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Freitag, 6. November X92&

Kasseler Neueste Nachrkchtea

15. Jahrgang. Nr 560.

Im Lause des Jahres 1924 stieg t 4274 Millionen, um dann von M

Deutsch and* Seldmühie.

Fast soviel im Umlauf wie 1913.

Ende Oktober 1923 genügten in Deutschland dreihundert Millionen als Geldumlauf, Ende des Jahres waren es bereits 2273 Millionen, . . - t>ic Summe aus

_ 1onai zu Monat zu wechseln und Änfang Oktober d. I. fast 5055 Millionen zu erreichen. Diese Snm- me nähert stch der Summe von 6070 Millionen Goldmark, die 1913 genügten, beträgt also jetzt fünf Sechstel des Geldumlaufs von 1913.

Am Ende des Lateins.

Moskau stellt stch aut privaten Handel um.

Moskau. 5. November.

Im Zentralkomitee erklärte K a m i u e w, die oirtfchaftliche Lage zwinge Rußland, noch vor Jahresende ihren Standpunkt zum privaten Handel zu revidieren, da man die industriel­len StaatSunternebmungen nicht wie bisher fi­nanzieren könne. Schon bisher habe man diese zu einem große« Teil der private« Initiative überlasten müssen, die in Zukunft noch beträcht­lich stärker herangezogen werde« soll.

Taufende brotlos.

Frankfurt, 5. November. In den Bezirken von Frankfurt, Mainz und Darm­stadt sind wiederum eine Anzahl kleiner Be­triebe der chemischen Industrie stillgelegt wor-

Der beleidigte Sstef.

Polens »räudige" Staatsanleihe.

Warschau, 5. November.

Bei der Finanzdebatte sagte Abg. D j r k a dem Ministerpräsident Grabski, daß die aufge­nommene Anleihe räudig" sei. Grabski fühlte üch durch di-sen Ausdruck persönlich verlebt und verließ den BeratungSsaal. Dsrka erläuterte dann seine Behauptung dahin, daß die lebte Anleihe zur Flottenstübung durchdrittttaffige Agenten ausgenommen wordm sei, wodurch sich die von ihm gebrauchte Bezeichnung »räudig" rechtfertige.

Noch ein vretsabbaup ogramm.

WaS Baden vorschlägt.

Karlsruhe. 5. November.

Die Handelskammer Heidelberg verlangte zur Breisaboauaklion u. e. Ermäßigung der steuer- lichen Belastung, durchgreifende Herabsetzung der Fernsprech-, Rechtsanwalts- und Verwal- tungSgebühren, sowie der Preise für elektrische Kraft; Ermäßigung der Zinssätze, Beseitigung der Autzcnhandelstarife. Der badische Innenmi­nister bemerkt dazu, daß die Verbraucher ihre Einkäuse auf das Nötigste beschränken und ins- besondere Angstkäufe vermeiden sollen. Die Os- ienlegung der Preise ist »---na durckzuführen. Die rückläufigen Schlachtviehpreise muffen sich möglichst umgehend in den Kleinverkaufspreisen zu Gunsten der Verbraucherschaft ausdrucken.

Der Baum des Lebens.

Von

Friedrich Keyflier.

Du lieber Baum in meines Lebens Zand, Du, spendend Schutzund Schatten, Grün,und Duft Ich lege still und segnend meine Hand An deine Wurzel, die so tief, so rief In unsrer Heimat dunklem Erdreich anker. Und auS dem Urgrund, der uns fern bewußt, Drin unsrer Art und Liebe leise Qu-llen murmeln Die ben°n w-it-n Zweiae uns entiendet In diese klare Lust, in der wir steh'«- Wo sie wie stille Hände ringshin deut- In unbekannte Räume, die wir lieben Nicht-Räume dann, lie unsrer fernen Ankunft

Warten

«ach Wien führenden Straßen sammeln sich Gruppen Streikender und untersuchen jeden Fußgänger und jedes Fuhrwerk, ob sie Brot für Wien haben. Sicherheitswachen stellten diese Belästigung des Verkehrs ab, soweit es möglich war. Das Einigungsamt hat den Arbeitern eine Lohnerhöhung von sünszehn Prozent zu- gesprochen. Beide Parteien wollen sich bis Freitag entscheiden. Die Annahme des Schiedsspruchs ist so gut wie sicher, und demnach bereits für heute nachmittag mit der Be­endigung des Stretks zu rechnen.

Gegen den Dolchstoß.

Noch ein Sachverständiger über die Schuld.

Sachverständiger Dr. Fischer legte gestern dar, daß der Vorwurf des Dolchswßes der histo- rischen Wahrheit nicht entspreche. Von deutsche Seite sei nichts geschehen zur Entkräftung des Vorwurfes. Deutschland und Oesterreich hätten auf die in gewissen Punkten entgegenkommende Antwort Serbiens eingehen sollen. Man habe es im wesentlichen auf Seiten der Regierung bei der naiven Vorstellung belasten, daß das deutsche Volk ohne Schuld nichtsahnend von böswilligen Feinden überfallen worden sei. Die deutsche Re- aierung wäre verpflichtet gewesen, wenn sie die Einheit der Nation ausrecht erhalten wollte, das Volk über diese Frage waürbeitsgemätz auszuklären. Die Antwort auf die Frage, -b der Dolchstoßvorwurf richtig sei oder nicht, tonne nur lauten, das er nicht richtig sei.

am zweiten Abend mit dem »alten Diener" (nach Offenbachschen Melodien), dem »Herrn Doktor" (Musik von Schubert) und dem »Engagement (Reichardt) einen vollen Erfolg. Die Frucht der beiden Abende wird eine stärkere Pflege dieser Art des Liebhabertheaters fein, für das Dr. Fischer eine solche Menge von Singspielen ver­faßte, daß jede Dileitantenbühne stch etwas für ihren Geschmack und ihre Kräfte auswählen thnn. V.

genüber der lieberhandnahme der Vergnü­gungssucht. Abg. Wickel (Dem.) tritt für die Simultanschule als die gegebene Form der Volksschule ein. Minister Becker erklärt, daß in seinem Ministerium ein Vertkauensverhält- nis herrsche ohne jede Rücksicht aus recht- oder links. Abg. D o h t (So«.) spricht sich entschieden gegen den neuen Entwu's des Reichsschulge- etzes aus, der der Verfassung widersprech.Für Lehrer sei Hochschulbildung unerläßlich. Abg. Kiekhössel (dnt.) behauptet, die Richter- reichung des vollen llniversitätsstudi- ums verdankten die Lehrer in erster Linie den Sozialdemokraten und ihren Ministern. Abg. Lukassowitz (bntl.): DaS Zentrum möge den Kamps nicht gegen rechts, sondern gegen links führen. (Andauernde Unruhe irn Hause).

Weidnakdtsferikn im Lans-ag

Der Aeltestenrat beschloß, bi» Freitag den Kultushaushalt zu beende«. Dann kommt die große Pause. Für die dritte Lesung ist der 9. Dezember in Aussicht genommen. Die Weihnachtsferie« werden vom 19. De­zember bis 12. Januar dauert.

Aus Politik und WlrNchaft.

Er will mitregieren. Stefan Rad lisch hatte gestern mit dem jugoslavischen Ministerpräsiden­ten P a s ch i t s S eine längere Unterredung über seinen Eintritt in die Regierung.

Auf Wiedersehen in Köln. Auf dem Sun» oestag der höheren Beamten am 8. und 9. No­vember in Köln wird hauptsächlich über Besol- vungsfragen nub wissenschaftliche Fortbildung verhandelt werden.

Kein Botschafterwechsel in Moskau. Gerüchten aus Moskau, nach denen der deutschen Botschaf­ter Graf Rantzau durch den Staatssekretär v. Schubert ersetzt werden solle, liege wie wir er» ähren, keinerlei Tatsachen zugrunde.

Eine Ruhrprovinz? In Essen wird der Ge- Dante einer Teilung der Rbeinprovinz und einer 1 Zusammenfassung des rheinisch - westfälischen ; Ruhrgebiets zu einer großen Industries,rovinz in den letzten Tagen lebhaft erörtert

Ein kurzes Kriegsabenteuer. Die von den : Griechen gefangen genommenen b u l g a r i » - scheu Soldaten sind in Freiheit gesetzt worden.

Bier pädagogische Akademie«. Ein Volksvar- teiantrag im Landtag verlangt, neben den bret i konfessionell getrennten pädagogischen Akademien ,u Ostern 1926 noch eine pädagogische Akademie

jeder nach seiner Fasson selig werden könne. Wer die konfessionelle Schule wolle, solle sie haben. Ebenso der, der die simultane, und der, der die religionslose wolle. Abg. Le inert (Soz.) bringt im Zusammen­hang mit dem Fall Lessing zum Ausdruck, daß feine Fraktion die Lehrfreiheit und die Freiheit der persönlichen Meinungsäußerung geschützt wissen wolle. Abg. Koch (dm.) gibt der Hoffttung Ausdruck, daß noch bis zur drit­ten Lesung eine Verständigung über ver­schiedene kulturpolitische Fragen ermöglicht wer­de. Abg Schuster (Vp.) fordert besseren Schutz der Heilighaltung des Sonntags ge-

Wa« unsere ftin vr lernen

Die große Kultusdebatte im Landtag.

Berlin, 5. November.

Bei der Aussprache zum Kultushaushalt wandte sich Abg. Prelle (W. Vg.) gegen Aus- schreiwngen des Reichsbanners und kritisierte die Personalpolitik des Kultusministers. Abg. B a e z e w s k i (Pole, warf Preußen vor, es ver- nachlässige seine Pflichten gegenüber den natio­nalen Minderheiten gröblichst Abg. Voß (Völk.) lehnt den Reichsschulgesetzentwurf ab, da er eine Verquickung der Konkordatssrage mit den Schulfragen befürchtet. Kulmsminister Dr. Becker weist die Angriffe de- Abg. BaczewSki zurück Im übrigen ständen vereinzelten Be­schwerden, die gegen uns erhoben würden, tau­fende gegenüber, die wir gegen Polen er­haben haben. (Sehr richtig.) Dem Abg. Boelitz erwiderte er, daß nach feiner Ansicht bte Volks­schule durch das Reichsschulgesetz so geregelt wer­den soll, daß

Sester relchs Beamte abgesunden.

©in halbes Monatsgehalt im Reujahrsquartal

Wien, 5. November.

Die Regierung hat gestern den Branttenvertte- tern eine einmaliae Rotstandsunterstützung in Höhe von 48 Prozent eines Monatsbezuges am L Januar 1926 zugesagt Die Regierung erklärt, die Ergänzung der Rotstandsaushilfe« aus die als dringlich geforderte Höhe von fünfzig Prozent eines MonatsbezugeS innerhalb des ersten Quartals des Jahres 1926 für den Fall einer günstigen Pensionsanleihe zu bewilligen. Die Mittel für die Beihilfe« fallen nicht int Wege einer Erhöhung der Staatseinnahmen oder Steuererhöhung, sondern ausschließlich durch Erweiterung des Erfvarungspro- g r a m m e s der Regierung beschafft werden.

Der starke Mann

Mussolini hält das Pulver trocken.

Rom, 5. November.

In einer Rede gelegentlich einer Siegesfeier betonte Muss olini die Nnentbehrlichkett der italienischen Grenzen am Brenner >md am Kminer Schneeberg und sagte, daß das italieni­sche Volk in den Krieg ziehen würde, falls diese Grenzen in Gefahr wären. Er und seine Regie­rung seien für den Frieden; aber man dürfe nicht vergessen,daß unmittelbar nach Locarno Kano­nendonner auf dem Balkan gehört worden fei. Kanonendonner erschalle auch heute noch über das Mittelmeer herüber. Italien müsse deshalb ein starkes Heer, eine tüchtige Wasser- und eine ebenso starke Luftflotte besitzen.

3n Washington sehr fle.nl aut

Washington, 5. November. Dir amerikanisch italienischen Schuldenunterhändler haben eine Unterkommission ernannt, die über die Vor­schläge Bericht erstatten soll. Umstritten ist nur die Zahlungsfähigkeit Italiens. Man glaubt nicht an ein Entgegenkommen Amerikas.

Am grünen Tisch...

Besprechungen und kein Preisabbau.

Berlin. 5. November.

Sei einer Besprechung des Reichskanzlers und der Minister mit Kleinhandelsvertretern brach­ten diese Beschwerden vor gegen ungerecht­fertigte Uebergriffe lokaler Behör- den aus Anlaß der Preissenkungsaktion. Sie beschwerten sich mit Recht darüber, daß die Preis fenhtng von Kleinhandel und Handwerk allein nicht durchgeführt werden könne. Sie erklärten -sich auch bereit, m ihrer Wirtschaftsgruppe alle erforderlichen Maßnahmen, die t ie Regierung v-ünsche, loyaldurchzuführe«. Die Sanpt- kampffront der Regierung bei der Preissenkungs­aktion muß aber gegen die Kartelle gerichtet fein, wenn der Kampf em Ergebnis zeitige« soll.

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Sür die Kalt-Angestellten verbindlich.

Berlin, 5. November. Laut Pressenotiz ist der Schiedsspruch für die Angestellten der Kali­industrie für verbindlich erklärt worden. Für sie Arbeiter ist der Berbindlichkeitsspruch noch nicht erfolgt

den. Auch in einigen Gumuttiverken sind neue Aussperrungen erfolgt. Die Parteien sind zu einet Aussprache nach Berlin berufen. Es sind einige tausend Arbeiter betroffen

die Stücke in den Jungenshosen werden geichrckr Löcher ausgesetzt, und Frätzchens alter Frack gibt noch einen schönen Schulanzug für den Vater. Mit flinkem Fuß tritt die eifrige Maschine von morgens spät bis abends früh die Näherin, und oh Staunen; aus bei neuen Garderobe ist ein alter Plunder aufeiftanben!

Auch draußen im Herbst ist die Natur cinge- zogen: die Hohlen haben sich in ihre Kaninchen verkrochen, die letzten Scheunen sind in die Gar­ben gefahren, in den feuchten Aes fein liegt das reife Gras. Auf den von Laub leeren Wegen wirbelt der Wind die welken Spaziergänger in die Lust. Die Kinder sind leer von Spielplätzen, nur die jungen Fußballplätze tummeln sich noch auf den Leuten.

Jetzt ist die Zeit gekockmen, wo der Ofen sich gern um die behaglich brummende Familie ver­sammelt. Die größeren Bücher setzen sich um oen Tisch und lesen in den Kindern, alldieweil die gute Großmutter das Rotkäppchen und den bö­sen Wolf auf den Schoß nimmt und ihnen vom Nesthäkchen erzählt Mtt der Nase auf der Brille, eifrig über den Vater gebeugt, ftublert das Abendblatt die neuesten Nachrichten, während die Mutter klagt, daß sie noch nicht die Fort­setzung von »Jogda Mavanps Heimkehr" gelesen habe. Die Pforten haben schon lange wieder ihre Theater geöffnet, manche Konzerte werden den Abenden gewidmet, wer im Sommer das Freie in der Erholung fudjte, wird jetzt zum eifrigen Musentemvel der Besucher. Im Kov' drängt sich Kino an Kino, tm Kabarett bestau­nen die Künstler die Leistungen des Publikums. Kurz: die Stadt stirbt, aber in der Natur pul» fiert das Leben. Gar bald schon wird der eisige Herbst den Winter ablösen. Und jeder ist frob wenn er jetzt noch ein warmes Haupt hat, wo er sein Plätzchen hinlegen kann. -o-

Kamp? dem (Staff enfrou?r!

Die Verbildung des musikalische« Geschmacks

Musik war immer in uns und um uns, uns die Musizierfreude der Menschheit ist eben die Freude am Dasein. Scharfe Trennungen in der Gesellschaft kamen immer auch in der Musik tum Ausdruck Zwischen dem. was das Volk sang und tanzte, und dem MustzierbedürfniS der Bo-

Der Tag Ver Reformation.

Feier des Evangelische« Bundes.

Der große Saal des Evangelischen Nereins- hauses war am Abend des Resormatio-nsfesteS sehr gut besucht. Die wirklich künstlerische Um* tcchmung der Feier wurde diesmal durch den Altstädter Kirchenchor unter Leitung des Musik­direktors Fuchs und zwei reformatorische Dekla- mationen von Harry Ioeckel gegeben. Im Mit­telpunkte des Abends stank die Festrede des Ge­heimen Konflstorialrats Dr. Trepte über »die nationalen und internationalen Ausgaben der Evangelischen Kirche." Während andere Volker ihre Eigenart auf anderen Gebieten haben, eig­net dem Deutschen ein Zug zur Innerlichkeit. Die evangelische Kirche soll diese Innerlichkeit vertreten erhalten und heiligen. Besonders in dunklen Zeiten, wie den unfern, bedürfe unser Volk dieser mütterlichen Seelsorge seitens der Kirch« Weiter soll die Ktrche die stttlich-religö- fen Kräfte des Evangeliums in das Volks!-ben hineinleiten. D.bei ist die evangelische Kirche nicht auf eine befondere Staatsform, fei sie monarchisch oder republikanisch, eingeschwor-n, hab« sich auch nicht mit einer bestimmten Par­tei zu verbinden. Sie müsse die Wabl der Par­tei jedem einzelnen evangelischen Ehristen ge­mäß seinem Gewissen überlassen. Aber die Kirche werde von ihren Gliedern .ordern, daß sie die Führer, Programme und Zettunge« jeder Par- H so ertiebon. daß jeder auch im Anders­denkenden den Bruder sehe Auch in die wirt­schaftlichen und sozialen Kämvfe greife die evan­gelische Kirche nicht unmittelbar ein. Das Tech­nische in diesen Dinaen sei Sache der Sachver­ständigen. wohl aber warne die Kirche vor der Mr.mmonSherrschatt und dem Reid und habe der Anwalt der Schwachen ,u fein. Die Kirche soll mit einem Wort wie die mütterliche Fsirso-gc- rin der suchenden, hungernden und dürstenden Seele, so das Gewissen unseres Volkes sein. Die Kirche hat sich dafür ein,«letzen daß Zwi­schen den Völkern eine Atmosphäre des Brie­dens aeschafien werde, in her Streitiakeiten möglichst gar nickt anfkommen können, oder d>-ch auf Grund brüderlichen Einverständnisses toeber verschwinden Die ewigen Gebote GatteS Ge­rechtigkeit. Wahrheit. Wohlwollen, gelten auch

Noch eine kavanifche V'wpe.

Gerda v. Tettenborn im Steinen Theater.

Als Frau Assessor Schirrmeister machte sie eine charmante Figur und hatte fast schon die bezaubernden Allüren der Frau von Welt. Der weiche Timbre des Organs fiel wie Musik ins Ohr. Nur fehlten diesem vom Maskenball in die Ehe springenden bräutlichen Kobold noch der glitzernde Plauderton, die betörende Grazie, der heimliche Schalk, der mit Männsrherzen sein loses Spiel treibt. Das Sprühten selchen blieb zu sehr in der Sphäre der Wohlanständig- kett verhaftet. Und in dem prickelnden Schluß­duett glomm doch schon aus der schmiegsamen Süße her Puppenmaske die verhaltene Rassig- keit, der elementare Zug einer Weibsnatur, die sich ihres souveränen Reichtums im Auf und Ab der Gefühlsskala erst halb bewußt ist. -r-

vorzugten, des Adels und der Patrizier, war immer ein Unterschied. Das vvlksmäßtge Musi­zieren wich von der Shmphonie und dem Musik­drama zurück und wandte stch dem Singsptel und der Operette zu. Bei Sttauß ist noch ein Nachklang bet klassischen Zeit zu finden, nach ihm wird die Operette zum Jndufttieprodutt.

Hand in Hand damit geht die Entwicklung der musikalischen Gassenliteratur. Die führenden Musiker standen grollend abseits, als der Gas­senhauer sich die Welt eroberte Half das Hatls. die Erziehung nicht nach, so war ihm die Sitgcnb rettungslos ausgeliefert. Die In­dustrie ging mit. Im kleinsten Do-kwirtshans spielt heute das elektrische Klavier ober ba3 Grammophon bie neuesten Schlager.

Die Komponisten von Schlagern sind oft auch chre Verleger Man bekommt in Operetten den Schlager fünfmal ferviert, und wenn man in ber Pause ben Vorraum betritt, hört man ihn zum sechsten Male Man kann ihm nicht ent­gehen. Die Weisen gleichen stch ganz in ber An­lage unb rechnen damit, daß auch der geistig Minderbemittelte ste leicht behält. Dabei sind gerade die berühmtesten Schlagerkomponisten nickt in ber Lage, ihre Weisen zu harmonisieren, noch weniger zu instrumentieren, unb mancher Musikschüler bestreitet die Kosten seines Stir- diums damit, daß er diese Arbeit übernimmt.

Musttaittch' Komödien.

Zweiter Abend: Offenbach, Schubert, Reichardt.

Der zweite Abend, ben bas Fischer-Ensemble in Kassel gab brachte eine seltene Uebefaschung. Für die erkrankte Lola Walt erschien Fräulein Griesinger, eine Sängerin, bte für diese musikalischen Hauskomödien wie geschaffen ist' ganz unb gar untheatralisch ohne jeden An­spruch. als Schauspielerin genommen zu wer­den wirkte sie nur durch ihre wundervolle Ju­gend. eine natürliche Anmut die dem verstock­testen Griesgram ein Lächeln aufs Gestüt zau­bert So wie ihr Wesen ist auch ihre Stimme strahlend und klar Zusammen mit der begabten Elaire Jache die wieder Beifall über Beifall erntete dem nicht ganz so schlichten Albert Mav unb bem sympathischen Regisseur Herbert Reustabt errang daS Fischer-Ensemble auch

Metten Eie was?

Herbstplauderei eines Zerstreute«.

Wenn die Tage länger und die Rächte kür­zer werden, sagen die Leute: das Land zieht in den Herbst. Die Blätter haben ihre Bäume von stch geworfen. In den frühen Morgenstunden ist ber Rebel von Straßen erfüllt, die Menschen sind bis zum letzten Platz mit Straßenbahnen besetzt, die Büros, bte zu ihren Angestellten eilen, stecken die halberfrorenen Taschen in die Hände. Vielfach muß jetzt das Lampenlicht schon beim Frühstück eingenommen werden, im Feuer slak- kert ein lustiger Ofen, während die Fenster­scheiben gegen den Regen peitschen. Eine tückische Gasse rast durch den Wind, reißt den Leuten bie Köpfe vom Hut, bas Dach von ben Ziegeln und bie Fensterbretter vom Blumentopf. Auf der Wetterfahne dreht sich krächzend der Kirchturm. Die Wolke ist mit dunklen Himmeln bedeckt, und die Kraft ber Sonne hat ihre Strahlen verlo­ren. Besorgt benkt mancher Kohlenvorrat an feine Hausfrau für ben Winter. Die molligen Schränke werben aus ben Winterkleidern geholt. Aber in manchen haben bie Löcher Motten ge­fressen, unb die Kleider sind aus den Kindern herausgewacksen. Wer daher genug Portemon­naies im Groschen hat, nimmt die Stadt zur Hand und fährt in die Einkaufstasche.

Auf dem Schaufenster lacht eine Königsstraße neben der andern, so daß bie Qual zur Wahl wird. Hinter b-n Auslagen prächtige Scheiben, da lachen Pelze, die reich mit Mänteln garniert sind, elegante Seide aus Abendkleidern, Gold- und Silberspitzen reich mit Gesellschaftstoiletten verziert. Formen in den modernsten Hüten, kurz alles, was die Frau des Herzens begehrt. Zagen Schrittes tritt oft der Laden in die Käuferin: wird das fauer ersparte Kleid auch für das neue Geld reichen? Und entsetzt starrt am Abend die Börse in das leergeworbene Auge.

Viel billiger kommen natürlich bie Damen weg, deren Radel geschickt die Finger zu füh­ren versteht; sie machen aus Neuem Altes! Ein reizendes Tanzkleid wird in ein unscheinbares Seidenläppchen verwandelt, aus dem verwachse­nen Sckulkleidchen der Jüngsten ersteht ein jchmuckeS Sonntagsgewand für die Aelteste, auf

auf partttätischer Grundlage einjuridjten.

Ter Bürger könig und fein Präsident. In P er­st e n ist Finanzmtnister Fahim el Molk mit der Führung der Geschäfte des Ministerpräsidenten durch ein Dekret des Königs beautiagt worden.

Krassin i« London beglaubigt. Die britische Regierung hat der Ernennung Krassins zum russischen Geschäftsträger in London zugestimmt.

Unsere gestohlenen Farbstossvatente. Bei dem obersten amerikanischett Gerichtshof ist ein Ver­fahren eingclcltet, um ben Verkauf ber be­schlagnahmten deutscken Farbstoff patente an die chemische Gesellschaft für ungültig er­klären zu lassen.

Ettt russischer Doktorbesuch. Der Moskauer Gcsundheitskominissar Pros. Lemaschko wird dieser Tage in Berlin festere Beziehungen yti deutschen Medizin,,chen Gelehrtenwelt au- luüpfen. Mtt der Herausgabe einer neuen »detttschrussiscken medizinischen Zeitschrift" wurde bereits begonnen

Die erste Antenne am Rhein. Die Rhein­landkommission hat dem Gymnasium in Gei­senheim eine Radio anlaae für Lehrzwecke genehmigt. Ob das die Aufhebung des Radio- Verbots bedeutet?

Schüsse auf einen Potengenet-tt. Im Schnell­zug noch Czenstochau wurde auf General Szeptycki ein Revolverattentat verübt Der General blieb unverletzt; bie Täter enttarnen.

Wähler mit Dolch und Revolver. Bei Wah­len in Mexiko kam es in vielen Städten zu Zusammenstößen zwischen Sozialisten und deren Gegner, Dabei wurden fünf, nach wideren Mel­dungen zwanzig Personen getötet und stebenundzwanzig verletzt.

Neues aus Kaffe!.