre 1897 gegen sie erhoben worden war. Sie wurde damals des Ehebruchs mit einem gewissen Foster beschuldigt. Tas Gericht betrachtete den Fall als erwiesen und sprach die Scheidung aus, bie aber mit dem gewöhnlichen Vorbehalte daß keine Leibeserben zu

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