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Kasseler Abendzeitung
Di« Man tut iieueftcn Siachrichkea erlebe inen mOtbenilitb lechsma» nacbmuiaae. D" tbonnemenisvr««- beträgt für den Monat 2.- Mk. bet freier Sutten»»« in# van«, in ber töefdjäftf [teile abaeboli tSOMk. Dur» die Poft monatlich 2.00 Mf auoichlieftlich 8uftelluno3aebübr. Berlaa und Redaktion Schlachtbotftrafte 28/811. iternipremer 061 nnd »52. ttfir unverlangt eingekandte Beiträge kann die Re- »artton eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Stalle tibernehteen. Rück» ’A0l«ng der Be,ugsgelde» oder Nntorilcke wegen etwaiger nicht ordnunasmäftiger - teferann ift anrnekchlvften. Poftkchetkkonto Kran Mitt' a. Stein 9?nmmer SW1
Hessische Abendzeitung
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Nummer 270. Einzelnummer IN Pf. Sonntags 15 Pf.
MNttvoch, 18. November 1925 Einzelnummer 10 Pf- Sonntags 15 Pf. 15. IabrflSlkg
Skrcryuski bildet ein Koalitionslabinelk.
Sei wieder du.
WaS uns der Butztag lehrt. Bou
Allel- unH WWW in Ser MM jWirlh-Stegerwald entwickeln ihr Zentrumsprogramm.
Arter Brausewetter.
.Uebrigens aber ist der Mensch ein dunkles SS: fen,* sagt Goethe eimna» zu Eckermann, .er Weitz nicht, woher et komm., noch wohin er geht; er weiß wenig von der Welt und amw nlgften von sich selber.* Diese Heimatlosigkeit unseres Daseins Wirkt jene unbestimmbare, stille Traurigkeit, die so oft rätsclschwer auf uns lastet, gerade dann, wenn wir vielleicht allen Grund hätten, glücklich zu fein.
Das Leben ist der urewige Kampf des Lichtes mit der Finsternis. Das sind Gedanken, die der dunkle Novemberhimmel deS Landes- Buß- und BkttageS mit unabweisbarer Gewalt hervorruft, besonders in so schweren Zeiten, wie wir sie fetzt durchleben muffen. Und vi.lleicht ist «S gut und heilsam, sich solchen Gedanken in aller Beschaulichkeit und Einkehr einmal hin- S'en. Freilich nur dann, wenn wir sie bar zu machen wissen. DaS ist für uns Wohl die grösste Kunst, die uns daS Leben lehren will Alle äußeren Ereignisse im Leben sind nur scheinbar verschieden. Im Grund sind sie eine ewige Wiederholung Nur wa» der Mensch in- uerlich lebt und erlebt, ist fein eigen, ist sein besonderes ©ein. Aus daS innere Leben weist uns Butz« und Bettag. Auf den Kampf, den wir ganz allein mit nnS auzufcchten und zu bestehen haben, den Kampf der oeiden Seele« in uns. Es -i5; i'ttett wxhettbarra Zwiespalt. Faust hat ihn gekannt: Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust ...
Noch klarer nnd scharfer spricht EhristuS diesen Dualismus in seiner bedeutsamen Unterredung mit den Juden aus: ^Jhr seid von unten her, ich bin von oben herab.* Damit zieht er die undurchdringliche Scheidewand zwischen den .von unten her* und den .von oben herab*. ES gibt eben Unterschiede urtb Klüfte, die sich nicht überbrücken lassen. .Don oben herab. Don unten her*. Da» ist eS. In aller Entwicklung und allem Werden hat eS von Anbeginn zwei ursprüngliche, ewig getrennte Kräfte gegeben, die sich nie geeint haben, nie einen werden. Und die Frage ist nur die: Gehören wir zu denen von oben herab? Ober sind wir von dem Geschlecht derer .von unten her*?
Wer die .von unten her* sind? Die Fertigen. Die Satten. Die nur zur Erde zieht die Begierde die nur eine Losung kennen: .Laßt un» effen und trinken, denn morgen sind wir toi* Und die .von oben herab*? DaS sind Me, welche unbefriedigt von der Erscheinungen Armut, der Tage Gleichmaß die höhere Sehnsucht kennen und, von ihr durchglüht, über allem Vergänglichem das Bleibende, über allem Schein das Sein suchen. Die immer Strebenden sind es, denen die Verheißung gilt: .Selig sind, die da hungett und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden.*
Die von .oben herab* sind die Lichtsucher. Die .von unten her* sind, die in der Finsternis nicht nur wohnen, nein, die sie lieben, sich wohl in ihr fühlen und nicht das geringste Verlangen spüren, aus ihr herauszukommen. Der Bußtag führt in die tiefen Gründe der Finsternis, der Dettag aus die lichten Höhen der Gottesnähe. Aber der Butz- und Bettag wäre zwecklos, wenn et nicht auch für die »von unten her* den Weg und die Kraft der Erhebung und Erlösung zeigte. Es gibt ja wohl für jeden Menschen, auch für den der satten Niederung, Augenblicke, wo etwas wie Lichtsehnsucht und Höhenflug in ihm wach wird Wo tn die müde Welt des »von unten her* ein Ton des .von oben herab* wie der Klung einer einmal geliebten, dann verlorenen Heimat schwingt. Das ist das Instrument, auf dem die Gnade ihre Weisen ertönen lätzt. Sir sucht den Suchenden u. leibt ihm Flügel, die ihn über die ekle Erdenschwere, über de» Alltags Rot und Tod zu der nie versiegenden Quelle deS Lebens führt. Sie ist die Sonne, die siegend über dem dunflen Wolkengrab des Butz- und BettagshimmelS aufgebt.
ES ist ein wunderbares, bisher nickt erflär- teS Gesetz der Natur- und der Entwicklung, dass wir alle im Laufe unseres Lebens und unserer Entwicklung von uns selber abkommen. Und das Furchtbare ist, daß so Mancher dann nie wieder zu sich selber zurücksindet. dass er immer der Fremde bleibt, anderen und sich selber kaum noch verständlich. Das unbegreifliche Wunder der völligen Aenderuna eines Menschen aber besteht lediglich in der Rückkehr zu sich selber und ist dann kein Wunder mebr, mag es unS auch als solches erscheinen. Buß- und Bet- taa will den Menschen, der sich selber verloren bat. wieder zu sich selber zu- rückfnhren. Es ist dies da» Fest des großen Stirb und Werde, der Mahnung deS alten Pin
der: .Werde, der du bist!* Erst wenn der Mensch sich selber wiederfindet, beginnt sein eigentliches Leben, vollzieht sich in ihm der geheimnisvolle Ausstieg .von unten her* aus den Niederungen der Finsternis zu den Höhen de» LichteS von oben berab.
Wenn der Bußtag uns, die wir so viel in den Niederungen der Finstc nis wandeln den Begriff der Gnade nahe brächte, uns die Schwingen liebe, aufwärts ihrem Lichte entge- aen uns zu erheben, von ihr geläutert und geklärt, das große Fest des Stirb und Werde in unS zu feiern und zu erleben, dann gälte von ihm ttotz all feistes Dunkels und seiner Schwere das schöne Wort: .Die» ist der Tag, den der Herr macht, Lasset uns freuen und fröhlich darinnen sein!*
Tenn es ist der Tag, der aus der Finsternis zum Lichte führt.
Sin Kabinett blrz'inski.
Einzug der Koalition auch in Warschau.
Warschau, 17. November.
Der Präsident d-r Republik bat den Grafen S k r c z y n S k i mit der Ne u b i l d n n g der Re-
Danzig und die Saar klagen an. — Der Völkerbund als Retter. — Wirth's letzte Attacke gegen den rechten Flügel. — Der treue Republikaner. — Die TrennungKlmio nach rechts. — Was Stegerwald will, — Noch nicht am Ende.
Kassel, 17. November. In der heutigen Dor, mittags-Diskussion beklagte sich ein Vertreter aus Danzig, daß man von all den schönen Worten vom Völkerbund in Danzig noch nichts gehört habe. Wir haben unS bisher den Völkerbund als Schutz der Schwachen, ober nicht als Unterdrücker vorgestellt. Die Zentrumspartei sei der Schrittmacher von Locarno gewesen. Deshalb sehne man den Moment herbei, in dem Deutschland einen Sitz im Völkerbund erhalte, damit der Vertreter nicht vor der Tür zu stehen brauche. SanitätSrat Dr. Jordan betonte als Saarvertreter, daß die Saa r« deutschen Deutsche waren, Deutsche sind und Deutsche bleiben werden. Ein Delegierter aus Bonn sprach seinen tiefen Dank für die konsequente Politik der Versöhnung und des Ausgleichs aus. Darin sind wir alle einig, im Bekenntnis zur sozialen Politik. Stets sei eS so gewesen, daß daS Zenttum die vaterländischen Interessen über die eigenen gestellt habe.
Warum mit Luther?
Stegerwald alS Gegenpol Wirth'S.
Darauf beleuchtete Minister a. D. Stegerwald eingehend die Beziehungen zwischen dem Kabinett Luther und der Zentrums- Partei sowohl, als auch die Unterschiede zwischen ihm und Minister a. D- W i r t b. Rein praktisch seien die Beziehungen zwischen dem Kabinett Luther und der Zentrumspartei nach der Reichspräsidentenwahl enger geworden, um
Extratouren von Rechts abzuwehren.
Die Steuern wären bestimmt ungünstiger geworden, wenn sie von der großen Koalition gemacht worden waren. Der Zolltarif ve- rückirchtigt das Gros der Bauern. Dem Juli- Memorandum habe das Kabinett einmütig zugestimmt. Am Zustandekommen des Re-chs- schulgesetzes fei mitgearbeitet worden. Das Februar Memorandum, das Stresemann abgeschickt habe, würde Wirth niemals abgeschtckt haben. Das das eine nationale Tat gewesen sei, könne niemand sagen, lieber Locarno äußerte sich Stegerwald dahin, daß eS
für Deutschland kein Zurück mehr gebe. Entweder werde er mit Deutschland ober gegen Deutschland angenommen. Die deutsche Außenpolitik müsse den Parteien entrückt werden, da sonst das deutsche Volk als solches nicht aufgeben müsse. Die deutschen Jentrumspolitiker müßten für Locarno sein, lelbst wenn es darüber zur Reichstagsauflösung kommen sollte. Der deutsche Befreiungskampf müsse im Völkerbund geführt werden. Wir stünden vor einer ganz neuen politischen Situation Er, Stegerwald sei kein Rechtspolitiker und t? sei grotesk, dies anzunehmen. Der Unterschied zwischen ihm und Wirth bestände darin, daß sie die Kräfte der deutschen Politik unterschied- l i ch einschätzten. Die Möglichkeiten für eine organische Demokratie seien gegeben. Er sei bereit, zusammen mit Wirth und den Anderen diese herauszuarbeiten. $n der Außenpolitik sei er einig mit Wirth, nicht ganz einig ledoct im Innern. Er bebavere Wirtes Austritt aus ber Partei und es würde ein Unding von
der Partei fein, eine solche Intelligenz aus her Partei gehen zu lassen. (Stürmischer Beifall.)
Alles für die Republik.
Wirths Duell mit Stegerwald.
Hierauf ergriff Dr. Wirth nochmals bas Wort: Die Wiebergewinnung ber deutschen Freiheit fetzt er allem anderen voran. Es hätte in Locarno sogar um die zweit« Zone gehen müssen. StegerwalbS Standpunkt sei u n p o l i t i s ch und führe im Zentrum zu schwersten Auseinandersetzungen. Die Hoffnung auf christlich-soziale Kulturpolitik hätten beide. Eine große Enttäuschung sei die Entschließung der Deutschnationalen in ber Locarnofrage gewesen, tue von einem Jrrwahne befaßen seien. Wirth schloß: „Zentrumsleute geht ins Reichsbanner unb sichert die deutsche Republik.*
«eine »emrtnfchaft nut rech.».
Reichskanzler a. D. M arx führt« dann auS: Die Räumung der Kölner Zone sei keine Folge des Locarno-VertragS, da die Besetzung bis jetzt widerrechtlich ausgedehnt worden sei. Der Weg zur friedlichen Regulierung der deutschen Grenzen im Völkerbund müsse beschritten werden. Jnnerpolittsch gelte daS wohl als wichtigste Grundlage, daß mit der Rechten auf absehbare Zeit keine Gemeinschaft mehr bestehen könne. Die Diskussion dauert fort
Locarno kein Ädeal.
Kritik der englischen Arbeiterpartei.
(Eigener Sonderbericht)
- London, 17. November.
Ein Mitglied der Arbeiterpartei wird bei der Locarnodebatte am Mittwoch in einem Antrag eS als nicht wünschenswert ber-ichnen, dass die Regierung die Berpskichtung übernimmt, eine bewaffneteGarantie für die Grenzen irgend einer europäischen Nation zu übernehmen oder sich in Allianzen einzulaffen, die als anderen Mächten feindselig ausgelegt werden könnten. Das Unterhaus wird ersucht, die Ansicht auszusprechen, daß der Krieg am besten durch die Pflege freundlicher Beziehungen und die Bermeidung von SonderbÜndnissen mit einzelnen vermieden werden könne.
Das Kabinett unterzeichnet.
EntwasfnnngS- und Botschasternote im Kabinett Berlin, 17. November.
Die Reichsregierung ist heute vormittag unter dem Reichspräsidenten zu einem Kabinettsrat zusammengetreten. Es wurde die Botschasternote über die Rückwirkungen und dir Regierungsnote beraten. Zur Entwaffnungsfrage werben Sachverständige der Reichswehr gehört Auch Min.-Dir Dr. G a n tz referierte. Es .'ätzt sich feststellen, datz in allen Fragen zwischen dem Reichspräsidenten unb den Ministern volles Einverständnis herrscht, sodatz das Kabinett voraussichtlich sich heute noch für die U n t e r z e i ch- nnng der Locarno-Berträge entscheiden wird.
gierung betraut — Aus Presseerklärungen SkrrzynskiS geht hervor, daß er die Absicht hat, eine auf eine breite Koalition gestützte Regierung von Parlamentariern zu bilden und bei vollem Gelingen seiner Mission sogar unter Umständen auf den Sabinettvorsitz zu verzichten.
Auch die Kontrolle hört auf.
Köln im Januar frei. — Die letzten Aufgaben (Eigene Drahtmeidung.)
Berlin, 17. Novencket.
Nach Abschluß des gestrigen Kabinettsrates ist die Rote der Botschafterkonferenz über die Räumung unb Entwaffnung eingetroffen, in der eS u. o. heißt: Tie zur Räumung erforderlichen Maßnahmen werden mit möglichster Schncllig teil durchgeführt werden, um die Räumung im Saufe deS Monats Januar beenden zu können. In feder Beziehung wird die deutsch- Regierung die vollste Unterstützung der Kontrollkommission zur Durchführung des Programms finden. Die 'ckon jetzt verminderte Kommission wird voll, ständig znrückgezoaen w-rden, sobald sie ihre letzten Aufgaben erfüllt habe.
NSnamöe Gewalten.
Fehrenbach, Marx, Wirth in der Stadthalle, «et den hoch bis in die Galerie» nnd Gänse «eftanlea Tausende» lotete sande» feinen Einsatz mehr) kitten gestern im groben Stadthallensaal die vielseuanutcn, volitisch abgestemvelten Wortführer des ZentrumsparteitaseS Febre»- dach Mart, Wirth ihr Glaubensbekenntnis ab. Reichskanzler a. D. Fehrenbach leitete die rednerischen Glamleistnnge», denen oft Versah eutgegesrauschte. mit folg. Thesen ei«:
In der christlichen Grundidee, dem Gehorsam vor dem Volkswillen, der Weimarer Verfassung sei die Republik verankert. Auch die erst halb gewonnenen Monarchisten wolle man zu überzeugten Republikanern erziehen. Das Reichsbanner sei keine Institution für ewige Zeiten, sondern nur die Hüterin der Republik gegen rechtsradikale Machenschaften u. könne zur rechten Zeit durch Polizei unb Reichswehr abgelöst werben. Nach der furchtbaren Depression der Kriegs- und Nachkriegsjahre ginge es doch wieder aufwärts unb deutsche Kraft unb Arbeits- freubigkeit würden unS wieder zu einem neuen Geschlecht emporheben Gegenüber dem Büßgang nach S p a a (Fehrenbach selbst war unter den geächteten Deutschen, denen nur Lloyd George zum Schluß ein leichtes Kopfnicken gönnte) sei Locarno ein gewaltiger Fortschritt. Der deutschnationale Austritt au8 der Regierung wird scharf gerügt. Eine Ablehnung würde Deutschland den Haß unb bie Verachtung ber Welt auflaben. Es gälte nicht, neue Totenfelder, sondern ein neues Kulturwerk aufzurichten und Europa für bie nächsten Jahre ber Genesung zuzuführen. Freilich werben wir uns
auf lange mit Geduld wappnen ~ -T müssen. Aber aus Locarno werde daS Hetl für uns und Europa erblühen. — Der LandtagSfüh- rer Geheimrat Porsch gab eine kurze inner- politische Bilanz, bie in Bezug auf Finanzen, Kultus, Schulfragen, Parität usw. noch nicht abgeschlossen sei. Unb bann setzte sich ber noch vor kurzem heiß umstrittene Volksblockfavorit Marx in dialektisch beschwingter» von dunllem Ernst unb launiger Ironie umwölkter Bered« samkeit für seine Parteifreunde unb sein Lieblingsprogramm, bie große Koalition, ein. Rheinischer Humor gepaart mit deutschem Ernst sei die glückliche Blutmischung der Veteranen Porsch- Fehrenbach und auch die seine. Der unpolitische Deutsche müsse beim politischen Geschäft.die trennenden Posten zurückstellen. Denn daS erste Ziel sei, wieder hochzukommen. Weimar sei nach dem Chaos von 1918/19 die erste wahrhaft nationale Tat gewesen (Wirth nimmt in diesem Augenblick unter stürmischen Beifallsgrüßen am Voistandstisch Platz). Marx fährt fort unb rechtfertigt seine frühere London- unb große Koalitionspolitik. Den Austtiit der Deutschnationalen nennt er einen schweren Schlag, ber uns im
Ausland aufs schwerste geschädigt habe. Nach englischer Auffassung käme ihr Verhalten einem Wortbruch gleich, da sie in Locarno bereits zugestimmt hatten. Diese Politik sei hinterhältig unb zwiespältig unb habe seinerzeit bie En 1 en 1 e gegen uns ins Leben gerufen. Die weltgeschichtliche Stunbe von Locarno bürfe kein schwaches Geschlecht finben. Friedliche Einigung zwischen links urtb rechts im Innern fei ihm nickt gelungen. Aber nun stehe ber Weg zur Bölkervereinigung offen. Nur Kriege seien ausgeschaltet, aber nicht friedliche Regelung über bie Grenzen. Die Beseitigung des Völkerhaffes und der Zwietrackt sei eine christliche Idee und darum müffe man den wirtschaftlichen Aufschwung durch den Vertrag anstreben. Gegenüber der Verfassung sei Gehorsam Christen- urtb GeWissenS- pflicht. Unb wie Ebert so fei man auch Hindenburg bie moralische Ehrfurcht schul- big. Ebert sei ein sachkundiger Politiker und ehrenhafter Mann ohne Sckukd und Makel, gegen den jeder Anwurf ein Wahnsinn und Verbrechen gewesen sei. Marx' Blut gerät noch mehr in Wallung bei der Verteidigung der Reichsfarben, in denen der Traum des Jahrhunderts und der große deutsche Gedanke verkörpert fei. der langfam ber Wirklichkeit entgegenreife. Wenn bie Rechtsverbände Ruh« halten und mit der Auflösung vorangingen, so werde das Reicksbanner folgen. Nach wärmsten Dank an seine Wähler bezeichnet Marx die
Wahl Hindenburgs als eine Fügung Gottes. Nun müsse das Volk auf der Verfassung auf» bauen. Urtb erst wenn wir aus bem tiefsten Elenb heraus sind unb glanzvollere Zeiten wie- derkebren, können wir auch unser Haus auf- neue bestellen unb an den Uw- unb Neubau ber Verfassung schreiten. Die Nationalisten in allen Ländern hielten die aesunde Entwicklung auf. Der wahre Fluch der Völker feien die Säer von Zwietracht und Haß. Der Geist