btn 8. Dttzemver 1925.
Kaffeier Neueste Nachrichten
T L J -tzripnitz. — Nr. Ä
Wirkung bet Sozialdemokraten an der kommenden Regierungsbildung und das Ner» bleiben des Außenministers Er. Strese - mann. Die Deutsche Volkspariei wird sich der Notwendigkeit nicht entziehen können, einer Selbstverständlichkeit Rechnung zu tragen. Der Vorwärts betont, daß die Massen eine Regie- rungsbildung forderten, die sie aus der Wirtschaftskrise herauSführe und ihre Leiden nun» bete. Man werde also bei der Verteilung von Portefeuilles über die Erfüllung von Forderun- gen sprechen.
Wenn dke Bayern etrtreten.
Regierungs-Beschlüsse. — Der Zentrumsbund München, 7. Dezember.
In der Landesversammlung der bayerischen VollSpartei erklärte Ministerpräftdenl Held in der AuSspracke zur Frage der Rcgierunosbil- bung, eine Koalition der sogenannten Mitte ohne Sozialdemokraten, sei ohne Bayerische DolkSpartei und Wirtschaftspartei nicht möglich. Die Bayerische Volkspartei wurde eine Politik aus föderalistischen Grundlinien betreiben. Zur Frage .Bayerische Volksvartei und Zentrum- bezeichnete der Ministerpräsident eine gemein- same Kampffront angesichts deS bevorstehenden Kulturkampfes als wünschenswert. In staatspolitischer Beziehung habe das Zentrum mindestens eine starke Linksschwenkung gemacht. Zur Frage der Vaterländischen Verbände erklärte et, eS ginge nicht an. daß man der Regierung die Verantwortung zuschiebe, während man sich selbst die Freiheit deS Handelns bewahren wolle. In einer Reihe von Enllchließun gen wurde u. a. erwartet, daß eine Betritt guno der Partei an einer neuen Koalition auch bindende genau umschriebene Vereinbarungen wegen der Gestaltung des kommenden Finanzausgleichs haben müßte. Ein Antrag bedauert, daß bei der Reichsqesetzgebung 1925 die süddeutschen Sonderrechte hinsichtlich der früheren Biersteuergemeinschaft nickt voll gewahrt würden und erwartet energische Vertretung dieses Rechtes, gegebenenfalls durch Volksentscheid.
©tilg flnD Die da glauben.
Die Gcncralsqnode im Berliner Dom.
Berlin, 7. Dezember.
Dem gestrigen Eröffnungsgottesdienst der Generalsynode der altpreußischen Landeskirche im Berliner Tom wohnten die Mitglieder des obersten Kirchenparlaments vollzählig bei Tom- Prediger Döring würdigte die hohe geschichtliche Bedeutung der Stunde. Richt aus Diplomatie und parlamentarische Verhandlungen käme es an, smldern allein darauf, daß der Glaube lebenbifl ist und dazu bedürfe eS der Kirche.
MaffenaufmaisS» der Mleler.
Erregte Stimmung in Wien.
Wien, 7. Dezember.
Sozialistische Abgeordnete kündigten für den Fall, daß der Mieterschutz abgebaut werden soll neben 313 Versammlungen, btc gestern in Wien stattfanden und neben 40 000 Hausversammlungen die folgen sollen, noch ein Massenausmarscl der Arbcits- und Wolmungslosen an. Bor den Rcgierumgsgebäudrn soll eine Demonstration allergrößten Stils ftattfindeu.
«US Volltlk und WlrNHaft.
Vie erste Volksabstimmung... Inder Schweiz, zwo Gesetz über eine Alters-, Hinterlassenen- Md Invalidenversicherung wurde gestern in einer allgemeinen Volksabstimmung mit rund 395 000 gegen 211000 Volksstimmen angenommen. Die Stimmbeteiligung betrug trotz der großen Kälte ungefähr 60 Prozent.
Jugoslawen in Washington. Rach Beginn der parlamentarischen Weihnachtsserien wrrd eine jugoslavische Delegation nach Washington gehen, um die Schulden Jugoslawiens an Amerika zu regeln.
Der Dichter in der Politik. Der bekannte französische Eifler Henry Barbusse erklärte in Belarad, nach seinen Beobachtungenhabe die
DieRegielungsfeffel Men leer.
Luther zuruckgetreieu / Der Reichspräsident verhandelt mit den Parteien.
Man erwartet Luthers Wiederkehr. — Hindenburg vermittelt. — Front gegen Geßler. Ein letzter Hieb gegen die Teurrungshydra. — Die Demokraten für Große Koalition und Wiedergewinnung der entrissenen Gebiete.
Serfitt, 7. Dezember. (Amtlich.) Der Reichs- kanzlcr überbrachte Sonnabend nachmittag dem Reichspräsidenten die D e m i f s i on der Reichs- regierung. Aus Vorschlag des Reichskanzlers erfolgt die Reubetrauung Dr. Luthers mit der Regierungsncubildung erst, nachdem der Reichspräsident die Parteiführer gehört hat. Auch in den Parteien wird die Neubetrauung Dr. Luthers allgemein erwartet. Man rechnet sogar damit, daß eS dem raschen Eurdjgreifen Dr. Luthers gelingen wird, die Krise recht bald zu beenden und dem Reichstag schon bei dcffeu Wiederzusammrntritt eine vollständige Minister- liste präsentieren zu können.
D e VarttrMrer Del Hindenburg.
Große Koalition oder Kavlnett der Mitte?
Berlin, 7. Dezember.
Reichspräsident von Hindenburg empfing am Sonntag nachmittag den Reichstagspräsidenten L ö b e, der ihm über die Frage der Regieruugs- ueubildung Bericht erstattete. Irgendwelche Entscheidungen konnten dabei naturgemäß noch nicht gefällt werden. Der Rcichcsprästdent wird Montag die Führer der Reichstagsfraktionen und zwar zuerst die stärkste Partei, die Sozial- demotratcn empfangen. Tie Stellung des Zentrums und der Demokraten ist durch die große Koalition vorgezrichnet. Unklarheit bestehl immer noch über die Haltung der Linkspartei und der Sozialdemokraten. Erstere schlagen vor, das Kabinett der Mittelparteieu durch Fachminister zu ergänzen, die der Linken und Rechten nahe stehen. Auch aus der Linken scheint man sich mit einem mittelvarteilichcn Kabinett Luther abgc- funden zu haben. Man schränkt sich im wrfent- lichen auf den Kampf gegen Dr. Getzler ein. Allerdings betont man, daß die Partei von dem Kabinett vor allem weitgehende wirtschaftspo- lttische Zugeständnisse fordert.
Siele Der Demokraten.
Große Koalition. Kulturgemeinschaft. Wirtschaft.
Breslau, 7. Dezember.
Im Mittelpunkt der Tagung stand eine Reddes Vorsitzenden Koch, der ausführte, daß die Partei den Weg über den Völkerbund und dte Annäherung der europäischen Staaten mit d-m Ziele eines freien und in friedlicher Arbeit sich entwickelnden Deutfchlands nicht sehr als aussichtslos ansehe. Der Friedensvertrag von Ver- sailles muß allerdings geändert werden. Denn die zerstückelten Grenzen Deutschlands, namentlich im Cften, sind unerträglich. Wir »stehen nicht an, zu erklären, daß der Reichspräsident bisher die hohe Warte seines Amtes so innegehalten hat, daß jeder Deutsche sich dessen freuen kann. (Lebhafte Zustimmung). Wir stehen auf dem Standpunkt, daß
nur die große Koalition regieren kann und sind bereit, uns unter Zurückstellung aller sachlichen und persönlichen Wünsche in sie einzuordnen. Wenn es nicht gelte, für die po- litiiche, wirtschaftliche und geistige Freiheit jedes deutschen Mannes und jeder deutschen Frau zu kämpfen, so schloß Koch, so wäre uns das Leben nicht mehr lebenswert. (Lebhafter Beifall.) Der nächste Vortrag der Abgeordneten Frau Dr. Bäumer über die Notwendigkeit eines engen europäischen Zusammenlebens in kulturellen Dingen gipfelte in den Bemerkungen, das deutsche Volk habe hier in seinem und im -uro» päischen Interesse seine eigene Mission, die ihm diktiert ist durch die Offenheit seines Geistes für
das Andersartige. Minister a.D. Dietrich (Baden) bezeichnete eS als eine erste Aufgabe der Wirtschaft, wieder konkurrenzfähig zu wer- den. Veraltete Betriebe könnten nicht durchge- schleppt werden. Die Landwirtschaft müsse Kre» dite zur Mehrabnahme von Stickswsf erhalten, wodurch etn Produktionsausfall vermieden würde. In der Industrie sei eine weitgehende Normalisierung notwendig. Vor allem gelte es auch, das unsolide Händlertum, das in der Inflation aufgekommen ist, auSzuschalten.
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«in Bekenntnis »um DeutfH'um.
BreSlau, 7. Dezember. Adg. Erkelenz forderte auf dem demokratischen Parteitag eine Modernisierung unserer Sozialpolitik, da die jetzige Sozialgesetzgebung den Arbeitern nicht - nütze und der Wirtschaft schade. Der bekannte Pazifist Dr. Q u i d d e erklärte, daß er den pazifistischen Vereinigungen in den Entente- staaten geschrieben habe, eS werde keine deutsche Regierung geben, die dem deutsche» Volke die Hoffnung auf Wiedergewinnung der abgetrenn- ten Gebiete im Osten, Memel und Danzig nehmen wird. Eine in diesem Sinne von Quiddc oorgelegte Entschließung wurde unter lebhaftem Beifall angenommen. Minister a. D. Koch wurde zmn Parteivorsitzenden wiedergewählt. An den Parteitag jchloß sich eine Kundgebung der Demokraten für den Osten, in der alle Referenten das unverbrüchliche Festhalten der Grenzprovinzen am Deutschtum betonten und die somit ein Bekenntnis der Demokratie zum nationalen Geoanken wurde.
Luwerö letz er Reg'erungsakt.
Preisabbau vor dem Rücktritt.
Berlin, 7. Dezember.
I» der KabinettSsitzuug am Scnuabeub touroe folgender iNeietzeuuvurs zur Forderung des Preisabbaus verabseyiebel:
1. Bestimmungen über tuten Verglich zur Abwendung des Kontur j es unter Aushebung der Verordnung über die Ge- schäjtsaufsicht; 2. Vorschriften gegen die Ausbeutung bei der Vergebung von Aufträgen int Wege der Ausschreibung; 3. Beseitigung der Ausnahmestellung der Zwaugsorganisaiioueu; 4. Bestimmungen, dte hinsichtlich der Emwirkungsmog- lichkeiteu des Staates die Innungen und Jnnungsverbände in gewissem Umfange gleichstellen; 5. Vorschriften über das geil» halten von Brot zu festem Gewicht. Die bisher zur Verfügung stehenden Mittel reichten zur Erzielung des angestrebten Erfolges nicht aus. Der vorgeschlagene Gesetzentwurf soll die Preisgestaltung in Der Wirtschaft weiterhin günstiger beeinflussen. Weiter beschloß das Ka- binett, dem Reichsrat die Herabsetzung des Zuschlages für Die von den Apothekern vertriebenen Spezialitäten zu empfehlen. Außerdem verabschiedete das Kabinett eine Denkschrift über die Sozialversicherung 1924—25 und eine Darlegung über die Einnahmen und Ausgaben der deutschen Erwerbs- l o s e n s ü r s ör g e seit dem 1. Juli 1924. Den Vereinbaruiigen zur Zinsherabsetzung drr öffentlichen Gelder haben sich nicht nur die überwiegende Zahl der Länder, sondern auch die kommunalen Spitzenverbände, sowie mehrere Geldinstitute usw. angesmlossen.
Kouimuttistenbewegung in Bessarabien und Rumänien kein« Verbindung mit Sowjetrußlaad. Von Belgrad begrbt sich Barbusse nach Budapest und Dien.
Wer andern eine Grube gräbt... Das ftan» zösische Kriegsgericht in Landau verurteilte den Deutschen Gustav Eckel, der der französischen Kriminalpolizei geheime deutsche Dokumente, in denen der Name Kreß von Kreßensteiu vorkam, zum Kauf anbot, die von ihm selbst an» gefertigt waren, zu sechs Monaten Gefäng'liS und 200 Franks Geldstrafe. Ein anderer Landesverräter namens Edmund B o S b a ch erhielt wegen Spionage zehn Jahre Gefängnis.
Englands künstlich ernährte Industrie. Im Oktober sind der englischen Kohlenindustrie Subventionen in Höhe von 2 631 907 Pfund, in bett drei Monaten insgesamt 6 037 451 Pfund bezahlt worden.
Fünfundzwanzig Jahre Zeitungsverlag. Beim fünfundzwanzigjährigen Jubiläum der HandelS- gesellschast b r Leitungsverleger schilberte Direktor Karl Müller in einer längeren Ansprache Geschichte unb Zweck ber Handelsgesellschaft. Verleger Wenckebach unb ber Vorsitzende d-S Verlegervereins, Kommerzi nrat Krumb- baar-Liegnitz sprechen den führenden Männern der HanbelSgesellschaft für ihre aufopfernde Tätigkeit, inSbesonbere in ben Kriegs- und Krisenzetten, wärmst, n Dank aus.
Turnen, Sport. Solei.
Kasseler Kanuklub.
32000 Kilometer Fahrten in biesem Jahre.
Der älteste Kanusportvcrein Kassels, bei KanuHub halte am eonnabenb feine Freunde und Sporitameraben zu feinem diesjährigen Wintervergnügen irn kleinen Stabtpa-.k geladen. Die Veranstaltung fanb dadurch ein besonderes Gepräge, baß mit betn Fest bie Vorführung eines Kanusportfilms unb eine Siegerehrung verbunden war.
Der Besuch beS Festes übertraf alle Erwartungen, bie Sportvereine hatten zahlreibe Der- ttcter gesandt und die Presse gab ihr Interesse daburck kund, daß sie ihre prominenten Vertte- ter stellte. Ein entzückender Damenflor belebte das Bild des festlichen Saales, dem das in zahlreichen Exemplaren erschienene rassige Sportmäbel eine besondere Note gab. Süße Bubiköpfe, bei denen selbst bei gewissenhaftester Prüfung nichts von dem, von hämischer Zunge prophezeiten stärkeren Bartwuchs zu sehen war. Wetteiferten mit normalbeschopftem Leicht- -ma Schwer-.. (ach. nein, doch nicht) athletiimen in den beinaymnastischen Hebungen der modernen Tänze. Dann kam der Film . . . Alle Sportarten haben ihren Film, warum nicht mich der Kanusport? Nun haben wir einen wohlgelun- genen Film:
„Das Kanumädel".
Also: Es war einmal ein KanumSdel, baS hatte einen schüchternen Verehrer, ber war wasserscheu (bums, schon fällt et hinein). Nur durch daS Wasser führt zu mir ber Weg, flötete sie. Sckon lernt ber Arme schwimmen, kauft sich ein Faltboot unb vermehrt bte häßliche Zunft ber Wasserpest. Schließlich erbarmt sich <:n Svottmann seiner, führt ihn ein in ben wah- ten Wassersport, eine herrliche Wanderfahrt mit kühnen Wehrrutschern. Stromschncllon unb ibyllisckem Laaerleben bringt ibn in kameradschaftlicher Weise seiner Anaebeteien näher. Und sie gingen in ein Land, heißt Paradies und ist sehr fruchtbar. Der Film tff besonders jur Werbezwecke des Wassersports gedacht und ist lebt unterhaltsam. Für den Wassersportler fehlt ein Lehrfilm. Bescheiden würde ich als Titel etwa: »Die keuchte Kunst" oder „Die hölzerne Braut", auch .Die Braut mit G-ummi- haut" Vorschlägen. Dem Film schloß sich die
Siegerehrung
an. Vorsitzender Schäfer gab bekannt, daß bie Mitglieder des E. K. C. in diesem Jahr 82 00(1 Kilometer außerhalb bet Stadtgebiets zurück» gelegt haben unb ehrte ben fleißigsten Paddler, Walter Siebert, kür seine 1800 Kilometer
Weihnachlsoraloiium.
Stabthallinkonzert. — Leitung: Robert LaugS.
Backs Weihnachtsoratorium ist kein Oratorium im Sinne HänbelS, sonbern eine reine Folge gleichgestimmter Kantaten. ES tarnt deshalb nicht tiiic so große Wirkung haben, auch nicht die Wirkung einer Passion, oder gar der Hohen Liesse in H -moll. Es kommt hinzu, baß Back in erheblicher Weise in ben Wehnachtsoratotuim bet seinen eigenen weltlichen Werken Anleihen gemacht hat, so baß auch von Stileiu- unb Stilreinheit kaum bie Rede sein dürfte. Die oben tefeon ermähnte Gleichförmigkeit ber Stimmung, >ic von Anfang zum Ende nur ein großes Halleluja bedeutet, wirkt schließlich ermüdend. Von großartiger Schönheit sinn in diesem Werk nur die Choräle, deren wundervolle Harmonienfühlung hier fast noch mehr als sonst bei Bach das Ohr eraötzcn.
Die Ausführung stand nicht auf der Höhe dessen, was wir sonst unter L a u g' S Stabfuh- runxi zu hören gewohnt )inb Der Dirigent hatte wohl eingekel,en. daß Has Werk zu umfangreich ist, um an einem Abend aufgeführt zu werben. Er hatte besbalb im zweiten Teil erhebliche Strickte vorgenomm-.r, wähtenb er im ersten Steil so ziemlich a'!es brachte, insbesondere auch 5ast jede Wiederholung Dte übermäßige Länge »öS ersten Teils suchte er daher durch allzu prasse Tempo» ibme auszugleichen, worunter cnch meiner Meinung die Stimmung erheblich litt Eine rnhige Temponahme, insbesondere auch in dem wundervollen Wiegenlied und Streichung weniger bedeutender Stellen wäre der Gesamnvirknng dienlicher gewesen. Dagegen muß dankbar wiederum die oortressliche Arbeit Laug'S an den Chören anerkannt werden, insbesondere die Choräle wurden herrlich bar» gebracht, währenb in beit sonstigen Chören hie und ba geringe Tonsckwankungen zu merken waren, inSbesonbere war der Sopran beit An- ftrenunaen der seht hoch liegenden Chöre nickt immer gewachsen Die Männerstimmen Hangen buntttvea sauber
Die Frage der Solisten, die bei dem Weih»
nochtsoratorium sehr wichtig ist. war nicht besonders glücklich gelöst Restlos anzuerkennen vermag ich nur Fräulein Hilde Ellger. Berlin, eine Altistin von stärkster Bedeutung Fräulein Ellger hat eine beionverS Weiche, schöne, technisch makellos gebildete Stimme und verfügt über ein hervorragendes Ausdrucksvermögen Sie fing insbesondere das oben erwähnte Wiegenlied mit bester Wirkung. Herr Kremer vom hiesigen Staatstheater bemüht sich immer noch ein flutet Evangelist zu werden Er hat zweifellos in der Beherrschung des Qra- tciienstilS Fortschritte aemacht, ohne indetz hierin sckon btä ;u einiger Vollendung gekommen zu fein. Es fehlt insbesondere noch an der gleichmäßigen Stimmacbung. Auch die Koloraturen in ber großen Arie Frohe Hirten" (in ber übriaens b> r Kammermusiker Herr Müller wun- berbar bie Flöte blieS) müssen noch abgerundeter klinaen Sehr enttäuschte Mick diesmal Fräulein H i r s ck m a n n. die Wohl sckleckt diSvo- ni?rt war, ober auch musikalisch kaum Nennenswertes bot. Ganz vom Nebel war der Bassist Paul S e e b n ck - Berlin, der allerdings biS- vonr- rt war. aber soviel fl(aub* ick oetzört zu bn'Mi. setzst wenn er gut disponiert g-wittn wäre, würde er kaum baS geboten haben, was Wittel unb Molli gegeben hätten. Ganz cttS- aezeicknet wat Ludwig Mannck am C"mbolo Im übrigen Wirtt-n kehr erfolgreich Konzertmeister Hofmann als Soloviottnist, die Herren Knhlina lCetto). Möllner lOrgett, Jahn (Back- Tromvete), Oboe D'amore die Herren Kleint und Jtzener und Oboe Herr Sturm. Das zahl, reiche PÄliktnn kargte nicht mit Beifall. Dr. V.
Fran» Wrrfel fprlcftt...
Ein Ifterarifchei Morgen im Staatstheatei.
Der Dichter, bet unsere Gegenwart zu durck- leuckten stichre, ber ein Großteil ihrer Ersck'i- nvnflen gesialtol hat und immer noch nach Frie- ben, Ausgleich unb Stube sehnsüchtig ist — Franz Werfel svr-edt im Kasseler Staatstheater in ber Sonntag Motgenveronstottung zu einer Heinen dafür aber um so dankbarereren Gemeinde. Dicht-r sind oft schlechte Siebergebet ihrer Schöpsunfleii, weil sie mit btt heimlichen Scheu
vor Entweihung unb Entblößung ihres innersten Erlebens hinter ihrem Erdachten stehen; auch wiH daS Publikum am Vortragstisch gern einen Sprecher sehen und ist enttäuscht, wenn ein Mensck stammelnd übet seinen eigenen Seifen sitzt DaS Publikum weiß ja meist nicht, daß es Unterschiebe gibt
Franz Werse! erspart f-N>st Anspruchsvolle-» in dieser Beziehung Enttäuschungen. Er ist ein glänzender Interpret siner Dichtungen, die er mit klarer, wandlungsfähiger Siimime. unterstützt durck lebhaftes Mienenspiel und starke Gesten, bot träat. Er las aus seinem neuen Dühttenwerk »Paulus unter den Juden" eine Handlung in sechs Bildern, die Szenen des 3.. 4. und 6. Bildes. Der knappe Umriß, den der Dichter 'ab, belehrt uns dahin, baß in bieten Drama us bet Zeit Caligiftas b?» schwere Konflikt 4 chen ber Hohenpriesterschast Israels, am beuu. gsten verkörpert im greifen ■Sermertirf unb Paulus, bem Ausbreitet des Christentums, cnägctrapeu wirb In Szenen voll starker btamati scher Kraft unb dichterischer Liese, bie das uraltctoige Problem beS Göttlichen und besten, was göttliche Wahrheit ist, in ben Soibergrunb rücken, sucht bet Dichter noch Antwort auf bie immer offene Frage »ach bem Woher unb Wohin.
ES kann h.-nte nicht untersucht werben, ob Franz Werfel bem Proolrm näher gekommen ist. Die Vorlesung gestattet jedoch die Auffassung, daß duS gehaltvolle Werk unserer Zeit mänckeS zu sagen haben wird.
Zur Vorlesung angeWndigter RoveHen und Gedickte kam ber T'ckrer nicht, da das Pubtt» kum sich nach bet Pause mit .Stimmenmehrheit" für bie Wctterlesung bes DramaS entschieb. Der Eindruck war ko stark, daß Franz Werfel sich zum Sckluß zu ungezählten Malen zeigen mußte. Hoffen wir auf eine baldige Aufführung seines .PauluS" im Staalstbeatet! --er.
Der schl-ckte Besuch dieser ersten bedeutsamen literar'schen Veranstaltung dieses Jahres deutel ans einen seht wicblip'n Faktor im Kunllledeu unserer Stadt, der uns leider noch kehlt: die literarische Gesellschaft. Jude» Hein-
sten Industriestädten eiistieren solche Gesellschaften kn irgend einer Form. Sie verpflichten nin- Iiafte Dichter und Gelehrte unb sie geben vor allem bas Stammpublikum für solche Veranstaltungen ab. Wa.um steht Kassel hier so besckämenb weit abseits vom literarische» Lebe» unserer Zeit?
Der ppflfe'elte Kaier.
Ern Kindcrmärchen im Kleinen Theater.
Während bas Staatschec-ter mit bett corcken Möglichkeiten seiner Bühne unb seines Kostüm- funbus den Kindern einen Augenschmaus geben kimnto. mußte das Kleine Theater nach m:beren,einfackeren DarsteHunaSmöglichkeiten fliehen. Direktor Schenrmann wählte das Schattenspiel und erzählte uns in vier Bildern daS Märchen vom gestiefelten Kater (von Sovhie Hennig). Von der Austeilung Müller-Erb-S unter die drei Söhne bis zur Besiegung drS Zauberers Carabas durch den schlauen Kater (ben Maria Holsen ?u .bewegen" hatte) unb bet Verlobung des MüllersohneS mit der Königstochter. Di« Bilder gerieten zum Teil sehr gut; die Profile waren sorgfältia gezeichnet unb die Schauspieler sprachen unb handelten naiv märchenhaft. Eugen Bobart musizierte nach seiner eigenen Partitur freundliche, stimmungsvolle Onveitürcken. Wenn trotzdem bie Kinb-r nicht rocht warm wnrd-n. lag es wohl an ber Fremdartigkeit unb Kälte ber Schwarz-wetß-Vildet imb ihrer Flächenhastigkeit. bis bie Illusion der Märchenwelt schwer aukkomm-n läßt. Immerhin muß man ben künstlerischen Ernst anerkennen, den das Heine Theater im Rahme» seiner Bühnenrnöalichkeiten für derartige Zwecke einsetzt. Dem sickivacken Besuch ’ömtte durch verminderte Preise abgeholsen werden. V.
** Rene Bühnenwerke bekannter Atttsren. Bertokd Brecht Hat ein Lustspiel vollendet: .Monn ifi Mann" ober .Die VerWanblung des Backers Galv Gav in bett Mitttärbarock n von Kilkoa im Jahre 1925*. — Arnolb ZWeia hat -in neues Sckausviel .Dor Lss-trünnwe" vollm- bet. — Klak> unb Hat ein neues Drama .Cromwell" geschrieben.