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1 ÄmrafiSenh, 14. November 1925

Kasseler Neueste Nachrichte»

15. Jahrgang. Nr. 267.

Neues aus Kaffe!

eine

verbrannt. In Ueckermünde brannte Scheune mit 500 Stiegen Getreide nieder.

Wrn'ger Lohnsteuern vom t Sanuar ab

Berlin, 13. November. Laut Vorwärts wird in den nächsten Tagen dem Reichsrat ein Gesetz­entwurf zugehe», der eine Erhöhung der steuerfreien Einkommensgrenze auf 100 Mark monatlich, 24 Mark wöchentlich ab 1. Ja­nuar 1926 vorsieht.

trlmeArbeit erforderlich sei oder nicht, ist von keiner Seite im Aelteftenrat angeschnitten worden, da zur Zett noch das sachverständig? juristische Gutachten abgewartet wird-

Darmstadts Srust an den Landesvaier

Darmstadt, 13. November. Bei seiner An­kunft wurde der Reichspräsident vom Staats­präsidenten Ulrich und dem hessischen Kabinett begrüßt. Die Menschenmenge begrüßte den Reichspräsidenten mit brausenden Hochrufen. Bor dem Bahnhof hatten mehrere Schupoabtei­lungen zu Fuß und zu Pferde Aufstellung ge­nommen, deren Kapelle das Deutschlandlied spielte. Dom Bahnhof bis zum Hotel Traube halten sich viele Zehntausende aufgestellt, einge­rahmt von Fackelträgern, die im Verein mit den zahlreichen illuminierten Häusern der Rheinstratze, den blitzenden Schlägern der im vollen Wichs erschienenen Studenten von Darm­stadt und Gießen, den Bannern und Standarten ein farbenprächtiges Bild boten. Im Hotel fand um 8,30 Uhr ein einfaches Abendeffen im engsten Kreise statt, bei dem Trinksprüche wechselten.

RuMc* e Millionen für Sugkauv.

Riesige Jndustrieaufträge.

London, 13. November.

Der russische HandelAommiffar Framkin sagte in einem Londoner Interview, die russi­schen Handelsmisstonen warteten lediglich auf ihre Bisa, um im Auslände wegen Waren- lieferungen zu verhandeln. Man plane, in Eng­land Bestellungen im Werte von etwa fünf­zehn Millionen Pfund Sterling zu machen. Sic umfassen Industrie-Maschinen, elck- terische Anlagen usw. Bisher seien ausschließ­lich landwirtschaftliche Bestellungen erfolgt.

Sine v rschmSh:e Wahlehe.

Rur in Oberschleflen ein Linksblock.

Berlin, 13. November.

Ein Sommunistenblatt meldet, die sozialde mokrattsche Partei hat den kommunistischen Bor- chlag einer Liftenverbinduug bei den Kreis- und Provinziallandtagswahlen abge- lehnt. In Mitteldeutschland ließen die Sozialdemokraten die Frist für eine Antwort verstreichen. Rur in Oberschlesien ist eine rllstcnvrrbindung zwischcn Sozmioemotru^n und Kommunisten alsLinker Block" vereinbart.

Die eifrn? Faust fn Ve flen

An der Wiege des neuen Staats.

London, 13. November.

Die neue persische Regierung hat über ganz Persien den Belagerungszustand und eine strenge Zensur verhängt. Diese Ver­fügung dürfte so lange in Kraft bleiben, bis die neue Rattonal-Versammlung die zukünftige Stemrsform festgefetzt haben wird.

Die etzte Dolchstotzkanonade.

Beweisaufnahme geschlossen.

München, 13. November.

Rechtsanwalt Graf Pestalozza legte eine Ueberstcht vor, wonach in den letzten fünf Mo­naten des Jahres 1917 die Zahl der Veruriei- lungen für L a n d es v e r r a r außerordentlich gestiegen ist. Rechtsanwalt Dr. Hirschberg stellte aus Druckschriften annektionistische Forde­rungen fest. Der Beklagte Gruber erklärt, die Arbeiterfrage sei nrdt nickt genügend er-

Locarno am 23 Novrmber.

Ter Reichstag tritt zusammen.

Berlin, 13. November.

Der Aelteftenrat deS Reichstages beschloß gestern, den Reichstag zu Freitag, den 20. d. M. einzuberusen. Am Frettag und Sonn­abend werden der italienische und russische Handelsvertrag beraten werden. Am Montag, den 23. November, beginnt die Be­ratung über den Locarno vertrag. Die Frage, ob für diesen Vertrag eine Zweidrit-

Dle Front ör B'auh mSen.

Mussolinijünger an der Seine. ,

Paris, 13. November.

Am Mittwoch abend fand eine Versammlung der ehemaligen Frontkämpfer statt, in der der Sohn von Maurice Barrs. Philippe Bar- rtzs, und der Journalist Valois zu einer neuen Organisation aufriefen. Diese Vereini­gung will Legionen schaffen, die blaue Hemden mit blauem Kragen tragen. Man spricht von der Gründung einer französi­schen Fafcio. Es sollen bereits sechstau­send Mitglieder für die Organisation ge­wonnen fein. Ein neues OrganDas neue Jahrhundert" soll die Bewegung leiten.

Buntes Landtaasal!erl?i.

Personalabbau, Pfarrergehäller, Barmattrach.

Berlin, 13. November.

Der Entwurf zur Einstellung des Per­sonalabbaus wurde allgemein begrüßt. Abg. Ebersbach (Dtl.) betont, es seien zu viele Beamte abgebaut worden; es hätten mehr auf Warteaeld gesetzt werden müssen. Nach weiteren Abänderungsvorschlägen wird der Ent­wurf dem Beamtenausschuß überwiesen. Bei der Neuregelung der Psarrerbesoldung betont Finanzminister Dr. Höpker-Asckoff,

es fehle die Deckung

das sei mit einer ordenllichen Finanzwirtschast unvereinbar. Die Bedenken der Staatsregie­rung bezögen sich darauf, daß erst erhöhte Leistungen auch für 1924 gemacht werden sollten: zweitens, daß darüber hinaus Vor­schüsse in unbegrenzter Höhe für die Kir- che verlangt würden und drittens, daß bei Kon­flikten zwischen Staat und Kirche das Oberver- waltunßsgerichr entscheiden solle. Die Abstim­mung über die Beschlüsse wird auf heute ver-

D e Industrie klagt.

Keine Arbeit. Zn hohe Steuern.

Berlin, 13. November.

Im Monatsbericht der Maschinenhaurtnftal- ten wird ausgeführt, daß mit erheblichen Ein­schränkungen und Masscnenllaflungen zu rechnen ei. Die Steuertet ft ungen lohnen einen großen Teil der Industrie. Sell April 1924 sind aus der deutschen Wirtschaft volle drei Milliar­den Marl mehr Steuern heruusgezogen worden, als nach dem Voranschlag erforderlich waren

Dle beringte Dahn'ofstroße.

Frische Farben im Straßenbilde.

Der erste Eindruck, den ein Fremder be­kommt, wenn er eine Stadt betritt, ist immer der nachhaltigste. Aus diesem Grunde ist es be­grüßt worden, daß dieberühmten" Reklame­masten verschwunden sind Noch angenehmer be­rührt es, daß die Anwohner nicht untätig ge­wesen sind. Bis in die letzten Tage hinein waren und sind teilweile noch die Gerüste der Maler an den einzelnen Häusern angebracht, um das äußere Ansehen der gesamten Straße um­zugestalten. Mehr und mehr bricht sich der Ge­danke größerer Farbensreudigkeit auch in Kassel Bahn und wenn er im nächsten Jähre weiter so wie bisher Fortschrite macht, so wird das sicher eine guten Früchte zeitigen, nicht nur im In­teresse der beteiligten Anwohner, sondern der unsere Hessenmetropole besuchenden Fremden.

Namentlich die Hotels sind mit dem guten Beispiele vorangegangen. In neuem Gewinde präsentiert sich der alteRegenbogen" und ge­rade die Farbensreudigkeit ist es, die dem nicht zerade großen Hanse einen eigenen Reiz ver- eiht. Im oberen Teil der Bahnhofstraße machte den Anfang der frühere Reichshof, jetztZen- tral-Hotel" genannt, der sich in blau mit gelb abgesctzt vorstellt. Ihm folgte derHessische Jöoi", dessen Fassade in licktgrün und gelb ge ballen ist, während das dazwischen liegende paus des Bäckermeisters Thomas in grau mit beige sich wirkungsvoll von seinen Nachbarn ab­hebt. An der Rosenstraßenecke leuchtet hell das Hotel Siebert, während auf der anderen Seite von den erneuerten Häusern vor allem das wuchtige säulengeschmückte Gebäude derHof- apotheke", sehr geschickt in blau und grausgehal­ten, .sich vorteilhaft abhebt. Das kleinereHotel zur Tanne" bekommt nun auch einen neuen An- trich, sodaß für denjenigen der zum ersten Male nach längerer Panse den Kasseler Boden betritt die vorgenomenen Aenderungen ohne weiteres in die Äugen fallen.

Eine weitere Reihe von Häusern wurden be- reits im vorigen Jahre einer Erneuerung un-

tagt. In der Weiterberatung des Barmat» berichts meint Abg. Nuschle (Dem.), die Staatsbank sollte sich einen Kaufmann zulegen. Barmat habe nicht nur die Oeffentlichkeit, son­dern auch feine eigene Partei getäuscht. Abg. Tr. Kaufhold ($tn.) erklärt, Prof. Leidig als Vorsitzender habe ein Teil von den Sozial­demokraten vor dem Zuchthaus bewahrt. (Große Bewegung.) Der Strafprozeß wür­de es an den Tag bringen, wie es mit Richter und Heilmann bestellt ist. Abg. Suttner (Soz.) erwidert, Heilmann könne nicht darunter leiden, wenn die strengen Vorschriften von der Seehandlung nicht innegehatten worden seien. Beim Haushalt der Seehandlung weist der Be­richterstatter Abg. Dr. Leidig (D. Bpt.) dar­aus hin, daß der Verlust aus der Barmatangele­genheit sich auf zwanzig Millionen er­höht habe. ES ergebe sich daher bei der Staatsbank kein Ge s ch ä f t s g e w i n n. Trotz­dem werde eine Tantieme für 1924 gezahlt.

mit feen Ministern und Landtagsabg«. ordneten und fuhr dann, mit brausendem Beifall begrüßt, zum Rathaus, wo er durch die Mdtischen Behörden empfangen wurde. Senats- Präsident Dr. Hellpach hob in einem Trink­spruch hervor, der unbeirrte Dienst am Reich, den Hindenburg als erkorenes Oberhaupt leiste, fände im badischen Lande das freudigste Verständnis, das sich stets als Boden un­bedingter Hingabe an das Ganze des Reichs bewiesen habe. In Baden sei man sich bewußt, daß das Eigenleben Badens den höchsten Wert erst erlange

als Glied im große» deutschen Volkstum. Das badische Land wünsche von ganzem Herzen, daß Hindenburgs Name mit einer neuen Epoche des deutschen Wiederaufstieges verknüpft sein möge. In seiner Erwiderung gedachte der Reichspräsident der schweren Besatzungsnöte Badens. Mit Genugtuung stelle er fest, daß das Land diese Notzell in unverzagter Arbeit und in sicherem Vertrauen auf die Zukunft im wesentlichen überwunden habe. Er schloß mit dem Wunsch, daß die nächsten Jahre dem Lande eine Zeit weiteren Gedeihens bringen mögen. Nachmittags legte der Reichspräsident im Mau­soleum am Sarkophag des Großherzvgs Fried­rich I. und der Großherzogin Luise einen Kranz nieder. Im Staatsministerium wurde später im Kreise prominenter Persönlichkeiten, darun­ter auch Dr. Eckener, des ganzen Landes der Tee eingenommen. Gegen 5 Uhr richtete unter Mrmischen Beifallsrusen der Reichspräsident auf dem Balkon eine kurze Ansprache an die versammelte Menge, die mit lebhaften Hoch­rufen dankte. Rach sechs Uhr erfolgte die Wei­terreise Hindenburgs nach Darmstadt.

AuSVolttikund Wirtschaft.

Sarajewo und ... Verdun. Die Stadt Sa­rajewo hat zum Wasfenstillstandstag der Festung Vervun einen kostbaren Teppich als Anerkennung für die Abwehr des deutschen An­sturmes gestiftet.

Staatsanwalt und Minister Der Justizmi- ntster teilt mit, daß ohne Strafantrag keine Beleidigung, auch nicht die eines Mini­sters, verfolgt werden lann, falls nicht etwa ein Vergehen gegen das Republttschutzgesetzt vor­liegt.

Frankreichs Bombengeschwader in.. Italien. Bei Piarenza Ling gestern auf dem Wege nach Teheran (Perpen) ein französisches Bomben­flugzeug nieder. Drei andere Flieger desselben Geschwaders, das von einem Unwetter zerstreut wurde, sind bisher nicht aufgefunden worden.

Deusen gegen (Snglflnöer.

Zwischenfälle an der Palästinagrenze.

London, 13. November.

Nach Meldungen aus Jernfalem versuchten größere DrufentruppS die Grenze zu überschrei­ten, wurden daran aber von den britischen Grenzposten verhindert. Einige hundert Christen sollen über die Grenze geflüchtet sein Nack heisa wurden Verstärkungen entsandt.

Seßler unh vas MiltSrgtriHI.

Berlin, 13. November. Ein im Reichstags­ausschuß beratener Gesetzentwurf bestimmt, da unter ven Beisitzern der Militärgerichte sich stets ein Offizier befinden muß, die üb­rigen aber grundsätzlich der gleichen Rangllaffe wie der Angeklagte angehören sollen. Der Reichswehrminister Dr. Gehler betonte, das von einer reaktionären Maßnahme keine Rede sein könne. Die Sozialdemokraten bekämpften die vorgeschlagene Beseitigung einer Errungen­schaft der Revolution, das Wahlrecht der Soldaten, und lehnten die Vorlage ah. Die Zusammensetzung der Kriegsgerichte und der Oberkriegsgerichte wurde mit 14 gegen 8 Stim­men angenommen, ebenso das Gerichtsversahren.

Kullskers SlunSe schlägt.

Zwei Söhne und drei Direktoren mttangülagt

Berlin, 13. November.

Die Anklage gegen Max Kutisker und Ge noffen lautet aus Urkunden fälsclung unid Be­trugs. Die Söhne Kutiskers, Iwan und Max, lotoie die Direktoren Blau, Blei und Rie­ger und mehrere andere tuet bet- ' , -

beschuldigt. Dagcgn ist das Verfahren gegen die Direttoren der Staatsbank Rühe und Hell­wig sowie gegen Justizrat Dr. Werlhauer unfc Rechtsanwalt Engelbert eingestellt worden.

Dle schwarze Hans in Volmern.

Korn, Vieh, Häuser ein Raub der Flammen.

Stettin, 13. November.

Bei den letzten Bränden in Pommern sind riesige Getreidevorräte, aber auch viel Vieh den Flammen zum Opfer gefallen. Bei einem Gutsbrand in Kordeshagen (Kos­in) brannte eine große Scheune und ein Vieh- tatt ab. Siebenunddreitzig Kühe, elf Pferde und etwa hundertstebzig Stück Kleinvieh kamen in den Flammen um. In Kolberg brannte es zum vierten Male in dieser Woche. Vier Familien wurden obdachlos. Die Bewohner konnten nur über Leitern gerettet werden. Tags zuvor waren in dem Kornspeicher 27 000 leere Säcke und größere Mengen Getreide und Kleie

örtert worden. Der Vorsitzende hebt die Schlußnote der Reichstagsuntersuchungen her­vor, wonach der Unterausschuß keine Fest, stellung getroffen hübe, die eS rechtfertigt.', nach irgend einer Seite zu einem Schuldurteil zu gelangen. Die Beweisaufnahme ist geschloffen.

Ein Sohn der Berge.

Zum fünfzigsten Geburtstage Jakob Schaffners.

Von

Dr. E. von Löwin of Menar

Angesichts der heutzutage unter den deutschen Erzählern herrschenden Mode, den Leser in ero­tische, ferne Länder zu locken, ist es von doppel­tem Wett- in das Schaffen eines Dichters sich zu versenken, der all des Aufwandes der andern nicht bedarf, um durch Spannung und glutvolle Schilderung zu ftsseln. Jakob Schaffner, der nun cuf fünfzig Jahre eines mühereichen und geseg­neten Lebens zurückblicken darf, ist als Schweizer und Deutscher in seinen Werken auch daran zu erkennen, daß er aus der Tiefe des eigenen Volkstums die Kostbarkeiten bervorholt. mit de­nen er uns beschenkt. Ihm genügen als Schau­platz die Dörfer und Städte der Schweiz und Deutschlands, ihm genügen auch die Menschen, die wir alle kennen, mn Charaktere, Schicksale. Leidenschaften und Siege über das eigene Selbst mit jener meisterlichen Eindringlichkeit zu schil­dern, die den Leser packt und nicht mehr los- läßt. Dabei hilft ihm seine Kunst der Charak­terisierung, das Vermögen lebenswarmer Ge­staltung der Personen und eine seltene Meister­schaft in der Sprach- und Stilbeherrschnng.

Gleich seinem Landsmann Gottfried Keller fußt Schaffner häufig auf Selbstdurchlebtem, das sich ihm dichterisch gestaltet. Bon der engeren Heimat, dem Basler Land, geht er aus: im zwei­bändigen Werk »Johannes" schildert er seine harte Jugend, die er nach dem Tode des Vaters und der Auswanderung der Mutter nach Ame- tifa in einer Erziehungsanstalt verbrachte, deren alttestamentarischcr Geist ihm schwerste Prüfun­gen auferlegte. Dann kam die Wanderzeit als Schuster, dieWalzzeit" (Konrad Pilater"), die ihn durch die Nordschweiz, den Rhein hinunter bis nach Antwerpen, nach Paris und ins Elsaß und zurück nach Basel sührte.Schon vierund- zwanzig Jahre war ich alt, als ich mit meiner Handwerkerlaufbahn brach und mich der Dich lung zuwandte." Seil längeren Jahren bereits lebte der Dichter in Berlin, und das mag

bei ihm ebensowenig Zufall sein, wie $3 bei Gottfried Keller war: die ringende Menschen- feelc zu erfassen wo fände sich reichere Mög­lichkeit dafür als in der Weltstadt? Und wie Schaffner mit den Problemen sich beschäftigte, die in den Seelen der Personen aus einer kleinbiir- geriichen Umwelt, dem Berliner Hinterhaus, sich abspftlen, das zeigt besonders der Roman Weisheit der Liebe . In seinem letzten Roman Das Wunderbare" ist die Handlung unruhvol- ler, bewegter, und der Schauplatz wechselt mehr­fach. So zuckt hier auch das Seelische stärker auf und nieder als sonst bei Schaffner. Verschlei­ert Dämonisches in der Gestalt des großen Bcr- führers mischt sich ein, und schweres Schicksal wuchtet auf den Hauptgestalten dieses vielleicht eine Wendung in des Dichters Schaffen ankündi­genden Romans Ob sich diese Erwartung er­füllt, mutz der neue RomanDie Glücksfischer", dessen Drucklegung die Deutsche Verl-igsanMlt in Stuttgart gerade vorbereitet, erweisen.

Buntes Merlei.

3n den Lesen der Srve.

Bis vor kurzem befand sich das lieffie Bohr­loch der Welt mit etwa 1900 Meter Tiefe in Oberschlesien. Seit einiger Zeit haben uns aber die Amerikaner übertrumpft. In Pennsylvanien, dem Mutterland der Petroleumindustrie, befin­den sich nämlich ungeheure Erdgasquellen, welche der dortigen Industrie eine bequeme und äußerst wohlfeile Kraftquelle bieten. Als nun vor eini­ger Zeit die alten Quellen Zeichen von nahen- der Erschöpfung zeigten, ging man kurzentschlof- fen daran, neue zu erschließen Zwei Bohrun­gen bis etwa 2000 Meter verliefen erfolglos, erst die dritte brachte das gewünschte Ergebnis. In 31 Monaten gelang es. bis auf 2258 Meter zu kommen, wo man auf das gewünschte Gas stieß. Nachdem man ohne große Schwierigkei­ten bis aus etwa 1500 Meier gekommen war, stieß man auf einen harten Sandstein, welcher ein tägliches Verrücken von nut 30 Zenttmet-, gestattete und welcher fortwährend zum Ersitz der verbrauchten Bohrer zwang. Hierdurch toirb

es auch leicht verfiändlich. daß die Gescmlttostkn des fünfzölligen Bohrlochs sich schließlich auf 155 000 Dollar beliefen. Die Temperatur betrug bei 300 Meter 63 Grad Celsius, bei 2055 Meter war sie schor, auf 166 Grad Celsius gestteg.nl. In den tieferen Erdschichten nahm die Temve- ratur olle 15 Meter um 1 Grad zu. Eine ähn­liche Temperaturzunahme findet bekanntlich überall im Erdinnern statt. Sie läßt sich ganz zwanglos allein durch den ungeheuren Gebirqs- druck erklären; in vulkanischen Gegenden aller­dings nimmt sie noch schneller zu»

*

Frühreife des Seschmacks.

Wie Professor Engel in der Monatsschrift für Kinderheilkunde auSfuhtt, hat sich in letzter Zeit die Zahl der schlcchteffenden Kinder autzer- ordeittlich vermehrt. Es 'handelt sich um drei- bis fünfjährige Kinder, die nicht dazu gebracht werden können, die notwendige Nahrung ein- zunehmen oder doch so langsam essen, daß ihre Ernährung den Angehörigen di» größte Schwie­rigkeit bereitet. Diese Kinder gedeihen nicht recht, sind mager und bleiben in ihrer Entwick­lung zurück. Bei genauer Nachforschung ergibt sich, daß diese Kinder nicht Süßigkeiten lieben, sondern vielmehr pikante stark gewürzte Sachen, wie Kaffee. Fleischbrühe. Heringssalat, Pökel­fleisch. Schinken und Wurst. Professor Engel bezeichnet dies als Frühreife des Geschmackes und diese ist wiederum ein Ausdruck der Ner­vosität; denn die Kinder weisen auch sonst Zei­chen von Nervosität auf, wie Schreckhastiareit, Aengstlichkeit. nächtliche Unruhe. Bei dies?» Kindern wirkt ein Ortswechsel oft geradezu Wunder Dieselben Kinder, welche zu Hanse bei den Eltern so gut wie rtichts essen, nehmen fr-fort hinreichende Nehrung auf. wenn sie su Verwandten oder Bekannten kommen. Hilft auch dies nichts, so ist Saneterien- ober ffran* kenhausbehandlung notwendig. Dr. W.

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Die Nadelstrohluna des L'cktts

Die Vorstellung, daß sich das Licht in Wellen fortbewegt, ist uns in Fleifch und Blut überge- aangen und wir sprechen ganz selbstverständlich von Lichtwellen. Aber wie so manche Throne

der früheren Physik ist jetzt auch die Wellsittheo- rte des Lichtes ernsttich erschüttert worven. Es ist von Sompion und anderen Physikern eine neue Theorie ausgestellt worden, die von der Annahme ausgeht, daß die Strahlung nicht in Kugelwellen vor sich geht, sondern eine Nadel­strahlung ist. Jede ausgesandte Lichttnenge ver­teilt sich danach nicht auf einer Kuoelfläche son­dern ist längs strichsörmigM Bahnen kon'en- triett. Danach überträgt eine Suhtmenge. dis ein Atom durchsetzt, ihre Ene-qje nach den Stoß- gesetze« auf ein getroffenes Elektron.

Wußten Sie öss?

DieQuintessenz" war ursprünglich das fünfte Element in der Weltanschauung des grie­chischen Philosophen Aristoteles. Äristoteles kam nämlich mit den vier Elementen, Erde, Wasser. Feuer, Lust, nicht auS und schuf so einequinta cffencta", einen ätherartigen Stoff, der alle We­sen durchdringe und sie belebe.

Die letz 1 eexe" in Deutschland, ein 14- jahnges Mädchen, wurde im Jahre 1756, also zur Zeit des siebenjährigen Krieges, in Lands­hut am Lech hingerichtet.

Die g r e ßte Gl 0 cke der Welt ist derZar Kolokok^ im Moskauer Kreml, der ein Gewicht von 4000 Zentnern hat. Diese gigantische Glocke ist jedoch, als sie im Jahre 1735 auf den Turm hinaufgezogen werden sollte, abgestürzt und ge­palte«, sodaß sie nie geläutet werden konnte.

2Biener 25rett!-<tinft in Staffel.

Wir wiesen schon vor einigen Tagen auf daS eigenartige Wiener Künstlerpaar Ralph Be­natzky und Iosma Selim hin, das heute im Stadtpark austritt. Der liebenswürdige Zauber, der diese beiden Künstler umgibt, nimmt den Höre:, ob er will oder nicht, gefangen. Der Erfolg des Paares entspringt den geistreichen Kompositionen Benatzkis, des Verfassers der OperetteLiebe im Scknee", und dem natiirli* beit Sichren Iosma Selinms, die man das holdeste Geschöpf Wiens" genannt hat.