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Hessische Abendzeitung

London drängt auf Unterzeichnung

Londons Bürgermeister als Fürsprecher.

Locarno vor dem Lhcmscparlament.

zu vereinen und da-

gcsehenen britischen Flotte heute zur Wahrung deS Weltfriedens fordert.

rische Boll in seiner Gesamtheit nichts von ge­waltsamen Bersaffungsexperimenten wissen will.

gebessert, daß man sogar von einem sehr innigen Verhältnis zwischen Reichsregierung und baye­rischer Regierung sprechen kann.

Aus der anderen Seite ist es eine Selbswer- ständtichkett, zu betonen, in welche ernsten Un­gelegenheiten da- Reich geraten könnte, .oenn jetzt die bayerische Äönigssrage ausgerollt wer­den würde. Man müßte zweifellos befürchten, daß dadurch der innerpolitisch« Frieden zerstört und eine unerträgliche Situation ,ur den Reichspräsidenten geschaffen würde, der vor seinem Amtsantritt zur Einigkeit ge­mahnt und an das Voll einen Appell gerichtet hat, den innenpolitischen Streit in den Hinter­grund treten zu lasten. Die Reichsregierung ver­traut auf jeden Fall darauf, daß die bayerische Regierung alles tun wird, um derartigen @etrb ren für den inneren Frieden Deutschlands durch energische Maßnahmen die Spitze abzubrechen.

Sn Locarnos Sonne gereift.

Lordmayor u. Baldwin über die FriedenSsrüchte lEigener Drahtverirdi.»

London. 10. November.

Auf dem gestrigen Guildhallbankett erklärte -er Lordmayor in einem Trinkspruch: Wir freuen uns in der Erwartung, daß der Pakt von Lo­carno bald in London ratifizier« werden wird. Wir hofstn, daß der Pakt die Aufrechterhaltung des Weltfriedens garantieren wird. Premiermi­nister Baldwin erklärte u. a.: Die Regierung habe alles getan was sie tun tonnte, um die Ruin und den Frieden in der ganzen Wett und zu Hause hcrzustellen und Bedingungen hcrbeizu- sühren, die den Handel fördern. Seiner Ansicht nach sei man der Einerntung der Früchte die ser Bemühungen wesentlich näher, als es noch vor einem Fahr der Fall war, wozu Chamber­lains Werk der Versöhnung beigetragen habe.

®er bäurische Löwe.

Wilde Gerüchte über Monarchistenputsche.

«Eigener Inl?rmat«oasdienft.-

Berlin, 10. November.

Seit einigen Tagen bringt die Preste unkon trollierbare Meldungen über angeblich innen­politische Gefahren in Bayern. Ein Frankfur­ter Blatt spricht davon, daß der ehemalige Kom­mandeur der bayerischen Reichswehr-Division General von Moehl, den Vorschlag gemach: haben soll, den Kronprinzen Rupprecht von

zerschneidet sie die Handgelenke des Opfers, das unter dieser teuflischen Marter wieder zum Bewußtsein kommt und her-zer­reißende Schmerzensschreie ausstößt. Aus! brüllt Linon. Das Häufchen Elend rappelt sich ws. Schon sind die Maulesel der Wachmann­schaft da, Linon und sein Bursche sitzen auß und hinter ihnen und den übrigen berittenen Pesten wankt der wieder Eingefangene dahin, ein Opfer, das zum Richtplatz geführt wird.

Bayern in naher Zeit zum König vo

Auf getrennten Wegen.

Roch kein AuÄveg aus dem Finanzlabyrimh.

(Eigener Drahtvertchl.)

Paris, 10. November.

Der Finanzausschuß hat gestern den Finanz- plan der Regierung wciterberaten. Der Genc ralberichterstattrr Lamoureux soll erklärt haben, es sei ihm nicht möglich, sein Amt beizu­behalten, «venu nicht eine vermittelnde Löstmo zwischen dem Standpunkt der Regierung, die die Konsolidierung der Bonds ablchne, und dem der Sozialisten gefunden werde, dir ine urovi- forisch« und beschränkte Inflation ablehnen. Die Bermrttlnngsformel scll heute gefunden werden.

Wird die Lutt zur Hölle?

Englands Lustchef preist Locarno.

(Eigene Drahrmrldung.»

London, 10. November.

Dee Staatssekretär für Luftfahrtwcse« , Sir Samuel H o a r S, sagte n. Während der letz­ten zwölf Monate ist die britische Lufwcrttidi- gung wesentlich verstärkt worden. Solle die Lust ein Feld für eine alles zerstörende Erfindung der furchtbarsten Kriegsformen bleiben? Dies ind die Fragen, die uns zu der Hoffnung veran­lassen, daß mit dem neuen Abkommen von L o - carno sich über Europaneue atmosphärische Bedingungen ausbreiten". die die Wolken des

Die Jiaöifalen auf Seiten pa.nievLS.

Paris, 10. November. (Eigener Drahlbencht, Die radikale Fraktion nahm eine Entschließung

Krieges auS der Luft verschwinden lasten und ein heiterer und klarer Himmel erscheint. Der erste Seelord, Lord Beattq, erklärte u. <l: Man brauche die Geschichte nicht weit durchzufe- hen, um zu erkennen, daß die G' s a h r nach al­len großen englischen Kriegen der Vergangen­heit gekommen sei und daß die Geschichte stch im­mer wiederhole. ES sei daher gut, an die Tat­sache zu erinnern, die den Bestand einer a n -

London, 10. November. Aus dem gestern von dem neuen Lordmayor gegebenen Guilphall- Bankett wurde dem deutschen Botschafter Dr. S t h a m e r eine besonders warme Begrüßung zuteil Der neue Lordmayor schüttelte ihm mit ganz besonderer Herzlichkeit und lange die Hand. Außerdem waren anwesend die Mitgliede.r der Regierung und eine große auserlesene Gesell­schaft mit Damen Chamberlains Eintref­fen war das Signal für laute Hochrufe von Seiten aller Anwesenden die sich erhoben hatten und ihn b e g e i st e r t empfingen.

Rrfe«i6Hno fm Rrrnt n.

Die ziehen sich voreinander zurück.

London, 10. November.

Rach Berichten aus Peking wird mit dem Ausbruch von Feindseligkeiten zwischen Tfchang- tsolin und General Feng gerechnet. In der Pro- vmz Tschili hat Tfchangtsolin seine Truppen zurückgezogen, weil ein Teil zum Gegner über» gegongen ist, der die Stadt Su-Tfchau-Fu be-

stetne Lust zu gefährlichen «rperimemen.

Berlin, Ist. November. (Privattelegramm.) Zu dem ThemaMonarchistenputsch" bemerkt die Korrespondenz der Bayerischen BollSpartei: Es soll nicht bestritten werden, daß in der baye­rische« Politik einige Beunruhigung»- Herde vorhanden sind. Man mutz aber von der entstandenen Beunruhigung allcS abziehen, was aus künstlicher Mache beruht, und das ist sehr viel, vielleicht daS meiste. Es ist wieder einmal ein bevorstehender Monarchistenputfch an die Wand gemalt worden. ES müßte nicht No­vember sein. So richtig eS ist, daß rin großer TeU des bayerischen Volkes fich innerlich mit der neuen republikanischen Staatsform nicht ab- gefunde« hat, so rtchttg ist auch, daß daS baye-

geg' ............ _ .

bei doch die wesentlichen Bestrebungen Aller zu befriedigen, sodaß wir Mr. Chamberlain von Locarno zurückkehren sahen mit einem Plan, von

Wird sich Voinlev- hallen?

Abermals Vertrauensfrage. vorläufig gescheitert.

(Eigene Drabtweloung.l

Berlin. 10. November.

Ein Blatt meldet aus Paris: Der gestrige stabinettsrat hat einstimmig dem Vorschlag Painlcvts zugetzimmt. a b e r m a l S in der Kam­mer die Vertrauensfrage zu stellen Pa n- lcves SanirrungSbestrrbungen sind an den So­zialisten gescheitert. Inzwischen ist der Franken abermals gestürzt. Täglich kommt eS vor den Markthallen ,u TeuerungSkrawallen.

Bayern auszurusen. Die bayerisch« Regie­rung habe diesep Vorschlag abgelehnt und ;r> klärt, daß sie jeden gewaltsamen Versuch zur Aenderung der Versaflung mit aller Energie ab­wehren würde. Soweit man von Berlin aus die Ding« übersehen kann, beurteilt man die Lage absolut zuversichtlich. Man glaubt ntchl daran, daß die Anhänger des monarchiätschet: Gedankens in Bayern einen irgendwie gearte­ten Versuch unternehmen könnten, die Frage der Wiederherstellung der Monarchie jetzt auszurol­len, wo die allmähliche Beruhigung der Ver- hältnisse es gestattet, den wirtschaftlichen Wie­deraufbau in Angriff zu nehmen, und wo nie­mand ernsthaft daran denkt, politische Experi­mente vorzunehmen. Aus diesem Grunde würde es der Reichsregierung gar nicht einsallen, die über Bayern verbreiteten Gerüchte für ernst zu nehmen und sich irgendwie damit zu beschäftt- gen. Seitdem Hindenburg Reichspräsident ge­worden ist, ist Die Streitfrage der Staats- s o r m Deutichlands so wesentlich gemil­dert worden, daß die politische Oessentlichkeit es garnicht verstehen würde, wenn sie jetzt durch irgendwelche Einzelunternehmungen in den Vordergrund gedrängt werden sollte.

Besonders die monarchistischen Kreist Im Reiche nehmen immer nachdrücklicher den Stand­punkt ein, daß die Wiederherstellung der Ato- narchie vorläufig überhaupt nicht in Frage kommen kann, und daß jeder voreilige Schritt geeignet wäre, dem monarchistischen Ge­danken ernsthaft zu schaden. Man weiß, daß iu Bayern eine sehr starke Strömung vorhanden ist, die Die Ructtehr Des bayerischen »tonigs^auje- auf den Thron wünscht, und die es sehr gern sehen würden, wenn Rupprecht zum König aus- 6«rufen würde. Dies« Wünsche sind aber gerade in der letzten Zeit nicht so lebhaft heroorgttre- ten, daß man daraus etwa die Besorgnis her­leiten könnte, Bayern werde gesondert vorgehen und ohne Rücksicht auf den Äesamtwillen des deutschen Volkes seine eigenen Wege einschla- gen. Im Gegenteil! Das Zusammcnaroeuen zwischen Reich und Bayern hat sich so wesentlich

Keiner will es verantworten

Chamberlains Decher der Hoffnung".

(Etgener Trnbtbmtht -

London, 10. November.

In seiner Rede auf dem Guildhallbankett sagte Chamberlain: Die Ergebnisse von Locarno entsprechen einem von der ganzen Welt tief­gefühlten Bedürfnis. Er vertraue dar­auf, daß sie von allen unterzeichnet werden wür­den, denn kein Staatsmann könne vor der Ge­schichte die Verantwortung dafür übernehmen, daß er den Becher der Hoffnung zurück­gewiesen habe. Die Welt bedürfe des Geistes von Locarno und diese Konferenz sei ein Anfang und nicht rin Abschluß gewesen. Er hoffe, der Geist von Locarno werde auch In der chinesi - chen Zollkonferenz gegenwärtig sein, die )tm Fernen Osten den Frieden bringen werde.

Ter ist hin! sagt einer.

Achselzuckend sagt ein anderer: Kein Wunder, wenn man nichts im Magen bat! Da muß er ja ab­bauen! Iwmer noch vermag der Flüchtige fei­nen Vorsprung zu wahren. Er rennt weiter, ohne sich umruschauen. die Zähne aufeinander- leblssen, die Ellbogen fest gegen den Körper ge­preßt. Allem Anschein nach will er einen mit stachelkasteen bestandenen Hang gewinnen. Aber die sonst ansteigende Sandfläche raubt chm bi letzte Kraft. Pfeifend kommt ihm der Atem aus der wild arbeitenden Brust, die Glieder ver- mgen den Dienst, die Verfolger kommen immer naher. Und wie mit einem Schlage verläßt ibn die Kraft, schwer, langsam, ganz langsam sinkt in den heißen Sand. Der Sergeant und der L "lbutze stoßen ein Freudengeheul aus: Das Wild ist zur Strecke gebracht! Angefeuert durch die Zurufe des Sergeanten, läßt der Marokka­ner Kolbenschläge auf das nnglückli-r>e Opfer nageln, der Sergeant läßt die Rindleder- v e 11 s ch e auf den wehrlosen Körper niedersausen, daß es nur so flatscht!

Das Opfer rührt sich nicht. Es ist bewußtlos. Da kommt dem Menschenfäger Linon ein t°uf- ncher Gedanke: Er nimmt ein kleines Knäuel dunnenaber wider'andsf-higen Bindfadnis aus der Tasche und haspelt ihn russig ab, wirst den Obnmachtig^n mit Hilfe des Marokkaners auf ba§ Gesicht und reißt beide Arme nach hinten zusammen, daß die Knochen knacken. Er bohrt dem Opfer sein spitzes Knie in die Nier>n. geyend, preßt die Arme so zusammen, daß sich die Ellenbogen berühren und fesselt die Hgnd- oelenke mit dem dünnen Bindfaden, der sofort 'N das Fleisch einschneidet. Dann nimmt Ser- 7/?nt Linon die Feldflasche seines Burschen und laßt tropfenweise das Wasser daraus auf den Bindfaden rinnen. Unter dem Einfluß der Rasse stehen sich dir Fasern der Schnur zusam­men, wie Messer

dem wir aufrichttg erhoffen, daß er die Ur­kunde des europäischen Friedens und des künftigen Weltfriedens für viele Fahre sein wird. Der wundervolle Erfolg ist das Er­gebnis einer langen unermüdlichen Vorberei­tung, durch die er selbst und feine Vorgänger den Wert deS glücklichen Abschlusses gesteigert haben.

Ehre wem Ehre oe&ührt.

Spaniens Botschafter rühmt Chamberlain.

(Eigener Drahibericht)

London, 10. November.

Der spanische Botschafter führte auf dem Bankett auS: Auch jetzt sitzt in unserer Mitte ein großer Engländer, Der sich darauf verstanden hat, die Lecdenschaften zu beschwichtigen, Vorurteile zu zerstreuen, Berührungspunkte zu entdecken,

(S&amberian tr aft Slhamer zu

London, 10. November. (Privattelegramm.) Während des Guildhallbanketts saß der deutsche Botschafter Dr. St Hamer zur Linken Cham­berlains. Der deutsche Botschafter reichte Chamberlain den Pokal, der den Deckel hob und ich in gewohnter Weise verbeugte, während der leulsche Botschafter trank. Hieraus übergab Dr. Sthamer den Pokal in llebereinft unmutig mit dem gewohnten Gebrauch wieder Chamberlain.

Chamberlain der Held des Tages

Loearnohhmnen beim Guildhallbankett aus aller Munde.

Die Sehnsucht der Völker. Die Verantwortung vor der Weltgeschichte. Chamber­lains Verdienste aus spanischem Munde. Ein Menetekel der Lüste. Baldwin und

Locarnotaufe nächsten Dlensraa

London, 10. November. (Eigener Drahtbe­richt.) Das britische Kabinett wird am Mittwoch unter Baldwin zufarnmentreten, um die Tages ordnnng der nächsten Parlarn ntssession für den 16. November festzufetzen. Die Debatte über den Locarnopakt dürste am Donners« ton der nässten Wo-*«? beginnen

an, das Ftnan;projekl Pamlevcs als Diskus- sionsbasis anttmehmer und der Regierung keine ernsthaften Schwierigkeiten zu bereiten.

Die Mmschenjssgö.

Erschütterndes Kapitel aus der Fremdenlegion.

Von

Paul er eParis

Die letzt wieder SraafreW Htiäncn in derrl- frpett Landen nach Opfern nmücrlpLhcn. um Blei in Marokko gerissenen gtttfe« mit frischem Blut neu aufmILllen, haben

*« be -r.K-'ss-ler Jieneftett ff*" aufflCfltiffenen Fafe aus der näch- ,a «e'sischen Heimat warnend dargctau. Hier roi< man mit den «ermstea verfahrt, die eines Tages ivr Leben dieser ost ahnungslos verfallenen Holle wieder zu entkommen.

P--ng! Päng! Dicht hintereinander fallen 1Gewehrschüsse. Die Legionäre recken die Hälse. Da macht aber einer Beine! schnauze halten! Tritt gefaßt! brüllen die Unteroffiziere, die Revolver schußbereit in der Hand. Auf der Sandsläche wird ein kleiner Mann sichtbar, verfolgt von zwei anderen: es ist ein Oester re ick er, der der ewigen Drang­salierungen müde ist. Er hat den durch den Tod eines Kameraden hervorgerufenen Wirrwarr benutzt, fein Heil in der Flucht zu versuchen. Er halt« mit einer schnellen Bewegung sein Arbeits­gerät von sich geworfen und lief nun, so rasch :bn seine Beine tragen wollten, mit vornüberge­beugtem Oberkörper dahin, um den Kugeln ein kleineres Ziel zu bieten, die etwa fünfzig Meter hinter ihm einschlugen und den Sand in keinen Staubwolken aufspritzen ließen. Der Sergeant Linon machte sich an die Verfolgung des fluchtigen, den Revolver in der einen, die Rind- lederpeitsche in der andern Hand, alleMSchrmvf- worte ausstoßend,.chlL itai-M brauner Bursche, das Gewehr nm den Ko'1 chwingend, hatte ihn bald überholt!

Die Legionäre, aufgeregt, im stillen dem fliehenden Kameraden Glück Wünschend, krarnp- sen die Hände.

London baut ßü! Iv^arno.

Vertrauen zu den deutschen Parteien.

(Privai-T elegra mm. >

London, 10. November.

In Verbindung mit den gestrigen Reden in der Guild Hall schreibt ein Blatt: Wenn auch ge­wisse Länder Westeuropas mit größeren Schwie­rigkeiten zu kämpfen hätten, so würden diese doch den Vertrag von Locarno kaum gefährden. 2ro-ifefloS sei no* in dieser Wold-- eine Aende­rung in der Haltung der deutschen Parteien zu den Locaruoverträgeu zu ermatten.

Kasseler Neueste Nachrichten

j Kasseler Abendzeitung

Nummer 264

Mittwoch. 11. November 1-925

Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf

15. Ia^roang

Einzelnummer 10 Pf. SonniagS >5 Pf

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