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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Eouvabend, 5. Dezember 1925

Einzelnummer l(> Pf.. SointagS >5Ps. 15*

Numwer 284. Einzelnummer 1(1 Ps. S-onntaaS 15 Pf.

Ein Kabinett ohne Gehler: Lange Krise.

Sieg 6er Vernunft.

Auch die Lügenmärchen verblasse».

Etwa» bat sich in London begeben, daS wie ein freundlicher Lichtstrahl in all daS Dunkel der haltlosen Versprechungen hineinleuchtet, di« uns anstelle von Taten bis jetzt liebenswürdig überreicht wurden Herr Chamberlain hat sich in der letzten Unterhaussttzung bereit ge­funden, durch eine offizielle Erklärung die Haltlosigkeit der schamlosen Ra« daverge schichten amtlich festzulegen. Der englisch« Minister hat damit einer Anstands- Pflicht genügt, die erfreulicher und für die fried­lichen Beziehungen dereinst feindlichenJl-ttonen wirksamer gewesen wäre, wenn er sich schon vor Jahren dazu bereit gesunden hätte, der Wahr­heit die Ehre zu geben. Die Art und Weis«, wie er seine offizielle Kundgebung ummantelt«, ist zwar recht kühl und bat jeder Wärme. Eine Entschuldigung an da- durch die ekle Propa­ganda so schwer gekränkte deutsche Volk hat er nicht für nötig gefunden. Immerhin, es ist ein Anfang, nun endlich jenes Lügengewebe eir.zureihen. durch daS man ei verstanden hatü, das Dcutfche Reich in der gesamten Welt als ein« Bereinigung von Banditen, Kindermör­dern und Wegelagerern zu bezeichne». Aber nur ein Anfang. Was für Chamberlain gut war, wäre für Herrn vriand und den anderen Verantwortlichen Ententeländern nur reicht und billig Ma» hat dem deutschen Volke gütigst die GMtid>bered)tigune im Bunde der Rationen zuerkannt. Jetzt, meine Herren in Paris, Lon­don und Brüssel ist die Zeit gekommen, nun endgültig den verhetzenden Lügen den Garaus zu machen, die sich wie ein« unüberseh­bar« Wand zwischen den Völkern noch immer aufrichtet. DaS Seichenfettmärchen war eine recht garstig« Erfindung. Unterscheidet eS sich wirk- Ilti allzusehr von der albernen Kriegs­schuld lüge, bl« man immer noch dem deut­schen Volke aus die Schulter legt? Höchstens in du Sinnlosigkeit und Beschränktheit, die ein so niedriges Niveau der Gesinnung zeigt«, daß besonnene und anständige Menschen auch im gegnerischen Lager ihm sicherlich wenig Glau- btn schenken konnten Aber der besonnenen und fingen Menschen, di- sich ihr klares UrteU über di ritsche Kultur auch in den Kriegszeiten be­wahren konnten, gab «S in der Feindeswelt nicht Wenige.

Ein weiteres recht klärendes Kapitelchen lie­ferte da dieser Tage ein amerikanischer Professor in einer Abhandlung über die Kriegsschuldfrage. Herr Harry Elmer Barnes ist einer der wenigen Amerikaner, die sich bis­her ernsthaft und wissenschaftlich mit der Kriegs- schuldsrage beschäftigt haben. Seine soeben ver­öffentlichte Artikelserie leitet der Verfasser mit folgenden bemerkenswerten Sätzen ein: »In kei­ner Richtung haben die neu aufgebcdten In­formationen umwälzender gewirkt, als hinsicht­lich der ausdrücklichen und direkten Schuld Serbiens an dem AuSbnich bei Weltkrie­ges. Er spricht über di- Kenntnis der serbischen Regierung von den Vorbereitungen des Atten- tats gegen den österreichischen Tbronsolger, er sieht es als einen Schulobeweis der serbischen Regierung on, daß fi- 'eine freiwillige Unter­suchung über die Veiantwortlichkeit für den Mord unternommen hat uswAlle diese Tat- Jacken", so schließt Barnes, »machen es gewiß, > auf Serbien die volle Verant­wortlichkeit für die verruchte Verkchwörung füllt, die schließlich die Bedingungen schuf, die die gante Welt in den tragischen Jahren 1914 18 nah« an den Ruin brachte.' Zusammenfaffeud fällt der Verfasser folgendes Urteil:Oesterreich wünschte keinen europäischen Krieg, Serbien verdient« di« angebetene Strafe. Die österreichi­sch« Politik war wesentlich für die Sicherheit d»r Doppelmonarchie und eS bestand keine Be­rechtigung für die russische Mobil- ut a ch u n g zugunsten Serbiens Die Tatsache besteht daß der serbische Zwischenfall von 1914 nicht- anderes war. als ein Ereignis im Bal­kan, auf das Frankreich und Rußland zumin« besten zwei Jahre gewartet hatten, in der Hosf- »ung auf einen glücklichen Zeitpunkt zum Ausbruch allgemeiner europäischer Feind­seligkeiten. Diesem Urteil haben wir Deutsche recht wenig hi izuiufüge». Es deckt sich durch­aus mit den Verlautbarungen amtlicher deut­scher Stellen Unteren Worten bat man nicht geakaubt Vielleicht wird man sich doch ieksseits her deutschen Grenzen dazu beguemen, jetzt den Feststellungen eigener Landsleute einen größe­

ren Wert beizumessen. Zur Befriedung würde daS unbedingt mehr beitragen, als die schönsten Reden Ützer die Bereitwilligkeit an der Versöh­nung tratguarbeiten.

Auch Geßler nmtsmüSe.

Sein Eintritt in die neue Regierung?

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 4. Dezember.

Einer Korrespondenzmekdung zufolge soll Roichswehrminiftcr Dr. Gehler dem Reichs­präsidenten mitgeteilt haben, daß er bei der Neubildung des Kabinetts nicht mehr mit einem Amt« betraut werden wolle.

Es kann lange bauern.

Noch fein Ausweg in der Regierungskrise.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 4. Dezember.

Rach dem bevorstehenden Rücktritt der Reichs­regierung erwartet man zunächst, daß Reichs­kanzler Dr. Luther mit der Neubildung des Kabinetts beauftragt wird. Die Wiederkehr eines Kabinetts LutHer würde demnach au> jeden Fall bedeuten, daß die neue Regierung genau dieselbe Außenpolitik treiben wird, die sie in den letzten Monaten auf dem Wege der Lorarno-Politik eingeleitet hat. Die Rückkehr Dr. Luthers wird namentlich von der Volkspartei gewünscht, die damit das Ziel ver­folgt, die Faden der Zusammenarbeit mit den Deutschnationalen in der Land zu bebalten, Da ihr der Weg der großen Koalition nicht gegeben crfajelnt Die Besprechungen der letz- len Tage galten immer noch der Frage Der gro­ße« Koalition, es ist aber auch gestern ein Fort­schritt dabei nicht zu verzeichnen gewesen. Vor ouSflchiliche Beswlüsie sind vor der Sonnabend Sitzung deS Kabinetts Luther nicht zu erwar­ten. Die innere Krise dürfte noch di« ganze kommende Woche über anbauetn. Tenn auch auf der andern Seite will die Sozialdemokratie nichts dazu tun, um die Verlegenheiten der Re­gierungsparteien zu erleiüstern, sondern ist nach wie vor gegen ein Kabinett Luther. Eine Regierung, die weder auf die Unterstützung von rechts noch von links rechnen tarnt, wird schwerlich auch nur einen Tag am Ruder fein könne«, sodaß man v-irläufia nod» nicht zu sehen vermag, auf welcher parlamentarischen Ba- iS ein neue« Kabinett Luther ruhen könne.

Wenn bas so Wetter gebt.

Keine Tawesgelder bei Einfuhrsperre.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 4. Dezember.

In einer deutschnationalen ReichstagSan- rage heißt eS u. a.: Seit der Ratifizierung der Dawesgeietze erfuhr die englische Handelspoli­tik Wandlungen zum Nachteil Deutschlands, welche die Durchführbarkeit immer nnwahr- ckeinlicher machen. Ta auch die meisten übrigen Stanten ihre Absperrungspolitik gegenüber der deutsche» Einfuhr entweder verschärft oder nicht gemildert haben, fragen wir die Reichsregie- rung, ob sie den ausländischen Stellen den Be­weis liefern soll, daß es Deutschland in steigen­dem Maße unmöglich gemacht wird, einen wirtschaftlichen Ueberlchutz" im Sinn» des Dawesgutachtens als Voraussetzung für jede Reparationsleistung zu erarbeiten.

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Immer neue Sinfudrzvlle.

London, 4. Dezember. (Privattelegramm.) DaS Unterhaus nahm mit 213 gegen 129 Stim­men den Antrag der Regierung betressend Auf­erlegung einer Einfuhrabgabe von 33% Pro­zent auf Handschuhe an. Weiter wurde die Regierungsvorlagr angenommen, bet gleichen Einfuhrzoll auf Messerschmiebewaren legt. Auch der Einfuhrzoll für Glühlampen ging durch.

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Englands lSumm'q tellen.

London, 4. Dezember. (Eigener Drahtbe­richt.) Das Koioniolomt teilt mit, daß Der Prozentsatz der Durchschnittserzeugung von Gummi, der auf Ceylon und den malay- ischen Inseln ausgeführt werden darf, für das nächste Vierteljahr auf hundert Pro­zent erhöht werden kann.

Meterhoher Schnee.

Unfälle und Abenteuer auf dem Vogelsberg.

(Privat-Telearamm.)

Lauterbach, 4. Dezember.

Im Vogelsberg hat die Schneedecke unge­wöhnliche Maße angenommen. Ein Meter bis

1,20 Meter sind keine Seltenheit. Zahlreiche Kraftpostverbindungen wurden eingestellt. Bei Zeilbach blieb ein Gastwirt vor Erschöp­fung irnDchneestecken und mußte die Nacht unter einem Baum verbringen. Erst am näch­sten Morgen konnte er von einer Rettungs­expedition geborgen werden. Auch sonst werden zahlreiche Unfälle gemeldet. So machte die Schützer Kraftpost eine R u t s ch p a r- t i e in den Straßengraben die glücklicherweise ohn« Schaden für die Insassen verlief.

Em Geschenk für Beamte.

Ein halber Monatsgehalt am 15. als Abfindung (Privat-Telearamm.)

Berlin, 4. Dezember.

Mehrere Blätter melden, daß in parlamen­tarischen und amtlichen Kreisen die Absicht be­stehe, den Beamten angesichts der Notlage am 15. Dezember einen halben Monatsge­halt als einmalige Winterbeihilfe auszuzahlen. Dieser Zuschuß soll eine Abfin­dung bis zum 1. April 1926 darstellen. Ein dahingehender Vorschlag soll im 24er Ausschuß gemacht werden. Vorher wird am Dienstag abend die Berliner Beamtenschaft eine öffent­liche Kundgebung für die Behebung der Not­lage, in der sie sich befindet, veranstalten.

Di« 2Irbe tft.ofen bis so. Sun) besorgt.

Wien, 4. Dezember. (Eigener Drahtbericht.) Der Nationalrat hat gestern die B e r l ä n g e- r u n g des ArbeitSlosenunterflützungSgefetzes bis 3u Juni 1926 beschlossen mit der Maß­gabe, daß beim Anwachsen der Zahl der Mehr­aufwand über den Beitrag von rund zwölf Millionen Schilling auS Beiträgen der Ar­beiter, Unternehmer und Gemeinden fließt.

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Fürst B smarck bei Soostdge

Washington, 4. Dezember. (Funkdienst.) Der Reickstagsabgeordnete Fürst Otto von Bismarck wurde gestern in Gegenwart deS deutschen Bot- 'ckafters vom Präsih-nten Coolidge in längerer Privataudienz im Weißen Gaus empfangen.

Alles öorwett so teuer.

Die Valutakrise in Polen.

(Eigene Drodtmelduna.)

Warschau, 4. Dezember.

Trotz der neuerlichen Befestigung des Zloty­kurses geht durch ganz Polen eine heftige T e u e r u n g S w e l l e, die fast alle Artikel des täglichen Bedarfs umfaßt. In den Lebensmit­telgeschäften werden die Waren mit einem Aufschlag bis zu hundert Prozent ver­kauft. Die Sozialdemokraten fordern die Be­kämpfung deS Lebensmitelwuckers mit den al­lerschärfsten Mitteln, unter anderem durch ein Getreide - Ausfuhrverbot.

Abgeschlagener Drusenfturm

Das Orakel des OberkommiffarS.

(Eigener Drahtberichk.)

Paris, 4. Dezember.

Havas berichtet aus Beirut: Ein heftiger Angrif fder Drusen gegen den Wefiokckani; Angriff der Drusen wurde mit beträchtlichen Ver­lusten für die Drusen zurückgeschlagen. Es ge­lang aber den Drusen, die Vereinigung Dieser französisck?en Abteilnugen mit den vom Süden anrückenden zu verhindern. Oberkommissar b« Jouvenel sagte bei seinem Amtsantritt: -riebe für biejenigen, die Frieden wünschen. Krieg für diejenigen, die Krieg wünschen! Das ist Frankreichs Grundsatz.

DanderveldkS Lroft.

Briand will erleichtern. Ei» Kreditgeschäft. (Eigen« Drobtberickn.)

Brüssel, 4. Dezember.

Bandervelde erklärte nach feiner Rückkehr auS London Pressevertretern, die Deutfchen hätten in London verfucht, für die besetzt bleibenden Ge­riet« eine wirkliche Erleichterung der Besetzungslaften zu erhalten. Er habe den Eindruck, daß Briand geneigt sei, dar­auf einzugehen Der belgische F i n a n z Mi­nister erhielt in London die zur Stabilisierung der Währung erforderlichen Kredit«.

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Fort mit btn SamUlrntrotz!

Paris, 4. Dezember. (Eigen« Drabtmrldung.) Einem Blati zufolge soll General Guillau- m a t ersucht worden fein, zur Verminderung der Bosetzunaslasten dafür zu sorgen, daß nur -in gewisserProzentsatz deSBesatzungs- Heeres verheiratet sein darf.

GünMina örs SMcks.

Ernstes und Heiteres von dem großen Briand.

Von Le-atm

Sei« GeselllSattsraoa in London. 8Be Briand hetitamml. (Sin zärtliches Sntermezzo. Der Advokat als Streit!)eiter. In sieben Jahren em diel. Frankreichs bester Redner. El» Llcb- baber des zarten Geschlechts. In alle« Sätteln gerecht.

Herr Aristide Briand hat sein Meisterstück gemacht, denn er ist als M inisterpräsi- bent über den Kanal zur Unterzeichnung ge­fahren und nicht nur a'S einfacher Minister deS Aeußern. So etwas ist durchaus nicht gleich­gültig; denn auch in den modernen Demokra­tien des 20. Jahrhunderts gibt es Rangun­terschiede, und Herr Briand rangiert bei den Londoner Feierlichkeiten nunmehr auf glei- cker Stufe wie Baldwin und Luther. Man sage nicht, daß der gesetzte, ein wenig be­häbige Herr mit dem nicht sonderlich diszipli­nierten und nicht sonderlich gut geschnittenen grauen Haar und mit dem herabhängenden Schnurrbart, der in seinem Aeußern bis zum heutigen Tag noch einen Stich in8 Pro­vinzielle hat, angesichts der ihm innewoh­nenden Machtfülle auf solche Aeußerlichkeiten keinen Wert lege. Herr Briand hat Zeit seine» Lebens immer genau gewußt, was er wollt«, und wenn er auch sicherlich niemals ein gewöhn­licher Streber war, so hat dieser beste Men- schenkenner unter den derzeitigen französische« Staatsmännern doch immer das Rechte getan, um feinen Rang und sein Ansehen zu ver­mehren. Er hatte, indem er mit

geheimen Abgesandten Kaiser Karls - über den Frieden verhandelte, später unter bent*«,, Kabinett Clemcnceau Kopf und Kragen riskiert;^ aber während der Tiger wegen des gleichen Verbrechens" Caillanx und Malbh verhaften und den Prozeß machen ließ, wagte sich der Ge­waltige an Aristide Briand nickt heran, obwohl sich die einstige Freundschaft der Beiden langst in bittere Feindschaft verwandelt hatte. Frank» reichs derzeitiger großer Mann hat es freilich in den Anfängen seiner politiscken Laufbahn noch viel schwieriger gehabt», stammt er doch aus äußerst bescheidenen Verhältnissen. Sein Vater war ein

kleiner Gastwirt in Ranies, der mit der Mütze auf dem Kopf hinter dem Schanktisch stand und der in der französischen Ptovinzstadt eine jener WinkelvergnügungSstät- ten unterhielt, die man in Deutschland Ani- mierkneipe mit Varietebetrieb nennt. Mit dem elterlichen Lokal war eines der klein­sten Hotels verbunden, in denen die Gäste selten allein abzusteigen pflegen. Allzu sehr mit ethi­schen und moralischen Grundsätzen beschwert, wird der junge Briand von seinen Eltern also wohl nicht in die Welt entlassen worden sein, immerhin, sie taten etwas für ihren Sprößling und ließen ihn Jura studieren, so daß sich Ari­stide Briand in Saint-Nazaire als Ad­vokat niederlassen konnte. Eine unangenehme Affäre machte ihn in der kleinen bretonischen stadt unmöglich; ein Feldhüter hatte ihn in einer allzu zärtlichen Situation nebenbei be­merk, mit der Gattin eines Appellationsge­richtsrates überrascht und dergleichen wirb in Frankreich mit Gesang ni s bestraft. Bri- and ging nach Paris und setzte schließlich i« dritter Instanz auch seinen Freispiuch durch. Aber das änderte nichts daran, daß eS ihm einige Jahre hindurch außerordentlich schlecht ging. In Saint Storni re hatte er sich dem Syndikalismus uud radikalen S»;ialis- mus in die Arme gewcr en und als er nach Pa- riS kam ging ihm bereits ein Name als Agi­tator voraus. Er wurde der

Verkünder be8 Generalstreiks.

er organisierte die Verbände der Gewerkschaf, ten, und als sozialistischen Generaksekre- t ä r wählte ihn im Jahr- 1902 die Fabrikkia vt Saint-Etienne in die Kammer. Der anarchi- stlsch-sozialiftische Heuer wurde il§b ilb Bericht- erstattet über das Geletz der Trennung von Kirche und Staat und Briand zeigte bei dieser Gelegenheit vor der breitesten Oes- fentlichkeit seine parlamentarischen Fähigkeiten. Als das Trennungsgesetz in Kraft «rat, wußte man zu dessen Turchkühruna keinen geeignete, ren Mann als Briand zu finden; so wurde er un Jahre 1906 Unterrichtsminister und drei Jahre später im Juli 1909, Minister- Präsident. Sieben Jahre nur hatte dieser Mann gebraucht, um vom neugebackenen Depu­tierten bis zum höchsten Amt in der Republik aufzusteigen. Die Gabe, der Briand seine Kar- riere verdankt, ist neben seiner Menschenkennt­nis seine Beredsamkeit. Seit Jaures Tod ist cr der b e fi e R e d n e r im Palais Bourbon,