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Dienstag, den 5, Januar 1904

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Er Oterhesse« und die greife Marburg -Md Wetzlar; Lokalauzeiger für Gietzeu md Umg-»««. ^ GWchW eie amtlich« Bekavatmachunge« der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden Wi OberheZe«.

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~ BekanntwaWNNg

Betr. Fleischbes chau.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis ge=' bracht, daß Herr Schlachthofdirektor Dr. Liebe zum tier­ärztlichen Fleischbeschauer für den Beschaubezirk Gießen und Herr Prof. Dr. Winkler Zu seinem Stellvertreter bestellt worden ist.

Gießen, den 2. Januar 1904.

Groß. Bürgermeisterei Gießen.

E u rs ch m a n n.

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BetaMNtMKchrrng.

B etr.: Die Mathildenstiftung für Obers)essen.

Nach dem Voranschlag der Mathilden-Stiftung für Obecheffen sind für das Jahr 1904 etwa 1500 Mk. vor­handen, welche zu wohlthätigen Zwecken verwendet und womit in erster Linw die in der Provinz bestehenden Kleinkinderschulen bedacht werden sollen.

Es werden hiernach die Vorstände solcher Schulen, für welche eine Subvention gewünscht wird, aufgefordert, ihre, desfallsigen Gesuche, mit welchen eine möglichst aus­führliche Mitteilung über Ausdehnung, Mittel und Be­dürfnisse der betreffenden Anstalt zu verbinden ist, bis zum 20. Februar L Js. an den unterzeichneten Vor­stand der Stiftung gelangen zu lassen.

Gießen, den 2. Januar 1904.

Der Vorstand der Mathildenstiftung für Oberheffen. Dr. Breidect.

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Bodenreform und Sittlichkeit.

^ Augenblicklich geht, namentlich durch die Förderung eon Frauen, eine lebhafte Bewegung durch das Volk, um die ffllgemeincheit für die Bodenreform zu gewinnen, und zwar jür eine Bodenreform auf der Grundlage der bekannten Georgesschen Ideen, wonach es untersagt sein soll, daß der Grund und Boden im Privatbesitz bleibt. Die Boden- cciorine/ zitieren mit Vorliebe das Wort des Dichters: ,Raum füralle hat die Erde", und bringen in die Wirt- chnstsfrage ein Moment hinein, das von Haus aus nicht )azu gehört, nämlich das Prinzip der Sittlichkeit. Sie er­klären den Privatbesitz an Grund und Boden als einen Ver- toß gegen die christliche Nächstenliebe und als den Grund ür alle unsozialen Erscheinungen im Gcgenwartslcben. ' Die LeweisfMrung der deutschen Vorkämpfer für diese Bestre- umgen läßt sich kurz folgenderinaßen charakterisieren: Sämtliche Errungenschaften der Technik und der Wissen- chaft gehen den besitzlosen Mitgliedern im Volke verloren md kommen lediglich den Inhabern des Grundes und Sodens oder der Hypotheken zugute, weil diese im Stande ^nd, die Kaufpreise, die Mitspachten rind Häusermieten je ^ch hem Stande des Geschäftslebens und der wirtschaft- achen LeistuMfähigkeit der Bevölkerung zu regulieren. Demgemäß -prophezeien sie auch als die notwendige Fol ^ Erscheinung der Aushebung des Privatbesitzes an Grund und Loden das Erlöschen der Kapitalbildung und Zinsverpflich- mngen und den Beginn eine? idealen Gemeinschaftslebens wn Mgetrübter Reinheit imb Brüderlichkeit. Gerade dieses mträrunte Endziel aber besticht sie auch derart, daß sie die ranze Forderung als ein sittlich erstrebenswertes Ideal be­zeichnen.

Vergessen wird nur das eine dabei, daß das menschliche Gemeinschaftsleben nur zu den Zeiten der Unkultur in der

Gemeinschaftsbesitzes stattiand. Die damaligen, L.^âltmste sind ungefähr mit dem Leben in einer noch ver- Mlkmsmaßig jungen Familie zu vergleiclfen. So lange die uuider unerwachsen sind, bleibt das Ganze in einer Hand gereinigt, um dann später in größere Teile zerlegt zu werden. Fbmso hat sich auch der Privatbesitz als Die Folqe einer jro&eren 9i«fe mh der Wirksamkeit der einzelnen Mitglieder -mer sozialen Gemein,chast hermisgebildet und e- ist immer- bin eine offene grase, ob es nicht sittlicher ist, wenn dem Menschen sein Anteil an den LWnsgütenr und an dem Lebensgenüsse nach dem Grade seiner Leistungsfähigkeit zu- gemessen wird, als wenn hie stärkeren wirtschaftlichen Kräfte zu gunsten der rückständigeren Elemente ausgebeutet werden Es ist aber nicht englischen, warum der Grund und Boden allein von dem Wettbewerb um den Besitz ausgeschlossen werden soll. Dadurch, daß die höheren Wtiin'ormcn her Menschheit weitergehende Bedürfnisse anerzogen haben, als bloß den Unterhalt für das nackte Leben, sind auch die Er­trägnisse des Grundes und Bodens unter die Austauschwaren hineingezogen worden, deren Preis, wie bei allen anderen Gütern, nach hem Verhältnis von Angebot und Nachfrage bestimmt wird.

Im Wirtschaftsleben nimmt also her Warenverkehr von Srmb und Boden keine Ausnahmestellung ein und es ent­fällt somit jegliche Möglichkeit, die Bodenreformfrage zu • hier Forderung der Sittlichkeit zu stempeln. Unbestritten hat gerade der Privatbesitz an Grund und Boden die tech­nische und wissenschaftliche Leistungsfähigkeit der Mensch­heit gesteigert anstatt sie zu hemmen. So sind vor allen

Dingen die technischen Errungenschaften im landwirtschaft­lichen Betriebe selber schon in den Gegenden mit lebhaftem Güterzusluß entstanden, während Länder mit dem Gemein­schaftsbesitz, wie zum Beiwiel RuWind, rückständig geblieben lind. Durch den Privatbesitz ist das Prinzip der Arbeits- ikilung entstanden, und da hierbei jeder seinen Platz an der rönne sucht, so bat dieses Prinzip die Leistungsfähigkeit der Menschheit gesteigert und uns auf ein höheres Kulturdasein -rhoben, bei dem auch die Sittlichkeit weit feinere Nuancen ntftoeift, als bei dem unkulturellen Gemeinschaftsleben der Vergangenheit.

Die oftafiatisebe Krise.

Unkontrollierbar sind auch heute die Nachrichten aus Ost- asien und nicht minder widerspruchsvoll als bisher. Nach englischen Meldungen wäre die russische Antwort auf Japans Note schon erteilt; sie sei indessen unverbindlich und solle die Sache nur noch weiter hinauszögern. Japan werde sich in­folgedessen um diese Antwort nicht viel kümmern und hätte schon vor mehreren Tagen Maßregeln getroffen, um die japanischen Interessen gegen Rußland sicher zu stellen. Man werde Rußland nicht gestatten, Häfen auf Korea zu besetzen. Japan habe in unauffälliger Weise durch Abstoßen von großen Militär- und Arbeitermassen nach Korea tatsächlich von diesem Lande Besitz ergriffen. Eine Kriegserklä­rung werde nicht erfolgen, Rußland werde einfach nicht zu den koreanischen Häfen zugelassen.

So die englischen Meldungen R u s s i s ch e r s^e i t s wird dagegen aufs neue versichert, neuerlich habe die Span­nung merklich nachgelassen. In Petersburger leitenden Kreisen werde die Lage als durchaus beruhigend angesehen. Wenn mich beiderseits Vorbereitungen für den bisher als möglich vorgesehenen Fall des Ausbruches eines Krieges fortgesetzt werden, und her strategische Aufmarsch beider Armeen zunächst noch nicht unterbrochen werden wird, so hätten in den allerletzten Tagen die schwebenden Verhand­lungen eine Wendung genommen, die die besten Aussichten auf eine

völlige Verständigung

Rußlands mit Japan bietet. Ngch dieser russischen Quelle ist übrigens die Antwort Rußlands an Japan noch nicht abgegangen. Die englischen Meldungen über ihren Inhalt werden also wohl Phantasien sein.

Ob das gleiche auch von einer amerikanischen Nachricht über den bisher ebenfalls unbekannten

Inhalt der japanischen Note

gilt, läßt sich schwer sagen. Nach einer in Washington ver­öffentlichten Meldung, die von behördlicher Seite herrühren soll, hat Japan in seiner Note erklärt, daß das Mindestmaß der Bedingungen, die es annehmen würde, darin bestände, daß Rußland Japan gleiche Rechte in Korea zugestehe, wie sie von Rußland für die Mandschurei beansprucht werden. Als Gegenleistung dafür würde Japan zur Anerkennung von Rußlands Vorherrschaft in der Mandschurei bereits sein.

Diese Mitteilung über den Inhalt der japanischen Note und die Haltung Rußlands dazu erscheint durchaus nicht un glaubwürdig, wenn man sich vergegenwärtigt, daß Japan Ende Dezember Deutschland, England, die Vereinigten Staaten und Frankreich von bem gegenwärtigen Stande der Verhandlungen mit Rußland unterrichtet hat.

Merkwürdiger Wirrwarr herrscht in den Nachrichten über die voraussichtliche

Haltung Chinas

im Falle eines Kriegs. Nach einer Meldung des Reuterschen Bureaus aus Peking ist die chinesische Negierung entschlossen, neutral zu bleiben; sie rechnet aber doch mit der „Mög­lichkeit", in einen Krieg verwickelt zu werden. Eine andere englische Meldung dagegen besagt, aus den von Japan über die Absichten Chinas im Falle eines Krieges eingezogenen Erkundigungen gehe hervor, daß die chinesische Negierung geheime Befehle habe ergehen lassen, wonach die chinesischen Truppen den japanischen gegen die russischen Truppen beistehen sollten. Man nimmt an, daß im Kriegs­fälle eine Streitmacht von 40 000 chinesischen Truppen i inter her Führung japanischer Offiziere sich nach der Halbinsel Liau-Tong begeben werde.

Der in London unb Rom beglaubigte torea - tische Gesandte Min Yung Ton ist zurückgetreten. An seiner Stelle ist Kim Sung Kchre zum koreanischen Ge- fandten in England, Vi Jung Sun §um koreanischen Ge- fnndten in Italien ernanrck worden.

^ Die dcutsch-rnfsi scheu HmrdelsverkragsberhauDlung.Vn lind jetzt bis auf weitc .rG£ vertagt worden. Ueber die Zölle auf Vieh und Getre' ^e ist eine Verständigungsaktion auf diplomatischem Wege eingeleitet worden.

T Um eine eins östliche gesetzliche Regelung der Besol- dungsvcrbaltn!sie - Lehrversonals an Mittel- und Rek- torat-Äulen Lande ^ ^ y:^ fa ^jner Petition, die die Leiter.

Lehrer und Lehrerinnen jola-er isujuicu uh ous preußm sehe Abgeordnetenhaus richten wollen. In der Begründung wird hervorgehoben, daß die Antragsteller die einzigen öffentlichen Beamten in Preußen sind, deren Dienst­einkommen auf keiner gesetzlichen Grundlage beruht. Die Buntfcheckigkeit in der Besoldung dieser Lehrer wird durch folgende Zahlen beleuchtet. Das Grundgehalt der R ek­to r e n an 140 Mittelschulen schwankt (nach einer Zusammen­stellung vom 1. April 1902) zwischen 1700 bis 3900, die Alterszulagen zwischen 140 bis 300, das Höchstgehalt zwischen 3050 bis 6000 Mark. Aehnlich ist es bei den Mittelschullehrern und Lehrerinnen. Tie Mictsentichädi- gung für Rektoren schwankt in Städten 1. Servisklasse zwischen 360 bis bis 800, 2. Servisklasse zwischen 360 bis 630, 3. Servisklasse zwischen 300 bis 500, 4. Servisklassc zwischen 240 bis 500 Mark. In 5 3 Städten erreichen die Rektoren nicht einmal den Wohnungsgeldzuschutz der Staats­beamten 3. Tarifklasse, sondern bleiben hinter demselben im Durchschnitt um 102 Mark zurück. Die Mietsentschädigungl der Mittelschullehrer ist in 29 Städten durchschnittlich 54 Mark niedriger als der Wohnungsgeldzuschuß der Staats- beamten 4. TarifkMse. Das Verlangen nach einer ein­heitlichen Regelung der Sache ist, wie man sieht, begründet.

Oefteraetcb-Ungarru

P Ein neuer Fall grober Zuchtlosigkeit im ungarischen Heere wird — als Seitenstück zu dem gestern gemeldeten Bileker Vorgang — jetzt aus Trebinje gemeider. Mann­schaften des dritten Jahrganges'machten am 31. Dezember, als ihre Entlassung in die Heimat verweigert nmrbe, in der Kaserne einen Höllenlärm. Ein Leutnant, her dagegen ein­schritt, wurde hinovlsgeworfen. Daraufhin nahm eine starke Truppenabteilung die Meuterer fest. — Ueber den Vorgang in Bilek wird noch berichtet: Den Mannschaften des dritten Jahrganges wurde Gewehr und Setten gcvoehr ab- genoncmen, sie verweigeren jeden Dienst. Die Mannschaften begaben sich von der Kaserne in die Stadt und fragten dort einen Offizier, wann sie nach Hause gehen könnten. Der Offizier antwortete ironisch: „Wenn der über dem Haupttor angebrachte zweiköpfige Adler wegfliegen wird." Die Sol­daten begaben sich dann abends, laut das Kossuthlied sin­gend, zu dem Haupttor, rissen den zweiköpfigen Adler ab, warfen ihn in den Kot und zogen dann unter großem Lärm ins Lager. Dort riefen sie: „Der Adler ist weggeflogen! Nun können wir nach Hause gehen!" Bisher wurden fünf Führer, sieben Korporale und zahlreiche Gefreite und In­fanteristen von Bilek in Gacmiwnarrest gebracht. Die meisten Soldaten sind über die trostlose Lage sehr erbittert; sie glauben, daß sie überhaupt nicht mehr entlassen werden.

^ürkeu

□ Zum Chef der mazedonischen Gendarmerie ist der ita­lienische General de Giorgis ernannt. Uebrigens weiger! sich die Pforte, die oft versprochene A m n e st i e für Maze­donien zu bewilligen. Mehrere hundert Mazedonier, wo­runter zahlreiche Lehrer und Geistliche, wurden nach Syrien und Armenien ins Exil geschickt und täglich folgen ihnen weitere kleine Trupps von Verbannten. Sie mußten unter allerhand Brutalitäten ihrer Eskorten den weiten Weg zu Fuß zurüâgen. Wenn sie aus Wattigkeit nicht mehr weiter. - konnten, wurden sie von den Gendarmen geschlagen und dann für eine Zeit lang auf Kamelen angebunden. Zwischen Suverek und Tiarbekir blieben acht Bulgaren tot auf dem Wege liegen, sieben weitere starben am Tage ihres „Einzugs" in Diarbekir.

+ Der Anfang vom Ende der republikanischen Herrlich­keit in Panama ist da: Die VereiniMn Staaten ergreifen Maßnahmen, um Truppen unb Vorräte von Newyork und San Francisco nach dem Isthmus von Panama zu schaffen. Man beabsichtigt, Kasernen und Magazine auf dem Gebiete . von Panania anzulegen. ... |

® Es ist längst anerkannt, daß das beste und vielleicht einzig erfolgreiche Mittel zur Bekmupfung der Sclnrndlite- ratur die Gründung guter Volks b ü ch e r e i e n ist. Bis­her waren es meist Private und nichtstaatliche Verbände, bi? I sich mit der Gründung solcher Volksbibliotheken befaßten, s Neuerdings treten auch einzelne Regierungen der Frgge näher. So hat jetzt das meiningensche ^timhcruim be- schlossen, durch Bewilligung staatlicher Beihilfe tatkräftig bei der Gründung von Ortsbibliotheken zur Verdrängung der Schundliteratur mitzuwirken. Hoffentlich findet dieses Vor- / gehen gebührende Nachahmung. _

Spanten.

O Als die Vereinigten Staaten die Herrschaft aus den I Philippinen tatsächlich antreten konnten, war eine .ihrer ersten Massnahmen die Ausweisung der nOOO wmmchen Mönche, von denen man eine Verhetzung der Eingeborenen gegen bie Amerikaner fürchtete. Betauntlich Waren We ; spanischen Mönche es auch, die die Filipinos unaufhörlich zur Empörung gegen Spanien aufgestachelt hatten.^ J;tm I sind die Sechstausend unterwegs nach Spanien, sie jo ton vn | Januar dort eintreffen. Der Empfangs der Vater m der I Heimat wartet, ist angesichts ihrer HaltWa auf den I Philippinen kein sonderlich liebevoller. Die t>Wische Regie- I