Nr. 240.
Fünfzehnter Jahrgang.
Kasseler Neueste Nachrichten
2. Beilage.
Mittwoch. 14. Oktober 1925.
zum
derers Hause fehlen sollte, ein Kunstwerk, wie es schöner lange nicht geschaffen wurde und . . . ein leckeres Abschiedsmahl, einen prachtvollen Johannisbeerwein, freundlicher Händedruck . . auf Wiedersehen!
Meroloube und Zauberei.
Das „Zaubergesetz" der Kenja Kolonie.
Die gesetzgebende Körperschaft der britischen Keniakolonie in Ostafrika bat jetzt das sog. .Zaubergesetz' angenommen, durch das schwere Strafen auf alle abergläubischen Gebräuche und Maßnahmen gelegt werden. Bei den Verhandlungen über dieses Gesetz wurden eingehend die verschiedenen Formen des Aberglaubens und der Zauberei besprochen, die noch unter den Eingeborenen im Schwange find und von den Verwaltungsbeamten festgestellt wurden. Es zeigte sich, daß diese Afrikaner, die doch schon so lange die .Segnungen' einer europäischen Herrschaft genießen, noch immer von der Wiege bis zum Grabe ihren uralten Bräuchen folgen. Von demAugenblick der Beschneidungszeremonie an, durch die der Knabe in den Kreis der Männer ausgenommen wird, tritt er von einer geheimnisvollen Gemeinschaft in eine andere, bis er sich
Das Geheimnis des Erfolgs.
Die Eigenart des Ritters vom hohen C.
Mit dem Wiederbeginn der Konzert- und Theatersaison konzentriert sich alljährlich von neuem das Interesse des kunstsreundlichen Publikums auf den ausübenden Künstler, besonders aber, soweit wenigstens die Damenwelt in Frage kommt, auf den Tenor. Wer versuchen wollte, das Geheimnis des Erfolges zu ergründen, den dieser bevorzugteste aller Sänger in der Liebe hat, der würde zunächst die überraschende Ent-
AM dem Honstein
Buntes Laub an trotzigen Ruinen.
Von
Dir writgrichichtijchrn Togr non ifararno.
Die Tage von Locarno nehmen das Interesse der ganzen Welt in Anspruch. Daß sie für uns Deutsche von ganz besonderer Tragweite sind, bedarf keiner Betonung. Heute zeigen wir unseren Lesern zwei Bilder aus den Tagen von Locarno, und zwar links: Chamberlain während einer Unterredung mit Mr. Lampson, einem Mitglied der englischen Delegation; —rechts: Briand und der technische Berater des französischen Außenminiestriums Berthelot.
Wir steigen zum Turm empor. Oben, auf der wuchtigen Brüstung in einer Höhe von 470 Metern sitzen wir und schauen in die bunte Welt, ‘fr'ort drüben der Rüsteberg, von dem die Honsteins stammen, tief unten dio Landhäuser und Höfe, in denen heute noch Hansteiner wohnen, da der Bilstein, dort der Ludwigstew, der einst Grenzposten gegen die räuberischen Hansteiner ... die heutige Generation bestreitet, daß die Ahnen unrechtmäßig, unedel gehandelt.
Wte Familientradition lebt tut Halbdunkel des Rittersaales und des Aeltestengemachs . . dort redeten kurze Daten von der Geschichte der Burg, die aus dem siebenten Jahrhundert stammt, von dem vierten Heinrich erstmals zerstört wurde. Dreimal wurde die Burg erbaut, oft vergebens bestürmt, bis sie verfiel, als andere Zeiten die Burgenzeit beendeten.
Hebet den Burghof schreiten wtr und sitzen auf den Steinbänken des Kunigundenfensters . . drüben der Ludwigstein über der Werra, fern blauend der Berg der Frau Holle, der Meißner und die Romantik webt wunderbare Träume ... Unter uns aber das grausige Mittelalter mit schaurigen Verlieben und schweren Gewölben ... Hier ist das Semmelhansloch. Ein Gat- tenmörder wurde darin gehalten. . .
Das junge Volk ist da. Göttinger Pensions- mädel fürchten sich vor dem Dunkel der Treppen und Hamburgerinnen, die drunten in Bornhagen wohnen . . sie kriechen mit in alle Höhlungen^ Von Rambach herauf klingt Glockenmusik und dann eine andere Musik . . . ursprüngliche . •
Kirmes! *
Ez sitzt sich gut in Meister Funkes Großmut- tersofa, auch der Kirmeskuchen ist gut und der Kirmeskuchen nicht minder! Dann steigen wtr den steilen Burgweg nieder nach Bornhagen Das Karusiel dreht fick im Kreise. Die Dorsjugend dreht es. Einmal drehen, einmal fahren. Daneben wird der Lukas gehauen und in dämmerigem Tanzsaal dreht sich das lunge Volk. Oben unter der Decke sitzt die Musik und blast sich fast die Lungen weg. Kirmes! Alles dreht fW-.
Und oben verdämmert die Burg. Beim Schein der alten trauten Petroleumlampe betrachten wir sinnend eine hübsche Kunstmappe vom .Haustein', die eben im Berliner Verlag von F. Zillesen erschienen ist, der auch den bekannten Hanstein-Roman herausgegeben hat. Paul Heidelbach hat des Hausteins Werden und Vergehen geschildert und was der Maler Herbert Rothgängel hier oben genial geschaffen . wtr haben sie oft erlebt, diese Btlder des HanstetnS zur Frühlingszeit, in Gewitterstimmung, tm Aerfoft . . . erst heute . . . auch die am Kuni- guudenfenster und auf der hohen Warte. Und dann der Hanstein im Schnee . .. Frau Holle da drüben . . . wie bald, wie bald ... der Wmd ging bereits rauh durch das Gemäuer, als wir noch einmal durch das Spitzbogentor schritten, unter dem Neidkopf an der Mauer, der die Zunge tmn .Gegenüber' ausstreckt...
Wir klappen die Mappe zu, die in keines Wan-
Pechschwarz ist die Nacht, die so zeitig schon dem Herbstabend folgt. Noch schwärzer, gigantisch in die Höhe gezogen, dräuen wenige Sekunden lang die Türme, die Mauern und sind waren doch so voller Herbstgold, so lieblich umkleidet von der versöhnenden Natur, die gebrochene Trümmer adelt . .
Kein Stein ist zu sehen, der Weg von leichtem Regen geglättet und ... da rettet das jüngste Kasseler Industrieunternehmen die verspäteten Wanderer, die zum Zuge in Werleshausen eilen. Die Taschenlampe, die zum Nachschreiben bei Lichtbildervorträgen in der Kasseler Batteriefabrik von Loewe und Hellwig geschafft wurde, bestrahlt weithin den Weg ... ihr Licht
leuchtet uns heim. Die Lampe hat ihre .Feuerprobe' auf diesem wilden Bergpfad glänzend bestanden.
Abwandern war's. Noch ist es Zeit, wer den Hanstein in Herbstvrcuht bewundern will ... der Heimat ganze Größe faßt ibn dort oben an. Wie lange noch und dort drüben auf dem Meißner kommt Frau Holle in Betrieb . .?!
Rudolf Heynemann.
Roch einmal zum Hanstein empor, der stolzen Burg der Werra, die sich so kühn in den Himmel reckt. Dort waren wir, als die Kirschen blühten, jetzt, da im Raschellaub die letzten Nüsse zu suchen sind, soll auch der Hanstein das Ziel des Abwanderns sein . . .!
Werleshausen! Drunten der blitzende Fluß und auf dem gelben Berge die Wanderjugendburg, der Ludwigstein. Unv über uns wieder Rot und Gelb und darüber die trotzigen Mauern auf rötlichem Sandstein, die ragenden Türme ... der Hanstein! Lachender Jugend voran steigen wir auf felsigem Wege zur Burg. Blitzblank sind Rimbachs Straßen. Wir sehen uns an. Sollte hier Kirmes sein? Meister Funke, das Ideal eines Kastellans, der uns durchs Glas schon kommen sah, ist tief gekränkt in seiner Würde als Rimbachs Ortsschulze: Unsere Straßen sind immer sauber. Wer . . . eS ist tatsächlich Kirmes. Hier und in Bornhagen !
Und dann sitzen wir wie so oft hinter den eseuumsponncnen Fensterchen des alten Torbaums, die Fleischbrühe dampft, das Frühstück schmeckt, aber erst spukt es . . - der berühmte Burggeist . . .
Zweimal erscheint das wundertätige Getränk, das Gesunden und Kranken gleiche Wohltat erweist . . noch dazu um diese Jahreszeit!
M
Brennendrotes Laub des wilden Weins rankt sich an den Mauern der Kapelle empor, im Burggraben glühen rote Ebereschen im gelben Laub und dahinter die wuchtig geschichteten Sandsteinquadern und aus ihnen gewachsen dte Mauern, die Türme!
Und hier ein mächtiger Steinaltar und daran eine Bronzeplatte, auf der mancher aus dem Geschlechte Derer von Hanstein genannt ist, zweimal Brüder dabei u. darunter die inhaltvolle Schrift: Sie starben getreu der Ueberlieferung ihrer Familie für König und Vaterland den Heldentod!
Das Ehrenmal ist's, das die Familie von Hanstein ihren Gefallenen von 1870 und 1914 bis 1918 in den Trümmern der Burg der Väter errichtete. Aus demselben Gestein wie das der Burg. Und am Fuß das Wappen mit den drei Halbmonden, das gleiche, das in den Ruinen der Burg immer wiederkehrt. Kürzlich ist das Mal geweiht worden. Sinnend hält jeder, der die Burg durchwandert!
Aber der Herbst leuchtet umher und dte Blätter fallen leise und wir denken der Tage im Lenz, im Glück .. . Blatt um Blatt fällt. . .
Eine Vogelheimat.
Der Lummenselsen auf Helgoland.
Wer des Nachmittags auf der roten Nord- seeseeinsel landet, den treibt ein unaufhörliches Verlangen, noch am ersten Tage das seltsame Eiland zu umschreiten. Schnell ist er im „Oberland' und beginnt seinen Rundgang in westlicher Richtung. Noch schritt er nicht weit nach Norden vor, als er von einem nie gehörten arrr — arrr — orrr — orrr überrascht wird, das sich in das Brausen der Wogen und das Pfeifen des Windes mengt. Das ist das Tag- lieb der Lummen, das sie von Sonnenaufgang bis Untergang ertönen lassen. Dieser südlichste Vogelberg von Europa, der „Lummen-Felsen', ist Helgolands schönstes Naturdenkmal. Den
allmählich der heiligsten Runde nähert, der alle Medizinmänner umschließt und aus dem die zwei oder drei wirklichen Beherrscher des Stammes hervorgehen.
Es ist nicht ganz klar, wie ein Eingeborener zum Medizinmann und damit zum einflußreichsten Manne feines Dorfes wird. Manchmal herrscht das Prinzip der Erbfolge, dann wieder werden die Zauberer aus einer ganz bestimmten Klasse ausgewählt: durch besondere Begabung kann man sich aber ebenfalls zu dieser Stellung auf- fchwingen. Jedenfalls herrscht bet den Stämmen ein „Tabn'-System, das auf den Angaben der Medizinmänner beruht. Wollen die jungen Männer Krieg führen, so können sie es nur, wenn der Zauberer günstige Zeichen findet; nichts kann gepflanzt werden gegen den Fluch des Medizinmannes. Wenn die Polizei die Benutzung eines Wasserloches verbietet, so hat die Anbringung einer Tafel gar keine Wirkung; aber ein zerbrochener Zweig oder ein bemaltes Stück Holz, das der Zauberer hinlegt, hält jeden davon ab, aus diesem Wasserloch zu trinken.
Wie bei aller Zauberei gibt es auch hier eine „weiße' und eine „schwarze Magie'. Die weiße Magie ist wohltätig oder wenigstens harmlos; durch die schwarze aber werden furchtbare Qualen, Tod und Verdammnis auf den Unglücklichen herabbeschworen. Es gibt einfache Kräuterkenner, die durch die schwarze Magie zu Giftmischern werden; es gibt Zauberer, die gewiegte Hypnotiseure sind, es gibt Regenmacher und Beschwörer, die ahnungslose Wesen „behexen". Für die Eingeborenen sind diese beiden Arten der Zauberei vollkommen verschieden, aber das neue Zaubergesetz macht keine Unterschiede, sondern es verfolgt alle Zauberer, mögen sie nun weiße oder schwarze Magier sein.
Drutsldrr LArltrrklird: Srgetfllrger Schutz über 12 Stundrn in der Luft. Bei einem Segelflug-Wettbewerb in der Krim stellte der bekannte deutsche Segelflieger Schulz einen neuen Weltrekord auf, indem er 12 Stunden 6 Minuten 25 Sekunden in Höhen bis zu 400 Meter in der Lust blieb.
Ein Glück nur, daß das Fleisch deS Vogels ziemlich tranig schmeckt, sodaß es sich weder alS Leckerbissen noch als Exportgut eignet. Immerhin schätzt ihn die Küche der Einwohner sehr, sodaß eine Schonzeit auch für die Lnnrmen einge- halten werden muß, soll das Jagdgebiet dauernd sein und das einzigartige Naturdenkmal erhalten bleiben. Früher begann die Lummen- iogd am Jakobilag, und mit einer gewissen Feierlichkeit gab vom Boot aus der LandratS- verweser den ersten Schuß. Dann begann das Mordgeballer von allen Seiten. Tausend Stück wurden damals durchschnittlich auf solcher Jagd umaebracht. und die letzten Summen, die immer noch zum Felsen flogen, weil sie als todesmutige Eltern ihre Jungen nicht verlassen wolli-n, waren die Ziele der besonders guten Vogelschützen. Wer das Jammergeschrei der hnngrr- sterbenden Jungen, das dann noch tagelang von dem Felsen herabtönte, griff doch manchem Bade- gast und Helgoländer ans Herz. Man hat jetzt den Beginn der Jagd auf den September verlegt, an welchem Tage die harmlosen Tiere gro. ßenteils schon auf hoher See sind. Dr. L". F.
In der Eigenart dieser Anforderungen liegt die Problematik der Tenor-Natur und zugleich das Geheimnis ihrer exotischen Wirkung auf das andere Geschlecht. Das starke Temperament, das der Gesang des Tenors ausströmen muß, erfordert persönliche Leidenschaftlichkeit. Andererseits aber stört zu starke Leidenschaft das Gleichmaß der seelischen Ruhe, was für den Gesang des Tenors verhängnisvoll werden kann, denn ein Uebermaß an Leidenschaft macht die Stimme spröde wie die Schlacke das Eisen. Deshalb muß die Natur des Heldensängers bei der Fähigkeit starken Leidenschaftsempfindens auch den harmonischen Ausgleich besitzen, den Mäßigung und Selbstbeherrschung bis zum völligen Verzicht verleihen. Und gerade das verstärkt den Reiz der Person auf das andere Geschlecht: das Begehren wird intensiver, je unerreichbarer sein Gegenstand erscheint. Der Tenor ist demnach eine Natur, in der sich die Gegensätze von Leidenschaft und Phlegma ausgleichen müssen
Wohlklang der Stimme. Dieck-Man.
ganzen Sommer durch schimmert er von dem schwarzweißen Farbenmosaik seiner Bewohner, dröhnt er von dem schmetternden Geschrei ihrer Stimmen. In der Nähe betrachtet, gibt dieser nordische Tauchvogel, den die Wissenschaft als „Uria folge' bezeichnet, viel Interessantes zu schauen. Wie beim Pinguin ist fein Leib toal» zenförmig aufgerichtet, die Augen blicken harmlos treu, die stummelartigen Flügel aber sind so tief angesetzt, daß Brust, Hals und Kopf pari vorgeschoben erscheinen. Prachtvoll ist der Glanz des enganliegenden Gefieders, das über dem Rücken schwarzbraun, vom Bauch bis zur Kehle schnee-weiß gefärbt ist.
Bei den Lummen herrscht das Einkinder- shstem vor, das jedoch wieder durch das ziemlich hohe Alter des Vogels wett gemacht wird. Ist das Junge ausgebrütet, dann beginnt das wildeste Treiben um den Felsen. Fortgesetzt schwirren die Alten vom Felsen zum Meer und aus den Fluten wieder zurück, immer unter den ! aleichen Trimnphgesängen junge Heringe, Sand- spieren und andere Nahrung herbeischleppend. Einem Vogelbienenstock gleicht der Felsen. Nach shiei Monaten heißt's für die Jungen, den Sturz in die Tiefe zu wagen. Lange fliegen und trippeln die Alten vor ihnen her, bis sich die Flüggen endlich, halb unfreiwillig, auch durch den Hunger gezwungen, dazu entschließen. Von da an aber entfernen sich die Vögel von Tag zu Tag weiter auf die See.
deckung machen, daß alle Tenöre einander ähnlich leben.' In der Tat zeigen alle Bilder solcher Ritter vom hohen „C" fast ausnahmslos stattliche M körperlicher Fülle neigende Herren mit dunklem, meist schwarzem Haupthaar. Die meisten Tenöre von Qualität entsprechen dieser Darstellung, Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Es ist nicht Zufall, daß diese Aeußer« lichkeiten charakteristisch geworden sind für den Tenor. t , .. _ ,
Die Lage der Tonskala fnr Tenor tst eine eigenartige und wohl die schwierigste in der Ge- sangskunst. Sie fordert eine für die Stimmlage des erwachsenen Mannes schwer zu haltende Höhe, weshalb es auch nur wenige gute Tenöre gibt, und sie in Männergesangvereinen häufig durch Knaben ersetzt werden. Dazu erfordert der Ton einen temperamentvollen und doch nicht schrillen Ausdruck. Der „Timbre" des Tenors muß klangvoll und „metallisch" sein, d. h. fest, biegsam und glanzvoll. Nun ist bekanntlich der schwarzhaarige Mensch meistens der temperamentvollste, den braunhaarigen lenmeichnetWeich- beit der Gemütsart, während rot blond und weiß (Weizenfarben)den Typus der Nordländer (Fischblut) bilden. Der hagere schwarzhaarige Mensch ist der Typ des Fanatikers und Asketen, seine Stimme ist schrill und schreiend. Dagegen ist die Stimme des Mannes mit Fettansatz weich. Der zur Fülle neigende und zugleich auch schwarzhaarige Tenor vereinigt also in sich alle Voraussetzungen für eine Stimmlage mit klangvollem Ausdruck.
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