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Freitag, 2. Oktober 1925.

Kasseler Neueste Nachrichten

15. Jahrgang. Nr. 230.

Aus der Heimat

Turnen, Sport und Spiet.

Gerätewettkampf in Vollmarshansen.

Der Turn- und Sportverein 1899 Vollmars­hausen veranstaltet am 4. Oktober im Neuen- hagenschen Saale ein Sommerabturnen mit einem Gerätewettkampf, der von den Ver­einen Kassel-Bettenhausen, Oberkaufungen und Vollmarshausen ausgetragen wird. Von jedem Verein turnen vier Turner über 18 Jahre, zwei unter 18 Jahre, zwei Knaben und zwei Turne­rinnen je eine Kürübung am Reck, Barren und Pferd und eine Frei- oder Handgeräteübung. Das Kampfgericht liegt in den Händen der bei­den Gauturnwarte Rödiger und Christ. Das Kräfteverhältnis der beteiligten Vereine ist ein ziemlich ausgeglichenes. So ist ein, wenigstens den ländlichen Verhältnissen entsprechend, in­teressanter Kampf zu erwarten. Ag.

Film und Lichtbild

Göttinger Woche" im Dienste der Schule.

Die Provinzial-Lichtbildstelle (Landesverein für Volkswohlfahrt in Hannover) veranstaltet vom 3. bis 7. Oktober in Gemeinschaft mit dem .Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht" die erste Hannoversche Film- und Bildwoche in Göttingen. Sie soll eine Uebersicht geben über den derzeitigen Stand des Film- und Bildwe- scns und seine Bedeutung als Lehr- und Bil- dungsmittel. Sie ist auf breitester Grundlage gedacht, und die Einladung richtet sich an alle Behörden, Schulen, Vereine und Einzelpersön- lichkeiten, welche Interessen an der Ausnutzung des Films und des stehenden Lichtbildes als Lehr- und Bildungsmittel haben. Eine beson­dere Förderung läßt der Oberpräsident der Pro­vinz Hannover der Veranstaltung dadurch zuteil werden, daß er das Protektorat übernommen bat. Es wird auf reiche Beteiligung aus der Pro- vinz Hannover gerechnet, da den Teilnehmern außer den Veranstaltungen in engerem Sinne zahlreiche Besichtigungen der interessantesten Nniversitätsinstitute geboten werden. Mit der Veranstaltung ist eine Ausstellung bewährter Lichtbild- und Kinoapparate verbunden, welche im Betriebe vorgeführt werden.

Das Agnesheim.

Schwesternheim in Bad Liebenstein.

Der Hauptvorstand des Vaterländischen Frau- envereins vorn Roten Kreuz teilt mit, daß er sein in Bad Liebenstein in Thüringen gelegenes Schwestern-Erholungsheim (Agnesheirn) auch im Winter offen halten wird. Soweit die behaglich ausgestatteten Zimmer nicht von Schwestern be­ansprucht werden, werden sie gern an ihm emp­fohlene private Damen überlassen. Kurtaxe wird in Bad Liebenstein während der Wintermonate nicht erhoben. Bewerbungen sind zu richten an Frau Oberin Kranefuß, AgneSheim, Bad Lie- benstein in Thüringen.

Freizeit in der Lüneburger Heide

Für Lehrerinnen in Hermannsburg.

Der Verband evangelischer Religionslehrerin­nen hat die evangelischen Lehrerinnen aller Art zu einer Freizeit nach Hermannsburg einpela- den. Diese Freizeit soll sowohl der körperlichen Erholung wie der inneren Sammlung und Ver­tiefung dienen. Es sind außer täglichen Bibel­besprechungen, die das Gesamtthema:Das Reich Gottes im Neuen Testament" behandel« werden, die folgenden Vorttäge in Aussicht ge­nommen: 1. Der Einfluß der neuen Theologie auf den Religionsunterricht (Studienrätin E. Reuse, Lüneburg), 2. Der Begriff des Reiches Gottes aus der Weltkonferenz in Stockholm (Oberin Mgd. von Tiling-Elberfeld). Die letzten Tage sollen von Veranstaltungen ganz frei blei­ben, damit die aus weiter Ferne zugereisten Lehrerinnen Gelegenheit haben, die schöne Lü­neburger Heide kennen zu lernen, sich unterein­ander näher zu kommen und einzelne Fragen je nach Bedürfnis noch ausgiebiger miteinander zu erörtern. Die Volkshochschule in Hosmanns- burg hat ihre Räume zur Verfügung gestellt. Dort können die Teilnehmerinnen in Zimmern behaglich untergebracht werden. Die Anmeldun-

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.Mit dem Kopf eines Büffels, dem Schwanz ei­nes Pferdes und den Hufen einer Antilope," und ein anderer englischer Jäger fügt hinzu, daß eS .die Feierlichkeit einer Eule, die Nase einer Rö­merin und den Bart einer Ziege" sein eigen nen­ne. Das Ganze macht, gepaart mit der Plump­heit eines Elefanten, einen höchst sonderbaren Eindruck, aber das Wildebeeste ist keineswegs so plump und dumm, wie es aussieht. Den Ruf der Dummbeit verdanken diese Tiere hauptsäch­lich den seltsamen Lauten, die sie von sich ge­ben und die dem Quaken eines RiesensroscheS gleichen, und ihrer außerordentlichen Neugierde, mit der häufig eine ganze Heerde plötzlich anga­loppiert, um sich den Mann anzuschauen, der auf sie schießen will, wodurch sie diesen in nicht ge­ringe Verlegenheit brinaen. So zutraulich ist das blaue Gnu aber nur in noch nicht erschlosse­nen Gebieten. Wissen die Tiere erst, was es mit dem Schießen auf sich hat, dann sind sie sehr scheu und vorsichtig. Man hat das Wildebeeste lange für sehr gefährlich gehalten, aber das ist eine Fabel. Ihre Hörner sind leicht, und ihnen fehlt der Mut des Büffels. Diese sonderbare Fa­milie des Gnus ist über ganz Afrika verstreut, aber in größter Zahl findet sie sich in dem Wild­paradies, das sich in dem erloschenen Krater des Ngorongoro in Tanganjika ausdebut. In diesem natürlichen Kessel, der zwanzig Kilometer im Durchmesser bat und von etwa 700 Meter hohen Felsen umgeben ist, grasen gegen vierzigtausend Wildebeester und spielen lustig miteinander in ungehinderter Freiheit, in der sie die fortschrei- rende Zivilisation nicht mehr lange lassen wird.

Wo üer Afriksforschrr Kühe fsnü.

Seinem Wunsche gemäß wurde der im 89. Lebensjahre verstorben« berühmte deutsche Afrikaforscher Schweinfurth im Botanischen Garten Berlin-Dahlem, der ihm vtel Schenkun- genverdankt, und den er täglichbesuchte^beigefetzt._________________________

gen sind baldmöglichst zu richten an Fräulein Mieze Ehlers, Hermannsburg, Missionshaus. Als Anreisetag gilt der 8. Oktober, als Abreise­tag der 15. Oktober, als Schluß der eigentlichen Freizeit der 15. Oktober. Pfarrer Theys.

Grielchlerles Wandern

Neue Sonntags-Fahrkarten der Kasseler Rciqsbahndirektion.

Auf Veranlassung des Vorstandes oes Hessi­schen Gebirgsvereines hat die hiesige Reichs- bahndirektion folgende Sonntagsfahrkarten be­reits zur Ausgabe gelangen lassen.

1. (gabeltarten: KasselMündenHelsa wahlweise 3. Klaffe 1,80 R.-M., 4. Klaffe 1.20 R.-M.

2. Gabelkarten: KasselVelmeden Haffelbach und Albungen wahlweise 3 Klasse 4,70 R.-M,, 4. Klasse 3,10 R.-M.

3. Gabelkarten: KasselEschwege Mendorf wahlweise 3. Klaffe 4,50 R.-M., 4. Klaffe 3,00 R.-M. m

4. KasselEschwege 3. Klasse 5,20 R.-M., 4 Klasse 3,40 R.-M.

Es ist hiermit den langgehegten Wünschen vieler Wanderer Rechnung getragen. Mit der Gabelkarte MündenHelsa ermöglichen sich jetzt u. a.

folgende Wanderungen:

HelsaBilstein Steinberg Münden, mit Fahrtunterbrechung von Oberkaufungen aus: OberkaufungenAuerhahnhütte (oder Rreste- ml)Bilstein-SteinbergMünden.

OberkaufungenNiesteEscherode Rinder­stall Grundbachtal Grundmühle Werra­hausStauanlageMünden.

Alle diese Wanderungen sind auch umgekehrt vorzunehmen. 8«*-

» Hanm-Münden, 1. Oktober. (Forstmeiste Dörr -j-.) Der Nestor der südhannoverschen Forstleute, ein weit über den Umkreis unserer Stadt hinaus bekannter und geschätzter Forst­mann ist in der Person des früheren Stadtmun- dcner Forstmeisters Heinrich Dörr hier verstor­ben. Unter sechs Bürgermeistern hat der Heim­gegangene seiner zweiten Heimat treue Dienste geleistet. Der Dörrweg am Tivoli, die prächtig« Dörranlage mit dem Blick auf die Werrastauan­lage und der Dörrstein im Forstort Gierstein, der ihm zu Ehren beim fünfzigjährigen Dienst­jubiläum von den städttschen Kollegien geweiht und mit der Inschrift:Dieses Revier wurde

über fünfzig Jahre von dem städtischen Ober­förster Döir vorbildlich verwaltet", versehen wurde, beweisen seine Verdienste um den gro­ßen mehr als achttausend Morgen umfassenden Mündener Stadtwald, dessen Heger und Pfleger er mehr als ein halbes Jahrhundert war. Seine Heimat war Ehrsten bei Hofgeismar, wo sein Vater Lehrer war. Er gehörte mit August Na- termann, seinem langjährigen Forstsenator und Fischer-Hellenberg zu den kühnen Erbauern des Tillyschanzenturmes.

* Volkmarsen, 1. Oktober. (Tragödie in der Burgruine.) Aus der Kugelsburg bei Volkmar­sen fand man gestern früh gegen 10 Uhr einen gut gekleideten jungen Manu im Alter von 20 bis 22 Jahren, angeblich einen Schleifer, der sich oberhalb der Schläfe mit einem Revolver in den Kopf geschossen hatte. Ein Einwohner Volkmar­sens brachte den jungen Mann, der noch am Le­ben ist, in das hiesige Krankenhaus. Angeblich hat er die Tat aus Verzweiflung begangen.

Rohrbach, 1. Oktober. (Unfall beim Dre­schen.) Beim Dreschen wurde der zehnjährige Sohn des hiesigen Schäfers Hildebrandt von der Trommel erfaßt und mit in die Maschine gezogen. Hierbei wurde dem Jungen der linke 9lrm vollständig zertrümmert, sodaß eine Am­putation notwendig werden wird. Nach Anke- aimg eines Notverbandes wurde der bedauerns­werte Knabe dem Krankenhaus zugeführt. Eine erneute Mahnung, Kinder von Arbeiten an der Dreschmaschine völlig sernzuhalten.

HerSseld, 1. Oktober. (Kraftpost.) Der Kraft- toagenbetrieb auf der Strecke Hersfeld-Heringen (Werra) wird am 2. Oktober ausgenommen.

Warburg, 1. Oktober. (Unfall eines Rad­fahrers.) Der in der hiesigen Zuckerfabrik be­schäftigte Arbeiter Heinrich Dey stürzte mit feinem Rade auf der Fahrt zwischen Warburg und Wettefingen so unglücklich, daß er neben an­deren Verletzungen einen Schädelbruch erlitt. In feinem Blute liegend, wurde er von Passan­ten bewußtlos aufgefunden die für feine Uebcr« fiihrung ins hiesige Krankenhaus sorgten. Am Aufkommen des Verunglückten wird gezweifelt.

Buntes Allerlei.

Das wunverlfchste Tier.

Das afrikanifcheWildebeeste" oder blaue Gnu gehört zweiselws zu den Tieren der Got­teswelt, die am wunderlichsten ausfchauen. Der berühmte Großwildjäger Selous schrieb es:

<8me Minute Srvkunve.

Die Anschauung, daß unser Erdteil seine« Namen der von Jupiter geraubten Europa ver­danke, ist ins Reich der Mythe verwiesen; viel­mehr leitet sich der Name Europa von dem Worteereb" her, das bei den Phönizieren, den Assyren und den Hebräerndunkel",Abend", Sonnenuntergang" bedeutet. Das entsprach durchaus auch der geographischen Lage jener Völker, für die der europäische Kontinent tat­sächlich nach Sonnenuntergang in der Richtung des Abends und der Nacht lag. Dasselbe leitet seinen Namen von dem assyrischen Wortaszu" ab, das auf gewissen Inschriften demereb" stets als Gegensatz gegenüber gestellt wird und Helle",leuchtenden Schein", mit anderen Wor­ten den Orient, Sonnenaufgang, bezeichnet, da ja das asiatische Festland im Osten liegt Afrika ist das Land derafri". Das Wort selbst ist phönizischen Ursprungs, seine Bedeutung aber nicht bekannt. Der Name Amerika wurde zum ersten Male im Jahre 1507 von dem Freiburger Geographen Waldseemüller auf seiner Welckarte gebraucht. Die Benennung ist von dem Amerika- reisenden Amerigo Vespucci abgeleitet, während nach dem Entdecker Amerikas nur ein kleiner Teil des Erdteils, Columbia, genannt wurde. Der Name Australien endlich kommt von dem lateinischenterra australis", was südliches Land bedeutet.

Alkohol an» Brot!

Wie schon kurz gemeldet ist dem italienischen Ingenieur Mario Andrusiani die Gewinnung von Alkohol aus dem in den Backöfen während des Brotbackens entstehenden alkoholhaltigen Dampfschwaden gelungen,die man bisher unver­wertet in den Schornstein entweichen ließ. Ein« Anlage nach dem neuen Verfahren, das dem Erfinder vom deutschen Patentamt patentiert wurde, ist bereits in einer italienischen und in Berlin in der Riesenböckerei der Konsumgenos­senschaft zu Lichtenberg aufgestellt. Nach dem Gutachten der Bettiebsleiter dieser Fabriken sowie des Mailänder Finanzamts wird aus je hundert Kilogramm verbackenem Mehl ein Liter 65 bis 85 prozentiger Alkohol gewonnen. An der Erreichung dieses Zieles hat der Erfinder über vier Jahre gearbeitet. Die zu überwinden­den Schwierigkeiten bestanden vor allem darin, daß der Bäckereibetrieb und der Backprozetz selbst nicht im a-ringsten gestört werden durften und der zur Alkoholgewinnung benutzte Apparat ganz billig, einfach und automatisch arbeitend gesichtet werden mußte, sodaß er ohne Bedie­nung von Menschenhand und ohne Kraftquelle arbeitet. Dielen Forderungen werden von dem neuen Apparat erfüllt, Eine deutsche Gesell­schaft hat das Verfahren zur industriellen Auswertung ertoorben.

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