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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Dienstag, 27. Oktober 1925

Einzelnummer 10 $f Sonntag« 15 Pf. 15. Jahrgang

Nummer 251. Einzelnummer 10 Pf Sonntags 15 Pf.

S1* RflOtter Neueste» Nachrichten ertchetnen wöchentlich techsmat nachmittags ^-.Elbonnementsvreis betrag, für oen Monat 2. Mk. bei Seiet 8u stell uns in8.5?.9ez *n der Wefchaftsitelle abaeboli 1.8V Mk. Durch die Po« monatlich 2. Mk ou-schlienlich ÄustelluiigSaebübr. Verlag und Redaktion Sckiach-iio'ltratze SW. ?-?.Vlp e?)el J61 und 862. Mr unverlangt einaesandte sSeiträae kann die Re- -'n- n-woriuna oder Gewahr in keinem ftalle übernehmen. Rück- wea-n etwaiger nicht ordnungSmähiger

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Nach der Vahlschlacht in Berlin und Vaden.

Das Negierungsschickfal wird hrute entschieden.

Am Scheideweg.

Die Krise nach dem Ministerrücktritt.

Nun hat die deutschnationale Reichslagssrak- tton daS »Unannehmbar" des Parteivorstandes für Locarno bestätigt und die Regierungskrise ist durch den zwangsläufigen Rücktritt der drei Rechtsminister zum offenen Ausbruch gekommen. Die Folgen sind natürlich für den Augenblick unübersehbar. Man hofft, die beiden Minister Neuhaus und S ck i e l e im Regierungskon­zern halten zu können, da ste als Beamtenmini­ster der Parteitaktik nicht unbedingt unterwor­fen sind. Der heutige Kabinettsrat unter dem Reichsprästdenten wird diese ernsten Verwick­lungen zu lösen haben. In parlamentarischen Kreisen herrscht die Meinung vor, daß es zur Auflösung des Reichstags kommen werde, da nach den Erklärungen der Demokraten und Sozialdemokraten mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten ist, daß diese Parteien bei einer Ableh­nung des Vertrages durch die Deutschnationalen ebenfalls gegen den Vertrag stimmen werden, um damit von den Deutschnationalen die Folge ihre» Verhaltens in vollem Umfange tragen zu lassen. Ob sich dieser Standpunkt än­dern wird in dem Augenblick, wo die Deutsch- nationalen dem Kabinett nickt mehr angehören, ist allerdings eine andere Frage. Allerdings scheinen «och nicht alle Möglichkeiten der Beile­gung der Krise erschöpft zu sein. Gewisse füh­rende Persönlichkeiten der Deutschen Volkstzartei bemühen sich unausgesetzt, den Beschluß der Deutschnationalen in seiner letzten Konsequenz abzumildern. Ob diese Bestrebungen einen Erfolg versprechen, nachdem in der Sitzung der deutschnationalen Landesvertreter ein überaus schroffer Standpunkt zum Ausdruck gekommen ist, ist schwer vorauszusagen. Trotzdem sind die Eintgungsverhandlungen auch am Sonnabend zwischen führenden Persönlichkeiten beider Parteien unter Hinzuziehung von Mit­gliedern des Kabinetts fortgeführt worden.

Tatsächlich sind nun die heute uns von London zugebilligtenErleichterungen" für das Rheinland, die sich um einen bestimmten Räumungstermin für Köln scheu herumdrücken mehr als geeignet, ein starkes Mißtrauen für den guten Willen der Vertragsgegner im deut­schen Volke wachzurufen. Nach den bisher von unseren Gegner beliebten Methoden, ssck selbst über feierlichst niedergelegte Verpflichtungen hinwegzusetzen, ist dieses Mißtrauen weiter Kreise in Deutschland durchaus verständlich. Frankreich hat tatsächlich die englische Garantie für seine Ostgrenze erreicht und ist stolz aus die­sen seit Jahren angestrebten Erfolg, der noch durch die neue freiwillige Anerkennung Deutsch­lands seine moralische Vertiefung erhält. In Deutschland fragt man sich nun nickt mit Un­recht, welcher Preis von unseren Gegnern be­zahlt worden ist. Das Offenbleiben der Ost­frage ist ohne Zweifel ein deutscher Erfolg. Aber auch hier trübt das französische Sonderabkom­men mit Tschechen und Pden die Freude.

In Kreisen, die dem Reichskanzler Dr. Lu­ther nahestehen, hofft man, daß ein rechtskräfti­ger Rücktritt des Gesamtkabinetts noch vermieden werden kann und man weist gleichzeitig darauf hin, daß die Möglichkeiten eines Verbleibens des übrigen Kabinetts im Amte äußerst beschränkt sind.Insbesondere werde von der persönlichen Stellungnahme des Kanzlers sehr viel abhängen, zumal er per­sönlich bisher seinen ganzen Einfluß ausgeboten hätte, um die Deutschnationalen in der Regie­rung zu halten. In führenden parlamentari­schen Kreisen hört man, da ßdie Reichstags­fraktionen dringend nach Berlin be­rufen worden sind, um so schnell als möglich zu der Lage Stellung zu nehmen. Falls sich die Situation irgendwie zuspitzen sollte, halte man sogar eine frühere Einberufung des Reichstags für notwendig. Reichskanzler Dr. Luther vertritt insbesondere die Auffassung, daß die ernste Krise, die jetzt ausgebrochen ist, nur durch ein Votum des Parlaments gelöst werden kann und will daher schon jetzt die Parteiführer zu sick bitten, um mit ihnen die Frage einer sofortigen Einberufung des Reichs­tags zu erörtern. Im übrigen erwarten die parlamentarischen Kreise mit größter Spannung den Ausgang der heutigen Kabinettsbe­ratungen und der Besprecknng zwischen Reichskanzler Dr. Luther und Reichspräsident von Hindenburg. Von rechtsstehender Seite ist die Frage aufgeworfen worden, inwieweit die Möglichkeit bestehe, daß der R e i ch s p r ä s i - d e n t etwa persönliche Konsequenzen aus dem Beschluß der deutschnationalen Fraktion ziehen könnte. Immerhin hält man es für vollkommen ausgeschlossen, daß die jetzt eingetretene Krise

etwa auch die Form einer Präsident­schaft s k r i s e anuehmen könnte. Sehr interes­sant ist die Tatsache, daß auch die deutschnatio­nalen Führer vom Reichspräsidenten empfangen werden, der mit ihnen die neu geschaffene Lage erörtern will In eingeweihten Kreisen will man wissen, daß Hindenburg versuchen will, die Deutschnationalen trotz ihrer schweren Bedenken in der Regierung zu halten. Es ist aber sehr zu bezweifeln, ob dadurch etwas an der äußerst zugespitzten Lage geändert werden kann.

Wie Berlin gestern wählte.

Das letzte Ergebnis non heute morgen. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 26. Oktober.

Bis 9 Uhr morgens lagen die Ergebnisse der Stadtverordnetenwahlen aus allen bis aus zwei Bezirke vor. Danach haben erhalten: Sozial­demokratische Partei 589 703, Deutschnationale Volkspartei 370 604, Deutsche Bolkspartei 104 809, Kommunisten 332 109, Demokraten 166 896, Wirtfckaftspartei 71 062, Zentrum 61271, U. S. P D 24426, Deutschvölkische 26 411, Deutschsoziale 25 193, Evangelische 16 696, Arbeiterpartei 746, Hauswirte 147, Sparerbund 3975, Mittelstandspartei 2421, Ar­beitnehmerpartei 434, Nationale wirtschaftliche Vereinigung 644, Nationalliberale Partei 1369.

*

Sieger unv Besiegte.

Berlin, 26. Oktober. (Privattelegramm.) Nach den bisher festgestellten Ergebnissen der Ber­liner Stadtverordnetenwahlen würden erhal­ten: Sozialdemokraten etwa 74 Sitze (bisher 461 und frühere Unabhängige. Die deutschnationale Volkspartei etwa 47 (bisher 42), die Deutsche Volkspattei etwa 13 (bisher 35), die Kommu­nisten etwa 42 (bisher 20), Demokraten etwa 21 (bisher 17), die Wirtschaftliche Patte' 9 (bisher 12), Zentrum 7 (bisher 8), U. S. P. 3, die Deutschvölkische 3, Deutschsoziale 3 (bisher 1.)

DkeLmksyarkei an derGpHe.

Letzter Stand der Berliner Sonntagswahlen.

(Eigene Drahtmelcung.)

Berlin, 26. Oktober.

Bis gegen 3 Uhr lagen von 2387 Wahlbezir­ken aus Grotzberlin aus 2082 Wahlbezirken die Resultate der Stadtvcrordnetenwahl vor. Da­nach haben erhalten: S. P. D. 507280, Deutschnationale Volkspart. 316720, Deutsche Bolkspartei 91469, K. P. D. 304 149, Demokraten 150 354, Wirt- chafispartei 63 826, Zentrum 55366, U. S. P. D. 23224, Deutschvölkische 23 586, Dcutsch- oziale Partei 21 829, Evangelische 15193.

Wie Baden stimmte.

Starke Verlusts... Kleiner Gewinn.

(Telegraphische Meldung.)

Karlsruhe, 26. Oktober.

Nach dem Ergebnis der gestrigen Landtags­wahlen wird der Landtag 72 (bisher 86) Abge­ordnete zählen. Es entfallen aus das Zen­trum 28 (34), Sozialdemokraten 16 (21), Demokraten 6 (7), Rechtsblock (Deutsch- nationale und Landbund) 9 (14), Deutsche Bolkspartei 7 (5), Kommunisten 4 (4), Wirtschaftliche Vereinigung 2 (1) Sitz. Somit haben das Zentrum sechs Sitze, die Sozialdemo­kraten fünf, Demokraten einen, Rechtsblock fünf Mandate verloren, während die Deutsche Volkspartei einen Gewinn von zwei Sitzen und die Wirtschaftliche Bereinigung von einem Sitz zu verzeichnen haben.

Offene GtäSle unter Feuer.

Neuer Vormarsch der Griechen. Ein Faustpfand.

(Durch Funkspruch.)

Sofia, 26. Oktober.

Amtlich wird berichtet: Gricckifckre Attillerie beschießt feil gestern die Orte Piperitza und Portovo. Man meldet bereits zahlreiche Tote und Verletzte unter der Bevölkerung. Die grie­chischen Truppen fahren fort, weitere Stellun­gen auf bulgarischem Gebiete zu besetzen. Es bestehl nicht das geringste Zeichen, daß sie einen Rückzug beabsichtigen. Man Hal den Eindruck, daß Griechenland beim heutigen Zusammentritt des Völkerbundes in Paris einen großen Strei­fen bulgarischen Gebietes in Landen haben will. Athen soll verlangen, die bis dahin be­

setzte Zone auch weiterhin besetzt halten zu dür­fen, um gegen Einfälle geschützt zu fein.

Sn Negierungslabyrwth.

tun Gesam!"'-ttr tt Die Sckucksolsparirirv (Pttvoi-Telearomm.)

Berlin. 26. Oktober.

Der Reichskanzler Hal heule mittag eine Ka- bmellssitzung eiuberufen. um die durch den Rücktritt der deutschnationalen Minister geschaf­fene Lage zu beraten. Daß es zu einem Rück trillsgefuch des Gesamlkabinetts kommen wird, ist wenig wahrscheinlich, weil dieses den Locar­novertrag im Reichstag zu vertreten und durch- zubringcn Hal. Die Entfscheidung liegt jetzt letzten Endes bei der d e u 1 s ch e n B o l l s p a r- t e i und zwar dahin, ob sie einen Anschluß nach links milmachen will und bei der Sozialdemo­kratie, ob sie durch Wiederanschluß au die Volks­partei den Vertrag von Locarno retten will.

Halbe Versprechungen.

Kein Räumungstermin. KargeZugeständnisse". (Eigene Drahtweldung.)

Paris, 26. Oktober.

Ein Sonderkorrespondent führt ou8: Die der Bolschaflerkonferenz vorliegende deutsche Enl- wafsnungsnole werde dem SachverständigenauS- schntz zur Prüfung überwiesen werden. Die deutsche Role werde als befriedigend an­gesehen. DaS gestatte auch, mit der Ausfüh­rung der in Locarno zugesagten Erleich­terungen über daS Besatzungsregime zu einem Teil nun zu beginnen. Aber auf alle Fälle könne man nach dem augenblicklichen Stand der Dinge nicht einen Zeitpunkt für die Räumung der ersten Zone sest- legen. Die Engländer könnten Köln erst ver­lassen, wenn gewisse Truppen aus Wiesbaden zurückgezogen feien. Die Alliierten nähmen die Rückkehr deS Reichskommissars für die besetzten Gebiete in Aussicht. Auch werde das P a tz w e s e n erleichtert werden. Auch das Requistlionsrechl könnte abgeändert werden. Man sehe voraus, daß die Abänderungen ebenso schwierig und verwickelt seien wie die Frage der Unterbringung der Besatzungstruppen. Aus diesem Grunde könne man heule noch nicht die Zeit bestimmen, die die Durchführung der Maß­nahmen in Anspruch nehmen werde.

Tief in der Kreide.

Caillaux' Schuldenbilanz und Programm. (Eigener Drahtbericht.)

Paris, 26. Oktober.

In einer Rede veranschlagte Caillaux gestern den Gesamtbetrag der französischen inneren Schuld auf dreihundert Milliarden Francs. Hierzu komme eine außerordentlich beträchtliche äußere Schuld, deren Höhe er kaum zu schätzen wage. Zu alledem müsse man noch für die Zwecke deS Wiederaufbaues etwa zwanzig Milliarden hinzurechnen. Es sei immer sehr leicht gewesen, immer zu schreien, De u 1 s ch- land werde bezahlen. Unter dieser For­mel niederer Demagogie habe man von allen Seilen Geld geliehen. Caillaux forderte progressive Steuern, damit der Reich­tum stark belastet werde. Den Luxus müsse man rücksichtslos besteuern. Es müßten Sonder­steuern eingesühtt werden, die man lange Jahre hindurch geduldet. Man brauche Zeit, Geduld, Methode und Kredit.

Lügen haben kurze Beine.

Ein deutsches Kriegsgrcuelmärchen.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 26. Oktober.

Die Erklärung des britischen Generals Charteris in Rewhork, daß der während des Krieges ausgegebene Bericht, nach dem die deutschen Soldaten Leichen gekocht haben sollen, um Fett zur Glyzeriiigewinnung zu erhallen, aus einem gefälschten Soldatenlagebuch stamm­te, erregt in der Presse immer größeres Aufse­hen. Lloyd George, der damalige Premier, er­klärte, daß er die Geschichte damals nicht geglaubt habe und daß er sie auch heule nickt glaube. Man habe gewußt, daß er nicht w'ahr fein könne, aber in der K r i f iS d e S K ri e g s - f i e b e r s fei e§ unmöglich gewefen, zu verhin­dern, daß ein Bericht vieler Art geglaubt wur­de. Die Blätter kündigen an, daß im Por- hv'tcni Anfragen in dieser A'igelepe <r"'l v die Regierung gestellt werden sollen. i

Kirchensteuer.

Klagen über unsoziale Veranlagung

Von

Kreispfarrer Bachmann-Kassel.

. lieber unsoziale Veranlagung zur Kirchen* steuer ist geklagt worden. Diese Klage trifft nicht den Gefanttverband der evangelischen Kirchengemeinden. Er darf für sich ein sozialeS Berständnis in Anspruch nehmen. Gewiß ist eins richtig, das konnte auch der Gesamtverband nickt auS der Welt schassen, daß die Kirchen­steuern wie alle Steuern im Vergleich zu den FriedcnSsätzen eine Höhe haben, die wir selbst bedauern, aber in Folge der wirtschaftlichen Lage bisher nickt zu ändern vermochten, wie gern wir das auch getan hätten. Wir hoffen, daß unsere Bemühungen nach dieser Richtung bin für die Zukunft Erfolg haben werden. Im­merhin darf nicht vergessen werden, daß

die Veranlagung im Jahre 1925 gegenüber dem Jahre 1924 durch ministerielle Anordnung erhebliche Besserungen ausweist. Gerade für die unteren Gehaltsstufen sind nicht zwei oder drei Besoldungsgruppen für den­selben Steuersatz zusammengesaßt worden, son­dern die neun ersten Besoldungsgruppen vertei­len sich auf sechs Steuerklassen. DaS ist viel besser gegenüber dem Vorjahr 1924. Für daS Jahr 1925 entspricht die Behauptung, daß zwei oder drei Besoldungsgruppen regelmäßig »u» fammengefaßt seien, nicht den Tatsachen. ES ist richtig, daß die Steuerkrast der untersten Be­soldungsgruppen und der untersten Gehalts- fiusen voll angespannt ist. Aber eS darf nicht vergessen werden, daß die Steuerkrast der höhe­ren Gehaltsstufen nicht nur nach oen für sie festgesetzten Pauschfätzen auSgenutzt ist, sondern weit darüber hinaus, denn neben den aus die Pauschsätze aufgebauten Kirchensteuern sind Die höheren Gehaltsstufen gleichzeitig

auf Grund der Voranmeldungen vorauszahlungspflichtig.

Sie zahlen also die Kirchensteuer nicht nur von dem Pauschfatz, sondern auch von den Voraus­zahlungen auf die Reichseinkommensteuer, so­weit diese den Steuerabzug übersteigen. Die Pensionäre wie die auf Wartegeld gesetzten Be­amten sind meist eine Gruppe niedriger, jeden­falls unter ihrem Einkommen veranlagt. Die Veranlagung für die Kirchensteuer ift durch den Gefanttverband der evangelischen Kirchenge­meinden erfolgt. Irrtümer konnten gerade bei der heutigen wirtschaftlichen Lage und mangeln­der Unterlagen trotz aller Bemühungen nicht vermieden werden. Der Einspruch gegen eine zu hohe Veranlagung war bei dem Büro der Kasse des Gesamtverbandes der evangelischen Kirchengemeinoen, Lutherplatz 6, anzubringen. Berichtigung der Veranlagung ist stets an­standslos erfolgt, wobei nicht nur daS Recht, sondern auch die Billigkeit eine wesentliche Rolle spielte.

Nöte in der Familie, besonders persönliche Belastungen sind bisher immer in unserem Büro für eine wesentliche Herabsetzung der Kirchensteuer in Anrechnung gebracht. Das geht schon daraus hervor, daß vis jetzt fast ein Sechstel aller Lohnsteuerpflich­tigen EMiäßigunq oder Erlaß ihrer Steuer­schuld erhalten haben. Die Gemeindeglieder waren also über den Weg zu einem erfolgver­sprechenden Einspruch nicht in Unkenntnis ge­lassen. Auch der Pauschfatz, nach dem die Kir« ckensieuer von jedem berechnet werden kann, war auf der Rückseite des Steuerzettels ange­geben. Immerhin wollen wir für die Zukunft diese Berechnung unseren Kirchensteuerzahlern noch leichter macken. DaS Einspruchsrecht >r- lifcht nach Ablauf von vier Wochen, aber wir Haden auch nack dieser Zeit bereitwillig Ein­brüche entgegengenommen. Denn wir wollen uns gar nicht bloß auf das Recht berufen, son­dern Billigkeit und freundliche Rücksichtnahme sind für uns Grundsätze des Verhaltens.

Die Reichsbahn als Kaufmann.

Eine gute Seplemberbilanz.

Laut Septemberbericht ist der Güterverkehr der Reichsbahn gestiegen. Im Durchschnitt wurden arbeitstäglich etwa fünf Wage» mehr als im Vormonat gestellt. Die Grüni« dafür sind in erster Linie aus den zunehmendes Ernteverkehr, aus gesteigerten Versand: von Kohles Düngemitteln, Kartoffeln und Bau­stoffen zurückzuführen. Die Betriebsabwick­lung wurde flüssiger und wirtschaftlicher gestal­tet und eine erhebliche Personalerspar- n i s erzielt. Der Personenverkehr war in der erf--n Hälft' hcS September nock sehr stark. In der zweiten Hälfte trat ein merklicher Rückschlag