Kajsckr Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Freitag, 20. November 1925
15. Jahrgang
Einzelnummer 10 $f„ SanntagS 15 Pf.
Las llaterhms stimmt für Mkerreichaung
wird umso stärker geschehen, als der französischen könne die Schiedsgerichtsbarkeit entscheiden. Auch Abrüstung notwendig die polnische und tschechi- die Grenzen tn Europa bildeten einen
Teil des öffentlichen Rechts und eine Aende
sche, vermutlich auch die rumänische und 6te der
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rnng könnte nur durch gemeinsame Uebercinstimmung und friedliche Regelung erzielt werden. Durch die gegenwärtigen Ber-'
träge würde der Versailler Betrag nicht berührt. Tie Umstande, die zur Ruhrbesetzung
führten, würden auf Grund der neuen Verträge dem Schiedsverfahren unterliegen. Europa habe jetzt einen neuen Weg beschritten. Das beweise der Geist, in dem in Locarno gearbeitet wllrde. Ehamberlain bat nochmals um Zustim- vmng des Hauses für das Vertragswerk.
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Das Gewenft ber Änflation
Wie man Painlevös Sanierungswerk zerpflückt.
(Eigene Drabtmelr.ung.t
Paris, 19. November.
In der KammerdHalle über die Sanierung erklärte Abg. N i c o l l e (schärfste Opposition): Es bedeute eine ernste Grsahr für die Tätigkeit der Ration, dem Handel und der Industrie euren Teil des Betriebskapitals zu entziehen, um es dem Staat zu geben. Auch gegen den Gedanken, die unproduktiven Vermögen zu besteuern, wandle sich der Redner mit dem Bemerken, diese Steuer werde die Franzosen zwingen, sich eines Telles ihres Vermögens zu entledigen, was dahin führen könne,
Kein Wrderwnrch km ReiO.
Reichskanzler und LänderchefS tagen.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 19. November.
3« der feit heute vormittag tagenden Konferenz der Ministerpräsidenten teilte der Reichskanzler mit, daß sich das Kabinett ent» schlossen habe, daS Vertragswert von Locarno am L Dezember in London durch Kanzler und Aussenminister unterzeichnen zu lassen. Der Reichspräsident habe diesem Beschluß zuge- fttmmt. Miu.-Dir. Dr. Gauß gibt juristische Erläuterungen. Die Mitteilung, daß verschiedene Jahrgänge der Schutzpolizei in den Zentren kasernisiert werden sollen, bestätigt sich. Auch die Brrwaltungsmatznahmen im geräumten Köln und im besetzten Gebiet werden erörtert. Mlan nimmt in diplomatischen Kreisen an, daß die heutige Sitzung völliges Einverständnis der Länderminister mit dem Vorschlag der RelchSregierung ergeben wird.
Nach seiner Einberufung wird der Herr At- tachee als solcher mindestens dreiJahre beschäftigt, und zwar aud.rthalb Jahre an einer deutschen Botschaft, Gesandtschaft oder einem Konsulat, den Rest der Zeit im Auswärtigen Amt. Während der Beschäftigungszeit in diesem muß er noch an verschiedenen Hochschullursen teilnebmen. Die Hauptvrüfuitgsegbiete sind, abgesehen von Sprachen (Französisch u. Englisch), Geschichte, Volkswirtschaft, Praktisches Wirtschaftsleben und Staats- und Völkerrecht. Doch ist die Reihe der Prüfungen für den armen Attackre noch nicht zu Ende. In der oft mehrere Jahre betragenden Zeit zwischen der Mle- gung des Examens und der planmäßigen Anstellung kamt eine Entlassung ohne Angabe von Gründen erfolgen. Erst wenn der Attache« zum etatsmäßigen Legationssekretär oder Vizekonsul ernannt worden ist, gehört er endgültig zu den Beamten des auswärtigen Dienstes. Vor dem Kriege gab es außer den diplomatischen Attachees noch eine Reihe von Frnh- attachees, die Handels- oder landwirtschaftliche Sachverständige genannt wurden. Außerdem waren jeder Botschaft und größeren Gesandtschaft Militär- und Marineattachees zugeteilt. Nur die deutsche Botschaft in Washington hat noch zwei Fachattachees, die jetzt die Anttsbczcich- uung Handels- b?zw. Finanzrat führen .. Daß Militär- und MarincattacheeS so lange nicht notwendig sind, als die durch den Versailler Frieden auferlegten Rüstungsbeschränkungen bestehen, liegt auf der Hand. VorkriegsattachceS wurden in zwei Kategorien eingeteilt, in diejenigen, deren Schwergewicht im g e s e l ls chaft- lichen Leben, in Arrangements von Festlich» keiten und in Adsutantendiensten beim Botschaf- ter und der Botschafterin lag, und in die ziemlich kletne Zahl derjenigen, die arbeiteten ynd etwas von oben herab Arbeitsattachees genannt wurden. Die Kategorie der Vergnügungsatta- chees ist gottseidank beseitigt. Es gibt an beut» scheu Missionen nur noch Arbeitsattachees. die etwas leisten, und daher in mancher Beziehung -ine bessere Vorbildung für verantwortungsvolle Posten erhalten als ihre Kollegen von dazumal.
Fall unmittelbarer Gefahr entstanden ist. In genau derselben Lage ist die italienische Regierung. Ich zweifle nicht, daß in der Praxis beide Garanten sofort ihre Meinungen austau scheu werden, und wahrscheinlich werden auch die Garantierten Mächte bestrebt sein, die Ansichten der Garanten zu kennen, bevor sie irgendeine Aktion unternehmen. Ehamberlain schloß: Wir ersuchen das Haus, die Ratifizierung von Locarno zu billigen, im Glauben, daß wir die Kriegsgefahr und die Grundlage der Versöhnung und Freundschaft mit denen legen,die eben noch unsereFeinde waren.
Dom Unterhaus bereis angenommen.
London, 19. November. Das Unterhaus hat den AbänberungSantrag der Arbeiterpartei zu dem Anträge Chamberlains, der die Ratifizierung deS Vertrages von Locarno billigt, mit 332 gegen 130 Stimmen abgelehnt. Das Unterhaus nahm darauf den Antrag Ehamberlain , wonach die Ratifizierung deS Vertrages von Locarno gebilligt werd, endgültig mit 375 gegen 13 Stimmen an.
Der Herr Macher.
Wer sich zum Diplornaten eignet.
3«6et 6at Sntriit — Vorurteile ooa geller». Besondere Gaden. — Es wird viel verlangt, idochnotseiuliche Erame«. — Der verschwundene Militärattache. — Heut« wird gearbeitet.
Der schon im kaiserlichen Deutschland immer wieder erhobene Schrei nach einer Reform des auswärtigen Dienstes ist für seine Rekrutierung wenigstens nicht unverhallt geblieben. Der Unterschied in der Vorbildung der D i p l o m a t e n und der Konsnlarbeamten ist beseitigt, die Attachees werden je nach ihrer Vorbildung nach den Sätzen der Beamtengruppen 7 bis 10 besoldet, so daß die Vorbedingung eines Pri- valvermögens das mindestens ein festes Einkommen von zwölftausend Mark jährlich gewährleistete weggefallen ist. Heutzutage kann j e- d e r, der dazu befähigt ist, als Attachce angenommen werden. Aus dem Papiere wenigstens lind Konnexionen, Familienbeziehungen, Namen und Korvsbänder bedeutungslos geworden. Die erste Vorbedingung sür den Eintritt in den auswärtigen Dienst des Reiches ist eine aogc- schossene Hochschulbildung, d. h., es wird zum mindesten der nationalökonomische Doktor oder der Dr. jur. verlangt. Bevorzugt werden @c richtsasscssoreit. Eine andere Vorbedingung ist das Bestehen einer Prüfung im Englischen und Französischen, b. h. der Beweis der völligen Beherrschung dieser beiden Sprachen. Ferner werden gewisse persönliche Eigenschaften und Fähig- keilen verlangt, wie die Kunst der Menschenbe- bandlnng, sachliche Beobachtungsgabe, die Fä- higkeit, sich in dre Denkweise fremder Nationalitäten einzuleben nsw. Großer Wert wird endlich darauf gelegt, daß der Ättackee vor seinem Eintritt in d-n auswärtigen Dienst bei einer der Zweigstellen des Auswärtigen Amis für Außenhandel (Neichsnachrichtenstellen) bei einer Landwirtschafts- oder Handelskammer oder anderen Wirtschaftsverbänden längere Zeit praktisch gearbeitet hat.
Balkanstaaten folgen wird. Polen ist wirtschaftlich schon nicht mehr vor d:m Zusammenbruch, sondern mitten darin. Die bekannte polnische Gemütsverfassung will das nicht sehen und immer noch von großer Politik reden. Die Tatsachen werden aber stärker fein, als das polnische Gemüt.
Gefühle spielen in der großen Politik gar keine Rolle, sondern Interessen. Der Kamps, der jetzt in Frankreich nm die Finanzreform geführt wird und der in der französischen Geschichte in dieser Form und in diesem Ernst etwas Unerhörtes ist. wird die französische Politik, sowohl was den Osten als auch was die Abrüstungsfrag? betrifft, immer mehr in die Linie der englischen Wünsche drängen. England und Amerika sitzen am längeren Arm des Hebels, und eine Politik, die wirklich das Geld der Großbourgeoisie gekostet hätte, ist in Frankreich noch nie gemacht worden. Sie wird auch in Zukunft nicht gemacht werden!
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DK Noi als Tugend.
Frank, Frankreich und die „Rückwirkungen".
(Von Dr. Paul Rohrbach.)
Ms in Locarno, kurz vor dem Abschluß, eine Krise eintrat, weil die Franzosen nicht davon abgehen wollten, auch ihre Verträge mit Polen und der Tschechoslowakei unter das Dach eines Garantiepaktes zn bringen, verkaufte die Bank von England an einem Tage für dreinndzwaa- zig Millionen französische Franken — keine große Summe, aber genug, um bei der Schwäche oer französischen Währung den Frankenkurs weiter zu verschlechtern. Caillanr eilte von Nizza nach Paris mit den zornigen Worten, er wisse wohl, wer den Franken unterminiere! Tags daraus war der sranzöflsche Verzicht da. Es blieb die Frage der .Rückwirkungen*. Der Frankenver- kaus der Bank von England war ein kleiner Ruck an der Kandarre, der Frankreich daraufhin aufmerksam machen sollte, an welchem Punkte es abhängig von England ist. Außerdem aber wurde ihm auch ein Stück Zuckerbroi gezeigt: das bekommst Du, wenn Dn vernünftig bist und .Rückwirkungen* eintreten läßt, die Eindruck aus die Deutschen machen! Das Znk- kerbrol aber hielt nicht England selbst in ber Hanb sondern ein anderer. England konnte nv- versz rechen, daß es dem andern gilt zure>>n würde.
Nummer 271. Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf.
Noch eine Do'chftoßmfete.
Bevor bas Urteil fällt.
München, 19. November.
Ter Verteibiger bes beklagten R.dakteurs Gruber trat den Ausführungen bes gegueri .wen Anwaltes, Grafen Pestalozza, cmg. gen. baß in bem Münchener Prozeß seftgestcltt worben wäre, baß bie USP. nicht nur ein? rnrr - lische, fenbern auch eine juristische Berant Wartung für bi? Meutereien trage. Tie Bor- ivürfe gegen bie eoiialbcmotratb? seien erst vor Gericht gegen die USP. ausgesvielt morden. Sin zweites Moment der Geschichtsfälschung sei darin
Die Qlrbeit rpartei stimmt für Locarno.
London, 19 November. (Privattelegramm.) Bei der gemeldeten Abstimmung im Unterhaus timmte die Mehrheit der Arbeiterpartei ü r C h am b er la i n S Antrag unb etwa 25 Mitglieber enthielten sich ber Stimm«. Dies Ergebnis wurde mit Gelächter und Beifall auf- genommen.
teil aller butih Fernsprecher au'oeaebenennötigen. fowie für Aufnabmebateii unb i-latze fonn Bi*' garantier' werben. Für Anzeigen mit befonbetem lchwl«. rtflem Sav ton -ittnäeni «uffchlas. Druckerei: Schlack, tbollltak« »080. Geschäft», llelle »61-sfche Strafte 5. teaennber ber Soohrftrahe Fernsprecher 951 und 95?.
Chamberlain als Advokat.
Er zerstrent die letzten Bedenke«.
(Eigener Drahtbericht.)
London, 19. November.
Das Unterhaus war bei Eröffnung bei Loearnobebatte durch Chamberlain dicht gefüllt. Der erkrankte deutfche Botschafter Dr. Sthamer war durch Botschaftsrat Dufour- Feronoe vertreteli. Chamberlain brachte feinen Ratifi- zierungsantrag für Loearno eilt Er unterstrich, daß keiner der Oppositionsanträge das Locarnoabkommen kritisiert oder die eiageganoenen be schränkten Verpflichtungen bekämpft. Wertvoller als das Abkommen fei der Geist, ber bereits in den internationalen Beziehungen sich aiiswirke. Chamberlain fuhr fort: „Wir sehen Locarno nicht als ein Ende der Arbeit, der Befriedung und Verföhimng, sondern als ihren Beginn an." (Beifall.) In dem Fall, daß eine der Parteien durch eine Aktion ihren Verpflichtungen zuwider handelt, und man den Völkctbnnbspntch nicht adwarten kann, so steht der britischen Regierung der eigenmächtige Entscheid zu, ob ein
Europa soll richten.
Chamberlain bei der UaterhanStanfe.
(Eigener Drahtbericht.)
London, 19. November.
Nach der Debatte führte Chamberlain im Unterhanse u. a. aus: ES könne keine Rede davon sein, daß in Locarno eia neues Gleichgewicht der Machte, etwa mit einer Spitz«- gegen Rußland oder nur ein Gleichgewicht »wischen Europa und Asien, gebildet worden sei Die neue Schiedsgerichtsbarkeit zwi- scken Deutschland und seinen Vertragspartnern umfasse jeden zwischen diesen möglichen Streit. Die Verträge, einschließlich des Versaillers, seien Teile des europäischen Rechts. Rich: über ihren Inhalt, sondern nut über dir sich ans ihnen ergebenden Verpflichtungen
Die Räumung von Köln und die zu erwartende Herabsetzung der französischen Besatzung-- stärke im Rheinland bedeuten, wenn man sie mit den Zeiten des Poinearismus vergleicht, ein entschiedener Fortschritt. ES konnte also auch eine Prämie dafür versprochen werden. Der Vermittlet war, wie gesagt, England. Sowohl von englischer als auch von amerikanischer Seite betrachtet man aber den Rückzug der Franzosen im Rheinland nur als einen Anfang, oder. Wenn man will, als eine gewisse Fortsetzung nach dem Londoner Abkommen vom Sommer 1924. Die Zauberformel, mit der die französische Regierung ihren Sparer fünf Jahre lang bewegen konnte, dem Staat immer neu Gelder langfristig zu borgen. hieß: „Se Boche pahera tont!* Damit war eS fett dem Abkommen von London zu Ende. Der frostige und überhebliche Ton der Noten, in denen die Botschasterkonferenz ihren Schriftwechsel mit der deutschen Regierung wegen der angeblich tmmer noch nicht genügenden Entwafl- nung und wegen der Räunmna von Köln geführt hat. zeigt, wie gering aus der französischen Seite dar innere Bedürfnis nach der nominell proklamierten Aufrichttgkett und Versöhnlichkeit im Verkehr mit Deutschland Ist. lieber diese Tatsache ist man sich In England klarer als selbst in gewissen deutschen Kreisen. Man siebt das deutlich in der ernsthaften englischen Presse. Am Ta. ge bevor ber Räumungstermin für Köln bekannt- gegeben würbe, wieS ein Artikel auf bie Stärk? der französischen Armee von mehr als 700000 Mann bin. und auf den Unsinn, von d?n R e p a- rationSgeldern einen großen TeU für die Kosten der Befatzuna im Rbeinlande zu verwenden. DaS wahr Ziel ber englischen wie ber amerikanischen Politik wirb erst erreicht sein, wenn der französische Militarismus soweit av- gerüstet hat. baß ein bedeutender Teil des setzt für ihn verpulverten Gelder in bie Kanäle von Weltwirtschaft unb Welthandel hineinfließt. Das
Der andere ist Amerika, unb gleichzeitig mit der englichen Bekanntgabe des Ränmnngs- termins für Köln und der E r l e i ch t c rn n - gen für das besetzte Gebiet wurde auch die Decke fortgenommen, die für die Oefsentlichkeii auf dem Zuckerbrot lag: Amerika hat eingewilligt, für bie Verhanbiungen über bie f r än z ö- sische Schnlb eine günstigere Grundlage zuzugestehen, als bie war, mit bereu Mitteilung vor einiger Zeit Caillanr nach Hause geschickt würbe. Als Caillanr in Amerika reiste unb ber amerikanische Senator Borah, gewissermaßen zur Begrüßung, eine scharfe Rede gehören hatte, bie Franzosen sollten sich nicht einbil- ben, baß bie amerikanische Nation ihnen Geld schenken würde, schrieb ein Pariser Blatt: Wenn Borah unser Geld will, so will er es nicht, weil er es nötig hat, sondern well er uns schwächen und verhindern möchte Krieg anzufangen. Er denkt sich, daß das eine gereckte Strafe, vielleichi auch ein Vorbengemittel sei. Mit welchem Rechte mischt sich dieser Charlie Chaplin Salbader in unsere Angelegenheiten? Ist Uncle Sam durch den Krieg der oberste Richter der Well geworden und müssen die Europäer als demütige Vasallen an ihm vorbeimarschieren unb vor seinem Hansen Golb niederknien? Vielleicht wäre es nicht so übel, wenn Caillaux bie Amerikaner seinen Rücken bewnubern ließe. Es würbe uns freuen, wenn er eS täte.* Das Motiv ist beka int: man will in Amerika ans geschäftlichen Grün- den ein wirklich befriedetes Europa haben, und man weiß, daß davon keine Rede sein kann, solange das militärische System In Frankreich herrschend bleibt.
daß es vom Auslände zu nichtigeren Preisen auf getauft werde. Augenblicklich nehme der Staat der Industrie siebzig Prozent Ihres Nutzens weg, das heiße den Unternehmergeist v e r n ichten. Der Staat dürfe nicht am Nutzen btt Industrie und des Handels beteiligt fein. Ans einen Zwischenruf Painleves erwiderte Nieolle: Jawohl, bas ist bet Fall. Der soziallstlfche Gebanke breitet sich aus unb wirb allmählich hierzu führen. Er forberte bie
glatte Ablehnung des Gesetzeutwurfs.
Abg. Marcel Heroub wanbte sich ebenfalls scharf gegen ben Regiernngsgefetzentwurf. Der Berichterstatter machte bann für ben Entwurf gelienb, daß das Land nur frei werbe, wenn bie fchwebenbe Schnlb amortisiert wirb, unb bazu solle bie A m o r t lsati o nSkasf e bienen, bie ben Zweck habe, nicht nur ben Franken, säubern auch ben Wechselkurs durch feste Ankäufe von Staatstenten zn konsolibieren. Abg. Bokanewskl führte bann ans, das, was bie Regierung fordere, sei Inflation. Die Gefahr bestehe, datz man dem Volke Opfer auferlege, ohne in der Lage zu sein, das Nebel, das man heilen wolle, zu beseitigen. Man müsse das abgewanderte Kapital wieder zurückführen.
Heute und um 27. November.
Mann die Entscheidungen über Locarno fallen.
(Prwat-Telegramm.)
Berlin, 19. November.
Laut Pressenotiz wurden am gestrigen Butztag die Borbereiteten Arbeiten an dem Gesetzentwurf über ben Vertrag von Locarno, bet heute den nach Berlin berufenen Staat?« und Ministerpräsidenten ber Länbct unterbreitet werden soll, fortgesetzt. An die heutige Konferenz soll sich sofort eine Sitzung des Reichskabinetts anschlietzen, in der die endgültige formelle Entscheidung über dir Unterzeichnung deS Vertrages In London am 1. Dezember fallen soll. Am Freitag werde Reichskanzler Dr. Luther die Parteiführer empfangen. Nach Beratung des Entwurfs im RcichSttu dürfte bie Debatte im Plenum beS R e i ch S - ages am 27. November mit ber Abstimmung über ben Entwurf beschlossen werden.