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Neueste Nachrichten
(Gießener Tageblatt) Unabhängige Tageszeitung (Hietzener Bettung)
für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
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pseue Verluste in Südwestafrika.
Nur eine kurze und eine keineswegs erfreuliche Nach- richt ist aus Deutsch-Südwestafrika neuerdings hier eingetroffen. Der Kommandant S. M. S. „Habicht" meldet:
„Bei Ausfallg-efechten bei Okahandja bis 21. Januar gefallen: Eisenbahnsekretär Rock, Kux, Spockkamp. Omaruru ist am 27. mit großer Macht angegriffen, Angriff abgeschlagen. Von Otjimbingwe keine Nachricht, wahrscheinlich belagert. Bahnbau hinter Karibib wieder in Angriff genommen, da Regen nachläßt."
Der Tod Rocks, eines Berliners, war schon vorher gemeldet worden. Seine Frau entging bem Tode nur dadurch, daß sie kurz vor bem Ausbruch des Aufruhrs eine Reife zu ihren Eltern in Berlin antrat. Sie befindet sich z. Zt. auf hoher See und dürfte von dem tragischen Schicksal ihres Gatten, der sie erst im vorigen Jahre ehelichte, noch nichts wissen. Die beiden Frauen, bereu Ermordung bei Windhuk bereits früher gemeldet wurde, sind die Ehefrau des gleichfalls ermordeten Ansiedlers P i l e t intd deren Schwester, ein Fräulein Helene D 0 m b s k y aus Berlin. Letztere kam erst am 10. Januar in Windhuk an, zwei Tage später hatte ihr Dasein ein jähes Ende gefunden.
Unrichtig muß in der obigen Depesche die Erwähnung des Ansädlers ft u x als eines der Opfer des Aufstandes sein. Kux hält sich nämlich zur Zeit in Berlin auf; er will übrigens trotz des Aufstandes am 6. Februar nach seiner Farm zurückkehren.
Schwere Besorgnisse hegt man in Berliner amtlichen Kreisen wegen des Schicksals des Gouverneurs Leutwein und feiner Truppe. Leutwein hätte am 23. in Windhuk sein müssen. Man fürchtet, daß ihm unterwegs etwas zugestoßen fein könnte. Andererseits ist es auch nicht ausgeschlossen, daß seine nach Karibik entsandten Depefchen- boten von Herero abgefangen worden sind und daß man so über sein Eintreffen in Windhuk an der Küste nichts hat erfahren können. Hoffentlich erweist sich diese letzte Möglichkeit als die richtige.
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Vor der Entscheidung.
Fast ausschließlich „negative" Meldungen, d. h. Q e = Dcntis, liegen heute zum ostasiatifchen Konflikt vor. Zunächst wird von Rußland aus die Meldung dementiert, daß ine russische Antwort an Japan schon festgestellt sei; zur Absendung werde die Note kaum vor Mitte dieHr Woche ; kommen. Ferner werden von Petersburg aus die englifcher- stits verbreiteten Gerüchte, Statthalter Alexejew sei an Vergiftung gestorben, als völlig unwahr bezeichnet. Andere russische Dementis treten den Meldungen der englischen Presse, in der Mandschurei herrsche infolge von Kriegsbe- fürchtnngen große Beunruhigung, entschieden entgegen. — Aber auch die Japaner dementieren: Die Tokioter Regierung erklärt das in London in Umlauf gefetzte Gerücht, es sei durch den japanischen Gesandten in Petersburg, Kurino, eine feindselige Antwort Rußlands nach Tokio übermittelt worden, für völlig haltlos.
Vielleicht werden auch die Meldungen über '
neue Rüstungen,
die gegenwärtig wieder auftauchen, dementiert werden. Jn- beüen dürften fie zutreffen. Nach kiesen Meldungen ist die japanische Flottenreserve in der vergangenen Woche mobilisiert worden. Auch die e r st e Armee- Reserve ist zum Teil mobilisiert worden, und zwar mit großer Heimlichkeit; die Mannschaften treffen, als ftuliâ verkleidet, an den Bestimmungsorten ein. Der übrige Teil der
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, ersten Armee-Reserve hat Befehl erhalten, sich zur Einberufung bereit zu halten. Vierzig Transportfckiffe mit der Division von Kumamoto liegen im Hafen von Takeshiki zur Abfahrt bereit.
R u s s i s ch e r f e i t s wird ganz offen die Tatsache der beschleunigten Mobilisierung aller Reservemannschaften i zugegeben; das amtliche russische Telegraphenbureau meldet aus Wladiwostok: Hier umlaufenden Gerüchten zufolge wird in diesen Tagen der Befehl zur Mobilisierung der Reservisten aller Gebiete des fernen Ostens erwartet. Es werden Vorbereitungen zur Mobilisierung der der Aushebung unterliegender Pferde getroffen. Im Februar wird in Wladiwostok die Ankunft von mehr als 50 000 Mann zur Verstärkung der Garnison erwartet. Ferner wird die Meldung bestätigt, daß sieben russische Regimenter auf dem Marsche nach dem Jalu-Flusse seien, um Antung und andere Punkte, einschließlich mehrerer am Sudufer des ; Flusses, zu besetzen; einige Abteilungen seien bereits dort. In Tientsin hat Rußland 20 000 Tonnen Kcnpmg- i Kohlen gekauft. Wegen weiterer 30 000 Tonnen steht Rußland noch mit China in Unterhandlung.
Die Politik.
0 Einer der bekanntesten deutschen Staatsmänner, der frühere hessische Staatsminister Jakob Finger, ist m Darmstadt im achtzigsten Lebensjahre gestorben.^ Finger war u - sprünglich Rechtsanwalt: in den sechâig.er Zähren gehörte er
Dienstag, veu 2. Fevruar 1904
Aho«Reme«tSpreiS: in Gießen, abgehslt monatlich 50 Pfg., dr'S Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mk. 1.50.
G»«tiSbeilage«: Oberhesfische Famittenzeitung (täglich) und die Gießener Seifenblase« (wöchentlich).
Das Blatt erscheint an alle« Werktagen nachmittags.
als Anhänger der Fortsck)ritt§partei der zweiten DeiliWn Kammer an. Nach 1866 trat er lebhaft für den Anschluß der süddeutschen Staaten in den norddeutschen Bund ein. 1872 trat Finger in den hessischen Staatsdienst als Ministerialrat im Justizministerium. 1884 w^rde er zum Staats- minister ernannt.
* Die Einführung einer Umsatzsteuer für die größeren Mühlenbetriebe wird in einer Petition verlangt, die der deutsche Müllerbund in nächster Zeit den einzelnen Landtagen der Bundesstaaten überreichen wird. Es heißt in der Petition u. a.: Y r <
„Die 44 000 binnenländischen Muhlenbetriebe bey Reiches befinden sich in wachsender Bdrängnis durch die Vorteile und Vergünstigungen, die eine kleine Anzahl an den Hafenplätzen und Wasserstraßen gelegener Emfuhr- mühlen genießen. Als besonders unbillig wird die Ungleichheit der Besteuerung empfunden. Die müllerischen Großbetriebe zahlen im Verhältnis zu ihren Produktions- mengen viel geringere Steuern, als die Mittel- und Kleinbetriebe, besonders da auf vielen älteren Mühlen noch eine besondere Rentenabgabe liegt. Dadurch ist die Produktion der letzteren ungünstig belastet und der Wettbewerb erschwert. Es erscheint daher als eine Forderung ausgleichender Gerechtigkeit, einen Besteuerungsmodus einzuführen, der die gewerbliche Steuer nach der Produktions- oder Umsatzmenge bemißt und zwar so, daß die Steuer mit der Größe des Umsatzes staffelförmig steigt." Bisher besitzt nur Bayern eine staffelförmige Umsatzsteuer für Mühlen. Ein früheres Gesuch des Deutschen Müllerbundes um eine allgemeine Einführung einer solchen Steuer von Reichs wegen wurde abschlägig beschieden, mit der Begründung, daß die Besteuerung der Betriebe Sache der einzelnen Bundesstaaten sei.
Italien«
G In vatikanischen Kreisen erhält sich das Gerücht, Papst P i u § plane eine strenge U e b e r w a ch u n g der zahlreichen ausländischen Kleriker in Rom. Wer keinen triftigen Grund kür seinen Aufenthalt in Rom angeben könne, solle unnach- sichtUch nach seiner Diözese Zurückbefördert werden.
Balkan-Staaten*
0 „Im Krieg sind alle Mittel erlaubt," denkt Herr Boris Sarafow, imb er schickt sich an, neue Niederträchtig,ettcn zu begehen. Er hat jetzt in Oesterreich große Quantitäten ^es an gekauft, die zusammeit mit t ü rkischen U n i f o r m e n nn Bulgaren in den europäischen Wilajets verteilt werden sollen damit die von biefen verübten Attentate türkischen Soldaten zugeschoben mürben. Auch in Serbien hat Sarafow seine Wühlarbeit nicht umsonst begonnen. In Urania nnb an bereu Orten Serbiens werden z. Zt. heimlich Dynaiiiit und Boinben angefertigt, die in den Wilajets ver^ wendet werden fallen. Man sann es den Türken wirklich nicht allzusehr verübeln, wenn sie solchem Lumpengesindel kein Pardon geben.
□ Der „diplomatische Boykott", der von den europäischen Mächten über den Hof Peters I. von Serbien verhängt ist, wird nicht eher aufhören, die Gesandten werden nicht eher nach Belgrad zurückkehren, ehe nicht der Hof von den Königsmördern gänzlich gesäubert sei. Man macht jetzt einen scharfen Unterschied zwischen den Verschwör e r n , das heißt jenen 300 oder 400 Offizieren, die an der Verschwörung gegen Alexander beteiligt waren, und den Mördern, die die Mordtat vollbrachten. Mit ersteren könnte ein diplomatischer Verkehr stattfinden, mit letzteren unter gar feinen Umständen. So wird dem Serbenkönig wohl nichts übrig bleiben, als die Königsmörder in entlegene Garnisonen zu entsenden.
Hmerika.
# Aus Santo Domingo kommt die Nachricht von einem deutsch-dominikanischen Zwischenfall. Der deutsche Dampfer „Schaumburg" ift von dem dominikanischen Kreuzer „Presidente" an der Einfahrt in den Hafen von M onte- christo verhindert worden, der von der dominikanischen Regierung kürzlich für geschlossen erklärt wurde. Ter Kapitän der „Schaumburg" hat der Reibung zufolge gegen mew Anordnung der dominikanischen Behörden Einspruch erhoben. Da wir ein paar Kriegsschiffe in den dominikanischen Gewässern haben, dürfte dem Einspruch wohl ohne viel Feder- lefens liachgegeben werden.
X Ueber Nacht ist im Kabinett der Vereinigten Staaten eine Ministerkrise ausgebrochen. Ter Kriegsminister R oo t hat seinen Abschied eingereicht. Sein Nachfolger, ist Mr. Last, der seit 1900 Gouverneur der Phlippinen ist. Ueber den Grund der Krise verlautet einstweilen nicht das mindeste. — Im Staate Newyork ist jetzt den Frauen das -Ltunm- recht in Schulsachen bewilligt worden.
^ Die Hoffnung der Regierung von Uruguay, sie werde mit der neuerdings ausgebrochenen Rebellion binnen kurzem fertig werden, ist unerfüllt geblieben: Mord und Brand herrschen im Lande des Liebigschen Fleischextrakts, -er Umstand, daß der Kriegsminister dieser Tage in einem Ge recht mit den Aufständischen fiel, hat diesen offenbar neuen Mut gemacht, und so ist es denn von neuem^zu heftigen .Kämpfen in den Städten San Ramon und San Jos6 in ber Nähe der Hauptstadt Montevideo gekommen. Der größere Teil der Regierungstruppen folgt ihnen. Die Regierung hat mphrprp Bataillone Nationalaarden und zwei Bataillone
__________________13. Jahrgang.
JnsertionSpreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz O-V
Hessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15
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Postzeitungsliste No. 3269.
Redaktion und Expeditton: Gießen, Seltersweg 88
^ernsprechanschluft Nr. 362.
PoUzeimannschaften in das Innere gesandt und hierdurch die Hauptstadt von Polizei entblößt. Das Pressen von Leuten zu Soldaten ist an der Tagesordnung. Viele hervorragende Nationalisten, darunter zwei Mitglieder der Stadtverwaltung, sind verhaftet worden. Diese Maßregeln, die die Bevölkerung für übertrieben und chikanös hält, können leicht zu einer allgemeinen Volkserhebung - gegen das Kabinett führen.
bof und Gesellschaft.
Gutem Vernehmen nach mirb die Mittelmeer- sahrt des K a i s e r p a a r e s , die schon seit geraumer Zeit geplant ist, in den nächsten Wochen ihren Anfang nehmen. Die Kaiserjacht „Hohenzollern" hat, wie aus Kiel gemeldet wird, ihre Winterreparatur beendet und lief zur forcierten Probefahrt aus. Am 15. b. M. geht die Kaiferjacht nach dem Mittelmeer ab. Das Depefchenboot „Sleipner" traf hierzu bereits aus Danzig in Kiel ein.
*** Fürst Max Egon zu Fürstenberg, Mtglied des preußischen Herrenhauses, ist vom Kaiser zum Oberst- Marschall ernannt worden.
beer und flotte.
Eine ,Selbstfahrer-Versus vom Eiscnbahnrcmmcnt au^erui.et mit Automobilen, Lastwagen und Radern, wirè sich demnächst von Berlin auf etwa 14 Tage nach Jlfenbure begeben um von dort aus Versuchsfahrten in den Harz zr unternehmen. Es soll hierbei erprobt werden, wie sich dit Fahrzeuge bei Schnee und Eis im Gebirge bewähren.
r mÄ'^^ Heercsreformcn. Laut amtlicher Betanntgabi ^- gische Regierung, den Rat des Kriegsamts m s chusse- auszutichren und nach dem Vorbilde der Abmiro. lUnt einen Militariichen Rat zu bilden, Ter Posten de- ^bcrbefehlshabers soll abge;chafft und die dem Kriegsanu mpj^^Ende Stelle eines Generalinspekteurs geschaffen Leistungsfähigkeit ter Truppen
Unser beer in der neuesten Literatur.
Unser »^-Mitarbeiter schreibt uns: Durch die Tagespreise geht jetzt die Nachricht, der verflossene Leutnant Bilse jabe ein „Militärdraina" unter der Feder. Sogar der Titel wird verraten; „Wahrheit" soll das Stück benamset werden, öilfe scheint sich seinen talentvollen Vorläufer Franz Adam Beyerlein zum Vorbilds genommen zu haben, der mit seinem Roman „Jena ober Sedan?" große Sensation erregt und •n seinem Schauspiel „Zapfenstreich" ein bemerkenswertes dramatisches Talent verraten hat. Man tut aber unrecht, Bilse und Beyerlein in einem Atemzug zu nennen. Die Arbeiten des letzteren haben zum Teil einen bleibenden literarischen Wert, während der Bilsefche Schundroman als Sensationsnummer zwar effektvoller wirkte, aber bald der verdienten Vergessenheit anheinifallen dürfte.
Worin besteht nun der Unterschied zwischen dem Schicksal und der Aufnahme, die diese Erzeugnisse der Militär- belletristik trotz ihrer Stoffverwandtsck)aft gefunden haben? Es ist ja unverkennbar, daß Franz Adam Beyerlein ein starkes literarisches Talent ist, während Bilse als Pamphletist nicht einmal eine landläufige stilistische Gewandtheit aufweist. Immerhin aber hätte vielleicht der behandelte Stoff doch auch bei ihm einigen Anspruch auf Interesse, wenn sich in seiner Produktion der objektive Drang nach Wahrheit zu erkennen gegeben hätte. Das ist keineswegs der Fall. Bilse will nicht die typischen Erscheinungen im Heere treffen, sondern er zielt auf die Persönlichkeiten. Seine Darstellung ist daher kleinlich, gehässig und ohne eigentlichen Mittelpunkt, während Beyerlein die Schärfe seiner Kritik gegen die sachlichen Interessen des Militärlebens wendet, die agierenden Persönlichkeiten aber zumeist wohlwollend schildert. So hat das deutsche Volk instinktiv herausgefunden, daß der eine dieser beiden Schriftsteller bestehende Mißstände geißeln imb hierdurch beseitigen will, während der andere nur schimpft, aber nicht kritisiert. In einem aber stimmen beide überein und zwar in der Schilderung der Geistesöde in dem täglichen Garnisondienst. Es fehlt den jungen Offizieren nicht an gesellschaftlicher, wohl aber an wissenschaftlicher Anregung, wenn sie nicht das Glück haben, in größeren Städten, wo es an Kunstinstituten und wissenschaftlichen Bildungsstätten nicht fehlt, in Garnison zu stehen.
Man würde aber unrecht tun, wenn man die Offiziere und nicht die Zustände in der Garnison dafür verantwortlick machen würde. Eine Reform ist nur dadurch zu erreichen, daß die jüngeren Offiziers nicht allzu lange an einem kleinen Orte verbleiben und daß man vor allen Dingen nickst die minderwertigen Elemente in solchen Garnisonen geradezr wie in einem Raritätenkasten sammelt. In einer so großer Organisation, wie in dem deutschen Heer, ist es naturgemfif linvermeidlich, daß trotz der strengen Durchsiebung aller Mitglieder von Zeit zu Zeit auch Unwürdige entdeckt werden, du dem Stande keine Ehre machen. Mit diesen menschlicher Mängeln hat ein jeder Stand zu rechnen. Es ist deshall unrichtig, wenn ein Teck der Presse die literarisch wertvoller Produkte der Beverleinschen Muse förmlich als einen Be-