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Montag, den 2. Mai 1904
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13. Jahrgang
Z«sertio«Spreiö t Die einspaltige Petitzeile für ganz Ober- Hessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3269.
Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 83. Fer«sprecha«schluß Nr. 362.
Neueste Nachrichten
(Gießener Tageblatt)
Unabhängige Tageszeitung
(Gießener Zeitung)
für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Leutwein bleibt!
Oberst Leutwein bleibt militärischer Leiter der
Operationen So hat der
in Südwestafrika und Gouverneur der Kolonie, Kaiser, wie unser Berliner OS-Mitarbeiter hört,
auf den Vortrag des Reichskanzlers in Karlsruhe verfügt.
Maßgebend für diesen Entschluß des Kaisers war zunächst die Tatsache, daß Leutwein bei den militärischen Operationen gegen die Herero ebenso wie früher gegen diese uni) andere Negerstämme neben großem Schneid auch die gebotene Umsicht und Vorsicht an den Tag legte. Wenn er bishier nicht niehr erreichte, so liegt das nicht sowohl an ihm als an feinen Unterführern, die das Land nicht kannten. Zurk andern ist zu besorgen, daß eine Abberufung Leutweins eine nAbfallderWitboois veranlassen könnte. Hendryk Witlbooi ist dem Gouverneur persönlich treu ergeben; ob ein anderer Oberkommandeur ebenso sicher auf Witbooi zählen könnte, ist höchst fraglich.
Leutwein wird, so hat der Kaiser weiter entschieden, ohne Weiteres diejenigen Verstärkungen erhalten, die er verlangt. , Dafür rechnet der Kaiser auf eine baldige Niederwerfung >des Aufstandes. Zeigt sich Scuthaein nicht im Stande, diese ♦ Aufgabe zu lösen, so würde selbstverständlich an seiner Statt I ein anderer, und dann wahrscheinlich ein zur Generalität —* gestriger Offizier, das Oberkommando übernehmen. Jn- dch>n darf erwartet werden, daß Leutwein, der als Truppen-
Haven. Das vielgenannte Widschu, die jetzige Operationsbasis der ersten japanischen Armee, ist für die Japaner eine historische Stätte. Die Chinesen gingen nach dem für sie unglücklichen Gefechte bei Pingyang am 16. September 1894 in großer Hast hinter den Jalu zurück, obwohl bei Andschu zu ihrer Aufnahme ein Detachement stand und das Gelände bei diesem Orte einen vortrefflichen Stützpunkt für die Verteidigung bot. Erst hinter diesem Flusse leisteten sie — 2 6 000 Mann mit gegen 80 Geschützen stark — Widerstand. Feldmarschall Aamagata war am 23. Oktober bei Widschu angelangt', am 24. Oktober überschritten die japanischen Truppen bei dieser Stadt und an verschiedenen Orten, einige Meilen weiter stromaufwärts liegend, so bei Sukutschin und Nushan, einer damaligen Bergfestung auf dem chinesischen Ufer, den Fluß. Mehrere am koreanischen Ufer aufge- pflanzte Batterien deckten den Uebergang. Es folgte dann die Entscheidungsschlacht bei Kiulientscheng, welche bekanntlich mit einer völligen Niederlage der Chinesen endete und den japanischen Truppen den Weg nach Port Arthur frei-
machte.
Die Schn erschmelze.
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suhl er in der Kolonie schon Bedeutendes geleistet hat, mit den erforderlichen Hilfskräften den Aufstand binnen kurzem Nied erzwingen wird.
Nachrichten über neue Ereignisse in Südwestafrika liegen snsttweilen nicht vor. Dagegen kommt eine nachträgliche Meldung, die recht unerfreulich ist: In bem Gefecht bei Owikokorero ist das M a s ch i n e n g e s ch ü tz , das der des Majors v. Glasenapp bei sich führte, in die Hände der Herero gefallen.
Auch aus dem Süden der Kolonie, aus dem Bondelzwcnlls- unb Namagebiet, wird Unerfreuliches gemeldet. Ein Ansiedler in Namaland hat nach der Heimat ein Schreiben gerichtet, in dem dem Gouverneur der Vorwurf einer Demüti- piNI Deutschlands vor den Bondelzwarts gemacht und die
Lage im Süden gefährlich
gmamnt Wird. Es'heißt in dem Brief:
„Ein Rätsel ist für uns alle hier der von der Regie- rumgerbeteneFriede. Es ist eine Schande, daß wir um Frieden nachgesucht haben, trotzdem Stationen beraubt imb Ansiedler ermordet, trotzdem Millionen verschleudert worden sind. Nicht das geringste ist geschehen, um den Hottentotten Achtung ober gar Furcht vor unserer Stärke und ßnegsfähigkeit beizubringen. Zweimal sind wir durchge- prügelt worden nach kurzer Gefechtsdauer, dann aber haben toir unter dem Beistand der Hottentottenverbündeten nach zweitägigem Gefecht die Rebellen aus ihren Stellungen vertrieben. Jetzt, nachdem wir seit Kaisers Geburtstag wirklich len ersehnten Frieden haben, eilen alle Ansiedler, Deutsche und Buren, an und über die Grenze iiach dem Süden. Vom Missionär wurde bei der Kaiser- geburtstagsfeier von der Kanzel herab mitgeteilt, daß die Regierung den Frieden erbeten habe, und Hottentotten be- stätigten dies. Er st jetztnachdemFrieden scheint der Aufenthalt hier wirklich gefährlich zu werden. Ein Ansiedler hat einen Staudamm aufführen Wolllen, der aber, weil mit den- Hottentottenarbeitern nicht wehr auszukommen war, nicht vollendet wurde. Die Wasser- msten haben ihn zum größten Teil zerstört, und unser neuer Herr, der Hottentottenkapitän, verbietet jetzt, ihn von neuem aufzubauen. Nur fort ben hier, len letzten beißen die Hunde."
Der eilige Friedensschluß mit den Bondelzwarts, der liefen gegenüber allzu große Nachgiebigkeit zeigte, ist dem ! Gouverneur allerdings auch außerhalb der Kolonie' von der : Nonialverwaltung, verübelt worden. Indessen hat Leutwern für sein Entgegenkommen gegen die Bondelzwarts hnmer die Erklärung, daß er den Aufstand im Süden schleunigst beilegen mußte, um im Norden gegen die Herero freie Hand zu bekommen. Was der Ansiedler über die Abwanderung der Weißen aus der Kolonie sagt, ist hoffentlich übertrieben. Jedenfalls aber wird dafür gesorgt werden müssen, daß auch die 'S t a t i o n e n i m S ü d e n stärker besetzt werden. Wie unser ^-Mitarbeiter hört, soll auch der Kaiser in Karlsruhe das ausdrücklich gefordert haben. , ,
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Der Krieg in 0 Italien.
Die Japner sind weiter eifrig dabei, in kleinen Trupps km Jalu zu überschreiten. Ob es ihnen gelungen ist sich in stiu-lientscheng bereits festzusetzen, ist immer noch nicht mit Ziltzerheit zu konstatieren.
Wenn Man der Mehrzahl der über
die Operationen der Japaner am Jalu dorlliegenden Nachrichten glauben will, so bereiten sie den !!eb"ergang über den Strom genau an jener Stelle vor, an ter sie ibn schon im Kriege gegen die Chinesen übersetzt
Ein Vergleich der damaligen Situation mit der heutigen ist natürlich vollständig ausgeschlossen, da ja die Chinesen weder versuchten, das Ueberschreiten des Flusses zu verhindern, noch auch in den verschiedenen sogenannten Schlachten jenes Krieges ernstlichen Widerstand leisteten. Was aber die Hauptsache ist: der Jalu ist in der gegenwärtigen Jahreszeit, während der Schneeschmelze, fast in seinem ganzen Laufe ein reibender Strom, während er zur Zeit des japanisch- chinesischen Krieges, im Oktober, ein Wasserlauf , zu sein pflegt, der an die Kunst der Pioniere nicht übermäßige Forderungen stellt. Nach Mitteilungen der Verwaltung der Wasserstraßen des Amurbeckens ist die Schiffahrt auf dem Ussuri und dem Sungari vor kurzem eröffnet worden; der Amur ist bei Blagowestschensk und stromaufwärts bis Ku- mara eisfrei. Unterhalb Blagowestschensk bis zum Dorfe Neini Tambbwsk herrscht Eisgang, so daß kürzlich zehn Handelsschiffe, die hier überwinterten, durch Eispressung Havarie erlitten.
Die Flottenbewegungen.
Infolge der plötzlichen lebhaften Tätigkeit des Wladiwostok-Geschwaders sah sich der japanische Oberbefehlshaber genötigt, einen Teil seines Geschwaders dorthin zu detachieren, um den Hafen zu überwachen. Japanische Schiffe wurden bereits in der Ussuribucht gesichtet. Auch vor Port Arthur halten zehn Kreuzer und mehrere Torpedoboote scharfe Wacht.
Eine bedeutende Schlacht am Jalu
soll nun doch in den Tagen vom 29. bis 30. April stattgesunden und die Japaner einen glänzenden Sieg davonge- tragen haben. An dem für die Japaner günstigen Ausgang habe besonders die Garde den Hauptanteil gehabt. In Petersburg wird behauptet, daß gleichzeitig ein großer Landungsversuch bei Port Arthur ins Werk gesetzt worden sei, für den der Kommandant der zweiten japanischen Armee eine volle Division entsandte. Auch auf Nuitschwang sei ein Vorstoß im Gange.
Tokio, 1* Mai. Die Japaner haben heute Kialieut se genommen, das als Schlüsse l der russischen Stellung auf dem rechten Jaluuser gilt. Hier wird angenommen, daß die Russen sich nach Föughwangtschöng zurückziehe u.
Tokio, 1. Mai. Am letzten Dienstag begannen die Japaner am Jalu den Angriff. Der Kampf dauerte Mittwoch, Donnerstag Freitag und Samstag an. Für heute wird ein entscheidendes Gefecht erwartet. Donnerstag vollführten die Japaner den Uebergang über den Jalu und ihre Konzentration auf dem rechten Ufer des Flusses. Gestern erstreckte sich der Kampf räumlich auf ein langes Gebiet, wobei mit schweren Geschützen über den Fluß gefeuert wurde. Der Kampf wurde heute bei Tagesanbruch wieder ausgenommen. Die Zahl der Russen wird auf 30000 Mann geschätzt. Die Japaner berichten von geringen Verlusten.
Tokio, 1. Mai. (Reuter.) Die 12. japanische Division hat gestern vor Tagesanbruch den Jalu oberhalb Widschu überschritten. Um 8 Uhr abends war ein zweiter Ponton fertig. Während der Nacht überschritten die Gardediv sion und die zweite Division den Fluß und nahmen Fühlung mit dem linken Flügel der Russen. Heute früh begann ein allg eme ine r An grif f, an dem sämtliche japanische Batterien auf dem linken Flügel und die Kanonenbootsflottille teilnahmen. Die Japaner sind nach Stellung der Zahl im Vorteil.
Die Politik.
ö* Nach Marienburg-Zschopau haben die SozialdeM». kraten nun noch einen zweiten von den Reichstagswahlkrersen, die sie bei der Wahl erobert hatten, verloren. Bei der Reichstaas-Ersatzwahl im Wahlkreise Herzogtum Sachsen-
Altenburg siegte Dr. Porzig (Konservativ und Bund bei Landwirte) über B u ch w a l d (Soz.). Bei der Hauptwahl im Juni vor. J. war bekanntlich Buchwald gewählt worden. Die Wahl wurde aber nachträglich, für ungültig erklärt. Interessant ist das Anwachsen der bürgerlichen und der Rückgang der sozialdemokratischen Stimmen seit der Hauptwahl. In beiden Fällen handelt es sich um eine Differenz von etwa 1000 Stimmen.
*
□ Die preußische Regierung hat ihren Vorsatz, ein neues Vereittsgesetz oder doch eine Novelle zu dem bestehenden Vereillsgesetze dem Parlament vorzulegen, wieder aufgegeben. Dagegen steht ein Gesetzentwurf in Aussicht, wonach in öffentlichen Versammlungen, in denen politische Angelegenheiten erörtert werden, nur die deutsche Sprache gebraucht werden darf. Das Gesetz richtet sich selbstverständlich vor allem gegen die polnische Agitation.
□ Die Hauptversammlung des Bundes der Landlvirte für Rheinland und Westfalen findet am Sonntag, 8. Mai in Düsseldorf statt. Chefredakteur Dr. Oertel und Dr. Hahn werden sprechen. *
0 Der Leipziger Krankcnkassenkonslikt geht seinem Ende entgegen. Nachdem der Kassenvorstand inne geworden ist. daß er den Regierungsforderungen nicht gerecht werden kann, hat er eine Vereinbarung mit den streikenden Aerzten angebahnt. Für diese haben die Aerzte als Vorbedingung die Abschaffung des Distriktsarztsystems und die Einführung der freien Arztwahl hingestellt-, in der Honorarfrage wollen sie Tiit sich reden lassen. Es ist anzunehmen, daß der Kassen- )orftanb auf diese Vorschläge eingehen wird. Denn es bleibt chm kaum etwas anderes übrig.
frankreich*
0 Der Streik der Kandelsschiffsoffiziere zieht, wie voraus zu sehen war, immer weitere Kreise. Jetzt wird aus Bordeaux gemeldet, daß die Reeder, Kapitäne, Offiziere und Maschinisten der Handelsmarine beschlossen haben, sich mit ihren Kollegen in Marseille und Havre solidarisch zu erklären und den Ausstand der Schiffsoffiziere in Mar- "ciKe nicht dadurch zu hindern, daß sie ihre Schiffe nach die- "em Hafen schicken, um dort Ladung zu nehnien. In Bordeaux stehen also auch die Reder auf feiten der Schiffsoffiziere. An dem endgiltigen Siege der Streikenden ist nicht zu zweifeln; die Matrosensyndikate, gegen deren Terrorismus sich der Streik richtet, werden wohl oder übel klein beigeben müssen. Die französischen Sozialdemokraten bemühen sich übrigens, im Interesse der ihnen nahestehenden Matrosensyndikate den Konflikt zwischen diesen und den Schiffsoffi- zieren durch Vermittelungsvorschläge aus der Welt zu schaffen.
Balkan-Staaten,
+ Die Errichtung einer bulgarischen diplomatischen Ver. tretung in Berlin steht unmittelbar bevor. Die bulgarisch Regierung hatte diese Absicht schon wiederholt angetundgt, bisher war der Plan jedoch bei den Berliner maßgebenden Stellen auf Widerstand gestoßen. Diesen Widerstand hat man jetzt fallen lassen, und die Errichtung der bulgarischen Agentie wird unmittelbar nach der bevorstehenden Sommer- reise des Fürsten Ferdinand, bei der er dem Berliner Hofe einen Besuch abstatten will, stattfinden.
England*
=f= Mit großer Genugtuung begrüßt man in England ünen Tclcgrammwcchscl zwischen Kaiser Wilhelm und König Idnard. Bei seiner Kreuzfahrt im Mittelmeer hat Kaiser Wilhelm nämlich wiederholt große Bewunderung für die dort Rationierte britische Flotte ausgedrückt. Von Malta aus hat er dann an König Eduard ein langes Telegramm, das •einer Bewunderung der Flotte Ausdruck gab, nach Kopenhagen gesandt Er erklärte darin u. a., die britischen Ma- -rosen seien bewunderswert schneidig und vorzüglich ein- ;xerziert. Das Telegramm schloß mit einer warmen Beglückwünschung König Eduards zu der Tüchtigkeit ferner Seeleute. König Eduard dankte dem Kaiser in einem herzlichen Telegramm.
Deutle? Reichstag.
(80. Sitzung.)
CS Berlin, 30. April.
Tie Befürchtung, daß die Debatten über die Bö r s e n - 7 c f c 5 nobel! e*in Wiederholungen verfallen würden, du alle Parteien bereits ihre Stellung hatten darlegen lassen, eruneZ sich bei der heutigen Fortsetzung der ersten Beratung als unbegründet. Der nationalliberale Abg. Dr. Semm- l e r verstand es, noch einmal lebhaftes Interesse für den Gegenstand zu wecken, nicht nur weil er in der Beurteilung der wichtigsten dabei in Betracht kommenden Fragen ganz erheblich von seinem Fraktionsgerrossen Dr. Lucas abweichend, sondern auch, weil er seinen Standpunkt zu den Dingen ungemein klar kennzeichnete. Vielleicht kein anderer Redner hat so lichtvoll, wie er, die wirtschaftliche Bedeutung und die wirtschaftlichen Wirkungen des Zeitgeschäftes geschildert. Er rindet mit einem Teile seiner Freunde in der Novelle einen richtigen Ausgleich n^ersirettender Interessen, ein geeignetes Mittel, Mißbräuchen entgegenzutreten, ohne die not- nendige Bewegungsfreiheit der. Börse in unzulässiger Weise