Kasseler Neueste Nachrichten
2>U Äenelex «eueften SioArtdiUa «Weinen wSLenllt» fetbdmci nachmittags. D«r LbonnewentSvreis beträgt für den »ionat s.— Mk. bet kreier Zuitelluuo in» Hans, in der GefchSfisstelle abaedolt $it. Durch Sie Pakt monatlich 2.00 Mk. «tslchlieftlich AnktellungSaebühr. Berlaa und Redaktion^ ScbladttbofftroSe 28/30. Sernfnrecbet 951 und 952. ftüt unverlangt einaesandte Beiträge kann die Redaktion eineVeraniwortuaa ober (Seroäbr in keinem Salle Ober nehmen. Rück- jablunj deS Bezuasaelde» oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger vteretiina ift ausgeschlossen. Pottschetkkonio Stanffurf a. Main Nummer 6380
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
952.
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Nummer 259. Einzelnummer 10 Ps, Sonntags 15 Pf.
Donnerstag, 5. November 1925 Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf. 15. Jahrgang
Wiederkehr der großen Koalition?
Vakt ober Untergang.
StresemannS Predigt im Rundfunk.
Berlin, 4. November.
Außenminister Dr. Stresemann wandte sich gestern abend im Rahmen der Rundsunkstunde mit folgender Rede an das deutsche Volk: Es ist kein Zweifel darüber möglich, daß man vor und nach Versailles in Paris glaubte, daß das Problem der Sicherheit Frankreichs durch die Zerstückelung Deutschlands gelöst werden könne. Diese Hoffnungen, die Poinacre und alle politischen Schüler Poincares hegten, sind vereitelt worden. Aber für Frankreich blieb das Problem der Sicherheit. Mit dieser Tatsache mutz jeder Politiker und müffen auch wir rechnen. Bei Passivität der deutschen Politik wäre England letzten Endes Wohl bereit gewesen, die Sicher- beitsfrage gemeinsam mit Frankreich gegen Deutschland zu lösen. Man beginnt überall in Europa einzusehen, datz man mit Krieg und mit der Fortsetzung der Versailler Methoden nicht weiter kommen kann. Darum mutzt: man auch einen Kurswechsel mit dem Ziele vornehmen, an die Stelle der Methoden von Versailles die Verständigung trete» zu lasten. Der Reichskanzler und ich haben, als wir die gesamten Vertragsentwürfe in der Hand hielten, und als uns die Außenminister Englands, Frankreichs und Belgiens die Rückwirkung dieser Verträge auf die Verhältnisse im besetzten Gebiet in sichere Aussicht gestellt Habern nicht gezögert, die Entwürfe in einer Weise zu paraphieren, daß sie in ihrem Wortlaut nur angenommen oder abgelehnt werden können.
Lasten Sie mich Ihnen die Hauptgedanken des Werkes von Lovarno kurz erläutern. Der Westpakt, der Sicherheitspakt, der Kern der Lo- varnoverträge, enthält die Verpflichtung, die Wsstgrenzen weder durch Angriffskrieg noch durch Invasion zu verletzen. Diese Verpflichtung gilt selbstverständlich nicht einseitig für uns, sondern g e na u s o für Frankreich und für Belgien. Wir haben damit keinerlei moralischen Verzicht irgendwelcher Art auf deutsches Land und deutsches Volk ausgesprochen. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker ist in seiner friedlichen Auswirkung völlig unangetastet geblieben. Durch den Abschluß des Sicherheitspaktes erklärt Frankreich, nie wieder Deutschlands Gebiet mit utilitärischer Gewalt verletzen zu wollen und erklärt weiter, daß es damit eiiwerstanden ist, daß England Deutschland als Garant zu Hilfe kommen soll, wenn Frankreich sich nicht an die im Westpakt festgesetzten Bedingungen hält Schon die bloße Tatsache, daß England, der bisherige Alliierte Frankreichs, sich seierlichst verpflichtet, Deutschland gegen einen französischen Angriff mit seiner gesamten See- und Landmacht zu schützen, ist von der größten politischen Bedeutung. Der große Vorteil, den diese Schiedsverträge uns bieten, besteht zum Beispiel darin, daß in Zukunft der gesamte Versailler Vertrag und ebenso das Rheinlandabkommen unter Schiedsrecht stehen.
In den Schiedsverträgen mit Polen und der Tscheche! ist nichts enthalten, was irgendwie als eine Anerkennung der Ostgrenzen an- gesehen werden kann. Frankreich hat hinsichtlich Polens und der Tschechoslowakei keine anderen Rechte erhalten, als wie sie ihm aus seiner Zugehörigkeit zum Völkerbund zu- ftehen. Darüber hinaus haben wir keinerlei Bindungen angenommen. Zum Eintritt in den Völkerbund haben wir schon früher in einem Memorandum vom September 1924 den beteiligten Mächten unseren Standpunkt offen dargelegt. Auf Grund der Perhandlungen in Locarno ist uns eine Note der beteiligten Mächte zugesagt, in der über die Auslegung des Artikels 16 das ausgeführt wird, was unseren Lebensnotwendtgkeiten entspricht. Kein Staat kann Deutschland gegen seine eigene Zustimmung zwingen, an einem K r i e g, z. B. g e« gen Rußland, teilzunehmen. Kein Staat kann das Recht in Anspruch nehmen, ohne Genehmigung Demschlands durch sein Gebiet zu marschieren. Auch das Maß unserer Mitwirkung müsten wir uns Vorbehalten, weil uns unsere einzigartige militärische und ebenso auch unsere geographische Lage dazu zwingen. Das ist uns setzt zugestanden worden. Unser Perhältnis zu Rußland kann schon aus diesem Grunde durch unseren Eintritt in den Völkerbund nicht gefährdet werden.
Die Verträge von Locarno und ihre Rückwirkungen sind für uns ein einheitliches und unteilbares Ganges Wi- den Alliierten gesagt, daß von der Art, wie sie unser Vertrauen rechtfertigen, die Entscheidung des deutschen Polkes und seiner Regierung über die Annahme oder Ablehnung der Locarnover- träge abhängig ist. Ich wiederhole auch bier: Dte Räumung der Kölner Zone gehört nicht zu diesen Rückwirkungen. Wir haben auf diese Räumung einen RechtSanlpruch,
und ich hoffe, daß die nächste Zeit berettS Klar- hett über den Räumungstermin bringen wird. Wenn der Locarnogeist wirklicher Friedensgeist ist, dann muß sich dieser neue Geist aber ganz selbstverständlich im ganzen Rheinland auswirken. Darüber hinaus aber muß Locarno nicht das Ende, sondern der Anfang einer neuen Entwicklung sein, deren wichttgsteS Ziel die Herstellung der Freiheit im Rheinland sein muß. Wir haben auch zum Ausdruck gebracht, daß die gegenwärtige deutsche Regierung keinerlei moralische Beschuldigung Deutschlands am Kriegsausbruch anzuerkennen vermag. Mit dem Eintritt in den Völkerbund besteht auch für uns das moralische Recht für die Verleihung von Kolonialmandaten. Auch diese Tatsache ist uns in Locarno bestätigt worden. Der Sinn von Locarno bestehl in der Erkenntnis, daß die europäischen Staaten nicht länger gegeneinander wüten dürfen, wenn Europa nicht zu Grunde gehen soll.
Zurück zur Koalition.
Tas Zentrum als Mittler von rechts und links. (Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 4- November.
An parlamentarischen Kreisen wird es im allgemeinen jetzt als die Ausgabe de8 Zentrums angesehen, den Widerstand der deutschen Bolkspartei gegen die große Koalition mit Einschluß der Sozialdemokraten zu überwinden. Für heute Rachmtttag sind interfraktionelle Be- fprechimgen zwischen deutscher Bolkspartei, Zcn trum und Bayerischer BoUspartei angrsetzt, in denen man sich übe eine evtl. Regierungserweiterung unterhalten wird. Vielleicht revidiert die Sozialdemokratie ihren Wunsch nach Auflösung des Reichstags.
Vorläufig keine Llmbüdunl?
Die Rechtspartei hat sich selbst ausgeschlossen. (Eigene Drabtmeldung.)
Berlin, 4. November.
Zu der Aussprache des Reichskanzlers mit den Führern der in der Regierung vertretenen Parteien bemerkt ein Rechtsblatt, das Commu- uigue bestätige, daß es vorläufig nicht zu einer Umbildung der Rcichsregierung kommen werde. Ein zweites Blatt betont die volle Uebereinstim mung in der Regierungskoalition besonders erfreulich. Die Regierungsparteien seien sich auch in der M i tz b i l l i g n n g des deutschnationalen Vorgehens einig. Das Zentrumsblatt hebt die Tatsache hervor, daß sich die Deutschnationalen von der weiteren Teilnahme an der Regierung tatsächlich ausgeschlossen haben. Das Blatt erwartet, datz die heutige Vollversammlung dec Zentrnmsfrattion dieser Meinung vollauf beitreten werde. Ein dcmvkratischetz Organ sieht den gestrigen Erfolg in erster Linie in der entschiedenen Stellungnahme der jetzigen Regierungspartei g e g e n das Verhalten der Deutschnationalen. Wie ein Blatt weiter meldet, werden interfrak tionelle Derhandlungen stattfinden, in denen die Möglichkeit eines politischen und wirtschaft lichen Programms für eine Mehrheit von der Deutschen Bolkspartei bis zu der Sozialdemokratie geprüft werden sov. Der „Vorwärts" teilt mit. datz die sozialdemokratischen Führer von Reichskanzler Dr. Luther für heute abend geladen worden find.
painkevvs Antipoden.
Scharfe Rügen von rechts und links.
(Eigener Drahtbericht.)
Paris, 4. November.
Der Abg. C a ch i n kritisierte in der gestrigen Kammerausfprache (stehe auch Kasten 2. Seite) scharf die Bombardierung von Damaskus. Er forderte die Räumung Syriens. Es geht nicht gut an, datz die französische Regierung in feierlicher Erklärung verkündet, datz sie in der Friedensfrage an der Spitze marschiere im gleichen Augenblick, in dem sie in Marokko und Syrien Krieg führe. Abg. Berard führt aus, er fei davon überzeugt, datz alle parlamentarischen Regeln bei der Bildung des neuen Ministeriums Painlevö verletzt worden seien, da die Regierung beschlossen habe, zurückzutreten, gerade als ob es keine Abgeordneten gebe. Man habe gehandelt, als ob man daS parlamentarische Regime diskreditieren wolle. Minifterprä- l dent PainlevL bestreitet die Borwürfe. Er habe in voller Ceffentiirfikit bei der Kabinettsbildung ^erhandelt. Abg. Blum bestätigte diese Acutze- rung Painleves. Seine Partei naSe «e(eg?n**l gehabt, zu beweisen, daß sie noch existiere. Abg. Berard fährt fort: Bestehe das Kartell über
haupt noch? Es sei sich nicht einig über Marokko und auch nicht über die Abgabe vom Kapital. Das Bindeglied zwischen den Parteien sei die Erinnerung daran, datz man den nationalen Mock geschlagen habe. Aber mit einer Chronologie könne man nicht regieren. Diese Regierung fei nach dem Gese^ einer Partei gebildet.
Das Vertrauen der Mehrheit.
Paris, 4. November. (Privattelegramm.) Nach Schluß der Kammerdebatte über die allgemeine Politik gaben die Abgeordneten Hesse (radikal) A u b r i o t (sozialrepublikanisch) und Morel (radikale Linke, Fraktion Loucheurs) folgende Tagesordnung eingebracht, die mit
221 gegen 189 Stimmen angenommen wurde. Die Kammer billigt die Erklärung der Regierung und hat das Vertrauen zu ihr. datz sie in vollem Einverständnis mit der republikanischen Mehrheit eilte Politik des Friedens und der finanziellen Sanierung durchführt.
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Sür und wider Hainlevs.
Paris, 4. November. (Privattelegramm.) Bei der Abstimmung über die Vertrauenstagesordnung stimmten die Kommunisten und die aR e ch t e g e g e n die Regierung, die Sozialisten sowie einige Abgeordnete bcS Zentrums und der Rechten enthielten sich der Stimme. Die sozialistischen Radikale stimmten für die Regierung. Painleve erklärte beim Verlassen der Kammer das Ministerium habe Bestand.
BerUu wartet yd.
Kanzler und Parteien sind fich einig. (Privat-Telegramm.)
Berlin, 4. November.
Ist den gestrigen Besprechungen mit den Parteiführern brachten Kanzler und Außenminister zum Ausdruck, daß die Verhandlungen mit Paris und London über das Ausmaß der .Rückwirkungen" noch nicht beendet sind. Am 20. November, dem Stichtag für das Inkrafttreten der Rückwirkungen, werde eine neue Besprechung mit den Parteiführern stattfinden. Vis zu diesem Termin müsse man zunächst die weitere Entwicklung der außenpolitischen Dinge abwar- ten. In dem amtlichen Kommunige beißt cs: „Die Vertreter der Parteien billigten die Maßnahmen für die Weiterführung der Regierung. ES herrschte allgemeine Uebereinstimmung darüber, datz die Deuttchnationale Partei durch voreiliges Derhalien sich von der Weiterteilnahme an der Regierung selbst ausgeschlossen hat. Eine Einberufung des Reichstages im Laufe des Monats November wird erst möglich fein, wenn ein erschöpfender Tatbestand für die gesetzgebenden Kitztperschaften vorbereitet werden kann.
Von Schulden erdrückt.
Wird PainlevL abtreten?
(Eigener Drahtbericht.)
Paris, 4. November.
Wenn Painkevt in der Kammer auch eine Mehrheit von 32 Stimmen gefunden hat, so ist doch mit feinem Rücktritt noch immer zu rechnen. Die Gefamtlage ist derart, daß niemand außer den Sozialisten einen Ausweg fleht. Rach einer Aufstellung hat Frankreich nicht weniger als dreihundert Milliarden Franks innere und zweihundert Milliarden Franks äußere Schulden. Dazu kommen noch vierzig Milliarden deS Wiederaufbaugebietes. Alles in allem belaufen fich die franzöfifchen Schulden
auf sechshundert Milliarden Franks.
Allein die Zinsenlast beträgt ohne TUgungS- kosten mehr als daS Doppelte deS Vorjahres. Man glaubt, daß PainlevL aus dieser Situation die Konsequenz eines Rücktritts doch noch über kurz »der lang ziehen wird.
Wieder Herr im Hause.
China erhält die Zollfreiheit zurück.
(Eigener Drahtbertcht)
Berlin, 4. November.
Aus Rewyork meldet ein Blatt: Die Pekinger Zrllkonferenz beschloß einstimmig. China gründ- lötzlich die Zolfautonomie zu gewähren unter der Bedingung, datz gleichzeitig die chinesischen Binnenlandszölle abgeschafft werden. Man beriet fiuer -in Provisorium, das bis zur Einführung der Zollautonomie gelten soll.
VoNNk und Schule.
Kultusminister Becker im Landtagssturm.
VrenBee «och 1918. — Das Reichsschulgesetz -IS .-iankaolel. — Alle Äoutcifianen aleichd-rechtigt. Steine UniuerRiät illr Letzrcr. - Die Simultan «kademie. — Partei und Schule. — Grobe Unruhe. — Kultur und Politik.
Berlin, 4. November.
Bei der Allgemeinen Aussprache zum Kultushaushalt fordert Abg. Hoss (Dem.) daß für die höheren Stellen mehr als bisher Republikaner herangezogen werden. Der Versuch des neuen Neichsschulgesetzeutwurscs, die Bekenntnisschule als Rcgelschule eiuzusübren, sei em Attentat auf die Verfassung. Kultusminister Becker betonte bann, es sei unmöglich, ohne weiteres kulturpolitisch genommen die Vergangenheit zu verdammen. Es ist Pflicht derjenigen, die ihre Ideale erfüllt sehen, brüderlich denen die Hand zu reichen, die ihre Jreale haben zerbrechen sehen. Selbstverständlich darf es bei der Kulturpolitik kein Parteischema geben. Sie muß so betrieben werden, daß möglichst alle aufbauenden Parteien Mitarbeiten können. Eine Gefahr für die Einheitlichkeit der Schule lag in der Konfesstonsfrage. Wir brauchen in Preußen eine gewisse Ruhe für die schulische Entwacklung. Dazu gehört ein eindeutiges, klares Reichsschulgesetz. Wir müffen eine Formel finden, wonach die konfessionelle Schule als
gleichberechtigt nebeneinander
bestehen. Jede Gemeinde hätte dann zu entscheiden, welches System sie auf Grund ihrer besonderen Verhältnisse haben will. Es müßte ein Weg gefunden werden, um die einheittiche Bildung zu übertragen auf die Volksschule, und dieser Weg ist gefunden worden durch die neue Lehrerbildung. Ich kann Ihnen klar und deutlich sagen, diese Simnltanakademie wird eine Akademie für evangelische Dissidenten und Juden sein. Eine Katholiken bekommen sie da nicht hinein. Ich bin bereit, wenn das HauS beschließen wollte, neben den drei Akademien, einer katholischen und zwei evangelischen, noch eine vierte, eine simultane, zu errichten, diesen Vorschlag zu befürworten. Das Verlangen der Universitätsbildung für die Lehrer halte ich geadezu für eine Gefahr. Der Finanz Minister ist bereit, zunächst eine Million zur ersten Erleichterung der Not der Junglehrer auszuschütten. Bei Behandlung des Falles Lessing kommt es zu
Kundgebungen auf der Rechten.
Der Minister wendet sich nach rechts und fragt: Wer hat die deutsche Jugend für seine parteipolitischen Zwecke unerhört ausgenutzt? (Neue stürmische Unterbrechungen bei den Deutschnationalen, lebhaftes hört, hört, auf oer Linken). Von der Presse der Rechten und von bestimmten Organisationen sei ein Einfluß ausgeübt worden, um die deutsche Studentenschaft für ganz bestimmte parteipolitische Ten- d e n z e n einzufangen. (Erneute stürmische Unruhe.) Auch auf dem Gebiete der evangelischen Kirche sei ganz erhebliches geleistet worden. Von einer Kirchenfeindschaft könne nicht die Rede fein. Wenn der deutschnationale Abg. Oelze sagte, daß ich nach Severing der zweitschlimmste Minister im Kabinett sei, so habe ich das als ein K o m p l i m e n t aufgefaßt. i'Stürm. Beifall links, Unterbrechungen rechts). Andauernde stürmiscbe Unterbrechungen erfahrt der Minister, als er den Vorwurf zurückweilst, daß im Kultusministerium eine Vorherschaft deS Zentrum» bestehe. Er weist dabei u. a. daraus bin, daß von den 114 mittleren Beamten seines Ministeriums nur sieben Katholiken sind. Die Zusammensetzung des Ministeriums bedeute eine ganz fabelhafte Benachteiligung der Sozialdemokraten und des Zentrums. (Dauernder Lärm rechts und Zwischenrufe). Zum Schluß seiner Rede erklärte der Minister, er werde sich weiterhin wie zuvor von jeder parteipoliti- scheu Beeinflussung fernbalten. Abg. Schwenk (W. Vg.) Zu dem guten Alten, das die Wirt- -chastliche Vereinigung aufrechterhalten wolle, gehöre eine religiöse Erziehung der Jugend. — Abg. Kleinspohn (Soz.) lehnt die Konfessionsschule ab und wünscht, daß alle Verbindungen, auch die materiellen Unterstützungen deS Staates für die Kirche, verschwinden. Abq. Dr. Hoffmann (Dntl.) behauptet, daß Minister Becker nicht unparteiisch seines Amtes walte. Einzig steht der Fall da, daß ein Minister amtlich die Partei seiner Beamten feskstellt.
D e Rarhi wird zum Tage.
Roch Tein Ende im Wiener Lohnkonflikt.
Wien, 4. November.
Die Verhandlungen der Bundesbeamten mit der Regierung, die gestern um 8 Uhr abends begonnen haben, dauern zur Stunde noch fort. ES wurde die ganze Rocht verhandelt. Gegen, toärtig halten die Beamttnvcrtreter eine interne