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8. April 1904.

^ Eine neue Affäre Joutz scheint bevorzustehen. Abg. Joutz-Butzbach fordert nämlich für die Vermessungs­und Vorarbeiten der geplanten Bahnstrecke Lich-Grünberg zirka 1500 Mark von beteiligten Gemeinden Lich, Nieder- und Ober-Bessingen, Münster, Ettingshausen, Queckborn und Grünberg. Die Gemeinden hatten jedoch damals, als das „33 000 Mark-Geschäft" bei Erbauung der Strecke Butzbach- Lich iu die Oeffentlichkeit drang, dem Abgeordneten Joutz die Vollmacht wieder entzogen. Joutz setzte aber die Arbeiten fort. Auf eine Versammlung haben nun die Gemeinden beschlossen, nur für die wenigen Tage eine Entschädigung zu zahlen. Wie verlautet, will Abg. Joutz sich damit nicht zufrieden geben, sondern weitere Schritte tun.

** Die neue Nebenbahn Butzbach-Lich resp, deren Beamten haben unter humorvollen Auslassungen auch zu „leiden". Auf der Station Münzenberg ereignete sich da anfangs dieser Woche folgende humoristische Szene, welche verdient, allgemein bekannt zu werden. Kommt da eine junge Frau an den Schalter und verlangt ein Billet nach Butzbach. „Ost- oder Staatsbahnhof?" fragt der Beamte. „Woas Bahnhof? Roach Boutschbach will eich." „Ich muß doch wissen, wo Sie entsteigen wollen, im Ostbahnhof oder im Staatsbahnhof." „Ach woas, schlächt Geschwätz, nooch Boutschbach will eich." Im Laufe der weiteren Auf­klärung brachte der Beamte den Kostenpunkt ins Treffen: „Das eine Blllet kostet 20, das andere 25 Pfennig." „No, dann gewwe Se mer anS für 20 Fennig."

** Es wird an dieser Stelle wiederholt darauf auf­merksam gemacht, daß die polizeilichen An-, Abmelde- und Wohnungswechsel-Formulare nicht allein bei dem Polizei­amte, sondern auch bei den Oktroierhebern am Selterstor, Neustädtertor und Walltor zu haben sind.

** Vortbild ungSschulen für Hessen- Nassau. Der Gesetzentwurf, betr. die Verpflichtung zum Besuch ländlicher Fortbildungsschulen in der Provinz Hessen- Nassau, hat nach Beschlüssen der Kommission der Abgeord­netenhauses folgende Fassung erhalten:

Einziger Paragraph. Durch statutarische Bestimmung einer Gemeinde kann für die nicht mehr schulpflichtigen unter 18 Jahre alten männlichen Personen für drei auf­einanderfolgende Winterhalbjahre die Verpflichtung zum Besuche einer ländlichen Fortbildungsschule begründet werden.

Von der durch statutarische Bestimmung begründeten Verpflichtung zum Gesuch einer Fortbildungsschule sind die­jenigen befreit, welche die Berechtigung zum einjährig-frei­willigen Militärdienst erworben haben, welche ein Innungs- Fach- oder andere Fortbildungsschule besuchen oder einen entsprechenden anderen Unterricht erhalten, sofern dieser Schulbesuch oder Unterricht von der höheren Verwaltungs­behörde als ein ausreichender Ersatz des allgemeinen Fort- bildungSunterrichtes anerkannt wird. An Sonntagen darf Unterricht nicht erteilt werden. Ein Antrag auf zwangs­weise Einführung der Fortbildungsschulen auch für Mädchen wurde durch den vorliegenden Gesetzentwurf für erledigt erklärt.

** Die seit drei Wintern hier eingeführte landwirt­schaftliche Fortbildungsschule in Langsdorf hat sich allem Anschein nach gut bewährt. Dieser Tage sand eine Schlußprüfung deS dritten Winterkursus statt, wozu die Ministerialräte Dr. Eisenhut und Braun, Provinzialdirektor Dr. Breidert und Kreisschulinspektor Kleinschmidt-Gießen, Landtaosabg, Köhler und der Direktor der Landwirtschaftè- schule zu Friedberg Dr. v. Peter erschienen waren. Mit dieser Einrichtung wird ongestrebt, daß in unseren ländlichen Fortbildungsschulen der Landwirtschaft mehr Rechnung ge­tragen werden soll; die Lehrer sollen u. A. eine geeignete Vorbildung in den landwirtschaftlichen Fächern erhalten.

Musikverein Grünberg. Nachträglich wird uns berichtet: Das vom Musikoerein Grüuverg veranstaltete Konzert, welches am 2. Osterfeiertage im Gasthaus „Zum Rappen" in Grünberg stattfand, hatte sich eines überaus zahlreichen Besuches zu erfreuen. Die zum Vortrag ge­kommenen Musikpiecen waren exakt und ernteten überaus reichen Beifall. Diesem Konzert schloß sich noch ein gemüt­liches Tanzkränzchen an, welches die Teilnehmer bis gegen Morgen in der animiertesten Stimmung beisammenhielt. Wir wünschen dem jungen Vereine, welcher schon jetzt eine schöne Mitgliederzahl aufweist, einen erfreulichen Aufschwung.

* Di e Herb st Manöver des 18. Armeekorps finden in diesem Jahre im Gelände der Kreise Fulda, Schlüchtern, Gersfeld, Gießen Schotten, Alsfeld, Lauter­bach und Friedberg statt. Die 21. Division hält ihre Ueb­ungen im Gelände dec Kreise Fulda, Gersfeld und Schlüchtern und dem östlichen Teile der Hess scheu Kreise Alsfeld und Lauterbach, die Großh. Hess. 25. Division in den Kreisen Gießen, Schotten, dem westlichen Teile der Kreise Alsfeld und Lauterbachund dem nördlichen Teile des Kreises Frieberg (nördlich der Linie Hausen, Nrederweisel, Oppershofen und Wohnbach). Die Infanterie-Regimenter Nr 116 und 168 hatten ihre Regimentsexerzieren, die 41. und 49. Jnsauterie-- brigade ihr Brigadeexerzieren im Manövergelände ab, auch die Uebungen der beiden Feldartilleriebrigaden werden dort stattfinden. Letzter Manövertag ist der 24. September. An

diesem Tage manöveriert das gesamte Armeekorps gegen einen markierten Feind. Die Manöver der 21. gegen die 25. Division finden am 22. und 23. September statt, jedenfalls unter Beteiligung schwerer Artillerie. Diesem Manöver gehen viertägige Divisionsmanöver und dreitägige Brigademanöver voraus.

** Nach längeren Vorverhandlungen ist am 19. März vom Kaiserlichen Aussichtsamt für Privatversicherung die Gründung eines Haftpflichtverbandes der deut­schen Eisen- und Stahlindustrie genehmigt worden, welcher die Mitglieder der dem Verband Deutscher Eisen- und Stahl-Berufsgenossenschaften angehörenden Ge­nossenschaften als Versicherungsverein aus Gegenseitigkeit gegen die Ansprüche aus Hastpflichtsällen zu versichern bestimmt ist.

** E i n Vorkommnis, das sich vorigen SamStag in der katholischen Kirche zu Osthofen abspielte, bildet gegenwärtig dort das Tag-saespräch. Kurz nach 1 Uhr kam ein Brautpaar mit den Trauzeugen in die Kirche, in der auch das große Gebet abgehalten wurde, um kirchlich getraut zu werden. Da der Bräutigam katholisch, die Braut aber evangelisch war, so fanden Verhandlungen statt, bei welchen der junge Mann erst schriftlich, dann durch ein Hand­gelöbnis versprechen sollte, seine Kinder katholisch werden zu lassen. Dieser gab jedoch nur die Erklärung ab, es sei in Osthofen Sitte, daß die Kinder erzogen würden wie der Vater, jedoch lasse er sich nicht binden. Da der Geistliche sich damit nicht zufrieden geben wollte, verließ die Hochzeits­gesellschaft uneingesegnet die Kirche.

= Ober-Widdersheim, 6 April. Gestern konnte die Einweihung unseres neuen Schulhauses stattfinden. Nachdem die Schulbehörde des Kreises, Kreisrat Böckmann und der stellveertretende Kreisschulinspektor Scherer an dem Bahnhof empfangen worden waren, setzte sich der Festzug nach dem neuen Schulhause in Bewegung. Nachdem man hier angelangt, sang der Männergesangverein unter Leitung des Lehrers Koch den Chor: „Machet die Tore weit", worauf Herr Pfarrer Brill das Wort ergriff. Er warf einen Rückblick aus die Geschichte des Schulhaus-Nm- baues, brachte den Beteiligten Dank dar und ermahnte die Eltern, den Lehrer in seiner Arbeit treulich zu unterstützen. Hierauf fand die Ueberreichung des Schlüssels statt, worauf das Gebäude einer Besichtigung unterzogen wurde. Es ist ein schmuckes in modernem Baustil errichtetes Haus, das eine wahre Zierde unseres Ortes bildet. Der gemeinsam gesungene Choral „Nun danket alle Gott" bildete den Schluß der Einweihungsfeierlichkeit, deren ^gemütlicher Teil in der Wirtschaft des Bürgermeisters Weiß ihre Fortsetzung fand.

-X- Grüningen. Lehrer Jung hat eine Stelle an der vierklassigen Schule zu Erzhausen, im Kreise Darmstadt, übertragen bekommen.

Friedberg, 6. April. Mehrere Lehrerzusammen­künfte fanden gestern und heute hier statt, um in der alten Seminarstadt mit den ehemaligen Seminar- und Klassen­brüdern nach Jahren ein frohes Wiedersehen zu feiern. Es hatten sich eingefunden die Jahrgänge 1864, 1869, 1884 und 1894. Die Reihen der alten Herren haben sich bereits bedeutend gelichtet, währerd die jüngeren Lehrer in stattlicher Zahl erschienen. Trotz des ungünstigen Wetters fanden Besichtigungen des Lehrerseminars, der Burg, der Stadtkirche und anderer Sehenswürdigkeiten statt.

= Vom Odenwald, 7. April. Bedeutenden Schaden hat in Ober-SenSbach das Hochwild, das dort sehr gehegt wird und iu starken Rudeln vorkommt, verursacht. Ganze Waldcomplexe sind von den Hirschen abgeschält und die schönsten Obstbäume der Gemarkung — 80 an der Zahl total zernagt.

+ Nierstein, 7. April. Die hiesige Molkereigesell­schaft die nur 27 Mitglieder zählt, verzeichnete im abgelaufenen Jahre einen Reingewinn von Mk. 1392,22. Die Aktiva betrug Mk. 32,291,29, die Passiva Mk. 30,839,07.

— Frankfurt a. M., 7. April. Weil das Stallgeld in der landwirtschaftlichen Halle von 12 auf 15 Mark Pro Pferd erhöht worden ist, wollen 16 Pferde­händler und zwar 6 aus Frankfurt a M., 4 aus Wies­baden, 2 auS Oberingelheim, je einer aus Alzey, Offenbach und Basel den hitsigen Frühjahrs-Pferdemarkt nicht beschicken. Bis heute Abend waren trotzdem sämtliche Stallungen ver­geben und 87 Pferde stehen bis jetzt mehr zu Markte als früher.

= Ober-Olm, 7. April. Die Frau K. Koch von hier war vor 14 Tagen in einen rostigen Nagel getreten und beachtete die kleine Wunde nicht bis der Fuß anschwoll. Gestern nach Mainz ins Spital gebracht starb die Frau heute an Wundstarrkrampf.

X Aus Kurhessen, 7. April. Oberpräsident v. Wind­heim, Landeshauptmann Freiherr v. Riedesel, Landesbaurat Stiehl und einige weitere Sachverständige stellten den Standort für das in Kloster Haine zu errichtende Denk­mal Philipps deS Großmütigen an Ort und Stelle fest. Das fünf Meter hohe Denkmal soll auf der Nordseite des sog. Amtsplatzes zu stehen fominen. Die Vorbereitungen zu der mit der Denkmals-Einweihung verbundenen festlichen Be­gehung des 400 jährigen Gebuttstages des hessischen Fürsten werden nunmehr eifrig in die Hand aenomm-n.

§ Darmstadt, 7. April. Die General-Versammlung der Bank für Handel und Industrie in Darm­stadt erteilte in ihrer gestrigen General-Versammlung ein­stimmig Decharge und setzte die Dividende, wie vorgeschlagen, aus 6 Prozent (wie im Vorjahre) fest.

t Neckar-Steinach. 8. April. Die malerisch gelegene Hinterburg bei Neckar-Steinach ist, wie der „Burgwart" meldet, durch Vertrag mit Frecherrn v. Donh, dem seit­herigen Besitzer, an den hessischen Staat übergegangen. Jedenfalls werden jetzt anch bald Vorkehrungen getroffen, um diese interessanteste aller hessischen Burgen vor gänzlichem Verfall zu schützm.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung in Oberhessen für SamStag, den 9. April 1904. Zeitweise heiter, schwachwindig, wärmer, im Norden deS Gebiets stellenweise noch etwas Regen.

Näheres durch die Gießener Wetterkarte.

Hamburger Futtermittelmarkt.

Originalbericht von G. & O. Lüders, Futtermittelgroß­handlung, Reis- und Oelkuchenmühle, Hamburg.

Infolge der vielen Feierlage lag das Futtermittelgeschäft an hiesiger Böise in dieser Berichtswoch'' recht still; selbst festere Berichte Nordamerikas vermochten daran nichts zu ändern.!

Reisfuttermehl fester Erdnuskuchen abflauend, Schlempe und Biertreber für nächstmonatliche Verschiffung nachgebend.

))ieisfutlermehl 24—28 Proz. Feit und Protein Mk. 4.00—4.20 pr. 50 Kilo ab Hamburg, Mk. 4.15—4.30 ab Hamburg, ohne Ge- haltSgarantie Mk. 3.50,-3.75, ab Hamburg. Reiskleie 2.10—2 50, Weizenkleie, grobe 4.30—4.50, Roggenkleie 4.10—4 25, Gerstekleie 4.5 0—5 00, Erdnufrkleie (gemahlene Erdnuhschalen) 1.75—2.00, Erdnußkuchen und Erdnußmehl 52—54 Proz. 5.80—6.20,— 53 Proz.^ 6.00—7.00, Baumwollsaatkuchen und Boumwollsaatmehl 52 bis 58 Proz. 6.40—6.55, 58—62 Proz. 6.50—6.75 Cocusnußkuchen und -Mehl 28—34 Proz. Fett und Protein 5.40—6.25, Palmkern­kuchen und -Mehl 22—26 Proz. 4.90—5.10, Rapskuchen und -Mehl 38—44 Proz. 4.40—4.65, Leinkuchen und -Mehl 38—42 Proz. 6.20 bis 6.50, Maisölkuchen und -Mehl 18—14 Proz. 5,00—5.50 Ge- trocknete Schlempe 33—45 Proz. 5.10- 5.30, Getrocknete Treber 24-30 Proz. 5.26—5.25, Malzkeime Mk. 4.60—5.00, alles pro50 Kilo ab Hamburg.

Kirchliche Nachrichten für Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst In der Stadtkirche. Samstag, den 9. April.

Nachmittags 2 Uhr: Beichte zu der mit der Konfir­mation verbundenen Abendmahlsfeier. Pfarrer Dr. Schlosser. Quasimodogeniti, den 10. April.

Vormittags 9.30 Uhr: Konfirmation der Kinder aus der Matthäusgemeinde und Feier des Heil. Abendmahls. Pfarrer Dr. Schlosser.

Nachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus der Markukgemeinde. Pfarrer Schwabe.

Abends 6 Uhr: Pfarrassistent Schulz.

Kollekte für die Armen.

In der Jo han nes kirch e.

Samstag, den 9. April.

Nachmittags 2 Uhr: Beichte. Pfarrer Dr. Naumann.

Sonntag, Quas im odo genit,, den 10. April.

Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Kon­firmation der Kinder aus der Johannesgemeinde, im An­schluß an dieselbe Feier des heil. Abendmahls.

Abends 6 Uhr: Pfarrer Euler.

Nach allen Gottesdiensten besondere Kollekte für die Armen.

Katholische Gemeinde.

Samstag, den 9. April.

Nachmittags um 5 Uhr und Abends 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Belcht.

Sonntag, den 10. April. Weißer Sonntag.

Vorm, von 6.30 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht.

7 Uhr an: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heilig. Kommunion.

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„ 8 „ Die zweite heil. Messe.

um 9.30 Uhr: Hochamt mit Predigt. Feier der ersten heil. Kommunion der Kinder. Nachm. um 3 Uhr: Andacht mit Segen.

Montag, vorm. 8 Uhr: Amt.

Für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein.

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