Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
in»
Sonntag, 11. Oktober 1925
Eine fchwen ©treiffrife in Varis
F. R.
Rcschi (Pcrfien), im September.
10. Oktober
In dem Havasbericht über die gestrige Un
ierredung zwischen Briand und
Strcsemann
Paris, 10. Oktober.
tPrivat-Telegramm.) Paris,
Europas Lufammenfchluß.
Das Hauptthema zwischen Briand u. Strcsemann
N« zerstobener Märcheatranm. — Ein Bienen- Awarm »o« Geväckträger». — Der geschröpfte — Ei« Hafen ohne Schiffe. — Unter Ruhlaads Fuchtel. — Jin Krieg mit den Turkmenen. — I« den dunklen Bazars.
mir ernsten Nachrichten über Schwierigkeiten aus Locarno rechnen muffen, wenn die Entente- Vertreter nicht anderen Sinnes werden wollen.
SkrezynsNs Trümpfe.
Polens Liebäugeln mit Moskaus Programm. lEigener Drabtbericht.»
Gegen Keieg und Teuerung.
Pariser Kommunisten lähmen den Verkehr.
(Eigener Drnhrberichr.)
Paris, 10. Oktober.
Laut Pressenotiz sind in den Vorstädten von Paris gestern abend drei kommunistische Abgeordnete verhaftet worden, als sie vor Fabriken Aufrufe zum Verkehrsstreik verteilten. Die Flugschriften enthalten außerdem einen Protest gegen die Teuerung und den Marokko- krieg. Die Verhafteten wurden später entlassen. Ein Kommunistenblatt sagt für heute vormittag 10 Uhr in Paris den Verkehrs- streik an. Der Streik soll sich auf die Straßenbahnen und die Autobuffe erstrecken. Ein Havasbericht führt aus: Es wird sich zeigen, ob das bedeutet, daß am kommenden Montag in ganz Frankreich der 24stündige politische Kriegs- und Teuerungsstreik stattfinden wird.
(Eigene Drabtmekdung.i
Washington, 10. Oktober.
Tie Witwe des verunglückten Shenandoah- Konnnandanten Lansdowne hat gestern vor dem Marineausschutz ihre Aussage wiederholt, daß das Marinedepanemem aus p o l i t i f ch e n Gründen trotz des Einspruches ihres Gatten vw Shrnandoah zum Fluge nach den westlichen «taaten entsand. habe. Ihr Gatte habe die An- sicht geäutzert, daß die Shenandoah ein Kriegsluftschiff sei und mcht für inlän- dtsche Flüge verwendet werden sollte.
heißt cs (siehe auch 2. Seite) Letzterer habe beim Abschied die Miene wirklicher Befriedigung gezeigt. Es sei kein Zweifel, daß sie sich keincs- lvegs von redaktionellen Kompromissen unter - hielten, das sei vielmehr Aufgabe der Juristen. Die beiden Staatsmänner hätten sicherlich wer- terblickcnd die Gesamtheit der politischen und wirtschaftlichen Fragen behandelt, die ganz Europa interessieren. Der Weltkrieg habe in der Tat die Organisation Europas in einer Weise umgestotzen, daß man unmöglich Abhilfe schaffen könne, ohne die Mitarbeit aller Nationen, die noch an den Folgen des Krieges leiden. Diese machtvolle Jntcreffengemeinschaft müffc beiden. Regierungen zu wirtschaftlicher und politischer Solidarität veranlassen. Hier hätten Briand und Streseman sich leicht nähern können. Es handele sich jetzt nur noch um den Weg.
Dämmerung im Osten.
Aber noch kein Bülkerbundkompromiß gefunden. (Eigener Drahtvericht.)
In ernster Stunde.
Noch kein Ausweg aus dem Locarnolabyrinth.
Nie ist um Völkerschicksale ernster, leidenschaftlicher, erbitterter zwischen den Olympiern der Politik gerungen worden, als in dieser dramatischen Woche hinter den Blütenhecken und verhängten Hotelfenstern verschwiegener Lago Maggiorenefter. Nie hat die Seele eines zu oft enttäuschten, immer wieder zum Paria erniedrigten Volkes, vertrauensseliger, erwartungsbanger an den Zügen seiner Sendboten, in ihrem Schachwettspiel gegen die drei Weltmeister Europas gehangen. Und niemals hat am Stellwerk der Zukunft eine höhere Verantwortung auf den Häuptern der Staatsgewalti- gen, der deutschen Heimat, gelegen und dem Land ein heißerer Schöpferwille Arm und Nerv gespannt, als diese Neugruppierung und Neuordnung der europäischen Kräftespannungen mit dem Ziel, Deutschlands Weltgeltung gegen alle Machenschaften mißtrauischer Gegenspieler wieder zum Recht zu verhelfen. Gegen diesen elementaren deutschen Freiheitswillen verteidigt Europas verschlagenster Advokat Briand mit allen Künsten des schlechten Gewiffens (unter dem stillen Applaus seiner Ententegemeinde) den Versailler Shylockschein und die Schutz- und Trutz- bündniffe im Osten.
Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. 15. Jahrgang
freien Durchzug durch deutsches Gebiet im Kon-jsphärc gcschaffen ^rdcm u.
TlittfaHe gewahren will. Man wird daher noch sich in einigen Monaten nach Moskau beae- Mlt ernsten Nackr.cknen iist» den gtoEdS Besserung der polnisch-russischen Be-
ziehungen. Wir sind nicht hierher gekommen, >8. Reisebrief unseres Mitarbeiters K. Himmel.) so fuhr der Pole fort, um auf irgend welckzcn --- - - —'
Schiedsverträgen zu bestehen, sondern um ein loyales Kompromiß zwischen den berechtigten Forderungen Deutschlands und der gerechten Durchführung der Verträge zu finden.
Kriege mit den Turkmenen, die an den Küsten Hab und Gut und Frauen tLir?°man> Truppenteile anrücken, [(ept sich das wilde Nomadenvolk in die unwea- samen Berge zurück. Damit aber die Perser ist"iist-e^z^nannten Kriege etwas merken, ist über das ganze Land Kriegszustand verhängt. Wohl sind in Pahlevi (Enselt) das mit dem lenfeits der Bucht liegenden Ka- »»rr,^v"_^bntausend Einwohner "zählt, der russische Einschlag allenthalben unverkennbar, M^ab flan’ Nordpersien als russi-
fflef*8^er^enecWet Zusehen ist. An den Äden persischen auch russische Schilder. Aber wenn man in den engen Gaffen zwischen den in rein orientalis^r rTl aufgcbauten medngen, enggedrängten B a -
<L?anlcI,t.bann kann man in jedem ande- J*" ^rt auch fernen besseren Einblick in die Art und den Charakter des persischen Lebens gewin. nen. Die stoische lässige Art des Orientalen, der auf seiner Strohmatte mit gekreuzten Bei-
Im heißen perflm.
Ankunft am Land des „Goldenen Löwen".
Än^taem>rerfe:EinbetmifcheGe!chLflsanzclaenZeite20pfL.auSwärttL« Gelchätu- anzetaen eZeile L» Psg., rtamilienametgen delle 20 Wq., Kleine Anzeigen üaS Wort «n Muä". Arklawen die decke 76 Pig. Cnertgebilhr 10 lftg. (bei dicken» ,, der Offenen , 5 Ts. ,ubezahlen. Makaebend ist 0er Kurs
des dadlungStages. Kür die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufoeaeSene nA> zeigen, sowie für «mnahmedalen und Plätze kann nicht garantier' werden. Kür ^ro,.Aufschlag. Druckerei: Schlachtbof- strafte 28/SO.GeschScksstelle: Köln.Str. 6, qegenirb.der Svoftrstr, Fernfpr 051 it. 952
Falle, da er dem'großen Bruder im Westen f nachbarlicher Beziehungen günstige Atmo- frcien Durchzug durch deutsches Gebiet im Kon- ivvtire -mnrh»,, Er selbst würde
‘ Paris, 10. Oktober.
Laut Havas fei bezüglich des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund noch kein erfolgt. Hier könne allein der Bolkerbund selbst entscheiden. Das Problem der franzosisct-en Garantie der Ostocrirägc scheine gestern abend in den ernstcn Weg des Fortschritts geführt worden zu sein. Gcwiffc Formeln seien von den Juristen geklärt worden, über die sich die Konferenz heute zu entscheiden habe. Es sei übrigens möglich, daß der heutige ta8 nicht genügen werde, um einen endgültigen ACS* festzusetzen, aber man müsse schon jetzt alS einen wichtigen Fortschritt Vie gestrigen Erklä rungen des polnischen Außenministers ansehen.
Benesch» Entwurf schon fertig.
Locarno, 10. Oktober. (Eigener Drahtbericht.) Laut Sonderbencht hat Bene sch einen ferti- n t to u r f über den dentsch-tschechoslo- wakrschen schiedSgerichtsvertrag mttgebrmÄ Dieser Entwurf, der die erste Fühlungnahme bei einem rein zufälligen Zusammentreffen des deutschen und des tschechoslowakischen Außen- ministers bei Tisch in einem dritten Hotel war.
U» an de» zwischen der Tschechoslowakei und Polen bestehenden Vettrag anlehnen.
Die Schuld am Untergang.
Anklagen der Kommandanten-Witwr.
11ter 238. Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.
$ie ^eueften Siaititicbteii erlebe men wöchentlich lechSmal nachmtttaas
D-^'^?"stEmemtzpreie beträgt kür oen Monar '*<>.— Hif. bei freier dune Huna ^^>oft6fteUe Qbaebolt 1.50Mk. Durckdie Poft monntlid) i.wanf >errdDre*e? unb Redaktion Schlachtüoiitrafte 28/80.
SnrI?nn u., üiSL ?6 M- ,vi,J unverlangt eipaefünbte Beiträge kann die Re- ,Äl>,na h.a 'worinna oder («ewäbr in reinem Falle übernehmen. Rück- !Ä’Vjö,e<’elde? ober Ansprüche roenen etwaiger nicht ordnungSmäftiaer erünn st anSaekchlokken. Postrcheckkon'o Frankkur' a. Main Wummer 6380.
Dr Stfener glaubt an die Dolksfpenve.
-- ^.^lin, 10. Oktober. Auf einem Bierabei.d für die Presse betonte Dr. Eckener, daß die Zeppelin-Spende im wahrsten Sinne des Wortes eine Volks spende sein werde. Sollten unsere ehemaligen Gegner uns. nicht den Bau cmes Luftschiffes bewilligen, so würde man vorläufig ein kleines innerhalb der erlaubten Grenzen schaffen. Das deutsche Volk dürfe im
In einer Rede in Salisbury sagte gestern abend Lord Grey: Chamberlains Wunsch, daß man das Vergangene begraben möge, passe ausgezeichnet für die Konferenz in Locarno. Tiefer als die Frage, welches Land für den Kr.eg verantwortlich sei, werde die allgemeine Stimmung zu werten fein, die v o r d e m Kriege in Europa bestand. Wenn Europa wie damals wieder in zwei Lager geteilt werden sollte, so würde cs wiederum Krieg geben. Großbritannien dürfe in Zukunft nur °“6. S)wi ©rönöeit in den Krieg gehen, L wenn es tatsächlich angegriffen werde und 2. nicht zu 6 cm Zweck, ein bestimmtes Land oderGebiet oder eine bestimmte Grenze zu verteidigen, sondernum den Grundsatz des Schiedsgerichts auf- rechtzuerhalten. Wenn der Sicherheitspakt zu- standekomme, dann sollte es eine Verminde- rung der Rüstungen geben. Sollten die Verhandlungen scheitern, würde Deutschland kein Dlltgkied des Völkerbundes werden und die Rüstungen müßten fortdauern. Ohne Völkerbund würden jetzt wahrscheinlich Großbritannien und d»e Türkei im offenen Kampf stehen.
Der Traum von einem Märchenland, als das sich viele Persien vorzustellen pflegen, erhalt einen bitteren Beigeschmack, sobald man ; nur das Land etwa bei der Ankunft im Hafen von Pahlevi, früher Enseli, betritt. Wenig Marchenhastes bietet schon das äußere Bild des Ortes. Meist niedrige, strohbedeckte Hütten, enge Gassen, das Ganze von drückend schwüler, staubdurchtränlter Lust erfüllt. Und dann kommt die Umstellung vom Sowjetrubel auf Toman- und Krane. Mit der „deutschen Reichsmark" ist man rettungslos verloren, die nimmt k->n Wechsel-Büro, keine Bank und auch keiner der hier ansässigen Deutschen. Einen solchen Toman wird man binnen kurzem schon an den vielen „Ambals" (Gepäckträger) los, die jedem bei der Ankunft alles abnehmen, selbst Handtasche, ehe man sichs versteht. Man braucht allerdings nicht die mindeste Sorge zu haben, daß einem etwas abhanden kommt; denn
Diebstahl ist in Persien undenkbar.
Eine drakonische, echt astatische Gesetzgebung, die den Dieb mit Abhacken der Hand bestraft und für verschiedene Vergehen empfindliche Prügelstrafen vorsieht, hat die Achtung vor dem fremden Eigentum im Volke tief einzupflanzeu vermocht. Aber seine Domänen wird man doch rasch los; denn so ungefähr ein Dutzend Am- mils muß man bei seiner Ankunft entlohnen Ein icder aber trägt nur ein Gepäckstück, denn sie alle wollen doch davon etwas haben, wenn wieder mal ein Europäer sich sehen läßt. Diese Ambals tragen nun die Gepäckstücke beileihe nicht bis zum Hotel, vielmehr jeder nur eine bestimmte Etappe, denn die anderen wollen auch verdienen. Daß die so teuer erkauften Tomane wie ein Nichts zwischen den Fingern zerrinnen, wird einem allzu sehr auf Schritt und Tritt fühlbar. Der bei der unerträglichen Hitze — im Durchschnitt sind es an der Küste 35 Grad Celsius im Schatten und mehr — ewig vom Durst geplagte Europäer „vertrinkt", da Wasser nicht zu empfehlen ist, ein Vermögen, elbst N^nn er sich nur auf Selterwasser beschrankt. Denn eine kleine Flasche kostet zwei Krane, d. s. etwa eine Mark, eine Flasckrn Bier 6 Krane = drei Mark, in Teheran sogar zehn Krane, und eine Flasche „Kwaß", ein aus gegorenem Brot in Rußland hergestelltes, sehr erfri- chendes Getränk, zwei Krane. Das einfach- ce Hotelzimmer kostet ein Toman, Mittagessen etwa ebenso viel. Den Eindruck wird man nicht los. daß der Europäer als willkommenes entunfl§obje(t betrachtet wird und allenthalben einen geradezu
raffinierten Nepp
vorzufinden glaubt. Persiens Stellung in die- Haupthafen ist wie überhaupt am Kazpischen Meere passiv, denn das ganze Land hat dort kein einziges nennenswer- 'Es Kauffahrtei-Schiff. Rußland ist nach wie vor der Alleinherrscher auch in Bezug auIden Handel auf dem Kaspischen Meere. Das mit Persiens durfte allerdings
Erlaubnis Sowietrnßlands vor kurzem gebaut werden. Es ist ein altes anfgetakeltes Minen-Suchboot. Pahlevis Hafen ist aus den vorher angeführten Gründen leer von Handels- N-ffen, wenn nicht alle zwei, drei Tage ein «owietdampfer erscheint. Das ist immer ein großes Ereignis. Persien lebt im
Meoore oer -zeit versteht, wie sie noch jüngst aus. Laut Havasbericht erklärte r>er vntnttwe v^s aller P^lamentatter Euro- Außenminister SkrczynSki gestern vor Preffever-
Ws -. ^'dlngron aufleuchteten und ime pe.tretern in Locarno, in den Besprechungen mit m den hier oft skizzierten deutschen VorbehaltenITschitscherin in Warschau seien die Wi"t-
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Denn der vielgewandte Odysseus merkt wohl, daß ihtn ein ehrlicher, gegenseitiger Rhein- Pakt unter Englands Garantie die Tore nach ... Osten für iiiuiut verriegelt. Er will also von den Trcuschwüren für die polnisch-tschechischen Abfallen nicht laffen, sie möglichst in den Westpakt einbeziehen und hat die Stirn, den Deutschen unverfroren anzuraten, sich mit der Defensiivstellustg der Allierten noch für einige Jahre abzufinden. Diesen Zwitterbalg eines Etlichen Schiedsvertrags spaltete dann aber S t r e s e m an n mit mächtigem Schwabenstreich m zwei Hülsten, .hieb auch den Sattel noch in Stucken und tief noch in des Pferdes Rücken.." Der Riß schien unheilbar. Aber Briand ließ sich nicht verblüffen. Er machte sich in weitem Bogen um den ungläubigen Thomas Stresc- mann an den sanftmütigen Kanzler Luther heran und, gottlob, der Mann ließ mit sich reden. Den schlagfertigen Dialektiker Strese- mann aber nahm sich Sc. Majestät großmächtiger Außenminister Chamberlain vor und wurde seinerseits mit dem unweigerlichen Anspruch auf die Räumung Kölns empfangen, d. h. so reimt sich die Preffe den Lauf der Dinge zusammen. Denn die amtlichen Verlautbarungen wollen in ihrer nichtssagenden Dürftigkeit der Oeffentlichkett jede Einwirkung auf den Konfe- renFverlauf nehmen, leisten damit jedoch den gewagtesten Kombinationen und... politischen Ränkespielen Vorschub.
Die rein menschliche Annäherung der .Prominenten" scheint nun tatsächlich das Konferenzschifflein durst die größten Fährnisse gesteuert und weniastenS den Westpakt seiner ausdämmernden Lösung zugefübrt zu haben. Aber auch hier sind es immer wieder (habt wohl acht!) Ententeoptimisten, die mit fertigen Traktätlein hausieren gehen, um bei neuen Swckungen Deutschland als den Schuldigen anprangern zu können. Eiwendungen gegen den famosen Artikel 16 will man sogar, sobald Michel das müde Haupt in den Völkerbundschoß gebettet hat, man denke... a n h ö r en und dann vielleicht unmöglich, tunlichst, sozusagen fallen lassen, diesem Ansinnen hat natürlich Strese- mann ein schroffes .unannehmbar" entgegenae- stellt, sodaß nun die Spannung, wie man diese hart aufeinanderplatzenden Auffassungen überbrücken will, aufs höchste fle(tieo->n ist.
Gestern haben die vier Großen Mitteleuropas einen neuen Anlauf genommen, um über die Todeshürde des Durchmarfch-Artikels und Völkerbundbeittitts Hinwegzukommen. Auch über diesen Zusammenkünften liegen die dichten Schleier des Geheimnisses und nur Pariser Stimmen murmeln, daß Briand-Strese- mann sich in Zukunstsplänen über Europas wirtschaftlichen Zusammenschluß ergangen sind, wie sie schon seit geraumer Zeit die besten poli- ttschen Köpfe beschäftigen. Nur über die Wege zu dem heiß erstrebten Ziele zerbricht man sich fie_ sich noch. Aber die Stunde der Entscheidung drangt. Und alles wird davon abhängen, ob man in Paris und Locarno die Zeichen und Gebote der Zett versteht, wie sic noch jüngst aus.
VanöervkSöe als Remittier.
Strcsemann auch bei Benesch. -Keine Zusage.
(Privat-Telegramm.)
Locarno, 10. Oktober.
Außer der Unterredung Dr. Stresemanns mit Briand (s. Kast-m 2. S.) sand gestern eine Besprechung des Reichsautzenministcrs mit Dr. Benesch statt. Auch bei den gegenseitigen Besuchen Chamberlain-LuthcrS soll der belgische Vermittlungs-Vorschlag bezüglich des Artikels 16 eine Rolle gespielt ha- ben und die Aussprachen sollen zu einer weiteren Klärung des Standpunktes der verschiedenen Konferenzteilnehmer geführt haben, ohne daß man allerdings bisher von einer UeVerdrückung der Auffassungen sprechen könnte. V a n d e r v e l d e hat am Nachmittag in einer Unterredung mit Staatssekretär von Schubert seine Vermittlungsaktion fortgesetzt. Die Juristen der Konferenz werden heute den Delegierten Bericht erstatten. E'n Blatt meldet: Die Beratungen mit den Außenministern Polens und der Tschechoslowakei beginnen am Montag.
Locarno als Wendepunkt.
Lord Grey über Kriegsschuld und Gespenster.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 10. Oktober.