Mittwoch, 7. Oktober «38.
Kasseler Neueste Nachrichten
15. Jahrgang. — Nr. 231
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In der heiligen Grabeskirche in Jerusalem ist das Gewölbe durch das Gewicht der Opser- gaben so überlastet worden, daß es bereits zahlreiche Sprünge auiweist.
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Waggon-Verleih.
Der vorletzte Tag des Prozesses.
In dem schon gestern wiedergegebenen Plai- doher von Justizrat Heußner erklärte dieser u. a., daß ein Werk mit über 300 Angestellten und einem 27jährigen Direktor eine Tatsache sei, die die Gefahr einer nicht ordnungsmäßigen Betriebsführung ohne weiteres in sich schließe. Die Vorgänge im Werk seien geradezu beschämend und objektiv nicht zu rechtfettigen. Eine andere Frage fei aber die, ob diese Zustände der Verantwortlichkeit der Wettsleitung auszubürten seien. Direktor Dörner hätte sich in der Inflationszeit mit wichtigen Angelegenheiten seines Bettiebes befaßt. So sei er bemüht gewesen, zu möglichst günsttgen Preisen die Materialien zu beschaffen und mit der Umsetzung der verfügbaren Gelder, um sie vor der Entwertung zu schützen, in Sachwerte anzulegen. Demgegenüber hätte
die Kontrolle einzelner Arbeiter
in den Hintergrund treten müssen. Die Zuwendungen seien über den üblichen Rahmen nicht hinausgegangen. Die gefälschten MLc-terial- und Gedingezettel seien Direktor Dörner zwar Bor« gelegt worden, aber immer nur in der Abschrift, die Fälschungen nicht hätten offenbar werden lassen. Ueber die Persönlichkeit Dörners gibt sein Verteidiger folgenden Aufschluß: Er zog als sechzehnjähriger als Kriegsfreiwilliger ins Feld. Nach schwerer Kopfverletzung wurde er. garnisonverwendungsfähig geschrieben. Dennoch meldete er sich wieder freiwillig ins SVelb. Dieser Mensch, der mit Ehrgefühl und Begeisterung für das Vaterland gekämpft habe, ist keine Verbrechernatur . . . eine Person mit einer derartigen Einstellung ist nicht fähig, einen Staatsbe- irug zu begehen!
Die Nachmittagssitzung
beginnt mit dem Plaidoyer von Rechtsanwalt Dr. Wieser für die Angeklagten Kriech Hell- wia, Friedrich und sechs weitere Arbeiter des Werks. Was die ihnen zur Last gelegten Diebstähle angeht, so fehle es an jeder schlüssigen Beweisführung seitens der Anklagebehörde. Mit! Passierscheinen, die bei den Akten lägen, seien die Sachen von den Angeklagten aus dem Werk herausgebracht worden. Für die Sachen sei außerdem Zahlung in Form von Arbeit geleistet worden. Diese Schutzbehauptung der Angeklagten habe nicht wiederlegt werden können. An der Tatsache, daß Sachwette statt Geld den Arbeitern verabfolgt worden wären, sei nichts auffälliges. Dies Verfahren sei in gleicher Weise auch in anderen Kasseler Großbetrieben angewandt worden, so z. B., wie die Beweisaufnahme ergeben habe, bei der Waggonfabrik Wegmann u. Co. Auch für die dem Angeklagten Hellwig zur Last gelegten
Schrott - Diebstähle
läge kein Beweismaterial vor, deshalb beantragte Dr. Wieser auch hier Freisprechung. Bei Friedrich könne man nicht von einer strafbaren Handlung sprechen. Friedrichs Aufgabe sei es nicht gewesen, die Gedingezettel zu prüfen, er habe diese lediglich mechanisch übertragen. Auch für Friedrich beantragte der Verteidiger einen Freispruch. In der Frage der Beamtenbestechung habe die Beweisaufnahme ergeben baß man die Beamten, die jahrelang im Werk beschäftigt waren, zur Belegschaft rechntte. Man trug daher keine Bedenken, sie an den Votteilcn, die man den eigenen Arbeitern einräumte, teil nehmen zu lassen. Dieser Umstand müsse bei der Strafzumessung berücksichtigt werden. Besondere Beachtung findet dann der Ludendorff-Vetteidi- ger Rechtsanwalt Lüttgebrune. Wenn die Eisenbahn getäuscht worden sei, so habe auch sie gesündigt, denn sie habe es an der nötigen Kontrolle fohlen lassen. Seine Ausführungen waren
Zumeist wissenschaftlicher Natur und an die Juristen gerichtet.
Staatsanwaltschastsrat Dr. Schmitz nahm dann zu den Ausführungen der Verteidigung Stellung. Hierauf kamen dann die Verteidiger nochmÄs zum Wott, sodaß die Verhandlungen erst gegen 8 Uhr abends zu Ende waren.
Denkt an die Aufwertung!
Ter Umtausch von Reichsanleihen ist fällig.
Am 5- Oktober 1925 hat die Frist für die Aufwertung von Reichsanleihen zum Umtausch begonnen und zwar für solche, die Altbesitz sind, die sich also seit dem 1. Juli 1920 in derselben Hand befinden und für die daher auch A u s l o s u n g s r e ch t e gewährt werden. Als Vermittlungsstelle dienen Banken und Bankiers, öffentlich-rechtliche Kreditanstalten (Girokassen), Sparkassen, Kreditgenossenschaften und Zentralkassen landwirtschaftlicher Genossenschaften. Ihre Tätigkeit erfolgt für den Besitzer in der Regel unentgeltlich Da die Altbesitzer die Anträge nur in der Frist vom 5 Oktober 1925 bis zum 28. Februar 1926 stellen können, empfiehlt es sich, rechtzeitig mit der Einreichung der Anträge bei den Vermittlungsstellen und Her- aussuchen der Belege zu beginnen. Für die Anträge sind Vordrucke zu verwenden, die den Vermittlungsstellen zur Verfügung gestellt werden. Den Anträgen hat der Anleihegläubiger die S ch u l d u r k u n d e n nebst den Zins- und Erneuerungsscheinen beizufügen. Zugleich muß er den Beweis erbringen, daß et die Anleihen
vor dem 1. Juli 1920 erworben
und seitdem ununterbrochen besessen hat. Für die Führung dieses Nachweises ist ebenfalls ein Vordruck vorgeschrieben. Ueber die Anträge auf Gewährung von Auslosungsrechten auf Grund von Jnhaberschuldverschreibungen entscheidet der Reichskommiffar, der einen Teil seines Entscheidungsrechts auf die Anleihealtbe- sitz er übertragen wird, die bei den Finanzämtern errichtet sind. Anträge werden jedoch ausschließlich durch die oben bezeichneten Stellen entgegengenommen. Was als Reichs anleihe zu betrachten ist, besagt ein Verzeichnis dieser Reichs anleihen im Reichsgesetzblatt vom 12. September 1925 Nr. 44 Seite 342 Aus ihm geht hervor, daß zu diesen Anleihen außer den unmittelbaren Reichsanleihen. den Vorkriegs- und Kriegsanleihen des Deutschen Reichs sowie der Deutschen Sparprä- mienanleihe von 1919, die meisten Anleihen der deutschen Länder gehören, deren Staatseisenbahnen auf das Reich übergegangen sind. Ihre Anleihen sind hierbei vom Reich übernommen. Reichsanleihen sind daher auch die konsolidietten Anleihen und Schatzan- weisungen Preußens einschließlich der Aktien und Obligationen vetttaatlichter Eisenbahnen, die Staatseisenbahnanleihen Bayerns usw.
Ein sonderbarer Heiliger.
Die Wohnburg des Herrn Kockle.
In Newyork findet demnächst die Grundsteinlegung einer Art Wohnburg statt. Das ist ein Wolkenkratzer, von so riesenhaften Ausmassen und Verhältnissen, daß alles, was auf diesem Gebiet bisher dagewesen ist, neben ihm -lein und bedeutungslos erscheinen wird. Dieser Wolkenkratzer für Wohnzwecke wird nämlich nur um weniges niedriger fein, als vas höchste Bauwerk der Welt, der Pariser Eiffelturm. Erhebt sich dieser 300 Meter hoch über dem Wasserspiegel der Seine, so wird die Newyorket Wohnburg um volle 270 Meter über das Niveau des Broadways emporragen. Es saßt 65 Stockwerke mit weit über 5000 Wohnräumen.
Der Plan dieses Bauwerks entstammt der entfesselten Phantasie eines Architekten namens Oscar Kockle. Er hat bereits eine Reihe von Wolkenkratzern in verschiedenen amerikanischen Städten errichtet. Aber während seine Bauten bisher ausschließlich für die Unterbringung von Geschäften bestimmt waren, unternimmt er jetzt den Versuch, in der gleichen Weise für Wohnzwecke zu bauen. Kockle ist dabei in der ange
nehmen Lage, fein eigener Bauherr zu fein, wa- ihn der unangenehmen Notwendigkeit enthebt, Zugeständnisse machen zu müssen, wie jeder Architekt sie machen mutz, bet für fremde Rechnung baut. Es besteht also die Gewähr, ba' er feinen Plan in feiner ursprünglichen Form in die Wirklichkeit wird überführen können. Die Baukosten werden sich nach den vorliegenden Voranschlägen aus rund 60 Millionen Mark belaufen, aber es ist wahrscheinlich daß dieser Riesenbetrag noch überschritten werden wird. Für Kockle, "der mehrfacher Dollarmillionär ist, spielt dies jedoch keine Rolle. Es kommt ihm vielmehr lediglich darauf an, den Nachweis zu führen, daß der Wolkenkratzer auch für Wohnzwecke eine geeignete Bauweife darstellt, und fo- wohl in wirtschaftlicher Beziehung als auch betreffs der Darbietung aller wünschenswerten Annehmlichkeiten und Bequemlichkeiten für die Mieter nicht weniger, fondetn im Gegenteil weit mehr zu.leisten vermag, als jede andere Bauweise.
Kockle stellt übrigens seit vielen Jahren volle zehn Prozent seiner enormen Einkünfte einer von ihm begründeten Missionsgesellschaft zur Bekehrung afrikanischer Neger zur Verfügung. Er ist überhaupt ein sehr frommer Mann, und wenn er nur halb so gut bauen wie beten kann, so muß er ein sehr großer Künstler in seinem Fach fein. Ob feine Mieter sich aber sehr Wohl bei ihm fühlen werden, ist eine Frage für sich. Er hat nämlich eine Hausordnung für seine Wohnburg ausgearbeitet, die kaum nach jedermanns Geschmack sein dürfte, da sie die per sönliche Freiheit statt einengt. Der erste Punkt dieser Hausordnung bestimmt, daß jeder Mieter verpflichtet ist, jeden Sonntag die Kirche zu besuche«, und überdies einen bestimmten Betrag alljährlich für die Zwecke von Kockles Missions- aeseMchaft abzufübren hat. In keinem Raum der Wohnburg wird ferner geraucht werden dürfen, und ebenso ist das Einschmuggeln von alkoholischen ®etränten aufs strengste untersagt. Trotzdem haben sich schon viele Mietslustige gemeldet. Uber es bleibt abzuwarten, wie die Geschichte ausfällt. Die Grundsteinlegung findet in den nächsten Tagen statt. Zum kommenden Sommer soll das Riefengebäude, das sich an der Kreuzung des Broadway und der 112. Straße erheben wird, fettiggestellt sein.
Buntes Allerlei.
Zuschauer seiner eigenen Herzoperation.
Die Aerzie des Holy-Family-Hospitals in London standen vor einiger Zeit gelegentlic einer von ihnen ausgefühtten Operation fa vor einem wissenschaftlichen Rätsel. Es war i das Hospital ein Italiener eingeliefert worden, der wegen eines Mädchens mit einem Landsmann in Streit geraten war. Dabei hatte einer sehr schwere Stichwunden davongetragen. Im Hospital erkannte man sofort bei feiner Einlieferung die Notwendigkeit, zur Operation zu schreiten. Da der Fall nach dem Urteil der Aerzte besonders schwer lag, übernahm der Chefarzt selbst den operativen Eingriff. Es hatte sich nun im Verlauf der Operation als notwendig erwiesen, an Herz und Lunge des Verletzten einige Nadelstiche zu vollführen, um den starken Bluterguß zurückzudrängen. Diese Operation wird bekanntlich von den modernen Chirurgen schon vielfach ausgeführt, gilt aber dennoch als außerordentlich schwierig und gefährlich. Während die Aerzte noch mitten in der Arbeit waren und man gerade einige Stiche am Herzen ausführte, erwachte der Verletzte aus der Narkose. Er fiel jedoch, wie man meinen sollte, nicht sofott wieder in Ohnmacht, als er das Bild sah, das sich ihm bot, sondern sah 'n aller Ruhe den Aerzten zu, wie sie ihre Arbeit ausführten. Ja, er hatte sogar noch die Kraft, auf einige Fragen der Aerzte klare Antworten zu geben. Bei feiner zähen Natur hoffte man auf den Erfolg der Operation, jedoch am Abend erlag der Italiener feinen Verletzungen.
Späte, Mutterfreuden.
In Valladolid in Spanien hat dieser Tage eine Frau namens Lorenzo, die bereits 68 Jahre
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Ihn moükrnrr Kamin.
Im Berliner Kunstgewerbemuseum findet z. Zt. eine Ausstellung neuer märkischer Keramik statt. Kamin und Plastik unseres Bildes sind von Frau Hedwig Koch-Becker.
alt ist, einem gesunden Jungen das Leben geschenkt. Der Fall ist bemerkenswert, weil es verhältnismäßig sehr selten ist, daß eine Frau, die das Alter von fünfzig Jahren überschritten hat. noch Mutter wird Es kommt hinzu, daß Frau Lorenzo bereits 28 Entbindungen hinter sich hat nnd daß es jedesmal Söhne gewesen sind, die fie zur Welt brachte. Der letzte Ankömmling trägt daher in der Reihe seiner Brüder die Nummer 29! Diele Leistung ist noch respektabler, wenn man berücksichtigt, daß Frau Lorenzo Spanierin ist, also einer von den Rassen des Südens anaebört, deren Frauen schnell verblühen. Im übrigen verzeichnet die medizinische Literatur eine ganze Reibe von betagten Müttern. Einer der interessantesten Fälle dieser Att ereignete stch im Mai des Jahres 1776 in Anglesey in England, wo damals eine Greisin von 72 Jahren nach nahezu fünfzigjähriger kinderloser Ehe noch späte Mutterfreuden erlebte
*
Wie entsteht der WeinpretS?
Wein ist teuer, aber die Winzer verdienen nicht viel an ihrem Erzeugnis, den Hauptgewinn steck-m Handel und Steuer ein, wie nachfolgende Aufstellung zeigt. Der Preis einer Flasche Wein zu 5 Mark setzt sich tote folgt zusammen: Der Weinbauer erhält eine Mark, Abfüllen, Kork, Etikette, Kapsel kosten 15 Pfennig, Fracht und Spesen verschlinaen 10 Pfenig, der Weinhändler verdient 35 Pfennig, der Wirt schlägt 100 Prozent drauf, also 1.60 Mark, der Kellner verdient 50 Pfennig, die Steuer holt sich 1.30 Mtrk, und die Flasche Wem kostet fiinf Mark. Am ärgsten kontrastieren die Mark, die der Winzer für mühselige Arbeit erhält und die fünfzig Pfennig für den Kellner.
* Wo regnet es am meisten?
Die Menge des Regens in einer Stadt wird 'n Zentimetern ausgedrückt und zwar in der Summe, die der Jahresmenge entjpricht. Cayenne. die Hauptstadt von Französisch-Guyana, steht mit 330 Zentimetern an der Spitze aller Städte der Welt, ihr folgen — was wohl niemand vermuten dürfte—fünf italienische Städte, nämlich Tolmczzo 245, Pisa 125, Neapel 85, Rom 89 und Turin 78 Zentimeter. Erst dann erscheint , das nasse neblige London mit 65 Zentimeter. In Berlin fallen im Jahre 60 Zentimeter, in Paris 50 und in Wien 49 Zentimeter Regen.
Der Stunfcfuitt.
Was uns der Mittwoch bringt.
4.S0--6 Uhr: Nachmittagskonzert des Hansorche- sters: Operetten. — 6 U6r: Wirtschaftsmeldungen. — 6—7 Ußi: Ans dem Buch der Sage und Geschichte ..Germairische Stämme erschüttern das römische Weltreich lDie Cimbern nnd Teutonen)". — 7 Uhr: Wirt- schaitsMeldungen: Bericht über Frankfurter Effekten- Abendbörse. —- 7 Uhr: Uebertragung aus dem Frank- nrter Opernhaus: ..Der Freischütz". Romantische Over in drei Akten von Carl Maria v. Weber. Anfchlietzend: Nachrichtendienst. Wettermeldung, Ver- kehrsnachrichten der Hapag, Svortfunkdienst.________
M Kreuzwort-Rätsel
Auflösung des Rätsels in der Sonntagsausgabe.
a) von oben nach unten:
2. Tee, 3. Aula, 4. Lei, 5. Saurier, 7. Later- ne, 10. Jakob, 12. Uhr, 13. Rad, 17. Malz.
b) von links nach rechts:
1. Katalog, 6. Feuer, 8. Ar, 9. Eli, 10. Ja, 11. Uhu, 13. Rat, 14. Rehe, 15. Bake, 16. Irr, 18. Er, 19. Mai, 20. Talar, 21. Metzger.
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25 gatjrr Llltzballtmnd.
Den Abschluß der Ajährigen Jublläumsfeier in Leipzig bildete das Entscheidungsspiel um den Bundespokal, das die süddeutsche Mannschaft mit 2:1 gegen Mitteldeutschland gewann Unser Bild zeigt einen interessanten Moment aus dem Zwischenrundenfpiel, das Süddeutschland gegen Berlin mit 7« gewann.
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führt vtlUa aus
Gustav Bley,
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Kasse l-R-, Wltzenbänserstratze 14 HO4HWW