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Dienstag, den 7. Juni 1904.

13. Jahrgang

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M»nne»ent-pre1s r in Ließen, ab-eholt monatlich 60 Pfg., M Siu6 gebracht 60 Pf-., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mk. 1.60.

DGW-isketln-en: Oderheffifche FnrnMenreitnn- (täglich) und die Gi etzener Geifen-lns«« (wöchentlich).

Du- Blatt erscheint m «le« Werkt»-«» nachmittag-,

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Neueste Nachrichte»

(Gießener Ungektatt)

für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Gro^h. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen

Der Krieg in Ostasien.

Noch immer liegen keine zuverlässigen Berichte über die Land Operationen bei Port Arthur vor. Während von russi­scher Seite behauptet wird, daß die Japaner sich nordwärts zurückziehen, kommen zwei Meldungen aus Tschifu, die von weiterem

Vorrücken der Japaner gegen Port Arthur

zu erzählen wissen. Auf Zuverlässigkeit können sie aller­dings ebenfalls keinen Anspruch machen. Am ausführ- liffien ist die Schilderung, die von Dalny in Tschifu einge- -troffenen Chinesen geben:

Am 2. Juni seien die japanischen und die russischen I Streitkräfte auf der Liautung-Halbinsel nur zwei Meilen von einander entfernt gewesen. Sie berichten ferner: Die japanische Armee besetzte, nachdem sie durch in Dalny ge­landete Mannschaften Verstärkung erfahren hatte, die süd­westlich von Dalny gelegenen Plätze Twingtsching und " Santschimpo und ging dann längs der Ostküste in der Richtung auf Port Arthur weiter. Dabei hatten die Ja­paner auf der einen Seite hohe Berge, auf der anderen das Meer, von dem aus Kanonenboote die Flanke beschützten. Am 2. Juni standen die Japaner sieben Meilen vor den äußeren Forts von Port Arthur und nur zwei Meilen von dem russischen Heere entfernt, das bereit steht, ihnen den Weitermarsch zu wehren. Die Chinesen nehmen an, daß an diesem Punkt ein heftiger Kampf entbrennen werde und vielleicht schon begonnen habe. Die Japaner haben türe Operationsbasis nach Dalny und Talienwan verlegt; die größeren Schiffe ankern außerhalb, die kleineren inner- halb des Hafens. In Dalny werden Truppen aus kleinen Fohrzeugen ausgeschifft, die anscheinend von Pitzewo oder dem Elliot-Inseln kommen. Eine Anzahl Chinesen, die durch die russischen Linien zu gelangen versuchten, sollen erschossen worden sein.

Der Brief eines Japaners aus Dalny, der in Tschifu an- ken!, bestätigt im großen und ganzen die vorstehenden An- gabkn über den Vormarsch, sagt aber zugleich, daß die Ent­fernung der japanischen Armee von Port Arthur 15 Meilen betrage. Die Armee rücke längs der beiden Küsten der Halb- infe s vor, die Ostdivision <ei am 9. Juni 15 Meilen von Port H$itr mit dem Feinde zusammengestoßen, das Ergebnis des Kampfes sei bisher nicht bekannt. Eine Dschunke, welche am 3. und 4. Juni bei Port Arthur lag, hörte die in einem amtlichen Bericht erwähnten Explosionen nicht, wohl aber unregelmäßiges Gewehrfeuer am Morgen des 4. Juni. Das­selbe Schiff bemerkte fünf japanische Torpedobootzerstörer und hörte, als dieselben sich entfernt hatten, eine gewaltige Explosion, die davon herrühren könnte, daß einer der Tor- pedvbootzerstörcr auf eine Mine geraten wäre. In der Nacht Ibom 3. Juni bemerkte man große Flammensäulen in der Achtung von Dalny.

Während nach diesem Bericht ein japanischer Torpedo­bootzerstörer zu Grunde gegangen sein soll, behaupten umge­kehrt die Japaner, daß ein

russisches Kanonenboot in die Luft gesprengt worden sei. Ueber den Vorgang liegt aus Tokio folgendes ^Telegramm vor:

Torpedojäger, welche Port Arthur an der Ostküste be­wachen, berichten über den Untergang eines russischen Ka­nonenbootes von dem Typ Giljak. Dasselbe sei in der Nähe von Chintaoschan gesunken. Das Kanonenboot sei mit einem anderen Kanonenboote, einem Torpedojäger und anderen Dampfern damit beschäftigt gewesen, die in der Reede gelegten Minen zu zerstören. Als die Explosion erfolgt war, beeilten sich die übrigen Schiffe, den Hafen zu erreichen. Admiral Togo sprach die Ansicht aus, daß ‘ die Explosion einer japanischen Mine zuzuschreiben sei. Der Name des zerstörten Schiffes ist unbekannt.

Damit die ausgleichende Gerechtigkeit aber ja nicht zu Ikurz komme, verbreitet der russische Konsul in Tschifu die „zuverlässige" Nachricht, daß ein großes japanisches Schiff vor Talienwan durch eine Mine zum Sinken gebracht worden fei. Eine Bestätigung von anderer Seite liegt nicht vor und tonb voraussichtlich auch keine eintreffen.

Von Explosionen und Aufsteigen dichten Rauches in der Wichtung auf Port Arthur berichtet auch Admiral Togo. Weiter liegt noch eine Reihe der üblichen Kriegskorrespon- tentenromane vor, die mit mehr oder weniger Phantasie die Einzelheiten der letzten Kämpfe bei Port Adams und Kintschau bis zum Ueberdruß ausmalen.

* * *

Die russische flotte in port Hrthur. j

* Berlin, 6. Juni. u

Wenn Port Arthur fällt oder der russische Oberbefehls­haber einsieht, daß der Platz nicht zu halten ist, und kapi­tuliert, was wird das Schicksal der i.m Hafen eingeschloffenen russischen Kriegsschiffe sein? Verden sie, wie es von Peters­burger Patrioten erwartet u»rb, hinausdampfen ins offene Meer, um sich in vereiteltem letzten Ringen durch die

Gießener

Mnaöstängige Hageszeitung

japanische Flotte durchzuschlagen oder ruhmreich unterzu­gehen? Werden sie im Hafen in den Grund gebohrt werden, um dem Gegner nicht in die Hände zn fallen? Nachstehend die Ansicht eines deutschen Fachmannes, der kühl abwägend und sachgemäß die letzten Konsequenzen aus der schwierigen Lage der Eingeschlossenen zieht. D. Ned.

Mit beispielloser Zähigkeit und todverachtender Energie haben die Japaner die russischen Stellungen bei Kintschau erobert, und auch Dalny soll bereits in ihren Händen sein. Russischerseits wird zwar behauptet, an der allgemeinen Kriegslage zu Lande werde dadurch nichts geändert, denn weitere, nach Port Arthur Zurückliegende, stark befestigte Linien würden dem Vormarsch der Japaner auf Port Arthur und der Einnahme von der Landseite her ein Ziel setzen. Es erscheint aber fraglich, ob hier nicht der Wunsch der Vater des Gedankens ist.

Entgegen anderweitigen Ansichten glaube ich, daß die Japaner unter allen Umständen und ohne Rücksicht auf Menschenverluste die Eroberung von Port Arthur erzwingen werden, denn die Wegnahme oder die Vernichtung der dort noch vorhandenen russischen Seestreitkräfte ist für sie von allergrößter Bedeutung und Wichtigkeit. Sie müssen für den weiteren Verlauf des Krieges, den unentbehrlichen Nachschub an Personal und Material unbedingte Herren des Meeres bleiben. Das, wenn auch noch in weitem Felde stehende, aber immerhin drohende Erscheinen der russischen Reserve­flotte aus dem Kriegsschauplatz würde sie sofort dieser Herr­schaft berauben, so lange nicht Port Arthur in ihren Händen ist.

Es fragt sich nun, welches wird das Schicksal der in Porl Arthur eingeschlossenen Schiffe sein? Die Sperrung der Ein­fahrt durch versenkte Dampfer ist zwar wiederum mißglückt, dagegen unterliegt es kaum einem Zweifel, daß das Fahr­wasser ringsum noch reichlich durch Seeminen gefährdet ist,' deren furchtbare Wirkung sich ja im Verlauf des Seekrieges aufs deutlichste erwiesen hat. Ein Ausfall durch diese Sperre und gegen die blockierende überlegene japanische Flotte würde aller Wahrscheinlichkeit nach die vollständige Vernichtung der Russen zur Folge haben, allerdings nicht ohne gleichzeitige schwere Verluste auf feiten der Japaner, denn zweifellos wird der Kampf, der hier vielleicht sich noch zu einer Seeschlacht großen Stils entwickeln könnte, von beiden Seiten mit äußerster Energie geführt werden.

Andererseits werden sich die Russen kaum dazu verstehen, ihre intakten Schiffe in die Hände der Japaner fallen zu lassen. Schon einmal haben sie, im Krimkriege bei Sebasto- pol, zu dem, damals allerdings falschen und späterhin mit Recht verurteilten Mittel gegriffen, ihre Schiffe zu versenken. Die Aussichtslosigkeit, schwimmendes Material zu retten, ver­anlaßt sie im gegenwärtigen Kriege vielleicht wieder dazu, dann aber wohl mit der Maßnahme, daß sie die dem Gegner bisher mißglückte Sperrung der inneren Einfahrt selbst be­sorgen, indem sie ihre Kriegsschiffe dort zum Sinken bringen. Es würde das für die Japaner sowohl einen erheblichen Zeit­verlust bedeuten, als auch ihnen mit den wertvollsten Teil der Beute entreißen.

Die Ueberführung einer neuen Division japanischer Truppen nach Korea scheint mir darauf hinzuweisen, daß Japan gesonnen ist, so schleunig wie möglich Port Arthur zu Fall zu bringen.

So oder so, beneidenswert ist die Lage der russischen Flotte dort keineswegs!

Graf Bernstorff, Korvetten-Kapitän a. D.

Die politift.

=1= Eine sehr bemerkenswerte Ansprache hat oer ^s^g Ludwig Veit Bayern auf der in Landshut abgehaltenen Jahresverianiiusmlg des Vereins zur Hebung der Fluß- und Kanalschis'üu.ri u Bayern gehalten. Der Prinz betonte zu- näJsi den Wert der Binnenwasserstraßen und erklärte sich entschieden gegen die Erhebung von Schiffahrtsabgaben auf den Wasserstraßen. auch auf den k ü n st l i ch e n. Er betonte, ähnl h wie auf den Landstraßen, müsse auch auf den Wasser­straßen der Verkehr frei sein. Nur wenn die Wasser- straßen gar nicht anders zu erhalten,wären, könne man in diesen! Punkte nachgeben. Der bedeutsamste Teil der Rede des Prinzen war indessen derjenige, der dem in Schwebe be­findlichen preußisch-bayerischen Staatsvertrag über die Main­kanalisation galt. Der Prinz erklärte: Der ganze Norden Deutschlands sei abgabenfrei an das Meer angeschlossen, von Bayern nur die Pfalz, das rechtsrheinische Bayern und Würtemberg dagegen nicht. „Es ist unser billiger W u n s ch," sagte der Prinz, „diesen Anschluß zu bekommen, und es ist die Pflicht aller Deutschen, uns da­bei zu helfen, daß auch uns zuteil werde, was alle anderen Deutschen schon besitzen. Wie wir mit ihnen Schul­ter an Schulter gekämpft haben, so sollen sie auch mit uns in dieser Beziehung zusammenstehen und uns helfen, daß wir diesen Anschluß erlangen." Es ist anzunehmen, daß diese zweifelsohne in der Hauptsache für Berlin bestimmten Worte des künftigen Königs von Bayern an den maßgeben­den Stellen Gehör finden werden.

*

'^ Das Straßburger Militärgouvernement hat mit der in Straßburg befindlichen „Zentrale der elsaß-lothringischen

3«ferH»«d>tei6 1 Die einspaltige Petitzeile für ganz Übet* Hessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.

Rekl«men die Petttzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expeditton: Gießen, Seltersweg 88.

Fernsprechanschluß Nr. 362.

(Gießener Weitung)

ArbeitSnachweisstelle" ein Uebereinkommen getroffen, wonach den Landwirten Soldaten zu Erntezwecken nur noch d u r ch Vermittelung der Arbeitsnachweisstelle zu­gewiesen werden. Die Landwirte haben den Soldaten täg­lich 1,20 Mark Lohn, sowie Verpflegung zu gewähren. Es ist das erste Mal, daß ein solches Uebereinkommen zwischen einer Militärverwaltung und einer Arbeitsnachweiöstelle ge. troffen wurde.

Oefterretcb-Ungam>

cf Mit einer Niederlage der Arbeitgeber Hai die Wiener Bauarbeiter-Aussperrung geendet. Die Aus­gesperrten haben am Montag die Arbeit wieder ausgenom­men. Durch die eine ganze Woche anhaltende Aussperrung haben sich die Bauunternehmer schwer geschädigt; einmal haben sie Zeit verloren, und zum andern mangelt es jetzt ar Arbeitern. Bekanntlich haben viele Arbeiter gleich zu Be^ ginn der Arbeit Wien verlassen, und einstweilen ist Zuzug von außerhalb noch nicht eingetreten.

Spanien.

A Das Eingreifen der Vereinigten Staaten in die An gelegenheit P e r d i c a r i s - R a i s u l i macht den Spaniern schwere Beklemmungen. Man fürchtet in Madrid, daß der Streit sich weiter zuspitzen könnte. Senator Romero ver­langte die Entsendung eines Kriegsschiffes. Der Minister des Aeußern versprach, geeignete Maßregeln zum Schuß der spanischen Untertanen zu ergreifen. Verständlich ist es schon, wenn die Spanier Unbehagen darüber empfinden, daß die Macht, die ihnen vor ganz kurzer Frist so empfindliche Nieder­lagen beigebracht hat, sich mit einem großen Geschwader in nächster Nähe der spanischen Küsten blicken läßt.

Russland.

* Es ist beinahe, als läge Petersburg aus der Welt. Am Hellen lichten Tage hat der Fürst Dolgoruki den Gräfer Lambsdorff überfallen und tätlich mißhandelt. Die Sache war Stadtgespräch. Und nun heißt es wieder, zu einer tät­lichen Beleidigung sei es nicht gekommen, Lamk/sdorjf habe sich noch rechtzeitig in sein Ministerium flüchten können. Dann soll auch der Attentäter nicht der Fürst Dolgoru k i, sondern der Fürst Dosizoru k 0 w gewesen sein. Und schlkeß- lrch wird gemeldet, Fürst Dolgoruki sei in einem Irren­hause untergebracht worden, und damit sei die ganze pein­liche Affäre erledigt. Soviel Worte, soviel Widersprüche! Was ist denn nun eigentlich an der ganzen Geschichte Wahres?

Balkan-Staaten,

+ Nette Dinge sind wieder einmal aus dem Serbenlande zu berichten. Zunächst eine geradezu beispiellose Roheit des Gefühls in serbischen Offizierskreisen: Der erste Jahrestag der Ermordung des früheren serbischen Königspaares, der 11. Juni, wird von den Belgrader Offizieren durch ein großes Konzert gefeiert werden! Widerwärtiger konnte sich die völlige moralische Verwahr­losung dieser „Offiziere" nicht bekunden, als in diesem Be­ginnen. Wenn es Leute gab, die die Mordtat im Belgrader Konak als im Interesse des Landes unabwendbar ansahen und die Tat der Königsmörder mit ihrem angeblichen Patrio­tismus entschuldigten, so werden auch diese wunderlichen Heiligen jetzt bekehrt sein. Eine solche Tat durch ein Fest zu feiern, ist das Aeußerste von Schamlosigkeit und Ver­worfenheit. Daß König Peter gegen diese Schmach für Ser­bien nicht einschreitet, ist für seine Stellung im Lande rech! bezeichnend. Unb das auch sonst niemand in Serbien etwas an dieser Roheit findet, das kennzeichnet dieses Volk am besten. — Nicht ganz so skandalös, aber immer noch erbärm­lich genug ist das Verfahren eines der erkorenen Volksver- tretet Serbiens, des Kaufmanns Milan Arseniewitsch, der zurzeit Abgeordneter für die Stadt Kruschevats ist. Dieser brave Herr, der mehrere Male in Konkurs geriet, eröffnete vor einigen Monaten ein großes Papier-Geschäft und betei­ligte sich zu gleicher Zeit an verschiedenen Lieferungen für das Heer. Vor drei Wochen reiste er angeblich nach der Schweiz, seit dieser Zeit ist er samt Frau und Tochter ver­schwunden. Es wurde fostgestellt, daß er das ganze Bargeld, ungefähr 40 000 Fr., mitgenommen und große Schulden hinterlassen hat. Wirklich, ein Volk von EhMnmännern!

Hflen.

^ Die britische Tibetexpedition scheint neuerdings wieder mehrere Znsümmcnstösie mit den Tibetanern gehabt zu haben. Oberst Younghusband hatte dem tibetanischen General in Gyantse ein Ultimatum mit der Aufforderung gesandt, es nach Lhassa zum Dalai-Lama zu schicken. Der tibetanische General schickte das Ultimatum mit einer verächtlichen Ant­wort an Kounghusband zurück. Die Erwiderung der Eng­länder war -in Angriff auf das Lager der Tibetaner bei Gyangtse, dabei sollen die Engländer zwei Vierpfünder- geschütze erobert haben. Dabei soll der General von Lhassa zetötet worden sein. Nähere Nachrichten fehlen noch.

Hfrika.

Merkwürdige Dinge ereignen sich in Marokko. Nach einer Meldung aus Oran soll sich der frühere Prätendent Buhamara, dessen Stamm seit langer Zeit der franzö­sischen Herrschaft Schwierigkeiten bereitet und an der alge- risch-marokkanischen Grenze unaufhörlich Räubereien verübt hat, dem Sultan von Marokko unterworfen haben. Man führt die Unterwerfuna Bubamaras hauptsächlich auf