Kasseler Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Sonntag, 25. Oktober 1925
Ernste Tage für Paris und Berti n
Einzelnummer 10 Pf^ Sonntags 15 Pf. 15. Jahrgang
Nummer 250. Einzelnummer ia Pf. Sonntags 18 Pf.
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Friede nach außen, Krise nach innen. I Vormarsch trotz Völkerbund
friedliche und ehrliche
und steht mit Gewehr bei Fuß in den eroberten I Regierungskrise unvermeidlich ist, wenn die Stellungen. Auch hier haben wieder einmal ele- deutschnationale Rcichstagsfraltion dem Be- mentare Gewalten der Volksseele nicht anders Schluß des Parteivorstandes Folge leistet. Stre-
wie in Marokko, Syrien, China alle Klammern
Paris, 24. Oktober.
den Krieg weit weniger wahrscheinlich machen, als dieses sonst der Fall sein würde. Diejenige Nation, die den in Locarno geschlossenen Frieden stört, wird den Fluch der ganzen Welt auf sich ziehen. Es ist das erste Abkommen, das alle Feind? versöhnt, ohne alte Freundschaften zu beeinträchtigen. Auf verschiedene Anfra- gen erwiderte Chamberlain: Furcht und Argwohn muffen beseitigt werden, um die A b r ü - st u n g möglich zu machen. Europa verstößt keineswegs Rußland; Rußland ist es selbst, das sich sernhält. Der schwierigste Punkt ist der Eintritt Deulslands in den Völkerbund gewesen. Bei einem Mandatswechsel ist Deutschland
für ein Mandat wie jedes andere Land wählbar. Die gesamte Grundlage unserer Versöhnung mit Deutschland ist d'e unerschütterliche Freundschaft zwischen Frankreich und uns.
polnischer Ueberfall auf unsere wehrlose Reichshauptstadt als Schreckbild vor Augen?) Athen will jedoch Europa nicht herausfordern
Briands Gtlhjen wanken.
de Monzie gegen Caillaux. -r Locarno gefährdet (Eigener Drahtbericht.)
Die griechische Offensive in Bulgarien noch nicht eingestellt.
in ?!2SSrtÄ 7~ Sote und Verwundete auf beiden Seiten. — Wird SnanM Gegenbefehl befolgt? — Athen meldet das Ende, Sofia den Fortgang der Offensive.
friedlicher Verträge gesprengt und zum Selbst- und Notrecht gegriffen, wie es die Geschichte zu lausendmalen verzeichnet.. Man wird also nach diesen neuen Lehren die Friedenspfeiler auf festerem Grund errichten muffen, als es papierne Verträge sein können, die doch von einem Plötzlich ausbrechenden politischen Vesuv eines Tages zerfetzt werden. An die ethischen Verankerungen, die Brücken der Kultur von Volk zu Volk, die tiefe Friedensbereitschaft jedes einzelnen zur sittlichen Vollendung werden wir alle Kräfte setzen muffen, um das uns zugefallene geistige Erbteil der Menschheit zu Nutz und Frommen zu verwalten und ihr die Edelsaat deutscher Kunst und Geisteswisscnschat nutzbar zu machen.
F. R.
(Privai-Telegramm.)
Berlin, 24. Oktober.
Au den deutscknationalen Parteibelchlüffcc (siehe 2. Seite) bemerkt ein Blatt, es ließe sich sehr aut denken, daß das Reichskabinett den Beschluß ist eine Rückenstärkung für weitere Verhandlungen mit der Entente benutzt, die sich nunmehr darüber klar sein mnß, daß sie dir von Deutschland anaebotcnen Opfer mit wirklich entsprechenden Gegenleist ingen ausgleicken mutz. Ter deutschnationale Beschluß brauchte also durchaus nicht ohne weiteres Anlaß zu einer Regierungskrise zu sein. Im Gegensatz hierzu erklärt ein Rechtsblatt, daß eine
Sofia, 24. Oktober. «Durch Fuukspruchl Die bulgarische Regierung hat den Völkerbund benachrichtigt, daß die griechischen Truppen gestern Nacht ihre Operationen fortsetzten und bereits in bulgarisches Gebiet auf einer Front von32KilometerBreiteundzehnKi- lometer Tiefe eingedrungen sind. Unsere bisherigen Verluste sind drei Tote, sieben Verwundete, sieben Soldaten vermißt, einer schwer verwundet. Unter den Einwohnern der völlig ungeschützten Stadt Petritsch, die von griechischer Artillerie beschossen wird, sind sieben Verwundete bis jetzt zu verzeichnen.
der Auserwählte war da, der Wundertäter. Die Damen teilten der Zarin die frohe Botschaft mit: der Mann ist entdeckt worden. Auf einen unverzüglich m Be- ehl des Hofes erscheint der Staretz i n P e. tersburg. Rasputin macht auch auf die Ge« iellschaft einen großen Eindruck. Der Zorcn wurden allerlei Geschichten von aem Einsiedler, von seiner geheimen Kraft erzählt. Ab.-r auch er ist darauf vorbereitet, wie er sich am Hofe zu verhalten hat. Man hat auch den Moment gewählt, wo man ihn mit den besten Aussichten ür die Zukunft der Zarin vorstellt: be: einem chweren Anfall des Thronfolgers. Rasputin ist endlich am Hofe, bei dem Zarenpaar: der Schauspieler ist in seine Rolle eingeireten. Ohne die üblichen Hoszeremonien zu beachten und sie zu achten, fängt der .heilige Bruoer" kühn und dreist an, den »Väterchen Zaren" und die »Mütterchen Zarin" vertrauensvoll zu duzen. Er bekreuzigt den Kranken im Bette, er bekreuzigt auch das Zarenpaar und fordert cs befehlerisch auf, zusammen mit ihm für die Gesundheit des Zarewitsch zu beten. Dabei legt der Starey seine Hände auf die Stirne des Kranken, cr richtet seine hypnotisierenden Augen auf ihn, zieht aus der Tasche ein Paketchen, schüttet daraus ein Pulver in das Glas mit Wasser-, chmiert damit die blutigen Nasenlöcher des Kranken, legt noch einmal seine Hand auf seinen Kopf, flüstert dabei ein Gsbet, oer Kranke wird ruhig — und siebe da —! das Wunder ist geschehen, der Blutverlust hört auf. Ter Zar, und namentlich die
mysteriöse, abergläubische Zarin,
Wer war Rasputin?
Der große Hexenmeister am Zarenhof.
Von
W. J. Gabrielowitsch.
Som Saitetn&of ,»« Zareutbro». — DaS Ideal der Grohiurftruucu. — Das G-bei»rais des Wu». dertaterS. — Er heilt Le« TbroMolger. — LieL- lccg bei Hofe. — Der mächtigste Mau» int Zarcu- rct*. — Ruhlauds böser Dämon. — Wie er de» Dcbrbefehlshaber stürzte. — Ende mit Schrecke».
haben nun den festen Glauben, Rasputin sei der Reiter. Das Kind läßt den »Onkel Griscka" oft zu sich bitten. Der .hohe" Gast ist auch immer da. Von nun an ist Rasputin am Zaren- So;e wie. bei sich zu Hause. Er beherrscht dort dre Gemüter, er ist der heilige Bruder, der Wun- dertäter. Keine Kraft ist imstande, den Glauben und das Vertrauen an seine Allmacht zu erschüttern. Rasputin ist von nun an auch der Herr seiner Umgebung. Es wird ein Luxusappartement für Rasputin und seine Gefolgschaft eingerichtet. Seine Wohnung ist nun zum Wallfahrtsorte geworden. Aus allen Teilen des Zarenreiches kommen zu
Es war einmal — und es ist gar nicht solange her — in Sibirien ein höchst unwissender russischer Bauer. Es geschah, daß dieser Mann aus einem Bauernhöfe in die Residenz Peters des Großen geholt und in den Hof Nikolaus II. eingeführt wurde. Es geschah weiter — es war während des Welckrieges, daß er in der Politik, ja in der Kriegsleitung Rußlands, den größten Einfluß auszuüben vermochte. Daß er diesen Einfluß mißbrauchte und schließlich auch einer der Verderber Rußlands wurde, lag schon in der Natur der Sache. Dieser Mann hicß Grigory Rasputin. Die Geschichte der Neuzeit kennt keinen zweiten Rasputin. Wegen seiner grenzenlosen Liederlichkeit war Rasputin von seiner Dorfgemeinde in einen entfernteren Flecken Ostsibircens verbannt worden. Da aber der Wüstlii
Mit dem zweiten deutschnationalen Axiom der .LebenSnolwendigkeiten" als da sind: Allgemeine Abrüstung, Widerruf der Kriegsschuldlüge, sofortige Räumung des ganzen Rheinlandes usw. wird der Kanzler die störrische Rechtspartei auf die Zeit nach der Unterzeichnung zu vertrösten wissen. Denn kein verständiger Mensch bestreitet, daß h i e r tatsächlich die nächsten staatsmännischen SiegeSpalmen Winken, des Schweißes der Edlen wert. Ob man jedoch die besorgten Patrioten davon überzeugen kann, daß der Verzicht auf gewaltsame Aenderung der Westgrenzen n i ch t auf Anwendung friedlicher Mittel zur Verständigung (namentlich im Osten) verzieh, ten heißt, und daß darüber hinaus Briand's Sondervertrag auch für Polen's Grenzen nur im Fall eines unprovozierten deutschen Angriffs ein- setzt, daß also Frankreich nur gegen einen Angreifer marschieren darf. . . Ob es also den StaatSlenkern gelingt, den rechten Flügel bei der Stange zu halten, wird sowohl über Lo- carno wie über ihr Sein oder Nichtsein selbst entscheiden. Denn mit dem zweiten gestrigen „Unannehmbar" der Partei sind wir einer Regierungskrise tatsächlich schon bedenklich nahe, wenn es natürlich auch verfrüht ist, schon jetzt Minister- auStritte, Reichstagsauslösung usw. zu prophe- ^eihen. In Preußen hat deroweilen gleichsam als Gegengewicht gegen die latente Reichskrise das Zünglein der Abstimmungswage für S e v e - ring auSgeschlagen, womit freilich auch hier die fast groteske in der Parlamentsgeschichte beispiellose Dauerkrise nicht behoben, wenn au chfür den Moment ausgeschaltet ist. Auf das Wetterbarometer im Landtag sowohl wie im Reich wird der Ausfall der morgigen Berit- ner Stadtverordetenwahlen nicht ohne Rückfschlag bleiben, da hier die breiten Massen (es stimmen vier Millionen) zum erstenmal als Probe aufs Exempel ihr Urteil über die große Aufwertungs- und Steuerreform der Re- gierung fällen werden. Die bürgerlichen Parteien treten hier in fünfzehn Listen zersplittert an Wahlurne, eine Tatsache, die für den Waflerkops Berlin nicht gerade sehr hoffnungsvoll stimmt. Als symptomatischer Stimmungsmesser für Locarno, Innen- und Preispolitik werden auch die morgigen LandtagSwahlen in B a d e n zu bewer- ten und namentlich für die Haltung des Zentrums bestimmend sein. An diesem Schnittpunkt schießt das Krästespiel innerpolitischer Spannungen wieder mit den großen Zeitereignissen zum dramatischen Weltbild zusammen. Und in das Hosiannah der Locarnojünger dröhnen dumpf die Kanonen- und Flintenschüsse griechisch-bulgarischer Schlachtlolom.en. Zwar hat Briand als Völkerbundhaupl beschleunigt seine Küchlein nach Paris zusammengelockt, aber ehe dort der schuldige Teil erkannt und ein Erpeditionskorps gegen ibn losgelassen ist, können General Pangalos MarSsöhne selbstverständlich das (ähnlich wie Deutschland) entwafsnete Bulaarien mit Haut und Haar verschlucken. (Wem steht dabei nicht ein
Ucber beit gestrigen dramatischen Kabinettsrat verlautet: Justizminister de Monzie habe nach Caillaux Vortrag fein Erstaunen darüber ausgedrückt, daß sechs Monate, nachdem Caillaux Ftnanzrninister geworden sei, cr nicht ein- mal fein umfassendes Programm ausgearbeitct habe. Caillaux habe lebhaft erwidert, aber die große Mehrheit der Anwesenden sei zurückhaltend gewesen. Caillaux habe dann die Ausarbeitung der definitiven Gesetzentwürfe in Aussicht gestellt. Auf einen Rücktrittswink soff er geantwortet haben, er werde das Finanzministerium nur auf Grund einer Abstimmung im Parlament verlassen. Briand war gegen einen Rücktritt des gesamten Kabinetts, da die Intlftrierung von Locarno durch eine Kabin-tts- krrsr hinausgeschoben würde. Schließlich hab'- man sich für eine Vertagung entschieden.
LocarnoalsRegierungSkrise?
Folgen der Ablehnung von rechts.
schlutz des Parteivorstandes Folge leistet. Stre- semanns Organ schreibt: Tie deutschnationalen Minister seien vollständig desavouiert. Für ihr Zerstörungswerk müßten dann die Deutschna- tivnalen die volle Verantwortung tragen und es handelt sich dabei um die gesamte Arbeit des Reichskabi"-'tts i 'ährend der vergangenen emösf Monate. Ein Berliner demokratisches Blatt hält für den Fall, daß die Deutschnationalen wtrklrch aus der Regierung ausscheiden, es sür unmöglich, daß dieser Reichstag den Vertrag von Locarno verabschiedet. Dann mütze der Reichstag sich auflösen und Neuwahlen erfolgen.
als „Staretz", d. h. als Einsiedler von einem Kloster in das andere zu wandern. Dabei lernte er einigermaßen lesen und schreiben, bearbeitete seine eigenartige »praktische Lebensanschauung", bekam auch einige Kenntnisse in der Volksmedizin. Da schickte eines Tages die Kaiserin nach einem schweren Anfall des unheilbar kranken Thronfolgers, die Großfürstinnen Militza und Anastasia in das berühmte Kloster von Kijew, um dort für die Gesundheit des Kranken zu beten und ein Wundermittel Heimzubringen. Dort war es eben, wo die großfürstlichen Pilgerinnen den Staretz im Bauernkleid zum ersten Male, als cr auf dein Klosterhofe Holz hackte, trafen. Dieser machte auf sie einen außergewöhnlichen Eindruck. Sein hoher Wuchs, seine schwarzen und dichten Haare, der lauge und schwarzgränzeude Bart, die eindrucksvollen Gesichtszüge des Einsied
lers, aber ganz besonders seine tiefen, äußerst hellen Augen mit schwarzen Wimpern uns zottigen Brauen. Diese Augen besaßen die geheime Kraft, in die Tiefen zu dringen. Auf Frauen besaß er einen rätselhaften Einfluß. Daß der »heilige Bruder" bei alledem vech die Zauberkraft besaß, »unheilbare Krankheiten zu heilen", krönte seine anderen Eigenschaften. Also: das Ziel war erreicht:
Wüstling überhaupt keine he Arbeit liebte, beschloß er,
; Sie rücken toieöer vor.
Die Bulgaren weichen kampflos zurück.
(Durch FunkspruckU
Sofia, 24. Oktober.
Amtlich wird gemeldet, daß die Stadt P e t r i t f ch gestern von schwerer griechischer Artillerie beschossen wurde. Nach zeitweili. gern Anhallen des Vormc-rfches haben die griechischen Truppen unter Bedeckung von Artillerie die Osfensivbewegung wieder ausgenommen. Zwei Bataillone rücken auf dem rechten Strumaufer in Richtung Petritsch vor, während ein drittes anscheinend das Dorf Petrovo, fünfzehn Kilometer östlich der Struma zum Ziele hat. Bisher befolgen die bulgarischen Truppen den Befehl, sich nicht in einen ungleichen Kampf einzulassen.
Der Völkerbund regt sich.
Briands Warnungen. — Chamberlain in Paris (Eigene Drahtmeldung.)
Genf, 24. Oktober.
Briand hat den Völkerbundrat auf Montag, den 26. Oktober nach Paris einberufen, um sich mit dem zwischen Griechenland und Bulgarien ausgebrochenen Konflikt zu beschäftigen. Briand hat an die bulgarische und, an die griechische Regierung ein Telegramm^ gerichtet, in dem er sie an ihre feierliche» Verpflichtungen aus Grund des Artikels 12 nicht zum Kriege zu schreiten und an die fchwerwie senden Konsequenzen erinnert. Er verlangte, daß die Truppen jeder Regierung sofort hinter ihre Grenzen zurückgezogen würden. Laut Havasmeldnng
Die aus der Friedensarche des Lagio Maggiore aufgeflatterte Friedenstaube, der man in den gesegneten Gefilden Galliens und den fette» Triften jenseits des Kanals viel enthusiastischer zujubelte ails in den herbstkühlen, leiddurchweh- ten deutschen Gebreiten (sie hatten gut jauchzen mit dem deutschen Verzicht fast ohne Gegengabe in der Tasche) .. . diesem Vogel der Verheißung entfiel vor Schreck der Oelzweig, als ihm aus der Reichshauptstadt mit dem Hallelujah der Friedfertigen zugleich das .Kreuzige" der Mißtrauischen entgegenschlug. Und auch die beiden Examenskandidaten Luther - Stresemann werden am Donnerstag nicht schlecht überrascht gewesen sein, als ihnen der gestrenge Graf W e ft a rp in einer ungnädigen Reichstagslektion so gründlich das Locarnokonzept verdarb Und doch barg dieses barsche .Nein" der Deutschnationalen schon halb das gewundene Jawort und bedeutete mehr eine klug berechnete energische Geste an das .«umige Ausland, als eine unverhüllte Ablehnung deS unabänderlichen Antikriegspakts. Denn von Wulle bis Pieck ist man sich darin einig, daß kein deutsches Parlament jemals den Vertrag sanktionieren könne, ehe nicht Al Eidbruch vom 10. Januar mit der Räumung Köln- aus der Welt gesfchafst ist, ehe nicht alle hier oft gestreiften bindenden Zusagen inbezug auf die BesetzungSfron eingelöst sind und der furchtbare seelische und physische Druck von der verzweifelten Rheinland genommen ist. Angesichts deS geschlossenen, unbeugsamen Volkswil- lcnS für dieses deutsche Mindestprogramm ist an dem Einlenken der Entente kaum noch zu zweifeln
wird sich Außenminister Chamberlain am Sonn tag nach Paris begeben, um an der bedeutungsvollen Sitzung des Völkerbundes teilzunehmen.
Gewehr bei Fuß.
Griechenland erwartet den Völkerbundsspruch.
(Durch Fum'spruch)
Athen, 24. Oktober.
Die griechische Regierung veröffentlicht folgende Erklärung: „Rach dem grichischen Vormarsch auf Petritsch müsse» die griechischen militärischen Operationen als b e e n d e t angesehen werden. Der grichisch-bulgarische Zwischenfall tritt jetzt in eine rein diplomatische Phase "in. Die griechischen Verluste betragen vier Tote und acht Verwundete. Es wurden auf griechischer Seite mehrere Gefangene gemacht.
Auf der Frieöenskauzel.
Chamberlain preist das Wunder von Locarno.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 24. Oktober.
Vor Pressevertretern erklärte Chamberlain: Locarno soll ein Trennungsstrich zwischen den Fahren des Krieges mit denen des Friedens fein. Wir waren in Locarno die wahren Exponenten der überwiegenden Stimmungen in unseren verschiedenen Ländern. Wir waren bewegt von demselben entschlossenen Willen, die Bahn des Argwohns, des Haffes und be*1 Furcht der letzten zehn Jahre — und ich kann wohl sagen — vieler Jahre zu verlassen. Unsere Abkommen werden