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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Die «Miet«! Weueften 9(ad>nd>i«n euch« tuen wüchenltich «echsmal natbmutoab.

a1 ^bonneoiemsprus beträgt für den Monat 2. Mk- bei fteter Aufteilung tn8 vau? tn der («eftbattaiteUe abqebolt 1.») Mk. Dur» die Poft monatlich 2.00Mk. austchlienlfch HufteUungSaebübr. «ertea und 'Jiebaftion Schlachtbofftratze 28/$ 1. Ä5«. pre?,eTJi81 unil 0k>2. ftftt tinnerlnngt eingefandte Beitrüge kann die Re- daktton eine Berantwortung ober (Seroähr in keinem Halle übernehmen. Rück« !?iTr«n d«s B«,ugSgeldeS ober «nfvriiche wegen etwaiger nicht ordnungSmühiger t ieferttnn f# attSoefrbloffen. tioftfrt>e<ffonto Rranffnr* a. Main Nummer Hwi

Hessische Abendzeitung

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Dienstag, 17. November 1925

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. 15. JabkgaNg

Nummer 269. Einzelnummer IO Pf. Sonntags 15 Pf.

Die Unterzeichner Halten Wort.

Wlrths Rückkehr zum Srntrum in Frage gesteüt.

Zn der Sackgasie.

Polen noch immer ohne Kabinett.

In Polen hat man noch immer kein neues Kabinett gefunden, nachdem GrabSkt die Konse­quenzen aus der Tatsache gezogen hat, dah die nur mit einer ganz geringen Mehrheit erteilte Ermächtigung sür die Durchführung seiner Sa- nierungs- und Anleihepläne nicht das Vertrauen zum Ausdruck brachte, das er erwartet hatte, ym allgemeinen dürfte er sich allerdings auch schon seit langem keiner Täuschung hingegeben haben, daß seine Innen- und Außenpolitik im Warschauer Parlament keine allzu freudige Unterstützung gefunden hat. Man wird nicht lagen können, daß Grabski kein guter Pole fet, der nicht alles zu tun bereit wäre, um sei­nem Baterlande zu nützen. Aber auch Grabski hat die Erfahrung machen müsien, daß real- politischer Denken sich nicht mit nationa­listischer Einstellung so leicht Vereinen läßt. Grabski ist bei seinen Rücktrittserwägungen sich und den Parteien gegenüber ehrlich geblie­ben, indem er in der Begründung seines Rück- trittSgesucheS feststellte, daß er nicht das Ver­trauen der Mehrheit deS Parlaments besitze.

MS Grabski die Ministerpräsidentschaft in Polen übernahm, wurde er als der Retter des Vaterlandes begrüßt und gefeiert. Von ihm er­wartete die nationalistische Mehrheit des polni­schen Parlaments zwei Wunder: die Sanie­rung d er Finanzen und den Ausbau Po­lens zur Großmacht. Beide Wunder konnte er mit bestem Willen nicht wirken. Bevor Polen daran denken kann, die Roll« einer Großmacht zu spielen, ist eS nötig, daß dazu di« nötigen Voraussetzungen geschaffen werden. Diese sind aber heute nicht gegeben, und es ist auch ziemlich unwahrscheinlich, ob sie jemals geschaffen wer­den können. Polen ist ein unnatürliches Gtaatengebilde, künstlich errichtet durch daS Versailler Diktat, künstlich am Leben er­halten durch die Paten, die aus ihm ein gefügi­ges Instrument einer Politik, die gegen Deutsch­land gerichtet war, machen wollten. Polens Grenzen sind unnatürlich. Seine Oft» grenz« wird sich nur solange halt-n, als Ruß­land durch andere Aufgaben davon zurückgebal- ten wird, hier wieder klare Verhältnisie zu schaf­fen. Unnötig zu betonen, daß die Grenze gegen Deutschland in Oberschlesien und Pommerellen ebenso widersinnig ist, wie die Grenzbeziehungen zwischen Danzig und Polen.

Polen ist bis vor kurzem ein nur allzu gefü­giges Werkzeug französischer Politik gewesen. Und Frankreich hat sich nicht undankbar gezeigt. Solange Poincarö die europäische Welt tyrannisierte, Hoffen die französischen Rüstungs­gelder nach Warschau hemmungslos. Aber auch Polen hat di« Erfahrung machen müssen, daß große Worte und Waffengeklirr noch nicht einen Nationalstaat machen. Zn den ersten Jahren konnte Polen noch von den Werten zehren, die deutsche Kultur, deutscher Fleiß und deutsche Wirtschaft im Osten geschaffen haben. Es konnte zehren von dem Raub deutscher Wirt­schaftsgebiete, die ihm die Entente und der Völ­kerbund gönnerhaft in ben Schoß geworfen haben. Das ist eine Weile gan, gut gegangen. Die Folgen dieser Macht- und Raubpolitik fühlt Polen aber jetzt am eigenen Leibe.

Wie im polnischen Staatswesen Einnahmen und Ausgaben allmählich nicht mehr in Ein­klang zu bringen waren, so ergab sich auch bald im polnischen Wirtschaftsleben eine vollständige Desorganisation. Es folgte der Zusam­menbruch der ersten polnischen Währung, die mit Hilfe ausländischer Anleihen gegen Ver- Pfändung polnischer Staatsmonopole durch die Zlotywährung abgelöst wurde. In Polen glaubte man eine große Tat vollbracht zu haben, so daß man wie bisher, sich berauschend in natio­nalistischen Kundgebungen und Drohungen gegen Deutschland, weiter wirtschaftete. Aber bald zeigte sich, daß au* die neue Währung im alten Staats- und Wlrtschaftsbetrieb Polens keinen Bestand haben kann, u"d auch sie ver. sackte. Grabski sollte der Retter sein. Er bat nach vielen verg-.öliUen Verjucren jetzt seine Bemühungen einaestellt in der Erkenntnis, vaß Polen mit vernünftigen Maßnahmen nicht zu helfen ist. Was nun kommet, wird, wer die Leitung und Führung des polnischen Staates übernimmt, ist unbekannt. Man spricht von Skrzhn«ki, dem bisherigen Außenminister. Er hat sich während seiner Amtszeit viel im Ausland umgefeben und dürfte sich davon über- zeugt haben, daß Polen nur gerettet werden kann, wenn es innen- und außenpolitisch zur Vrenunst kommt. Um das zu erreichen, wäre ein kühler und vernünftiger Kops wie auch eine starke Faust erforderlich. Mit der Bekämvfung der sprichwörtlichen polnischen Korruption

müßte eine Zurückdrängung des polnischen Chauvinismus und Imperialismus Hand in Hand gehen. Durch Beseitigung des Rü­stungskollers »nd der Großmanns­sucht einerseits und durch Durchführung äußerster Sparsamkeit könnte sich Polen wieder das völlig verloren geangene Vertrauen des Auslandes zurückgev. innen. Ob ein Mann ge­funden werden kann, der diese Arbeiten zu über­nehmen und durchzuführen bereit wäre?

Die RMwrtturimn fieiO da!

Locarno hat gesiegt.

(Eigener Drahibericht.)

Paris, 16. November.

Wie die Morgenblätter melden, wird die Räumung Kölns im Monat Januar durchge­führt sein. Die Erleichterungen sür das Rheinland begrenzen sich auf folgende Fragen: L Die Ernennung eines Reichskommiflars für das besetzte Gebiet ist zugestanden worden. 2. Die Zahl der Ordonnanzen wird von 300 auf dreißig herabgesetzt. Die Befugnisse der deutschen Gerichte werden ausgedehnt. Die Kompetenz der Kriegsgerichte wird beschränkt. 3. Die Einmischung der Alliierten in die deut­schen Verhältnisse beschränkt sich von nun ab ausschließlich auf die Sicherung der Truppen. 4. DaS Delegiertensystem im Rheinland wird beseitigt. 5. Es werden weitgehende Amnestiemaßnahmen erlassen wer­ben. 6. Schließlich ist auch eine Revision der Urteile der Kriegsgerichte in Aussicht genommen. 7. Die öffentlichen Gebäude werden freigegeben und die Zahl der Besatzungs- truppen wird wefentlich herabgesetzt.

Mo doch am 1. Dezember Räumung beschlossen. MorgenRückwirkungen".

(Eigener DrabtbenLn )

Paris, 16. November.

Havas berichtet: Die Botfchafterkonferenz beschloß gestern, die Kölner Zone am 1. Dezem­ber zu räumen. Die Note über die Rück- Wirkungen im besetzten Gebiet, die gestern abend dem deutschen Botschafter in Paris über­reicht worden ist, wird wahrscheinlich am Dienstag früh veröffentlicht werden. Heute wird das Reichskabinett dazu Stellung nehmen.

Varls ha! versagt.

Ein Franzose für Rückgabe der Saar. (Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 16. November.

Der sozialistische Abg. Mery schreist in einem Artikel: Statt im allgemeinen Interesse zu arbeiten, haben unsere Beamten besonders daran gedacht, dort zu verdienen. Die großen Aus­gaben, die wir gemacht haben, z. B. der Ban von Kirchen und anderes, in einem Lande, das wir nur sehr mangelhaft in der Hand haben, alles das bedeute einen wirklichen Skandal. Die wachsende Unzufriedenheit, die sich in der Bevölkerung und besonders unter den Bergarbeitern zeigt, must uns alle Sympathien rauben. Der Minister des Aeußern müßte also bald prüfen, in welcher eleganten Form man Deutschland as Saargebiet zurückerstatten könnte u. uns den Bezug von Saarkohle sichern.

König ober Vräsident?

Rach den gestrigen Wahlen in Persien.

(Eigener DrahtberiSt )

Paris, 16. November.

AuS Teheran wird gemeldet: Die Wahlen zur Nationalversammlung in Persien sind ohne Zwischenfall verlaufen. Sämtliche Provinzen haben aus der A n e r k e n n u n g des gegenwär­tigen Regierungschefs Riza Khan als Schah bestanden. Der Befehlshaber der Trup­pen von Teheran hat im Namen der Armee Riza Khan gebeten, den Thron zu besteigen.

Es toirö sich bessern.

Die Rückwirkungen Englands Verdienst.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 16. November.

Ein Berichterstatter schreibt: Die brittsche Regierung habe bezüglich derRückwirkungen"

auf eine starke Herabsetzung der Besetzungstrup­pen hingearbeitet. Auch habe sie die Zer­störung der 22 schweren Geschütze in Königs­berg verhindert. Die Entscheidung über die Stellung deS Generals v. S e e ck t sei die ein­zige bittere P ille. Wahrscheinlich werde die Botschafterkonferenz beibehal­ten, aber durch den deutschen Botschafter ver­stärkt werden. Sie würde damit den Charakter einer Bersöhnnngdkommisfion erhal­ten. Eine ähnliche Abänderung sei für das Ver­sailler Militärkomitee in Aussicht genommen

Wlrlh bleibt unversöhnlich.

Kein Wiedereintritt. «Reue Ziele.

(P rivat-Tclegramm.)

Berlin, 16. November.

Wie wir erfahren ist von einem Wiederein­tritt Dr. Wirths in die deutsche Zentrums­partei bis ans weiteres keine Rede. Wirth will vielmehr im Sinne eines republikanisch-demokra­tischen Zentrumsgedankens Versammlungen ab­halten. Im ParteianSschntz war die überwie­gende Stimmung gegenWirth, doch ist dies noch kein Barometer für den Verlauf des Par­teitags selbst. Man sieht dem Auftreten -Dr. Wirths im Plenum des Parteitags, das vor­aussichtlich heute nachmittag erfolgen wird, mit größter Spannung entgegen. Rcichs- arbettSrr.imster Dr. Braun gab einen ausführ­lichen Bericht über die bisherigen Verhandlun­gen wegen der Neubildung der Reichsregierung.

Kassel ffir große KoalMon.

Max-Fehrenbach regieren die Stunde.

Kassel, 16. November. An der gestrigen Sitzung des Ausschusses kam zum Ausdruck, daß der Fall Wirth ohne seine Anwesen­heit nicht erschöpfend geklärt Werben könne und daß die Aufgabe deS Zentrums darin liege, vor allem die Einheit der Partei herzustellen. Reichskanzler a. D. Marx kennzeichnete die po- litische Entwicklung der letzten Wochen. Eine ergänzende Darstellung gab Abg. Fe h r«n b a ch. Die Aussprache klärte sich dahin, daß di« g r o ß e Koalition als Forderung der Zentrums- Partei sich herausbildete. Der letzte Parteibe- schluß, daß in absehbarer Zeit ein Zusam­menarbeiten mit den Deutschnationa­len in einer Regierung unmöglich sei, fand einhellige Zustimmung. Der Fall Wirth soll in voller Öffentlichkeit behandelt werden.

Wan beugt vor.

Der Zentrumstag unter Polizeischutz. (Privat-Telegramm)

Kassel, 16. November.

Die bekannten Zentrumspartei sührer stehen unter starkem polizeilichem Schutz, um einen un­gestörten Verlaus des Parteitages zu sichern. Gestern fuhr Auto um Auto vor der Stadt- Halle vor, die eine gewaltige Menge umlagerte, um die früheren Reichskanzler zu sehen. Um die Stadthalle War l.ne starke Kette Po- lizei gezogen. Vor der Stadthalle selbst gab eS eine scharfe Paßkontrolle.

Gegen Locarno und Gens.

Das Brüsseler Kommunistenprogramm.

(Eigene Drahtmeldung.)

Brüssel, 16. November.

In einer Entschließung der internationalen Kommunistentagung heißt es: Durch die An­nahme deS Vertrages von Loearno und durch die Verstärkung der Kapitalisten-Beziehnngen haben die bürgerlichen nationalistischen Ele­mente und die Sozialistenführer die wirtschaft­lichen Interessen der Arbeiter verraten. Durch den Eintritt in den Völkerbund liefert die beut- sche Bourgeoisie Deutschland als Aufmarsch- und Kampfgebiet für einen Krieg gegen Ruß- l o nd aus. Der Aufruf nennt dann den Völker­bund ein Instrument der Bedrückung und sucht das ans seiner Haltung gegenüber dem Saargebiet und Oberschleflen, gegenüber Danzig, Oesterreich, Syrien, Marokko, China zu beweisen.

O öu mein Men!

Was die Tonauwellen plaudern.

Di« erst« Fran Reätsanwalt. Radio ttnb ... Neuerivehr. Zeugen Wiens »o» dazumal. Als es noch Fiaker gab. Sch-inivieler und Publikum. - Borkrlessoreil« in der etaatSooer.

Eci-lachica um Brot.

Wien, 12. November.

Wien ist um einen Rechtsanwalt reicher ge­worden, diesmal abel .acht um einen alltäg­lichen Anwalt, sondern um einen weib­lichen. Frau Dr. Marianne Beth, die mit zäher Ausdauer und eiserner Konsequenz ihre Studien und die Zeit ihrer Praxis beendet«, wurde vor kurzer Zeit in die Verteidigerliste eingetragen. Die erste weiblich« Vertri- digerin in Oesterreich wird nun auch be­weisen müssen, daß ihre Leistungen auf demsel­ben Niveau mit denen der männlichen Anwalt-

Tas Radio wird nun auch in Oesterreich immer mehr ausgebaut und zu den verschieden­sten Berufszweigen herangezogen. Die Wiener Hauptseuerwachrn wurden mit Sende- und Empfangsstationen ausgestattet, die eS er­möglichen, von der Hauptstelle aus dem fah- 'i j.n Feue we,rwaz en Aufträge znkmimen zu lassen und es der Mannschaft gestatten, vom Brandplatz aus zu senden. Diese Neuerung ist gerade für den Feuerwehrdienst von nicht abzu­schätzender Bedeutung, denn die oft notwendig« Verstärkung, di- Aufträge, die dem unfertoegS befindlichen Wagen übermittelt werde.» Itanen, werden gewiß auch von Vorteil für ein rascheres Eingreifen fein.

An Wien, das an Ausstellungen wahrlich kei­nen Mangel leidet, fand nun kürzlich eint Fiak er-Ausstellung statt, welche die Er­innerung an das alte Wien mit feinen glänzen­den Karossen und Landauern, seinen gepflegten Pferden und den unternehmend aussehenden Kutschern (mit dem obligaten Stößer und der Virginier im Munde) wieder wachries. Di« Ausstellung, bei der alle Arten der früher in Gebrauch stehenden Fuhrwerke vertreten waren, wurde noch dadurch interessanter, daß alle jene Personen erschienen waren, die irgendwie mit dem Fiaker in Beziehung gestanden hatten. Der Fiakersänger Waldemar; Armbruster, der Fiaker­lied geschaffen hat; der beste Sänger dieses Lie­des, Richard Waldemar; Armbruster, der Fiaker- Erzeuger; der Maler des Wiener Fiakers, Prof. Ludwig Koch, und Obmann Ansel der kleinen überlebenden" Wiener Fiakergemeinde, die nur 39 Mitglieder zählt. Mit dem Verschwinden des Fiakers aus dem Wiener Straßenbild ist ein gutes Stück Alt-Wien verloren gegan­gen, und mit dem heiteren, manchmal ein wenig derben Fiakerkutscher schwand auch die Zeit der WienerG'müatlichkeit". die Zeit von: »Fahrn mer. Euer Gnaden?!"

Eine günstige Erledigung erfuhr ein Pro­blem, das unlännst im Burgtheater beinahe zu einerPalastrevolution" geführt hätte. Di« Verlautbarung, daß sich die Schauspieler nach jedem Aktschluß verneigen dürfen, die aller Tradition zum Trotz das Burgtheater von sei­nem Piedestal herabgesetzt und den anderen Theatern gleich gemacht hätte, ist nun wieder zu­rückgezogen worden, so daß die Illusion des alten Burgtheaters nach wie vor gewahrt bleibt Eine erfreuliche Neuerung in der Staats- Oer bildet die jüngst vorgenomm-ne Herab­setzung der Sitzpreise auf das Vorkriegsniveau. Diese Herabsetzung, die fast 41 Prozent beträgt, und sich auf alle Kategorien erstreckt, ist jedoch nur für einen Monat in Aussicht genommen, um vorerst die Wirkung dieser Verbilligung auf das Publikum zu beobachten. Auch das Reper­toire der beiden Staatstheater ist für die dies- jährige Saison mit erstrangigen Uraufführun­gen ausgestattet, und die Staatsoper bringt an erster Stelle das viermalige Auftreten Batti- st i n i s. Diese Ankündigung allein genügt, um die Musikbegeisterten Wiens an die Schalter der Opernkasse zu locken. Die Aufführung von M u s- s o r g s k v sBoris Godunow" gestaltete sich zu einem außerordentlichen Erfolg. Regie, Büh­nenbilder, Kostüme und vor allem Dr. Schip­per in der Hauptrolle boten eine Gesamtleistung von imponierender Größe und Gewalt. Die seit fünfzig Jahren fast vergessene Oper blühte un­ter dieser künstlerischen Meisterschaft der Staats« oper zu niegeahnter Größe empor.

Am Abend des Allerseelentages kam eine düstere Wolke über Wien: Auch Milliardäre waren vor der Gefahr der Brotlosig. (eit. Man stand nämlich vor einem Backer - streik, der allen zähen Optimisten zum Trotz doch ausgebrochen ist. An den Bäckerläden gab es förmlich« Schlachten um das täaliche Brot. Ganz Wien ist betrübk, denn man mutz die Wiener kennen, um zu wissen, was es für sie bedeutet, zum Kaffee ihre frischenKipserl" ver- missen zu müssen. Und manche Hausfrau wird